Titel: Ueber Nähmaschinen zur beliebigen Herstellung von Steppstich oder Kettenstich.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1893, Band 287 (S. 153–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/ar287051

Ueber Nähmaschinen zur beliebigen Herstellung von Steppstich oder Kettenstich.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

Mit Abbildungen.

Die Versuche, die Steppstichnähmaschine derart einzurichten, dass dieselbe mit Leichtigkeit in eine Kettenstichnähmaschine umgewandelt werden kann, sind schon älteren Datums, haben jedoch bis in die neuere Zeit irgend |154| einen praktischen Erfolg nicht aufzuweisen gehabt. Die besonders in den letzten Jahren zu Tage getretenen Bestrebungen, die Nähmaschine zur Herstellung einer Anzahl verschiedener Sticharten geeignet zu machen, haben auch für die beiden Grundsysteme von Nähmaschinen eine Anzahl Lösungen aufzuweisen, welche in nachstehenden Zeilen unter gleichzeitiger Beachtung der schon in Vorschlag gebrachten Constructionen einer näheren Betrachtung unterzogen werden sollen.

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Je nach dem den einzelnen Ausführungen zu Grunde gelegten Systeme der Steppstichnähmaschine lassen sich die Maschinen zur beliebigen Erzeugung von Steppstich oder Kettenstich eintheilen in solche, welche aus der Schiffchenmaschine, und solche, welche aus der Greifermaschine hervorgegangen sind. Beachtet man ferner die bei den beiden letzteren in Anwendung gebrachten Stichbildungswerkzeuge, so lassen sich aus der ersten grossen Klasse wieder solche ausscheiden, welche mit einem geraden, und solche, welche mit einem Bogenlangschiffchen arbeiten, während die Doppelsteppstichgreifernähmaschinen mit Vorrichtung zur Herstellung von Kettenstich entweder mit ruhender oder bewegter Unterfadenspule arbeiten.

Die erste Lösung, eine mit geradem Langschiffchen arbeitende Doppelsteppstichnähmaschine derart einzurichten, dass sie leicht in eine Kettenstichnähmaschine umgewandelt werden kann, rührt, so weit zur Zeit nachweisbar, von Jeremiah Keith in Rhode-Island her und wurde im J. 1880 durch das D. R. P. Nr. 13658 und die amerikanischen Patente Nr. 233626 und 243710 geschützt. D. p. J. brachte 1881 251 242 eine Beschreibung dieser Erfindung, welche hier des Zusammenhanges halber im Auszug wiedergegeben werden soll.

Die mit geradem Langschiffchen arbeitende Doppelsteppstichnähmaschine ist eine Singermaschine bekannter Construction und behufs Umwandelung in eine Kettenstichnähmaschine mit einem häkelhakenartigen Greifer ausgestattet, der bei der Herstellung von Kettenstich mit einem Schleifenableger durch axiale Verschiebung die von der Nadel unter dem Stoff gebildeten Fadenschleifen erfasst, zur Seite zieht und jede ausgezogene Schleife auf die vor ihm neu gebildete abstreift. Damit ein regelrechtes Erfassen der Nadelfadenschleifen gesichert bleibt, wird nach Entfernung des Schiffchens die Nadel etwas tiefer gestellt oder es macht der Schleifenfänger nicht nur eine wagerecht hin und her gehende Bewegung, sondern auch eine Bewegung nach oben.

Edward Kohler in Russel Square (Grafschaft Middlesex, England) verwendet bei seiner durch das D. R. P. Kl. 52 Nr. 55018 vom 12. Juni 1890 geschützten Maschine zur beliebigen Herstellung von Steppstich oder Kettenstich bei Bildung des letzteren entgegen Keith das Gehäuse des hin und her laufenden Langschiffchens mit, indem er dasselbe die Nadelfadenschleifen erweitern lässt und letztere in diesem Zustand einem Greifer übergibt, der sie wieder der sich abwärts bewegenden Nadel darbietet. Das Ausziehen der Faden schleifen und Durchführen der neuen durch die alten mittels des Schleifenhalters abseits der Nadel fällt also weg.

Die Ausführung der Maschine als Steppstichnähmaschine bietet nichts Neues, gleicht vielmehr ebenso wie diejenige der vorbesprochenen einer Singermaschine. E ist der in Fig. 3 besonders dargestellte Schleifenhalter, der aus einer ebenen, an ihrem vorderen Ende mit einer Gabel E1 versehenen Platte besteht; die an ihrem einen Rande bogenförmig gestaltet ist, während ihr anderer Rand in eine seitlich gekrümmte Nase E2 ausläuft. An seinem hinteren Ende besitzt der Schleifenhalter eine Oeffnung E3, in welche ein Treibstift eintritt, der dem Halter eine hin und her gehende Bewegung ertheilt.

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Hervorgebracht wird diese Bewegung auf folgende Weise: Auf der lothrechten Welle C sitzt ein Excenter H, das sich in einem am Ende der Schubstange H1 befindlichen Ring dreht (Fig. 1 und 2). Stange H1 ist drehbar mit dem Arm H2 verbunden, der lose auf dem Zapfen J sitzt und zwei als Mitnehmer wirkende Ansätze oder Stifte e trägt. Auf demselben Zapfen J sitzt lose noch der Winkelhebel K, dessen längerer Schenkel am Ende den Stift f trägt. Letzterer tritt durch einen Schlitz in der Arbeitsplatte in den Ansatz E3 am Schleifenhalter E ein; am kurzen Schenkel des Winkelhebels K sitzen zwei den Ansätzen e auf H2 ähnliche Ansätze oder Stifte g. Auf dem längeren Winkelhebelschenkel sitzt ausserdem noch ein Ansatz oder Stift h. L ist ein aus dünnem Metallblech gebildeter Einleghebel, der ebenfalls lose auf den Zapfen J aufgeschoben und an seinem hinter letzterem liegenden Ende zu einer Nase oder einem Finger L1 ausgebildet ist. M ist ein mit Nuth versehener Stift, in welchen der Hebel L bei Ausserbetriebsetzung eingelegt wird.

In der dargestellten Lage der Theile greift der Einlegehebel L zwischen die Mitnehmer g und e ein und verbindet hierdurch die Theile K und H2 mit einander, wodurch |155| die Bewegung des Excenters auf den Winkelhebel K übertragen wird; wird jedoch der Einleghebel in die punktirt angegebene Stellung übergeführt, so schwingt Arm H2 allein ohne den Winkelhebel K und letzterer wird durch die gegen den Stift h sich anlegende Nase L1 in der punktirten Stellung gehalten.

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Durch die vorbeschriebene einfache Vorrichtung kann der Schleifenhalter leicht in oder ausser Arbeitsstellung gebracht werden, je nachdem man eine Kettenstich- oder Doppelsteppstichnaht herstellen will. An Stelle dieser Ausrückvorrichtung können nach Maassgabe eines anderen Maschinensystems auch andere Ausführungsformen treten.

Soll nun Kettenstich gebildet werden, so wird der Antriebsmechanismus für den Schleifenhalter in der aus Fig. 2 ersichtlichen Weise durch den Einleghebel L angeschlossen und die Garnrolle aus dem Schiffchengehäuse herausgenommen.

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Die zur Bildung des Kettenstichs nöthigen Vorgänge sind nun folgende: Nachdem die lothrecht bewegte Nadel ihre tiefste Stellung erreicht hat, zieht sie bei ihrem darauf folgenden Aufgange in gewöhnlicher Weise eine Schleife nach oben, in welche die Nase des sich vorschiebenden Schiffchengehäuses eintritt.

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Während des Durchganges des letzteren durch die Schleife wird der Schleifenhalter E nach vorwärts geschoben, wobei – von der Vorderseite der Maschine aus betrachtet – durch Feder E5 das vordere Ende von E nach rechts verschoben wird. Der Schleifenhalter E wird hierdurch in diagonaler |156| Richtung verschoben und bewegt sich auf die rechte Seite der Nadel, wobei die Gabel E1 in die durch Reibung an dem Schiffchengehäuse nach der einen Seite verschobene Schleife eintritt, was erfolgt, kurz ehe die Schleife an dem gewölbten Schiffchenende abrutscht (Fig. 3).

Während dieser Zeit reicht das Ende der Gabel E1 bis über die Schiffchenbahn, so dass die Schleife sich nicht von dem Schleifenhalter entfernen kann. Da nun während dessen die Nadel weiter nach oben gegangen ist und der Schleifenhalter weiter vorgeht, so zieht der Fadenaufnehmer beim Austritt des Schiffchens aus der Schleife den schlaff liegenden Faden nach. Sobald die Nadelspitze über das Arbeitsstück getreten ist, wird der Stoffschieber gehoben und beginnt den Stoff weiter zu schieben; bei weiterer Vorwärtsbewegung des Schleifenhalters trifft das Ende des vorstehenden geschweiften Randes E2 am Schleifenhalter gegen die abgeschrägte Anlage d am Stoffschieber an. Durch das nun folgende gemeinsame Vorwärtsschieben des Schleifenhalters und Stoffschiebers wird ersterer nach der Seite, d.h. nach links verschoben, wobei der Stoffschieber am inneren Rande des vorstehenden Hubtheiles E2 von E hinläuft. Wird der Schleifenhalter nach links verschoben, so nimmt er, auf der Gabel E1 hängend, die neu gebildete Schleife mit und legt die geöffnete Schleife direct in die Bahn der sich senkenden Nadel (Fig. 5).

Diese Seitwärtsbewegung des Schleifenhalters findet während des Hebens des Stoffschiebers statt, so dass der vorstehende Theil E2 des Schleifenhalters unter die Rippe c auf der Unterseite des Stoffschiebers treten kann. Nach erfolgtem Weiterverschieben des Stoffes senkt sich der Stoffschieber, während der Schleifenhalter in seiner vorgeschobenen Stellung sich befindet, und es tritt die Längsrippe am Stoffschieber auf der Innenseite der Nase E2 nach unten. Diese Stellung der Theile zeigt Fig. 4. Während des Rückganges des Schiffchens geht die Nadel nach unten und tritt, zwischen der Gabel des Schleifenhalters hindurchgehend, durch die offene Schleife, wobei der Schleifenhalter sich von der Schleife weg nach rückwärts zu verschieben beginnt, sobald die Nadel genügend weit sich gesenkt hat, so dass sie die Schleife auch festhält. Die Rückwärtsbewegung des Schleifenhalters erfolgt rechtwinklig zur Schiffchenbahn, da die gekrümmte Seite E2 des Schleifenhalters an der Aussenseite der Längsrippe c am Stoffrücker F entlang geht, der nunmehr in seine untere Stellung übergegangen ist. Hierdurch wirkt der Schleifenhalter so lange gegen die Feder, welche letzteren nach rechts zu verschieben versucht, bis das Ende E2 von der Rippe zurückgeschoben ist und der Schleifenhalter seine Rückwärtsbewegung vollendet hat, der durch den gekrümmten sich gegen die Schulter a anlegenden Rand E4 Führung erhält.

Aus diesem Vorgang geht hervor, dass sich der Schleifenhalter zunächst an der einen Seite der Nadel, nämlich an derjenigen, an welcher die Schleife gebildet wird, verschieben muss, so dass die Gabel in die Schleife eintreten und letztere bei ihrem Abrutschen vom Schiffchenhintertheil festhalten kann, worauf sich zweitens der Schleifenhalter nach der Seite bewegen muss, um die Schleife so zu legen, dass die Nadel bei ihrem nächsten Niedergang in dieselbe eintreten kann, indem sie zwischen der Gabel durch die durch diese offen gehaltene Schleife geht; drittens wird der Schleifenhalter aus der Schleife heraus in der Mittellinie seiner neuen Stellung zurückverschoben, während die Schleife von der Nadel gehalten, und die neue Schleife gebildet wird, um die Nase des Schiffchens aufzunehmen; und endlich kehrt der Schleifenhalter in seine Ausgangsstellung zurück, was erfolgt, ehe er behufs Aufnahme der neuen Schleife sich wieder verschiebt.

Soll Doppelsteppstich gebildet werden, so wird der Schleifenhalter in die aus Fig. 4 ersichtliche Stellung übergeführt, in welcher er dadurch festgehalten wird, dass der Einleghebel L in die in Fig. 2 punktirt angegebene Stellung gebracht wird. Hierdurch wird der Arm H2 frei und kann ausschwingen, ohne dass er seine Bewegung auf den Winkelhebel K überträgt.

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Nach erfolgtem Einsetzen der Fadenspule in das Schiffchen ist dann die Maschine von Doppelsteppstichnaht vorbereitet. Es ist also ersichtlich, dass, um die Doppelsteppstichmaschine in eine Kettenstichmaschine zu verwandeln, und umgekehrt, einzig und allein der Einleghebel L oder ein ähnlicher Theil verstellt zu werden braucht. Bei Verwendung der Maschine ist es nicht unbedingt nöthig, die Fadenspule aus dem Schiffchen zu entfernen, obgleich es immer vorzuziehen; beim Nichtherausnehmen muss jedoch das Garn dicht am Schiffchengehäuse abgeschnitten werden.

Fräulein Anna Siebert in Darmstadt lässt bei ihrer durch D. R. P. Kl. 52 Nr. 63970 vom 4. Juni 1891 geschützten Maschine für Steppstich und Kettenstich die Nadelfadenschleifen bei Bildung des letzteren nach Entfernung des ganzen Schiffchens, wie bei Keith, durch eine vom Schiffchentreiber bewegte Platte zur Seite biegen und in den Bereich eines Greifers bringen, welcher sie erweitert und der abwärts gehenden Nadel darbietet.

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Wie bereits bemerkt, wird bei Herstellung der Kettenstichnaht von einem Schiffchen vollständig abgesehen, dasselbe dient nur zur Herstellung einer Doppelsteppstichnaht. An dem Schiffchentreiber S ist ein durch die Feder e leicht gegen die Schiffchenbahn gedrückter Fadenleger K drehbar angebracht, durch welchen der bei jedem Stich in das Innere der Maschine gebrachte Faden b nach der Seite umgelegt und geschoben wird (Fig. 5). Hierdurch entsteht eine breite Schlinge in dem Faden.

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Es ist nun für das sichere Functioniren der einzelnen Mechanismen von grosser Wichtigkeit, dass diese Schlinge möglichst nahe an der Stichplatte A bereits eine hinreichende Breite besitzt. Um dies zu erreichen, ist das Stichloch unten nach der Seite, nach welcher der Faden b von dem Fadengeber K verschoben wird, erweitert (Fig. 5 und 8). Zur Erzielung einer Kettenstichnaht müsste jetzt der folgende Stich der Nadel durch die von dem Fadenleger K gebildete Schlinge hindurchgehen. Um die letztere nun so zu legen; dass dieser Vorgang sicher zur Durchführung kommt, ist unter der Stichplatte A eine Platte B angeordnet, welche mit ihrem einen Ende in dem Schlitz C geführt wird und mit dem anderen Ende mit einem um den Bolzen E drehbaren Hebel D verbunden ist. Der eine Arm des Hebels D ruht mit einer kleinen Reibungsrolle an der Curvenscheibe F und wird von dieser in Verbindung mit der Feder g bewegt. An der Platte B befindet sich seitwärts ein Greifer H (Fig. 17). Dieser erfasst bei jedem Stich die von dem Fadenleger K vorgebildete Schleife des Nadelfadens b und bringt sie in einem Bogen seitwärts um die Nadel herum hinter diese letztere. Ein an dem Greifer H befindlicher seitlich vorstehender kleiner Sporn verhindert hierbei das Abgleiten des Fadens b von dem Greifer H. Der Arbeitsvorgang ist am besten aus den Fig. 7, 10, 13 und 16 zu ersehen, von welchen die Fig. 7 den Greifer H darstellt, wie er vor der Fadenschlinge steht, die Fig. 10, wie er dieselbe erfasst und in Folge der Führung c seitwärts um die Nadel herumführt, die Fig. 13, wie sich der Greifer H mit der Fadenschlinge hinter der Nadel befindet, und Fig. 16, wie der zu nähende Stoff um eine Stichlänge durch den Stoffschieber vorgeschoben ist, und wie die Fadenschlinge zum Durchgang der Nadel bereit liegt. Nachdem der letztere stattgefunden und der aufs Neue ins Innere der Maschine gebrachte Faden von dem Fadenleger K wieder erfasst ist, wird die alte Schlinge losgelassen, indem der Greifer sich zurückbewegt und bei seinem jetzt folgenden Vorwärtsgange wird die nun gebildete Schlinge erfasst. Derselbe Vorgang wiederholt sich jetzt in ganz derselben Weise und man erhält so beim Weiternähen eine Kettenstichnaht. Als Ersatz für Fadenleger K kann auch eine Platte, welche in dem Schiffchentreiber S an Stelle des Schiffchens befestigt oder ähnlich wie ein Schiffchen lose eingelegt wird, dem Zweck der Umlegung der Fadenschlinge dienen. Die Spitze des Greifers H ist ein wenig nach unten gekrümmt und läuft in der Aussparung L der Maschinendecke.

Wird der Fadenleger K zurückgeklappt und der Hebel D durch die Arretirung Q (Fig. 17) von der Curvenscheibe F abgezogen, so ist der Kettenstichapparat ausser Thätigkeit und die Maschine wieder zum Nähen von Doppelsteppstich geeignet.

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Aus der Gattung derjenigen Nähmaschinen für Steppstich und Kettenstich, welche bei Herstellung der Zweifadennaht mit einem Bogenlangschiffchen arbeiten, ist zunächst einer Maschine von John Miller Fair in Buffalo, New York, Nordamerika, Erwähnung zu thun, welche Gegenstand des englischen Patents Nr. 848 aus dem Jahre 1881 ist. Diese Maschine ist zwecks Bildung des Kettenstichs mit einem Greifer ausgestattet, der von dem in wagerechter Ebene schwingenden Schiffchentreiber ebenfalls in wagerechter Ebene in Schwingung versetzt wird, sobald eine einfache Einstellvorrichtung ihm dies ermöglicht. Die besondere Ausführung der Maschine, welche fernerhin noch mit geeigneten Antriebvorrichtungen für den Fadenspanner, die Nadelstange, den Stoffschieber u.s.w. ausgestattet ist, ergibt sich aus den Fig. 18 bis 37 und ist folgende:

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Der Antrieb der Maschine erfolgt durch die Schnurscheibe b1, welche lose drehbar auf der Nabe b des auf der Welle a befestigten Schwungrades B sitzt und eine Drehung der Welle veranlasst, sobald durch Anziehen des Schraubknopfes b3 die beiden in der Schwungradnabe angeordneten Stifte b5 gegen die Nabe der genannten Schnurscheibe gepresst werden. Durch diese Drehung der Welle a |158| werden einerseits die Stichbildungswerkzeuge und andererseits Stoffschieber, sowie Fadenspannvorrichtung in Thätigkeit gesetzt. Zum Zwecke der auf und abwärts gehenden Bewegung der Nadelstange a1 (Fig. 18 und 21) ist die Welle a an ihrem Kopfende mit einer Kurbelscheibe R ausgestattet, auf der ein Kurbelzapfen r sitzt, welcher bei Drehung der Scheibe R mittels eines Prismas in der wagerecht verlaufenden schlitzartigen Aussparung r3 eines in den Führungen r2 gehaltenen Schieberstücks r1 gleitet und das letztere dabei gleichzeitig hebt und senkt. Ausserhalb des Schieberstückes sitzt auf dem Zapfen r ein Lenker r4, der wieder durch einen Lenker r5 mit der Nadelstange a1 in Verbindung gebracht ist, dabei aber gleichzeitig mit einer schlitzartigen Aussparung den Vierkantbolzen r6 umfasst, welcher auf dem Schieber r in dessen Mittellinie sich befindet. Durch diesen besonderen Antrieb der Nadelstange wird erzielt, dass dieselbe sich zunächst ein wenig hebt und dann abwärts steigt, bevor ihr eigentlicher Aufwärtsgang beginnt. Je nach dem Abstand, welchen man dem Bolzen r von r6 gibt, wird dabei der Weg, welchen die Nadel vom Ende ihres Abwärtsganges bis zum Anfang ihres Aufwärtsganges zurücklegt, vergrössert oder verkleinert und demgemäss auch die von der Nadel gebildete Fadenschleife eine andere.

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Der Antrieb des Schiffchens für den Steppstich bezieh. Greifers für den Kettenstich erfolgt von der Welle a aus durch Vermittelung des auf derselben vorgesehenen Excenters c2, welches seine Drehbewegung durch die Gabel c4c5 auf die lothrecht stehende Welle C überträgt, die mittels der Lenker c1k3 mit dem Treiberarm k2 in Verbindung steht. Der letztere sitzt fest auf dem in der Nabe h1 des Gehäuses H gelagerten Zapfen k1, der wieder den Schiffchentreiber und Greifer in Thätigkeit setzt, je nachdem dies eine besondere Einstellvorrichtung bestimmt. Die letztere besteht aus einer Scheibe h, welche drehbar auf dem Boden des Gehäuses H um dessen Nabe h1 angeordnet ist und mittels eines Schraubbolzens h2 gehalten wird, der in einem im Boden des Gehäuses H vorgesehenen Schlitz h3 gleitet, sobald die Scheibe h am Piston h4 um die Achse h1 gedreht wird. Je nach den beiden Endstellungen, welche die Scheibe hierbei einnehmen kann und welche der Piston durch Einfallen in die Bohrungen h5h6 des Gehäusebodens H sichert, wird der Schiffchentreiber das Schiffchen oder den Greifer bethätigen und zwar in folgender Weise: Der für die Bildung des Kettenstichs vorgesehene Greifer oder Schleifenfänger i sitzt am Ende einer Platte J, welche drehbar auf einem Bolzen i1 der Platte h angeordnet ist, zudem eine schlitzartige Aussparung i2 hat, mit der sie die Nabe h1 des Gehäuses H umfasst und auf ihrer Oberfläche einen Bolzen i3 trägt, der in der auf der unteren Seite der Platte h vorgesehenen Curvenbahn gleiten kann. Die Platte k sitzt fest auf dem in schwingende Bewegung versetzten Bolzen k1 und bringt somit, da sie gleichzeitig den Schiffchenträger K enthält, diesen und mit ihm das |159| Schiffchen S (Fig. 25) in hin und her gehende Bewegung, es entsteht also Steppstich. Der Piston h4 sitzt dabei in der Bohrung h6 und es hat die Bewegung der Platte k einen Einfluss auf den Greifer nicht, weil in Folge der durch h4 bestimmten Stellung der Platte h, also auch J, der auf letzterer sitzende Stift i3 vollständig ausserhalb der Curvenbahn k4k5 des Treibers gleitet.

Löst man aber den federnden Bolzen h4 aus der Bohrung h6 und bringt ihn durch Drehung der Platte h in die Bohrung h5, so wird der Stift i3 der Platte J mit dem Greifer i von der Gangbahn k4k5 gefasst und dies hat zur Folge, dass bei einer Schwingung der Platte k auch der Greifer i eine Schwingung um seinen Drehzapfen i1 ausführt (Fig. 23 bezieh. 24), also die von der Nadel gebotenen Fadenschleifen erfasst und Kettenstich bildet. Der Theil k4 der Curvenbahn auf der Unterseite von k ermöglicht hierbei, dass in Folge Gleitens des Stiftes i3 in demselben der Greifer zunächst stehen bleibt und dann, sobald der Stift in die Bahn k5 übertritt, erst seine Bewegung ausführt, also nicht auf dem ganzen Weg, den der Treiber k zurückgelegt.

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Die Nadel geht in dem Kanal l abwärts, welcher von einer senkrecht zu ihm verlaufenden Curvenbahn geschnitten wird, in der der Greifer i läuft und welche in der Nähe des Stichloches mit einem Fadenfänger von solcher Gestalt ausgestattet ist, dass sich die vom Greifer i ausgezogene Fadenschleife bei dessen Rückgang fängt und der abwärts gehenden Nadel dargeboten wird. Damit die hierdurch sich erforderlich machenden Aussparungen l2 am Nadelkanal bei Verwendung des Schiffchens S keine Störung verursachen, ist auf einem federnden Bügel l5 am Schiffchengehäuse ein Füllstück l4 vorgesehen, welches bei der Ueberführung der Platte h in die für die Steppstichbildung erforderliche Stellung (Fig. 25) durch Vermittelung des Schlitzes l7 und Bolzens l6 in eine solche Lage gebracht, dass die Schiffchenbahn eine Unterbrechung, wie sie bei Bildung des Kettenstichs vorhanden ist, nicht mehr aufweist.

Das in den Schiffchentreiber K einzulegende Schiffchen S (Fig. 28 bis 30) enthält die auf einem Dorn drehbar sitzende Fadenspule s und ist zum Zwecke des Auswechselns derselben mit einem Deckel s1 versehen, auf dessen Innenseite die Fadenspannung s2 s3 s5 angebracht ist, welche der Unterfaden vor seinem Austritt durch s4 (Fig. 25) passirt.

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Der bei Bildung des Steppstichs als auch Kettenstichs zur Verwendung kommende Nadelfaden läuft von der Fadenspule m3 (Fig. 18 und 22) ab, welche auf der auf dem Arm A1 angebrachten Scheibe m1 ruht und ihre Führung durch einen auf letzterer sitzenden Stift m erhält, der mit einer Scheibe m2 ausgestattet ist, welche mit ihrem kegelförmigen unteren Fortsatz in die Fadenspule fasst und sie gegen ein Abheben nach oben, sowie eine Drehung schützt. Von der Spule gelangt der Faden durch eine auf der Platte m1 sitzende Führung m4 nach der Fadenspannung N (Fig. 18 und 31), welche aus einer drehbaren Spannscheibe besteht, die von der Hauptwelle a aus mittels einer unrunden Scheibe n5 und des Federbolzens n n1 n2 n3 n4 eine der Stichbildung entsprechende veränderliche Bremsung erfährt. Vor seinem Eintritt in die Nadelstange passirt der Faden noch eine Hilfsspannung O und nach dem Durchgang durch die Nadelstange eine zweite Hilfsspannung p. Die erste besteht aus einem gewölbten Sattel, der mit einem V-förmigen Ausschnitt auf seiner Oberfläche versehen ist und derart wirkt, dass der Faden sich bei senkender Nadel in der Führung O festklemmt. Die Hilfsspannung p wird aus einer sich gegen die Kopfwand der Maschine anlegenden Scheibe p (Fig. 36) gebildet, welche mittels einer Curvenbahn p4, eines Winkelhebels p3 und eines Pistons periodisch freigegeben oder von dem Piston allein gebremst wird, also dem Faden wechselweise eine Spannung ertheilt oder ihn ohne solche laufen lässt, bei steigender Nadelstange dagegen ausgehoben wird.

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Die Stoffverschiebung bewirkt bei vorliegender Maschine ein Stoffschieber G in Verbindung mit dem Drückerfuss q. Der letztere sitzt an der in dem Maschinenkopf geführten Drückerstange q1 (Fig. 32 und 33), welche von der Spiralfeder q2 nach abwärts gepresst wird, deren jeweilige Spannung durch die Sperrung q3 q5 q6 geregelt werden kann.

Der Stoffschieber G empfängt seine Bewegung von der Hauptwelle a aus unter Vermittelung des Excenters d1 und doppelarmigen Hebels dD, welcher letztere wieder durch einen Lenker d2 mit Hilfe des diesem als Führung dienenden Armes f2 die Welle F in Schwingung versetzt, die dann dem geeignet gelagerten Stoffschieber G eine |160| Viereckbewegung ertheilt. Je nachdem man mit der Stellschraube f5 f6 f7 (Fig. 34 und 35) den Lenker d2 auf dem Arm f2 durch die Schraube f3 f4 hebt oder senkt, wird die Wirkung des Hebels D auf den Stoffschieber sich ändern, d.h. es wird die Schwingungsweite der Welle F, also auch des Stoffschiebers, eine kleinere oder grössere werden.

Etwaige Hilfsapparate werden an dem Kopf der Maschine mittels des abnehmbaren Winkels t t1 T t2 t3t 4 t5 t6 angesetzt, der, wie Fig. 18 und 36 erkennen lassen, eine Einstellung derselben in jeder Lage ermöglicht.

Textabbildung Bd. 287, S. 160
Während bei der Maschine von Fair sowohl das Schiffchen als auch der Greifer in wagerechter Ebene laufen, hat der bereits erwähnte Jeremiah Keith bei seiner durch die amerikanische Patentbeschreibung Nr. 273854 bekannt gewordenen Maschine für Steppstich und Kettenstich die Stichbildungswerkzeuge derart untergebracht, dass sich das Schiffchen in wagerechter Ebene, der Greifer dagegen in senkrechter Ebene bewegt. Das Schiffchen, ein einfaches Bogenlangschiffchen E (Fig. 38), liegt in dem Schiffchenkorb E1, welcher durch Treiberstange E2 in der Bahn C hin und her bewegt wird und in Folge dessen mit der Nadel b den Steppstich in bekannter Weise bildet. Der für den Kettenstich vorgesehene Greifer F sitzt lose drehbar mittels einer Buchse auf einem am Maschinenbett unterhalb der Schiffchenbahn vorgesehenen Bolzen und empfängt seine Schwingbewegung von der Stoffschieberwelle D (Fig. 39) aus mittels eines Lenkers lh1. Der letztere ist zu diesem Zweck mit einer Kuppelungsscheibe ausgestattet, welche mittels eines Winkelhebels G derart verschoben werden kann, dass sie entweder mit der Stoffschieber welle gekuppelt oder von derselben frei gemacht wird. Das letztere erfolgt, sobald das Schiffchen in seinen Korb eingelegt, also Steppstich genäht werden soll, das erstere dagegen, sobald das Schiffchen entfernt, also Kettenstich gewünscht wird. Die Welle D setzt dann den Greifer F derart in Schwingung, dass er bei seinem Vorwärtsgang durch die Nadelfadenschleife geht und sie bei dem nun folgenden Rückgang fängt und auszieht, um das Spiel auf Neue zu beginnen. Damit die auf dem Greifer hängende Fadenschleife beim Durchziehen einer neuen Nadelschleife durch dieselbe nicht aufs Neue gefangen wird, ist parallel neben dem Greifer F ein Schleifenabwerfer f vorgesehen, der beim Rückgang des ersteren zunächst stehen bleibt und erst später an der Schwingung theilnimmt, was zur Folge hat, dass der Haken des Greifers F durch den Abwerfer f geschlossen wird und der auf ihm hängenden alten Nadelfadenschleife den freien Abgang auf die neu gebildete ermöglicht, sobald ein Schleifenhalter H dies gestattet. –

Aus der Klasse derjenigen Nähmaschinen für Steppstich und Kettenstich, welche aus der Doppelsteppstichgreifernähmaschine hervorgegangen sind, ist nach der eingangs dieser Abhandlung gegebenen Gliederung zunächst derjenigen zu gedenken, welche mit einem um ein ruhendes Spulengehäuse sich bewegenden Greifer ausgestattet sind. Der grössere Theil der hier in Betracht kommenden Constructionen beruht auf Verwendung einer Doppelsteppstichgreifernähmaschine mit frei laufendem, also gewöhnlichem Greifer, und nur ein kleiner Theil ist aus der Ringgreifermaschine hervorgegangen.

(Schluss folgt.)

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