Titel: Mastsignale mit beleuchteten Armen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287 (S. 135–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/ar287045

Mastsignale mit beleuchteten Armen.

Mit Abbildung.

In der Signalbauanstalt Switch und Signal Company of Pittsburg werden seit Jahren Eisenbahn-Mastsignale angefertigt, bei welchen die Signalflügel so beleuchtet sind, dass ihre Lage bei Dunkelheit ebenso sichtbar ist, wie bei Tag1), und dass sie also bei Tag wie bei Nacht die gleichen Signalzeichen darstellen. Solche Signale stehen auf den Westlichen Linien der Pittsburg-Railway durchwegs in Verwendung und haben, wie die Engineering News vom 5. Mai 1892 S. 461 mittheilen, in jüngster Zeit wieder Verbesserungen erfahren.

Das Wesentlichste der Anordnung dieser Signale lässt sich aus der bezüglichen Abbildung leicht und deutlich ersehen. An dem Maste m ist ein starker Bügel befestigt, der den Achsenzapfen trägt, auf welchem sich das Gussstück G drehen kann. Letzteres hat links einen kleinen Flügel q, der als Uebergewicht dient; nach vorn bildet G ein Zapfenlager und nach rückwärts und rechts eine schwanenhalsförmig gekrümmte Büchse, welche nach hinten und zur Seite offen ist. Die rückwärtige, mit einer Fenstertafel verglaste Oeffnung hat den Zweck, das Licht der genau gegenüber befindlichen, mit Linse und Scheinwerfer versehenen, auf einem besonderen, am Mäste befestigten Träger angebrachten Signallampe L in den Hohlraum von G, und zwar auf den Metallspiegel R einfallen zu lassen. An der rechten Seite des Gusstückes G wird der aus Holz oder Blech hergestellte hohle Signalarm A befestigt, welcher in der Form eines Keiles angeordnet ist, wie es der in der Figur dargestellte Grundriss des Signals veranschaulicht. Die Vorderwand des Signalarmes ist fast ihrer ganzen Länge nach mit einem Schlitze ss versehen; diesem Schlitze gegenüber befindet sich an der rückwärtigen Wand im Innern des Hohlraumes ein gewellter, vernickelter Blechstreifen R1, der als Reflector wirkt. Der Arm oder Flügel wird mit Hilfe eines Drahtzuges in der gewöhnlichen einfachsten Weise in seine verschiedenen Signallagen gebracht. Bei Tag erscheint das Signal wie jedes andere Flügelsignal, bei Nacht aber werden die sonst angewendeten farbigen Lichter durch den Schlitz ersetzt, der durch das von R und R1 reflectirte Licht der Signallampe hell leuchtend erscheint und sonach genau erkennen lässt, in welcher Signallage sich der Flügel befindet.

Textabbildung Bd. 287, S. 135
Eine Abart dieses Signals lässt übrigens nebst dem leuchtenden Streifen auch noch farbige Lichter anwenden. Es ist dann nur der Flügel q entsprechend grösser herzustellen und mit den nöthigen farbigen Glasbrillen zu versehen. Das zur Beleuchtung der Brillen erforderliche Licht wird aber mittels eines Lichtrohres und eines Metallspiegels wieder ganz leicht von der Lampe L gewonnen.

Es unterliegt selbstverständlich ebenso wenig einer Schwierigkeit, die Vorrichtung auch in jenen Fällen anzuwenden, wo das Mastsignal für zwei Zugsrichtungen zu gelten hat und daher zwei Flügel, einen rechts, den anderen links vom Mäste, haben muss; auch hier wird nur eine Signallaterne für die beiden Flügel hinreichen.

Die eingangs erwähnten Verbesserungen aus jüngster Zeit beschränken sich darauf, dass der Schlitz ss länger |136| und schmäler gemacht worden ist, als er bei den älteren Mustern und insbesondere bei den auf der Pittsburg-Railway verwendeten Signalen war; er wurde nämlich fast auf die ganze Länge des Signalflügels ausgedehnt und auf beiläufig 1¼ Zoll verengt. Als fernere Verbesserung gilt der Ersatz des gewöhnlichen Fensterglases, mit welchem der Schlitz verschlossen wurde, durch gemattetes Glas, wie es auf den europäisch-continentalen Bahnen für die Wechselsignalkörper häufig benutzt wird. Das letztgenannte Glas soll sich wesentlich günstiger erweisen als das durchsichtige Fensterglas, indem es den Lichtstreifen schärfer abgegrenzt erscheinen und das Signal überhaupt weitaus deutlicher sehen und früher erkennen lässt.

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Ganz ähnliche Signale wurden von R. Treutler in Hirschberg schon 1844 erfunden, die auf der ehemaligen Breslau-Freiburger Bahn, später auf der ganzen Niederschlesisch-Märkischen Bahn und auf der Niederschlesischen Zweigbahn Anwendung fanden. Auf der zuerstgenannten und auf der letztgenannten Bahn standen die gedachten Flügelsignale noch im J. 1867 in Gebrauch.

Der Apparat bestand aus einem optischen Flügeltelegraphen gewöhnlicher Form, vor dem auf- und abwärts der Bahn sich ein leichtes Gerüst befand, an dem stark leuchtende Lampen bis zur Höhe der Flügel aufgezogen werden konnten und ihr Licht auf diese warfen, die statt der gewöhnlichen Jalousiebleche mit schmalen Spiegelstreifen besetzt waren. Der Reflex der Lampe in jedem Streifen liess den ganzen Flügel, wie aus diffusem, hellem Licht bestehend, aus der Nacht deutlich hervortreten. (Vgl. Freiherr M. M. v. Weber: Das Telegraphen- und Signalwesen der Eisenbahnen, Weimar 1867, S. 87.)

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