Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 225–231)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285056

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 145 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Von der Dampfkesselfabrik G. Schumann in Zeitz werden nach D. R. P. Nr. 48783 schmiedeeiserne Holzkocher mit innerem Kupferschutzmantel geliefert. Wenn auch die Benutzung des Kupfers für diesen Zweck keineswegs neu ist, so scheinen doch, möglicher Weise wegen sehr sorgfältiger Ausführung, die Schumann'schen Kocher sehr beliebt zu sein, indem von einer Reihe von Papierfabriken günstige Zeugnisse vorliegen. Auch hier werden Probirlöcher, in jeder Eisenplatte eines, benutzt, um auf Beschädigungen des inneren Mantels sofort aufmerksam zu werden.

Textabbildung Bd. 285, S. 225
Auf das bisher fast allgemein angewendete Ausfüttern mit Blei beziehen sich die amerikanischen Patente Nr. 428149 von Sidney Smith und Nr. 446041 von S. Wagg. Bei dem ersteren wird nach Fig. 11 fast das ganze Innere des Kochers a mit einem ununterbrochenen Bleimantel b bedeckt, der nur eingelegt und sonst nicht mit der Kocherwand verbunden wird. Um zu verhindern, dass Säure zwischen diesen Mantel und das Blech gelange, ist oben ein Dichtungsring e aus Asbest eingelegt, der durch einen säurebeständigen Deckel d festgehalten wird. Dieser ist nun, um den Temperaturunterschieden Rechnung zu tragen, in den oberen cylindrischen Theil des Kochers verschiebbar eingelegt, während er z.B. durch Dampfdruck an den Ring e gepresst wird. Diese ziemlich lose Verbindung sichert entschieden die weitgehendste Berücksichtigung der verschieden stark geschehenden Ausdehnung von Blei und Eisen. Aber es scheint mir darin auch schon zu weit gegangen, indem auch innen hohe Spannung vorhanden ist, daher der Deckel entlastet und damit auch das Dichthalten des Ringes e in Frage gestellt wird. |226| Jedenfalls ungenügend und daher nicht zu empfehlen scheint mir die obenerwähnte Wagg'sche Construction, welche nach der Patentbeschreibung in Fig. 12 dargestellt ist. Wir sehen einzelne Bleiplatten, deren Ränder um Stahlringe C gebogen sind, durch Schrauben D und Platten E mit der Kocherwand verbunden. Ganz ähnliche Ausführungen liegen schon in Menge vor und sind auch in meinen früheren Berichten besprochen worden. Was aber gerade diese Construction meiner Ansicht nach so unbrauchbar, sogar gefährlich macht, sind die ganz ungeschützten Fugen g und g1. Es heisst wohl, dass diese Fugen verlöthet werden sollen. Aber wie ungenügend dies ist, hat die Erfahrung leider schon zu oft gezeigt.

Textabbildung Bd. 285, S. 226
Wie bei der Construction von Sidney Smith will Abbot Loring gemäss seinem amerikanischen Patente Nr. 440318 den Bleimantel des Kochers ohne besondere Befestigung lassen, damit der Bleimantel sich innerhalb gewisser Grenzen beliebig ausdehnen und wieder zusammen ziehen könne. Dies geschieht nach den Fig. 13 und 14, welche der Patentbeschreibung entnommen sind, hier derart, dass die Bleiauskleidung a2 Wülste b erhält, in welche von der Kocherwand a1 aus Theile c ragen. Die Wülste b sind allenfalls innen auch noch mit einem widerstandsfähigeren Futter d versehen. Die Sache sieht sich nicht schlecht an, nur fragt es sich, wie das gemacht werden soll. In einem Stück diesen Bleimantel herzustellen, dürfte schwer angehen. Wenn dies aber nicht geschieht, so haben wir ungedeckte und wahrscheinlich nur schlecht verschlossene Fugen, ähnlich wie bei Wagg; dann ist aber die Futteranordnung, wie sie ist, nicht zu brauchen.

Textabbildung Bd. 285, S. 226
Statt der Futterplatten aus Blei werden von W. O. Comstock in seinem amerikanischen Patente Nr. 453076 solche aus einer Legirung von 75 Gew.-Th. Blei, 17 Gew.-Th. Antimon und 8 Gew.-Th. Zinn vorgeschlagen. Wenn wirklich, wie behauptet wird, diese Legirung fast denselben Ausdehnungscoefficienten wie Eisen besitzt, können dadurch die Folgen der ungleichmässigen Ausdehnung bei mit Bleifutter versehenen Kochern grösstentheils vermieden werden.

