Titel: Elektrische Kraftleitung von Tivoli nach Rom.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285/Miszelle 4 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/mi285mi08_4

Elektrische Kraftleitung von Tivoli nach Rom.

Vor Kurzem ist die seit 1889 in Vorbereitung befindliche elektrische Kraftleitung von Tivoli nach Rom eröffnet worden. Die zum Betriebe des Stromerzeugungswerks erforderliche |192| Wasserkraft wird aus einem Kanal entnommen, welcher das Abflusswasser anderer Wassertriebwerke sammelt, so dass den herrlichen Fällen des Aniene kein Abbruch geschieht. Die römische Gasgesellschaft hat als Eigenthümerin der neuen Anlage vier secundliche Cubikmeter mit 50 m Fallhöhe erworben, etwa 2000 nutzbare , d.h. den zehnten Theil der Kraftleistung, welche der Aniene beim niedrigsten Wasserstand an jener Stelle zu ermitteln vermag. Hiermit werden, einbegriffen die Ersatzmaschinen, sechs grosse Turbinen von je 350 und drei kleine von je 50 getrieben. An erstere sind unmittelbar sechs Wechselstrommaschinen von 45 Ampère Stromstärke und 6000 Volt Potentialdifferenz angeschlossen, an letztere dagegen kleinere Gleichstrommaschinen. Die Uebertragung des mit 5000 Volt gespannten Wechselstroms von dem Stromerzeugungswerk in Tivoli nach dem Umschaltungswerk bei der Porta Pia in Rom erfolgt auf 25 km Länge durch je zwei Kupferseile für Hin- und Rückleitung. Diese 7,5 bis 9,3 m über der Bodenoberfläche angebrachten Seile sind alle 35 m mittels Porcellan-Isolatoren an Stützen aus je zwei gekuppelten flusseisernen -Trägern befestigt. Im Umschaltungswerk erfolgt die Umformung des hochgespannten Wechselstroms in die Verbrauchsleitungen auf doppelte Weise: 1) durch Umformen in Parallelschaltung mit gleichmässiger niedriger Spannung für Glühlampen, 2) durch Maschinen in Gruppenschaltung mit gleichmässiger Stromstärke für Reihen von Lampen und elektrischen Arbeitsmaschinen. Innerhalb der Stadt sind einstweilen 10 km Kabel mit gleichmässiger Spannung und 14 Stromkreise mit Reihenschaltung vorhanden. Zu den 41 auf öffentlichen Plätzen befindlichen Bogenlampen kommen nunmehr weitere 167, mit denen die wichtigsten Strassen beleuchtet werden. Die Ausnutzung der übertragenen Kraft für das Kleingewerbe dürfte sich in Rom nur langsam verwirklichen. Der Entwurf rührt vom Ingenieur Prof. Mengarini her, die Maschinenanlagen sind von Ganz in Budapest entworfen und ausgeführt. (Centralblatt der Bauverwaltung.)

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