Titel: Die Benutzung von Speicherzellen für die Telegraphie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287/Miszelle 2 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/mi287mi08_2

Die Benutzung von Speicherzellen für die Telegraphie.

Seit der 1884 von W. H. Preece gemachten Mittheilung über die Benutzung von Speicherzellen bei den englischen Telegraphen hat sich der Gebrauch derselben erweitert. In dem im August 1892 zu Edinburgh in der British Association gehaltenen Vortrage (vgl. Electrician, 1892 Bd. 29 * S. 386) liefern solche Batterien den Strom für zwei grosse Gruppen, deren eine 110 einfache Nadeltelegraphen, die andere 100 Morse-Farbschreiber und Klopfer enthält. Von den im Keller aufgestellten Arbeits- und Vorrathszellen führen Drähte zunächst nach dem Umschalter im Apparatsaale, dann wieder zu einem Umschalter in dem Batterieraume, wo jede Gruppe in 10 Untergruppen getheilt ist. So kann eine fehlerhafte Batterie leicht ausgeschaltet werden und bei etwaigem Kurzschluss an einem der Apparate wird ein allgemeines Aussetzen der ganzen Gruppe verhütet; denn der Widerstand der Zuführungen zwischen den Apparaten und den Unterabtheilungen im Keller lässt nicht zu, dass einer der Apparate selbst bei Kurzschluss mehr als 3 Ampère von der Batterie entnimmt. Schmelzdrähte verhindern Beschädigung der Apparate und Feuersgefahr. Alle Leitungen sind Stadtleitungen und haben nahezu gleichen Widerstand, so dass Ausgleichungswiderstände nicht nöthig werden. Die Stromstärke misst 17 bis 20 Milliampère. Die elektromotorische Kraft bei den Nadeltelegraphen beträgt 20 Volt; 10 Zellen liefern den positiven, 10 den negativen Strom, und in der Mitte ist die Erde angelegt.

Seit 1889 werden ausserdem 22 Zellen für die 10 Motoren der Vertheiler der Vielfachtelegraphen von Delany (vgl. 1885 255 * 328) benutzt, deren jeder etwa 0,12 Ampère fordert.

Seit der Uebertragung des ganzen Festlandsbetriebes nach dem Gebäude der General Post Office in St. Martins-le-Grand am 17. October 1891 werden die 59 Leitungen nach dem Festlande alle auch mit Speicherbatterien betrieben. Wegen ihrer verschiedenen Länge und wegen der Benutzung von Uebertragern auf englischer Seite bei einigen Linien musste eine verschiedene Anordnung gewählt werden. Dazu fand man es unzulässig, dieselbe Polarität für alle Länder zu benutzen: die deutschen, holländischen und belgischen Linien nehmen positiven, die französischen negativen Strom. Die 59 Leitungen sind in 4 Gruppen getheilt; da diese langen Leitungen 100 Volt (50 Zellen) fordern, so liegt die Gefahr einer Entsendung Gefahr drohender Ströme näher; deshalb sind Widerstände von 100 Ohm bei jedem Apparate in die Zuleitungsdrähte eingeschaltet, so dass nicht mehr als 1 Ampère in die Linie strömen kann. Ausserdem werden Hauptschmelzdrähte, welche bei 10 Ampère die Leitung unterbrechen, bei jeder Leitungsgruppe im Batterieraume aufgestellt. Schmelzdrähte für 3 Ampère sind ausserdem den Apparaten beigegeben, um Beschädigung der Apparate und Leitungen für den Fall des Kurzschlusses eines Sicherheitswiderstandes zu verhüten. Wo mitunter Uebertrager benutzt werden müssen, können nach Bedarf 100 oder 1000 Ohm Widerstand eingeschaltet werden.

Auch für die Telephonlinie London-Paris werden Speicherbatterien verwendet und erweisen sich da wegen ihrer unveränderlichen Stromstärke ganz besonders geeignet.

Die Ladung der Zellen erfolgt da, wo Vorrathszellen vorhanden sind, zu jeder gelegenen Zeit; wo keine da sind, wird bei Nacht geladen, weil da eine geringe Erhöhung der elektromotorischen Kraft am wenigsten stört. Man lässt die elektromotorische Kraft nicht unter 1,95 Volt für jede Zelle herabgehen.

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