Titel: Neuerungen in der Gasindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287 (S. 187–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/ar287061

Neuerungen in der Glasindustrie.

Ueber Mischgas von H. Trillich.

Nach F. Fischer's Angaben1) beträgt an den Apparaten für die Herstellung von Mischgas (Dowson-Gas)2) der Wärmeverlust etwa 9,3 Proc. und lässt sich derselbe verringern, indem man den Eisenmantel des Generators mit Wärmeschutzmittel bekleidet, besonders aber die Deckel nicht, wie es jetzt geschieht, mit Wasser bedeckt.

An zwei Generatoren grösster Dimension mit Deckeln ohne Wasserkühlung beobachtete Verfasser folgende Uebelstände: Wenn die Generatoren hoch gefüllt wurden, was bei starkem, andauerndem Gasverbrauch unvermeidlich ist, kamen die Deckel ins Glühen. Das Wiedererkalten bei Nacht, endlich die Stösse beim Einfüllen bewirkten sehr bald Risse und Sprünge, insbesondere an dem Trichteraufsatze, so dass nach dreimonatlichem Betriebe die Deckel völlig unbrauchbar waren und massenhaft Gas durch dieselben verloren ging. Die Erneuerung kostete 260 M., der neue Deckel wurde aber bald wieder undicht. Der auf den Deckel fallende Staub und Kohletheilchen unterliegen einer trockenen Destillation, deren hustenreizende Dämpfe von den Heizern sehr unangenehm empfunden werden.

Verfasser liess nun neue Deckel mit Wasserspülung anfertigen und leitet das etwa 40° warme Wasser in die Vorlagen. Die beiden Deckel sind nun seit 1½ Jahren ohne Reparatur und ohne Anstände im Gebrauche. (Zeitschrift für angewandte Chemie, 1892 S. 455.)

Ueber Mischgas von F. Fischer.

Auf vorstehenden Aufsatz von H. Trillich bemerkt Verfasser, dass er bei der untersuchten Anlage fand:

Gas, Brennwerth 82,8 Proc.
Gas, Eigenwärme 7,7
Verlust durch Leitung und Strahlung 9,5

Diese 9,5 Proc. Verlust beziehen sich selbstverständlich nicht nur auf den Deckel, sondern auf den ganzen Vergaser; selbstverständlich kann dieser Verlust bei anderen Apparaten auch geringer sein als bei dem untersuchten.

Wünschenswerth bleibt es besonders für grössere Apparate, die Wärme des Deckels und der abziehenden Gase |188| zur Vorwärmung des einzublasenden Luftdampfgemisches zu verwerthen, nicht nur der dadurch unmittelbar gewonnenen 12 bis 15 Proc. Wärme, sondern besonders des günstigen Einflusses wegen, welchen die Einführung heisser Luft auf die Vergasung hat. Wenn man Gasabzugsrohr und Deckel ummantelt und durch den Zwischenraum die Vergasungsluft presst, so wird auch dadurch der Deckel abgekühlt und die Erhitzung des aufliegenden Staubes vermieden werden können, wenn der Vergaser genügend hoch ist. (Zeitschrift für angewandte Chemie, 1892 S. 455.)

Gesichtspunkte, die zur Abwendung gesundheitsschädlicher Wirkungen des Wasser- und Halbwassergases zu beobachten sind.

(Erlass der königl. preussischen Ministerien für Handel und Gewerbe und der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten.)

Wassergas und Halbwassergas (Misch-, Dowson-, Wilson-, Motor-, Generator-Wassergas) wirken bei Geruchlosigkeit wegen ihres hohen Kohlenoxydgasgehaltes von 35 bis 42 und bezieh. 21 bis 27 Vol.-Proc. gesundheitschädlich. Die Schädlichkeitsgrenze wird auf etwa 0,3 Th. Kohlenoxydgas in 1000 Th. Luft angegeben.

Im Gemisch mit gewissen Mengen Luft sind die Gase auch explosiv.

Als Sicherheitsmaassregeln zur thunlichsten Verhütung von Gefahren sind nachstehende zu empfehlen.

  • 1) Die Vorrichtungen zur Darstellung und Reinigung der Gase sind in reichlich gelüfteten Räumen, am sichersten in seitlich offenen Schuppen aufzustellen, in denen sich die Arbeiter nicht länger, als zur Bedienung der Vorrichtungen erforderlich ist, aufhalten dürfen. Keinesfalls dürfen darin die Arbeiter ihre Mahlzeiten einnehmen. Ein Zusammenhang jener Räume mit Wohnräumen ist nicht zulässig.
  • 2) Die Füllöffnungen der Gasgeneratoren sind mit doppeltem Verschluss zu versehen.
  • 3) Auf die Herstellung gasdichter Leitungsröhren und auf deren Erhaltung in diesem Zustande ist die grösste Sorgfalt zu verwenden. Dieselben sind auf 1 bis 1½ at Ueberdruck zu prüfen. Soweit möglich, ist zu verhüten,
    • dass die Hauptleitungen innerhalb, unter oder nahe bei geschlossenen, zum Aufenthalt von Menschen dienenden Räumen zu liegen kommen.
  • 4) Unterirdische Röhren sind so tief zu legen, dass der Frost eine Einwirkung darauf nicht ausüben kann.
  • 5) Zur zeitweiligen Prüfung der Röhrenleitung auf ihre Dichtigkeit können dienen:
    • a) für Hausleitungen der neben dem Gasmesser anzubringende Muchall'sche Gascontroleur;
    • b) für andere zugängige Leitungen das Bestreichen derselben mit Seifenlösung und die Beobachtung, ob sich in dieser Lösung Gasblasen bilden;
    • c) für nicht zugängige, unterirdische längere Leitungen:
      • α) die Controle mittels des Manometers bei den am Anfange und am Ende geschlossenen Leitungen, und zwar nach der Richtung, ob der Gasdruck längere Zeit sich gleich bleibt;
      • β) die Anbringung von senkrechten Röhrchen in gewissen Entfernungen im Erdboden. Diese Röhren müssen bis auf die Verbindungstellen der Hauptröhren hinabreichen, mit ihrem oberen Ende in einem ausgehöhlten Holzklotze befestigt und mit einem Stöpsel verschlossen sein. Die im Niveau des Strassenpflasters, der Fabriksohle u. dgl. liegende obere Kante des Holzklotzes ist mit einem eisernen Deckel zu versehen, nach dessen und des Stöpsels Entfernung beobachtet werden kann, ob Gas austritt, welches durch Schwärzung von Palladiumpapier oder, wenn dem Gase Riechstoffe zugesetzt waren, durch den Geruch sich zu erkennen gibt.
  • 6) Es zu verhüten, dass die Verbrennungsproducte der Gase, die noch Kohlenoxydgas enthalten können, sich der zum Athmen bestimmten Luft in Wohn- und Fabrikräumen beimischen. Darum sind letztere stets ausgiebig zu lüften.
  • 7) Mit den Gasen gespeiste Kraftmaschinen dürfen nur in gut gelüfteten Räumen, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen nicht bestimmt sind, aufgestellt werden.
  • 8) Kleinere Gasbehälter für Einzelbetrieb sind ausserhalb des Gaserzeugungsraumes an einem reichlich gelüfteten Orte, am besten im Freien aufzustellen. Grössere Gasbehälter können im Freien oder in besonderen Gebäuden, die nicht zugleich anderen Zwecken dienen, untergebracht werden. Stehen sie im Freien, so ist ihre Entfernung von benachbarten Gebäuden derartig zu bemessen, dass sie möglichst geschützt sind, und dass sie von herabstürzenden brennenden Stoffen nicht getroffen werden können. Auch muss rings um den Behälter noch ein zur Aufstellung und Handhabung von fahrbaren Löschgeräthschaften genügender Raum bleiben, Gasbehältergebäude sind in ihrem oberen Theile mit Lüftungsvorrichtungen, die von aussen gehandhabt werden können, zu versehen und dürfen nur mit zuverlässigen Sicherheitslampen betreten werden.

Anmerkungen. 1) Der Muchall'sche Controlapparat besteht aus einem theilweise mit Wasser gefüllten, neben dem Gasmesser anzubringenden verschlossenen Glaskölbchen. In die Wasserfüllung ist ein vor dem Haupthahne mit der Leitung verbundenes Röhrchen eingesenkt. Ein anderes Röhrchen ist hinter dem Haupthahne mit der Hausleitung verbunden und reicht in den wasserfreien Theil des erwähnten Glaskölbchens. Entweicht nach dem Schliessen des Haupthahnes in Folge von Röhrenundichtigkeit Gas aus der Hausleitung, so tritt wegen der alsdann stattfindenden Druckverminderung Gas durch das eingesenkte Röhrchen vor dem Haupthahne in das Kölbchen, und Blasen steigen in dem Wasser auf.

Der Muchall'sche Apparat ist unter anderem von der Firma S. Elster in Berlin (N. O. Neue Königstrasse Nr. 68) und Mainz (Rheinallee), sowie von der Firma Schmitz und Morf in Zürich zu beziehen.

2) Es ist empfohlen worden, die Gase an ihrem Darstellungsorte und bei längeren Röhrenleitungen auch an ihrem Verbrauchsorte durch Beimischung eines Riechstoffes bemerklich zu machen. Für diesen Zweck ist mehrfach eine 5- bis 10procentige weingeistige Lösung von Mercaptan, durch welche das Gas am besten in einem Glasgefässe geleitet wird, in Anwendung gebracht; jedoch ist das Mercaptan wegen seiner Oxydirbarkeit im Erdreiche und wegen seiner Verdichtbarkeit in feuchtwandigen Röhren nicht immer bewährt gefunden worden. Nach Lange muss dem Wassergase wegen seines hohen Kohlenoxydgasgehaltes ein mindestens fünfmal so starker Geruch bleibend anhaften, als dem gewöhnlichen Steinkohlengas, welches, stark und eigentümlich riechend, nur 4 bis 10 Vol.-Proc. Kohlenoxydgas enthält. Das Mercaptan gibt bei der vollständigen Verbrennung keinen üblen Geruch, stinkt aber, wenn es sich der Verbrennung entzieht, ungemein, und kann dadurch erheblich belästigen.

3) Das zur Erkennung von Kohlenoxydgas dienende Palladiumpapier lässt sich dadurch herstellen, dass man dünne Streifen von feinem Filtrirpapier durch eine neutrale Lösung von 0,2 g Palladiumchlorür in 100 cc Wasser zieht und die Lösung in stets feucht gehaltenem Zustande zur Anwendung bringt. Palladiumchlorür-Papier enthaltende passend geformte Glasröhrchen, welche innerhalb der Fabrikräume aufgehängt und in die unter Nr. 5 c β erwähnten Röhrchen unter dem Strassenpflaster eingeführt werden können, fertigt der Chemiker Leybold in der Fabrik der Frankfurter Gasgesellschaft zu Frankfurt a. M. an; auch sind solche Glasröhrchen von der erwähnten Firma Elster zu beziehen.

Bei Anwesenheit von Kohlenoxydgas färbt sich das Palladiumpapier durch Reduction von Palladium je nach der Gasmenge braun oder schwarz. Nach Fodor erzeugen 1,5 Th. Kohlenoxydgas in 1000 Th. Luft auf dem Papier nach einigen Minuten ein schwarzes glänzendes Häutchen; 0,1 Th. nach 2 bis 4 Stunden und 0,05 Th. nach 12 bis 24 Stunden.

Ueber Rückverwandlung von Wärme in haltbare chemische Energie durch Erzeugung von Wassergeneratorgas und von Kohlendioxydgeneratorgas von A. Naumann.

Für die Umwandlung von Kohle in Heizgas sind hauptsächlich drei Wege gangbar: die Leuchtgasbereitung durch trockene Destillation der Steinkohle; die Wassergasbereitung durch Einwirkung von Wasser auf erhitzte Kohle; die Generatorgasbereitung durch Verwandlung von überschüssiger Kohle durch Luft in Kohlenoxyd. – Die Leuchtgasbereitung überträgt nur einen kleinen Bruchtheil des Wärmevorraths der Steinkohle auf den gasförmigen Brennstoff. Die Wassergasbildung ist endothermisch, sie erfordert |189| Zufuhr von Wärme gemäss der thermochemischen Umsetzungsgleichung:

H2O (flüssig) + C = H2 + CO . . – 38770 Cal.

Es erscheint deshalb nur eine Bereitung in grossem Maassstabe vortheilhaft. Die Generatorgasbildung ist exothermisch, sie macht Wärme frei:

Durch diese eigene Bildungswärme würde das Generatorgas eine Temperaturerhöhung von 2169° erfahren. Tritt dieses heisse Generatorgas sogleich in den Verbrennungsraum, so wird seine Bildungswärme von 29690 Cal. mit ausgenützt. Wird es aber für spätere Verwendung aufgespeichert, so geht durch Abkühlung auf gewöhnliche Temperatur von 15° die Bildungswärme verloren und es verbleibt nur die Verbrennungswärme von 1 Mol. Kohlenoxyd mit 67960 Cal. Der Verlust beträgt also in diesem Falle von den 97650 Cal. Verbrennungswärme des zur Erzeugung des Generatorgases verbrauchten Kohlenstoffes 30,4 Proc.

