Titel: Neuere Turbinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 193–198)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285049

Neuere Turbinen.

(Schluss des Berichtes S. 175 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

In den Steinkohlengruben der Bergwerksgesellschaft von Montrambert und Berandiere an der Loire wird nach Bd. 16 S. 488 des Génie civil eine unterirdische Turbine zum Fördern von 250 Förderkörben zu 900 k innerhalb 24 Stunden benutzt, was bei der Förderhöhe von 50 m einer Arbeit von 11250000 mk entspricht. Das zur Verfügung stehende Gefälle entspricht 34650000 mk, ist also bei einem Wirkungsgrade von nur 40 Proc. noch vollständig ausreichend.

Textabbildung Bd. 285, S. 193

– Die von Crozet-Fourneyron und Co. entworfene und ausgeführte Turbine (Fig. 23 bis 26) hat eine wagerechte Achse, einen Durchmesser von 0,66 m und macht 600 Umdrehungen in der Minute. Sie kann umgesteuert werden und besteht gewissermaassen aus zwei Turbinen mit entgegengesetzten Schaufeln, deren Drehungsrichtung durch eine Schütze umgekehrt werden kann. Turbine und Winde ruhen, wie Fig. 23 zeigt, auf einem Rahmen von Doppel--Eisen, der auf Mauerwerk gelagert ist. Die Turbine besteht aus zwei Laufrädern mit entgegengesetzten Schaufeln. Das Wasser wird durch einen Doppelschieber nach Bedarf dem einen oder anderen Laufrade dadurch zugeführt (Fig. 25 und 26), dass ein von einem Triebrade bewegbarer Schieber die betreffenden Eintrittsöffnungen frei gibt und die anderen schliesst; derselbe Schieber kann auch sämmtliche Oeffnungen schliessen, wenn Stillstand bezweckt wird. Für jedes Laufrad sind drei Oeffnungen, welche insgesammt 45 l Aufschlagwasser in der Secunde eintreten lassen, die aber nur beim Anheben verwendet werden. Die Uebertragung der Turbinenleistung auf die Achse geschieht mittels eines Schneckenrades, wie aus Fig. 23 und 24 ersichtlich ist. In der Nähe des Vertheilungsschiebers ist zur Vermeidung von Stössen ein Windkessel angebracht, der vom Turbinenrad gefüllt werden kann.

Der Behälter für das Aufschlagwasser hat 4 qm Querschnitt, ist 50 m lang, fasst also 200 cbm. Die 0,16 m weite Zuleitung besteht aus Stahlblechen und leitet 23 l Wasser in der Secunde bei einer Durchflussgeschwindigkeit von 1,15 m zu, wobei ein Druckverlust von 0,012 m für jedes Meter der Länge entsteht. Zwei Sicherheitsventile, deren eines sich am Wasserbehälter, das andere an der Turbine befindet, bieten bei etwaigem Bruche der Rohrleitung Schutz gegen Ueberschwemmung durch Leerlaufen des Sammelbehälters. Sie schliessen sich selbsthätig, sobald die Durchflussgeschwindigkeit 3 m erreicht. Die übrigen Verhältnisse sind aus der Zeichnung zu ersehen. Erwähnt sei nur noch, dass das Schraubenrad 25 Umdrehungen macht und dass die Fördergeschwindigkeit 1 m in der Secunde beträgt.

Textabbildung Bd. 285, S. 193
Girard-Turbinen für hohes Gefälle von Escher, Wyss und Co. in Zürich. Bei dem Bau der Tunnel der Anden-Bahn, welche die Eisenbahnen Argentiniens am La Plata-Fluss mit denjenigen Chiles quer über die Anden verbinden soll, wird die zum Betriebe der Bohrmaschinen erforderliche Kraft in drei gesonderten Anlagen, eine auf der argentinischen Seite und zwei auf der chilenischen Seite, gewonnen.

Jede Anlage besitzt eine Kraftstation, wo die durch die Turbinen gewonnene Energie an die dynamo-elektrischen Maschinen übertragen wird, und eine Endstation, wo sie an die Luftcompressoren abgegeben wird.

Die Girard-Turbinen – ihrer Construction nach Partial-Turbinen mit äusserer Beaufschlagung – sind aus der Fabrik von Escher, Wyss und Co. und bieten wegen der |194| hohen Gefälle verschiedene Eigenthümlichkeiten dar. Der Wassereinlauf (Fig. 27a und 27b) wird durch eine drehbare Klappe regulirt und letztere von einer Schraubenspindel mit Handrad bewegt. Das Laufrad besteht in einer ebenen Scheibe mit Nabe und hat am Umfange einzelne frei vorstehende Schaufeln (Fig. 28), die unter einander durch Mittelrippen und mit der Scheibe durch Abrundungen verbunden sind. Die Mittelrippen sind so geformt, dass der die Schaufeln treffende Wasserstrahl sich in der Mitte theilt und nach verrichteter Arbeit seitwärts abgelenkt wird, wo das Wasser durch auf beiden Seiten des Laufrades angeordnete Gusskörper aufgefangen und nach unten zum Abschlusskanal geleitet wird. Das Gehäuse, welches die Turbine umgibt, verhindert alles Verspritzen des Wassers und bietet eine bequeme Unterlage für die Wasserzuführung und deren Regelung sowohl als für die Verbindung mit der dynamo-elektrischen Maschine. Dem hohen Gefälle entsprechend, hat das Laufrad einen Durchmesser von nur 700 mm, während die Weite 120 mm beträgt.

Die zwei Hauptröhren von 508 mm Durchmesser sind beim Eintritt in das Maschinenhaus mit von Hand zu bewegenden Absperrschiebern versehen und hinter denselben durch ein Kreuzrohr von 508 mm Durchmesser mit einander verbunden. Von der Mitte des Kreuzrohres zweigt ein anderes Hauptrohr gleichen Durchmessers nach der zweiten Kraftstation ab, während die Fortsetzungen der ersten zwei Hauptröhren nur 400 mm Durchmesser haben und je zur Wasserzuführung für die Gruppe von drei Turbinen dienen. Jede Turbine erhält aus diesem 400 mm weiten Zweigrohr ihr Wasser durch ein 180 mm weites Rohr. Zwischen dem Kreuzrohre und dem Anfange jedes Zweigrohres ist eine Drosselklappe eingeschaltet, welche mittels Wellenübertragung von einem indirect wirkenden Regulator aus verstellt und auch mit Hilfe eines Griffrades von der Hand geöffnet oder verschlossen werden kann. Der Regulator wird von der nächsten Turbine durch einen Riemen umgetrieben.

Textabbildung Bd. 285, S. 194
Bei einer Ausführung Fig. 28, die für andere Zwecke dient als für die obigen Anlagen, ist das Ende des an der Drehklappe angegossenen Hebels im Auge einer Stange geführt, welche mit einem über dem Wasserzuführungsrohr in einem Cylinder spielenden Kolben verbunden ist und oben durch eine Stopfbüchse geht. Der Raum des Cylinders oberhalb des Kolbens steht durch Bohrungen mit dem Raume rings um den Cylinder in Verbindung, so dass der Kolben oben und unten unter dem Drucke des Wassers steht und daher in Folge seines Gewichtes abwärts gezogen wird. Die Bohrungen werden durch ein Loch und ein Ueberlaufrohr nach dem Gehäuse zu mit der Luft nach Bedarf verbunden. Ueber diesem Loche wird eine kurze Spindel durch Hebelübertragung vom Regulator aus bewegt. Wird das Loch von dieser Spindel mehr oder weniger verschlossen, so geht der Kolben nieder und erweitert die Ausflussöffnung an der Drehklappe, während im entgegengesetzten Falle der Kolben in die Höhe geht und die Ausflussöffnung verengert.

Die Turbinenanlage, welche nach dem Entwürfe Radinger's von der Firma Ganz und Co. in Budapest für die Krainische Industrie angefertigt ist und zum Betriebe des Werkes in Assling dient, haben wir 1891 281 119 besprochen. Wir lassen hier noch einige nähere Constructionsangaben, welche in verschiedenen technischen Zeitschriften, u.a. im Engineering vom 11. September 1891, veröffentlicht sind, folgen.

Die Turbinenkammer (Fig. 29) ist zweitheilig; sie enthält die Stopfbüchse für die Königswelle und ruht unten auf einem Fundamentring, der auf -Eisen von 400 mm Höhe gelagert ist. Diese sind in Beton versenkt und werden von Säulen getragen.

Das Laufrad hat 1,50 m mittleren Durchmesser. Oberhalb des Leitrades läuft die Königswelle in einem von der Hülse K2 gehaltenen Pockholzlager, in welchem fünf Backen mittels drei Stahlschrauben durch eine Aussparung in der Wand K1 hindurch angezogen werden können. Die Turbinenwelle besteht aus drei Theilen, die durch Bolzen und Querkeil mit einander verbunden sind; ausser in der vorerwähnten Hülse K z hat die Welle noch Führung in vier Mantellagern, welche in passenden Abständen von einander vertheilt sind. Das unmittelbar über dem Turbinengehäuse sitzende Mantellager (Fig. 30 und 31) besteht aus einer Gusshülse, welche von einem gusseisernen Querstück M getragen wird. Das Lager ist aus drei Metallagerschalen M2 gebildet, die durch Keile und Schrauben verstellbar sind. Die Schmierbüchsen J werden vom Maschinenwärter durch eine besondere Schmierleitung, die von der Plattform ausgeht, versorgt. Eine ähnliche Anordnung erhält das obere Mantellager.

Bei der oberen Lagerung der Turbinenwelle (Fig. 32, 33 und 34) tragen zwei Muttern die Welle und stützen |195| sich auf einem glockenförmigen, auf der Welle aufgekeilten Zapfen, welcher auf einem Ringe von Phosphorbronze läuft; die Last, die auf dem Glockenzapfen ruht, beträgt 17520 k; ihr äusserer und innerer Durchmesser ist 50 und 28 cm; abzüglich der Nuthen beträgt ihr Querschnitt 1115,9 qc, so dass auf 1 qc ein Druck von ungefähr 16 k lastet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Reibungsflächen erreicht 2,70 m in der Secunde. Wegen dieses gewaltigen Druckes, verbunden mit so grosser Geschwindigkeit, musste die Entlastung und ausgiebigste Schmierung dieses Oberzapfens vorgesehen werden. Zu diesem Zwecke sind zwei Schmierkanäle an dem Phosphorbronzering angebracht, die mit der Hauptschmierleitung in Verbindung stehen, und in welche durch eine kleine Druckpumpe stetig Schmiermaterial eingeführt wird. Dadurch wird die Haube etwas in die Höhe gehoben, so dass sie nicht auf der Metallfläche des Ringes läuft, sondern auf der Oelschicht. Der Ueberschuss an Oel läuft in die Schmierpumpe zurück.

Textabbildung Bd. 285, S. 195
Um dies Hauptlager von dem gewaltigen Drucke zu entlasten, haben die Erbauer am Fusse der Königswelle ein hydraulisches Spurlager (Fig. 35) angeordnet. Die Welle setzt sich in einem Stahlklotz als Ansatz mit einem Durchmesser von 250 mm fort; beide Theile sind mittels einer Oldham'schen Kuppelung vereinigt, die für den Fall einer nicht vollkommen genauen Montirung dem Klotz einen gewissen Spielraum gestattet. Der Fuss des Klotzes steht mit einem Presswasserbehälter in Verbindung, so dass auch hier die Welle auf einer Flüssigkeit aufruht, deren Druck den oberen Zapfen um 5500 k entlastet.

Zur Dichtung sind über einer Metallbüchse mehrere federnde konische Metallringe angebracht. Unterhalb der Brille befinden sich schief eingelegte Lederscheiben und aussen ein Gummiring. Dadurch ist der cylindrische Raum nicht so abgedichtet, dass jeder Austritt des Presswassers, das einen Druck von ungefähr 10,5 k/qc ausübt, verhindert ist; es soll nur die Pressung im Cylinder unausgesetzt dadurch auf der gleichen Höhe erhalten werden, dass man eine bestimmte Menge Wasser entweichen lässt. Ohne diesen absichtlich herbeigeführten Wasserverlust, der mit dem Zuströmen von frischem Wasser verbunden ist, würde sich der Klotz in Folge seiner Umfangsgeschwindigkeit von 1,7 m in der Secunde sehr bald erhitzen.

Die Sammlung und Reinigung des vom Oberzapfen abfliessenden Oeles wird bewerkstelligt, indem das Oel, welches sich unterhalb des Glockenzapfens ansammelt, zwischen Welle und Büchse (Fig. 32) bis zum Spritzring fliesst, abgespritzt und durch ein Gefäss aufgefangen wird. Durch eine besondere Leitung wird es in die Führung unter dem konischen Getriebe geführt, schmiert dieses Lager und fliesst endlich in einen Oeltopf, der durch eine senkrechte Scheidewand in zwei Theile getheilt ist. Es füllt die eine Kammer und strömt über die Scheidewand in die andere Kammer, nachdem es in der ersten seine gröbsten Unreinigkeiten abgesetzt hat. Von da wird es durch eine seitlich an einem Filterkasten angebrachte Pumpe in das Filter abgesaugt, das aus zwei starken Baumwollschichten besteht, die auf durchlöcherten Blechen ruhen. Beim Durchgang durch diese Schichten reinigt sich das Oel unter dem Druck der Pumpe vollends von allen Unreinigkeiten; von da wird das Oel durch eine zweite, ebenfalls mit dem Filterkasten verbundene Pumpe in den Glockenzapfen zurückgebracht.

Diesen Pumpen, die durch Transmissionsübertragungen von der liegenden Walzwerkswelle aus bethätigt werden, kann man mit Hilfe von Stufenscheiben dreierlei Arten von Geschwindigkeit geben. –

Zum Zwecke der Nutzbarmachung eines Theiles der Niagarawasserfälle hat sich im J. 1890 in Amerika eine Gesellschaft gebildet, welche zur Erlangung von Plänen für die Anlagen einen Wettbewerb ausgeschrieben hat. Von dem Gesammtgefälle zwischen den beiden Seen, dem Ontario- und dem Eriesee, in Höhe von 99,4 m und einer |196| Wassermenge von 7500 cbm in der Secunde ist der Gesellschaft regierungsseitig gestattet worden, 290 cbm mit 42,67 m Gefälle nutzbar zu machen.

Das Unterwasser soll durch einen im Schiefer ausgebohrten Tunnel von 45,5 qm Querschnittsfläche und 2043 m Länge wieder in den Fluss abgeleitet werden.

Zu dem engeren Wettbewerb hat auch die Firma Ganz und Co. in Budapest einen Plan eingereicht, welcher mit dem zweiten Preise ausgezeichnet wurde. Derselbe umfasst sowohl die Art der Kraftgewinnung, als auch die Art der Kraftübertragung. Für die letztere war die Aufgabe gestellt, etwa 40 Proc. der Gesammtkraft auf eine Entfernung von 22 km zu übertragen. Von der genannten Firma wurden für die Kraftgewinnung Turbinen mit senkrechten Wellen, für die Kraftübertragung Elektricität vorgeschlagen. Eine Beschreibung der maschinellen Einrichtungen nebst Zeichnungen ist in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1892 Nr. 2, veröffentlicht worden.

Entsprechend den zu liefernden 125000 wurden 25 Turbinen von je 5000 , bis zu welcher Grösse dieselben ohne besondere Schwierigkeit noch ausführbar sind, empfohlen. Nach den Erfahrungen der Maschinenfabrik Ganz und Co. ist dies für die gegebenen Verhältnisse die Grenze, bis zu welcher die Turbinen ohne besondere Schwierigkeiten noch ausführbar sind. Die Turbinen haben mit den Asslinger-Walzwerksturbinen grosse Aehnlichkeit. Jede Turbine ist in einem verhältnissmässig engen Schachte von eiförmigem Querschnitte, dessen grösster Durchmesser 3,734 m misst, eingebaut. Unten, wo der Turbinenkasten aufgestellt ist, ist der Schacht erweitert und mittels eines Querschlages mit dem vorerwähnten Hauptableitungstunnel verbunden. Das Kraftwasser wird jeder Turbine durch einen in den Felsen getriebenen Wasserschacht, welcher mit einer Betonschicht verkleidet ist, und welcher mit einer grossen Krümmung in den Turbinenkasten einmündet, gesondert zugeführt. Der Durchmesser des Wasserschachtes misst 2,745 m; der Abstand zwischen dem Turbinen- und dem Wasserschachte beträgt 12,192 m. Zu jedem Wasserschachte führt von dem Flusse ein eigener Oberwasserkanal. Zum Abschliessen des Wassers ist über jedem Wasserschachte eine leicht zu handhabende blecherne Kingschütze angebracht.

Textabbildung Bd. 285, S. 196
Auf jeder Turbinenwelle ist oben das Rad der Dynamomaschine unmittelbar aufgekeilt. Die Welle macht 125 Umdrehungen in der Minute. Der Durchmesser derselben wurde entsprechend der zu übertragenden Arbeit von 5000 mit 369 mm bestimmt. Bei der nöthigen Länge von 52 m würde die Welle allein 42 t wiegen. Die Wellenführungen bestehen aus Pockholz und ruhen zum Theile auf -Trägern, zum Theile auf gusseisernen Rahmen. Die Welle ist über den Magnetring, welcher der besseren Zugänglichkeit wegen oberhalb des Fussbodens des Maschinenhauses auf der Welle aufgekeilt ist, weiter fortgesetzt und wird hier durch einen zweitheiligen, 10 m langen Hohlgussrahmen gehalten. Das Gewicht dieses auf zwei mit dem Fundamente verankerten Böcken aufgesetzten Rahmens soll annähernd 47500 k betragen.

Das Laufrad der Turbine ist so construirt, dass es nötigenfalls auch in Stauwasser laufen kann. Zur Regulirung dient ein über dem Leitrade angeordneter, zum Theile entlasteter Ringschieber von sattelförmigem Querschnitte, welcher selbsthätig vom Maschinenhause aus mittels zweier zusammenarbeitender hydraulischer Hubmaschinen und einer festen Transmission gedreht wird. Die Steuerung der Hubmaschinen wird von einem durch die Turbinenwelle angetriebenen Centrifugalregulator beherrscht.

Das Gewicht der Turbinen welle sammt allen auf derselben hängenden Theilen, als Magnetrad, Laufrad u.s.w., wird mit Zurechnung des axialen Wasserdruckes auf das Laufrad mit 125 t geschätzt. Die Lagerung dieser schweren Welle wurde nach Patent Julius Gulden, ähnlich wie sie bei den Asslinger-Turbinen ausgeführt ist, ins Auge gefasst, jedoch mit dem Unterschiede, dass bei der Oberlagerung statt eines einzigen auf einer Oel Schicht laufenden Ringspurzapfens deren drei über einander gelagerte geplant wurden. Behufs genauer und bestimmter Druckvertheilung auf die einzelnen Zapfen sollen die Bronzeringe, auf welchen die beiden obersten Glockenzapfen laufen, durch hydraulische Hohlkolben getragen werden. Durch den gegen die letzteren nach aufwärts ausgeübten Wasserdruck wird der unterste Glockenzapfen, welcher auf einer festen Unterlage läuft, entlastet. Diese Entlastung bildet eine ganz neue, sehr gelungene Detaillagerung der Welle. Die Entlastungen und die Zapfen sind so abgestimmt; dass bei allen drei Glockenzapfen das Product aus dem specifischen Zapfendrucke und der an dem mittleren Durchmesser der Ringspur gemessenen Umlaufsgeschwindigkeit gleich gross ist. Der Sicherheit halber wurde auch der Unterwasserzapfen mit der von Radinger für die Asslinger-Turbinen angegebenen hydraulischen Entlastung versehen. Das Presswasser für die hydraulischen Entlastungen wird von einem Accumulator geliefert. Zum Einpressen des Oels unter die Glockenzapfen dient eine Oeldruckpumpe, welche durch einen besonderen Wassermotor betrieben wird. Die Oelung ist die gleiche, wie bei der Asslinger-Turbinenanlage.

Die Vortrefflichkeit der Wellenlagerung nach Gulden's Patent geht aus dem Umstände hervor, dass die durch die Glockenzapfen einer 5000 -Turbine aufgezehrte Arbeit, nach den bei der Asslinger-Turbinenanlage gewonnenen Erfahrungen, mit bloss 145 , das ist 2,9 Proc. geschätzt wird.

Hier sei nur noch erwähnt, dass das Gewicht der 25 Turbinen ohne Magneträder und elektrische Einrichtung zu 6000 t veranschlagt ist. Die Kosten der Eisentheile, der elektrischen Centralstation in Niagara und Buffalo, sowie der Leitung zwischen diesen Orten sind auf 23000000 M. veranschlagt. Genaue, ins Einzelne gehende Angaben finden sich a. a. O.

Einige Ausführungen von Turbinen, welche in Rücksicht auf die Vermeidung des einseitigen Zapfendruckes als Zwillingsturbinen mit wagerechter Achse, die in beiden |197| Abfallröhren in gedichteten Stopfbüchsenlagern läuft, construirt sind, wollen wir hier noch kurz erwähnen. Die eine derselben ist die „Victor“-Turbine, beschrieben und abgebildet in Iron vom 3. April 1891 S. 288 für einen Turbinenraddurchmesser von 20 und 17½ Zoll engl. Die andere Anordnung betrifft eine Leffel-Turbine von James Leffel und Co. in Springfield. Beide Ausführungen werden in vielen Fällen zum Betriebe von Dynamomaschinen verwendet und können mit diesen direct verkuppelt werden. In Deutschland sind derartige Zwillingsturbinen ebenfalls in Gebrauch und werden unter anderen von Gebr. Seck in Darmstadt, H. Queva und Co. in Erfurt, Maschinenbauanstalt Golzern in Golzern, von letzterer nach dem System Kron geliefert.

Eine eingehende, durch Zeichnungen erläuterte Beschreibung der Turbinenanlage zur elektrischen Beleuchtung des am Bodensee gelegenen Schlosses Heiligenberg, ausgeführt von der Fürstlich Fürstenbergischen Maschinenfabrik in Immendingen, findet sich in Nr. 6 Bd. 361892 der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. Die verfügbare Wassermenge beträgt 40 l in der Secunde bei 83,150 m Fallhöhe. Weitere Angaben sind: Rohrleitung 200 mm lichte Weite, 760 m Röhrenlänge, 5,6 m Gefällverlust, 75 Proc. Nutzeffect, 31,4 , das Laufrad mit wagerechter Achse hat 1,4 m äusseren, 1,16 m inneren Durchmesser, 65 Gusschaufeln. Die Wassereinströmung ins Laufrad durch einen regelbaren Laufschieber bei obiger Leistung ist 60 mm auf 20 mm. Umdrehungszahl des Laufrades 280 bezieh. 315 in der Minute. Betrieben werden zwei Dynamo.

Textabbildung Bd. 285, S. 197
Sehr beachtenswerthe Bremsergebnisse an radialen Reactionsturbinen (Francis-Turbinen) theilt die Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure in Nr. 28 Bd. 361892 mit. Die Versuche sind angestellt vom Oberingenieur Pfarr in Heidenheim an einer von der Firma Voith daselbst ausgeführten Francis-Turbine, wie sie für die Fabrik typisch geworden ist. Auf Grund ausführlicher, durch ein reiches Zahlenmaterial belegter Versuche kommt Pfarr zu dem Ergebniss, dass die ablehnende Haltung mancher Turbineninteressenten gegenüber dem Radialsystem nicht berechtigt ist, und dass die Forschen Francis-Turbinen an Leistung, Nutzeffect und Regulirfähigkeit jedem anderen System mindestens gleich stehen, betreffs der Zugänglichkeit aber den Axialturbinen überlegen sind. Wegen des Weiteren müssen wir auf die Quelle verweisen.

Bekanntlich erfordern die zu Beleuchtungszwecken dienenden Dynamomaschinen eine möglichst gleichmässige Gangart, um die Turbine zu derartigen Betrieben geeignet zu machen, haben Gandillon und Vigreux nach Revue industrielle vom 16. April 1892 einen Geschwindigkeitsregler angewandt, den sie mit dem Namen Servo moteur (Fig. 36 bis 40) bezeichnen (vgl. 1890 276 * 154). Die Turbine, an welcher der Regler angebracht ist, ist nach Girard's Bauweise und mit wagerechter Achse angeordnet. Der Formgebung der bronzenen Schaufeln und der Construction überhaupt ist eine so grosse Sorgfalt gewidmet, dass der Wirkungsgrad 80, ja selbst 82 Proc. erreicht und nicht unter 72 fällt. Da die Turbine ihren Wasserbedarf nach der verlangten Leistung selbsthätig regelt, so ist sie auch zu dem Betriebe mit Wasser aus städtischen Wasserleitungen geeignet. Auch ist sie für hohen Wasserdruck, zum mindesten für 10 m Druckhöhe verwendbar. Drei dieser Turbinen arbeiten in Versailles und Marly unter einem Drucke von 180 m.

|198|

Der in Fig. 36 und 37 dargestellte Regler wird von einem Porter'schen Regulator beherrscht, der seine Bewegung mittels Riemen S und Räderübersetzung von der Turbinen welle aus erhält. Durch einen doppelt konischen Ansatz der Vase des Regulators wird dessen Bewegung durch A, B, C, D und E auf die Zugstange F und von dieser auf den schwingenden Hebel G übertragen, der am unteren Ende gegabelt ist, und die Stange H hin und her bewegt, die mit verstellbaren Schraubenmuttern I versehen ist. Das Gewinde der Stange H bewegt sich mit etwas Spielraum in dem bronzenen Doppelkolben L, welcher die Kanäle zum grösseren Cylinder J beherrscht. Der hier befindliche Kolben K ist mit Lederstulpen gedichtet, er ist in der Längsrichtung nicht verschiebbar und durch das Kupferrohr M, sowie durch die Stange a befestigt. Der Cylinder J dagegen ist verschiebbar und gleitet zwischen zwei Schienen N. Das Rohr M ist mittels des Hahnes O an das Zuleitungsrohr angeschlossen; so dass das Aufschlagwasser dem Cylinder zugeführt werden kann und auch zum Doppelkolben L Zutritt hat. Die Wirkungsweise ist nun leicht zu übersehen: Bei zu raschem Gange der Turbine stösst die rechts befindliche Mutter I an den Kolben L und verschiebt ihn nach links, dadurch wird der rechts befindliche Kanal mit der Atmosphäre in Verbindung gesetzt, während der links befindliche Theil unter dem Drucke des Aufschlagwassers steht. Da der Cylinder K verschiebbar ist, bewegt er sich nunmehr von links nach rechts, seine Zahnstange regelt den Wasserzutritt und die gewünschte Geschwindigkeit der Turbine tritt wieder ein. Bei zu langsamem Gange tritt die umgekehrte Wirkung ein. Die Empfindlichkeit der ganzen Stellvorrichtung wird entweder durch die Stellung des Hahnes O oder durch die Stellung der Muttern I geregelt. Hebt man das Ende der Stange F vom Hebel G ab, so kann mittels des Hebels die Regelung, das Anlassen und Abstellen der Turbine bewirkt werden. Das aus dem Cylinder K abfliessende Wasser wird vom Behälter e aufgefangen und durch das Rohr f dem Ableitungsrohre zugeführt. Der Kolben L wird durch zwei angeschraubte Stücke g vor dem etwaigen Austritt aus seiner Führung gesichert.

Textabbildung Bd. 285, S. 198
Eine in dieser Weise geregelte Turbine dient zur elektrischen Beleuchtung des Schlosses in Montmery. Sie macht bei 50 m Druckhöhe 760 Umgänge in der Minute, ist mit der Edison-Dynamo gekuppelt und liefert 42 bis 55 Ampère oder 142 bis 110 Volt.

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