Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286 (S. 9–15)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/ar286002

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 285 S. 225.)

Mit Abbildungen.

Weiterverarbeitung der Rohfasern zu Papier.

Textabbildung Bd. 286, S. 9
Um Rohfasern, wie Strohstoff und Aehnliches, vom Kocherhaus zu jenen Räumen zu schaffen, wo derselbe gekollert, überhaupt weiter verarbeitet werden soll, sind Transportbänder, Wagen u. dgl. im Gebrauch. Die Firma Eugen Kreiss in Hamburg führt hierzu eine andere Vorrichtung aus, welche thatsächlich in einigen Etablissements zufriedenstellend arbeiten soll. Wir sehen in Fig. 1 ein Rohr, in welches bei A der Stoff einläuft. Im Rohre wird er dadurch weiter bewegt, dass das Rohr, gestützt durch Federn F, von einer Kurbel K durch die Schubstange S eine hin und her gehende Bewegung erhält, also in Schwingungen versetzt wird. Ursprünglich nur für körnige |10| Substanzen ins Auge gefasst, soll der Apparat auch für Rohstoffe in Papierfabriken bereits gute Dienste thun.

Hadernschneider.

Für das Hadernschneiden liegt eine Neuerung im D. R. P. Nr. 54422 von Heinrich Pitzler in Birkesdorf bei Düren vor. Die Neuerung bezweckt, bei rotirenden Hadernschneidern die Lumpen in kleine, ungefähr rechteckige Fleckchen nur durch Kreismesser auf zwei Wellen zu zerschneiden, während sonst deren vier nothwendig sind, je zwei für eine Schnittrichtung. Bei zwei Schneidwellen kann die Maschine natürlich einfacher werden und auch unter sonst gleichen Umständen vielleicht ökonomischer arbeiten. Wir sehen in Fig. 2 und 3 die Kreismesser auf die Wellen a und b gekeilt und zwar sind sieben Messer c1,.....c7 auf der Welle a und, zwischen diese greifend, sechs Kreismesser (unter Umständen gezahnte) auf der Welle b. Von diesen fassen einige die durch das Transportband f zugebrachten Lumpen und zerschneiden sie in Längsstreifen, welche herab auf das Transportband f1 fallen, wobei die Wand o ein Herumschleudern verhütet. Durch f1 werden die Lumpen der geneigt gegen die Wagerechte gestellten Rinne n zugeführt, welche die Hadernstreifen ungefähr rechtwinkelig gegen ihre frühere Richtung auf das Transportband f2 abrutschen lässt. Dieses führt die Lumpen wieder empor zu der zweiten Messergruppe, wie durch Vergleich von Grund- und Aufriss erkannt wird. Die zweite Messergruppe besorgt dann das Zerschneiden der Streifen in Fleckchen. In die offenen Zwischenräume bei den Messern c1, c2, c3 und d4, d5, d6 greifen nach Art von Schlägern wirkende Scheiben g und h, um hängen gebliebene Hadern von den Messer wellen nach unten abzuschlagen. Der Betrieb geschieht durch Riemen. Abgesehen von der grösseren Breite, gegenüber den sonst üblichen, derartigen Maschinen, ist die beschriebene Maschine geschickt disponirt.

Textabbildung Bd. 286, S. 10

Holländer und Stoffmühlen.

Textabbildung Bd. 286, S. 10
Für die auch in meinem Berichte 1890 277 174 ff. besprochenen Holländer mit lothrechtem Stoffumlauf liegen einige Neuerungen vor, welche jene Uebelstände abstellen sollen, welche diese Anordnung mit sich bringt und auf die auch an jener Stelle hingewiesen worden ist. Von A. Karger, Papierfabrikant in Aloisthal, ist eine Verbesserung an Umpherston-Holländern projectirt und von der Maschinenfabrik E. Leder und Co. in Hohenstadt ausgeführt worden. Der Haupttheil der in Fig. 4 (nach der Papierzeitung) versinnlichten Neuerung ist das Stofftreibrad A. Von der Holländer walze aus angetrieben, schiebt es bei der Drehung in der Richtung des eingezeichneten Pfeiles der Holländerwalze B Stoff zu, den diese auf der anderen Seite auswirft, so dass er, unter der wagerechten Scheidewand durch, wieder gegen das Treibrad A gelangen soll. Doch scheint es mir, als ob dies schwerlich so vor sich gehen wird. Bei der Anordnung des Rades A wie in der Figur müssen unbedingt die oberflächlich ankommenden Theile erfasst werden, während man sich nicht vorstellen kann, wie der schwerere, gröbere und zu Boden gesunkene Stoff wieder unter die Messerwalze kommen soll. Etwas anderes wäre es, wenn das Rad A von ganz unten Stoff nach aufwärts bringen würde. Es ist demnach kaum zu glauben, dass der Holländer als Misch- und Bleichholländer gut arbeiten, noch weniger aber, dass Halbzeug zu gleichmässigem Ganzzeug gemahlen werden wird. Der Berichterstatter konnte auch durch unmittelbare Anfrage keine genügende Auskunft erlangen.

Textabbildung Bd. 286, S. 10
Ein Beweis, dass man in der Praxis ganz wohl die Unregelmässigkeiten bei lothrechtem Stoffumlauf erfahren hat, scheint in der durch D. R. P. Nr. 49297 geschützten Construction zu liegen. Rudolf Krön in Golzern schlägt nämlich vor, die wagerechte Scheidewand theilweise beweglich zu machen, um den Raum unter derselben |11| besser reinigen, überhaupt dort nachsehen zu können. Nach Fig. 5 haben wir den Wandtheil ac um e, den Theil bd um f drehbar, derart, dass die bezüglichen Wellen durch e und f bis ausserhalb des Troges, durch Stopfbüchsen gehend, reichen. An die Wellenenden können Kurbeln angesetzt werden, damit nach Bedarf die erwähnten Wandabschnitte in die gestrichelt gezeichneten Lagen gebracht und der sonst ziemlich unzugängliche untere Kanal nachgesehen werden könne. Die Rührer r dürften hier den Stoff in diesem Kanäle nicht so leicht zur Ruhe kommen lassen, so dass hier das Absetzen von schwereren Stofftheilchen kaum so arg geschehen wird.

Textabbildung Bd. 286, S. 11
Als ein Mittelding zwischen Holländern mit wagerechtem und lothrechtem Stoffumlauf möchte ich den Holländer von Louis Mensen's Nachfolger in Hagen (D. R. P. Nr. 55548) bezeichnen. Anknüpfend an das Patent von Hoyt werden doch schliesslich, wie aus den Fig. 6 und 7 hervorgeht, zwei Kanäle hauptsächlich neben einander angewendet, indem von der Messerwalze A weg über den Abfall G der Stoff nach dem Kanäle C, von diesem um die Scheidewand H herum, wie bei Holländern mit wagerechtem Stoffumlauf, in den Kanal J und endlich wieder zur Messerwalze fliesst. Der Kanal J ist also nur ein kleines Stück von der Verlängerung G des Kanals C überdeckt, daher gut zugänglich, womit eine Reihe von Uebelständen verschwindet gegenüber Holländern mit streng durchgeführtem lothrechtem Stoffumlauf. Ich vermuthe, dass dann, wenn der Sandfang K länger gehalten oder doch sein Gefälle weiter vertheilt würde, ein gleich-massigerer „Zug“ in den Holländer käme. Sehr interessant sind bei diesem Holländer die beweglichen Grundwerke D mit regulirbarem Vorschübe. Wie aus der Skizze ersichtlich, ist dies hier so ausgeführt, wie der Vorschub der Pressen bei Holzschleifern. Es sind in Führungen Grundwerkstheile verschiebbar und können dieselben durch Vermittelung eines Zahnstangentriebes, Kette L und Kettenrad innerhalb bestimmter Grenzen beliebig eingestellt werden. In meinem Berichte 1890 277 121 habe ich darauf hingewiesen, welche besondere Bedeutung der Pressung zwischen Grundwerk und Messerwalze für die Qualität des ermahlenen Stoffes und damit schliesslich auch des Papiers zukommt. Hier kann man nun diese Pressung leicht dem Bedürfnisse anpassen und durch Versuche den besten Druck finden und auch leicht erhalten. Deswegen möchte ich diese Neuerung als einen sehr glücklichen Gedanken bezeichnen, insbesondere dann, wenn sich die stramme Führung der Grundwerkstheile praktisch durchführen lässt, derart, dass dieselben nicht störend schwanken.

Textabbildung Bd. 286, S. 11
Eigentlich auch mit lothrechtem Stoffumlauf ist der Doppelholländer von George W. Cressman in Barron Hill ausgestattet und gibt die Ausführung, welche in Fig. 8 nach dem amerikanischen Patente Nr. 432300 skizzirt ist, ein ziemlich absonderliches Bild. Ist die Scheidewand G herabgelassen, so arbeitet jede Walze D für sich in ihrem Troge, der im Grundrisse rechteckig gehalten ist, indem der Stoff zwischen Grund werk a und Walze D bearbeitet, dann nach aufwärts über die Wand H ausgeschleudert werden und auf der anderen Seite wieder zufliessen soll. Ist der Stoff noch grob oder schwer zu zerkleinern, so soll die Wand G eingeschoben werden, indem man dann ein häufigeres Durchgehen zwischen den Messern erhofft, als dann, wenn die Wand G emporgezogen ist. Das ist nun schwer vorstellbar. Vielleicht werden sich bei emporgezogener Wand in der Nähe der Kante B Wirbel bilden, wodurch die Stoffe beider Walzen etwas durchgemischt würden. Aber ob wirklich gerade dadurch ein gleichmassiges Erzeugniss erzielt wird, wie es in der Patentschrift behauptet wird, mag bezweifelt werden. Sind die Walzen gleich schwer und haben sie sonst vollständig entsprechende Einrichtung, so wird der Stoff, ob die Wand G herabgelassen ist oder nicht, aller Voraussicht nach durch beide Walzen gleichartig gemahlen werden.

Weiter oben habe ich neuerlich auf die Wichtigkeit der Pressung zwischen Walze und Grund werk für die Qualität des Stoffes hingewiesen. Diesen Druck nach Bedarf zu regeln, erstrebt auch die Neuerung von Eduard Rész in Susak bei Fiume (D. R. P. Nr. 54105) und zwar bei der gewöhnlichen Holländerconstruction mit wagerechtem Stoffumlauf. In Fig. 9 ist eine solche in wenigen Linien skizzirt. Die Lager der Walzenzapfen c befinden sich auf den Hebeln ab. Dieser Hebel ist nun bei den gangbaren Ausführungen häufig auch durch Schrauben verstellbar, ohne dass man jedoch, ausser etwa durch das stärkere oder schwächere „Brummen“ beim Mahlen, erkennen kann, wie es mit der Grösse des Walzendruckes steht. Rész schaltet nun eine Feder ein. Schliessen wir (Fig. 9a und 9b) das Hebelende a einfach mit gelenkiger Mutter an die Spindel e an, so haben wir die gebräuchliche Anordnung, indem durch Drehen des Handrades n und des Schneckentriebes bei m das Hebelende a verstellt wird. Letzteres wird von der Büchse d ergriffen, welche mit ihrer Verlängerung d1 den oberen Theil der Rankenfeder fasst, welche unten mit dem Stück j verbunden ist. j besitzt die Mutter für das Gewinde der Spindel e. Weil die Federbüchsentheile |12| d1 und j an den festen Stangen h bei β und β1 geführt sind, wird der Drehung der Spindel e eine Verschiebung des Theiles j entsprechen, so dass die oben durch a gehaltene Feder aus einander gezogen oder zusammen gedrückt wird. Das Maass für die dabei entwickelte Kraft gibt die relative Verschiebung der Theile j und d1; diese wird bezeichnet an einer Scala in der Verlängerung von d1 durch den Stift i, der an der Verlängerung der Hülse j angebracht ist. Rész bestimmt die Hauptmarken dieser Scala in folgender Weise: Er spannt die Feder so weit, dass das ganze Walzenge wicht aufgehoben wird; dies ist dann geschehen, wenn man einen dünnen Papierstreifen noch zwischen Walze und Grundwerk durchziehen kann; die entsprechende Stellung des Zeigers i wird markirt. Dann lässt er die Feder g ungespannt, so dass also die Walze mit ihrem ganzen Gewicht auf dem Grund werk ruht; erkannt wird dies daran, dass zwischen den vollständig entlasteten Walzenzapfen und ihren Schalen ein Papierstreifen durchgezogen werden kann. Diesem Zustände entspricht wieder eine bestimmte Stellung von i. Weiss man das Walzenge wicht, so kann man dementsprechend die Eintheilung zwischen den beiden gefundenen Marken so durchführen, dass die Pressung zwischen Walze und Grundwerk in Kilogrammen angegeben wird. Setzt man die Eintheilung über die letztermittelte Marke fort, so kann man eine bestimmte Vermehrung der Walzenpressung angeben, so dass jedenfalls die Unbestimmtheit hinsichtlich der letzteren verschwindet. Es ist ja ganz natürlich, dass bei dem Betrieb jene Pressung keine constante sein wird und sein kann. Wenn ein grösserer Klumpen Hadern oder Stoff durchgezwungen wird, muss sich ja die Walze heben und die Feder spannen. Aber jedenfalls wird die mittlere Pressung nahe constant sein, und dem Ideal eines gleichmässig normalen Betriebes dürfte man nahe kommen. Jene harten Stösse, die gerade in dem früher erwähnten Falle bei den üblichen Holländerconstructionen nothwendiger Weise vorkommen, verschwinden hier.

Textabbildung Bd. 286, S. 12
Eine Abänderung der Kingsland'schen Stoffmühle finden wir in der Feinfasermühle von Hermann Schmidt in Küstrin (D. R. P. Nr. 52781). Die Mühle ist in Fig. 10 skizzirt und erkennen wir daraus sofort die ausserordentliche Aehnlichkeit, wenigstens der Anordnung im Ganzen, mit der lang bekannten in Fig. 11 schematisch gezeichneten Ausführung. Während jedoch bei der Kingsland'schen (Fig. 11) zwei Mahlflächen m1, m2 beiderseits des Läufers l vorhanden sind, arbeitet hier (Fig. 10) nur eine und wird gerade davon ein besseres Mahlen erhofft. Richtig ist, dass die gute Einstellung bei zwei Mahlflächen viel Mühe verursacht und möglicher Weise bei nicht ganz genau montirten Maschinen überhaupt nicht befriedigend geschehen kann. Weiter müssen wir bedenken, dass bei zwei Mahlflächen das Mahlgut ungefähr in der Mitte bei b der ersten Mahlfläche m1 eintritt, dann durchgemahlen und ausgeschleudert wird, um zur zweiten Mahlfläche m2 von aussen zu gelangen und gegen die Mitte zu streben, damit der Austritt bei g stattfindet. Dieser Bewegung wirkt aber die Fliehkraft entgegen und es muss daher ein gewisser Ueberdruck geschaffen werden, damit der Stoff bei m2 thatsächlich gegen die Mitte durchgeht.

Textabbildung Bd. 286, S. 12

Jener Ueberdruck hängt offenbar von der Läufergeschwindigkeit ab und kann entweder mittels eines höher stehenden Fülltrichters oder auch durch eine Speisedruckpumpe erreicht werden. Eigentlich dasselbe sehen wir für eine feste Mahlfläche in Fig. 10 bei der Schmidt'schen Construction. Hier ist das Einstellen der Mahlflächen, weil nur eine feste vorhanden ist, allerdings wesentlich einfacher, wir haben aber auch nur eine Arbeitsfläche und kann daher der Stoff auch nicht so kräftig behandelt werden, als unter sonst gleichen Umständen von zweien. Statt nun aber für diesen Zweck das Mahlgut in der Mitte einzuleiten und ausschleudern zu lassen, was mir entschieden einfach und vortheilhaft erscheint, wird hier doch auch, trotzdem in der Patentschrift die Kingsland'sche Anordnung mit dem nothwendigen Durchdrücken des Stoffes bei der zweiten Mahlfläche m2 (Fig. 11) getadelt wird, der Stoff am Umfange den Mahlscheiben zugeführt und in der Mitte durch g (Fig. 10) abgeleitet. Allerdings wird, der wechselnden Geschwindigkeit entsprechend, auch der Ueberdruck angepasst, indem am Läufer gekrümmte Schaufeln e |13| angebracht sind, welche den Stoff, ähnlich wie bei einer Centrifugalpumpe, dem Läuferumfange zuführen. – Damit die Mühle nicht leer gehen kann, ist im Fülltrichter a ein Schwimmer h vorgesehen. Fliesst kein Stoff mehr zu, so sinkt der Schwimmer h immer tiefer und schliesst endlich vermöge der Hebel Verbindung ikL das Ablassventil m.

