Titel: Schädlichkeit des Sodastaubes und Ammoniakgases für die Vegetation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 5 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi08_5

Schädlichkeit des Sodastaubes und Ammoniakgases für die Vegetation.

Beim Pulverisiren der calcinirten Soda entsteht eine Menge Staub, welcher die Arbeiter sehr belästigt, so dass stark gelüftet werden muss. Sind zum Auffangen des Sodastaubes keine Vorrichtungen vorhanden, so gelangt derselbe zum grossen Theil ins Freie und übt hier auf die Pflanzenwelt eine schädliche Wirkung aus. Die Wirkung des Sodastaubes besteht zunächst in einer Störung der Blatthätigkeit, welche das Absterben des Blattes bedingt und somit die ganze Pflanze in ihrer Entwicklung hemmt. Bei längerer Einwirkung stirbt schliesslich die ganze Pflanze ab. Nach Römer, Haselhoff und König gelangt der Sodastaub durch die Blätter auch in das Innere der Pflanze durch den ganzen Organismus bis zur Wurzel und bewirkt hier eine Vermehrung des Natrongehaltes. Letzterer hat eine Vermehrung der Säure zur Folge; vorwiegend sind es Kiesel- und Schwefelsäure; welche mit dem Natrongehalt steigen; vielfach nimmt auch die Phosphorsäure und das Chlor zu. – Aeusserlich macht sich die Einwirkung des Sodastaubes auf die Pflanzen meist durch rostartige Flecken und Ränder der Blätter bemerkbar, sowie durch die gelbrothen Spitzen der Coniferennadeln.

Das Ammoniakgas wirkt, wenn es in etwa tausendfach grösserer Menge als normal in der Luft vorhanden ist, ebenfalls schädlich auf die Pflanzen ein. Die Wirkung des Ammoniaks scheint der der Soda ähnlich zu sein. Das eingedrungene Ammoniak neutralisirt die Säuren des Zellsaftes und macht letzteren stark alkalisch; ein Umstand, welcher eine Störung, d.h. Aufhebung der Protoplasmabewegung herbeiführt.

Die Athmung der Pflanzen wird durch das Ammoniak nicht beeinträchtigt. Weil aber die Farbenveränderungen, welche auf den Blättern durch die Einwirkung des Ammoniaks hervorgerufen werden, auf eine Umwandelung bezieh. Zerstörung des Chlorophylls hindeuten, so muss bei hinreichend starker und hinreichend langer Einwirkung des Ammoniaks, ebenso wie bei der Sodaeinwirkung, die Assimilation und Lebensthätigkeit der Blätter beeinträchtigt werden, so dass diese und zuletzt der ganze Pflanzen Organismus absterben. (Nach Landw. Jahrb., 1892 21 S. 407, durch Chemiker-Zeitung, Repertorium 1892 Bd. 16 S. 228.)

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