Titel: Schnellgehende Motoren mit Dampfbetrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286 (S. 193–199)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/ar286056

Schnellgehende Motoren mit Dampfbetrieb.

(Vgl. Bd. 279 S. 289.)

Mit Abbildungen.

Die rotirende Dampfmaschine von E. F. Clarke in Sutton Coldfield, Warwickshire, besteht nach Mittheilungen in Industries vom 4. März 1892 S. 238 bezieh. Engineering vom 19. Februar 1892 aus einem festliegenden Cylinder A (Fig. 1 und 2), an dessen äusserem Deckel ein Zapfen befestigt ist, um welchen ein aus einer Anzahl unregelmässig zu einander liegender radialer Arme B gebildeter sternförmiger Körper frei beweglich ist; die Arme treten durch die Wandung eines hohlen rotirenden Cylinders D von bedeutend kleinerem Durchmesser als der festliegende Cylinder und werden hier durch Liderungen C geführt bezieh. abgedichtet. Der Cylinder D liegt excentrisch zum Cylinder A, so dass sein äusserer Umfang mit der Innenwandung des äusseren Cylinders in Berührung kommt. Die Ein- und Ausströmöffnungen E und F für den Dampf sind so angeordnet, dass der letztere der Reihe nach auf die einzelnen Arme B wirkt, denselben eine Bewegung um ihre Achse ertheilend, wodurch auch der Innencylinder D in Drehung versetzt wird; letzterer ist mit der nach aussen durch eine Stopfbüchse H abgedichteten Treibwelle G fest verbunden. Die in der Aussparung K des Cylinders A liegende, durch eine Feder gegen den rotirenden Cylinder gedrückte Liderung J soll ein Durchtreten des Dampfes an der Berührungsstelle beider Cylinder verhüten.

Textabbildung Bd. 286, S. 193
Wenn der in den äusseren Cylinder tretende Dampf zufolge seiner Wirkung auf einen der Arme B diesen um einen gewissen Winkel gedreht hat und der nächstfolgende Arm B an der Einströmöffnung vorüber ist, wird bei der Weiterbewegung des sternförmigen Körpers der zwischen den genannten Armen eingeschlossene Dampf, da der Fassungsraum desselben immer grösser wird, sich ausdehnen, demnach auch durch Expansion einen Theil der von dem Motor zu leistenden Arbeit verrichten.

Eine Umsteuerungsvorrichtung an dieser Maschine wurde Clarke in England durch besonderes Patent vom 13. Januar 1892 geschützt.

Die in ihrer Construction äusserst einfach gehaltene rotirende Maschine von A. Cleland in Melbourne veranschaulichen die Industries vom 23. October 1891 entnommenen Abbildungen (Fig. 3 und 4).

Wie auch Engineering, 1891 S. 463, mittheilt, bewegt sich der mit Aushöhlungen an den Enden versehene Kolben A im Inneren eines cylindrischen Gehäuses B, und zwar stehen die hohlen Raume desselben durch Bohrungen J in der Scheidewand O des Kolbens mit einander in Verbindung. Zwischen Kolben und dem einen Cylinderdeckel liegt eine Scheibe D, welche zur Führung der Welle F einen angegossenen Stutzen E trägt, und das innere Ende der Welle F ist mit dem einen Arme einer -förmig gestalteten Kurbel G verbunden, deren anderer Arm einen Kurbelzapfen H trägt, welcher in einer mittleren Bohrung der senkrechten Scheidewand C sein Lager findet.

Das Spiel der Kurbel lässt sich, um eine stete Berührung zwischen Kolben und Gehäuse herzustellen, durch Auswärtsbewegung eines keilförmigen Stückes I mittels der Schraube K reguliren. Die Oeffnungen J in der Scheidewand C gestatten den Durchgang des Dampfes von der einen Kolbenseite nach der anderen, so dass im Inneren des Kolbens stets vollständige Druckausgleichung herrscht. An den Kolben ist eine gegen die Verticalebene um Weniges geneigt liegende Rippe L angegossen, deren Länge etwas grösser ist, als der Hub des Kolbens beträgt, und deren Enden in die Oeffnung M des Gehäuses eingepasst sind. N ist das in der Mitte des Cylinderdeckels mündende Einströmrohr, durch welches Dampf in das Innere des hohlen Kolbens gelangt, und in demselben Cylinderdeckel ist ferner noch eine kreisbogenförmige Nuth O angebracht, in welcher Dampf von dem Inneren des Kolbens nach dem Raume hinter diesem strömt, sowie eine Ausströmöffnung P angeordnet, welche von dein Kolben vollständig bedeckt ist, wenn derselbe am Ende seines Hubes steht, und sich zu öffnen beginnt, wenn die Berührungslinie zwischen Kolben und Gehäuse die Oeffnung, in welcher sich die Rippe L führt, überschritten hat; in derselben Zeit wird auch das Ende der Nuth O frei. Die Oelzuführung nach den inneren Theilen der Maschine ist aus Fig. 4 erkennbar.

Textabbildung Bd. 286, S. 193
Bei der rotirenden Maschine von J. Griffiths, E. C. James und J. Hunt in Cardiff bewegt sich nach Mittheilungen in Engineer vom 29. Mai 1891 bezieh. Industries, 1891, in |194| dem festen Arbeitscylinder A (Fig. 5 und 6) eine mit der zur Cylinderachse excentrisch liegenden Welle C aus einem Stück geschmiedete Scheibe B derart, dass ihr Umfang bei der Drehung längs einer Linie in steter Berührung mit dem Cylinder bleibt. In den unteren Theil des Cylinders ist eine Einlage D von sattelförmiger Gestalt gepasst und dadurch der kreisförmige Querschnitt desselben in einen annähernd elliptischen umgewandelt, was seitens der Erfinder als wichtigstes Merkmal dieser Maschine bezeichnet wird. EE sind die, ebenso wie auch der sattelförmige Theil D mit Liderung armirten Kolben, zwischen welche, behufs Sicherung der Berührung ihrer äusseren Enden mit der Cylinderfläche, kleine Federn gelegt sind. Der frische Dampf strömt durch das Rohr G in die Maschine und tritt durch in den Cylinderdeckeln I angebrachte Kanäle in entsprechende Oeffnungen J der Scheibe B; nach vollbrachter Arbeit im Cylinder entweicht der Dampf durch die Rohre H. Der in einer ringförmigen Nuth der Scheibe liegende Ring K wird behufs dampfdichten Abschlusses mittels der Federn L gegen den angrenzenden Cylinderdeckel gedrückt und ferner durch radiale Rippen, welche sich gegen die von den Federn umgebenen Stifte legen, an einer Drehung in der Nuth verhindert, so dass kein Dampf über die Enden der Scheibe hinweg in den unrichtigen Theil des Cylinders gelangen kann.

Textabbildung Bd. 286, S. 194
Textabbildung Bd. 286, S. 194
Die Maschine ist mit einem Umsteuerungsschieber M versehen, der mittels eines aussen liegenden Handrades bewegt werden kann und je nach seiner Stellung den Dampf veranlasst, sich in dem einen oder anderen Paare der doppelt angeordneten Ein- und Ausströmkanäle zu bewegen. Der Expansionsgrad, mit welchem die Maschine arbeiten soll, hängt von der Länge der Oeffnungen J ab; je länger dieselben sind, um so weiter wird der Dampf in den Cylinder einströmen, während andererseits je kürzer sie sind, der Dampfabschluss um so früher erfolgt.

G. D. Davis in Poplar, London, hat nach den Industries, 1891, entnommenen Abbildungen (Fig. 7 bis 10) auf der durch die Mitte eines cylindrischen Gehäuses A gehenden und in angegossenen Lagern desselben geführten Welle B, in ähnlicher Weise wie vordem, einen cylindrischen Kolben C excentrisch befestigt, dessen dampfdichte Berührung mit dem Cylinder durch ein in einer Vertiefung desselben liegendes Gleitstück gesichert ist. In eine mittlere Ringnuth des Kolbens greift der Bügel F, welcher mittels der Stange G ein Widerlager D bethätigt, dessen unteres Ende auf dem Umfange des Kolbens aufliegt und gleichzeitig einen durch den Einströmdampf entlasteten Schieber bildet, der vom Kolben in einer mit dem Gehäuse A zusammengegossenen Kammer E hin und her bewegt wird. Der frische Dampf gelangt in der Richtung des auf der Abbildung (Fig. 7) ersichtlichen Pfeiles in das Innere des Schiebers und von hier in einen allmählich immer grösser werdenden Raum des Cylinders, der, wenn die Maschine aus der in der Abbildung ersichtlichen Kolbenstellung in Bewegung kommt, durch das Widerlager, einen Theil des Kolbenumfanges, sowie einen Theil der Innenflächen des Cylinders eingeschlossen wird; der verbrauchte Dampf tritt durch die Oeffnung H ins Freie. Der Theil I (Fig. 7 und 10) der Schieberkastenwandung ist beweglich gemacht und wird auf die untere Schieberfläche mittels einer Feder J gedrückt, die in der abnehmbaren Büchse K liegt.

Textabbildung Bd. 286, S. 194
Zur Vereinfachung der Construction lassen sich Excenterbügel und -Stange auch aus zwei Theilen herstellen, welche dann auf entgegengesetzten Seiten der Welle B liegen; dieselben werden am unteren Ende durch Bolzen und durch den im Schieber liegenden Zapfen am oberen Ende zusammengehalten.

Die rotirende Maschine von A. N. Porteous in Edinburgh setzt sich nach Engineering vom 8. Januar bezieh. Industries vom 15. Januar 1892 aus zwei Kolben zusammen, welche je einen Kreissector bilden und um eine gemeinschaftliche Achse rotiren; die zu dem einen Kolben gehörige Stange liegt hierbei in einer Ausbohrung der anderen Kolbenstange und beide Stangen tragen an ihrem einen Ende je eine Kurbel, deren Zapfen mit Flügeln verbunden sind, welche in der Nuth eines am Ende der zu den Kolbenstangen excentrisch gelagerten Treibwelle angebrachten Stückes gleiten.

Wie die Abbildungen (Fig. 11 und 12) erkennen lassen, trägt die Treibwelle A an ihrem einen Ende einen Ansatz B, in dessen Nuth C die durch Zapfen F und G mit den an den Enden der Kolbenstangen J und K sitzenden Kurbeln H und I verbundenen Flügel D und E liegen; die Kolben L und M sind auf ihren zugehörigen Stangen |195| befestigt und in entsprechenden Vertiefungen mit Gleitstücken 0 armirt, welche behufs dampfdichten Abschlusses durch hinter ihnen liegende Federn P an die Innenwandung des Cylinders gedrückt werden.

Die Aussenseite des Cylinderdeckels Q bildet die Gleitfläche eines Drehschiebers S, der von einem am Ende der Kolbenstange K sitzenden Mitnehmer T derart bethätigt wird, dass der Einströmdampf aus dem Rohre U durch die Oeffnung V, nachdem die Kolben dieselbe überschritten haben, in den Cylinder treten kann. Der Ausströmdampf entweicht in den Kanälen W.

Die arbeitenden Theile sind von einem mit Oel angefüllten Gehäuse umgeben.

Die eigenthümliche Construction einer von V. Mottlau und O. Svendsen in Kopenhagen angegebenen rotirenden Maschine zeigt die Industries vom 27. November 1891 S. 526 entnommene Abbildung (Fig. 13).

A ist der Cylinder, in dessen Innerem sich der auf der Welle C befestigte Kolben B bewegt; letzterer besteht aus zwei excentrisch zum Wellenmittel gelegenen Scheibenhälften, deren ebene Flächen auf einander liegen.

Textabbildung Bd. 286, S. 195
Der Cylinder A ist mit einem Ansätze versehen, in dessen Oeffnung ein nach aussen mittels Stopfbüchse G abgedichtetes röhrenförmiges Gleitstück F liegt, dessen in den Cylinder tretendes Ende auf der oberen Hälfte in einer Länge gleich der Excentricität der beiden Kolbenscheiben weggeschnitten und behufs Herstellung einer dampfdichten Verbindung mit durch Dampf gegen die Kolbenwandungen gedrückten Federn versehen ist. Eine aussen liegende Feder H sichert die Berührung des einen Endes vom Gleitstücke mit dem Kolben, während das andere Ende desselben mit einem Flachschieber I verbunden ist, der auf dem Boden des Schieberkastens gleitet und den Dampf so abschliesst, dass derselbe nicht nur mit voller Spannung, sondern auch durch Expansion Arbeit verrichtet.

J ist eine für den Ausströmdampf bestimmte und K eine zur Entfernung von Condensationswasser dienende Oeffnung.

Eine von H. T. Liversedge in Southsea, Hants, herrührende, mit Umsteuerungsvorrichtung versehene rotirende Maschine veranschaulichen die Engineering vom 2. October 1891 entnommenen Abbildungen (Fig. 14 bis 17).

