Titel: Das Rothwerden der Carbolsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 6 (S. 216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi09_6

Das Rothwerden der Carbolsäure.

Nach E. Fabini ist die Ursache des Rothwerdens der Carbolsäure ein rother Farbstoff1), Phenerythen, der sich bildet, wenn metalloxydhaltige Carbolsäure mit Ammoniak in Berührung kommt. Durch Reduction mit nascirendem Wasserstoff geht der Farbstoff in eine farblose Verbindung über.

Zu fast demselben Ergebniss kam auch W. Hankó.2) Nach ihm ist das Rothwerden der Carbolsäure ebenfalls ein Oxydationsprocess, der bedingt wird durch Metalle und Ammoniumverbindungen. Zinnchlorür verhindert die Rothfärbung. Wird geröthete Carbolsäure mit Zinnchlorür destillirt, so geht ein hellgrünes Destillat über, das durch abermalige Behandlung mit Zinnchlorür fast farblos erhalten werden kann.

Nach den Untersuchungen des Verf. bewirkt Kupfer eine gelbliche, Kupfer und Ammoniumverbindungen eine rothe, Ammoniak eine blaue Färbung. Alle diese Färbungen werden durch reducirende Stoffe, besonders durch Zinnchlorür, in eine grüne Färbung übergeführt, welche durch einige Tropfen concentrirter Schwefelsäure in ein schönes Smaragdgrün umgewandelt werden kann.

Die angenommene grüne Farbe ist unbeständig; Wasser, Alkohol, Luft, Wärme verwandeln sie wieder in Roth. Die drei verschiedenen Färbungen, gelb, roth und blau, rühren von drei verschiedenen Verbindungen her, welche sich als Oxydationsproducte dem jeweiligen Oxydationsgrade entsprechend aus der Carbolsäure bilden. Der Oxydationsprocess vollzieht sich sehr langsam. Durch Vergrösserung der Oberfläche, durch häufiges Schmelzen, sowie durch Zusatz von Metallsalzen kann die Carbolsäure schliesslich in einen dunkelrothen, dichten, zähen Körper übergeführt werden.

Der grösste Theil der Farbstoffsubstanz destillirt bei 180 bis 184° als farblose Flüssigkeit, welche schnell zu einer weissen krystallinischen Masse erstarrt, während der Farbstoff als wenige Tropfen einer dunkelrothen Flüssigkeit hinterbleibt.

Durch Ausschütteln der gelben, rothen oder blauen Carbolsäure mit alkoholhaltigem Wasser können die Farbstoffe als amorphe, klebrige, harzähnliche, entsprechend dunkelgefärbte Massen erhalten werden, welche durch Lösen in absolutem Alkohol und Eindampfen gereinigt werden können. Absoluter Alkohol, Chloroform und Carbolsäure lösen die Farbstoffe. Die Lösungen nehmen, mit Zinnchlorür geschüttelt, eine schöne grüne Farbe an. Verf. betrachtet die drei Farbstoffe als drei neue Phenolfarbstoffe. (Nach Zeitschrift für angewandte Chemie, 1892 S. 554.)

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Pharmaceutische Post, 1891 S. 2 und 903; vgl. auch D. p. J. 1892 284 192.

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Math. Nat. Ber. a. Ungarn.

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