Titel: Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 84–89)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285022

Neuerungen an Elektromotoren (Dynamomaschinen) und Zubehör.1)

(Patentklasse 21. Fortsetzung des Berichtes Bd. 283 S. 251.)

Mit Abbildungen.

1) W. T. Goolden und Co., Woodfield Works (Harrow-Road) London W. (vgl. 1889 272 * 121, 1891 279 * 107, |85| 281 * 2) bauen Elektromotoren für die Verwendung in Bergwerken, insbesondere in Kohlengruben. Einerseits bereitet der Staub und Schmutz, andererseits die Anwesenheit entzündlicher Gase besondere Schwierigkeiten für die Ausführung derartiger Motoren. Für gewöhnliche Zwecke, selbst in Kohlengruben kann sicher angenommen werden, dass der Motor nicht für gewöhnlich in einer entzündlichen Luft zu arbeiten hat, und daher genügt es, den Anker und die Bürsten desselben luft- und staubdicht einzuschliessen oder zu verdecken. Eine solche Verdeckung dürfte genügen, um eine entzündliche Gasmischung für viele Stunden von den Bürsten abzuhalten und in dieser Zeit würde die Beschaffenheit der umgebenden Luft sicher vom Wärter wahrgenommen und der Strom abgestellt werden.

Textabbildung Bd. 285, S. 85
Die Abbildung Fig. 1 (vgl. auch Fig. 2) zeigt nach den Industries, 1891 * S. 89, einen Motor von Goolden und Co., welcher ausser dieser vollständigen Verdeckung des Ankers noch einige andere Eigenthümlichkeiten besitzt. Der Anker ist nämlich ausserordentlich kräftig ausgeführt; die Bewickelungsdrähte desselben sind verkeilt und sowohl unter sich, als auch vom Ankerkerne durch Glimmer isolirt. Hierdurch wird der Motor zum Betriebe von Hebemaschinen mittels Rädervorgelege geeignet, dessen Stössen er dann genügend Widerstand leistet, so dass Riemen, Ketten oder andere Uebertragungsmittel, welche sich in der Praxis nicht bewährt haben, entbehrlich werden.

In denjenigen Fällen, in welchen eine unbedingte Sicherheit des Motors in entzündlichem Gas verlangt wird, trifft Goolden eine durch besondere Patente geschützte Anordnung, bei welcher die mit dem Stromsammler in Berührung stehenden Bürsten so eingeschlossen sind, dass das sie umgebende Gasgemisch keinen grösseren Raum erfüllt, wie in einer Sicherheitslampe, so dass die Gasmenge in einem solchen Verhältniss zur Länge und der kühlenden Oberfläche des Auslasses steht, dass, falls wirklich eine Entzündung stattfinden sollte, ausserhalb keine Flamme erscheint.

Diese Motoren haben vielfach Verwendung gefunden zum Betriebe von Kohlenschrämmaschinen, Pumpen, Aufzügen und Steinbohrmaschinen.

2) Als Ergänzung zu den in 1) gemachten Mittheilungen über die Verwendung von Elektromotoren in Bergwerken folgen einige Bemerkungen, welche einer in der Institution of Civil Engineers vorgelesenen, auf vierjährige Erfahrungen gestützten Abhandlung von L. B. und C. W. Atkinson nach den Engineering News, 1891 * S. 114, entnommen sind.

Die Bedenken, welche gegen die Verwendung von Elektromotoren zu dem gedachten Zwecke erhoben werden, beziehen sich hauptsächlich auf die Gefahren, welche der elektrische Strom in entzündlichen Gasen hervorbringen kann. – Nach den Versuchen der Verfasser wird ein gewöhnlicher Motor, welcher etwa bis zu 500 Volt arbeitet und bei welchem die Bürsten richtig eingestellt sind, zunächst gar keine Funken geben, also auch ohne Gefahr in Kohlenbergwerken verwendet werden können. Dann aber, wenn in Folge von Abnutzung des Stromsammlers, oder in Folge von Abnutzung, oder von veränderlicher Belastung wirklich ein leichtes Funkengeben eintritt, geschieht dies in Gegenwart einer grossen Masse von sehr gut leitendem Metall (Kupfer), so dass die Temperatur nicht in dem Maasse zunimmt, um ein entzündliches Gemisch von Kohlengas und Luft, oder gewöhnlichem Sumpfgas und Luft zu erzeugen.