Die hier in Form von höherer Temperatur des Generatorgases auftretende Wärmemenge kann man auf zwei Arten in bleibende chemische Energie umsetzen: Entweder man leitet in den Generator mit der Luft so viel Wasser, wie auf Kosten der Generatorgasbildungswärme von + 29690 Cal. durch Kohle reducirt werden kann, unter Bildung von Wasserstoff und Kohlenoxyd, welche sich dem gleichzeitig entstandenen Generatorgas beimengen. Dadurch wird ein Heizgas erzeugt, welches Wassergeneratorgas genannt wird. Oder man leitet mit der Luft in den Generator so viel Kohlensäure, wie auf Kosten der Generatorgasbildungswärme von + 29690 Cal. durch Kohle reducirt werden kann, unter Bildung von Kohlenoxyd, welches sich dann dem erzeugten Generatorgas beimengt. Das entstandene Heizgas nennt Verfasser Kohlendioxydgeneratorgas.

Die Zusammensetzung des Wassergeneratorgases aus flüssigem Wasser von 15° und aus gasförmigem Wasser von 15° berechnet sich aus den folgenden Umsetzungsgleichungen 1) und 2) bezieh. 1) und 3), diejenige des Kohlendioxydgeneratorgases aus 1) und 4):

1)
+ 29690 Cal.
2) – 38770 Cal.
3) – 27970 Cal.
4) – 38270 Cal.

Die procentige Zusammensetzung der drei Heizgase zeigt die Ueberlegenheit des Wassergeneratorgases und des Kohlendioxydgeneratorgases über das Generatorgas; noch mehr aber tritt diese hervor aus den folgenden Werthen: 1) Heizwerth von 1 l des Gases, berechnet aus der Zusammensetzung und den bekannten Verbrennungswärmen; 2) aus den Flammentemperatur-Erhöhungen, berechnet aus den Verbrennungswärmen und specifischen Wärmen, sowie den nach der Verbrennung vorhandenen Bestandtheilen; 3) aus den Wärmeabgaben der von 1 l Heizgas gelieferten Verbrennungsgase bei gleicher Temperaturerniedrigung um 1°. Dabei ist stets Verbrennung in der theoretisch nöthigen Luftmenge vorausgesetzt:




Heizgas
Verbrennungs-
wärme von 1 l,
bezogen auf
gasförmiges
Wasser von 15°
als Verbren-
nungsproduct
Flammen-
temperatur
Erhohung
Wärmeabgabe
der von 1 l Heiz-
gas gelieferten
Verbrennungs-
gase für 1° Tem-
peratur-
erniedrigung
Cal. Grad Cal.
Generatorgas 1044 1904 0,5487
Kohlendioxydgeneratorgas 1739 2449 0,7101
Wassergeneratorgas aus flüs-
sigem Wasser von 15°

1652

2356

0,7016
Wassergeneratorgas aus gas-
förmigem Wasser von 15°

1790

2431

0,7363
Wassergas 2812 2830 0,9934

Das sogen. Dowson-Gas3) ist technisches Wassergeneratorgas; wenn zu seiner Herstellung Luft und Wasserdampf gemeinsam in erhitzte Kohlen eingeführt werden, so unterscheiden sich die für Wasserdampf geltenden Werthe nur unerheblich von den für gasförmiges Wasser von 15° berechneten, weil die Unterschiede der Verdampfungswärme des Wassers für 15° und für höhere Temperatur nicht sehr beträchtlich sind. Dowson-Gas hat nach E. Schilling etwa folgende Zusammensetzung: Wasserstoff 17 Vol.-Proc., Kohlenoxyd 23, Methan 2, Kohlensäure 6, Stickstoff 52, während das theoretische Gas enthält: aus flüssigem Wasser von 15°: Wasserstoff 17,2, Kohlenoxyd 39,7, Stickstoff 43,1 Vol.-Proc.; aus gasförmigem Wasser berechnet: Wasserstoff 21,1, Kohlenoxyd 40,9, Stickstoff 38,0 Vol.-Proc. Die Abweichungen erklären sich aus der Zusammensetzung des theoretischen und des technischen Wassergases.

