Titel: Antinonnin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1893, Band 287/Miszelle 3 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj287/mi287mi10_3

Antinonnin.

Das von Harz und v. Miller als gutes Mittel gegen die Nonnenraupe erkannte Orthodinitrokresolkalium, das jetzt allgemein unter dem Namen Antinonnin bekannt ist, scheint berufen zu sein, eine grosse Rolle zu spielen im Kampfe gegen verderbenbringende thierische und pflanzliche Lebewesen. Nach einem Aufsatze von Th. Stettner, königl. Hofbauamtmann, findet das Antinonnin nunmehr auch Verwendung in der Bautechnik. Verf. benutzt das Antinonnin in einer Lösung von 1 : 300 oder 500 zum Imprägniren der Bauhölzer. Die Imprägnirung geschieht in der Weise, dass die Hölzer entweder mit der Lösung bestrichen oder was wohl besser sein dürfte, dass sie einige Tage in die Lösung hineingelegt werden. Vor dem Einlegen lässt Verf. die Hölzer in der Sonne erwärmen oder mit brennendem Stroh schlagen. – Das Imprägniren der Eisenbahnschwellen mit Antinonnin dürfte ebenfalls empfehlenswerth sein.

Gute Dienste leistet das Antinonnin ferner zur Desodorisation von übelriechenden Böden und zur Desinfection von Zimmern. Für ersteren Zweck genügt eine Lösung von 1 : 100 bis 300; für letzteren ist eine stärkere erforderlich 1 : 20 bis 100. Die Lösung wird entweder direct, gemischt mit Farbe, auf die Wände und Decken der Zimmer mittels grober Pinsel aufgetragen oder nur als grundirendes Anstrichmaterial verwendet. Alte Tapeten werden in gleicher Weise behandelt. Nach dem Trocknen können neue Anstriche, Bemalungen, auch in Oelfarbe, vorgenommen oder neue Tapeten aufgeklebt werden, ohne dass die Wände bei gewissenhafter Reinigung wie bisher sorgfältig abgekratzt werden müssen. Nur bei sehr gewöhnlichen, dünnen Tapeten ist vielleicht ein Durchschwitzen des Antinonnins bezieh. ein Durchschlagen der gelben Farbe zu befürchten und daher ein Vorversuch anzurathen.

Zaunpfähle, Hopfen- und Telegraphenstangen, überhaupt Hölzer, welche in den Boden eingerammt werden sollen, werden durch Eintauchen ihrer Enden während nur eines Tages in Antinonninlösung von 1 : 100 bis 300 gegen Fäulniss und Vermoderung sehr widerstandsfähig gemacht.

Wenn, was wahrscheinlich der Fall, der Mauerfrass auf die Thätigkeit von Spaltpilzen zurückzuführen ist, so müsste eine Beimengung von etwa 5 Proc. Antinonnin zu dem unteren Mörtel die Zerstörung durch Mauerfrass hemmen. Diesbezügliche Versuche werden von Verf. zur Zeit angestellt.

Das Antinonnin müsste demnach, wenn es wirklich sämmtliche ihm nachgerühmten Eigenschaften besitzt, ein für die Bauhygiene unschätzbares Mittel abgeben, da durch dasselbe dem so gefürchteten Hausschwamm, überhaupt jeder Zerstörung durch Pilze und Ungeziefer vorgebeugt werden könnte. (Nach Süddeutsche Bauzeitung, durch Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1892 Bd. 24 S. 595.)

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