Titel: Blitzableiter mit Luftverdünnung für elektrische Starkstromleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 3 (S. 47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi02_3

Blitzableiter mit Luftverdünnung für elektrische Starkstromleitungen.

In dem New Yorker Electrical Engineer, 1892 Bd. 14 * S. 141, hat kürzlich Lewis Searing über Versuche berichtet, welche er angestellt hat, um zu ermitteln, wie bei Blitzableitern in Starkstromleitungen, z.B. in den Leitungen elektrischer Eisenbahnen, es vermieden werden könne, dass nach dem Durchgange eines Blitzschlages im Blitzableiter sich ein Lichtbogen für den Starkstrom bilde. Die Bildung dieses Lichtbogens hat man seither als unvermeidliches Uebel hingenommen und bloss danach gestrebt, ihn rasch zu unterbrechen, anstatt seine Bildung zu verhindern. Während der Blitzschlag selbst nicht zerstörend zu wirken pflegt, thut dies die mächtige Erhitzung durch den Dynamostrom, welcher nach dem Ueberspringen des Funkens diesem folgt, auf eine Schlagweite, welche der Dynamostrom zufolge seiner eigenen elektromotorischen Kraft nicht zu überspringen vermöchte. Während aber der Dynamostrom noch im Blitzableiter übergeht, also bis zu seiner Unterbrechung durch eine Abschmelzvorrichtung, ist der Blitzableiter unfähig, gegen eine nachfolgende Entladung zu schützen.

Es kommt demnach darauf an, für den Blitzableiter ein Mittel aufzufinden, das für die statische Ladung grosses Leitungsvermögen und für den Dynamostrom grossen Widerstand besitzt, und da erscheint die Wahl eines luftverdünnten Raumes die beste Lösung der Aufgabe zu verheissen. Es wurden deshalb Versuche mit einem Blitzableiter angestellt, welcher aus einer 19 mm weiten Glasröhre bestand, welche versiegelt wurde, nachdem die Luft aus ihr ausgepumpt war; die von beiden Enden in sie hineinragenden Platindrähte waren mit Kohlenspitzen versehen. Die vom Blitzableiter ausgehenden Drähte endeten in Metallkugeln, welche in einer Glasröhre angebracht waren, damit beide Enden dieses Stromkreises rasch und gleichzeitig mit den Polen der statischen Elektrisirmaschine verbunden werden könnten; denn bei ihrer beständigen Verbindung mit dieser Maschine würde diese zufolge der Ableitung im Blitzableiter und durch die Dynamomaschine überhaupt keine Ladung angenommen haben. In jeden der beiden vom Blitzableiter nach der Dynamo gehenden Drähte war ein Abschmelzdraht eingelegt und in den einen noch ein Ausschalter. Nach Schliessung des Stromkreises in diesem Ausschalter wurde die Elektrisirmaschine mit der Hand bis zur vollen Ladung gedreht und dann plötzlich die Metallkugeln am Blitzableiter an ihre Pole gelegt, um die Entladung herbeizuführen.

Waren die Spitzen des Blitzableiters nur 15 mm von einander entfernt, so schmolz der Wechselstrom von 1000 Volt beide Schmelzdrähte, noch bevor die Metallkugeln den Polen der Elektrisirmaschine nahe genug gebracht worden waren, dass eine sichtbare Entladung hätte eintreten können. Der Blitzableiter war nicht beschädigt, obwohl ersichtlich ein Lichtbogen zwischen seinen Kohlenspitzen sich gebildet hatte. Der Dynamostrom erforderte also bei dieser Entfernung der Spitzen nur eine ganz leichte statische Entladung, um übergehen zu können.

Bei derselben Spitzenentfernung konnte ein Dynamostrom von 150 Volt den regelmässigen statischen Entladungen nicht folgen. Bei Erhöhung auf 240 Volt folgte er und schmolz die Abschmelzdrähte.

Diese und die mit einem Stromumsetzer angestellten Versuche lassen es als nicht unmöglich erscheinen, den Zweck auf dem angedeuteten Wege zu erreichen. Die Spitzen wären durch Platten zu ersetzen und in ein nicht oxydirbares Gas einzuschliessen.

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