Es ist hierbei Folgendes zu beachten:

Einerseits ist die Temperatur, bei welcher unter gewöhnlichem Drucke ein Gemisch von 1 Raumtheil Kohlengas mit 5 Th. Luft, oder von 1 Th. Sumpfgas mit 9,4 Th. Luft sich entzündet, auf 900 bis 1100° C. anzunehmen. Andererseits geschieht die Bildung von Kupferoxyd, sobald Kupfer mit Sauerstoff in Berührung ist, bei einer Temperatur von etwa 700° C. Da nun aber unter gewöhnlichen Verhältnissen eine Bildung von Kupferoxyd weder am Stromsammler, noch an den Spitzen der Bürsten wahrgenommen wird, so dürfte dies ein Beweis sein, dass hier eine zur Bildung eines entzündlichen Gasgemisches erforderliche Temperatur nicht herrscht. Um aber möglichen Gefahren durch grössere Temperaturerhöhung bei ungewöhnlichem Verschleiss, oder erheblicher falscher Einstellung der Bürsten vorzubeugen, schliessen Atkinsons den Anker mit dem Stromsammler und den Bürsten, oder, wo dies nicht ausführbar ist, wenigstens den Stromsammler und die Bürsten in einen luftdichten Kasten ein. Mit Erfolg ist dies geschehen bei Motoren von 1 bis 45 . Die erstere Anordnung zeigt Fig. 2 in der Ausführung von Goolden, bei einem Motor von 14 (vgl. auch Fig. 1). Es ist hierbei vorausgesetzt, dass die Maschine nicht beständig in einem entzündlichen Gasgemisch arbeitet; die angegebene Vorrichtung soll die Anhäufung solcher Gase beim Motor für einige Stunden abhalten, wenn derselbe etwa ohne Aufsicht arbeitet. Der Motor soll aber ausserdem abgestellt werden können, falls irgend welche Gefahren plötzlich auftreten, so dass er bereits ausser Thätigkeit ist, wenn ihn die Gase erreichen.

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Es ist bekannt, dass durch entsprechende Grösse der Oberfläche der Magnetwickelungen die Erhöhung der Temperatur während der Arbeit auf einer bestimmten Höhe erhalten |86| werden kann, und zwar wird beispielsweise hier eine Endtemperatur von 70° F. (21° C.) über der atmosphärischen erzielt, wenn die kühlende Oberfläche 2,3 Quadratzoll (14,8 qc) für 1 Watt beträgt. Für gewöhnliche Dynamo und Motoren, welche in beständiger Berührung mit Luft sich drehen, kann die kühlende Oberfläche auf etwa 0,7 Quadratzoll für 1 Watt verringert werden.

Die angegebenen Umhüllungen sind überall luftdicht an die Dynamo angeschlossen, wo nöthig, ist die Dichtung mit Gummi hergestellt, so dass es nicht wahrscheinlich ist, dass entzündbare Gase in einer gefährlichen Menge eintreten können, wenn der Motor einige Stunden arbeitet. Sollte aber eine Undichtheit vorhanden sein, so würde, sobald das Verhältniss des Sumpfgases in der Luft 3 bis 4 Proc. erreicht hat, eine langsame Verbrennung stattfinden, durch welche Kohlensäure gebildet wird, die eine weitere Explosion verhindert.

In solchen Fällen aber, in welchen der Motor für längere Zeit in einem entzündlichen Gasgemisch arbeiten soll, bringen Atkinsons einen Stahlcylinder an, der mit zusammengepresstem Kohlendioxyd gefüllt und durch eine Röhre mit der Umhüllung des Ankers verbunden ist, so dass ein langsamer, gleichmässiger Strom dieses Gases in die Umhüllung eintritt, der die darin enthaltenen brennbaren Gase unentzündbar macht. 14procentiges Kohlensäuregas genügt ja in den entzündbarsten Schwadenmischungen, um sie unentzündbar zu machen.