Textabbildung Bd. 286, S. 13
Von Kegelstoffmühlen erhielt James Hunter in Polton im D. R. P. Nr. 50416 eine solche mit lothrechter Achse geschützt. Der kleinere Durchmesser des Kegels befindet sich unten, der grössere oben. Tritt also (Fig. 12) der Stoff unten bei a ein, so wird er bei rascher Drehung der Messertrommel B nach aufwärts gegen den grösseren Halbmesser zustreben und daher zwischen den Messern des Gehäuses S und der Trommel R aufsteigen; dabei wird derselbe gemahlen. Im oberen Deckel des Gehäuses bei b befindet sich der durch einen Hahn verschliessbare Auslass. Je nachdem der Hahn mehr oder weniger offen ist, tritt der Stoff leichter oder schwerer aus, er wird also kürzer oder länger zwischen den Messern zu verweilen gezwungen werden, wonach sich der Grad der Feinheit des abfliessenden Stoffes richtet. Die Einstellung der Messer geschieht durch Verschieben der Achse w sammt Trommel R, etwa mit Hilfe eines Hebels, dessen eines Ende gelenkig mit der Spindel s verbunden ist. Diese kann mittels des Handrades h vermöge des am Spindelende vorhandenen Gewindes gestellt werden.

In der nach amerikanischem Patent Nr. 447853 in Fig. 13 skizzirten Kegelstoffmühle von Salomon R. Wagg in Appleton finden wir eine principiell ähnliche Ausführung mit der 1890 277 176 beschriebenen Stoffmühle von F. Marshall. Wenn auch kaum anzunehmen ist, dass die wirkliche Ausführung so unvollkommen wie die Zeichnung in der Patentschrift erfolgt, so sehen wir doch, wie die Sache gemeint ist. Bei a, in der Nähe des kleinsten Kegeldurchmessers, läuft der Stoff ein, fliesst am Kegelmantel zum grössten Durchmesser, während er gemahlen wird, um dann noch an den ebenen Mahlflächen bei E von der Mahlscheibe F bearbeitet zu werden. Die Stellung dieser Mahlscheibe F ist es nun, welche die vorliegende Ausführung einigermaassen interessant macht. F geht nämlich in eine Hülse h über, welche die Welle S umfasst. In einen eingedrehten Hals f jener Hülse greift ein Hebel e, dessen eines Ende bei g drehbar gelagert ist, während das andere durch Spindel c und Handrad C, jedoch nicht unmittelbar, gestellt werden kann, indem die Spindel c erst auf eine mit Flüssigkeit gefüllte Kapsel A und diese erst auf den Hebel e drückt. Die Pressung der Flüssigkeit in A und damit schliesslich auch die Grösse des Druckes, welcher zwischen den Mahlflächen bei E herrscht, wird dadurch gemessen. Es ist dies neuerlich ein Beweis für die praktische Bedeutung des Druckes zwischen den Mahlflächen. Selbst bei den Kegelmühlen, bei denen man durchwegs rein gemahlenes Product leicht erhalten soll, fühlt man sich zu einer solchen Controle veranlasst. Die Stellung des Kegels geschieht in bekannter Weise durch Verschieben der Achse.

Textabbildung Bd. 286, S. 13
Bezeichnend für die Leichtigkeit, mit welcher man in Amerika Patente erhält, ist das amerikanische Patent Nr. 444644 an Edwin W. Barton in Lawrence. Hierbei ist patentirt bei sonst ganz normal ausgeführten Kegelstoffmühlen der Einlauf in dem kleineren Deckel des Gehäuses, statt wie meistens im Gehäusemantel. Davon wird eine gleichmässigere Stoffzufuhr und Vertheilung des Stoffes in der Mühle erwartet.

Textabbildung Bd. 286, S. 13
Ein ganz eigenthümlicher Apparat ist der „Triturateur“ von M. Simonet in Quintin. Nach dem beigegebenen Holzschnitt (Fig. 14), welcher der Papierzeitung 1891 entnommen ist, sehen wir die arbeitenden Theile, Walzen CC und CM, in einem Troge angebracht, der bei der Arbeit bis auf die Eintragöffnung o im Deckel vollständig geschlossen ist, Von den Walzen wird nur eine, CM, angetrieben, während die zweite, CC, nur mitgenommen wird, weil die schraubenförmigen Schienen am Umfange dieser Walzen |14| wie die Zähne von Zahnrädern in einander greifen, und zwar haben wir an der Eintragstelle am Umfange jeder Walze nur vier Schienen, also weite Zwischenräume, während später, sich einschiebend in die vorhandenen Zwischenräume, im zweiten Längsdrittel acht und dann sechzehn Schienen vorhanden sind. Den Deckel sehen wir theilweise geriffelt, um anfänglich den Stoff besser zu halten; unter den Walzen ist auch ein dreischneidiges Messer angebracht. Die Wirkung der Maschine ist offenbar vor allem eine quetschende, ein eigentliches Mahlen, Schaben, wie etwa im Holländer, findet wohl nicht statt. Die gleitende Reibung zwischen den Walzenmessern wird allerdings auch zerfasernd auf den Stoff einwirken. Den Holländer vermag eine solche Maschine jedenfalls nicht zu ersetzen, sie kann eine Arbeit verrichten, welche in ihrem Erfolg jener eines Kollerganges ähnlich sein wird. Holzabfälle und Zellstoff zu zerkleinern mag ganz gut gehen, wenn – die Zwischenräume sich nicht verstopfen. Während man beim Kollergang und so vielen anderen Maschinen, welche ähnlichen Zwecken dienen, leicht nachsehen kann, weil alles offen und zugänglich ist, kann dies bei dem „Triturateur“, ohne dass man ihn abstellt, nicht geschehen. Er soll mit 5 bis 8 in 24 Stunden bis 6000 k Stoff verarbeiten, was für einen Stoff, ist dabei allerdings nicht gesagt.

Wenn Holzschliff, in Pappenform geliefert, in den Holländer eingetragen wird, dauert es mitunter lang, bis er ganz aufgelöst ist, unter Umständen knüllt er sich zusammen und macht Unannehmlichkeiten. Dem soll eine Zerreissmaschine von William O. Russell in Lawrence nach amerikanischem Patent Nr. 426217 vorbeugen. In der nach der Patentbeschreibung gegebenen Fig. 15 sehen wir bei B einen Tisch, auf welchem der Holzschliff den Zuführwalzen ab zugeschoben wird, welche ihn auf der anderen Seite den Einwirkungen der Stachelwalze A überliefern. Diese, rasch sich drehend, zerrt den zwischen den Walzen ah gehaltenen Stoff aus einander und lockert ihn auf diese Weise so weit auf und liefert schon so kleine Theilchen, dass der Holzstoff im Holländer sich nicht mehr leicht zusammenballen kann.

Textabbildung Bd. 286, S. 14
Aehnlich, wie wir es schon bei vorhandenen Ausführungen finden, insbesondere in letzterer Zeit nach Patent Krön (vgl. 1888 268 490), wird die Stoffbewegung bei dem neu patentirten Misch- und Bleichholländer von John Hoyt in Manchester nicht durch die Holländerwalze, die hier ganz entfällt, sondern durch ein besonderes Transportorgan veranlasst, das für den Zweck wesentlich besser geeignet sein kann. Wir sehen in Fig. 16 nach amerikanischem Patent Nr. 412258 eine Art Schiffsschraube B in der Scheidewand D des Holländertroges angebracht. Der Antrieb erfolgt durch die Riemenscheibe S derart, dass ihre Welle durch Stopfbüchsen in den Trog geht und die Bewegungsschraube B in ihrem Gehäuse dreht. Bei passender Flügelstellung kann die Bewegung des Stoffes, wie es die Pfeile andeuten, stattfinden. Jedenfalls möchte ich vermuthen, dass der Stoff bei dem Durchgang durch B energisch durch einander gewirbelt wird, was hier beim Misch- und Bleichholländer nur erwünscht sein kann. Einen ähnlichen Zweck erfüllen die Rührarme F auf der Welle E. Bei C haben wir Waschtrommeln bekannter Ausführung, deren Antrieb auch von der Schraubenwelle E abgeleitet wird.

Textabbildung Bd. 286, S. 14

Leimen.

Den Ausführungen 1890 275 29 über das Leimen des Papieres füge ich einige Neuheiten an. Für Harzleimung hat Carl Baxmann in Berlin das D. R. P. Nr. 51891 für einen selbstreinigenden Leimkessel erhalten. Die Anordnung ist nicht schlecht; es ist ja zum mindesten unangenehm, wenn sich beim Leimkochen am oberen Rande des Kessels allmählich eine harte Kruste ansetzt, welche nach dem gebräuchlichen Vorgange hier und da abgestochen wird. Dabei kann der theuere Kupferkessel leicht ernstlich beschädigt werden. Nach Baxmann's Anordnung (Fig. 17) haben wir für den Leim einen besonderen Einsatz a, oben und unten gedichtet durch Ringe b und c, während der Boden d den Abschluss gegen das Wasserbad h bildet. Hat sich oben eine Kruste angesetzt, so dreht man einfach den Einsatz a um und kann so die Kruste mitbenutzen.