Bei dem neuen Siemens-Ofen wird ebenfalls Wasserdampf in den Generator eingeblasen, ausserdem aber wird noch die Hälfte der bei der Verwendung des Heizgases entstehenden Verbrennungsgase von hoher Temperatur wieder in den Generator geleitet. Da diese Abgase sowohl Wasserdampf wie Kohlensäure enthalten, so entsteht abermals Wassergeneratorgas, aber auch Kohlendioxydgeneratorgas, und neben der Bildungswärme des Generatorgases oder der höheren Temperatur, mit welcher es den Generator verlassen würde, wird auch die höhere Temperatur eines Theiles der Verbrennungsgase in chemische Energie umgesetzt, die sich in vermehrter Erzeugung von Wasserstoffgas (H2O + C = H2 + CO) und von Kohlenoxyd (CO2 + C = 2CO) darstellt. Auch der in den heissen Abgasen enthaltene Stickstoff liefert beträchtliche Wärme für die beiden erwähnten Vorgänge. Doch beschränkt gerade die Einfuhr verhältnissmässig grosser Stickstoffmengen mit den Verbrennungsgasen in den Generator und damit in das entstehende Heizgas die besagte Ausnutzung der Wärme der Verbrennungsgase. Demgemäss wird bei dem neuen Siemens-Ofen nur die Hälfte der Verbrennungsgase wieder in den Ofen eingeleitet. 1 l theoretisches Heizgas liefert bei der vollständigen Verbrennung folgende Bestandteile:


Heizgas
Verbrennungsgase
Kohlen-
dioxyd

Stickstoff

Wasser
g g g
Generatorgas 0,6762 1,6474
Wassergeneratorgas aus gas-
förmigem Wasser von 15°

0,806

1,965

0,171
Kohlendioxydgeneratorgas 1,125 1,909
Wassergas 1,064 3,207 0,504

(Berichte der deutsch. chem. Gesellschaft, 1892 Bd. 25 S. 556.)

|190|

Strassenbeleuchtung in Städten der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Eine Uebersicht über die öffentliche Beleuchtung in den Städten der Vereinigten Staaten Nordamerikas gibt das statistische Amt der Vereinigten Staaten. Die Tabellen enthalten die Strassenlängen in engl. Meilen, sowie die auf denselben vertheilten Beleuchtungsapparate, geschieden in Gas-, elektrische und Oeldampfbrenner, sowie Oellampen, die Grösse der Ausgaben für die öffentliche Beleuchtung, die Zahl der Laternen auf das Ar Fläche und auf das Kilometer Strassenlänge, die Bevölkerung auf die Laterne, die Kosten jedes einzelnen Beleuchtungsapparates, sowie die Kosten der öffentlichen Beleuchtung auf den Kopf der Bevölkerung. Um ein Beispiel davon zu geben, seien nur die Zahlen der beiden grössten Städte angeführt.

New York Chicago
Einwohnerzahl in Tausenden 1700 1000
Strassenlänge in engl. Meilen 575 2048

Strassen-
laternen
Gesammt
Gas
Elektrische
Oeldampfbrenner
Oellampen
26968
25483
1369
126
32793
24878
422
6714
779
Durchschnittliche jährliche Ausgabe für
alle Laternen in Mark

2726711

2691212
Zahl der Laternen auf 1 Ar der Stadt-
oberfläche

262

79
Zahl der Laternen für jede engl. Meile
Strassenlänge

46,92

16,01
Zahl der Laternen auf 1 km Strassen-
länge

29,30

10,00
Bevölkerung auf jede Laterne 56,17 33,54
Kosten für
jede Laterne
in Mark
Gas
Elektricität
Oeldampfbrenner
Oellampen
78,28
510,51
96,60
38,30
84,00
285,60
67,20
Kosten der öffentlichen Beleuchtung auf
den Kopf der Bevölkerung in Mark

1,81

2,44

Weitere Tabellen zeigen, dass in 278 Städten zwischen 10000 und 100000 Einwohnern die Gaslaternen 60 Proc. aller übrigen für die öffentliche Beleuchtung dienenden Lampen ausmachen, sowie von 138 kleineren Städten nur 13 ausschliesslich Gas, die Mehrzahl, 125, aber elektrisches Licht zur öffentlichen Beleuchtung verwenden.

Selbstverständlich zeigen die einzelnen Städte die verschiedensten Verhältnisse; die grösste Ausdehnung der Strassen und auch die grösste Zahl der öffentlichen Lampen zeigt Chicago, wo auf 1 km 10 öffentliche Laternen treffen; die mittlere Entfernung der einzelnen Lampen ist somit 100 m.

Eine so spärliche Beleuchtung wird man nur in wenigen kleineren deutschen Städten oder in den entlegenen Aussenbezirken grösserer Städte treffen, während z.B. in der inneren Stadt von Berlin, Hamburg, Köln, Dresden und anderen Grosstädten der Abstand nur 20 bis 30 m treffe, so dass 40 bis 50 Laternen auf 1 km Strassenbeleuchtung stehen. New York mit über 1300 elektrischen Lampen und 25000 Gaslaternen zeigt den übrigen amerikanischen Städten gegenüber eine ausserordentlich hohe Strassenbeleuchtung mit durchschnittlich 29 Lampen auf 1 km. Es hängt dies mit der starken Bebauung auf kleiner Fläche zusammen, welche, z.B. gegenüber Chicago, eine geringe Strassenentwickelung ermöglicht. Die meisten Städte haben eine sehr bescheidene Strassenbeleuchtung. Städte mit elektrischer Beleuchtung haben im Durchschnitt kaum eine Lampe auf 1 km Strassenlänge.

Der Kostenaufwand für die öffentliche Beleuchtung ist dagegen ein weit bedeutenderer als in deutschen Städten. Die Gesammtausgaben für dieselbe zum Gaspreis von 12 Pf. für 1 cbm sammt Erdöl- und elektrischer Beleuchtung betragen z.B. in Berlin jährlich 2000000 M. oder 1,30 M. auf den Kopf der Einwohner. Durchschnittlich wird dieser Satz in deutschen Städten je nach Verhältniss 1 bis 1,50 M. betragen, während er im Mittel von 309 Städten in den Vereinigten Staaten 2,68 M. ausmacht. Den grössten Aufwand hat Philadelphia mit 3000000 M.; den höchsten Satz für eine Gaslaterne bezahlt New Orleans mit 210 M., den niedrigsten Cleveland mit 77,86 M. (Journal für Gasbeleuchtung, 1892 Bd. 35 S. 1.)

Die neueren Methoden zur Aufbesserung des Leuchtgases von Salomons.

In vielen Fällen ist den Gasanstalten eine Leuchtkraft vorgeschrieben, welche durch Destillation von gewöhnlichen Steinkohlensorten nicht zu erreichen ist. In diesen Fällen bessert man bisher mit Cannelkohlen auf; es ist auf diese Weise aber schwierig, die Leuchtkraft zwischen engen Grenzen constant zu halten. Die Hauptfactoren, deren Schwankungen die Leuchtkraft des Gases beeinflussen, sind: die Qualität der vergasten Kohlen, die Destillationstemperatur, Temperatur der Atmosphäre u.s.w. Da aber die Cannelkohlen, besonders die besten Qualitäten, immer theurer werden, so wurden andere Aufbesserungsmaterialien versucht, wie Petroleumäther, Naphta, Erdölrückstände, rohes und gereinigtes Erdöl, Paraffingasöl, Phenoloidöl, Steinkohlentheer u.s.w.

Die angewandten Methoden für die Aufbesserung des Gases sind folgende: 1) Carburiren mit flüchtigen, flüssigen Kohlenwasserstoffen; 2) das Carburiren mit Theerdämpfen (Dinsmore-Verfahren4)); 3) der Zusatz von Oelgas zum Steinkohlengas; 4) der Zusatz von carburirtem Wassergas; 5) der Zusatz von carburirtem Sauerstoffgas; 6) der Zusatz von carburirtem Wasserstoffgas.

Das Material für die Carburation auf kaltem Wege ist Petroleumäther von 0,6 bis 0,7 spec. Gew., Siedepunkt 55 bis 60° C; Heptan oder Petroleumnaphta von etwas über 0,7 spec. Gew., Siedepunkt etwas über 100°, und Benzol mit 0,88 spec. Gew., Siedepunkt 80° C. Das Carburiren auf kaltem Wege ergab, im grossen Maasstab ausgeführt, häufig ungünstige Resultate; die meisten im Handel vorkommenden flüssigen Kohlenwasserstoffe sind ein Gemisch verschiedener Verbindungen. Die meist flüchtigen werden zuerst vom Gase aufgenommen und es bleibt ein Rest, welcher auf die Kohlenwasserstoffdämpfe im Gase absorbirend und somit für die Leuchtkraft eher nachtheilig wirkt. Auch genügt nach der Sättigung des Gases mit Benzoldampf eine geringe Abkühlung, Druckvermehrung oder Reibung, um Niederschläge von Benzoldämpfen sammt darin gelösten schweren Kohlenwasserstoffen hervorzurufen. G. E. Davis leitete 17-Kerzengas durch reines Benzol; der unverdampfte Rest, etwa ⅕, ergab höheren Siedepunkt als vorher und enthielt Toluol, sowie Xylol, aus |191| dem Gase absorbirt. Im Allgemeinen wird nur Gas von geringer Leuchtkraft durch Carburiren auf kaltem Wege verbessert, Gas von hoher Leuchtkraft dagegen verschlechtert.

Der Maxim-Clark'sche Carburirapparat soll sich nach F. Livesey gut bewähren; als Material diente halb Petroleumäther von 0,64 spec. Gew. und halb Petroleumnaphta von 0,7 spec. Gew. Das von 16 auf 17 Kerzen damit aufgebesserte Gas soll in grosser Entfernung von der Gasanstalt und auch beim Aufbewahren keine Veränderungen gezeigt haben. Der Carburator wird vor dem Gasbehälter angebracht und ist so eingerichtet, dass ein Theil des Gases aus dem Hauptstrome nach dem Gasbehälter abgeleitet wird, sich in dem Carburator mit Gasolindämpfen sättigt und dann wieder in den Hauptstrom zurückgeleitet wird. Die Zufuhr von Gasolindämpfen zu dem Gase wird automatisch geregelt, je nach der Quantität des durch den Apparat strömenden Gases. Die Erzeugung der Dämpfe geschieht in einer kleinen Eisenretorte mit Dampfumhüllung, welche aus einem Gasolinreservoir gespeist und stets auf gleicher Höhe gefüllt erhalten wird. Hier sind nur Flüssigkeiten von niederem Siedepunkt anwendbar, deren Aufbewahrung und Transport gefährlich sind.

Die Carburirung mit Theerdämpfen wird bei dem Dinsmore-Process ausgeführt, indem das gewöhnliche Leuchtgas, sobald es die Retorte verlässt, in eine Retorte geleitet wird, in welcher Theer überhitzt wird. Es mischt sich hier mit den Theerdämpfen; die Steigrohre, durch welche das Gas die Theerretorte verlässt, sind von Wasserkühlung umgeben, wodurch Verstopfungen vorgebeugt werden soll. J. Carr in Widness will günstige Resultate erzielt haben, neuere Versuche in Liverpool aber hatten solche nicht zur Folge.

Für das Vermischen mit Oelgas sind verwendbare Materialien: schwere Rückstände der Erdölindustrie, rohes Erdöl, gereinigtes Erdöl vom Siedepunkt 120 bis 150°, Entzündungstemperatur 40°; Paraffinöl oder Paraffingasöl. Amerikanisches Rohöl enthält zu viel leichtflüchtige Substanzen und ist deshalb gefährlich beim Transport und beim Aufbewahren; russisches Oel ist zu reich an festen Kohlenwasserstoffen, z.B. Novorrossisk; sogen. Solaröl eignet sich besser. Durchschnittlich geben 100 l Oel 45 bis 50 cbm 50-Kerzengas. Das Oel bringt man in die Retorte, wenn die Kohle schon einige Stunden ausgegast ist. – Man kann auch das Oelgas getrennt bereiten und in einem eigenen Behälter sammeln; dieser ist mit dem Exhaustor so verbunden; dass man je nach Bedürfniss mehr oder weniger Oelgas zum Steinkohlengas mischen kann. Verfasser findet das erstangegebene Verfahren zweckmässiger, das Oel nach der dritten Destillationsstunde in die Kohlenretorten zu leiten. In einer Fabrik wird nach ⅔ der Destillationszeit Erdöl über den glühenden Koks gespritzt, in einer anderen nach dem völligen Abdestilliren Paraffinöl unter 1 at Druck eingespritzt und damit 5 bis 6 Stunden fortgefahren. Auch amerikanisches Harz, Kolophonium, soll zu demselben Zweck dienlich sein.

Carburirtes Wassergas wird in Amerika in grösstem Maasstabe hergestellt; nach Trewby besitzt die Gaslight and Coke Comp. in London eine Wassergaseinrichtung, verbessertes Lowe-System von der United Gas Improvement Comp. in Philadelphia, mit welcher zur Zeit in 24 Stunden 56000 cbm carburirtes Wassergas gemacht werden können. Die Kosten werden zu 7 Pf. für 1 cbm angegeben, wobei natürlich der Werth von Koks und Oel eine Rolle spielt. Die Lowe'sche Einrichtung besitzt viele Vortheile; durch die grosse den Oeldämpfen gebotene Heizfläche genügt geringere Temperatur zur Bildung und Fixirung der Dämpfe, und es wird hierdurch zu weit gehende Zersetzung und Absatz von Graphit vermieden. Es können hier auch schwere Oelsorten zur Vergasung kommen; jedenfalls muss immer die Ofentemperatur der Qualität des Oeles angepasst sein.

Günstig soll nach Lewes auch der van Steenbergh'sche Wassergasapparat5) arbeiten; derselbe hat keinen besonderen Ueberhitzer, sondern Generator, Carburator und Fixirraum sind in einem Raum zusammengestellt; es dienen nämlich die oberen Brennstoffschichten zum Verdampfen des Oeles wie zum Fixiren der Dämpfe. Es können hier aber auch keine schweren Oele benutzt werden, da diese nicht schnell genug in Dampf übergehen und bis in den Aschenfall hinunterlaufen würden. Lewes fand, dass man nicht nur Anthracit und Oel von 0,689 spec. Gew. anwenden könne, wie van Steenbergh angibt, sondern auch Koks und Oel von 0,709 spec. Gew., wenn man die Brennstoffschicht erhöht und höhere Temperatur anwendet. Im van Steenbergh-Apparat wurde ein carburirtes Wassergas von nur 18,65 Proc. Kohlenoxydgehalt erzielt, im Lowe'schen dagegen von 27 Proc.

Die Kosten der Carburation eines Kohlengases von 16 Kerzen auf 17 sollen sich stellen: van Steenbergh 1, Lowe 2, Maxim-Clark 4, Cannelkohle 6.

Tatham's Patent beabsichtigt, das sogen. Oxyölgas herzustellen, d.h. ein Gemisch von sehr schwerem Oelgas, aus Erdölrückständen bei niederer Temperatur abdestillirt, mit 16 bis 24 Proc. Sauerstoff gemischt. 5 Proc. dieses Gemisches sollen die Leuchtkraft eines 16-Kerzengases um 40 Proc. erhöhen. Allein verbrannt soll das Oxyölgas bei 40 l stündlichem Consum ungefähr 30 Kerzen Leuchtkraft ergeben. Die Flamme soll bei Gebrauch eines russenden, sonst unbrauchbaren Oelgases sehr schön weiss und gleichmassig, ohne Russen, sein. Die Kosten sollen 1,3 Pf. für 1 cbm im Behälter betragen.

Auch carburirtes Wasserstoffgas könnte man mit Vortheil zur Aufbesserung des Gases benutzen; nach einem Vortrage von B. Lewes könnte folgende Methode mit Vortheil zur Herstellung von Wasserstoff dienen: Eine Chamotteretorte, 2 m lang und 1 m Durchmesser, steht in einer an der inneren Seite mit feuerfesten Steinen bekleideten Umhüllung, so dass zwischen Retorte und Umhüllung 75 cm Raum bleibt. Schräg liegende Rosteisen, beim Boden der Retorte anfangend und nach der Umhüllung hin steigend; lassen unten Raum für die Schlacken und zur Entfernung der Asche. Die Retorte wird mit Eisenspänen gefüllt, der Raum um die Retorte durch Fülltrichter mit Koks. Unter den Roststäben wird Luft eingeblasen, die Verbrennungsgase gelangen oben in die Retorte und verlassen dieselbe unten durch ein sonst geschlossenes Ablassrohr. Ist die Eisenfüllung rothglühend, so wird unten in die Retorte überhitzter Dampf geblasen, nachdem die Verbindung zwischen Verbrennungsraum und Retorte und das Ablassrohr geschlossen, das Rohr nach dem Gasbehälter geöffnet ist. Der Wasserdampf wird in Wasserstoff zersetzt, das Eisen in Eisenoxydoxydul, Fe3O4, oxydirt; der glühende |192| Koks unterhält dabei die zu dem Processe nöthige Temperatur. Sobald die Zersetzung des Wasserdampfes aufhört wird die Abfuhr von Wasserstoff und die Zufuhr vor Dampf abgeschlossen, die Verbindung zwischen Verbrennungsraum und Retorte und der Abfuhr von Verbrennungsproducten unten an der Retorte wieder geöffnet. Jetzt strömt bei erneuter Luftzufuhr durch das Gebläse das im Verbrennungsraum entstandene Kohlenoxyd durch die Eisenmasse; dadurch wird das Kohlenoxyd zu Kohlensäure verbrannt und das Eisenoxyd desoxydirt zu Eisen. Die Temperatur bei diesem Process darf nicht zu hoch sein, dass das Eisen schmilzt; übrigens wird das Eisen bei dem Process sehr porös und eignet sich dadurch, nachdem einige Mal Gas erzeugt wurde, besser als im ursprünglichen Zustande. (Vortrag, gehalten auf der Versammlung des Deutschen Gasfachmänner-Vereins 1891 zu Kiel; Journal für Gasbeleuchtung, 1892 Bd. 35 S. 5.)

(Fortsetzung folgt.)

|187|

Vgl. Zeitschrift für angewandte Chemie, 1891 S. 693.

|187|

Vgl. D. p. J. 1881 242 449. 1892 284 41.

|189|

Vgl. D. p. J. 1892 284 41.

|190|

Vgl. D. p. J. 1889 274 551.

|191|

Vgl. D. p. J. 1891 281 70.

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