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Nach Ansicht der Herren Atkinson bieten die Um- und Ausschalter viel grössere Gefahren, als die Motoren, und sie suchen dieselben dadurch zu beseitigen, dass sie zunächst das Bestreben zum Funken geben bei der Umschaltung möglichst zu vermindern suchen, sowie durch die Anordnung der Umschalter derart, dass sie, wenn wirklich ein Funken auftritt, unter den gewöhnlichen Verhältnissen noch Sicherheit bieten. Zu diesem Zweck wird die mit Reihenwickelung versehene Dynamo mit einer Widerstandsspule von geringer Selbstinduction ausgestattet, welche stets mit den Enden der Magnetspulen verbunden ist, so dass sie einen Weg bildet, durch welchen der Strom in jenen unterhalten bleibt, selbst wenn der Hauptstromkreis unterbrochen wird. In gleicher Weise werden auch die Umschalter angeordnet, derart, dass bevor der Stromkreis unterbrochen wird, die Spule der Magnete kurz geschlossen wird. Durch diese Mittel erzeugt die Stromunterbrechung dieselben Bedingungen, welche in mit Nebenschlusswickelung versehenen Dynamo oder Motoren bestehen, und dann kann das Funkengeben nur durch die Selbstinduction der Leitung und des Ankers veranlasst werden. Um nun dieses letztere Funkengeben möglichst zu vermindern, wird der Umschalter an seiner unteren Seite mit einer Widerstandsspule versehen, welche mit den verschiedenen Punkten, mit denen er Contact macht, verbunden ist. Die Drahtstärke dieser Spule ist so gross gewählt, dass er den Strom für die kurze Zeit des Umschaltens aufnehmen kann. Selbst wenn der Stromerzeuger kurz geschlossen ist, ist dieser Strom so weit verringert, dass er, selbst wenn der Umschalter langsam über die Contacte bewegt wird, noch weniger beträgt als der sogen. kritische magnetisirende Strom der Dynamo. Das Ergebniss davon ist, dass für die Zeit, in welcher der Stromkreis offen ist, die mit Reihenwickelung versehene Dynamo aufhört, sich selbst zu erregen; die elektromotorische Kraft und der Strom sind sehr klein und das Funkengeben beinahe gleich Null. – Zur weiteren Sicherheit werden die Umschalter, wie Fig. 3 zeigt, als luftdichte Büchsen angefertigt, welche den Zutritt entzündbarer Gase für mehrere Stunden abhalten.

An die Vorlesung schloss sich eine lebhafte Besprechung an.

3) Die in Fig. 4 nach den Industries, 1890 * S. 481, abgebildete Dampfdynamo von W. T. Goolden und Co. in London, welche durch eine Willan'sche Dampfmaschine betrieben wird, ist eine von den für die St. John's Wharf Central Station der Westminster Electric Supply Corporation bestimmten Maschinen. Dieselbe zeigt einen hoch liegenden Anker, eine Anordnung, welche von den genannten Fabrikanten für die Dynamo bis zu 50 Kilo-Watt Leistung vorgezogen wird. Der Anker ist leicht zu beseitigen, ohne dass es nöthig ist, das magnetische Feld abzunehmen, auch sind die Bürsten leichter zugänglich als bei kleinen Maschinen mit tief liegendem Anker. Die schmiedeeisernen Feldmagnete sind auf die Grundplatte aufgeschraubt, welche das Joch derselben bildet. Der Anker hat im oberen Theil der Magnetbohrung einen etwas geringeren Spielraum als im unteren Theil. Hierdurch soll die durch Erschütterungen der Polstücke entstehende ungleiche Vertheilung der Induction vermieden werden. Das äussere Lager ist kugelförmig.

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Die Ankerwickelung besteht aus gewalzten Stäben, deren Enden auf beiden Seiten mittels eines aus V-förmig gestalteten, radial gestellten Streifen gebildeten und ähnlich wie ein Stromsammler aufgebauten massiven Körpers mit Zuhilfenahme spiralförmiger Streifen verbunden sind. Diese sowohl, als auch jene sind durch Glimmer isolirt. – Die Feldmagnete sind sowohl von innen, als auch von aussen gut gelüftet. – Die Bürsten haben Goolden's patentirte Schraubenzustellung, welche während des Laufes ein Herausstellen ohne Lüften von Schrauben und Muttern gestattet.

Die Dynamo gibt bei 440 Umdrehungen in der Minute 120 Volt, 375 Ampère, 45000 Watt; der Widerstand des Ankers ist 0,013 Ohm, der der Magnetspulen 21,4 Ohm. Unsere Quelle gibt die Zahlen von verschiedenen Versuchen, welche mit der Maschine gemacht worden sind.

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Nach Willems' Erfahrungen und Versuchen sind die Reibungsverluste in der Dampfmaschine nahezu unabhängig von der Belastung derselben. Hiernach kann aus den durch die ebengenannten Versuche erlangten Zahlen die Leistung der Dampfdynamo für irgend eine Belastung und der commercielle Wirkungsgrad berechnet werden. Bei 43400 Watt zeigt dieselbe 80,4 Proc. Nutzeffect und bei 26500 Watt 72 Proc.

Bei Versuchen, welche Prof. A. Kennedy mit derselben, zur Beleuchtung des Parlamentsgebäudes vorübergehend benutzten Maschine angestellt hat, ergaben sich 85 bis 86 Proc.

Anschliessend an Vorstehendes mag noch auf die in den Industries, 1890 S. 411, mitgetheilten Ergebnisse von Versuchen hingewiesen werden, welche Willems und Robinson mit Dampfdynamo angestellt haben.

Mather und Platt haben eine grosse Anzahl von mit der Willans-Dampfmaschine zu verbindenden Dynamo gebaut.

4) Die Allgemeine Elektricitätsgesellschaft in Berlin verwendet für motorische Zwecke den 1891 281 39 beschriebenen Motor, Modell S, welcher sowohl für einen guten Wirkungsgrad, als auch mit Rücksicht auf möglichst vollkommenes Vermeiden von Funken an den Bürsten gebaut ist, da von letzterem Umstände der gute Erfolg noch mehr abhängt als vom Wirkungsgrade. Dieser Motor S arbeitet mit einem sehr kräftigen Magnetismus, so dass die Zahl der Ankerwindungen sehr klein sein kann. Da nun gleichzeitig die Zahl der Abtheilungen im Stromsammler sehr gross ist, so arbeitet der Motor ganz funkenlos, bei jeder Belastung vom Leerlaufe bis zur höchsten Leistung. Um einen kräftigen Magnetismus zu erzielen, musste der Luftraum möglichst verkleinert werden, und deshalb ist auf dem Anker nur eine Lage sehr dünnen Drahtes angeordnet. Damit sich der Draht bei der starken Beanspruchung, welcher er ausgesetzt ist, nicht erhitzt, ist für sehr guten Luftwechsel Sorge getragen.

Die an angeführtem Orte 1891 281 * 40 abgedruckte Tabelle gibt die Hauptabmessungen der noch nach diesem Modell gebauten Elektromotoren. Die daselbst zuerst stehenden Motoren S1 und S2 sind Hauptstrommaschinen und bedürfen keines Anlasswiderstandes. Die Regulirung der Geschwindigkeit geschieht durch Einsetzen einer 10-, 16-, oder 32kerzigen Glühlampe, oder eines Bleistöpsels in die am oberen Theil der Maschine angebrachte Fassung.

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5) Die Dynamo von Napier Prentice in Stowmarket, Suffolk, zeichnet sich, wie aus der aus Iron, 1891 * S. 18, entnommenen Abbildung Fig. 5 ersichtlich ist, durch ihre gedrungene Bauart und die geringe Höhe der Ankermitte über der Grundplatte aus. Das magnetische Feld ist sehr kräftig gewählt, so dass die Zahl der Draht Windungen auf dem Anker möglichst verringert und der Selbstinduction thunlichst vorgebeugt ist. Um Beschädigungen der Wickelungsdrähte möglichst zu verhüten, sind sowohl die des Ankers, als auch die der Magnete durch metallene Deckel geschützt. Auch die mechanische Ausführung der Maschine ist eine sehr sorgfältige; das Lager der stählernen Ankerwelle zunächst der Riemenscheibe hat eine Länge gleich dem fünffachen Durchmesser, während das andere den dreifachen Durchmesser zur Länge hat; beide Lager sind mit selbsthätigen Oeltropfschmiergefässen versehen. Es verdient noch erwähnt zu werden, dass alle Theile von Maschinen gleicher Grösse auswechselbar hergestellt sind, so dass die Erneuerung eines solchen Theiles in leichtester Weise geschehen kann.

Die Abbildungen Fig. 6 und 7 zeigen noch die von Prentice angewendeten magnetischen Ausschalter, und zwar erstere die Stellung für geschlossenen, letztere für unterbrochenen Stromkreis. Bei denselben unterbricht nicht der Strom selbst den Stromkreis, sondern er bringt einen Klöppel zum Fallen, der hierbei ein zur Verschiebung der Contactbrücke ausreichendes Moment entwickelt, so dass durch diese Verschiebung der Stromkreis unterbrochen wird.

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Diese Ausschalter, in denen weder Bildung von Quecksilberoxyd, noch Staubansammlungen Störungen veranlassen können, sind sehr empfindlich und verhindern zuverlässig eine aussergewöhnliche Zunahme des Stromes in ihrem Stromkreise.

6) G. C. Pyle in Indianapolis, Nordamerika, hat zum Betriebe einer an der vorderen Stirnseite von Locomotiven anzubringenden elektrischen Bogenlampe eine in den Industries, 1890 * S. 553, nach der Electrical World abgebildete Dynamo hergestellt, die von einer sehr kleinen unmittelbar angekuppelten Dampfmaschine betrieben und mit dieser zwischen Schornstein und Lampe angebracht wird. Die wesentlichsten Bedingungen, welche eine derartige Anlage erfüllen muss, sind geringer Raumbedarf bei grosser Einfachheit in der Bedienung, damit der Locomotivführer nicht noch mehr belastet wird; ferner darf dieselbe, selbst bei wenig sorgfältiger Behandlung, nicht leicht in Unordnung gerathen und endlich muss die Lampe trotz der vorkommenden Erschütterungen gleichmässig brennen. Die Betriebsmaschine leistet nur 3 ; das Dampfzuleitungsrohr von 19 min lichter Weite geht vom Hintertheile des |88| Kessels aus und ist mit einem vom Führerstande leicht zugänglichen Absperrventil versehen. Dampfmaschine und Dynamo sind, soweit als möglich, in Kästen eingeschlossen. Letztere hat, da sie nur zur Speisung einer einzigen Bogenlampe dient, keine besondere Regulirung, und es ist nur für gute Oelung der Lager und Glatthalten der Bürsten Sorge getragen, welch letztere nicht verstellt zu werden brauchen. Das Gesammtgewicht der Maschine und Dynamo beträgt etwa 320 k, und beide beanspruchen einen Raum von 710 mm Länge, 381 mm Breite und 432 mm Höhe. Die normale Umdrehungszahl der Ankerwelle ist 425 in der Minute.

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7) Die Dynamo für Beleuchtung von Eisenbahnzügen, gebaut von J. H. Hohnes und Co. in Newcastle-upon-Tyne und London, unter anderen von der Midland Railway Comp. auf ihren Expresszügen angewendet und in Fig. 8 nach dem Engineer, 1891 Bd. 71 * S. 394, abgebildet, soll zufolge ihrer Einrichtung die Potentialdifferenz an den Polklemmen der Dynamo sowohl bei grossen Unterschieden in der Geschwindigkeit, als auch bei Drehung in beiden Richtungen unveränderlich erhalten. Bekanntlich steht die elektromotorische Kraft einer nicht selbsterregenden gewöhnlichen Dynamo sowohl in geradem Verhältniss zur Umdrehungsgeschwindigkeit, als auch zur Stärke des magnetischen Feldes, und demnach wird die elektromotorische Kraft unverändert bleiben, wenn die Stärke des magnetischen Feldes in demselben Maasse verringert wird, wie die Umdrehungsgeschwindigkeit zunimmt. Deshalb stellt Holmes zwei Dynamo mit getrennten magnetischen Feldern dicht neben einander und bringt die Anker beider auf einer gemeinschaftlichen Welle an; die eine derselben ist die Strom erzeugende Maschine, die andere dient zur Regulirung der Stärke des magnetischen Feldes der ersteren. Die Magnete der Maschine werden durch eine besondere Stromquelle, z.B. durch eine Speicherbatterie, erregt, und die Magnete des Strom erzeugenden Ankers sind mit zwei verschiedenen erregenden Stromkreisen versehen; der eine derselben ist ein gewöhnlicher Nebenschlusstromkreis mit hohem, der andere ein solcher von geringerem Widerstände, letzterer ist mit der Stromquelle so verbunden, dass er und der kleine regulirende Anker hinter einander geschaltet sind. Der regulirende Anker ist so gekuppelt, dass seine elektromotorische Kraft sich der des erzeugenden2) Ankers und der der Stromquelle entgegen stellt. Der Nebenschlusstromkreis von hohem Widerstände ist so bemessen, dass er bei der grössten Geschwindigkeit, mit welcher man den erzeugenden Anker laufen lassen will, ohne Mitwirkung des regulirenden Stromkreises ein magnetisches Feld gibt, dessen Stärke der vom Strom erzeugenden Anker verlangten elektromotorischen Kraft entspricht. Wenn der erzeugende Anker in dieser Weise betrieben wird, darf durch den zweiten erregenden Stromkreis kein Strom gehen, was dadurch erreicht wird, dass bei der grössten Geschwindigkeit des regulirenden Ankers dessen elektromotorische Kraft gleich und entgegengesetzt der elektromotorischen Kraft der äusseren Stromquelle ist. Wenn jedoch die Geschwindigkeit abnimmt, so wird die elektromotorische Kraft des regulirenden Ankers in demselben Verhältniss verringert, so dass sie nicht mehr gleich der der äusseren Stromquelle ist; dann wird ein Strom durch den zweiten, mit geringerem Widerstände versehenen erregenden Stromkreis dem Magnete des erzeugenden Ankers zugehen; die Stärke des magnetischen Feldes wird somit in demselben Maasse wachsen, wie die Geschwindigkeit abgenommen hat, so dass thatsächlich eine gleichbleibende elektromotorische Kraft des erzeugenden Ankers sich ergeben wird.

Wenn die Geschwindigkeit auf das geringste Maass, etwa auf die Hälfte der grössten Geschwindigkeit sinkt, so wird die elektromotorische Kraft des regulirenden Ankers die Hälfte von der der äusseren Stromquelle sein; es ist daher nothwendig, die Verhältnisse des zweiten Stromkreises |89| der Feldmagnete des den Strom erzeugenden Ankers so zu berechnen, dass man nur die Hälfte der elektromotorischen Kraft der äusseren Stromquelle als verfügbar annimmt und den Widerstand des regulirenden Ankers als einen Theil des Widerstandes des Stromkreises ansieht. Bei der niedrigsten Geschwindigkeit wird daher die eine Hälfte der erregenden Kraft durch eine Spule erzeugt, welche an ihren Polklemmen die volle Potentialdifferenz der äusseren Kraftquelle hat; die andere Hälfte wird durch die zweite schwächere Spule erzeugt, welche an ihren Polklemmen die halbe Potentialdifferenz hat, vermindert natürlich um den, dem Widerstände des regulirenden Ankers entsprechenden Betrag, weil dieser Anker einen Theil des Stromkreises bildet.

Bei Anwendung dieser Dynamo für die Beleuchtung eines Eisenbahnzuges wird die Ankerwelle durch Riemen von einer Achse des Zugführerwagens getrieben und eine Speicherbatterie als Stromquelle zur Erregung der Feldmagnete verwendet. Mittels eines von der Ankerwelle getriebenen Centrifugalregulators und zweier Umschalter werden die Speicherzellen zur Erregung sowohl der erzeugenden, als auch der regulirenden Dynamo, sowie auch der Anker der erzeugenden Dynamo selbsthätig eingeschaltet, sobald die Geschwindigkeit den geringsten Betrag, bei dem die Dynamo in Thätigkeit kommen soll, erreicht hat; ebenso bewirkt dieser Regulator die Ausschaltung, sobald dieser Mindestbetrag unterschritten wird.

Da ferner die Dynamo bei jeder Bewegungsrichtung des Zuges Strom erzeugen muss, so sind die Bürsten, welche den Strom von den Stromsammlern beider Anker abnehmen, von Drahtgaze hergestellt, radial gegen die Stromsammler gerichtet, und die „Leitung“ wird selbsthätig der Umdrehungsrichtung entsprechend umgestellt; gleichzeitig werden nämlich die Verbindungen der Anker entsprechend gewechselt, um die Polarität an den Polklemmen der beiden Dynamo stets in demselben Sinne zu erhalten.

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Um die richtige Polarität zu sichern, ist auf der Ankerspindel noch ein Umsteuerungsumschalter angebracht, welcher durch Reibungsscheiben in Thätigkeit gesetzt wird, welche jedoch nur dann wirken, wenn die Ankerwelle zum Stillstande kommt, während sie frei laufen, wenn die Achse in Umdrehung kommt.

In Verbindung mit der Dynamo ist ein selbsthätiger Ausschalter angebracht, von ähnlicher Einrichtung wie bei sonstigen Beleuchtungsanlagen, und zwar ist seine Spule vom höchsten Widerstände mit den Polklemmen der Dynamo, die Spule von geringem Widerstände aber mit dem Hauptstromkreise der Beleuchtungsanlage verbunden. Dieser Apparat schaltet diesen letzteren Stromkreis zu jeder Zeit aus, sobald die elektromotorische Kraft des Maschinenstromkreises geringer ist als diejenige, welche die im Zuge angewendeten Speicherbatterien entwickeln.

Sehr klar ist die Anordnung dieser letzteren Theile in der Engineering Review vom 5. Juni 1891 * S. 62 erläutert. In der daselbst gegebenen Schaltungskizze dient dieselbe Speicherbatterie zum Erregen der beiden Dynamo und zum Speisen der Lampen während der Ausschaltung des – natürlich gleichsinnig parallel zu ihr zu schaltenden – Ankers der erzeugenden Dynamo.

8) Henry F. Joel und Co. in London bauen ihre Dynamo in der nach dem Londoner Electrical Engineer, 1891 Bd. 7 * S. 367, 1892 Bd. 9 * S. 151, durch Fig. 9 bis 11 dargestellten Ausführung, bei der besonders auch für feste und lange Lagerstellen der Ankerwelle gesorgt ist. Die Polstücke sind aus Gusseisen, die Magnetkerne dagegen aus bestem Hammereisen hergestellt und besonders ausgeglüht. Die Bürsten sind mit Zeigern versehen, welche ihre Stellung anzeigen; ausserdem haben sie stellbare Spiralfedern zur Regulirung ihres Druckes auf den Stromsammler und endlich sind sie mit einer Vorrichtung zum Abheben vom Stromsammler versehen. Der Anker besteht, wie Fig. 10 und 11 erkennen lassen, aus einzelnen, aus Scheiben zusammengesetzten Abtheilungen von Form eines Kreisabschnittes; dabei greifen die Scheiben der einen in die Zwischenräume der Scheiben ihrer benachbarten Abtheilungen. Diese Abtheilungen bilden den Kranz des Rades und sind durch Bolzen auf den mit der Nabe aus dem Ganzen hergestellten Speichen befestigt. Der Kern jeder dieser Abtheilungen ist mit einer Anzahl Wickelungen von isolirtem Draht umwunden, deren Enden in einfacher, leicht lösbarer Art mit den Abtheilungen des Stromsammlers verbunden sind. Die ganze Anordnung der Maschine ist mit Rücksicht auf leichtes Auseinandernehmen und Zusammenstellen getroffen. – Eine derartige Maschine speist bei 3 Gasbetriebskraft 40 16kerzige Lampen und gibt etwa 90 Proc. Nutzeffect.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber Vielphasen-Stromerzeuger hat am 16. December 1891 Dr. M. J. Pupin von Columbia College im American Institute of Electrical Engineers zu New York einen eingehenden theoretischen Vortrag gehalten, welcher in den Transactions der Gesellschaft Bd. 8 * S. 562 abgedruckt ist, während ebenda * S. 586 die an den Vortrag sich anschliessende Besprechung folgt. – Ueber das Gesetz der Hysteresis sprach in dieser Gesellschaft am 19. Januar 1892 Charles Proteus Steinmetz; vgl. Transactions, Bd. 9 * S. 3.

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In unserer Quelle und ebenso im New Yorker Electrical Engineer, 1891 Bd. 11 * S. 629, steht: „der des regulirenden Ankers“.

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