Titel: Lacaze und Farjou's elektromechanischer Regulator.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 285/Miszelle 2 (S. 263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj285/mi285mi11_2

Lacaze und Farjou's elektromechanischer Regulator.

Der Mechaniker G. Lacaze der Messageries maritimes und der technische Post- und Telegrapheninspector A. Farjou haben kürzlich einen elektromechanischen Regulator angegeben, welcher in der Revue Industrielle, 1892 * S. 113, ausführlich beschrieben ist. Derselbe enthält zwei Hufeisenelektromagnete von je 1000 Ohm Widerstand, deren aufrecht stehende Schenkel auf einer Grundplatte befestigt sind. Ihre neben den Schenkeln auf Ständern gelagerten, möglichst leichten Ankerhebel richten ihre freien, mittels einer Stellschraube ein für allemal eingestellten Enden gegen ein zwischen ihnen auf einem derselben Grundplatte angegossenen Bügel aufgeschraubtes Gestell, in dessen Mitte sich ein Steigrad befindet, das mit seiner Achse in zwei an die vier Säulen des Gestells angeschraubten Querstücken aus Stahl gelagert ist. Ausserhalb des. Gestells ist auf die Achse noch ein kleines Zahnrad aufgesteckt und hinter diesem die Achse durch ein auf die Grundplatte aufgeschraubtes Winkelstück nochmals gestützt und geführt; dieses Winkelstück dient zugleich als Führung für eine wagerecht liegende Zahnstange, welche durch ein Gelenk mit einem wagerechten vierkantigen Stabe verbunden ist. An diesem Stabe sitzt ein Contactträger, in welchem das eigentliche Contactstück mittels einer Schraube und der durch letztere auf die beiden Schenkel des Contactstückes aufgedrückten Blattfeder mit einem gewissen Drucke nach unten gepresst wird. Wenn bei der Drehung des Steigrades und des Zahnrades der Stab in den auf die Grundplatte aufgeschraubten beiden kupfernen Winkelstücken, welche mit ihm als Führung dienenden Futtern ausgerüstet sind, nach der einen, oder nach der andern Seite hin verschoben wird, so schreitet das Contactstück auf einer Anzahl von dünnen Contactplatten aus Rothkupfer hin, welche gegen einander isolirt und durch Drähte mit einem Widerstände aus Neusilber verbunden sind.

Zwischen den beiden Bürsten der – z.B. einen Lampenstromkreis speisenden – Dynamo ist nun ein empfindliches Voltmeter eingeschaltet, dessen Nadel zwischen zwei Contactschrauben spielt und beim Anlegen an eine derselben noch einen neuen Weg durch den einen, oder durch den andern der beiden Elektromagnete für den Strom der Dynamo schliefst. Zufolge eines miteingeschalteten Widerstandes beträgt der auf diesem Wege abgezweigte Strom nicht über 30 Milli-Ampère. Indem dann dieser Elektromagnet seinen Anker anzieht, hebt der an seinem Ende zu einer etwas nach aufwärts sich abbiegenden Gabel gestaltete Ankerhebel einen der beiden, zu beiden Seiten des Steigrades in geeigneter Weise aufgestellten, durch eine Spiralfeder an ihrem oberen Theile gegen einander gezogenen vierkantigen Stahlstäbe, welche nach dem Steigrade zu mit einem mit seiner Spitze 0,5 mm etwa vom Steigrade abstehenden Stosszahne versehen sind. Ueber den Köpfen dieser Stäbe läuft in wagerechter Ebene eine kleine stählerne Daumenscheibe um, welche an der Unterseite einer Messingscheibe sitzt und mit dieser von einer umlaufenden Achse, nach Befinden der Achse der Dynamo selbst mittels einer Riemenübertragung und eines Kegelräderpaares in beständiger Umdrehung erhalten wird, mit vielleicht über 300 Umdrehungen in der Minute. Für gewöhnlich befinden sich die Köpfe 0,5 mm unter der Spitze des Daumens und es lauft die Daumenscheibe leer. Fiat sich aber in Folge einer Schwankung der Stromstärke die Nadel des Voltmeters an einen der beiden Contacte gelegt, so zieht der zugehörige Elektromagnet seinen Anker während der ganzen Contactdauer an und hebt den Stab rasch empor, wobei sich derselbe mit dem unteren Ende auf einer schiefen Ebene empor bewegt und sein von der Gabel erfasster Stift auf der Gabel etwas ansteigen muss, was das Emporgehen des Stabes ein wenig verlangsamt; so kommt der Zahn des Stabes über einen Zahn des Steigrades zu stehen und muss dieses Rad um einen Zahn drehen, sobald der Daumen bei seiner fortgesetzten Drehung den Stab wieder nach unten drängt. Dauert der Strom im Elektromagnete fort, so geht der Stab gleich wieder in die Höhe und bei diesem sich wiederholenden Spiele wird der Stab mit dem Contactstücke durch das Zahnrad und die Zahnstange schrittweise über dem Widerstände fortbewegt, solange die Nadel des Voltmeters Contact macht.

Tritt eine Schwankung im entgegengesetzten Sinne ein, so legt sich die Nadel an den anderen Contact und veranlasst die Verschiebung des Contactstückes nach der anderen Richtung.

Jede Correction wird bei der Umdrehungszahl 300 bis 400 des Daumens sehr rasch bewirkt und die vollständige Unabhängigkeit des elektrischen und des mechanischen Theiles des Regulators macht die Regulirung sehr zuverlässig und kräftig; wirkte der Strom von 30 Milli-Ampère unmittelbar auf das Zahnrad zur Bewegung der Zahnstange, so könnte er selbstverständlich eine ausreichend kräftige Wirkung nicht hervorbringen. Auch im Gebrauch, in welchen er bereits Mitte Mai 1891 gekommen ist, hat sich dieser Regulator gut bewährt.

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