Titel: Neuerungen in der Tiefbohrtechnik.
Autor: Gad, E.
Fundstelle: 1893, Band 287 (S. 199–205)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/ar287063

Neuerungen in der Tiefbohrtechnik.

Von E. Gad in Darmstadt.

Mit Abbildungen.

Es sind wiederum die Fortschritte in der Verwendung der Elektricität als Betriebskraft für Gesteins- und Tiefbohrmaschinen, die das Interesse an erster Stelle in Anspruch nehmen.

Textabbildung Bd. 287, S. 199
Zuerst sei die elektrische Kohlenschneidemaschine der Thomson- von Depoele Electric Mining Comp. (D. p. J. 1892 283 173), Fig. 1, nach der Erfindung von Elmer A. Sperry in Chicago (Amerikanisches Patent Nr. 478141 vom 5. Juli 1892) erwähnt, deren Motor die gegen früher sehr gesteigerte Betriebskraft von 15 liefert. Die Maschine arbeitet mit 220 Volt Spannung. Der Motor ruht, sehr geschützt durch eine Hülse, auf dem massiven gusseisernen Rahmen, der auch einen festen Arm mit einer beweglichen Messerkette trägt. Der Arm ist in gewissen Grenzen verstellbar, um die Länge des Schnittes je nach der Stärke des Kohlenflözes regeln, sowie um die Kette fest anspannen zu können. Die einzelnen Messer sind leicht auszuwechseln, so dass sie sich stets in brauchbarem Zustande erhalten lassen. Ihre wechselnde Form ermöglicht, den Kohlengrus gleich beim Schneiden aus dem Schlitze aufzuräumen. Die Bewegung der Messerkette wird von der Armaturachse her durch Getriebe übertragen. Diese Achse vermittelt aber zugleich auch den Vorschub durch Vorbewegung der Maschine an der Vorschubkette, die in einiger Entfernung von dem Fahrzeuge an einem Pfahl zu befestigen ist. Bemerkenswerth ist noch, dass die kleinen Rollräder nebst den Führungen nur bei der Arbeit zur Führung der Maschine |200| auf den Schienen dienen, während zu Transporten das Fahrzeug gedreht und auf die geflanschten grossen Rollräder niedergelassen wird. Zur Bedienung der Maschinerie genügen zwei Mann, von denen der eine die Schneidearbeit überwacht, während der andere für die Ordnung des Geleises und den Vorschub sorgt.

Textabbildung Bd. 287, S. 200
Eine Minirmaschine von ähnlicher Construction und Mächtigkeit ist von Benjamin A. Legg in Alleghany, Pa., (Amerikanisches Patent Nr. 482045 vom 6. September 1892) aufgestellt. Eine Modifikation dieser Maschine (Nr. 482046) zeigt die Schneidekette, um die Stirn des Fahrzeuges geführt, so dass ein Vorbohren in der Längsachse selbst ermöglicht ist.

Auch eine englische elektrische Schneidemaschine für Kohlen und anderes Gestein von Leewelyn B. Atkinson und Claude W. Atkinson in London (Amerikanisches Patent Nr. 403019 vom 30. August 1892) zeigt ähnliche Einrichtungen.

Textabbildung Bd. 287, S. 200
Die bisher behandelten Schneidemaschinen bedürfen zu ihrer tadellosen Wirksamkeit eines gleichmässigen weichen Gesteins. Wo aber z.B. Kohle in ungleichmässiger Beschaffenheit mit eingelagerten Steinen, oder ein Deckgebirge, wie Thon u.s.w., zu durchdringen ist, wird man oft einen Stossbohrer von leichterer Art verwenden, der an dem herzustellenden Schlitz entlang geführt wird, um diesen in anpickender Weise zu vertiefen. Zu einem derartigen Instrument, wie sie ähnlich in D. p. J. 1892 283 174 Fig. 5 und 6 abgebildet sind, hat Elmer A. Sperry neuerdings ein Getriebe construirt, das bereits in den Kohlengruben von Illinois, Kentucky, Indiana und Ohio mit bestem Erfolge im Gebrauche ist.

Ein Hauptaugenmerk ist bei dieser Einrichtung (Fig. 2) darauf gerichtet, den Rückstoss des Bohrmeissels a in der Hülse b, dessen Vorstoss durch die Spiralfeder c bewirkt wird, möglichst elastisch zu gestalten, um das Bohrgestell leicht und handlich herstellen zu können. Dies wird durch Anordnung der starken Ringfeder d erreicht, die bei Umdrehung des durch das Zahnrad e betriebenen Triebrades f functionirt. In die Hülse b ist ferner hinten der starke Gummipuffer g eingelegt. Das Zahnrad e gehört zur Armatur des Motors von 4 , der einen Strom von 10 bis 10,2 Ampère bei 220 Volt ergibt. Der Hub des 45 bis 70 k schweren Meissels beträgt 15 bis 18 cm und der Nutzeffect etwa 70 Proc. der ursprünglichen Kraft, also z.B. beim Anfangsdruck der Spiralfeder von 600 k beim Auftreffen des Meissels noch 420 bis 450 k.

Textabbildung Bd. 287, S. 200
Die englische Firma Goolden and Comp., Harrow Road, London W., fertigt bereits seit mehreren Jahren elektrische Bohrmaschinen verschiedener Art an, von denen in Fig. 3, 4 und 5 drei typische Instrumente dargestellt sind.

Der Apparat Fig. 3 ist ein Stossbohrer für hartes Gestein, wie Granit oder Quarz. Fig. 4 zeigt einen leichten Drehbohrer für Kohle und mildes Gebirge. Sein Vorschub ist automatisch. Das Gestell gestattet Gebrauch in verschiedenen Höhen und in jeder Bohrrichtung. Die Bohrlöcher von 2 bis 5 cm Weite werden bis zu einer Gesammttiefe von 1,2 m mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 35 cm in der Minute hergestellt.

Ein ganz ähnlicher Apparat dieser Art ist auch im Gebrauche der amerikanischen Firma Thomson-Houston Electric Comp. in Boston.

Fig. 5 stellt eine kräftigere Drehbohrmaschine dar, die sich durch einen starken, etwas konischen Bohrstift mit einer grossen Zahl auswechselbarer Messer kennzeichnet.

Diese Erfindung der Gebrüder Atkinson in London hat auch das amerikanische Patent Nr. 482033 vom 6. September 1892 erhalten.

Man hat hier auf einen selbsthätigen Vorschub verzichtet, der leicht von einem Arbeiter mit der Hand geregelt werden kann.

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Es kann nicht in Abrede gestellt werden, dass gerade bei diesen leichten elektrischen Bohrmaschinen die Armaturen der Motoren sehr durch die Erschütterungen der Bohrarbeit angegriffen werden. Man wird wohl mit der Zeit den Wechselstrommaschinen den Vorzug vor den Gleichstrommaschinen geben müssen. Bemerkenswerth ist die grosse Sorgfalt, mit der bei all diesen Apparaten der Motor gegen Nässe, Schmutz und böse Wetter geschützt ist. Auf sorgsames Reinigen und Oelen ist auch stets zu achten. Bei der häufigen Erhitzung der Leitungen und Armaturen, besonders bei Störungen, ist Schutz gegen das Entzünden der Grubengase besonders wichtig. Man hat hierzu vorgeschlagen, einen dauernden Strom von Kohlensäure durch den Commutator zu führen, wodurch Entzündung ausgeschlossen würde. Kohlensäure liesse sich leicht in Stahlgefässen zur Stelle bringen.

Textabbildung Bd. 287, S. 201
Die Handhabung der Leitungsdrähte, falls die elektrische Kraft von entfernten Dynamos zugeführt wird, ist auch nicht ohne Gefahr. Ungewandte Arbeiter werden meist schon durch die kleinen, fast unvermeidlichen Stösse erschreckt.

Die Gebrüder Atkinson geben nachstehende Tabelle zum Vergleich der Wirksamkeit einer Transmission von 10 auf 1830 m Entfernung von Elektricität und Druckluft:



System
Kraft der
Dampfmaschine
Kraft des
Motors
Entfernung
der Maschine
vom Motor
Durchmesser
des Leitungs-
drahtes bezieh.
des Rohres
Kosten der
Maschine mit
Dynamo bezieh.
Compression
Preis des
Leistungsdrahtes
bezieh. des
Rohres
Preis des
Motors
Preis der
ganzen Instal-
lation ohne
Baulichkeiten
Nutzeffect
m cm M. M. M. M. Proc.
Elektricität 15,4 10 1830 0,10 5250 4800 2375 12425 65
Druckluft 33,3 10 1830 10 3250 17500 1580 22330 30

In Bezug auf elektrische Tiefbohrgeräthe ist anzuführen, dass die American Diamond Rock Boring Comp. in New York eine Diamantschürfbohrmaschine für elektrischen Betrieb eingerichtet hat. Dieser Apparat ähnelt in Grosse und sonstiger Einrichtung sehr der entsprechenden Maschine von Sullivan (D. p. J. 1890 275 317), nur mit dem Unterschiede, dass der Vorschub nicht wie bei Sullivan durch Frictionsgetriebe, sondern durch zwei Wasserdruckcylinder geregelt ist.

Die elektrische Tiefbohreinrichtung von Fulton Gardner (D. p. J. 1892 283 175) hat insofern Verbesserungen erhalten (Amerikanisches Patent Nr. 478791 vom 12. Juli 1892), als eine elektrisch betriebene Pumpe zwischen Diamantbohrkrone und Motor eingefügt ist, ferner eine von der Bohrsohle zu Tage führende telephonische Leitung durch das Gehör die Bohrvorgänge controliren lässt, und schliesslich ein elektrisches Allarmsignal im Zimmer des Bohrmeisters eine etwaige Störung auf der Bohrsohle meldet.

Eine Tiefbohrmaschine mit elektrischem Antrieb (Fig. 6) hat auch Anton Schlepitzka in Wien (D. R. P. Nr. 60786 vom 25. Januar 1891) erfunden. Der Elektromotor a dreht direct das Bohrgestänge b und wird mittels seitlicher Augen c an dem Bohrgestelle d derart geführt, dass er das Gestänge b belastet, der Vorschub des Bohrers also unter dem Gewichte des Elektromotors a und des Gestänges b erfolgt. Um ein Schlagen des Gestänges zu vermeiden, ist dasselbe in dem auf dem Gestelle verschiebbaren Sprossen e geführt.

Trotz aller Elektricität treten tagtäglich noch zahlreiche Formen neuer oder verbesserter Bohrapparate für die alten bewährten Betriebskräfte, Dampf, Pressluft, Zugthiere und Menschen, hervor.

So hat R. Stanley in Nuneaton, Warwick, eine Tunnelbohrmaschine mit zwei Schneidköpfen, Fig. 7 (D. R. P. Nr. 60237), hergestellt, die auf demselben Princip wie die einfache Schrämmaschine (Englisches Patent Nr. 20638 vom 17. December 1890) desselben Erfinders beruht, die in noch älterer Form in D. p. J. 1889 273 248 behandelt ist.

Die Maschine besitzt zwei Schneidkopfgestelle a, auf welchen die Wellen b gelagert sind. Diese tragen die aus den Armen c gebildeten Schneidköpfe. Letztere werden je von einer besonderen Antriebsmaschine d angetrieben und können unabhängig von einander aus- und eingerückt und gleichzeitig oder unabhängig von einander auf dem Bette der Maschine verschoben werden. Dieses selbst kann eine Verschiebung in Bezug auf die Schneidköpfe ausführen. Die Wellen b stehen mit Muttern e im Eingriff, die gegen Verschiebung gesichert sind und festgestellt den Vorschub der Welle b nebst Schneidköpfen durch die Antriebsmaschinen ermöglichen, während nach Feststellen der Wellen b und Lösen des Gestelles und der Muttern das Vorrücken des Gestelles bewirkt werden kann. Das durch die Drehung der Schneidköpfe erzeugte Bohrmehl wird durch eine Transportschnecke beseitigt, die ihren Antrieb |202| ebenfalls von der Welle b aus mit Hilfe von Ketten und Kettenrädern erhält. Die Feststellung des Maschinengestelles im Tunnel erfolgt durch meisselartige Griffstützen, die zwischen zwei Bodenschienen geführt, in die Sohle eingetrieben und dann durch Keile befestigt werden, die sich gegen Querbolzen anlegen.

