Titel: Verwendung von Schreibmaschinen im Telegraphendienste.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287/Miszelle 4 (S. 216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/mi287mi09_4

Verwendung von Schreibmaschinen im Telegraphendienste.

Wie auch schon in einem längeren Aufsatze in der am 9. December erschienenen Nr. 21 (* S. 263) des 1. Jahrganges der Electricity mitgetheilt worden ist, hat sich in Amerika die Anwendung von Schreibmaschinen1) beim Aufnehmen von Telegrammen sehr rasch ausgebreitet. Sie ist zuerst etwa 1884 von der Associated Press versucht worden und seit 1890 wird die Schreibmaschine in allen Aemtern der United Press und der Associated Press ausschliesslich benutzt. Vor Einführung der Schreibmaschine umfasste der „Nachtbericht“ etwa 8000 Wörter für jede Leitung und das ganze Tagewerk etwa 18000, jetzt ersterer etwa 14000, letzterer etwa 30000 Wörter. Während ein Arbeiter erster Klasse etwa 40 Wörter in der Minute zu geben vermag, kann man erfahrungsgemäss mehrere Stunden hindurch schwer mehr als 30 oder 35 mit der Feder oder einem Stifte nachschreiben. Der Dienst der Pressvereinigung in New York verlangt 20 bis 30 Abschriften, welche früher mittels eines Eisen- oder Achatgriffels und zwischengelegten Farbeblättern auf Seidenpapier hergestellt wurden. Der angestrengte Dienst machte dabei die Telegraphisten bald krank und dienstunfähig. Mittels der Schreibmaschine vermag man leicht 70 Wörter in der Minute zu schreiben und bei einer kleinen Abänderung kann die Maschine leicht 30 Abdrücke liefern. Bei einer Gelegenheit sandte die United Press eine wichtige besondere Nachricht mit 3500 Wörtern in 55 Minuten an alle ihre Kunden. Auch die Commercial Cable Company liefert ihren Beamten Schreibmaschinen; ebenso benutzt sie die Postal Telegraph-Cable Company und zahlte ihren Beamten 1 Doll. wöchentlich mehr, wenn sie auf der Schreibmaschine arbeiteten. Beim Heberschreiber wurde auf dem atlantischen Kabel der Commercial Cable Company Ende 1891 die Schreibmaschine benutzt, auf Kabeln anderer Gesellschaften wurde sie noch nicht verwendet, wohl aber auf den Kabeln mit Morsebetrieb einiger anderer Gesellschaften. Man hat es in Amerika verstanden, die Schreibmaschine in bequemer und zweckmässiger Weise neben den Telegraphenapparaten aufzustellen. Beim Geben kommt sie unter das einen Schlitten bildende Pult oder sie wird unter einen Deckel am Pulte verborgen. Um die Zeichen besser vernehmbar zu machen neben dem Klappern der Schreibmaschine, wird noch ein zweiter Klopfer aufgestellt, links von der Schreibmaschine. Es haben sich besonders die Remington-Schreibmaschinen und die Caligraph-Schreibmaschine bewährt.

Die Postal Telegraph-Cable Company macht nach dem New Yorker Electrical Engineer, 1892 Bd. 13 * S. 534, die Zeichen des Klopfers gegenüber dem Rasseln der Tasten der Schreibmaschine ohne Mehraufwand von Kraft dadurch besser vernehmbar, dass sie die Rolle des Klopfers vergrössert. F. W. Jones dagegen hat einen Resonator in Vorschlag gebracht, welcher mit seinem Fusse auf den Tisch gestellt wird, links neben dem empfangenden Telegraphisten; der Klopfer kommt in den Resonator und dieser wird so gestellt, dass der volle Ton nach dem links neben dem gebenden Telegraphisten sitzenden empfangenden hingeworfen wird, so dass beide ihn hören können, während der Ton von allen anderen Richtungen durch einen Schirm getrennt ist.

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Vgl. 1891 281 * 228.

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