Titel: Neuere Schraubensicherungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 89–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285023

Neuere Schraubensicherungen.

Mit Abbildungen.

Die grössere Zahl der neuerdings in die Erscheinung getretenen Schraubensicherungen beruht auf dem Grundgedanken, durch eine keilförmige Einlage zwischen Bolzen und Mutter die Sperrung zu bewirken; auch Einlagen in Form von Schrauben kommen zur Verwendung. Weniger zahlreich sind die Sicherungen, welche mittels einer Unterlagsplatte bewirkt werden, obwohl unter diesen beachtenswerthe Constructionen zu treffen sind, wie z.B. die in Nachstehendem erwähnten Schraubensicherungen von Grant, |90| sowie die von Dennys. Eine Schraubensicherung durch umgelegte Blechplatten, die sich durch einfache Handhabung auszeichnet, ist die von Elster, die in Nachstehendem in ihrer Verwendung für Eisenbahnschienenverlaschung gezeigt ist. Die Sicherungen mit geschlitztem Bolzen und Anpressen der getheilten Gewindestücke scheinen in den vorliegenden Constructionen nicht empfehlenswerth. Nur die wichtigeren Erscheinungen auf diesem Gebiete sollen in Nachstehendem besprochen werden.

Die Schraubensicherung der Stark Nut Lock Company in St. Louis (Mo.) zeigt nach Fig. 1 an dem Schraubenbolzen eine einzige, nach der Längsrichtung des Bolzens eingefräste Nuth, während die Mutter deren zwölf hat, die jedoch nur an den Endflächen schräg eingeschnitten sind. Ein federnder Keil, der nach dem Festdrehen der Mutter in die Nuth geschoben wird, verhindert das Lösen der Mutter. Zum Zweck des Nachziehens kann der Keil ohne Mühe entfernt werden, was in vielen Fällen sehr zu statten kommt. Der Schluss kann je nach 1/12 Umdrehung der Mutter erfolgen.

Textabbildung Bd. 285, S. 90
Diese Schraubensicherung ist nach Engineering bei den hervorragendsten Eisenbahngesellschaften Amerikas und bei der Pullmann Car Company eingeführt. Vertreter für England ist B. Haughton, Westminster Chambers, London.

Bei der Schraubensicherung von S. Henry Ray und Richard Hanlon in St. Louis, Missouri, Nordamerika (D. R. P. Nr. 49367, Zusatzpatent zu Nr. 44698), Fig. 2, erfolgt die Sicherung am Bolzen A durch einen keilförmigen Stift C, welcher in die excentrische Nuth D der Mutter B eingesteckt wird. Damit sich der Stift nicht lösen kann, ist sein Obertheil zu einem Bügel ausgebildet, welcher in die Einschnitte e und d der Mutter eingreift.

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Bei der Schraubensicherung mittels zerschneidbarer Stifte von Hermann Lohnert in Bromberg (D. R. P. Nr. 52243 vom 7. September 1889, Fig. 3 bis 5) werden zwischen Mutter A und Bolzen B in entsprechende Nuthen d Stifte g aus weichem Metall eingebracht, so dass ein Lösen des Gewindes nur dann erfolgen kann, wenn die eingetriebenen Stifte g durch kräftiges Drehen der härteren Muttern oder der Bolzen ihrer Längenrichtung nach durchschnitten werden.

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Eine ähnliche Sicherung wendet, nach Revue générale de méchanique appliquée, Levent an, der zugleich als Unterlagsplatte eine Bleischeibe empfiehlt, welche sich beim Anziehen der Mutter in die Nuthen presst und auf diese Weise die Wirkung verstärkt.

Die Schraubensicherung von William August Pungs in Detroit, Nordamerika (D. R. P. Nr. 46876 vom 3. Juli 1888), Fig. 6 bis 8, zeigen die Schraubenmutter im Längsschnitt, bevor und nachdem sie mit Gewinde versehen ist; Fig. 8 zeigt eine abweichende Ausführungsform. Die Mutter A hat parallel zur Achse in ihrer Bohrung einen Ausschnitt a, in welchen ein aussen vorstehender, dem Muttergewinde entsprechend angeschnittener Stift B passt, der beim Anziehen der Mutter in den Ausschnitt hineingezwängt wird und dadurch das Bolzengewinde festklemmt. In der zweiten Anordnung lässt der Ausschnitt a vor der Mutterbohrung eine dünne Zwischenwand, welche durch Eintreiben eines keilförmigen Stiftes fest in das Bolzengewinde eingedrückt wird.

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Eine Schrauben Sicherung mit Nasenstift zwischen Bolzen und Mutter (D. R. P. Nr. 60353) ist Cl. W. Richter in Hamburg am 4. Januar 1891 patentirt worden. Die Schraubensicherung besteht aus dem mit einer Nase n versehenen Stift a, welcher in eine Bohrung m eingeführt wird, mit der die Mutter M und die Schraube S versehen sind. Bei letzterer geht die Bohrung nicht bis auf den Grund des Gewindes. Nach Drehen des Stiftes a fasst die Nase n in den Gewindegang der Schraube ein, um ein Entfernen des Stiftes aus der Bohrung zu verhindern. Man kann auch mehrere solcher Bohrungen anwenden, um die Sicherung an verschiedenen Stellen des Umfanges anbringen zu können.

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Eine Vorrichtung an Kopfschrauben zum Schütze gegen unbefugtes Lösen von Ad. Baumann in Berlin ist Gegenstand des D. R. P. Nr. 60130 vom 20. December 1890. Auf die ausgedrehte oder ausgefräste, mit einem Schlitz versehene Oberfläche des Schraubenkopfes wird, nachdem die Schraube eingeschraubt ist, ein Plättchen aus weichem |91| Metall aufgelegt. Der Schraubenkopf hat einen umgelegten Rand, welcher zur Aufnahme des Plättchens aus weichem Metall dient. Durch einen aufgeschlagenen Controlstempel wird der Schlitz zugedeckt, so dass ein Lösen der Schraube ohne Verletzung des Stempels unmöglich ist.

A. C. Grünwald in Jastrow (D. R. P. Nr. 54792) versieht den Schraubenbolzen mit einem in der ganzen Länge des Bolzens parallel oder schräg zur Achse liegenden Sicherungsstifte C, dessen oberer Theil c keilartig gegen die Theile des Bolzens drückt und dadurch das Gewinde an die zu sichernde Mutter A drückt (Fig. 10). Auch kann der keilförmige Theil c (Fig. 11) des Sicherungsstiftes C in einer entsprechenden Nuth G der Mutter ruhen und dieselbe festlegen, während gleichzeitig der Sicherungsstift c dadurch in seiner Lage gehalten wird, dass die Mutter D beim Anziehen in am Schraubenkopf b1 angebrachte Schrägflächen b2 oder Vertiefungen b3 einspringt und so auch ihrerseits in Sicherung verbleibt.

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Die Schraubensicherung von Adolph Vogt in Brüssel (D. R. P. Nr. 48430 vom 6. März 1889), Fig. 12 bis 14, besteht aus einer besonderen Schraube S, deren Gewinde einen kleineren Durchmesser und entgegengesetzte Richtung wie dasjenige des Schraubenbolzens C hat und welche über oder in der Mutter B in der Weise angeordnet ist, dass sie mit ihrem Gewinde in dasjenige des Schraubenbolzens eingreift und bei entsprechender Drehung um ihre Achse in dem Schraubenbolzengewinde festgeklemmt oder gelöst wird. Die Sicherungsschraube S kann auch in einem besonderen, über die Mutter zu schraubenden Gehäuse A derartig angeordnet sein, dass die Schraube S in letzterem drehbar gehalten ist und ihr Gewinde mit demjenigen des zu sichernden Schraubenbolzens in Eingriff steht.