Textabbildung Bd. 287, S. 202
Die englische Kohlenschneidemaschine (Fig. 8) der Yorkshire Engine Comp. in Sheffield ist darauf hin construirt, nach beiden Richtungen zu schneiden, so dass sie, am Ende des Kohlenflötzes angelangt, den Rückweg ebenfalls unter Arbeitsleistung zurücklegt. Die Doppelcylinder für Pressluft von 225 mm Durchmesser geben 225 mm Hub bei Druck von 1200 k auf 1 qc. Der Bestimmung gemäss, in sehr niedrigen Strecken zu arbeiten, erhebt sich der Apparat nur 55 cm über die Schienen von 66 cm Gleisebreite. Das Gesammtgewicht des ganz aus Stahl hergestellten Apparates beträgt 8800 k. Als Leistung werden Schlitze von 1 m Tiefe mit einer Geschwindigkeit von 36 m in der Stunde angegeben. Zwei Arbeiter genügen zur Bedienung der Maschine, die auch die Schienen nach Bedarf legen und umlegen.

Textabbildung Bd. 287, S. 202
Im Gegensatz zu den einzelnen Schneiden tritt auch wiederum in Amerika das Bestreben zur Verwendung eines Systems mehrerer Einzelbohrer zum Herstellen von Schlitzen (D. p. J. 1892 283 173) auf. Dies zeigt die Minirmaschine von George F. Myers in Pittsburg (Amerikanisches Patent Nr. 481187 vom 23. August 1892), Fig. 9. Dort wechseln Hohlbohrer a mit inneren Führungen b, mit Stangenbohrern c und äusseren Führungen d mit einander ab.

Textabbildung Bd. 287, S. 202
Von einfachen Gesteinsbohrmaschinen für Dampf- bezieh. Druckluftbetrieb für Stossbohrer sind zu nennen von: J. W. Larmuth und R. B. Howarth in Pendleton, Lancashire (Englisches Patent Nr. 10050 vom 13. Juni 1891); G. S. Ullathorne in London (Englisches Patent Nr. 12948 vom 30. Juli 1891); Thomas F. Farrel in Paterson, N. J. (Amerikanisches Patent Nr. 479356 vom 19. Juli 1892); Seth Lloyd and William R. Lloyd in West New Brighton, N. Y. (Amerikanisches Patent Nr. 481632 vom 30. August 1892).

Textabbildung Bd. 287, S. 202
Eine deutsche Erfindung dieser Art ist die pneumatische Gesteinsbohrmaschine von Emil v. Bühler in Berlin-Charlottenburg (D. R. P. Nr. 60635), Fig. 10. Der Kolbencylinder a der Maschine ist von dem zweitheiligen Mantel b, c umgeben, der aus einem inneren und einem äusseren Cylinder besteht. Zwischen sich belassen dieselben einen Ringraum, der durch eine Scheidewand in eine Lufteinlass- und eine Luftauslasskammer getheilt ist.

Textabbildung Bd. 287, S. 202

Der innere Mantelcylinder b ist gleich dem Kolbencylinder mit den Luft-Ein- und -Auslässen versehen und der Kolbencylinder a mit Anschlägen d ausgestattet, so dass sich der Kolben e in dem Kolbencylinder a hin und her bewegen kann und diesen erst nahe seiner Herstellung beim Antreffen an die Anschläge d mitnimmt und die Umsteuerung bewirkt. Der Kohlencylinder bleibt dann wieder so lange in Ruhe, bis der nun in entgegengesetzter Richtung laufende Kolben die anderen Anschläge trifft und von neuem die |203| Umsteuerung durch kurze Verschiebung des Kolbencylinders bewirkt.

