Titel: Chemische Zerlegbarkeit des Schwefels durch Elektrolyse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 4 (S. 47–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi02_4

Chemische Zerlegbarkeit des Schwefels durch Elektrolyse.

In der Sitzung vom 25. März 1892 der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin brachte Th. Gross eine vorläufige Mittheilung über die chemische Zerlegbarkeit des Schwefels durch Elektrolyse. Verf. erhitzte in einem Silbertiegel eine Mischung aus 1 Th. Bariumsulfat und 6 Th. Kaliumnitrat zur Rothgluth und leitete einen Strom von bestimmter Stärke hindurch, so, dass der Tiegel die Anode, ein 0,3 oder 0,9 mm starker Platindraht die Kathode bildete. Dieser erglühte, während seine übrigen Theile dunkel blieben, da, wo er in die schmelzende Masse eintauchte, weit lebhafter als die letztere und schmolz |48| allmählich ab, so dass, am den Strom nicht zu unterbrechen, neue Theile eingetaucht werden mussten. Bei beständiger Rothgluth wurde die Masse nach und nach fest; dieselbe konnte jedoch durch wiederholten Zusatz von Kaliumnitrat wieder verflüssigt werden.

Die erkaltete schwarze Schmelze wurde in einem Ueberschuss von Salzsäure theilweise gelöst. Der ungelöste Rückstand wurde mit Königswasser ausgekocht, wobei ein braunes Pulver hinterblieb, das erst mit Wasser, dann zur Entfernung des Chlorsilbers mit Ammoniak und darauf wieder mit Wasser ausgewaschen wurde. Die ammoniakalische Flüssigkeit war frei von Schwefelsäure. Die sauren und neutralen Lösungen (I) wurden mit Chlorbarium im Ueberschuss versetzt, wodurch allmählich ein in verdünnten Säuren unlöslicher Niederschlag (I1) entstand. Derselbe zeigte getrocknet und geglüht eine bräunlichgelbe Färbung, die durch Kochen mit Königswasser nicht verschwand.

Durch Reduction des bariumhaltigen in Königswasser unlöslichen Rückstandes (II) der Schmelze mit Zink und Salzsäure schied sich ohne Schwefelwasserstoffentwickelung Platin ab. Durch Schmelzen mit Alkalien und Behandeln der Schmelze mit Salzsäure war der Rückstand II, soweit er nicht aus Platin bestand, in Lösung zu bringen. In dieser brachte Bariumchlorid, im Ueberschuss zugesetzt, einen Niederschlag (II1) hervor, der ausgewaschen, getrocknet und geglüht dieselbe Beschaffenheit zeigte wie I1.

Ebenso ergab die Lösung der aufgeschlossenen Masse II mit Schwefelwasserstoff einen braunen Niederschlag II1, der sich in heissem Schwefelammonium nicht merklich löste und sich von den Elementen der Schwefelammoniumgruppe trennen liess. Dieser braune Niederschlag II2 stellte nach starkem Glühen an der Luft ein grauschwarzes, nicht glänzendes Pulver II2* dar, das sich auch durch starkes Glühen im Wasserstoffstrom nicht änderte und sich, mit Salpetersäure, Königswasser und Flussäure gekocht, nicht merklich löste.

Die quantitativ ausgeführten Versuche ergaben bei der Annahme, dass die Niederschläge I1 und II1 aus reinem Bariumsulfat bestanden, dass von dem Schwefel des angewendeten Bariumsulfats mehr als 50 Proc. verschwunden waren. Dafür war der eigenthümliche Körper II2* erhalten worden.

Zur Erklärung der angeführten Thatsachen nimmt Verf. an, dass der Schwefel eine Wasserstoffverbindung sei, welch letztere durch die Elektrolyse ihren Wasserstoff abgebe und dafür Platin und auch Barium einführe. (Nach Annalen der Physik und Chemie, 1892 N. F. Bd. 46 S. 171.)

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