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Bei der Schraubensicherung von Thomas Barnet Graut in Holborn (D. R. P. Nr. 51052 vom 13. August 1889) bildet eine unter der Mutter oder dem Schraubenkopf angeordnete elastische, in der Mitte durchbohrte Scheibe die Sicherung. Die Scheibe wird durch vom Mittelloch ausgehende Einschnitte in einzelne Lappen getheilt, welche zum Zwecke des leichteren Durchsteckens des Schraubenbolzens gebogen sind, so dass beim Anziehen der Schraube oder Mutter die Scheibe flach gedrückt wird, die Lappen den Bolzen fest umspannen und ein Drehen desselben in der Scheibe verhindern, während das Drehen der Mutter in der Scheibe durch den vorstehenden Rand der letzteren oder durch die Versenkung der in diesem Falle vieleckig gestalteten Scheibe in die Mutter oder die feste Unterlage verhindert wird. Die Lappen der Scheibe können beim Anziehen theils gegen den Bolzen, theils gegen die Mutter gedrückt werden, damit die Mutter auf dem Bolzen gesichert wird.

Textabbildung Bd. 285, S. 91
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Anordnungen in verschiedenen Ausführungsformen werden durch die Fig. 15 bis 19 dargestellt.

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N. B. Dennys in Croydon-road, Anerly, verwendet als Sicherung eine Unterlagsscheibe von der Grösse der Kopffläche der Mutter. Die Unterlagsscheibe erhält einen Ansatz, welcher so gebogen wird, dass er sich an die Seitenfläche der Mutter legt (Fig. 20 bis 23). Dem Ansätze gegenüber ist eine Tülle eingepresst. Die Sicherung ist sehr einfach und wird als zuverlässig geschildert.

E. J. Kösters in Harkorten (D. R. P. Nr. 56436), Fig. 24, gibt der Unterlagsscheibe einen oder mehrere gewölbte Lappen, so dass sich diese beim Anschrauben in die Lage a1 stellen und durch leichte Schläge fest an die Mutter gelegt werden können, wie bei a2 ersichtlich.

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Ch. Hall Thomas in Moneton verwendet bei seinem D. R. P. Nr. 56440 (Fig. 25) eine V-förmig gebogene elastische Metallplatte, deren der Mutter zugekehrter Schenkel a über das Bolzengewinde gestreift werden kann. Der andere Schenkel b ist mit Gewinde versehen, mittels dessen die Platte auf dem Bolzen gegen die Schraubenmutter geschraubt wird. Der durch diese Anspannung entstehende elastische Druck verhindert das Lösen der Mutter.

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Die Schraubensicherung mittels zwischen zwei Muttern festgeklemmten Legeschlüssels von L. A. Elster und E. Young in Jeffersonville und J. E. Knapp in West-Lancaster, Ohio, Nordamerika (D. R. P. Nr. 53542 vom 22. Januar 1890), Fig. 26 bis 29, umfasst mit einem Legeschlüssel I je zwei Muttern und wird durch die in eine Oeffnung von I eingreifende Zunge G der federnden Platte E in seiner Lage gehalten. Die Platte E umfasst mit ihrem gegabelten Ende F einen der Schraubenbolzen und wird durch dessen Mutter C festgeklemmt.

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Schraubensicherung von Emil Oberwarth in Berlin (D. R. P. Nr. 52513 vom 24. August 1889), Fig. 30 bis 33. Die Gewindetheile a b des Schraubenbolzens B unterscheiden sich entweder in der Gewinderichtung oder in der Ganghöhe. Die Sicherung erfolgt, gleichgültig, ob sich die Muttern berühren oder nicht, durch an der einen der beiden Muttern ef angebrachte Lappen g, welche gegen die mit den Seitenflächen dieser ersten Mutter in eine Flucht gestellten Seitenflächen der zweiten Mutter gelegt werden, so dass eine Einzelverdrehung der einen oder der anderen Mutter verhindert wird.

Textabbildung Bd. 285, S. 92
Textabbildung Bd. 285, S. 92
William Armstrong in London verwendet als Schraubensicherung eine Kappe C mit zwei Stegen, welche, wie Fig. 34 und 35 zeigen, über die Seitenflächen der Mutter B geschoben werden. Die Schraube A hat ein vier- oder sechskantiges Ende, auf welches der Kopf passt. Zur grösseren Sicherheit wird die Kappe bei D durch einen Spleisskeil gehalten.

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Die Schraubensicherung mit Zahnklinkengesperre von M. Scholtz in Bromberg (D. R. P. Nr. 51195 vom 12. September 1889), Fig. 36 und 37, hat ein federndes Zahnklinkengesperre. Damit der Sperrhaken sicher einzubringen ist und selbsthätig sperrt, ist derselbe mit Daumen b und federndem Schenkel b1, sowie einem halbmondförmigen Ansätze am |93| unteren Ende der Sperrhakenachse d versehen und besitzt am unteren Ende des Achsenloches eine Erweiterung.

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Schraube mit Schraubenflächensicherung von H. A. Eggert in Bromberg (D. R. P. Nr. 48199), Fig. 38 bis 42. Die mit entgegengesetztem Gewinde versehenen beiden Muttern berühren sich in einer oder mehreren Schraubenflächen mit Absätzen ab, welche dieselbe Richtung, aber etwas grössere Steigung als das Gewinde der Gegenmutter haben, so dass der Schluss zwischen Haupt- und Gegenmutter durch eine kurze Zurückdrehung und die Sicherung gegen Lockerwerden nicht durch Reibung, sondern durch körperlichen Zwangsschluss erzielt wird.

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Schraubensicherung von William Mc Quiston in Wilkinsburg, Alleghany, Nordamerika (D. R. P. Nr. 53459 vom 26. Januar 1890), Fig. 43. Diese Schraubensicherung dient gleichzeitig für zwei oder mehrere Muttern D, welche an ihrer Auflagerfläche abgesetzt oder verjüngt und derartig eingestellt sind, dass zwei gegenüber liegende Seitenflächen sämmtlicher Muttern in parallelen Ebenen liegen, so dass über die Mutter parallel zu diesen Ebenen ein Kasten E übergeschoben werden kann. Zwei je an einem Ende geschlossene Kasten E werden dann an ihren zusammenstossenden offenen Enden zur vollständigen Umschliessung der Muttern durch eine passende Vorrichtung E1 verbunden.

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Die Clutha-Schraubensicherung von P. und W. Mc Lellan in Glasgow hat, wie Fig. 44 bis 47 zeigen, zwei über die Kopffläche der Mutter hervorragende Ansätze, welche vor dem Aufschrauben um einen geringen Betrag nach innen gedrückt werden, so dass sie den Bolzen fest einklemmen.

J. R. Peacock in Nottingham theilt die Mutter durch einen parallel den Kopfflächen gelegten Schnitt, so dass sie nur noch an einer schmalen Stelle Zusammenhang behalten. Verschiebt man nun diese Theile in der Richtung des Schnittes etwas gegen einander, so werden sie nach dem Aufschrauben den Bolzen nach entgegengesetzten Richtungen festklemmen und dadurch das Lösen verhindern (D. R. P. Nr. 59482).

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G. Berghausen sen. in Köln legt nach D. R. P. Nr. 56432 um die Mutter einen gewundenen elastischen Draht a (Fig. 48), welcher bei c durch eine Oese befestigt ist. Beim Anziehen der Mutter biegt sich die die Mutter umfassende Schleife auf, zieht sich dagegen beim Lösen fest und verhindert somit ein Lockerwerden.

Harrower schlitzt den Schraubenbolzen der Länge nach und treibt die gespaltenen Enden durch eine in der Mitte des Bolzens angebrachte kleinere Schraube aus einander, so dass sie sich fest an die Gewinde der Mutter legen. Diese Construction ist theuer in ihrer Ausführung und schwächt den Bolzen in erheblichem Maasse.

Textabbildung Bd. 285, S. 93
J. Appel sichert nach D. R. P. Nr. 57464 die Schraube dadurch, dass er das Ende des gespaltenen Bolzens eiförmig aufbiegt, so dass die aus einander federnden Theile das Abspringen der Mutter verhüten. Zum Aufbringen der Mutter auf die Schraube dient eine Zange mit einer in ihre Backen geschnittenen, mit Gewinde versehenen Auskehlung und einer Anzugsschraube.

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