Titel: Neuer Laboratoriumsbrenner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285/Miszelle 4 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/mi285mi05_4

Neuer Laboratoriumsbrenner.

Prof. Teclu unterwarf die bis jetzt im Gebrauch befindlichen Laboratoriumsbrenner einer Prüfung bezüglich ihrer Heizwirkung und kam dadurch zu der Ueberzeugung, dass mit Ausnahme des ursprünglichen Bunsen'schen Brenners und dessen getreuen Nachbildungen keiner rationell construirt ist, d.h. so, dass er bei möglichst geringem Gasverbrauch eine möglichst grosse Empfindlichkeit und Sicherheit in der Regulirung gestattet und die weitgehendsten Unterschiede in seiner Heizwirkung zeigt. Verf. construirte einen Brenner, welcher genannte Eigenschaften in hohem Grade in sich vereinigt. Die Einrichtung des Brenners werde durch nachstehende Zeichnung erläutert:

In dieser ist a die Brennerröhre, welche am unteren Ende b eine trichterförmige Erweiterung besitzt. In der Mitte derselben befindet sich eine Schraubenmutter c, die an der inneren Trichterwandung befestigt und auf die senkrecht gestellte hohle Schraubenspindel d aufgeschraubt ist; aus dem oberen Ende dieser Röhre strömt bei e das Gas in die Brennerröhre. Unter dem Trichterrande, auf der Schraubenspindel aufgeschraubt, befindet sich ferner eine auf- und abdrehbare kreisrunde Platte f; die Schraubenspindel selbst, welche im Fusse des Brenners befestigt ist, hat am unteren Ende zwei seitliche Oeffnungen: durch die eine strömt bei h das Gas, durch die andere bei i, h gerade gegenüber liegend, geht eine verstellbare, wagerecht liegende Schraubenspindel k, durch deren Spitze der Gaszufluss regulirt werden kann.

Textabbildung Bd. 285, S. 120
Ist die Platte f an das trichterförmige Ende der Brennerröhre soweit herauf geschraubt, dass sie dieselbe verschliesst, so brennt das entströmende Gas mit gelbleuchtender Flamme. Schraubt man die Regulirungsplatte f hinab, so strömt die Luft von allen Seiten in das Brennerrohr und die Flamme wird blau. Durch Drehung der Luftregulirungsplatte werden also die Flammencomponenten innerhalb der Flammenhöhe beliebig weit von einander gestellt, wodurch niedrige oder höhere Heizeffecte erzielt werden können.

Dieser Brenner functionirt je nach der Einstellung der Luftregulirungsplatte mit einer Flamme, die jener des ursprünglichen Bunsen'schen Brenners gleicht, oder dieselbe nimmt den Charakter einer Gebläseflamme an.

Der Teclu'sche Brenner ist aus Messing in verschiedenen Grössen angefertigt und wird von W. J. Rohrbeck's Nachfolger in Wien und von Franz Hugershoff in Leipzig geliefert. Zu den Brennern eignen sich verschiedene Aufsätze, wie

a) der Pilzbrenner-Aufsatz (120 bezieh. 70 mm Durchmesser), wodurch eine gleichmässige Vertheilung der Wärme bei Abdampfungen u.s.w. erzielt wird;

b) ein Kreuzschlitz-Aufsatz (85 bezieh. 50 mm Durchmesser), dient zum Kochen in Bechergläsern, Kochflaschen u.s.w. und gibt auf einen kleineren Raum gleichmässige grössere Hitze;

c) ein Schlitz-Aufsatz, welcher für das Erhitzen, Biegen oder Ausziehen von Röhren äusserst vortheilhaft ist.

(Nach Journal für praktische Chemie, 1892 Bd. 45 S. 281, und Chemiker-Zeitung, Repertorium 1892 Bd. 16 S. 129.)

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