Textabbildung Bd. 287, S. 203
Ein ganz eigenartiges und sehr brauchbares Werkzeug ist der pneumatische Schrämmeissel des Fahrsteigers Carl Franke in Eisleben (Fig. 11).1) Die besondere Bestimmung dieses Apparates ist, in den niedrigen Schächten der Mansfeld'schen Gruben den schmalen Kupferschieferflöz nebst dem Hangenden bis zu einer Gesammthöhe des Daches von 0,47 bis 0,58 m zu lösen, was durch Führung mit der Hand seitens eines auf der Seite liegenden Häuers geschieht. Ein gewöhnlicher Meissel erhält unter Anwendung von Druckluft eine sehr hohe Anzahl von Schlägen, ungefähr 8000 in der Minute (bei Leergang sogar, nach der Messung durch den eigens hierzu construirten Hubzähler von Siemens und Halske, deren 15000), bei einem sehr geringen Hube von 1,5 bis 2 mm, so dass er gewissermaassen schabend wirkt.

Der zweitheilige Hauptkörper a nimmt beim Zusammenschrauben die Cylinderbüchse b mit 16 runden Lufteinströmöffnungen c auf. Der vordere Theil des Hauptkörpers führt die Kolbenstange des Kolbens d, den cylindrischen Meisselhalter e, und enthält das Lager für die beiden entgegengesetzt gewundenen Spiralfedern f: g ist die Auspufföffnung, h das Schmierloch und i eine Oeffnung, um das Anschlagen der Kolbenstange auf den Meisselhalter zu erleichtern. Der Kolben d mit dem Ringmuschelschieber k ist besonders patentirt (D. R. P. Nr. 56956 vom 10. Juni 1891; Oesterreichisches Patent vom 30. December 1890). An den hinteren Theil des Hauptkörpers a schliesst sich das rechtwinkelig gebogene Luftzuführungsrohr mit dem sehr praktischen Regulirhahn l für die Luftzuführung, der wiederum mit dem Gummischlauche für die Luftzuführung verbunden ist. Durch Hin- und Herdrehen des aussen leicht gerippten und innen mit vier längs der Achse angeordneten Ueberführungskanälen versehenen Regulirringes kann der Druck vom vollen Druck von 4 at bis zur völligen Abstellung geregelt werden.

Der Arbeiter lässt bei der Arbeit, auf der Seite liegend, das Werkzeug mit dem Körper a in der linken Hand ruhen und führt mit der rechten Hand den Meissel, indem er zugleich den Druck regulirt. So schrämt ein Mann in einer Stunde 0,5 qm aus. Nach dem Schrämen werden für 1,50 m Schrämlänge mit stärkeren Bohrmaschinen, gleichfalls nach dem System Franke, 50 bis 55 cm über der Schrämsohle je ein Bohrloch von 45 bis 55 cm Tiefe angesetzt und mit 4 cm langen Gelatinedynamitpatronen von 18 mm Durchmesser abgethan.

Bemerkenswerth ist, dass ein ähnliches Werkzeug bereits vor 6 oder 7 Jahren von James Mac Coy in Brooklyn erfunden, aber doch erst etwa gleichzeitig mit dem Mansfelder bekannt geworden ist.

Dergleichen leichte Schrämmaschinen werden überhaupt in allen niedrigen Strecken zum Anschneiden von mittelfestem Gestein, wie Kohle, Salz, Anhydrit u.s.w., von grossem Nutzen sein.

Bei der verhältnissmässigen Seltenheit von Drehbohrmaschinen mit Druckluftmaschinen ist es besonders beachtenswerth, dass eine derartige Maschine, System Harrass, die in Ischl in Gebrauch ist (D. p. J. 1890 275 392), mehrfache Verbesserungen, bestehend in vereinfachter Luftzuführung, festerer Ständerung u.s.w., erfahren hat.2)

Noch eine Stossbohrmaschine für Handbetrieb ist von Perley P. Belt in Waco, Texas (Amerikanisches Patent Nr. 479615 vom 26. Juli 1892 – eine Verbesserung von Nr. 408138) zu nennen, die eine lange starke Spiralfeder durch Handgetriebe anspannt und den Meissel vorschnellen lässt.

Von den zahlreicheren Drehbohrmaschinen für Handbetrieb zeigt eine solche von G. Burnside in Durham (Englisches Patent Nr. 2299 vom 9. Februar 1891) eine Schutzhülse mit Ablasshahn um den Bohrer, um etwaige schlagende Wetter, besonders beim Bohren in Kohlenflözen, unschädlich zu machen.

Textabbildung Bd. 287, S. 203
Eine zweite englische Maschine dieser Art von W. D. Lewis in Pontipridd, Glamorgan (Englisches Patent Nr. 18996 vom 4. November 1891) eignet sich besonders zum Bohren von Anthracit in beschränkten Räumen.

Die in Fig. 12 dargestellte Gesteinschneidemaschine von |204| Ingersoll-Sergeant ist in amerikanischen Steinbrüchen bereits seit mehreren Jahren in Gebrauch und findet auch neuerdings in England Verwendung. Dieselbe schneidet ganze Blöcke harten Gesteins durch Arbeit über Tage aus und ersetzt vielfach mit Vortheil das Sprengen. Die Führung mit dem Schneidemeissel wird von einer dreicylindrigen Maschine automatisch an einer Führungschraube und einer parallelen Führungstange, die auf vier festen Beinen ruhen, hin und her bewegt und dadurch die Schlitze 3 m lang, 66 mm breit und 2,1 m tief hergestellt. In 10stündiger Arbeit lassen sich Längen von 20 bis 30 m ausschneiden. Auch auf schiefen Ebenen und in den verschiedensten Bohrrichtungen lässt sich die Maschine verwenden.

Textabbildung Bd. 287, S. 204
Da die Ingersoll Rock Drill Comp. selbst das Sprengen noch vielfach neben dem Schneiden ausführt, erscheint es besonders wichtig, auf das Verfahren aufmerksam zu machen, was bei ersterer Art nach einem neuen System von Knox in Anwendung kommt. Es beruht dies darauf, dass die Form der Bohrlöcher und eine leichte Schrämung der Gesteinsoberfläche (Fig. 13) dem Sprengmaterial den Weg weisen, gleich wie ein vom Diamant leicht angeritztes Glas in der Richtung des Ritzes springt.

Textabbildung Bd. 287, S. 204
Die maschinelle Bohrung hat aber auch die Häuerbohrung noch keineswegs verdrängt, und darum sind Höfer's Versuche über die Häuerleistung bei der Bohrarbeit von höchstem Interesse.3) Die Versuche beziehen sich im Wesentlichen auf die Abnahme der Leistungen, die sich beim Hauen von Bohrlöchern von der absteigend senkrechten Richtung, erst in schräg absteigender, dann in schräg aufsteigender Richtung, bis zum senkrechten Firstenloch ergeben. Die aufgestellten Tabellen erweisen gute übereinstimmung von Theorie und Praxis. Für die Praxis ergibt sich das wichtige Resultat, dass die italienische Bohrmethode, die im pendelnden Schlage besteht (Fig. 14), dem directen deutschen Zuschlagen (Fig. 15), bei aufsteigenden Bohrlöchern, vorzuziehen ist.

Textabbildung Bd. 287, S. 204
In Bezug auf Tiefbohrgeräthe ist bemerkenswerth, dass Fauck4) neuerdings mehrere seiner Bohrkrähne, z.B. Nr. 2 und Nr. 4, für Freifallbohren zum Wechsel mit kanadischem Bohren (D. p. J. 1889 272 244) eingerichtet hat. Mannigfache Erfolge der letzteren Methode, auch im galizischen Oelgebiete, mögen ihn wohl dazu bestimmt haben. Die Maassregel ist sehr einfach. Soll von der Freifall- zur Rutschscherenbohrung übergegangen werden, so wird bloss der Prellklotz entfernt und das Prellager festgestellt; die Maschine kann dann entsprechend rascher laufen.

Um beim kanadischen Bohren auch die grössere Elasticität zu erreichen, die beim Seilbohren in Folge der Nachgiebigkeit des Seiles so vortheilhaft einwirkt, empfiehlt Fauck die Einschaltung seiner neuen Seilstangen.

Dieselben unterscheiden sich von den Holzgestängen nur dadurch, dass das Holz durch ein ebenso starkes Seil ersetzt ist, dessen obere Hälfte rechts und untere Hälfte links gedreht ist.

Unmittelbar an der Bohrkette werden nun zuerst ein oder zwei solcher Seilstangen von etwa 10 m Länge angehängt, worauf das gewöhnliche Holzgestänge folgt. Auf diese Weise hat man dem kanadischen Bohrer eine dem Seilbohrer ähnliche Elasticität gegeben, ohne dabei die Vortheile eines festen Gestänges zu verlieren.

Von Fauck'schen Bohrgeräthen sei noch besonders auf die neuen Hohlfreifallinstrumente (Mantelfreifall) und die Wasserspülrutschscheren hingewiesen, die auch einen Uebergang zum Spülbohren mit Hohlgestänge gestatten.

Eine Verbesserung an dem Getriebe einer Diamantschürfbohrmaschine der Sullivan Machinary Co. hat Albert Ball in Claremont, N. H. (Amerikanisches Patent Nr. 478077 vom 5. Juli 1892 – auf Grund von Nr. 415822) getroffen.

Zwei neue Seilbohrmaschinen für Tiefen bis 200 m mit zweckmässigem Getriebe sind in den Vereinigten Staaten von Nordamerika construirt von John R. Davis in Chicago (Amerikanisches Patent Nr. 479059 vom 19. Juli 1892) und James W. Draper, Frederick Draper und Walter Ellsworth in Alden, Iowa (Amerikanisches Patent Nr. 481482 vom 23. August 1892).

Textabbildung Bd. 287, S. 204
Eine zweckmässig scheinende Verbindung eines Tiefbohrmeissels mit einer Schmandbüchse (Fig. 16) für Abstossen von Bohrungen von geringen Abmessungen ist von Lewis N. Ireland in Pittsburg, Pa. (Amerikanisches Patent Nr. 478605 vom 12. Juli 1892) vorgeschlagen. Zum drehenden Bohren von nicht zu tiefen Bohrlöchern dient ein neuer Erdbohrer (Fig. 17) von Daniel R. Monroe in Bloomfield, Iowa (Amerikanisches Patent Nr. 481636 vom 30. August 1892).

Von neuerdings ausgeführten Tiefbohrungen nimmt vor allen das Bohrloch Nr. 18 in Równe bei Dukla das grösste Interesse in Anspruch, da es als das tiefste in Galizien bis 620,5 m Tiefe nach der kanadischen Methode abgebohrt ist. Der Anfangsdurchmesser beträgt 45 cm, der Enddurchmesser 8,75 cm; das Bohrloch ist bis zur Sohle mit 7,5 cm-Röhren verrohrt. Vom 20. September 1890 bis zum 3. Mai 1892 wurde in 692 Schichten zu je 12 Stunden, abgesehen von Nebenarbeiten, Tag und Nacht gebohrt; Nachts bei elektrischer Beleuchtung. Die maximale Leistung in 24 Stunden betrug 5,70 m, die minimale 0,20 m, die durchschnittliche 2,24 m bei Durchsinken von Schiefer und Sandstein. Der Erfolg bestand im Anfahren eines neuen Oelhorizontes, der anfangs durch Pumpen 70 Barrels à 150 k Erdöl täglich lieferte.

Eine fernere wichtige Bohrarbeit, das Abteufen des Senkschachtes II der Zeche Westende bei Meiderich im Bergrevier |205| Duisburg, ist dadurch glücklich abgeschlossen, dass am 5. Mai 1892 der unterste Keilkranz bei 103,740 m Teufe an das feste Kohlengebirge angeschlossen ist, nachdem die Arbeit Mitte Juni 1889 begonnen war. In den ersten gusseisernen Senkschacht von 5,5 m lichter Weite, der 20 Ringe à 1,5 m Höhe enthält, musste ein zweiter mit 5 m Weite, in 98 Ringen zu je 1 m Höhe, eingebaut werden. Zum Bohren wurden anfänglich kleine Handsackbohrer an schmiedeeisernem Bohrgestänge von 5 cm lichtem Durchmesser angewendet. Bei 22 m Tiefe erwies sich dies Verfahren aber nicht mehr rationell, weil der Zeitverlust den Fortschritten gegenüber zu bedeutend war, und man ging deshalb zum Bohren mit grossen Sackbohrern von 4 m Durchmesser am Hohlgestänge von 40 cm äusserem Durchmesser über. Die Kosten, die dieser Einbau von etwa 1000000 k Eisen verursacht hat, belaufen sich wenig über 300000 M. Die Schachtweite von 5 m genügt reichlich für alle Förderzwecke.

Textabbildung Bd. 287, S. 205
Wenn noch zu bemerken ist, dass im Laufe der Arbeit wiederholt in dem wassererfüllten Schacht Reparaturen unter Wasser von Tauchern ausgeführt sind, so kann noch von einem ähnlichen Vorkommniss in Mexico berichtet werden, woselbst in dem grossen Tunnel von Tequixquiac, der zur Drainirung des Thales von Mexico ausgeführt ist, gewöhnliche Arbeiter in Taucherkostümen in beschädigte Brunnenschächte herabgelassen sind, um dort stundenlang unter Wasser Ausbesserungen vorzunehmen.

Textabbildung Bd. 287, S. 205
Eine zweckmässige Vorsichtsmaassregel ist bei Lallaing, Nordfrankreich, in Anwendung gekommen, um beim Schürfbohren auf Kohle das Wasser einer starken Springquelle abzuhalten, deren Lage unter Tag aus benachbarten Bohrungen bekannt war. Auf 15 bis 16 m Tiefe lagerte eine undurchlässige Schicht von 5 bis 10 m Mächtigkeit. In diese 0,35 m hinein wurde eine Röhrentour von 0,66 m Durchmesser und 3 mm Wandstärke 15,45 m tief von Tage versenkt. Nachdem man weitere 2,35 m in die undurchlässige Schicht vorgebohrt hatte, wurde eine zweite Röhrentour von 0,55 m Durchmesser bis zur Bohrsohle geführt und der ringförmige Raum zwischen den beiden Röhrentouren mit Cement ausgefüllt. Sobald der Cement erhärtet war, wurde die Bohrung fortgesetzt, bis die Thonschicht durchbrochen war, worauf das Wasser 3 m hoch über den Erdboden sprudelte. Ein Rohr von dieser Höhe wurde aufgesetzt und dann die Bohrung auf 47,85 m Tiefe fortgeführt. Dann wurde eine Eisenröhrentour von 0,40 m in das Bohrloch versenkt und der Raum dahinter wie vorher hinterfüllt. Dieses einfache Verfahren erfüllte vollkommen den Zweck.

Von der grossen Entwickelung, die in Amerika die Tiefbohrung zur Wasserversorgung menschlicher Wohnstätten gewonnen hat, geben die Einrichtungen von C. H. Godfrey in Fremont, Nebraska (Fig. 18), ein Beispiel. Es sind dort in fünf Gruppen a je zehn Bohrbrunnen von 5 cm Rohrweite vereinigt, von denen Sammelröhren b von 15 cm lichter Weite nach dem Sammelbecken c führen. Der Pumpenbetrieb und die Wasservertheilung erfolgt durch Druckluftapparate vom Maschinenhause d aus.

Es lässt sich nur wünschen, dass auch bei uns die Wassergewinnung durch Tiefbohrungen immer mehr Ausdehnung gewinnen möge. Allerdings müsste man auch nicht die Kosten scheuen, gutes Wasser aus entsprechender Tiefe zu gewinnen, nicht aber mit dem ersten besten angebohrten Tagewasser vorlieb nehmen, oder gar verpestetes Flusswasser vom unteren Flussbett abzapfen.

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Eine genaue Beschreibung von der Einrichtung und Verwendung dieses Werkzeuges enthält der Artikel: „Schrämmeissel, System Franke, im Mansfeldischen“ von Johann Pilar in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, Wien, Nr. 7 vom 13. Februar 1892.

|203|

Abbildung und nähere Beschreibung der „rotirenden Gesteinbohrmaschine, System Harras, gibt die Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, Wien, Nr. 50 vom 12. December 1891.

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Höfer's Versuche über die Häuerleistung bei der Bohrarbeit; vom k. k. Prof. Franz Ritter v. Rziha. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, Wien, Nr. 14 vom 2. April 1892.

|204|

Fauck und Co., Wien III/2, Geologengasse 8. Illustrirter Katalog. IV Auflage. 1892.

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