An neueren Kocherconstructionen liegt im Ganzen wenig vor. Ist ja doch schon so viel, man möchte beinahe sagen, alles Erdenkbare für diesen eigentlich principiell so einfachen Apparat versucht worden. J. D. Topkins hat zu dem 1890 276 50 geschilderten Kocher mit fortwährendem Kreislaufe ein neues amerikanisches Patent Nr. 430595 erhalten. Im äusseren Ansehen sich von dem früheren kaum durch etwas anderes unterscheidend, als dass die Siebböden, oben und unten, im Kocher etwa halbkugelig sind, ist auch an dem Principe, die Anwendung einer Centrifugalpumpe zur Bewegung der Lauge u. dgl., eigentlich gar nichts geändert worden.

Der Kocher von Willard Prescott Hawley in Watertown ist nach dem amerikanischen Patente Nr. 445767 ein aus Guss (aus welchem Material ist nicht gesagt) hergestellter und aus einzelnen Theilen zusammengeschraubter Kessel. Möglicher Weise ist jene Bronze dazu verwendet gedacht, die oben bereits besprochen worden ist, da bei dem Kocher auch kein Futter angedeutet ist. Als Besonderheit wird die gleichzeitige Einführung von Lauge und Heizdampf von unten angegeben. Der fertige Stoff kann nach unten ausgeblasen werden.

Textabbildung Bd. 285, S. 226
Ein ganz eigenthümliches Ding ist der zur Verarbeitung von Abfällen, wie Sägespäne, Baumwollsamenhülsen u. dgl., bestimmte Kocher von F. C. Lovejoy in Albany nach dem amerikanischen Patente Nr. 429692. Fig. 15 gibt eine Skizze nach der Patentbeschreibung. Im Kocher ist eine grössere Zahl lothrechter und wagerechter Röhren angebracht, durch welche die Lauge in den ganzen Kocherraum gebracht wird. Das Rohr D unten bringt die Lauge schon erhitzt zu und findet das Vertheilen dann durch das wagerechte Rohr C, die beiden vorn und rückwärts aufrecht stehenden Rohre B, welche oben noch durch ein Rohr F und zwischen C und F noch durch eine Reihe engerer, wagerechter Rohre E verbunden sind, statt, so jedoch, dass die Rohre E um ihre Achse gedreht werden können. In E münden endlich viele Rohre e, die nach oben gerichtete Oeffnungen besitzen. Indem die in Reihen lothrecht über einander befindlichen Rohre e durch Ketten h verbunden sind, welche oben an dem Zapfen H, der in einer Stopfbüchse gleitet, befestigt sind, ist es möglich, durch Auf- und Abschieben von H die Rohre e wagerecht oder schief zu stellen. Letztere Stellung, nach unten schief gerichtet, erhalten die Rohre e beim Beschicken, während sie darauf durch Ziehen an der Kette h1 wagerecht gestellt |227| werden können. Lässt man dann Lauge zutreten, so spritzt diese aus den Oeffnungen der Rohre e nach oben, überhaupt in das Innere der Beschickung. Dadurch soll vermieden werden, dass diese sich klumpig zusammenballt und Theile der Einwirkung der Lauge ganz entzogen werden. Unten im Kocher ist ein Siebboden K, der durch Schaber O mechanisch gereinigt werden kann. Dieser Siebboden lässt vermuthen, dass das Ablassen der Lauge und des Stoffes ähnlich wie bei der Topkins'schen Construction nach unten geschehen soll. Aus der Patentbeschreibung geht dies nicht hervor. Die beweglichen Rohre e sollen wohl den Zutritt der Lauge ins Innere gewährleisten; wenn alles so wie beschrieben geht, dann wird auch die Lauge überall einwirken können. Aber ob diese Beweglichkeit der Theile e, insbesondere bei beschicktem Kocher auch vorhanden sein wird und wie lange man sie erhalten kann, ist eine andere Frage. Auch dürfte das Einsteigen in einen solchen Kocher zur Vornahme von Reparaturen u. dgl. nicht zu den besonderen Vergnügungen gehören.

Textabbildung Bd. 285, S. 227
Für alle Constructionen sei hervorgehoben, dass bei Armaturtheilen Aluminiumbronze sehr beliebt ist, weil die Theile sehr dauerhaft sind.

Bei Kochern mit innen liegenden Heizrohren schlagen Wagner und Co. in Cöthen im österreichisch-ungarischen Privilegium vom 15. December 1890 vor, die Rohre a auf besondere, säurebeständige und im Kessel befestigte Rahmen c mit Knaggen d (Fig. 16) aufzulegen, so dass die Rohre sich nicht berühren, sondern merkliche Zwischenräume erhalten. Dadurch soll ein leichteres Reinigen und auch Repariren ermöglicht werden. Ueberdies wird sich der Raum zwischen den Rohren kaum so leicht vollsetzen und daher eine bessere Ausnutzung der Heizfläche stattfinden.

Textabbildung Bd. 285, S. 227
Für die Herstellung von Sulfitlauge wird entweder Schwefel oder Schwefelkies benutzt, um daraus die schweflige Säure zur Darstellung der Sulfitlauge zu erhalten. Beide Verfahren kommen vor und ist es eigentlich nur eine ökonomische Frage, ob Schwefelkies oder Schwefel benutzt werden soll. Allerdings scheint es, insbesondere nachdem in dem Verfahren von Chance zur Wiedergewinnung des Schwefels aus den Rückständen der Sodafabrikation ein Mittel vorhanden sein dürfte, um die hohen italienischen Schwefelpreise zu drücken, dass man nach Berücksichtigung aller Umstände, wie es von Dr. Adolf Frank geschehen ist, mit dem reinen Schwefel ökonomisch günstigere Erfolge erzielen wird. (Papierzeitung, Jahrg. 1891 S. 1207.)

Zur Darstellung von Sulfitlauge nach Alexander Wendler in Wilmington (D. R. P. Nr. 52012) wird weder ein hoher Thurm, noch eine grosse Kammer mit langer Bleirohrleitung verwendet, sondern eine thunlichst grosse Absorptionsfläche und kurze Rohrleitung auf andere Weise erzielt. In Fig. 17 sehen wir nach der Patentschrift in K eine Kammer, welche aus Cementmauerwerk hergestellt sein kann und cementirte, geneigte Platten p enthält, derart, dass von oben, durch L eintretend, Kalkmilch nach abwärts im Zickzack fliessen und, bei B eingeleitet, schweflige Säure in Gasform aufwärts steigen kann.

Textabbildung Bd. 285, S. 227
Bei diesem so oft angewendeten und erprobten Gegenstromsystem findet ein gutes Aufnehmen der schwefligen Säure in die Kalkmilch statt. Die Sulfitlauge fliesst dann weiter durch A in den Behälter R, wo Proben genommen werden, welche über die Concentration Aufschluss geben. Findet man nicht genug schweflige Säure, so lässt man durch Rohr F direct in das Gefäss R Gas eintreten, bis die Lösung genügend angereichert ist. Ueberschüssiges Gas entfernt sich dabei nach oben steigend durch Rohr G in die Kammer K. Hat die Lösung in R eine befriedigende Zusammensetzung, so wird durch J nach S abgelassen, aus welchem Vorrathsbehälter die Lauge durch gepresste Luft (eintretend durch E) in den Kocher mittels des Verbindungsrohres D gedrückt werden soll, das fast bis auf den Boden von S reicht.

In einer anderen Art soll das Bilden von Sulfiten im Apparate von W. Holzhäuser nach D. R. P. Nr. 49194 geschehen. In der nach der Patentschrift gegebenen Skizze Fig. 18 sehen wir bei A einen Bottich mit Rührwerk C wie bei der Partington'schen Ausführung (1890 276 49). A wird mit Kalkmilch oder ähnlichem durch Rohr f versehen und dann ein ununterbrochener Strom vermuthlich durch eine Centrifugalpumpe durch Rohr s aufwärts in das Gefäss B und von dort abwärts durch Rohr t in das Gefäss A zurück bewirkt. Zugleich soll durch das Rohr v |228| schweflige Säure angesaugt, durch eine Art Quirl bei z mit der Kalkmilch in innige Berührung und zur Absorption gebracht werden. Dieses Ansaugen ist nun insofern etwas dunkel erläutert, indem es durch die abwärtsströmende Flüssigkeit selbst, allenfalls durch Vermittelung einer Schnecke bei w erfolgen soll. Möglicher Weise haben wir z als eine kleine Turbine aufzufassen, welche das Drehen der Ansaugevorrichtung w besorgen soll. Das Abziehen der Lösung geschieht durch Rohr r. Ein Ueberfall x verhindert die allzustarke Füllung von B.

