Titel: Oxychinaseptol (Diaphterin), ein neues Antisepticum.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1892, Band 286/Miszelle 5 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj286/mi286mi11_5

Oxychinaseptol (Diaphterin), ein neues Antisepticum.

Das von Lembach und Schleicher in Biebrich a. Rh. dargestellte und zum Patent angemeldete Oxychinaseptol wird von E. Merk in Darmstadt in den Handel gebracht.

Das Oxychinaseptol oder Diaphterin (wegen seiner vernichtenden Eigenschaft auf Bakterien) ist eine Verbindung von 1 Mol. Oxychinolin mit 1 Mol. phenolsulfonsaurem Oxychinolin und hat die Formel

HO – C9H6 – NH – O – SO2 – C6H4 – O – NH – C9H6 – OH

In reinem Zustand, aus Wasser krystallisirt, bildet das Oxychinaseptol bernsteingelbe, durchsichtige, dem hexagonalen System angehörige, sechseckige Säulen, welche, gepulvert, sich in fast jedem Verhältniss, zum mindesten aber in gleichen Theilen Wasser lösen. Es schmilzt bei 85° und ist bei 100° noch beständig. Bei der Destillation geht zwischen 180 und 220° vorherrschend Phenol über, dann bei 220 bis 250° ein Gemisch von Oxychinolin und Phenol und zuletzt bei 250 bis 269° vorwiegend Oxychinolin mit Spuren Phenol. Die wässerige Lösung des Körpers gibt mit Eisenchlorid eine blaugrüne Farbenreaction, die auf Zusatz von Salzsäure in Gelb umschlägt. Soda im Ueberschuss zu der wässerigen Lösung gesetzt, scheidet Oxychinolin ab, während das Phenol in der Lösung nachgewiesen werden kann. In verdünntem Alkohol ist Diaphterin ebenfalls löslich, dagegen sehr schwer in kaltem absoluten Alkohol.

Das Oxychinaseptol ist von Prof. Dr. Emmerich in München1) bakteriologisch und von Dr. Kronacher klinisch geprüft worden. Es ergab sich, dass das Oxychinaseptol an bakterienvernichtender Kraft den am stärksten wirkenden Antisepticis wie Phenol, Lysol, Kresol u.a. gleichkommt, ja manche derselben übertrifft. Ein kleiner Nachtheil haftet dem neuen Antisepticum insofern an, als nicht vernickelte Instrumente, welche damit in Berührung kommen, schwarz anlaufen. (Nach von E. Merk eingesandtem Abdruck.)

|264|

Münchener Medicinische Wochenschrift, 1892 Nr. 19.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: