Titel: Herstellung von Quarzfäden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287/Miszelle 3 (S. 23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/mi287mi01_3

Herstellung von Quarzfäden.

Nachdem in neuerer Zeit die Quarzfäden als Aufhängefäden für Galvanometer und andere physikalische Messinstrumente eine grosse Bedeutung erlangt haben, dürfte es unsere Leser interessiren, ein Verfahren zur Herstellung solcher Fäden kennen zu lernen, welches von Dr. Geitel und Dr. Elster in Wolfenbüttel herrührt.

Grob zerstossener Bergkrystall wird in einem Tiegel zur Rothglut erhitzt und durch eine von oben kommende Stichflamme des Knallgasgebläses oberflächlich angeschmolzen. Aus der so erhaltenen Kruste zusammengebackenen Quarzes lassen sich in der Knallgasflamme Stäbchen formen. Ein solches wird an dem hinteren Ende eines Rohrpfeiles befestigt, der mittels einer Armbrust abgeschossen werden kann. Man legt den Pfeil auf, nähert dem daran befestigten Quarzstäbchen ein zweites, das man fest in der Hand hält, und richtet auf die Berührungsstelle der beiden die Flamme des Knallgasgebläses. Unter greller Lichtentwickelung schmelzen die Stäbchen zusammen. Man schiesst nun die Armbrust ab, und der fortgeschleuderte Pfeil zieht einen äusserst dünnen Faden von Quarz hinter sich her.

Ein Vorzug des im Knallgasgebläse verarbeiteten Quarzes ist bekanntlich sein elektrisches Isolationsvermögen; im Gegensatz zu Glas ist er gegen Feuchtigkeit unempfindlich. Ein Elektroskop, dessen Aluminiumblättchen durch Quarz isolirt waren, behielt in mit Feuchtigkeit gesättigter Luft seine Ladung stundenlang bei.

Dies Verfahren unterscheidet sich von dem von Prof. Boys angegebenen dadurch, dass vor den weiteren Manipulationen das Quarzpulver oberflächlich zu einer Kruste zusammengeschmolzen wird, wodurch das ganze Verfahren ausserordentlich erleichtert wird. Man kann so in der Zeit von 1 Stunde, wenn man erst etwas Uebung erlangt hat, leicht eine Quantität feinster Quarzfäden herstellen, die auf viele Jahre hinreicht. Bei dem hohen Preise der Fäden und ihrem schwierigen Versandt dürfte das obige Verfahren der Herstellung von Quarzfäden für viele unserer Fachgenossen von Werth sein. (Elektrotechnische Zeitschrift, 1892 Heft 52 S. 698.)

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