Titel: Apparat zum Sedimentiren und Abfiltriren von Niederschlägen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 14–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285004

Apparat zum Sedimentiren und Abfiltriren von Niederschlägen.1)

Mitgetheilt von H. Kast.

Mit Abbildungen.

Der nebenstehend abgebildete, von Herrn Ingenieur Heynemann in Frankfurt a. M. construirte Apparat soll das schnelle Absetzen fester in Flüssigkeiten suspendirter Substanzen bewerkstelligen. In dem kreisrunden, mit abschraubbarem Deckel versehenen Gehäuse (Fig. 1) befindet sich ein Flügelrad, dessen Welle am unteren Ende in einem Achatlager läuft und oben durch ein im Deckel befestigtes Rohr geführt wird. Der Apparat wird durch Wasser aus der Wasserleitung getrieben, weiches durch einen düsenartig verengten Stutzen in tangentialer Richtung dem Flügelrad zugeführt wird und durch einen zweiten weiteren Stutzen den Apparat wieder verlässt. Man kann den Apparat in einfachster Weise durch Ueberziehen eines Kautschukschlauches über einen Wasserhahn mit der Leitung verbinden und setzt ihn durch allmähliches Oeffnen des Hahnes in Bewegung. An dem oberen Theile der |15| Welle ist ein vierarmiges Kreuz befestigt, an dessen Enden die mit der zu centrifugirenden Flüssigkeit gefüllten Gefässe hängen. Durch das zuströmende Wasser werden Flügelrad und Welle in so rasche Umdrehung versetzt, dass die am Armkreuz hängenden Gefässe aus der senkrechten in beinahe wagerechte Lage gebracht werden. Zur Aufnahme der Flüssigkeit können Reagensgläser verschiedener Grösse bis zu 30 cc Fassungsraum Verwendung finden, welche, wie aus Fig. 1 ersichtlich, in Drahtkörbchen gesteckt werden. Wie ich mich durch mehrfache Versuche überzeugte, gelingt es, mit diesem Apparate Niederschläge der verschiedensten Art rasch zu sedimentiren. Zuweilen setzt sich das Sediment so fest am Boden des Reagensglases an, dass es kräftigen Schütteins bedarf, um den Niederschlag wieder in der überstehenden Flüssigkeit zu suspendiren. Verspritzen der Flüssigkeit oder Zerbrechen der Gläser durch Aneinanderschlagen beim Anlassen oder Abstellen des Apparates ist nicht zu befürchten, ebenso wenig Wiederaufrütteln des einmal abgesetzten Niederschlages. Durch langsames Auf- bezieh. Abdrehen des Wasserhahnes hat man es in der Hand, den Apparat allmählich in Bewegung zu setzen und auch wieder auspendeln zu lassen, so dass ruckweiser Gang vermieden wird.

Textabbildung Bd. 285, S. 15
In der beschriebenen Construction ist der Apparat hauptsächlich zum Gebrauch im bakteriologischen und physiologischen Laboratorium zum Centrifugiren von Sputum und Harn, zur Beschleunigung der Eiweissbestimmungen u.s.w. bestimmt. Immerhin wird er auch dem Chemiker des Oeftern gute Dienste leisten können.

Es schien mir aber wünschenswerth, den Apparat so abzuändern, dass derselbe speciell beim quantitativen chemischen Arbeiten zur Beschleunigung des Abfiltrirens und Auswaschens von Niederschlägen Verwendung finden könne, Meiner diesbezüglichen Anregung ist Herr Heynemann gefolgt und hat durch zweckentsprechende Umgestaltung der Aufhängevorrichtung den Apparat auch für das chemische Laboratorium brauchbar gemacht. Zur Aufnahme des Filtrates bedient man sich kurzhalsiger Kochkölbchen oder zweckmässiger kleiner Erlenmeyer'scher Kölbchen, welche man in die beiden unteren Ringe a und b des Drahtgestelles (Fig. 2) einsetzt. Ein beweglicher dritter Ring c, weichen man über den Hals des Kölbchens schiebt, hält dieses während des Centrifugirens fest. Es ist nothwendig, nur Kölbchen mit kreisrunder Oeffnung zu verwenden, damit ein Kippen des einzusetzenden Trichters und Herausspritzen der Flüssigkeit beim Beginn des Schleuderns vermieden werde. Das Filter e setzt man in einen kleinen perforirten Porzellantrichter d und diesen wieder in einen gewöhnlichen Glastrichter f. Letzterer wird ohne weitere Befestigung auf den Hals des Kölbchens gesetzt und nun, nachdem die zu filtrirende Flüssigkeit auf das Filter gegeben ist, der Apparat in Bewegung gebracht. Wiederholte Versuche haben mir gezeigt, dass sich selbst schwer filtrirbare Niederschläge auf dem beschriebenen Apparate sehr rasch filtriren und auch auswaschen lassen, ohne irgend weichen Verlust.

Textabbildung Bd. 285, S. 15
Wie aus Fig. 3 ersichtlich, kann man in die Drahtgestelle auch kleinere Scheidetrichter setzen. Flüssigkeitsgemische, welche erst nach längerer Ruhe sich trennen, können durch Centrifugiren innerhalb weniger Minuten geschieden werden.

Um einen ruhigen Gang des Apparates zu erzielen, ist es nothwendig, denselben gleichmässig zu belasten. Man wird also stets mit zwei gegenüber aufgehängten oder mit vier Drahtgestellen arbeiten. Die Dimensionen des Apparates sind so gewählt, dass an demselben vier kurzhalsige Koch- oder Erlenmeyer'sche Kölbchen bis 250 g Capacität oder vier Scheidetrichter bis zu 150 cc Fassungsraum angebracht werden können.

Schliesslich lässt sich der Apparat auch noch als Laboratoriumsturbine zum Rühren, Schütteln u.s.w. benutzen. |16| An Stelle des abschraubbaren Armkreuzes wird dann ein kleines Triebrad aufgesetzt.

Karlsruhe, chemisch-technisches Laboratorium der technischen Hochschule, Juni 1892.

Der hier beschriebene Apparat kann durch die Metallwaarenfabrik von Heinrich Pichler in Frankfurt a. M. oder durch Ingenieur Heynemann in Sachsenhausen-Frankfurt a. M. (Schifferstrasse 53) zum Preise von 50 M. bezogen werden.

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