Titel: Schirm's Leuchtfeuerapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 284/Miszelle 2 (S. 190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj284/mi284mi08_2

Schirm's Leuchtfeuerapparat.

Der Schirm'sche Leuchtfeuerapparat (D. R. P. Nr. 54423 vom 12. März 1890) ist nach der Hamburger Börsenhalle nur 2 m hoch, und hat etwa 850 mm Durchmesser. Im Inneren befindet sich ein Gebläse, durch welches Benzingas erzeugt wird, indem man Luft durch mit Benzin getränkten Bimsstein hindurchtreibt. Dieses Benzingas wird durch feines Magnesiumpulver hindurchgeführt und gelangt, mit diesem gesättigt, in einer kleinen Flamme zur Entzündung und zwar mit solcher Stärke, dass sich nach dem Ausspruch des Erfinders eine Lichtstärke von gegen 400 000 Kerzen entwickelt. Der Apparat wird durch ein Uhrwerk geregelt und ist zum Schütze gegen Wind und Wetter in einen Glaskasten eingeschlossen. Der Verbrauch an Magnesium ist sehr gering, da, je nachdem eine Stärke von 200000 bis 400000 Kerzen erzielt werden soll, zu jedem Blink nur 4 bis 10 cg Magnesiumpulver verwendet werden. Bei gewöhnlichem Betriebe werden in der Stunde 14,4 bis 36 g dieses Pulvers verbraucht, in zehnstündigem Betriebe also von 144 bis 360 g, welche 6 M. bezieh. 13 M. kosten würden. Dabei ist der Apparat weder an Condensatoren noch an Nebelapparate, noch Reflectoren gebunden, wenn auch letztere, namentlich Linsen, den Schein des Feuers bedeutend verstärken würden. Das Trinity House zu London, welches für alles, was die Schifffahrtsinteressen anbetrifft, ein wachsames Auge hat, will einen Apparat der Leuchtfeuer-Versuchstation in Folkestone einverleiben.

Der Verein deutscher Seeschiffer zu Hamburg hat vor kurzem mit einem solchen Apparate Versuche angestellt, die nach Uhland's Rundschau sehr günstige Ergebnisse geliefert haben. Es war dabei der Apparat auf einem der Thürine der Seewarte aufgestellt und trat um 8 Uhr in Thätigkeit, indem er zunächst ein Blinkfeuer von drei Doppelblinken in der Minute zeigte, so zwar, dass auf eine 20-Secundenpause etwa eine halbe Secunde dauernde Blinke folgten. Letztere waren so stark, dass sie sich, trotz ungewöhnlich klarer Luft, sehr deutlich und nach Art des Wetterleuchtens hell am Himmel abhoben, während sie zugleich einen so kräftigen, durchdringenden Schein warfen, dass vom Standpunkte der den Versuch beobachtenden Fachleute aus die in der Nähe beinahe in einer Linie mit der Seewarte liegenden elektrischen Thurmlichter von Hornhardt und Ludwig völlig davon verdunkelt wurden. Auf eine Entfernung von reichlich 5 Seemeilen war das Leuchtfeuer noch so stark, dass dasselbe beim jedesmaligen Aufblitzen sofort wieder gefunden wurde, trotzdem auf Wilhelmsburg in derselben Richtung von Harburg aus, bis wohin man gefahren war, mehrere sehr starke elektrische Lichter brannten. Um 8½ Uhr wurde das Feuer durch Einschaltung eines zweiten Apparates derart verändert, dass es jetzt sechs unmittelbar auf einander folgende Blinke zeigte, doch ist der Erfinder auch im Stande, längere Blinke zu zeigen, sowie auch seinen Apparat so einzurichten, dass sich mit demselben nach dem Morse'schen System telegraphiren lässt. Als die raschen Blinke eingeschaltet waren, liess sich das Feuer so vorzüglich peilen, dass dasselbe ohne Zweifel sich für grosse Leuchtfeuer am Lande ganz besonders eignet, um so mehr, als dasselbe mit äusserst geringen Kosten zu unterhalten ist.

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