Textabbildung Bd. 285, S. 228
Eine andere Ausführung, welche manche Aehnlichkeit mit einer älteren Kellner'schen Anlage aufweist, doch in vieler Hinsicht abgeändert ist und vielleicht in der Praxis gut entsprechen wird, ist die durch ein österreichischungarisches Privilegium geschützte Einrichtung von Emil Némethy. Es sind (nach der Papierzeitung) über dem Laugenbehälter A beliebig viele Absorptionsgefässe B angebracht (Fig. 19). In B haben wir säurebeständige Materialien, wie Glasschlacken, überhaupt Körper, welche der durch die Brausen b zuströmenden Flüssigkeit eine möglichst grosse Oberfläche beim Rieseln nach abwärts geben. Die schweflige Säure tritt durch o1 zu und geht der Reihe nach ab und auf durch die Gefässe B, dabei wohl wenigstens theilweise dem Gegenstromprincipe untreu. Immerhin ist es möglich, dass bei genügender Anzahl der Gefässe B doch noch die schweflige Säure nahezu vollständig absorbirt wird. Die Schwefligsäurelösung geht dann durch das Rohr r1 in den Kalkbehälter C und steigt in demselben aufwärts. Der Erfinder hofft nun, dass dabei kein Verkrusten der Kalksteine mit Gyps durch die fast immer vorhandene Schwefelsäure erfolgt, sondern dass, weil in Kasten C immer Flüssigkeit bis hoch oben steht, der Gyps sich als feiner Schlamm am Boden von C, unterhalb des Rostes, auf welchem die Kalksteine ruhen, absetzt. Geschieht dies thatsächlich in dieser Weise, so hätte man einen entschiedenen Vortheil gegenüber so vielen Apparaten, wo das Verkrusten der Steine mit Gyps eine ernstliche Verlegenheit bildet. Die Sulfitlösung fliesst dann durch das Rohr r2 in den Behälter A. Im Anfange wird diese Lösung noch zu wenig concentrirt sein, weshalb sie durch die Pumpe aufwärts und statt des Wassers durch die Brausen b über die Steinschichte in B ergossen, beim Abwärtsströmen durch die Schwefligsäure angereichert wird, dann wieder nach C zurück und nach A gelangt. Dieser Kreislauf muss so lange unterhalten werden, bis die gewünschte Concentration erreicht ist und die Lauge weiter benutzt werden kann. Natürlich können auch mehrere solche Apparate zu einer Batterie verbunden werden, was eine noch bessere Ausnutzung der schwefligen Säure ermöglichen würde. In der ganzen Anlage auszuschalten und zu reinigen wären wohl nur die Theile C mit den Kalksteinen, um den gebildeten Gypsschlamm zu entfernen und frischen Kalk nachzufüllen. Erwähnt werden mag hier, dass Némethy Papiertechniker in Japan ist, dass also auch dort das Celluloseverfahren Eingang gefunden hat. Es scheint demselben dort noch eine bedeutende Rolle beschieden zu sein, indem sich die Sulfitcellulose sehr gut zur Mischung mit den dort einheimischen Fasern, z.B. der Mitsumata, eignet.

Ein früheres D. R. P. Nr. 48285 Némethy's enthält eine Vorrichtung, durch welche man die für die Sulfitcellulosedarstellung lästige Schwefelsäure noch vor der Laugengewinnung entfernt. Es geschieht dies, indem die Verbrennungsproducte des Schwefels vom Ofen vorerst durch einen mit Eisendrahtspänen gefüllten Raum, die sogen. Vitriolkammer, streichen, wobei die Schwefelsäure zurückgehalten wird. Die davon befreite Schwefligsäure geht dann noch durch einen Kühlapparat, um kalt zur Laugengewinnung verwendet zu werden.

Die Chemie des Sulfitverfahrens liegt nach den mir zur Verfügung stehenden Quellen noch immer sehr im Argen. Ist ja doch das Preisausschreiben des „Vereins zur Beförderung des Gewerbefleisses in Preussen“ resultatlos gewesen, indem die beiden Arbeiten, welche jene Frage lösen sollten, als ungenügend befunden worden sind.

Auch die Arbeiten von Nils Pedersen (vgl. Papierzeitung, 1890 Nr. 19 und 34), sowie jene von August Harpf, von dem mir Sonderabdrücke freundlichst überlassen worden sind, bringen keine volle Aufklärung. Hervorheben möchte ich nur, dass aus seinen Versuchen Harpf schliesst, dass bei Erhalt von garem Stoffe der wesentliche Theil der Chemie des Kochprocesses keineswegs in der Oxydation von Schwefligsäure zu Schwefelsäure besteht, weil sonst auch bei regelmässiger Kochung bedeutende Mengen von Gyps auf die Fasern fallen müssten, was den allgemein bekannten Betriebsergebnissen jedoch widerspräche. Bemerken will ich noch, dass Harpf zu seinen Versuchen Laugen u. dgl. aus wirklich durchgeführten Kochungen im Grossen benutzte. So geht man vorläufig noch im Dunkeln und ist es möglich, dass Harpf Recht behält, wenn er behauptet, dass ihm diese Arbeit für die Kraft eines Menschen zu gross erscheine und es des Sammelns von Untersuchungen noch vieler bedürfe, bis dieselben, endlich zusammengefasst, ein klares Bild der noch so dunklen Vorgänge bieten werden. Es ist also auch heute noch jeder Kochermeister darauf angewiesen, durch einzelne Proben zu untersuchen, wie es mit dem Kochen steht, Untersuchungen, die mit theoretisch begründetem Vorgehen keine Aehnlichkeit haben. So wird, wie auch Harpf angibt, häufig aus der Farbe der Kocherlauge auf den Stand des Processes geschlossen.

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Die Probe soll bei vollendeter Kochung einen wein- und dunkelgelben Ton besitzen, in dickerer Schichte sogar schön röthlich gelb und durchscheinend aussehen. Wenn sich jedoch die genommene Probe trüb und dunkel zeigt, ist die Kochung misslungen, zu weit getrieben worden. Das Sicherste scheint mir aber doch schliesslich das zu sein, dass man sich aus dem Kocher eine Stoffprobe blasen lässt und diese selbst beaugenscheinigt. Jeder Geübte wird dann auf den ersten Blick erkennen, wie weit der Vorgang gediehen ist.

Noch möchte ich auch die interessanten, in der Papierzeitung, 1890 Nr. 72, veröffentlichten Resultate von Probekochungen mit einer grossen Anzahl verschiedener Hölzer aufmerksam machen. Danach ist eine Temperatur von etwa 130° am vortheilhaftesten, indem sich da fast immer günstige Kochergebnisse zeigten. Unter 100° war kein ordentliches Resultat zu bekommen, der Stoff blieb zäh. Mit Calciumsulfitlaugen wurden fast sämmtliche Hölzer weich, weiss und gar. Mit Magnesium, Natrium- und Kaliumsulfitlaugen wurde das Holz wohl meistens weich, während Bariumsulfitlaugen nur hartes Holz zurückliessen. Dieses Resultat ist insofern sehr erfreulich, als danach mit dem meistens am billigsten zu beschaffenden Kalk die zufriedenstellendsten Ergebnisse zu Tage getreten sind.

Textabbildung Bd. 285, S. 229
An Maschinen, welche das Zerkleinern des Holzes für die Zellstoffkocher besorgen sollen, liegt nur eine Neuerung vor: D. R. P. Nr. 49293, ertheilt an Heinrich Wigger in Unna. In den nach einer von Wigger veröffentlichten Anzeige gegebenen Fig. 20 und 21 ist m das Messer, welches auf einem geeigneten Anguss auf einem offenbar als Schwungrad zu denkenden Rad durch Schrauben s befestigt ist. Der Holzstamm h wird unter etwa 45° geneigt gegen die Wagerechte zugeführt und stützt sich endlich an dem stellbaren Anschlage a, wodurch die Dicke der abzutrennenden Scheiben geregelt werden kann. Durch das stossweise Abtrennen der Holzscheiben und durch das Durchdrücken des Messers werden jene in sich gebrochen und in ähnlicher Form geliefert, wie dies von anderen, bereits früher von mir geschilderten Maschinen ebenfalls geschieht.

Ueber Maschinen zur Zertheilung der gekochten Zellstoffaserbündel und zur darauffolgenden Sortirung liegt einiges Neue vor. Eine ganze Anlage ist J. S. Niederöst in Todtnau durch D. R. P. Nr. 53182 geschützt worden. Nach der der Patentschrift entnommenen Fig. 22 fliesst der Stoff bei L zu und geräth zwischen in einander greifende Stacheln c, c1 , von denen eine Gruppe an der sich drehenden Trommel B, die andere Gruppe an der ruhenden Wand B fest ist. Indem der Stoff nach abwärts strebt, findet ein Zerreissen, Auseinanderzerren der Faserbündel statt, so dass dieselben schon sehr gelockert zwischen die Schläger a kommen und mechanisch weit zertheilt auf das runde, ebene Vorsortirsieb C mit Wasser fliessen. Auf diesem Sieb C, welches durch den Excenter e langsam auf und ab bewegt wird, um das Verstopfen der Sieblöcher zu verhindern, bleiben die gröbsten Theile liegen, während das andere in den Kasten D gelangt, auf dessen Boden sich die specifisch schwersten Theile, wie Metallsplitter u. dgl., absetzen. Durch die Löcher f füllt sich auch der Raum E, aus welchem entweder durch die Oeffnungen g oder höher oben nach Füllung des Theiles H durch k der Stoff zum Siebcylinder G fliesst. Sowohl die Oeffnungen g als auch k sind in ihrer Weite durch Schieber h und l regulirbar. Durch das Sieb G soll der Stoff dann mittels der auf der Trommel J angebrachten schiefgestellten Schaufeln m und m1 geschleudert werden. Dies wird wohl nicht geschehen, aber als prächtige Rührer können diese Schaufeln immerhin gelten. Durch die schiefen Ebenen n, n1 wird der Stoff auch gegen das Sieb geleitet. Der Abfall sammelt sich dementsprechend in der Rinne p1 , während der gute Stoff aus der Rinne p abgeleitet werden kann. Zum Schutze für den Siebtheil G ist der Mantel K vorhanden, der auch das ausgeschleuderte Wasser verhindert, weit herumzuspritzen.

