Titel: Der Werth des Strohes als Brennmaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286 (S. 260–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/ar286082

Der Werth des Strohes als Brennmaterial.

Das Organ der K. Russischen Technischen Gesellschaft für 1890 enthält eine Abhandlung von Ingenieur N. A. Reszoff über den Heizwerth von Stroh verschiedener Provenienz. Die Untersuchungen des Verfassers über diesen Gegenstand wurden durch den Wunsch hervorgerufen, dem fast gänzlichen Mangel an bezüglichen Angaben in der einschlägigen Litteratur abzuhelfen, bei der Wichtigkeit dieser Brennstoffe für sehr ausgedehnte Landstriche des Russischen Reiches. Die Steppen Südrusslands und das Gebiet der schwarzen Erde sind bekanntlich arm an Wald und Steinkohlen, die Torfgewinnung fehlt auch, die Kohlenreviere sind zum Theil entfernt gelegen, daher ist seit sehr langer Zeit in jenen Gegenden Stroh als willkommenes Heizmaterial benutzt worden.

Bis zu den sechziger Jahren diente das Stroh meist nur zur Heizung der Wohnräume der Landbevölkerung; neuerdings seit der zunehmenden Verwendung von Locomobilen für landwirthschaftliche Zwecke findet das Stroh eine viel grössere Ausnutzung als Brennmaterial.

Es gibt gegenwärtig keine statistischen Angaben über den Umfang der Benutzung solchen Brennmaterials, aber noch weniger gibt es genaue Angaben über den Vorzug der einen Sorte Stroh vor anderen.

Natürlich verwendet man dasjenige Stroh, welches gerade zur Hand ist, insbesondere bei Locomobilen, da diese meist zum Betriebe von Dreschmaschinen dienen, wobei man das Stroh des eben gedroschenen Getreides verbraucht. Es gibt aber auch Fälle, in denen verschiedenes Stroh zu Gebote steht, oder auch Flachsabfälle in solchen Gegenden, wo diese bei Gewinnung der Leinsaat als Nebenproduct übrig bleiben, und da ist es gewiss nützlich, zu wissen, welcher Sorte man den Vorzug geben soll. Dieses ist ganz besonders in später, nasser Jahreszeit der Fall, da, wie es sich zeigt, der Heizwerth sich je nach der Luftfeuchtigkeit ändert.

Ausserdem ist es nicht ganz uninteressant, zu erfahren; welche Stelle das Stroh in der Reihe der anderen Brennstoffe einnimmt; geben doch Péclet und M. Pimont Angaben über den Heizwerth der Eichenrinde, der Farbhölzer, des Abfalles in Färbereien und anderer sehr selten zum Heizen verwendeter Stoffe, ohne des Strohes zu erwähnen.

Gleichzeitig erklären die Untersuchungen des Autors auch den Grund, warum bei sonstiger Verwendung eine Sorte Stroh anderen vorgezogen wird; so wird beim Decken von Strohdächern dem Flachsstroh der Vorzug gegeben, als Futter dagegen Hirse-, Hafer- oder Gerstenstroh mit Vorliebe benutzt.

Zu den Untersuchungen wurde Stroh zweier nach einander folgender Jahre verwandt, und von Ländereien genommen, die wohl über 100 km aus einander lagen, sonst aber ziemlich gleiche Bodenbeschaffenheit boten; die verschiedenen Getreidearten waren auf einer etwa 70 cm dicken Humusschicht gewachsen. Um gute Durchschnittsresultate zu erhalten, wurden die Halme verschiedenen Theilen der Felder entnommen. Das Stroh wurde in |261| 3 mm lange Stückchen zerschnitten (für die Analysen 25 mm).

Bei Ermittelung des Gehaltes an hygroskopischem Wasser durch starke Erwärmung entsteht der Zweifel, ob man nicht zu falschen Resultaten gelangt, indem dabei organische Substanzen eine Zersetzung erleiden könnten. Gay Lussac und Thenard führten die Erwärmung bis 100° C., Chevandier und Péclet bis 140° C., Marsilly erwärmte Torf bis 120°, um das hygroskopische Wasser zu bestimmen, und wies dabei ziffermässig nach, dass der Torf bei dieser Temperatur schon zersetzt wurde. Wenn man einerseits lufttrockenen, andererseits bei 120° getrockneten Torf analysirt, so erhält man eben sehr verschiedene Zahlen, aus denen deutlich zu ersehen ist, dass nicht nur Wasser verdunstet ist, sondern dass auch Verluste an Kohlenstoff und Wasserstoff entstanden. Prof. Inostranzew1) untersuchte eine Art russischer Steinkohle und fand bei Erhitzung bis 150° C. einen Gehalt von 7,76 Proc. Wasser; W. Alexejew2) experimentirte mit derselben Kohle, trocknete sie drei Tage lang unter einer Glasglocke durch Schwefelsäure und fand 1,8 Proc. Wasser.

Diese beiden Methoden sind offenbar Extreme; die erstere gibt zu grosse Zahlen, bei der zweiten kann man wohl mit Gewissheit sagen, dass man dusch dreitägiges Trocknen mittels Schwefelsäure nicht im Stande ist, die letzten Spuren des Wassers zu entfernen; es bildet sich auf der Oberfläche der Säure Hydrat und schwächt die fernere Wirkung derselben; ausserdem haben Versuche bewiesen, dass Luft, die langsam über concentrirte Schwefelsäure hinstreicht, noch 0,002 mg Wasserdämpfe auf 1 cbm behielt.3)

Der Autor hat sich daher mit einer vierstündigen Erwärmung bis 110° begnügt, oder das Stroh in fest verschlossenem Glasgeschirr, das innen mit einer recht dicken Schicht Phosphorsäureanhydrit bedeckt war, getrocknet. Auf diese Methode wurde er durch eine Reihe von Versuchen geführt. Bei Erwärmung von Hirsestroh bis 120 bis 130° C. bemerkte er nämlich einen deutlichen Aethergeruch – ein Beweis, dass die Erhitzung zu weit getrieben war – und bei Anwendung von Schwefelsäure fand er nach 8 Tagen immer noch eine Abnahme des Gewichtes – diese Methode war also zu zeitraubend. Er stellte nun eine Reihe paralleler Vorversuche an: er trocknete Stroh während 4 Stunden, einmal bei 110 bis 115° C., das andere Mal bei 135 bis 140° C., drittens durch Schwefelsäure und viertens durch Phosphorsäureanhydrid; danach setzte er die Strohproben dem Einfluss der freien Luft aus; die Methode musste die zweckmässigste sein, die in kürzester Zeit den grössten Wasserverlust ergab, zugleich aber auch bei Wiederaufnahme von Wasser das frühere Gewicht möglichst genau wiederherstellte. Dabei gelangte er aber zu keinen constanten Zahlen; es zeigte sich eine Abhängigkeit der Gewichtszunahme der getrockneten Strohproben von der relativen Feuchtigkeit der Luft. Dies erheischte wieder eine Reihe Versuche, welche ergaben, dass bei der Steigerung der Luftfeuchtigkeit von 65 Proc. auf 78 Proc. (nach dem Psychrometer von August) der Gehalt an hygroskopischem Wasser bei Flachsstroh von 10,61 auf 11,49 Proc. stieg, also 1 Proc. Zunahme der Luftfeuchtigkeit entsprach 0,07 Proc. Vermehrung des Wassergehaltes; bei Sommerweizen war die entsprechende Zahl 0,14 Proc., bei Hafer 0,13 Proc., bei Gerste 0,08 Proc., Buchweizen 0,06 Proc., Hirse 0,09 Proc., Roggen und Winterweizen 0,05 Proc. Diese Zahlen konnten zur Correctur dienen.

Flachsstroh, bei 72 Proc. Luftfeuchtigkeit abgewogen, und bis 130 bis 135° 4 Stunden lang erhitzt, verlor 12,6 Proc. an Gewicht; nach viertägiger Einwirkung der Luft nahm das Gewicht nur um 9,2 Proc. zu bei 70 Proc. Luftfeuchtigkeit; diese Einbusse, die sogar nach einer Correctur immer noch über 3 Proc. ausmacht, kann nicht durch nachträgliche Veränderung der Empfänglichkeit erklärt werden. Aehnlich verhielten sich die anderen Arten Stroh. Bei Erwärmung bis 105 oder 110° war der Verlust an Gewicht bei Flachs nur 10 Proc., die spätere Zunahme 10,2 Proc.; bei Roggen – Verlust an Wasser 8,3 Proc., Zunahme 8 Proc. Bei Anwendung von Phosphorsäureanhydrid war die Abnahme bei Flachs 10 Proc., für Sommerweizen 10,8 Proc., die entsprechenden späteren Zunahmen 10,3 Proc. und 10,9 Proc. Schwefelsäure ergab bei Flachsstroh erst nach 8 Tagen eine Abnahme von 8,4 Proc. und dann eine Zunahme von 8,7 Proc. Eine Probe Flachsstroh wurde 9 Tage mit Schwefelsäure getrocknet und ergab eine Abnahme von 8,2 Proc., wurde dann noch 3 Tage der Wirkung von Phosphorsäureanhydrid ausgesetzt und verlor danach weitere 1,6 Proc. – Diese Angaben zur Begründung der angewendeten Methode. –

Aus seinen Versuchen erhält der Autor eine Reihe Zahlen, die den Wassergehalt des Strohes in jedem Monate darstellen und für die verschiedenen Monate ungleich sind, im August und September ihr Maximum, 10 bis 11 Proc., erreichen, im Januar und Februar das Minimum, 6 bis 7 Proc., sonst aber für alle Sorten annähernd gleich sind. Diese Zahlen weichen von denjenigen, die Gronven in seinen Vorträgen über Agricultur-Chemie und Völcker in Zusammensetzung und Nahrungswerth des Strohes geben, ab. Gronven gibt für Weizen, Roggen, Hafer u.s.w. etwa 14 Proc., nur für Hirse 6,8 Proc., Völcker für Weizen 13 Proc., für Hafer aber 16,5 Proc. Diese Verschiedenheiten lassen sich durch die Methode der Ermittelung und den Einfluss der Jahreszeit erklären.

Diese Angaben beziehen sich auf Stroh in trockenen, geheizten Räumen; vom praktischen Gesichtspunkt aus ist es aber weit wichtiger, zu ermitteln, wie viel Wasser Stroh in mit Wasserdampf gesättigter Luft aufnimmt und in welchem Zeitraum. In der Praxis pflegt das zu verschiedenen Zwecken benutzte Stroh meist das ganze Jahr ohne Schutz gegen atmosphärische Einflüsse zu sein.

Um diesen Verhältnissen möglichst nahe zu kommen, wurden die Versuche so geleitet, dass gleich grosse Quantitäten Stroh, 3 g, in Uhrgläsern von 6 cm Durchmesser auf 12 cm hohen Gläsern in mit Wasser gefüllten Tellern unter Glasglocken gestellt wurden, die für alle Proben gleich gross waren; täglich wurde um dieselbe Zeit gewogen; nach dem Wiegen hielt man die Glocken über kochendem Wasser zur Anfüllung mit Dampf; um beim Zudecken einen Niederschlag auf dem kühleren Stroh zu verhindern, wurde dabei die Glocke aussen mit einem Wasserstrahl gekühlt. Alle Berechnungen bezogen sich auf Stroh, das bei 110° getrocknet war: gleichzeitig wurden Versuche mit Stroh, das bei 120 bis 130° C. getrocknet war, gemacht.

Die Resultate, graphisch dargestellt, als Abscissen die |262| Tage, als Ordinaten die Wasseraufnahme in Procenten genommen, ergaben Curven, die unter sich sehr verschieden, für jede Sorte Stroh aber gleich und charakteristisch waren. Die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, ist bei verschiedenen Sorten Stroh sehr verschieden in den Grenzen von 38 bis 40 bis 120 Proc. Flachs repräsentirt das Minimum 40 Proc., dann folgen Roggen, Winter- und Sommerweizen, Buchweizen mit 50 bis 66 Proc. und zuletzt Hirse, Geiste und Hafer mit 89 bis 120 Proc. Die Schnelligkeit der Aufnahme war auch verschieden, Flachs erreichte sein Maximum am 7. und 8. Tage. Das bei 120 bis 180° getrocknete Stroh nahm weit mehr Wasser auf, die Curven verloren ihr charakteristisches Aussehen.

Das wirkliche specifische Gewicht wurde mittels eines Pyknometers bestimmt, dessen Inhalt 100,023 cc war; das Pyknometer war gehörig tarirt, eine Correctur für das verdrängte Luftgewicht wurde gemacht und das specifische Gewicht mit Wasser von 4° ermittelt. Die Zahlen für eine und dieselbe Sorte Stroh gaben schon Abweichungen in der zweiten Decimalstelle, z.B. Flachs 1,644, 1,610, 1,630, im Mittel – 1,628. Diese Abweichungen können nicht auf Ungenauigkeit der Versuche zurückgeführt werden, sondern müssen von dem verschieden grossen Aschengehalt bei derselben Sorte in verschiedenen Theilen des Strohes abhängen, was auch beobachtet worden ist. Die Durchschnittszahlen sind für Roggen 1,649, Winterweizen 1,667, Sommerweizen 1,668, Hafer 1,679, Gerste 1,684, Hirse 1,687, Buchweizen 1,692. Der Unterschied ist also nicht gross. Bei verschiedenen Holzarten variirt das specifische Gewicht zwischen 1,46 und 1,53. Die Zusammensetzung des organischen Theiles des Holzes ist derjenigen mancher Stroharten sehr nahe, der Unterschied des Gewichtes der Asche bei Holz und Stroh ist aber sehr bedeutend; bei Holz ist er nach Wittstein, Chevandier, Neubauer4) 0,25 bis 2 Proc., selten mehr, bei Stroh ist das Minimum 3,1 Proc. bei Flachs, bei allen anderen Sorten ist er höher und bei Buchweizen über 7 Proc.; man sieht also deutlich, dass das specifische Gewicht mit dem Aschengehalt steigt.

Die Berechnung des (scheinbaren) specifischen Gewichts mittels des Volumenometers ergab kleinere Zahlen, was ganz natürlich ist, da die Luft in den Zellen schwerlich vollkommen genau der Comprimirung oder Ausdehnung der Luft im Apparat folgen kann; doch sind auch diese Zahlen für die Praxis nicht ohne Werth, da sie ein anschaulicheres Bild des Gewichtes der Volumeneinheit verwandter Körper geben.

Der benutzte Apparat war dem Regnault'schen sehr ähnlich, nur hatte er Vorkehrungen, um etwaige Fehler bei den Temperaturschwankungen zu vermindern.5)

Das Stroh war in 3 mm lange Stücke geschnitten; 40 bis 50 g wurden jedes Mal benutzt, gleichzeitig wurde durch 3- bis 4stündiges Trocknen bei 110° der Wassergehalt bestimmt. Durch Division des bekannten Gewichtes durch das Volumen erhielt man das Gewicht einer Volumeneinheit, die Differenz mehrerer Bestimmungen überschritt nicht 1,2 Proc.

Das specifische Gewicht erwies sich im Durchschnitt bei Sommerweizen 0,983, Winterweizen 0,960, Roggen 1,040, Hafer 0,809, Gerste 0,830, Buchweizen 1,055, Hirse 0,935, Flachs 1,075; dabei war der Wassergehalt durchschnittlich 6,5 Proc., nur beim Flachs betrug er 7,2 Proc. und bei Hirse 8 Proc.

Nach diesen Zahlen kann man das Gewicht des gleichen Volumens verschiedener Sorten in folgenden Zahlen ausdrücken, wenn Haferstroh = 100 angenommen wird: Hafer 100, Gerste 102, Hirse 106, Winterweizen 119, Sommerweizen 122, Roggen 127, Buchweizen 131, Flachs 132.

Bei directem Abwiegen erhielt man entsprechend Hafer 100, Gerste 108, Weizen 126,3 und 129,1, Buchweizen 129,1, Flachs 173,8; die Reihenfolge ist dieselbe.

Bei den Analysen des Strohes wurde die Asche nicht weiter genau untersucht, da es gute Aschenanalysen genug gibt.6)

Bei der Analyse wurde Kupferoxyd angewandt und gegen Ende der Verbrennung ein Sauerstoffstrom durch die Röhre geleitet, was gute Resultate gab und das Zurückbleiben von unverbrannten Kohlentheilen in der Asche verhinderte. Der Process dauerte kaum 40 Minuten; statt einer Glasröhre wurde eine solche aus Porzellan verwendet, die vorzüglich gut hielt; ein Ende der Röhre war mit den Substanzen verbunden, die Wasser und Kohlensäure aufnahmen, das andere je nach Bedürfniss mit der Luft oder mit dem Sauerstoff, die schon von Wasser und Kohlensäure befreit waren; am Anfang der Röhre befanden sich Silberspäne zur Zersetzung von Stickstoffverbindungen, danach folgte das Kupferoxyd. Das Stroh (0,3 g) wurde in eine kleine Platinaschale oder in eine Platinadrahtkapsel hineingelegt, an denen ein dünner Platinadraht zur Bewegung derselben befestigt war. Gegen das Ende der Verbrennung wurde die Stelle, wo das Stroh sich befand, während 15 Minuten sehr stark erhitzt mittels eines besonderen Brenners mit Gebläse, fast bis zur Weissglut. Der Gehalt an Stickstoff wurde durch Behandlung mit starker Schwefelsäure ermittelt; das dabei entstehende Ammoniak wurde wiederum von Schwefelsäure absorbirt. Den Sauerstoff bestimmte man aus der Differenz. Die Quantität der Asche wurde durch gesonderte Verbrennung im Platinatiegel controlirt. Hier folgen einige Resultate der Analysen:

Flachsstroh, getrocknet bei 110° C:

C H N O Asche
47,3
48,0
5,8
5,9
0,67
0,63
43,1
42,3
3,1
3,2
vom nämlichen Felde vom
Jahre 1887
47,5
48,0
47,3
5,6
5,7
5,8
0,59
0,60
0,64
42,8
42,2
42,2
3,5
3,5
3,5
von verschiedenen Stellen
im Jahre 1886
47,6 5,8 0,63 42,6 3,3 Mittel bei 110° getrocknet
44,7 5,45 0,59 40,16 3,1 „ „ 6 Proc. Wasser
42,8 5,2 0,57 38,43 3,0 „ „ 10 „ „

Winterweizen:

C H N O Asche
46,1 5,6 0,42 43,71 4,1 bei 110° getrocknet im Mittel
43,3 5,26 0,39 41,19 3,85 „ 6 Proc. Wasser
41,49 5,04 0,38 39,40 3,69 „ 10 „ „

Sommerweizen:

C H N O Asche
45,8 5,6 0,51 43,21 4,9 bei 110° getrocknet im Mittel
43,05 5,26 0,48 40,61 4,6 „ 6 Proc. Wasser
41,2 5,04 0,46 38,89 4,4 „ 10 „ „

Roggenstroh:

C H N O Asche
45,8 5,7 0,52 44,41 3,5 bei 110° getr. im Durchschnitt
43,05 5,36 0,48 41,81 3,3 „ 6 Proc. Wasser
41,2 5,12 0,46 40,02 3,2 „ 10 „ „
|263|

Hirsestroh:

C H N O Asche
44,6 5,25 0,95 43,3 5,9 bei 110° getr. im Durchschnitt
41,92 4,80 0,90 40,7 5,67 „ 6 Proc. Wasser
40,14 4,68 0,86 38,99 5,32 „ 10 „ „

Haferstroh:

C H N O Asche
44,38 5,18 0,45 42,9 7,2 bei 110° getrocknet im Mittel
41,72 4,87 0,42 41,2 6,7 „ 6 Proc. Wasser
39,96 4,66 0,41 38,49 6,48 „ 10 „ „

Gerstenstroh:

C H N O Asche
42,75 5,28 0,93 44,53 6,5 bei 110° getr. im Durchschnitt
40,1 4,97 0,88 41,94 6,11 „ 6 Proc. Wasser
38,47 4,77 0,85 40,06 5,85 „ 10 „ „

Buchweizenstroh:

C H N O Asche
42,0 5,15 0,51 45,14 7,2 bei 110° getr. im Durchschnitt
39,45 4,80 0,48 42,51 6,76 „ 6 Proc. Wasser
37,8 4,68 0,46 40,58 6,48 „ 10 „ „

Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass der grösste Gehalt an Kohlenstoff und Wasserstoff und gleichzeitig der geringste Aschengehalt sich beim Flachs finden; Weizen und Roggen sind fast gleich, dagegen haben die übrigen einen bedeutend grösseren Aschengehalt bei geringerer Kohlenstoffmenge. Viel Stickstoff zeigen Hirse und Gerste. Andere Untersuchungen7) haben sehr verschiedene Werthe für den Aschengehalt des Strohes geliefert, zwischen 3 und 7 Proc., innerhalb der Grenzen dieser Zahlen liegen auch die angeführten Resultate.

Die Verschiedenheit lässt sich durch Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit und des Untergrundes erklären; in unserem Fall waren diese Momente fast ganz gleich.

Der Autor begnügt sich damit, den Heizeffect des Strohes nach der Dulong'schen Formel zu berechnen: , und gibt die folgende Zahlenreihe:

getrocknet
bei 110°
bei 6 Proc.
Wasser
bei 10 Proc.
Wasser
Flachsstroh 3724 3431 3237
Winterweizen 3477 3199 3015
Sommerweizen 3478 3200 3016
Winterroggen 3451 3175 2991
Hirsestroh 3312 3043 2865
Haferstroh 3216 2955 2780
Gerstenstroh 3154 2896 2724
Buchweizen 3090 2836 2666

Am höchsten steht nach der Wärmeentwickelung der Flachs, die folgenden drei Stroharten sind fast gleich, stehen jedoch dem Flachsstroh weit nach. Nimmt man die Heizkraft des getrockneten Holzes gleich 4000 an, so steht das Stroh demselben weit nach, nur das Stroh des Flachses kommt dem Holz einigermassen nahe. Nimmt man die Heizkraft einer Gewichtseinheit von Haferstroh als 100 an, so erhält man folgende Reihenfolge: Buchweizen 96, Gerste 98, Hafer 100, Hirse 103, Roggen 107, Winterweizen 108, Sommerweizen 109, Flachs 116. Meist hat man bei Gebrauch von Stroh nicht mit Gewichtseinheiten, sondern mit dem Volumen zu thun, da der Heizraum, vornehmlich bei Locomobilen, gleichzeitig nur ein gewisses Volumen fasst, daher ist es nützlich, durch Multiplication der angeführten Zahlen mit dem specifischen Gewicht und entsprechende Reduction eine neue Zahlenreihe zu bilden: Hafer 100, Gerste 100, Hirse 109, Buchweizen 125, Winterweizen 129, Sommerweizen 132, Roggen 136, Flachs 153. Letzterer entwickelt beim gleichen Volumen 1,5mal mehr Wärme als Hafer und Gerste.

In der Praxis gibt es aber kein vollkommen trockenes Stroh, auf welches sich diese Zahlen beziehen; berücksichtigt man die Neigung, mehr oder weniger Wasser aufzunehmen, so verändern sich diese Zahlen zu Gunsten des Flachses und zum Nachtheil des Hafers, und der Unterschied wird noch bedeutend grösser; Flachs nimmt nur 40 Proc. Wasser auf, Hafer aber über 100; in feuchter, später Jahreszeit ist das sehr zu berücksichtigen.

Der Autor zieht nun folgende Schlüsse:

1) Die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Sorten Stroh sind nicht gleich.

2) Man kann danach alle Sorten Stroh in drei Gruppen theilen: a) Flachsstroh hat am meisten Kohlenstoff und Wasserstoff, am wenigsten Asche, mit dem grössten scheinbaren specifischen Gewicht und dem kleinsten wirklichen, nimmt in feuchter Luft am wenigsten Wasser auf und hat die höchste Fähigkeit, Wärme zu entwickeln; b) Roggen und Weizen, die unter sich fast gleich sind; c) Gerste und Hafer, zu denen in einigen Beziehungen sich Buchweizen und Hirse gesellen; letztere könnten jedoch auch zwischen der zweiten und dritten Gruppe aufgeführt werden; diese vier letzten Sorten enthalten weniger Kohlen- und Wasserstoff bei grösserem Aschengehalt; das wirkliche specifische Gewicht ist am grössten, das scheinbare für Hafer und Gerste am kleinsten; Hirse und Gerste enthalten viel mehr Stickstoff; Hirse, Hafer und Gerste besitzen die grösste Empfänglichkeit für Wasser; der Heizeffect ist bei dieser Gruppe am kleinsten.

3) Die Zunahme des wirklichen specifischen Gewichtes geht mit dem Aschengehalt parallel.

4) Die Verminderung des scheinbaren specifischen Gewichtes geht in der nämlichen Reihenfolge wie die Zunahme der Empfänglichkeit, Wasser aufzunehmen.

v. H.

|261|

Im russischen Organ für Bergbau, 1879 Bd. 3.

|261|

W. Alexejew, Die Steinkohlen Russlands, 1886 (russisch).

|261|

Prof. P. Alexejew, Gas-Analysen, Kiew 1887 (russisch).

|262|

Dr. E. Wolff, Aschen-Analysen, 1871.

|262|

Beschrieben in den Memoiren des St. Petersburger Technologischen Instituts, 1890 (russisch).

|262|

Dr. E. Wolff, Aschen-Analysen.

|263|

Rautenberg, E. Wolff, Wag, Ogston: Aschen-Analysen. E. Wolff, Gutkowsky: Untersuchungen der Flachsstengel (Memoiren des St. Petersburger Technologischen Instituts, 1881).

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