Titel: Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285 (S. 241–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/ar285060

Die elektrischen Eisenbahneinrichtungen auf der Frankfurter Ausstellung.

Von Oberingenieur L. Kohlfürst.

(Fortsetzung des Berichtes S. 59 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

XIII. Zeitcontrole.

Zur Erzielung und Sicherung des äusserst wichtigen Gleichganges der Dienstuhren innerhalb eines Bahnnetzes lassen sich im Allgemeinen bekanntlich zwei Hauptwege einschlagen: entweder sind die vorhandenen Eisenbahntelegraphen benutzt, um in bestimmten Zeiträumen – in der Regel täglich einmal – zur festgestellten Stunde den Bahnstationen die richtige Zeit telegraphisch bekannt zu geben, wonach dann die Bahnhofs- und sonstigen Dienstuhren, falls sich Differenzen zeigen, mit der Hand richtig eingestellt werden, oder es kommen elektrisch betriebene oder elektrisch regulirbare Uhren in Anwendung. Vielfach und insbesondere auf grossen weitläufigen Bahnhofsanlagen finden wohl auch beide Formen Benutzung. Auf der Ausstellung ist jede dieser verschiedenen Gattungen vertreten gewesen.

In der Sammlung der preussischen Staatsbahnen war seitens der königl. Eisenbahndirection Berlin ein ganz neuer Uhrzeichenapparat ausgestellt, nämlich ein vorzüglich gearbeitetes Chronometerwerk, das für die dauernd genaue Angabe der mitteleuropäischen Zeit eingestellt ist, in Verbindung mit einer Vorrichtung, die, durch den Chronometer beeinflusst, das tägliche Zeitzeichen auf sämmtliche in Berlin einmündende Eisenbahntelegraphenleitungen automatisch abgibt. Uhr und Automattaster befinden sich in hübsch geschnitzten, weisseichenen, theilweise verglasten Schränken, die auf einem ebenso ausgeführten Untergestellskasten angebracht sind, der zur Unterbringung der erforderlichen Batterien und Nebeneinrichtungen dient. Das mit Stunden-, Minuten- und Secundenblatt versehene Chronometerwerk, welches direct von der Berliner Sternwarte auf elektrischem Wege regelmässig justirt wird, veranlasst den Automaten täglich zwei Minuten vor acht Uhr Vormittag zur Abgabe des Zeitzeichens, das, auf diese Weise von Berlin aus in die einzelnen Bahnverwaltungen gelangend, als Grundlage gilt für den Gang bezieh. die Richtigstellung der Dienstuhren auf den gesammten preussischen Staatsbahnen. Dieses Zeitzeichen wird durch die Morsebuchstaben – – • – – • • (m e z mittlere europäische Zonenzeit) dargestellt, welche, wie ein Anruf- oder Alarmzeichen, durch längere Zeit – etwa 70 Secunden lang – wiederholt werden; daran schliesst sich ein Strich (eine Stromunterbrechung) von etwa 50 Secunden Dauer, dessen Ende genau mit der bestimmten Zeit zusammenfällt, also Punkt, acht Uhr darstellt. Das Wesentlichste des vom Eisenbahntelegrapheninspector Zwez angegebenen, bei Siemens und Halske in Berlin ausgeführten selbsthätigen Zeitzeichengebers, welcher derzeit am Schlesischen Bahnhofe in Berlin in Thätigkeit steht, lässt sich aus der schematischen Darstellung (Fig. 121) ersehen. In jeder der dreissig einbezogenen, durchwegs auf Ruhestrom geschalteten Eisenbahntelegraphenleitungen ist, wie bei L1 , je ein Federcontact f, c zwischengeschaltet und diese sämmtlichen Contacte sind ähnlich wie die Tasten einer Klaviatur neben einander in eine Reihe gebracht. Unter der Federnreihe f liegt ein um eine Achse i drehbarer Elfenbeinsteg n, welcher, wenn er aufwärts gedrückt wird, sämmtliche Contactfedern f von ihren Contactambossen c abhebt, also sämmtliche Telegraphenleitungen L unterbricht.

Textabbildung Bd. 285, S. 241

Diese Anordnung vertritt sonach die Stelle eines gemeinsamen Schlüssels und ihn im richtigen Momente im Rhythmus des Zeitzeichens thätig zu machen, ist eben Zweck und Aufgabe der Vorrichtung. Zu diesem Ende sitzt an einem Rade R1 des Chronometerwerkes ein Daumen d, welcher vermöge seiner Lage und da sich R innerhalb 24 Stunden einmal umdreht, täglich um 7 Uhr 58 Minuten Vormittags die beiden Contactfedern p und q in Berührung bringt und hierdurch die Localleitung I schliesst. Es gelangt demzufolge die Batterie B1 zur Wirksamkeit, welche ihrerseits die beiden Elektromagnete M1 und M2 thätig macht. Davon ist M1 der Auslöseelektromagnet eines Apparates, der so ziemlich dieselbe Anordnung besitzt, wie etwa ein verkleinertes Siemens'sches Universalläutewerk, dessen Laufwerk jedoch, statt Glockenklöppel zu bewegen, eine Schablonenscheibe in Umdrehungen versetzt. Die letzte, deren Rand entsprechend dem Anrufe zum Zeitzeichen ausgeschnitten ist, beginnt ihren Lauf, sobald die früher erwähnte Auslösung vom Elektromagnete M1 erfolgt, und |242| wirkt auf eine Nase des Ankerhebels a so, dass der steif mit a verbundene Arm i, n bezieh. der Steg n im Sinne des Zeitzeichenanrufes gehoben wird und also auf sämmtlichen Leitungen L die Morsezeichen m e z fortwährend abspielt. Der zweite in der Localleitung I eingeschaltete Elektromagnet M2 hat durch sein Thätigwerden bei Schliessung des Contactes p, q eine Contactvorrichtung A2 eingerückt, welche aus zwei leitend mit einander verbundenen Federn x und y besteht und bei abgerissener Lage des Ankers A2 weder bei s noch bei t eine Verbindung herstellt. Auf einer Achse des Chronometerwerkes, die sich alle zwei Minuten einmal herumdreht, sind zwei, in der Zeichnung der Uebersichtlichkeit wegen getrennt dargestellte, aus Achat gearbeitete Excenterstücke r1 und r2 so angebracht, dass bei Eintritt des Contactes p, q, d. i. bei der Einrückung der Contactvorrichtung s, x – t, y die Feder x auf den inneren schmalen Theil des Excenters r1 , die Feder y hingegen auf die äussere Daumenkante des Stückes r2 zu ruhen kommt. Diese Lage, bei welcher sowohl x als y keinen Contact herstellen kann, währt vom Augenblicke an, in dem durch die Daumen d die Localleitung I geschlossen wird, etwa 70 Secunden lang, während welcher Zeit das Rad R2 fortwährend den Ruf – – • – – • • fortspielt. Dann aber tritt die in der Fig. 121 dargestellte Lage ein, weil r1 endlich mit seinem Daumentheile unter die Feder x tritt, so dass x mit s in Berührung gelangt, während gleich darauf y vom Daumenrande des Excenters r2 abfällt und sich auf den Contact t legt. Auf diese Weise kann nunmehr auch die Batterie B2 in der Localleitung II wirksam werden und den Elektromagneten M3 thätig machen; sobald dieser seinen Anker a anzieht, wird der Elfenbeinsteg n gehoben und werden sämmtliche Telegraphenleitungen L unterbrochen. Diese Unterbrechung dauert genau bis acht Uhr, weil erst in diesem Momente die Feder x vom Daumenrande des Excenters r1 wieder abfällt und damit den Stromschluss in der Localleitung II aufhebt. Der Elektromagnet M3 lässt also Punkt acht Uhr seinen Anker los, welcher Vorgang durch den Ankerabfall an den in den Telegraphenleitungen eingeschalteten Morseapparaten deutlich wahrnehmbar ist und das eigentliche Zeitsignal bildet, nach dem die Dienstuhren zu richten sind. Nach diesem eigentlichen Zeitzeichen bleibt der Tagescontact bei p, q nur mehr so lange geschlossen, dass noch dreimal das Zeichen – – • – – • • erscheint, wonach schliesslich der genannte Contact gleichfalls aufhört und einerseits die Wiedereinlösung des Laufwerkes der Schablonenscheibe, sowie andererseits die Ausrückung der Contactvorrichtung x, y erfolgt. Die ganze Vorrichtung ist damit für die Abgabe eines nächsten Zeitzeichens wieder vorbereitet.

Gleich neben der geschilderten Einrichtung befand sich ein von der königl. Eisenbahndirection Hannover beigestellter Matthies'scher Apparat“ zum selbsthätigen Richtigstellen der Eisenbahnstationsuhren mittels des täglichen telegraphischen Zeitzeichens (Uhrsignals). Es hat diese Vorrichtung den Zweck, den Unvollkommenheiten abzuhelfen, welche der auf Grund des einlaufenden telegraphischen Zeitzeichens mit der Hand auszuführenden Uhrregulirung mehr oder minder naturgemäss anhaften; sie darf dabei die gewöhnliche Benutzung der mit ihr in Verbindung gebrachten, zur Abgabe des Zeitzeichens dienenden Telegraphenleitung in keiner Weise beeinträchtigen, sondern überhaupt nur einmal im Tage auf die Dauer des Uhrzeichens in Wirksamkeit gelangen. Die Matthies'sche Construction fusst ferner auf der Voraussetzung, dass das eigentliche telegraphische Zeitzeichen in der betreffenden Morseruhestromleitung, ähnlich wie in dem früher behandelten Falle, aus einer etwa 50 bis 60 Secunden langen Unterbrechung bestehe und dass in der Station die verschiedenen Uhren u1, u2.... (Fig. 122) im Wartesaal, am Bahnsteige u.s.w. von einer Hauptuhr U durch Vermittelung von Zeigergestängen Z, Z1, Z2 ... betrieben werden. Die Regulirvorrichtung B wird in das zu den verschiedenen Zeigerwerken (Nebenuhren) führende Gestänge gleich hinter dem Werke der Hauptuhr U, nämlich ehe sich die Zeigerleitung verzweigt, eingeschaltet, und bildet auf diese Weise gleichsam ein Stück der letzteren. Die wesentlichsten Theile dieses in Fig. 123 in der Vorderansicht, in Fig. 124 in der Seitenansicht und in Fig. 125 in der Draufsicht – unter Weglassung aller die Uebersicht störenden Theile – dargestellten Apparates sind ein mit Gewicht betriebenes Laufwerk, das die eigentliche Zeigerstellung besorgt und ein unter Vermittelung eines Relais in die vorerwähnte Telegraphenleitung eingeschalteter Elektromagnet M (Fig. 124), welcher zur Auslösung des besagten Laufwerkes dient.

Textabbildung Bd. 285, S. 242

Das von der Hauptuhr angetriebene Stück Z1 des Zeigergestänges übersetzt seine Drehung mit Hilfe der beiden Kegelräder W und W1 auf die Achse k, k1 , von der sie sich durch die Stiftenkuppelung i1, i2 auf die Zeigerleitungsstange Z2 und damit weiter auf die übrige Gestängsanordnung fortpflanzt. Diese Bewegungsübertragung wird durch die Kuppelung K, K1 (Fig. 123) vermittelt. Die Nabe N, auf der die Räder W1 und K festgekeilt sind, sitzt nämlich nur lose auf der Achse k1, k, während K1 so angebracht ist, dass diese Zahnscheibe zwar längs der Achse verschoben werden, sich aber nicht ohne dieselbe drehen kann. Solange die Zähne von K und K1 in einander greifen, was der Druck der Spiralfeder F bewirkt, bleibt auch die Bewegungsübertragung von Z1 nach Z2 aufrecht. Die sich unter regulären Umständen also stetig, wie das Zeigerleitungsgestänge Z1 , drehende Achse k, k1 überträgt ihre Bewegung ferner durch das Zahnrad K, welches in ein Trieb T eingreift, auf das Kegelrad K2 und dann durch K3 auf die stehende Achse y, y1. Auf der letzteren steckt lose eine Scheibe s, an deren Nabe eine Rosshaarschnur o. dgl. festgemacht ist, welche |243| über eine Rolle o läuft und das Gewicht b trägt, vermöge welcher Anordnung s für gewöhnlich in einer bestimmten Lage festgehalten bleibt. Der nach aufwärts gekehrte, an die Scheibe s angedrehte Rand r ist gezahnt und liegt einer gleich grossen, ebenso gezahnten Scheibe r1 gegenüber, welche sich mit y, y1 dreht, zugleich aber leicht in einer Führung längs der Achse y, y1 auf und nieder bewegt werden kann. Im Falle sie so weit nach abwärts gelangt, dass ihre Zähne jene von r fassen, wird hierdurch die Scheibe S aus der vorbezeichneten durch das Gewicht b bewirkten Ruhestellung gebracht, an y, y1 gekuppelt und wie diese Achse in Umdrehung versetzt. Unter normalen Verhältnissen kann jedoch eine solche Kuppelung nicht erfolgen, weil das Scheibchen r1 durch einen in ihre Nabe eingreifenden Arm m (Fig. 124) hochgehalten wird, solange der um x2 drehbare, mit dem Ausgleichgewichte q1 versehene Hebel m, m1, m2 durch einen bei t aus dem Arme c2 seitlich vorstehenden Stift, auf dem der Arm m ruht, verhindert ist, niederzukippen.

Textabbildung Bd. 285, S. 243

Der Arm c2 sitzt gleichwie c1, c3, c4 und c5 fest auf der Drehachse x1 und obwohl dieses ganze System vermöge seiner Schwere sich nach links zu drehen bestrebt, kann es diesem Bestreben doch nicht folgen, solange die an dem Arm c1 befindliche Nase n auf dem äusseren Rande der Scheibe S läuft. Hat sich jedoch S so weit gedreht, dass n in den Scheibeneinschnitt q einfallen kann, dann hört die eben besprochene Hemmung an allen Stellen auf. Der geschilderte Vorgang tritt jedoch täglich nur einmal ein, da die von der Achse kk1 durch Vermittelung einer angemessenen Zahnradübersetzung angetriebene Scheibe S sich innerhalb 24 Stunden einmal umdreht. Auch ist die Lage der Falle q so gewählt, dass n erst wenige Minuten vor dem Zeitpunkte, in welchem das telegraphische Uhrzeichen einlangen soll, einfallen kann. Sobald dies geschieht, wird weiter auch der Arm c3 nach links ausweichen und die in einem Schlitze des Ankerhebels A leicht bewegliche, durch eine Feder nach links gedrückte Schieberstange a1 kann mit ihrem gabelförmigen Ende in den in die Nabe u des Scheibchens r1 eingedrehten Hals eintreten, weil der seitlich aus a1 vorstehende Stift t1 nicht mehr von c3 festgehalten ist. Der um x3 drehbare Hebel A trägt am rechtseitigen Arm den aus weichem Eisen hergestellten Anker a und wird in gewöhnlicher Weise einerseits vom Elektromagneten M, andererseits von der Abreissfeder F1 beeinflusst. Wenn während der nunmehrigen Stellung der Schieberstange a1 der Elektromagnet M durch ein telegraphisches Spiel auf der Morseleitung in Thätigkeit geräth, so werden sich die Bewegungen des Ankers auf die Scheibe r1 verpflanzen, denn diese wird durch a1 auf der Achse y, y1 auf und nieder geschoben; jeder Punkt oder Strich wird die Kuppelung der Scheiben r und r1 und jede darauf folgende Pause wieder die Lösung der bestandenen Kuppelung mit sich bringen, die mit r verbundene Auslösescheibe s geräth also in Umdrehung, sobald und solange der Anker a von M angezogen ist, und wird nach jeder Lösung der Kuppelung innner wieder durch das Gewicht b in die Normallage zurückgebracht. Auf der Scheibe s ist eine etwa die Hälfte des Umfanges derselben einnehmende schiefe Ebene, eine Art halber Schraubengang i angebracht, der bei der Umdrehung von s unter die an dem Hebelarme H1 seitlich angebrachte Rolle R (Fig. 123 und 124) hineinläuft und R successive hebt bezieh. das um x drehbare Hebelsystem H1, H2 H3 nach links (Fig. 124) bewegt. Ist jedoch, wie beim Telegraphiren oder ebensowohl beim Anrufe für das Zeitzeichen |244| die Anziehung von a, also auch die dadurch hervorgerufene Kuppelung zwischen r und r1 verhältnissmässig nur ganz kurz, so kommt b schon früher zur Wirksamkeit und stellt s wieder in die Ruhelage zurück, ehe R auf eine einflussnehmende Höhe gehoben werden kann. Tritt jedoch eine Unterbrechung der Morseleitung ein, die länger als 30 Secunden dauert, dann gelangt der Schraubengang i bis zu seiner vollen Höhe unter R; die Kraft der Feder f1 wird überwunden und H1, sowie die Arme H2 und H3 werden so weit nach oben bezieh. seitwärts gedrückt; dass das bisher durch H2 arretirt gewesene Laufwerk L, welches die Zeigereinstellung zu besorgen hat, sich in Gang setzen kann. Auf der Trommelachse X (Fig. 124 und 125) des Laufwerkes sitzt die Scheibe E, welche sich nach erfolgter Auslösung des Laufwerkes in der Richtung des in Fig. 124 und 126 eingezeichneten Pfeiles bewegt und dabei mit dem aufgedrehten schief eingeschnittenen Rande q1 (Fig. 125) auf den um x4 drehbaren Hebel v1, v2 bei v2 so einwirkt, dass das gabelförmige Ende g des Armes v1 (siehe auch Fig. 123) den Druck der Spiralfeder F überwindet und die gezahnte Scheibe K1 von K abhebt, also die Bewegungsübertragung von Z1 auf Z2 unterbricht. Die vorbesagte Scheibe E steht ferner durch eine Gelenkstange U mit dem um X1 drehbaren, eigenthümlich geformten, in Fig. 126 eigens herausgezeichneten Hebel D in Verbindung, welcher mit den beiden Rollendaumen d1 und d2 versehen ist. In der Bewegungsebene dieser Daumen sitzt auf der Achse k, k1 das Stück G fest. Gleich nachdem durch den Auflaufrand p1 der Scheibe E die Kuppelung K, K1 gelöst wurde und die Zeigerleitung still steht, hat die Stange U den Hebel D in der durch den Pfeil (Fig. 126) angedeuteten Richtung gedreht, wobei der Rollendaumen d1 wie ein Zahn in den Ausschnitt n des Theiles G eintritt, dieses ein Stückchen zurückdreht und dadurch der Achse k, k1, also auch dem ganzen Zeigergestänge eine bestimmte Correcturlage ertheilt. Sobald der höchste Punkt dieser Rückwärtsstellung der Zeiger erreicht ist, tritt beim Weiterdrehen von E ein Rückgang der Stange U und des Hebels D ein. Knapp vorher fällt aber v2 von dem Anlaufrande p1 ab und stellt sich in Folge dessen die Kuppelung K, K1 wieder her, damit die vom Daumen d1 bewirkte Correctur nicht durch störende Nebeneinflüsse, wie Spannungen, Uebergewicht o. dgl. beeinträchtigt werden könne. Gelegentlich der vorher betrachteten Bewegung des Hebels D ist auch vom Daumen d2 eine Arbeit verrichtet worden, indem er unter das Ende des Armes c4 (Fig. 124) getreten ist und dadurch das ganze Hebelsystem der Achse a1 wieder in die Normallage zurückgehoben hat, in welcher es vorläufig durch den Haken h und den Stift o1 festgehalten bleibt, bis die Scheibe S wieder mit ihrem vollen Rande unter n gelangt. Durch diese Vermittelung des Daumens d2 ist also die Kuppelung zwischen r und r1 wieder gelöst und die Schieberstange a1 wieder in die Ruhelage zurückversetzt worden. Wenn der Hebel D seinen Rückweg antritt, gelangt d2 in den Ausschnitt n2 ; kurz vorher wird aber die Kuppelung K, K1 neuerlich gelöst, indem ein zweiter Auflaufrand p2 der Scheibe E unter v2 gelangt. Der in n2 eingetretene Daumen d2 bewirkt nun ein Vorwärtsdrehen der Achse h, h1 bezieh. des Zeigergestänges und stellt es damit genau auf die richtige Zeit ein. Unmittelbar nach dieser endgültigen eigentlichen Richtigstellung fällt v2 von p2 wieder ab und stellt sich die Kuppelung K, K1 wieder her. Das Laufwerk läuft bezieh. die Scheibe E dreht sich nur noch so lange, bis die Ausgangsstellung wieder gewonnen ist, wo dann durch das Einfallen der Nase des Hebels H3 auch H1 und der Arretirungsarm H2 des Laufwerkes ihre Normallage wiedergewonnen haben.

Der Constructeur dieses Apparates, Uhrmacher W. Matthies in Osterode a. H., hat seine Anordnung später noch dahin vervollständigt, dass ausser der alle 24 Stunden sich einmal umdrehenden Einfallscheibe (S in Fig. 124) noch eine zweite ähnliche Scheibe vorhanden ist, die alle Stunden einmal ihre Umdrehung vollendet. Die Nase n des Einfallshebels c1 muss dann, um die oben geschilderten Vorgänge zu ermöglichen, natürlich in beide Scheiben einfallen können, wodurch eine noch grössere Genauigkeit als wie bei einer Scheibe erzielt wird.

Bei neuen Uhren werden zweckmässig die Einstellungsapparate gleich mit in das eigentliche Uhrwerk eingebaut, da sich in diesem Falle der Anschluss an die Zeigerleitung wesentlich einfacher gestalten lässt.

Sind auf einer Station mehrere von einander unabhängige Uhren zu richten, so erhält doch nur eine derselben den beschriebenen Apparat; die übrigen erhalten einfachere Einrichtungen, da ihre Elektromagnete nicht erst in die Telegraphenleitung einbezogen zu werden brauchen, sondern in eine Localleitung zu schalten sind, die durch einen Contact des Hauptuhrapparates geschlossen wird. Bei Uhren endlich, deren Zeigerwerke direct, nämlich ohne Vermittelung von Zeigerleitungen angetrieben werden, entfällt selbstverständlich im Hauptapparate wie in den Nebenapparaten die Einrichtung zum Loskuppeln der Zeigerleitung vom Uhrwerke, weil die Einstellung gleich unmittelbar am Zeigerwerke selbst vorgenommen werden kann (vgl. Vortrag des Telegrapheninspectors Fink, gehalten am 28. Januar 1887 in der Sitzung des Hannoverschen Bezirksvereins deutscher Ingenieure, Osterode 1887, Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 31 S. 321). Es wäre schliesslich nur noch beizufügen, dass ein Matthies'scher Apparat zur Regulirung der Stationsuhren im Bahnhofe Hildesheim bereits seit 1886 mit bestem Erfolge in Verwendung steht.

Jene Systeme elektrischer Uhren, welche bei Eisenbahnen ausgedehntere Anwendung gefunden haben, waren in der Halle für Wissenschaft und Medicin durch die Hipp'schen Constructionen, ausgestellt von Hipp's Nachfolger, Peyer, Favarger und Co. in Neuenburg, und in der Halle für Telegraphie und Telephonie durch das bei C. Theod. Wagner in Wiesbaden erzeugte und seitens dieser Firma ganz besonders reich ausgestellte Grau'sche System vertreten. Beide Systeme sind bekannt (vgl. Hartleben ' s Elektr.-Techn. Bibliothek, Bd. 13, Die elektrischen Uhren u.s.w. von Prof. Dr. A. Tobler) und das erstere in der Schweiz, in Frankreich und Belgien, das zweite besonders in Deutschland sehr verbreitet. Nach einem im October 1889 ausgegebenen Verzeichnisse der Wiesbadener Firma C. Th. Wagner sind von derselben bis dorthin neben einer ganz beträchtlichen Zahl Einrichtungen von industriellen Etablissements aller Art, von Lehranstalten, Verwaltungsgebäuden, Hotels u.s.w. auch eine stattliche Reihe vollständiger Städteeinrichtungen ausgeführt, sowie 38 grosse deutsche Bahnhöfe mit elektrischen Uhrenanlagen nach |245| Grau'schem System (1883 247 * 120. Grau-Wagner, 1891 282 * 129. 1884 251 * 492. 1884 254 * 153 und 1889 271 * 562) versehen worden.

XIV. Wasserstandscontrole.

Die elektrischen Wasserstandsanzeiger finden als Neben- und Hilfseinrichtung der den Eisenbahnen für die Speisung der Locomotiven oder der Kessel der Werkstätten u. dgl. so wichtigen Wasserbeschaffungsanlagen eine stetig zunehmende, allgemeiner werdende Verwendung. Diesem Umstände entsprach denn auch die Mannigfaltigkeit und grosse Anzahl einschlägiger Apparate, die in Frankfurt vorhanden gewesen und in erster Linie für Eisenbahnzwecke bestimmt oder von Eisenbahnorganen erdacht sind.

Textabbildung Bd. 285, S. 245
Textabbildung Bd. 285, S. 245
Die einfachste Controlvorrichtung dieser Gattung, wie sie dem gewöhnlichen Bedarf der Eisenbahnwasserstationen entspricht, braucht bekanntlich bloss den höchsten oder niedrigsten Stand des Wasservorrathes zu melden; die Anordnung eines solchen vom Telegrapheninspector Tormin construirten und seitens der königl. Eisenbahndirection Köln (rechtsrheinisch) beigestellt gewesenen Apparates zeigen die Fig. 127 und 128. Die über die Rollen r1 bis r6 geleitete Schnur oder Kette trägt einerseits den Schwimmer S mit dem darunter befestigten Gewicht q, welches den Zweck hat, die ruhige Lage des Schwimmers zu sichern, andererseits das Gegengewicht g, durch welches die Kette straff gehalten wird. Dieser Theil der Vorrichtung ist in geeigneter Weise im Wasservorrathsgefässe und zunächst desselben angebracht und hat die Aufgabe, eine Contactvorrichtung C (Fig. 127) thätig bezieh. unthätig zu machen, welche mit einer Batterie B und durch eine Telegraphenleitung L mit einem Zeichenempfänger Z in Verbindung steht; letzterer befindet sich an jener Stelle, wo der niedrigste und höchste Stand des Wasservorrathes gemeldet werden soll. Behufs Lösung der gedachten Aufgabe ist die Schwimmerkette durch die Oeffnung der Scheiben s1 und s2 und zwischen den Rollenpaaren r2, r3 und r4, r5 durch das Rohr je eines pilzförmigen Bleigewichtes P1 und P2 hindurchgeführt. An richtiger, mit Rücksicht auf die Höhe des Wassergefässes bezieh. der Differenz der beiden äussersten Wasserstände zu bemessender Stelle zwischen r2 und r3 einerseits, sowie zwischen r4 und r5 andererseits erhält die Kette eine Verstärkung k1 bezieh. k2 , indem hier je ein Stückchen Messingrohr mittels Presschrauben unverrückbar festgeklemmt wird. Nimmt beispielsweise der Wasserstand zu, so bewegt sich die Kette zwischen r2 und r3 nach abwärts, zwischen r4 und r5 nach aufwärts, bis der höchste zulässige Wasserstand erreicht ist. Hierbei hat die Verstärkung k1 das Bleigewicht P1 mit in die Höhe genommen, dagegen ist k2 durch die Oeffnung der Scheibe s2 nach unten gegangen, während P2 auf s2 liegen blieb und vermöge seiner Schwere schliesslich den Hebelarm T2, an welchem s2 angebracht ist, nach aussenhin niederdrückt |246| Fällt nun wieder das Wasser, dann bewegt sich die Kette in verkehrter Richtung, so dass k2 das Gewicht P2 wieder hebt und s2 bezieh. der Hebel T2 in seine Ruhelage, die durch das Uebergewicht des schwereren, linksseitigen Armes bedingt ist, zurückkehrt. Vermindert sich der Wasserstand schliesslich bis zur zulässigen Grenze, dann ist k1 durch s1 abwärts geschlüpft und das auf s1 liegen bleibende Gewicht P1 drückt nun den Hebel T1 nach aussen nieder. Die Scheibe s1 (Fig. 128) hängt beweglich in dem gabelförmigen Ende des um die Achse d1 drehbaren Hebels T1 t1 und wird durch pendelartige Angusstücke dauernd wagerecht erhalten. Der zweite Arm des Hebels ist durch Bleigewichte so stark belastet, dass er im Ruhezustande stets niedergedrückt bleibt; er trägt einen kräftigen Stahlmagnet m1, dessen Nordpol ein Stückchen über das Hebelende hinausragt. Oberhalb und unterhalb des Hebelarmes t1 ist je ein kleiner Stahlmagnet m2 und m3 um eine Achse x1 bezieh. y1 drehbar angebracht. Bei der Ruhelage des Hebels T1, t1 berührt der Nordpol des Magnetes m1 den Südpol von m3. Die Pole sämmtlicher Magnete sind mit dünnem Platinblech belegt. Wird der Hebel T1, t1 beim Abnehmen des Wasserstandes in der früher besagten Weise gekippt, so nimmt der emporsteigende Magnet m1 den Magnet m3 vermöge der obwaltenden magnetischen Anziehung so weit mit, bis der letztere durch den Stift a1 am Weitergehen verhindert und daher plötzlich von m1 abgerissen wird, um sodann wieder in seine Ruhelage zurückzufallen. Der Magnet m1 bewegt sich mit t1 indessen weiter aufwärts, bis er endlich in die Nähe des Magnetes m2 gelangt, diesen anzieht und sich an ihn anlegt, wodurch nun ein Stromschluss entsteht. Die zweite Contactvorrichtung T2, t2 ist ganz gleich wie die geschilderte eingerichtet. Die Leitung und Batterie sind an den beiden Contactvorrichtungen, wie Fig. 127 zeigt, in folgender Weise angeschlossen: T1 bezieh. m1 steht mit der zum Pumphause führenden Leitung, T2 bezieh. m4 mit der Erdleitung, m2 und m5 mit dem Zinkpol und m3, m6 mit dem Kupferpol der Batterie in leitender Verbindung. Im Pumphause bezieh. an der beliebigen Controlstelle ist ein grosses Galvanoskop V mit breiter, weithin sichtbarer Magnetnadel als optischer Zeichenapparat zwischen Leitung und Erde geschaltet. Solange weder der höchste oder niederste Wasserstand eintritt, steht also m1 mit m3 und m4 mit m6 in Berührung, d.h. die Leitung ist direct zur Erde verbunden und die Batterie bleibt unwirksam; weil ihr Zinkpol sowohl bei m2 , als m5 keinen Anschluss findet; gelangt aber beim grössten Wasserstande m1 mit m2 in Contact, dann geht ein negativer Strom, beim Minimalwasserstande hingegen durch die Herstellung des Contactes m4, m5 ein positiver Strom der Batterie durch das Galvanoskop, die Nadel in dem einen Falle rechts, in dem anderen links ablenkend. Es empfiehlt sich übrigens, dieses sichtbare Signal durch ein hörbares zu ergänzen, weshalb auch noch ein Läutewerk hw in die Linie geschaltet wird, dessen Anker eine doppelte Falle besitzt. Bei jedem Contactschlusse erfolgt also die Anziehung des Ankers und wird das Läutewerk einmal ausgelöst, so dass es die Gruppe Glockenschläge abgibt, für welche es eingerichtet ist. Die Einlösung erfolgt dann, in Betracht der bekannten, ungleich hohen Fangschnapper, ohne weiteres, gleichgültig, ob der Strom noch vorhanden oder schon wieder unterbrochen ist. Solche Tormin'sche Wasserstandsanzeiger sind in den Stationen Rheine und Osnabrück mit Erfolg verwendet und als vortheilhaft daran erweist sich die eigenthümliche Anwendung von Stahlmagneten zur Contactgebung, weil vermöge derselben das Schliessen und Oeffnen des Stromkreises stets nur einmal und plötzlich erfolgt, wogegen bei anderen Anordnungen und insbesondere bei Federcontacten ein störendes Zittern bezieh. mehrmaliges Schliessen vorkommen kann.

Textabbildung Bd. 285, S. 246
Wesentlich anders ist die Anordnung und Zeichengebung bei dem in der Sammlung der königl. preussischen Staatseisenbahnverwaltung ausgestellt gewesenen Sesemann'schen Wasserstandsanzeiger. Bei dieser 1883 im Deutschen Reiche patentirten Einrichtung, welche die schematische Fig. 129 verdeutlicht, hat die in der Nähe des Wasserbehälters aufzustellende Contactvorrichtung einen eigenen Motor, nämlich ein blechernes Zellenrädchen R, das durch den aus einem dünnen Zweigrohre Z des Abflussrohres ausströmenden Wasserstrahl in gleichmässige Umdrehungen versetzt wird, wozu innerhalb 24 Stunden annähernd 1 cbm Wasser ausreicht. Das Rad R überträgt seine Bewegung gleich der Schwungradachse einer Drehbank durch die Schnurscheiben R1 und R2 auf die Achse x2 und die darauf festsitzende Trommel R5. Auf der Mantelfläche dieser Trommel, welche in Fig. 129 nebenbei in der Draufsicht und in Fig. 130 im Zusammenhange mit den übrigen Haupttheilen des Näheren dargestellt ist, sind neben einander in gleichen Abständen 20 bezieh. 19 Metallrippen (Messingstäbe o. dgl.) von gleichmässig zunehmender Länge so angeschraubt, dass die erste 1, die zweite 2, die dritte 3 u.s.w. Zwanzigstel der Trommel lang ist. Diese Rippen stellen gleichsam einen zwanzigtheiligen Maasstab für die Ganghöhe des Schwimmers dar. Parallel zu R2 liegt auf Lagerschrauben drehbar die Schraubenspindel y1, y2 (Fig. 130), welche bei den Aenderungen des Wasserstandes durch den auf oder nieder gehenden Schwimmer S (Fig. 129) hin bezieh. zurück gedreht wird, da die über die Rollen r1, r2, r |247| und r3 laufende, vom Gregengewichte g straffgehaltene Schwimmerkette die Kettenrolle r stets mitnimmt und letztere auf der Schraubenspindel festsitzt. Auf y1, y2 bewegt sich leicht eine Mutter M, welche den Knickhebel H trägt, dessen zweiter Theil in einer Führung auf der Leitstange ab gleitet. Im Knie des Hebels ist ein Federncontact angebracht. Bei den Drehungen der Spindel y1 y2 wird, je nach der Umdrehungsrichtung, die Mutter M sammt dem Contacthebel H von rückwärts nach vorn oder von vorn nach rückwärts bewegt. Es sind nun die Maasse der einzelnen Theile so gewählt, dass M bezieh. H bei den Wasserständen von 1, 2, 3, 4.... Zwanzigstel des Gesammtabstandes zwischen dem höchsten und niedersten Wasserstande, sich über jener Stelle der Trommel R3 befinden, bei welcher während einer vollen Umdrehung von R3 1, 2, 3, 4.... Stäbe unter H passiren. Jeder dieser Stäbe hebt, sobald er den höchsten Punkt der Trommel erreicht, einen von H nach abwärts reichenden Daumen und schliesst dadurch die Signalleitung L (Fig. 129) zur Erde E1. Der im Schliessungskreise entstehende Strom macht den am Empfangsorte eingeschalteten Zeichenapparat, z.B. ein Telephon, einen Wecker, Morseschreiber, Morseklopfer, Registrirer o. dgl., übereinstimmend 1-, 2-, 3-, 4-.... mal thätig; nur zur besseren Unterscheidung sind das erste Zeichen – niedrigster Wasserstand – und das letzte Zeichen – höchster Wasserstand – etwas abweichend und auffälliger gestaltet, indem die betreffenden Hebestäbe, nämlich der erste und der letzte (vgl. Nebenzeichnung in Fig. 129), eine grössere Breite besitzen als die anderen. Diese den jeweiligen Wasserstand angebenden Zeichen wiederholen sich regelmässig bei jeder Umdrehung der Walze R3, d. i. beiläufig alle 15 Secunden. Will man die Zeichen nicht immerwährend, sondern bloss nach Erforderniss zeitweilig geben lassen, so bedarf es natürlich nur der Einfügung irgend einer gewöhnlichen Schaltvorrichtung. In Frankfurt war die Sesemann'sche Wasserstandscontrolanlage gleichzeitig als Telephonlinie eingerichtet, wie es Fig. 129 zeigt. Die Zeichen werden durch Ertönen des Weckers gegeben; wird jedoch das Hörtelephon F2 von der Beobachtungsstelle abgehoben, so machen sich die Signale im Telephon durch Knacken vernehmbar. Da die Differenz des Wasserstandes mit 2 m angenommen war, entsprach jeder kurze Weckerton einem Decimeter Wasserhöhe, also z.B. 15, 9 oder 2 rasch auf einander folgende Weckerschläge bedeuten, dass das Wasser im Behälter 1,5, 0,9 oder 0,2 m hoch steht. Das Signal „Voll“ wurde mit 19 kurzen und einem langen Weckerzeichen und das Signal „Leer“ durch ein einmaliges längeres Läuten dargestellt. Die beiden Telephonsätze sind ganz gewöhnlich eingerichtet, nur die Anruftaster werden ungleich geschaltet, d.h. der Anruftaster T der Beobachtungsstelle ist ein Unterbrechungstaster, jener beim Telephon nächst des Wasserbehälters ein Schliessungstaster. Zum Betriebe der ganzen Anlage ist nur eine Leitung und eine Batterie erforderlich. Controlanlagen gleicher Einrichtung sind in mehreren Wasserstationen des Directionsbezirkes Erfurt mit bestem Erfolge im Betriebe.

Textabbildung Bd. 285, S. 247
Textabbildung Bd. 285, S. 247
Siemens und Halske in Berlin hatten in der Eisenbahnhalle eine Einrichtung zur Anschauung gebracht, bei welcher die jeweilige Wasserhöhe bezieh. die Zu- oder Abnahme der Wasserhöhe von 5 zu 5 cm mittels eines Zeigers, der vor einer angemessen beschriebenen Theilscheibe läuft, signalisirt und überdem der höchste wie der niederste Stand des Wassers durch das Ertönen eines Alarmweckers angezeigt wird. Zum Betriebe dieser Controlanlage dienen allerdings zwei Leitungen, allein die Anordnung der Contactvorrichtung beim Wasserbehälter, gleichwie die des Zeichenapparates ist dagegen um so einfacher. Die Construction des letzteren beruht auf den in Fig. 131 erläuterten Vorbedingungen. Ein zwischen zwei Elektromagneten M1 und M2 auf einer Drehachse excentrisch angebrachter Anker a aus weichem Eisen fällt vermöge seines Eigengewichtes in die Lage I und beharrt in dieser Lage, wenn weder über M1 noch über M2 ein Strom läuft. Würde ein in der Linie L1 entstandener Strom nunmehr M1 thätig machen, so gewinnt a zufolge der Anziehung die Stellung II; hört der Strom in L1 wieder auf und wird dafür ein solcher in L2 wirksam, dann gelangt a in die Stellung III, und tritt nun schliesslich wieder in beiden Linien die Unterbrechung ein, so fällt a endlich wieder in die Lage I zurück. Es ist ersichtlich, dass der Anker a sich stets im gleichen Sinne weiter bewegen muss, solange die besagten Strom zustände in den Linien L1 und L2 sich in gleicher Reihenfolge wiederholen, und dass aus denselben Gründen und in gleicher Weise ein Zurückdrehen und Rückwärtsgehen der Ankerachse stattfinden wird, wenn sich die Reihenfolge der Stromphasen umkehrt. Diese Drehung der Ankerachse lässt sich durch ein Räderwerk oder, wie es bei der in Betracht genommenen Anordnung der Fall ist, mittels einer Schraube ohne Ende auf einen Zeiger übertragen, der vor einem entsprechend getheilten |248| Zifferblatte läuft. Um die gewünschten Zeigerbewegungen hervorzurufen, bedarf es ausser der Batterie noch einer geeigneten Contactvorrichtung, welche beim Steigen und Fallen des Wassers im Behälter die nöthigen Stromgebungen in richtiger gleichmässiger Reihenfolge bewirkt. Es sind zu dem Ende an einem 150 mm hohen, 75 mm tiefen und 325 mm breiten Metallkästchen zwei Kettenrollen R und R1 (Fig. 132) angebracht, über welche die den Schwimmer S und das Gegengewicht G tragende Kette gelegt ist. Auf der Achse der Rolle R sitzt, im Innenraume des Kästchens, ein Contactarm v, und eben daselbst sind die zwei mit der Leitung L1 bezieh. L2 verbundenen Contactspangen l1 und l2 vom Kästchen isolirt und so angebracht, dass der Arm v, wenn er an l und l2 vorübergeht, je nach der Bewegungsrichtung mit l1 oder l2 in metallischen Contact gelangt und dass ferner, sobald dieser Contact beim Weitergehen von v wieder aufhört, unmittelbar jener mit der anderen Spange dafür eintritt.

Textabbildung Bd. 285, S. 248

Vor bezieh. hinter diesen beiden Schliessungen ergibt sich jederzeit eine Unterbrechung, die so lange währt, als v leer läuft, d.h. solange sich v auf dem äusseren Wege zwischen l1 und l2 befindet. Fällt das Wasser, so sinkt S und steigt G; in diesem Falle wird R mit v wie der Zeiger einer Uhr gedreht; beim Zunehmen des Wasserstandes nimmt hingegen B mit v den umgekehrten Weg. Wie aus der Zeichnung ohne weiteres hervorgeht, macht der bei der Berührung zwischen v und l1 entstehende Strom der Batterie B, welcher seinen Weg von einem Pole in die Erde E2 , nach E1 und in das Apparatgestelle C, ferner über v, l1, L1 , die Blitzplatte P, 1, M1, 3, 6, 7 zum zweiten Pole der Batterie zurückfindet, den Elektromagnet M1 thätig. Gelangt v mit l2 in Contact, dann wird B über E2, E1, v, l2, L2, M2, 3, 6, 7 geschlossen, demnach M2 erregt. Solange aber v weder l1 noch l2 berührt, ist natürlich keiner der beiden Elektromagnete M1 und M2 wirksam; damit sind die Erfordernisse für die unter II, III und I in Fig. 131 dargestellten Ankerlagen erfüllt und der Zeiger J des Zeichenapparates Z wird in der bereits besprochenen Weise sich bewegen und den Wasserstand auf der Theilung des Zifferblattes angeben. Nebstdem wird nach der in Fig. 132 angenommenen Schaltung jedesmal, wenn nach stattgehabter Unterbrechung wieder ein Batterieschluss eintritt, auch der Wecker W thätig werden und einen Glockenschlag geben. Um nun die Anzeige des höchsten und niedrigsten Wasserstandes durch das auffällige andauernde Läuten des Weckers zu vervollständigen, ist an der Contactvorrichtung C eine mit dem Körper, also mit der Erdleitung in metallischer Verbindung stehende, bei f festgeklemmte Contactfeder ff1 angebracht, welche der um x drehbare Hebel H, sobald derselbe aus der in Fig. 132 angedeuteten normalen Ruhelage gebracht wird, hochhebt, so dass das Federende f1 mit der Contactspange l2 in Berührung tritt. In einem solchen Falle ist sonach l2 ebenso zur Erde E2 angeschlossen, als wenn v mit l2 in Contact gelangt. Zum Heben des Hebels H, in dessen gabelförmig gestalteten Enden die Schwimmerkette läuft, sind auf der letzteren zwei Klemmen k1 und k2 so befestigt, dass die eine, k1 beim erreichten höchsten, die andere, k2 , bei eingetretenem tiefsten Wasserstande an das betreffende Gabelende gelangt und es hebt. Die Stelle, wo k1 und k2 an die Kette befestigt werden, hat übrigens nicht nur der Schwimmerlage bei den bezüglichen äussersten Wasserständen zu entsprechen, sondern muss überdem – worauf bei der Aufstellung Bedacht zu nehmen ist – so gewählt werden, dass der Contact f1 l2 stets nur in einem Zeitpunkte eintreten kann, wo auch die Linie L1 durch v an Erde gelegt ist. Die beiden Elektromagnete M1 und M2 haben nämlich jeder für sich einen Nebenanker a1 bezieh. a2 , der beim Thätigwerden seines Elektromagnetes den Contact c1 bezieh. c2 schliesst. Solange nur L1 oder nur L2 durch v geschlossen ist, bleiben die Contacte c1 und c2 völlig belanglos; wenn jedoch L1 durch v und L2 durch f1 gleichzeitig an Erde gelegt sind, was jedesmal nach Eintritt der äussersten Wasserstände der Fall sein wird, dann nimmt der Zeigeranker a des Zeichenapparates Z (Fig. 132) die in Fig. 131 unter IV ersichtlich gemachte Lage an, und nun sind beide Contacte c1 und c2 (Fig. 132) gleichzeitig geschlossen. In Folge letzteren Umstandes findet der Strom der Batterie B ausser dem früher besprochenen Wege noch einen zweiten, kürzeren, von 3 über c1, a1, a2, c2, 4, 5, Weckeranker, Ankercontact c3 und 7, sobald der Weckerelektromagnet wirksam und der Ankercontact c3 geschlossen worden ist. Die Klingel W wird demgemäss als Selbstausschalter arbeiten und so lange fortläuten, bis im Contactapparate C der Hebel H wieder aus der gehobenen Lage niedergeht und die Berührung zwischen f1 und l2 aufhört.

(Fortsetzung folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: