Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286 (S. 132–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/ar286037

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 81 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Kalander.

Anschliessend an die Ausführungen über diesen Gegenstand 1890 278 121, wo hauptsächlich der Nutzen der Heizung der Kalanderwalzen aus einander gesetzt worden ist, sei hier noch einiges besprochen. Frictionskalander scheinen heute noch nicht derart in den Einzelheiten durchgebildet zu sein, dass sie für alle Papiere günstig zu verwenden sind. Eine sehr rührige Firma baut schon lange Reibungskalander als Specialität; insbesondere kann starkes Tauenpapier auf ihren Kalandern beiderseits Hochglanz erhalten, aber noch immer zeigt es nach dem Verlassen der Glättmaschine Falten und Streifen, welche zwar bei der bezeichneten Papiergattung wohl kaum als besonderer Mangel bezeichnet; die aber bei feinsten Papieren nicht geduldet werden können. Solche Sorten halten auch meist die Beanspruchung in derartigen Kalandern schlecht aus; es dürfte überhaupt gewagt sein, anderes als sehr gleichförmiges, aus gutem, festem Zeuge gearbeitetes Papier durch Frictionskalander gehen zu lassen. Der Antrieb der Frictionswalze, welche das Niederschleifen der Fasernspitzen, gleichsam Plätten der Papierbahnoberflächen, besorgen soll, muss durch solche Mittel bewirkt werden, dass Stösse ausgeschlossen sind; denn in diesen, den Zuckungen der Frictionswalze, sucht man die Ursache der Falten- und Streifenbildung beim Frictioniren. Beliebt sind Räder mit Winkelzähnen wegen ihres ruhigen Ganges; Riemen sollen für diesen Zweck lange nicht in dem Maasse befriedigen. Der Grund, warum bei Buntpapieren Frictionskalander weitaus bessere Resultate liefern, mag darin zu suchen sein, dass nur die Farbschicht ordentlich verrieben und das Papier selbst nicht so sehr beansprucht wird.

Von Firmen, welche im Bau von Frictionskalandern viele Erfahrungen gesammelt haben, wären zu nennen Eck und Söhne, Ferdinand Jagenberg und die Maschinenfabrik Haubold.

Keineswegs jedoch ist der Hochglanz, welchen man durch Reibungskalander erzielen kann, bei allen Verwendungsarten des Papieres willkommen. Papiere, auf welche man lange sehen muss, wie Druck- und Schreibpapiere, werden dann, wenn sie Hochglanz haben, oft recht unangenehm, sie blenden, sie ermüden das Auge. Man ist deshalb manchmal bemüht, Papieren, welche in gewöhnlichen Kalandern geglättet worden sind, den starken Glanz zu nehmen. Man erzielt dies meist durch vorsichtiges, geringes Feuchten. So lässt z.B. George La Monte in Bound Brook nach dem amerikanischen Patent Nr. 445898 die geglättete Bahn durch ein Wasserbad und hierauf nochmals durch Kalander gehen, welche jedoch nur geringen Druck ausüben, auch geheizte Walzen besitzen, um das Papier wieder zu trocknen.

Während des Stillstandes eines Kalanders, mögen dieselben aus Papier- (oder Baumwoll-) und Eisenwalzen bestehen, können die härteren Walzen Eindrücke in die weicheren bewirken, wenn man die Walzen nicht gegenseitig entlastet. Eine recht einfache Anordnung für diesen Zweck finden wir im amerikanischen Patent Nr. 425978 an Robert Butterworth in Sommerville. Jede der Walzen erhält Lager, wie selbe in Fig. 61 skizzirt sind, welche in die entsprechenden Schlitze der Ständer mit den Flächen ab und cd passen. Unter einander sind die Lagerkörper durch Stangen s mit Augen z verbunden, wobei die letzteren jedoch nicht genau auf die zugehörigen Bolzen e passen, sondern dort Spiel haben. Dadurch wird erreicht, dass bei der Arbeit die Walzen voll aufeinander lasten können, ohne durch die Stangen s behindert zu sein; nach der Arbeit kann man jedoch sämmtliche Walzen durch einen geeigneten Mechanismus so anheben, dass sie sich nicht berühren, also die Papierwalzen auch nicht verdrückt werden können. Es kann dies so geschehen, dass die letzte obere Stange s ein Gewinde erhält und durch Zahnradvorgelege das Anheben, wie bei so vielen ähnlichen Einrichtungen bewirkt wird.

Textabbildung Bd. 286, S. 133
Bekanntlich benutzt man den Kalander auch dazu, künstliche Wasserzeichen einzupressen. Das Verfahren von Prof. Husnik in Prag, auf welches ich seiner Zeit (1888 269 109) hingewiesen habe, ist seither vervollkommnet worden und liefert sehr schöne Prägungen. Berichterstatter hatte Gelegenheit, in der grossen Papierfabrik Leykam in Gratwein bei Graz verschiedene nach diesem Verfahren hergestellte Formen und Papiermuster zu sehen, und muss gestehen, dass der Erfolg der mühevollen Ausbildung dieses Verfahrens in der genannten Fabrik ein grosser ist. Es ist auch gelungen, abgetonte Zeichnungen in dem Papiere nach diesem Verfahren hervorzurufen. Federzeichnungen mit der üblichen Strichmanier sind nicht anwendbar, weil die Schatten striche in der Wasserzeichenprägung helle Linien ergeben. Es ist daher nothwendig, eine Art Negativ zu zeichnen, d.h. diejenigen Stellen, welche hell kommen sollen, dunkel zu schattiren und umgekehrt. Diesem Vorgange folgend, ist z.B. ein in der That prächtig gelungenes Bildniss Gladstone's als Wasserzeichendruck hergestellt worden.

Bei dem Walzenprägwerke von Rivage ist die prägende Walze etwas nachgiebig gemacht. Dies ist dadurch erzielt, dass um einen festen Eisenkern etwa Papier in mehreren Lagen fest aufgewickelt und erst darüber die cylindrisch gebogene Prägplatte gegeben wird. Diese umgibt nicht vollständig den Kern dann, wenn nur Bogen mit künstlichen Wasserzeichen versehen werden sollen und das Muster kleinere Breite besitzt als der Walzenumfang beträgt. Unklar ist in den bisher bekannt gewordenen Beschreibungen, wie man endloses Papier zu behandeln habe. Die Enden der cylindrischen Prägeplatte, wenn auch diese durch Schrauben mit versenkten Köpfen auf der Walze befestigt wird, müssen wohl Abdrücke, besonders gekennzeichnete Stellen, in der Papierbahn bewirken. Wenn man Bogen aus der Bahn schneidet, welche gerade die geeignete Grösse bekommen; dann kann man wohl über diesen Mangel hinwegkommen, wenn das aber nicht geschieht, so bleiben die Striche, durch die Prägplattenenden verursacht, deutlich merkbar.

Das Verfahren von A. Michaud in Paris (D. R. P. Nr. 52852) kann auch zu Prägezwecken in der Papierappretur |134| verwendet werden. Michaud stellt nämlich Prägemusterwalzen auf galvanoplastischem Wege ohne Löthnaht her. Man biegt die geeignet mit dem Muster versehenen Platten zu einem vollständigen Cylinder zusammen, welcher das Muster aussen trägt, und nimmt von diesem vorerst ein Negativ und von diesem endlich das Positiv des ursprünglichen Prägecylinders nach einer der bekannten galvanoplastischen Copirmethoden. Den letzterzielten (positiven) Druckcylinder kann man auf einem Metallkerne befestigen, so dass derselbe hinreichend widerstandsfähig wird und in einem Kalander gebraucht werden kann, ohne dass die Ursprungsplatte leidet.

Textabbildung Bd. 286, S. 134
Wenn auch nicht direct Kalanderarbeit, so doch Walzendruck beanspruchend, ist ein eigenthümliches Verfahren von Anton Kufner in München (D. R. P. Nr. 56483). Es sollen danach jene sonst meistens durch Schrägschneiden hergestellten Karten mit Schräggoldschnitt auf ganz andere Art, ohne den Karton zu verletzen, gemacht werden. Es arbeiten hierbei zwei Walzen zusammen, die eine, b, vollständig cylindrisch, die andere, a, konisch (Fig. 62). Der Karton c wird, wie aus der Figur ersichtlich, eingeführt und an der Kante schräg gepresst. Dabei ist also offenbar eine Verschiebung der Theilchen vom Rande gegen das Karteninnere beabsichtigt. Wenn auch nicht verkannt werden kann, dass das Schrägschneiden die Ränder verderben kann und oft auch wirklich verdirbt, so darf andererseits auch der Zweifel nicht unerwähnt bleiben, dass bei dem Verdrängen der Kartentheile vom Rande gegen das Innere auch durch Wulstbildung u. dgl. ein unschönes Aussehen folgen kann.

Textabbildung Bd. 286, S. 134
Die bedeutende Zahl von Unglücksfällen beim Kalanderbetriebe drängt dazu, immer neue Schutzvorkehrungen zu versuchen, um die Hände der das Papier einführenden Person thunlichst von dem gefährlichen Winkel zwischen zwei Walzen fernzuhalten. Eigenthümlich ist es, dass die in dieser Hinsicht bestgemeinten Anordnungen von den Arbeitern so häufig umgangen, übertreten werden, so dass trotz des Schutzes die bedenklichsten Verletzungen gerade bei Kalandern vorkommen. So wurde z.B. in einem Falle eine Schutzleiste vor der gefährlichen Stelle angebracht; trotzdem wurden zwei Arbeitern die Hände zerquetscht. Es hinderte begreiflicher Weise die Leiste etwas das Einführen, man wollte sich helfen und von oben, wo weiterer Raum vorhanden war, das Papier zugeben und in unbewachtem Augenblicke war die Hand erfasst. Deshalb wurde in dem Falle noch eine zweite Leiste weiter oben angebracht und die zu glättenden Deckel werden durch den entstandenen Spalt dem Kalander zugeschoben. Je ferner man den Arbeiter von den Walzen halten kann, desto sicherer werden solche Unfälle vermieden werden. Recht gut dürfte die Bändchenführung von A. S. Bacon in Manchester, Virginia, nach dem amerikanischen Patent Nr. 454322 ihren Zweck erfüllen (Fig. 63). Wir sehen die Bändchen oder Riemen J und L in Schlangenlinien über alle Kalanderwalzen geführt, wo sie in entsprechenden, eingedrehten Theilen liegen. Vorn bei der Einführungsstelle gehen sie aber um die beiden Walzen F und G, so dass sie nur wenig Zwischenraum lassen, um das Papier P einführen zu können, welches dann selbsthätig durch den ganzen Kalander geführt wird. Weil die Walzen F und G vollständig verhindern, dass man bei der Einführung den Presswalzen nahe komme, scheint ein Unfall hier wohl ausgeschlossen zu sein.

Textabbildung Bd. 286, S. 134
Einen sehr guten Schutz finden wir auch bei der Construction von Arthur Friedheim, welche in der Papierzeitung, Jahr 1891, veröffentlicht worden ist. In der Skizze Fig. 64 sehen wir zwei Kalanderwalzen B und B1, sowie den Zuführtisch C bis zu B1 reichend. Die Hände des Arbeiters können jedoch mit dem aufzugebenden Stoss nicht bis zu den Walzen gelangen, weil ein Schutzgitter, aus Stäben c bestehend, dies verhindert. Die Stäbe c sitzen sämmtlich auf einer in den Ständern gelagerten Welle a fest und sind unten bei b durch eine Rundstange verbunden. Wenn nicht gearbeitet wird, schliesst dieses Gitter den Raum vor den Walzen vollständig ab. Soll jedoch geglättet werden, so wird durch den Fusstritt i, Stange f und Hebel e auf der Welle a das Schutzgitter etwas, bis in die punktirt gezeichnete Lage angehoben, so dass gerade nur der aufzugebende Stoss aus Zinkplatten und Papier durchgeht, die Hände des Arbeiters aber nicht bis zu den Walzen gelangen können.

Textabbildung Bd. 286, S. 134
Eine andere Ausführung finden wir im D. R. P. Nr. 51271 an Wilhelm Prasse in Langenbielau. Wir sehen in Fig. 65 einen Kasten A, welcher den Winkel zwischen zwei Kalanderwalzen abschliesst, indem er möglichst nahe an dieselben gerückt wird. Er kann um Zapfen D an den Enden der eisernen Schiene B etwas schwingen. Am Kasten A sind auch noch Bügel F befestigt, welche Augen für die Zapfen der Welle G der Rollen H besitzen. Bei geeigneter Zusammenstellung ruhen die Rollen H auf der Unterwalze auf und werden durch diese drehend mitgenommen. Schiebt man also dort ein Papier zu, so wird es selbsthätig eingeführt. Die Hand, überhaupt dickere Körper können aber nicht mitgehen, weil dann die Rollen H zu sehr angehoben, also auch der Kasten A so weit ausschwingen müsste, dass die Kante bei J sich auf die Unterwalze auflegt und den Zugang zu den Walzen vollständig versperrt.

Weniger sicher erscheint die Schutzvorrichtung von F. Erdt in Berlin (D. R. P. Nr. 51484), weil das Blech, welches Schutz gewähren soll, meines Erachtens nicht verhindert, dass die Hand des Arbeiters mitgenommen werden kann.

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Eine Rollenbogenführung, welche wohl für sich allein kaum gegen Unfälle schützt, aber ganz leicht mit einer der anderen Ausführungen so verbunden werden kann, dass dieser Zweck erreicht wird, ist jene von Ernst Müller in Neuschönefeld und Gottfried Herrmann in Leipzig (D. R. P. Nr. 50041). Die Führung des Papiers geschieht durch Gummileitrollen b (Fig. 66, 67 und 68), welche vermöge ihrer Beschaffenheit die Walzen nicht schädigen. Diese Rollen befinden sich in Bügeln e, welche durch Federn c, deren Spannung durch die Flügelmuttern f geregelt werden kann, von der Schiene C weg und daher mit den Röllchen b gegen die Walze A gedrückt werden. Diese Bogenführung dürfte ihren Zweck sehr gut erfüllen.

Textabbildung Bd. 286, S. 135

Besondere Papiergattungen.

An erster Stelle möge der sogen. Sicherheitspapiere gedacht werden, d.h. derjenigen Papiersorten, welche ein Nachahmen erschweren sollen. Wir haben ein solches Papier als Banknotenpapier mit localisirten Fasern neuestens in Gebrauch. Derselbe Zweck soll gemäss dem amerikanischen Patent Nr. 447336 nach James Macdonough in New York dadurch erreicht werden, dass regelmässig oder auch ganz unregelmässig gestaltete Papierstückchen in die Papierbahn eingearbeitet werden. Entweder mischt man die Papierstückchen dem Holländerinhalt bei, wo sie wohl ziemlich vertheilt, doch bekanntlich nicht in ihre Fasern aufgelöst werden können, oder man streut die Papierstückchen auf die sich auf dem Metalltuche bildende Papierbahn.

Anders geht Richard Nowak in Turnau vor. Gemäss den Auseinandersetzungen in seinem österreichisch-ungarischen Privilegium werden zwei Papierbahnen auf ein gemustertes Seidengewebe aufgegautscht. Man kann hierzu endloses Papier oder geschöpfte Bogen verwenden. Dieses Papier hat neben der erschwerten Nachahmung noch den Vortheil besonderer Dauerhaftigkeit für sich, weil das eingebrachte Seidengewebe ungemein die Haltbarkeit erhöhen muss. Für lang aufzubewahrende Documente z.B. könnte solches Papier, trotz des sicher nicht geringen Preises, sehr gut dienen.

Ein ähnliches Verfahren beobachtet Karl Schiller in Zizkow bei der Herstellung von Osmosepapier. Er gautscht eine Bahn Papier, welches für diesen Zweck durch seine Zusammensetzung geeignet sein muss, mit einem Fasergitter von etwa 3 mm Maschenweite aus Flachs-Jute-Fasern zusammen. Das Verfahren ist durch das österreichische Privilegium vom 2. Januar 1890 geschützt.

Eine entfernte Verwandtschaft damit hat das sogen. Blechpapier, hergestellt nach dem Verfahren von Karl Sartorius in Jülich (D. R. P. Nr. 49203). Papierbahnen auf Blech aufzugautschen ist wohl nicht möglich, wohl aber soll Sartorius ein geeignetes, in der Wärme flüssiges Bindemittel verwenden, so dass die Papierbahnen auf das Blech geleimt werden und man ein Product erhält, welches der geleimten Pappe am nächsten steht, wohl viel fester als diese ist, doch begreiflicher Weise eine Reihe anderer Eigenschaften derselben nicht besitzt. In Amerika werden unter anderen von der Firma J. H. F. Dixon in Philadelphia Blechpapierbänder zu ähnlicher Verwendung wie starker Bindfaden geliefert.

Zum Wasserdichtmachen von Papier empfiehlt H. E. Bird in Brooklyn (Amerikanisches Patent Nr. 426633) eine Mischung von 50 bis 60 Proc. Pech, 20 bis 35 Proc. Erdölrückstand („Tailings“) und 10 bis 15 Proc. Asphalt. Die geschmolzene, dickflüssige Masse soll mit Hilfe von Walzen gleichmässig auf beiden Seiten des Papiers aufgetragen werden und ein Fabrikat liefern, welches lange geschmeidig bleibt und nur schwachen Geruch besitzt. Nach dem D. R. P. Nr. 59485 an Karl Lenz in Wien wird wasserdichtes Papier erhalten, wenn ausser den für die gewöhnliche Harzleimung nothwendigen Stoffen noch etwa 1 bis 2 Proc. Chromalaun der Masse im Holländer zugesetzt wird.

Neuestens wird für Buntpapiere auf Paraffin verwiesen. Wenn man dieses statt einer Wachslösung den Buntpapierfarben beimengt, sollen dieselben waschecht werden und bei dem Glätten einen hohen Glanz annehmen. Das Paraffin wird dazu in Schwefelkohlenstoff oder in Petroläther gelöst. –

Will man Papier durch Tränken mit Oel durchscheinend machen, so eignet sich nach dem Moniteur de la papeterie française am besten eine Mischung von 1 Th. Ricinusöl und 2 Th. Alkohol. Mit diesem Mittel erhält man befriedigende Resultate; das Papier wird desto durchscheinender, je weniger Füllstoffe es enthält, was ja schliesslich begreiflich ist.

.Die Abfälle von Pergamentpapier bilden einen höchst unangenehmen Balast und lassen sich durch die für Papierabfälle sonst üblichen Arten, durch den Kollergang u. dgl., nicht wieder in verarbeitbaren Zustand bringen. Nach dem amerikanischen Patente Nr. 441462 an J. W. Barnes in Chester und H. W. Morrow in Wilmington wird die veränderte Oberfläche des Papiers vorerst durch Behandeln mit Pottasche- oder Sodalösung erweicht und schliesslich entfernt, während das verbleibende gute Papierblatt wie sonstige Papier ab fälle wieder verarbeitet werden kann.

Pergamentirte Pappensubstanz wird nach dem amerikanischen Patent Nr. 439526 an Otto Klette in Breslau als Papierstuck für die verschiedensten Gegenstände benutzt. Die Pappe wird mit einer Mischung von Leim, Gyps, Siccativ und Schwefelsäure imprägnirt. Hierauf gepresst, soll die Pappe metallhart werden.

Imitirtes Pergament wird bekanntlich meistens aus Sulfitzellstoff hergestellt. Mancherorts mischt man denselben noch mit Strohstoff. Am besten soll sich jedoch ein solches Papier dann zeigen, wenn man auf 100 k trocken gedachten Stoff etwa 2 k Stearin zufügt. Immer aber ist es erforderlich, den Stoff schmierig, lang zu mahlen; sehr gut soll es auch sein, wenn er nach beendeter Mahlung bis ½ Stunde bei angehobener Holländerwalze gepeitscht wird. Bei der Trocknung muss ausserordentlich vorsichtig vorgegangen und nur ganz allmählich getrocknet werden. Solches Papier zeigt sich dann am Ende der Maschine aufgerollt stark elektrisch geladen und kann man ihm kräftige Funken entlocken.

Chromopapier mit rein weissem Anstrich kann mit vielem Vortheil, nach einer in der Papierzeitung, Jahr 1890, veröffentlichten Angabe, durch einen dünn aufgetragenen Anstrich von Tragantine und Analinweiss erzeugt werden. |136| Die Farbemischung ist einfacher herzustellen als die sonst gebräuchliche mit Blancfixe und Kölner Leim, überdies soll Analinweiss besser haften, recht widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit sein und das Papier viel leichter machen als mit Blancfixe. Der reinweisse Ueberzug eignet sich für Illustrationszwecke sehr gut.

Bezüglich der Herstellung von Buntpapieren sei vorerst der Bemühungen gedacht, welche bezwecken, die Handarbeit bei marmorirten Papieren durch Maschinenarbeit zu ersetzen. Bekannt ist ja, welch reizende Muster man nach diesem Verfahren erzielen kann. Doch kann begreiflicher Weise der Preis kein sehr niedriger werden, solange die Handarbeit nicht durch Maschinenarbeit ersetzt wird. Recht enthusiastische Berichte finden sich in The Paper World über eine nach langwierigen Bemühungen angeblich befriedigend hergestellte Maschine von C. H. Bellamy aus Holyoke. Danach wäre allerdings eine Umwälzung zu gewärtigen, wenn – – eben jene Nachrichten den Thatsachen entsprechen. Wie weit sie berechtigt sind, kann nicht beurtheilt werden, weil die Angaben in The Paper World allzu lückenhaft sind, und ist Vorsicht jedenfalls am Platze, weil seit der vor einiger Zeit geschehenen dunklen Mittheilung es merkwürdig still geworden ist. Es mag nicht behauptet werden, dass eine solche Maschine unmöglich sei, doch ist wohl zu bedenken, wie viel bei jener Arbeit nicht bloss auf die Handfertigkeit, sondern auch schliesslich auf die Intelligenz des Arbeiters ankommt.

Wolkiges Papier mit ein- oder mehrfarbigem Ton wird nach dem amerikanischen Patent Nr. 443658 von J. H. Carpenter in Chicago und Ch. E. O'Hara in New York unmittelbar auf der gewöhnlichen Langsiebmaschine erzeugt. Es wird nämlich aus einem Farbebehälter dicht hinter der Brustwalze auf die noch ganz feuchte Papierbahn ein Farberegen vermittelt. Die Farbe vertheilt sich rasch, andererseits wird das Papier bald darauf entwässert, bezüglich mit der Entwässerung begonnen, wodurch verhindert wird, dass der Farbenton gleichmässig wird, so dass also Farbe wellen erzeugt werden. Auch die Cylinderpapiermaschine kann ganz ähnlich benutzt werden. – Lässt man den Farberegen auf das bereits getrocknete Papier fallen, so wird man, wenn die Farbe fein zerstäubt wird, ein gesprenkeltes Papier bekommen, wie es in ähnlicher Weise schon einige Zeit ausgeführt wird. Darauf bezieht sich auch das an Thomas Strahan in Chelsea ertheilte amerikanische Patent Nr. 430707.

Textabbildung Bd. 286, S. 136
Zur Herstellung bunt gemusterter Papiere auf der Papiermaschine hat Ernst Lehmann das österreichische Privilegium vom 23. Januar 1891 erhalten. Es befindet sich nämlich (Fig. 69) vor der ersten Presse der Papiermaschine an der Stuhlung eine Blechwalze b, auf welcher durch Perforirung das darzustellende Muster erzeugt ist. Auf diese Walze wird Farbe durch einen schleifenden Filz d übertragen, welcher die Farbe aus dem Troge C erhält, indem aus diesem durch Vermittelung der Wollfäden e Farbe auf den Filz tropft. Unter der Walze b, auf dem Pressfilz, bewegt sich aber die Papierbahn, so dass die Farbe auf diese übertragen wird. Die Farben können dann, wenn sie auf der noch feuchten Bahn nicht verfliessen sollen, mit Alaunlösung versetzt werden.

Gold-, Silber-, Kupferpapier u. dgl. wird häufig dadurch hergestellt, dass auf einer Platte ein dünner elektrolytischer Niederschlag erzeugt und auf diesen ein Papierblatt geklebt wird, welches dann die Metallschicht abzulösen ermöglicht. Es ist dies eine schwierige Arbeit; die Metallschicht verletzt man leicht, weil sie an der Elektrodenplatte fest haftet. Nach dem D. R. P. Nr. 51643 von John v. Poppenburg in Berlin wird die Platte, auf welcher die feine Metallschicht niedergeschlagen werden soll, mit einer feinen Oelhaut vorher überzogen, so dass nachher das Abheben des feinen Niederschlages leicht gelingt. Es hat dieser Vorgang viele Aehnlichkeit mit Vorsichtsmaassregeln, welche bei der Herstellung galvanischer Abdrücke schon lange gebräuchlich sind. Jedenfalls ist es aber hier möglich, solche Metallpapiere weitaus sicherer in Bezug auf das Gelingen der Arbeit und Verminderung des Ausschusses herzustellen.

(Schluss folgt.)

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