Textabbildung Bd. 286, S. 14
Beim Lösen der schwefelsauren Thonerde geht man oft so vor, dass man mit Blei ausgefütterte Eisenbehälter benutzt. Natürlich dürfen offene Fugen im Blei nicht vorhanden sein, sondern alles muss durch Löthen thunlichst dicht hergestellt werden. Trotzdem geschieht es nicht selten, dass sich undichte Stellen ergeben, durch die Eisenoxyd eindringt, welches die Lösung wesentlich verunreinigt. Das Auffinden der undichten Stellen hat seine Schwierigkeiten, weil das Blei ziemlich verquetscht ist. Deshalb ist ein Vorschlag beachtenswerth, welcher in der Papierzeitung 1891 gegeben worden ist. Danach wird die Bleiausfütterung nicht unmittelbar an das Eisen angelegt, sondern allseits ein Zwischenraum von 5 bis 6 mm gelassen. In diese Zwischenräume werden genügend Holzleisten gebracht, damit das Blei sich nicht verbiege, da es in einem so grossen Gefäss sich selbst zu tragen nicht vermag. Entsteht nun eine undichte Stelle, so dringt die Lösung in den Raum zwischen Blei und Eisen und kann durch Löcher, welche im Boden des Eisengefässes angebracht sind, abfliessen.

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Um Eisen aus den Lösungen von schwefelsaurer Thonerde zu entfernen, wird nach E. Augé in Montpellier (D. R. P. Nr. 55173) die Sulfatlösung mit einem Ueberschuss von Thonerde oder einem Thonerdemineral einige Stunden gekocht, wozu dann noch später zur Absonderung des in schleimiger Form vorhandenen Eisens Kalialaun gegeben wird.

Zu dem D. R. P. Nr. 34420 hat Prof. Mitscherlich ein Zusatzpatent D. R. P. Nr. 54206 erhalten. Es soll damit der Gerbstoffgehalt der Sulfit ablaugen besser nutzbar gemacht werden. Leimlösungen werden in feinen Strahlen etwa der fünfzigfachen Menge Ablauge zugesetzt bei gewöhnlicher Temperatur. Dadurch soll der Leim eine verhältnissmässig bedeutende Gerbstoffmenge aufnehmen. Dieser Gerbstoffleim wird dann, allenfalls unter Zuhilfenahme von Harz zur Leimung des Papierbreies verwendet, wodurch nach Versicherung Prof. Mitscherlich's auch bei bedeutenden Mengen von Holzschliff und Füllstoffen ein verhältnissmässig festes Papier erhalten werden kann.

Eine Bemerkung will ich anschliessen. Die häufigen Klagen über leimschwaches Papier haben oft ihre Ursache nicht gerade an schlechter Leimung. Die Sache liegt manchmal wo anders. Es kann sein, dass an einzelnen Stellen die Trockenfilze zu faulen beginnen und deshalb alkalisch werden. Wenn aber Harz mit alkalischer Flüssigkeit in Berührung gekommen ist, kann Wasser adhäriren und vermag deshalb auch Tinte durchzuschlagen.

Nach dem D. R. P. Nr. 51782 an Dr. F. J. Homeyer und Otto Wolf in Frankfurt a. M. soll beim Leimen statt der gebräuchlichen schwefelsauren Thonerde die Kieselfluorwasserstoffsäure oder deren lösliche Salze benutzt werden. Die Erfinder erwarten davon nicht bloss, dass die Leimung ganz ähnlich geschehe, wie bei der Benutzung der schwefelsauren Thonerde, sondern dass auch durch das entstehende kieselfluorwasserstoffsaure Kali oder Natron, welche im Wasser sehr schwer löslich sind, ein im Papier verbleibender Füllstoff geschaffen und die Verunreinigung der Abwässer mehr hintangehalten werde. Bekanntlich wird auch Blanc fixe manchmal direct im Holländer erzeugt, indem Chlorbarium in Lösung dem Holländer zugetheilt und der schwefelsaure Baryt, das ist ja Blanc fixe, durch Zusatz von Glaubersalz oder schwefelsaurer Thonerde ausgefällt wird. Dabei hat man Erfahrungen, dass, in solcher Weise vorgehend, mehr Füllstoff im Papier erhalten werden kann.

(Fortsetzung folgt.)

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