Titel: Ursachen der Oxydation der Bleilettern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 7 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi10_7

Ursachen der Oxydation der Bleilettern.

Den Letternfabrikanten werden oft von Seiten der Käufer die erhaltenen Lettern zurückgestellt mit dem Bemerken, die Lettern seien oxydirt und zum Drucken untauglich. Man hat nun lange nach der Ursache dieser Oxydation geforscht, aber nur ermitteln können, dass der weissliche, auch grauschwarze Ueberflug der Lettern aus basischem Bleicarbonat bestehe. Auf Grund der Arbeiten zweier französischer Forscher Raphael Dubois1) und Calderon2) kam Dr. Moscheles zu der Anschauung, dass die fragliche Oxydation eine Folge der Lebensthätigkeit von Mikroorganismen sei. Die Versuche, welche Verf. anstellte, bestätigten seine Vermuthung. Wurden frische saubere Lettern monatelang in trockener oder feuchter Luft vor Staub geschützt aufbewahrt, so war keine Beschädigung wahrzunehmen. In gleicher Weise aufbewahrte, aber bereits angegriffene Lettern dagegen liessen ein Fortschreiten der Zerstörung erkennen. Sterilisirte man bereits angegriffene Lettern, so trat ein Stillstand der Oxydation ein. Brachte Verf. frische Lettern mit oxydirten zusammen, so zeigte sich immer nur an der Berührungsstelle die beginnende Oxydation, welche sich von da aus über die ganze Oberfläche ausbreitete.

Aus diesen Versuchen geht hervor, dass die Zerstörung der Bleilettern ohne Zweifel die Folge der Lebensthätigkeit von Mikroorganismen ist. Um die Lettern gegen diese Einwirkung der Mikroorganismen zu schützen, schlägt Verf. den Fabrikanten vor, ihre Lettern durch dreimaliges drei Stunden lang dauerndes Erhitzen auf 80° zu sterilisiren und in gut schliessenden Packeten in den Handel zu bringen. (Nach Chemiker-Zeitung, 1892 Bd. 16 S. 1394.)

Anknüpfend an diese Mittheilung von Moscheles bemerkt Benno Kohlmann, dass man in der Buchdruckerei unterscheide zwischen einer „weissen“ und einer „schwarzen“ Oxydation. Erstere sei völlig harmlos, da sie nur einen schwachen Anflug von Bleicarbonat auf den Lettern erzeuge, der sich leicht entfernen lasse und die Brauchbarkeit der Lettern keineswegs beeinträchtige. Bei der schwarzen Oxydation dagegen zeigten die Lettern an den Oberflächen harte und rauhe, oft warzenartige Erhöhungen von wesentlich dunklerer Farbe als die der Lettern. Diese Erhöhungen liessen sich weder durch mechanische noch durch chemische Mittel so entfernen, dass die Lettern zum Drucke brauchbar blieben.

Die Ursache dieser schwarzen Oxydation glaubt Verf. in einem Zinkgehalt der Lettern suchen zu sollen; eine Ansicht, die schon von Varrentrap ausgesprochen ist, aber bis jetzt nicht bewiesen werden konnte. Verf. konnte die geringe Menge der schwarzen Oxydationsschicht, die ihm zur Verfügung stand, nur qualitativ untersuchen und gibt als Hauptbestandtheile Antimon und Zink an nebst geringen Mengen Blei. Da in der Schriftgiesserei dem Letternmetall niemals Zink zugesetzt wird, so ist dasselbe als ein nicht hinein gehöriges Metall zu betrachten. Verf. sucht nun die schädliche Wirkung des Zinks in dessen grösserer Verwandtschaft zum Antimon. Man kann annehmen, dass in dem geschmolzenen, zinkhaltigen Letternmetall Zink und Antimon sich zunächst chemisch mit einander verbinden, sich der Legirung entziehen und als heterogener Körper in derselben verbleiben. Wenn man weiter berücksichtigt, dass der Ausdehnungscoefficient dieser Antimon-Zink-Verbindung ein anderer ist als derjenige der übrigen Metallmasse, so ist es wohl denkbar, dass bei eintretenden Temperaturveränderungen Verschiebungen in der Lagerung des Antimon-Zinks stattfinden, welche unter Umständen nach aussen als Formveränderungen der Oberfläche zu Tage treten können. (Nach Chemiker-Zeitung, 1892 Bd. 16 S. 1560.)

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Comptes rendus, 1890 111 S. 655.

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Chemiker Zeitung, 1891 Bd. 15 S. 1.

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