Textabbildung Bd. 285, S. 229
Die Maschinenfabrik in Golzern, welche besonders für das Papierfach arbeitet, gibt eine Neuerung für das Zertheilen von Zellstoff bündeln im D. R. P. Nr. 53057 (Patent Kron). Die Einrichtung ahmt im Ganzen die Holländerform nach, nur haben wir statt der Messer sanfter wirkende Zertheilungsorgane, Stifte, Schläger, und zwar im Grundwerke und auf der Walze. Diese kann auch etwas hin und her gehende Bewegung in ihrer Längsrichtung erhalten, wovon eine Vermehrung der Schlägerwirkung erhofft wird. Statt der Stifte werden auch noch die mannigfaltigst geformten Organe, gewundene, mit Absätzen versehene u. dgl., vorgeschlagen.

Gegen den Splitterreichthum, welcher leider manchmal im Zellstoffe auftritt, wird von Wagner und Co. das Sortiren |230| durch Platten mit Schlitzen vorgeschlagen, welche nicht rechteckig, sondern nach Kreissegmenten gekrümmt sind, wie es in Fig. 23 in beiläufig dreifacher Naturgrösse dargestellt ist. Die Schlitze werden 0,4 mm weit gehalten. Man sieht leicht ein, dass gerade Splitter schwerer durch solche krumme Schlitze können. Auch ist die Grenze, bis zu welcher überhaupt noch ein Durchschlüpfen möglich ist, leicht zu bestimmen. Denken wir uns in Fig. 23 bei AB einen Splitter, der bei C den inneren, bei A und B den äusseren Kreis gerade noch erreicht. Der Halbmesser für den äusseren Kreis ist mm; daher mm; mithin aus dem rechtwinkeligen Dreiecke oBC: mm, d.h. die ganze Spanlänge AB kann höchstens das Doppelte, also ungefähr 4,5 mm betragen, so dass also, da ein Passiren eines solchen Splitters doch nur als zufällig eintretend anzunehmen ist, alle grösseren Splitter von dem Durchgehen ausgeschlossen sind.

Eine unangenehme Erscheinung für den Werth des Productes ist es, wenn der Zellstoff nach sorgfältigem Waschen noch immer einen röthlichen oder violetten Schimmer zeigt. Manchmal tritt diese Erscheinung derart stark auf, dass sogar künstliche, absichtliche Färbung vermuthet wurde, trotzdem der Sinn einer solchen Maassregel schwer verständlich wäre. Es dürfte hier noch am meisten jene Erklärung Berechtigung haben, welche in der noch nicht vollständig entfernten inkrustirenden Substanz, welche oxydirt röthlich wird, die Ursache dieser Erscheinung sucht, wie es unter anderen W. Palmaer gethan hat. (Vgl. Papierzeitung, 1890 Nr. 70.)

Textabbildung Bd. 285, S. 230
Von Alfa, welches Fasermaterial man ja ohne weiteres dem Holzzellstoffe anreihen kann, werden in England wohl die grössten Mengen verbraucht, indem etwa ⅔ des Bedarfes der britischen Papierfabriken, d.h. ungefähr 180000 t Espartogras aus Tunis und Algier und 90000 t anderwärts bezogen werden. Da eine neuere Papiermaschine rund 1000000 k Papier in einem Jahre liefert und aus jenen Mengen Espartogras rund 120 Millionen Kilo Papier gemacht werden können, so sind wenigstens 120 grosse Papiermaschinen Englands nur mit der Verarbeitung von Esparto beschäftigt. Zu den meisten besseren Papiersorten wird in England eben Alfa verwendet, und dürfte dies der Grund der Billigkeit jener Papiersorten in England sein.

Manche Staaten behandeln Zellstoff, wenn er in Pappenform eingeführt wird, einfach als Pappe, was für Zoll eine erhebliche Mehrausgabe bedeutet. Es handelt sich darum, diesem Zellstoff das Aussehen von Pappe zu nehmen und dies kann durch Lochen geschehen. Am einfachsten macht man dies gleich auf der Papiermaschine. Nach dem D. R. P. Nr. 48639 von C. Vanoli in Neustadt sind unter dem Langsieb zwei Spritzrohre angebracht, welche fortwährend Wasserstrahlen gegen das Sieb senden. Damit nun nicht Furchen, sondern nur Reihen von Löchern entstehen, schwingen über den Spritzrohröffnungen Hebel, welche nur zeitweise das Wasser aus den Spritzrohren aufwärts bis zum Siebe gelangen lassen. –

Für Zwecke der Zellstoffindustrie wird von der Maschinenfabrik F. Tüscher in Wien ein interessanter Trockenapparat, System Ludwig Kasparek, ausgeführt, welcher nach einer zur Verfügung stehenden Zeichnung in Fig. 24 wiedergegeben ist. Es sollen in dem Apparate entweder Holzspäne oder Zellstoff, zur Verringerung seines Gewichtes, in mehreren Siebtrockencylindern, die concentrisch liegen, getrocknet werden. Das Trockengut kommt links, allenfalls durch ein Paternosterwerk zugebracht, in den Füllrumpf a und wird aus demselben durch eine Vertheilungswalze w einer Transportschnecke s überliefert, die den Stoff in den innersten Trocken- und Siebcylinder schiebt. In diesen, sowie in die mit ihm concentrischen strömt durch die hohle und gelochte Achse d, aus einem Calorifer bei c erwärmte Luft ein, welche durch den Ventilator bei g hineingedrückt und durch jenen bei e abgesaugt wird. Weil die Trockencylinder sich drehen, wird durch an ihnen angebrachte, schief gestellte Schaufeln h der Stoff nach der dem Eintritte entgegengesetzten Seite, also beim innersten Trockensiebcylinder nach rechts geschafft, wo er allmählich in den zweiten Cylinder fällt. So wandert der Stoff hin und her über eine grosse Trockenfläche in verhältnissmässig kleinem Raume nach einer Art Gegenstromsystem, da feuchterer Stoff mit noch weniger gebrauchter, also trockenerer Luft in Berührung kommt, bis der Stoff endlich durch die Schaufeln im letzten Cylinder bei i in ein Abfallrohr gedrängt wird, welches durch eine Klappe b mit Gegengewicht geschlossen ist. Lastet auf b eine entsprechende Stoffmenge, so öffnet sich die Klappe und lässt den getrockneten Stoff nach unten, allenfalls auf ein Transportband k fallen.

Textabbildung Bd. 285, S. 230
Die Trockencylinder sind gelocht, um Unreinigkeiten durchzulassen, welche durch die Abfallrümpfe f aufgenommen werden. Unstreitig höchst compendiös ist der Apparat construirt; nur muss die Erfahrung feststellen, ob der Stoff wohl hinreichend gelockert bleibt, was aus dem Grunde zu wünschen ist, damit das Wiederauflösen nicht zu viel Mühe und Kosten verursacht. Allerdings muss hervorgehoben werden, dass diese Forderung überhaupt recht schwer zu erfüllen ist, weil die Faserbündel beim Trocknen immer die Tendenz haben, sich zusammenzuschliessen.

Eine ausserordentliche Erleichterung für Cellulosefabriken wäre es, wenn denselben die Sorge für die Beseitigung |231| der Abwässer genommen und diese allenfalls zu einem anderen Fabrikationszweige benutzt würden. Darauf bezieht sich das D. R. P. Nr. 52491 an Dr. A. S. Nettel in Prag. Er will der Hauptsache nach in Filtersäcken die festen Theile der Ablaugen abpressen und aus der Flüssigkeit durch Zusatz von Alkalien, darauf folgendem Eindicken und Calciniren endlich Oxalsäure oder Salze derselben erhalten. In einem anderen Falle soll nach D. R. P. Nr. 52659 (F. C. Alkier in Wieselburg) aus gedämpftem Holzschliff Methylalkohol und Essigsäure, und zwar aus jenen Abwässern gewonnen werden, welche bei der Verarbeitung des Stoffes auf der Maschine fallen. Nach allmählich erreichter Concentration derselben werden sie auch mit Alkalien neutralisirt, der Methylalkohol abdestillirt und die Schlampe zu einem essigsauren Salze eingedampft. Nach G. Hesse (D. R. P. Nr. 49641) wird das Holz mit einem Salze, am billigsten wohl meist mit Natriumhydrosulfat gekocht, welches die Hydrolyse der inkrustirenden Substanzen bei einer Temperatur bis 170° C. bewirkt und die Ablauge zur Gewinnung von Alkohol und Zucker benützt. Nach Prof. Belohoubek können die Abwässer auf Zellstoffmelasse verarbeitet werden, und zwar geschieht dies in folgender Weise: 1) Kochen der Ablauge mit entsprechender Menge Schwefelsäure, 2) Neutralisiren mit Kalk, 3) Abtrennen der festen Bestandtheile und 4) Eindampfen der klaren, letzten Lauge bis zur beabsichtigten Concentration.

Weil die meisten der letztangegebenen Verfahren praktisch noch wenig erprobt sind, wird vielfach noch das Neutralisiren der Ablaugen mit Kalkmilch, dann Behandlung mit den Abgasen von Feuerungen, also ein dem von Dr. Frank (vgl. 1890 276 58) empfohlenen ähnliches einfaches Verfahren vorgeschlagen. Allerdings geschieht es dann unter Umständen, dass in Folge der Neutralisirung der Abwässer Algenbildung leichter eintritt, die Algen sich loslösend in die Flüsse gelangen und diese verunreinigen. Diese Algen sind besonders unangenehm für den Papiermacher, wenn sie in der Wäsche auftreten. Dr. Müller schlägt zur Abwehr derselben eine Chlorzinklösung vor. Doch scheint es mir noch einfacher, bei Sulfitcellulose das Mittel zu benutzen, welches in der Papierzeitung, 1891 Nr. 25, empfohlen ist, nämlich die Schwefligsäure. Da diese in jeder Form der organischen Natur ausserordentlich feindlich ist, so nützt sie hier immer und man kann dieselbe entweder dadurch hervorrufen, dass man aus dem im Zellstoffe immer enthaltenen Calciummonosulfit durch etwas Salzsäure Schwefligsäure entwickelt; oder noch einfacher, indem man etwas Sulfitlauge zusetzt. Nach darüber angestellten Versuchen beträgt der Minimalgehalt an schwefliger Säure, welcher zur Verhinderung der Algen Wucherung noch ausreicht, 0,00064 Proc. Ein merklicher Ueberschuss an schwefliger Säure vermöchte aber die Einrichtungen ernstlich zu schädigen. Natürlich ist vor allem peinliche Reinlichkeit allerorten nothwendig. Im Anfange, wenn noch bedeutend Algenschlamm vorhanden ist, kann derselbe mit einer groben Bürste oder Besen auch unter Zuhilfenahme von starker Sulfitlauge entfernt werden.

In neuester Zeit ist in Deutschland ein Verfahren zur Patentirung angemeldet worden, welches, von Dr. J. Lifschütz angegeben, eigentlich auf das alte, von Payen gefundene Verfahren, Zellstoff aus Holz mittels Salpetersäure darzustellen, zurückgreift. Nur wird nach Lifschütz verhältnissmässig schwache Salpetersäure, so dass keine Nitrirung eintritt, mit Schwefelsäure verwendet. Der Erfolg besteht in der Gewinnung von schöner Faser und Oxalsäure. Die Kosten sollen bei geeigneter Einrichtung gering sein. Praktisch im Grossen erprobt ist jedoch das Verfahren noch nicht.

Die Benutzung von Zellstoff zu anderen Zwecken als zu Papier scheint Fortschritte zu machen. Es gehört hierher das bekannte Verfahren des Grafen Chardonnet, aus nitrirtem Zellstoff seidenartige Fäden herzustellen. Neuestens will M. de Vivier durch Lösen des Zellstoffes in Essigsäure unter Zusatz von etwas Gelatine ähnliche Resultate erzielt haben. Die Fäden sollen noch schöneren Glanz als die natürliche Seide haben und an Festigkeit derselben gleichkommen. – Holzzellstoff ist in neuester Zeit an Stelle der Schiesswolle zur Herstellung des rauchlosen Pulvers verwendet worden, indem jener ganz analog wie Baumwolle für diesen Zweck behandelt wird. –

Endlich hat Prof. Mitscherlich ein Verfahren zum Patent angemeldet, welches bezweckt, Faser aus Holz so herzustellen, dass dieselbe verspinnbar, überhaupt für die Textilindustrie verwendbar wird. Damit wäre ein wichtiges Problem gelöst. Das astfreie Holz wird in feine Streifen in der Faserrichtung des Holzes gespalten und in einem Drehkocher einer Art Sulfitverfahren unterworfen. Hierdurch soll die Faser nicht bloss von den Inkrusten befreit, sondern überhaupt vollkommen verändert werden. Gebleicht nimmt sie dann weisse Farbe und seidenartigen Glanz an und besitzt, vorsichtig getrocknet, grosse Festigkeit und Elasticität. Die weitere Behandlung hat mit dem Flachsbrechen Aehnlichkeit, wie auch der weitere Vorgang bis zum Verspinnen und Verweben ganz jenem für die bekannten Gespinnstfasern analog angenommen ist. So könnte man also möglicher Weise in nicht ferner Zeit ein Holztuch zu Kleidungsstücken verarbeiten und die Sage vom Hemdenbaume wäre zur Wirklichkeit geworden.

(Fortsetzung folgt.)

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