Vorausgesetzt die Kolben 39 und 40 nehmen die in Fig. 17 ersichtliche Stellung ein, so strömt der in dem Rohre 13 ankommende Kesseldampf in den Raum 36 der Maschine, nach welcher der Umsteuerungshebel 20 hinbewegt ist; von hier tritt der Dampf durch den Kanal 50 in den Innenraum des unteren Umsteuerungsschiebers 49, dann durch Kanäle 52 in die rotirende Schieberaussparung 24 des Gehäuses 10, um durch Oeffnungen c im rotirenden Schieber 24 a und der Scheibe 23 theils direct, theils indirect durch Kanäle a des an seinen Enden mit angedrehten Zapfen versehenen, festliegenden Mittelstückes 29 in den inneren Cylinder zu gelangen. Der Kolben 40 bewegt sich jetzt so lange, bis die Oeffnung d in der Oberfläche der Scheibe 23 die Oeffnung b des festen Mittelstückes 29 passirt hat. Kommt eine zweite, auf den Abbildungen nicht ersichtliche Oeffnung des rotirenden Schiebers mit dem Kanäle 52 in Verbindung, so strömt Dampf durch beide Oeffnungen desselben, sowie solche c und d in der Scheibe 23 nach dem inneren Cylinder; der Kolben 40 gelangt bei seiner Weiterbewegung in die Lage, welche auf der Abbildung (Fig. 17) der Kolben 39 einnimmt.

Textabbildung Bd. 286, S. 195
Sobald die in dem rotirenden Schieber 24 a liegenden Oeffnungen dagegen mit dem Kanäle 47 des Gehäuses 10 in Verbindung treten, strömt der Dampf aus dem inneren Cylinder 27 durch die Oeffnungen c und d, diejenigen im Schieber selbst, sowie durch die Kanäle 47 und 48 in den Raum 57, von hier durch Oeffnungen 54 in das Rohr 8, schliesslich durch Oeffnungen 41 in den äusseren Cylinder und ertheilt dem Kolben so lange eine Drehbewegung, bis dieser an Oeffnungen 43 vorüber ist; nachdem entweicht der Dampf durch den Kanal 44 in das Rohr 9, von hier durch Oeffnungen 55 in den Innenraum des oberen Umsteuerungsschiebers und endlich durch Oeffnungen 38, sowie das Rohr 17 in die Atmosphäre oder einen Condensator.

Textabbildung Bd. 286, S. 195
Je nach der Lage des Umsteuerungshebels bewegt sich die Maschine in dem einen oder anderen Sinne.

A. F. G. Brown in Swindridge, Ayrshire, ist in England unterm 2. December 1891 eine Verbesserung an der Steuerung der von ihm erfundenen rotirenden Maschine patentirt, über welche Engineering vom 8. Januar 1892 berichtet.

Wie die Abbildungen (Fig. 18 und 19) erkennen lassen trägt die Treibwelle A auf ihrem äusseren Ende ein Zahnrad B, welches mit den auf den diametral gegenüber liegenden Schieberspindeln D sitzenden Rädern C von grösserem Durchmesser in Eingriff steht. Das Rad B ist auf der Welle A aufgekeilt und so mit dem Regulator verbunden, dass, wenn die Geschwindigkeit der Maschine |196| sich ändert, das Rad schneller oder langsamer als die Welle läuft, womit die Voreilung der Vertheilungsschieber geändert wird; letztere setzen sich aus je zwei auf den Schieberspindeln D befestigten Ringen x zusammen, deren Abstand der Länge des Schiebers entspricht. Zwischen den Ringen x liegen lose Metallplatten y, welche durch den Dampf gegen den Schieberkasten gedrückt werden und mit Durchbrechungen für die Ein- und Ausströmung des Dampfes versehen sind. Die Räume O und O1 sind mit dem Einströmrohre E, diejenigen Q und Q1 mit dem Ausströmrohre B in fortwährender Verbindung.

Ueber Versuche, welche an einer derartigen Maschine von dem Prof. Jamieson des Glasgow and West of Scotland Technical College am 27. Mai 1891 angestellt wurden, bringt Industries vom 17. Juli 1891 ausführliche Mittheilungen.

Der während jeder Umdrehung des eigenartig gestalteten Kolbens zweimal mit Dampf gespeiste Cylinder der Versuchsmaschine hatte 10,5 Zoll engl. (266,7 mm) Durchmesser bei einer Länge von 8,625 Zoll engl. (219 mm); hiermit entwickelte die Maschine im Mittel bei 95 Pfund engl. (6⅔ at) Kesselspannung und 574,5 minutlichen Umdrehungen eine Leistung von 20,784 Bremspferden und verbrauchte hierbei für Bremspferd und Stunde 37,91 Pfund engl. (17,2 k), für indicirtes Pferd und Stunde 27,21 Pfund engl. (12,4 k) an Speisewasser.

Eine mit zwei Cylindern arbeitende rotirende Maschine wurde J. L. Booker in Leeds und W. V. Bonsor in Wimbledon unterm 22. August 1890 in England patentirt.

Der Dampf strömt bei dieser Maschine durch zwischen den beiden getrennten Kolben der Cylinder liegende Kanäle und veranlasst die gleiche oder entgegengesetzt gerichtete Drehbewegung der Kolben um ihre Achsen. Die Kanäle sind entweder so angeordnet, dass ein Theil derselben zur Dampfeinströmung des einen Cylinders, der andere zur Dampfeinströmung des zweiten Cylinders, oder aber ein Theil nur zur Einströmung, der andere zur Ausströmung des Dampfes dient. Damit die Kolben bei ihrer Drehung leicht über die Kanäle hinwegkommen, sind Rippen vorgesehen, welche einen Theil der Bohrung der Cylinder bilden.

Textabbildung Bd. 286, S. 196
Nach den Industries vom 14. August 1891 S. 166 entnommenen Abbildungen (Fig. 20 bis 22) sind AA die beiden aus einem Stück gegossenen Cylinder, BB die Kolben, deren beiderseitige Verlängerungen CC die Wellen bilden, DD gelenkige, zur Abdichtung der Kolben in den Cylindern dienende und zu dem Zwecke mit zwischenliegenden Liderungsscheiben E, sowie Federn F versehene Arme, deren cylindrisch gestaltete Enden in entsprechenden Aushöhlungen der Gleitstücke GG hin und her schwingen.

Textabbildung Bd. 286, S. 196
Die Dampfeinströmkanäle sind mit H, die einen Theil der Cylinderbohrungen bildenden Rippen mit I bezeichnet. Die Cylinderdeckel J sind auf ihren Innenseiten mit concentrisch zu den Cylinderbohrungen liegenden Naben K versehen, auf denen sich zu beiden Seiten jedes Kolbens liegende, entlastete Ringe L drehen. Der Dampf gelangt durch das Rohr M nach der Maschine und entweicht aus den Cylindern derselben durch die Oeffnungen O.

Textabbildung Bd. 286, S. 196
Auch die rotirende Maschine von Almond, Brooklyn und Freligh in New York besteht nach Engineering, 1891, aus zwei Cylindern, welche jedoch nicht wie vorstehend neben, sondern hinter einander liegend angeordnet sind.

Durch die Mitte beider Cylinder führt eine Welle A (Fig. 23), auf welcher von je einem Ring I umgebene Excenter II derart befestigt sind, dass die Ringe mit einem Theile ihres Umfanges in steter Berührung mit der Innenwandung F der Cylinder bleiben. Der Dampf tritt in den auf der Abbildung ersichtlichen vorderen Cylinder B durch den Kanal g und wirkt durch den Ring I auf das Excenter H, sowie gegen das Widerlager J des Ringes; während dieser Zeit steht das Rohr l mit der Ausströmseite des Cylinders in Verbindung. Sowie nun das Excenter mit seinem Ringe die Oeffnung l überschritten hat, tritt frischer Dampf durch diese in das eine Ende des Schieberkastens M und bringt den darin gleitenden, aus zwei Kolben h gebildeten Schieber in eine solche Stellung, dass derselbe den nach dem Cylinder B führenden Kanal g schliesst, denjenigen nach dem zweiten Cylinder dagegen öffnet, so dass der frische Dampf in dem letzteren zur Wirkung kommt, während der im Cylinder B eingeschlossene Dampf noch durch Expansion Arbeit verrichtet.

Die rotirende Maschine von O. Kohn in Wien (D. R. P. Nr. 52527) besteht aus vier zu je zwei mit einander verbundenen Cylindern, welche sich, wie die Industries vom 23. Januar 1891 S. 95 entnommenen Abbildungen (Fig. 24 und 25) erkennen lassen, derart durchdringen, dass sie |197| einen regelmässigen Körper bilden, der sich in festen Lagern D mit senkrecht zur Ebene der Cylinderachsen stehenden Hohlzapfen C dreht; letztere sind derart erweitert, dass sie nicht nur den Ein- und Auslass des Dampfes, sondern auch die Treibwelle aufnehmen, welche im parallelen Abstande = ¼ Kolbenhub von der Drehungsachse des Cylindersatzes gleichfalls in Lagern J bezieh. J1 geführt ist. Die Welle I trägt Kurbeln von der Länge = ¼ Kolbenhub, welche doppelt so grosse Winkel wie die Cylinder einschliessen und deren Zapfen A1 und B1 von den Verbindungsstangen G bezieh. G1 der Kolben F bezieh. E lagerartig umschlossen werden.

Der Dampf tritt bei K in die Maschine, gelangt durch die Kanäle LL nach den Cylindern B bezieh. durch die punktirt gezeichneten Kanäle M nach den Cylindern A und entweicht nach vollbrachter Arbeit in den gemeinschaftlichen Ausströmkanal N. O ist eine feststehende, zur Dampfvertheilung dienende schiefe Scheibe, um welche sich die Cylinder mit Kanälen drehen und welche behufs Umsteuerung oder Füllungsänderung verstellbar angeordnet werden kann.

Textabbildung Bd. 286, S. 197
S. S. Stout und H. G. Underwood in Milwaukee benutzen nach Engineering, 1891, zur Hervorbringung der Drehbewegung eine Scheibe D (Fig. 26), welche wie vordem zwei oder auch mehrere Cylinderpaare trägt und auf der Treibwelle B befestigt ist. Befindet sich die Maschine in ihrer Todtpunktlage, so nimmt der auf der Abbildung ersichtliche Schieberhebel eine senkrechte Stellung ein; die Oeffnung j in der Scheibe liegt hierbei mit der Einströmöffnung des Schiebers und dem Kanäle s im Dampfbehälter in einer geraden Linie. Sobald der Schieber durch den Hebel nach links gedreht wird, tritt Dampf durch eine Leitung in die Scheibenöffnung und durch den Kanal C1 in die Cylinder F, F1 (Fig. 27), deren Kolben H, H1 in der Mitte ihres Hubes stehen, während die Kolben G, G1 des anderen Cylinderpaares denselben beendet haben. Wenn die Cylinder F, F1 bei ihrer Drehung eine bestimmte Lage erreicht haben, gelangt der Dampf durch die Scheibenöffnung; in die anderen beiden Cylinder und beginnt hier zu wirken, wenn dieselben die Mitte, auf welcher sie standen, überschritten haben.

Textabbildung Bd. 286, S. 197
Die Nabe der Scheibe D wird behufs Dichthaltens durch eine Feder P gegen den Schieber gedrückt, zwischen welcher und dem Maschinengestelle eine Unterlagscheibe R liegt.

Die rotirende Maschine von D. Williamson in Brooklyn (Nordamerika) besteht nach Mittheilungen in Industries, 1890, aus einer ringförmigen Kammer, welche durch ein Widerlager, welches den Rückdruck des Arbeitsdampfes erhält, unterbrochen ist; letzterer drückt auf in dieser Kammer befindliche, um ihre Achsen drehbare Scheiben, deren Bewegungen sich auf die Arbeitswelle übertragen. Das Widerlager ist mit einem Schlitze von genügender Weite versehen, welcher den Durchgang der Scheiben gestattet, nachdem dieselben sich um Winkel von 90° gedreht haben; diese Stellung nehmen die Scheiben ein, wenn der Dampf auf dieselben wirkt.

Zwischen den beiden Hälften A und B (Fig. 28 und 29) des Gehäuses liegt eine dünne Platte C, welche auf der Treibwelle D befestigt ist und die Scheiben E aufnimmt; letztere sind mittels Zapfen in der genannten Platte gelagert und diese mit Kurbeln G (Fig. 30 und 31) verbunden, welche Frictionsscheiben H tragen. In dem mittleren Theile des Gehäuses befinden sich zur Führung der Frictionsscheiben H dienende Daumen F (Fig. 32), durch welche die Drehung der Scheiben um 90°, ehe sie in den Schlitz des Widerlagers treten, bewirkt wird.

Textabbildung Bd. 286, S. 197
Bei der rotirenden Maschine von A. J. Thomas, Jésupret, Paris, bewegt sich der Kolben ebenfalls in einer ringförmigen Kammer.

Wie die Industries vom 4. Juli 1890 entnommenen Abbildungen (Fig. 33 bis 36) erkennen lassen, setzt sich das Gehäuse der Maschine aus zwei Hälften A und B zusammen, welche durch Schraubenbolzen miteinander verbunden sind und zwischen sich eine ringförmige Kammer T von kreisförmigem Querschnitt bilden, in welcher ein Kolben P liegt, der mit einer auf der durch die Mitte des Gehäuses gehenden Treibwelle sitzenden Nabe F verbunden ist; letztere ist mit zwei ringförmigen Spurkränzen E und J versehen, welche in entsprechend ringförmige Nuthen |198| des Gehäuses greifen, die behufs dampf dichten Abschlusses zwischen der Kolbenkammer und der Nabe mit Liderungsmaterial gefüttert sind.

Die Oeffnungen für die Ein- und Ausströmung des Dampfes in die Kolbenkammer werden durch eine Scheibe getrennt, welcher zum Zwecke der Querbewegung beim Ein- und Austritt in die Kolbenkammer eine abwechselnde Drehbewegung ertheilt wird. Es kann die Trennung der genannten Oeffnungen jedoch auch durch eine rotirende Scheibe P1 (Fig. 33) bewirkt werden, welche dann behufs Durchganges des Kolbens P mit einer entsprechenden Aussparung versehen ist. Die Maschine arbeitet in folgender Weise: Der frische Dampf tritt durch den Vertheiler D in den Raum zwischen der beweglichen Scheibe M oder P1 und dem Kolben P; die andere Seite der Scheibe M oder P1 und des Kolbens steht ununterbrochen mit dem Auspuffraume der Maschine in Verbindung, so dass der Kolben sich in Folge des auf ihn wirkenden Dampfes nur nach einer Richtung bewegt, bis er die bewegliche Scheibe M oder P1 erreicht hat; diese entfernt sich aus der Kammer T, worauf sich der Kolben in Folge seiner erlangten lebendigen Kraft weiter bewegt. Die Scheibe M oder P1 tritt danach in die Kammer T zurück und es erfolgt eine frische Dampfeinströmung in derselben Weise wie vordem.

Der die Einströmung des Dampfes nach der Maschine regelnde Vertheiler D wird durch einen auf der Treibwelle sitzenden Daumen L bethätigt, welcher bei jeder Umdrehung der Maschine auf den Mitnehmer K einer auf der Welle B festgekeilten Muffe T1 trifft, der Welle damit eine theilweise Drehbewegung ertheilend. Der Vertheiler D ist derart mit der Welle R verbunden, dass, wenn der Mitnehmer K von dem Daumen Z gefasst wird, Dampf nach der Maschine tritt. Um die Dauer der Dampfeinströmung veränderlich zu erhalten, ist eine vorstehende Kante des Daumens Z schraubenförmig gestaltet und es steht die Muffe T1 sammt Mitnehmer mit dem Regulator derart in Verbindung, dass sie sich je nach der von der Geschwindigkeit der Maschine abhängigen Stellung desselben auf der Welle R vor- oder rückwärts verschieben lässt. Der Mitnehmer K geht so über eine grössere oder kleinere Oberfläche des Daumens Z, bevor er in seine normale Stellung zurückkehrt und die Einströmung schliesst.

Eine rotirende Maschine mit senkrechter Treibwelle von Stevenson in Liverpool und Milburn in Staleybridge veranschaulichen die Engineering vom 22. Mai 1891 entnommenen Abbildungen (Fig. 37 und 38).

Es sind bei dieser Maschine mehrere ringförmige Kammern benutzt worden, um einer Anzahl Kolben, welche mit der auf der Treibwelle befestigten Kolbenscheibe K verbunden sind, eine Drehbewegung zu ertheilen.

Die Ringcylinder A, B und C sind durch halbkreisförmige Vertiefungen in den zusammengeschraubten Hälften D und E des Cylindergehäuses gebildet und letzteres behufs Aufnahme der Treibwelle noch mit einem Spurlager, sowie entsprechenden Oeffnungen für den Ein- und Austritt des Dampfes versehen. Auf die obere Hälfte des Cylindergehäuses sind Kasten gesetzt, in denen sich Schieber F bewegen, und zwar sind die ersteren derart angeordnet, dass in jedem Ringcylinder ein Schieber weniger ist, als sich Kolben vorfinden, so dass während einer der letzteren den gehobenen Schieber passirt, wobei kein Dampf auf ihn einwirkt, hinter den anderen Kolben der Dampf mit voller Spannung seine Wirkung ausüben kann, wodurch eine sichere Umdrehung erzielt wird.

Sobald ein Treibkolben bei seiner Drehbewegung in die Nähe eines Schiebers kommt, wird letzterer durch die in Cylindern N1 liegenden Kolben N selbsthätig gehoben und in dieser Lage so lange erhalten, bis der betreffende Treibkolben so weit entfernt ist, dass der Schieberkolben wieder nach unten gehen kann; der Arbeitsdampf tritt dann zwischen Schieber und Treibkolben und treibt den letzteren bis zu dem nächsten geschlossenen Schieber vorwärts, der in dem Augenblicke des Kolbendurchganges wieder eine Aufwärtsbewegung ausführt.

Textabbildung Bd. 286, S. 198
Liegt der Schieber in seiner unteren Stellung, so findet Ausströmung des Dampfes auf der Rückseite, Dampfeinströmung dagegen auf der anderen Seite des Kolbens statt. Jeder Schiebersatz F steht noch mit einem Gehäuse P1 in Verbindung, in welchem sich durch die Scheibe L1 bethätigte Flachschieber bewegen.

Textabbildung Bd. 286, S. 198
Die rotirende Maschine von C. Stuart in London, aus einem Rade bestehend, welches mit einem concentrischen, einen Ring bildenden Cylinder verbunden ist, in welchem sich ein schwerer Kolben bewegt, dürfte noch erwähnenswerth sein.

Gegen den Kolben wirkt irgend ein Druckmittel, wie Dampf, Luft oder eine andere elastische Flüssigkeit, derart, dass er in Bezug auf die senkrechte Radachse stets eine einseitige Einstellung behält; hierdurch wird ein Drehmoment erzielt, welches die Vorwärtsbewegung des Rades bewirkt.

In den Industries vom 18. September 1891 S. 286 entnommenen |199| Abbildungen (Fig. 39 und 40) ist A das Rad mit den concentrischen Cylindern B und C, in denen sich der schwere Kolben D bewegt. In der Mitte des Rades ist eine Vertiefung E ausgedreht, in welcher ein hohler Körper F gelagert ist, in dessen Oeffnung G das Einströmrohr H mündet; während die rechteckigen Schlitze I und J desselben je nach der Richtung, in welcher sich das Rad bewegen soll, mit den Kanälen K oder L in Verbindung gebracht werden. Der Austritt des Dampfes erfolgt durch Oeffnungen M, sowie in der Achsenrichtung liegende Kanäle N, welche mittels geneigter Ebenen 0 an jedem Ende des Kolbens geöffnet werden, indem diese gegen Rollen P wirken, die mit den Abschlussorganen für den Dampfaustritt verbunden sind; letztere werden im unbeeinflussten Zustande durch Federn in der Abschlussstellung erhalten und beim Vorübergehen des Kolbens durch diesen in entsprechend vertiefte Ansätze hineingedrängt (Siehe auch Engineering vom 4. September 1891 S. 287.)

Behufs Erzielung grösstmöglichster Oekonomie beim Betriebe mit rotirenden Dampfmotoren gibt L. Demerliac denselben nach Le Génie civil, 1891 S. 369, nur Geschwindigkeiten, wie sie bei Maschinen mit hin und her gehendem Kolben nach Art derjenigen von Sulzer, Corliss u. dgl. üblich sind, indem er nicht mit Unrecht hervorhebt, dass die grossen Geschwindigkeiten von 1000 bis 3000 Umdrehungen in der Minute, mit denen die rotirenden Motoren sehr oft arbeiten müssen, den Dampf verbrauch derselben ins Ungeheuere steigern, da eine Ausnutzung der Expansionsarbeit des Dampfes dann nicht mehr möglich ist.

Textabbildung Bd. 286, S. 199
Der Motor besteht, wie die Abbildung (Fig. 41) erkennen lässt, aus einem genau ausgebohrten Cylinder, dessen beide Enden durch aufgesetzte Deckel geschlossen gehalten werden; concentrisch mit der Cylinderbohrung sind zur Ein- und Ausströmung des Dampfes dienende Kanäle angebracht, welche durch entsprechende Oeffnungen mit vier Schieberkammern in Verbindung stehen, in denen sich selbsthätig durch die Maschine bethätigte Steuerungsorgane derart bewegen, dass verschiedene Füllungen erreicht werden können. Im Inneren des Cylinders drehen sich zwanglos zwei durch metallische Sectoren gebildete Kolben, von denen jeder einen Inhalt gleich dem vierten Theil des Cylindervolumens besitzt und stets eine vollständige halbe Umdrehung um die Achse ausführen kann. Die Kolben sind unabhängig von einander auf je einer metallischen Nabe befestigt, deren innere Seiten polirt und längs des Cylinders gelenkig verbunden sind; in der Bohrung der Naben bewegt sich die Arbeitswelle ungezwungen.

Ein besonderer von den Naben getragener Mechanismus gestattet den Kolben eine Drehung im Sinne der Bewegung, verhütet jedoch den Rücklauf derselben derart, dass jeder Kolben abwechselnd und selbsthätig festliegt, während der andere Kolben die Welle mitnimmt, welche damit eine continuirliche kreisförmige Bewegung erhält.

Die Kolbenflächen liegen in Ebenen, welche durch das Wellenmittel gehen, und der drückende Dampf wirkt stets senkrecht auf diese Flächen, so dass deren Mittelpunkte Kreislinien um die Arbeitswelle beschreiben, womit theoretisch die gesammte vom Dampf entwickelte Arbeit auf die letztere übertragen wird.

Ein kleiner derartiger Motor von 3 soll mit 70 bis 80 Umdrehungen in der Minute zufriedenstellend arbeiten; sein Gewicht beträgt 180 k, der äussere Durchmesser 390 mm.

Fr.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: