Titel: Ueber das Aufwickeln von Vorgarn u. dgl. auf Walzen.
Autor: Rohn, G.
Fundstelle: 1894, Band 291 (S. 10–13)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/ar291003

Ueber das Aufwickeln von Vorgarn u. dgl. auf Walzen.

Von G. Rohn, Oberingenieur in Chemnitz.

Mit Abbildungen.

In neuerer Zeit ist seitens der erfinderischen, verbessernden Thätigkeit in der Spinnereitechnik einem Umstände Aufmerksamkeit geschenkt worden, welcher zwar schon lange bekannt ist, der aber bisher noch nicht gewürdigt, aber auch noch nicht genügend beleuchtet worden ist. Es betrifft dies die Aufwickelung des Vorgarnes bei den Vorspinnkrempeln der Streichgarnspinnerei, doch treffen die hierbei vorkommenden Verhältnisse auch bei dem Aufwickeln (Aufspulen) von Garn, dem Aufwickeln von Fliess und Geweben auf Walzen zu. Im Besonderen ist nachstehend nur das Aufwickeln von Vorgarn mit den in neuerer Zeit hierfür gemachten Verbesserungsvorschlägen betrachtet und, um die dabei vorkommenden Umstände zu erläutern, sei zunächst auf Fig. 1 verwiesen, welche das Endtheil des Flortheilers einer Vorspinnkrempel veranschaulicht. Die aus den Nitschelzeugen (Frottirwerken) N kommenden Vorgarnfäden gelangen zwischen den Gabeln der hin und her bewegten Fadenführer f auf die Holztrommeln t und werden durch deren Drehung um die auf den Trommeln t liegenden Walzen (Vorgarnspulen) w gewickelt. Die Walzen w besitzen an den Enden kleine Zäpfchen, welche sich an die Halter (sogen. Spulenstanzen) s legen. Diese Spulenhalter s sitzen gewöhnlich auf Stangen e und können auf denselben unter verschiedenem Neigungswinkel zu den Trommeln eingestellt werden. Da die Spulenhalter, welche früher vielfach als Gabeln ausgeführt wurden, um die Spulenzäpfchen zwischen sich zu halten, jetzt allgemein so ausgeführt werden, dass, des leichteren und rascheren Einlegens halber, die Spulen frei auf denselben Hegen, so müssen die Halter stets eine nach hinten zu geneigte Lage einnehmen, damit die durch ihr Gewicht einestheils mit den aufgewickelten Vorgarnschichten an der Trommel t, anderentheils mit den Zäpfchen an den Haltern s frei liegende Vorgarnspule V bei ihrer Drehung sicher gehalten wird.

Textabbildung Bd. 291, S. 10
Dieses Aufwickeln auf die an geraden Haltern liegenden Spulen hat nun einen Uebelstand, indem das Aufwickeln nicht gleichmässig erfolgt. Mit zunehmendem Durchmesser erfolgt die Mitnahme der Spulen durch die Trommeln t, also die Drehung der Spulen sicherer, als wenn dieselben klein sind, wo bei der Mitnahme der Spulen Gleitungsverluste auftreten. Das Vorgarn wird also von den Nitschelzeugen weg mit wachsendem Aufwickelungsdurchmesser der Vorgarnspulen mit zunehmender Geschwindigkeit abgezogen; das Vorgarn hängt beim Beginn des Aufwickelns auf die Walze w zuerst durch, wird dann straff und immer straffer, bis schliesslich eine Dehnung des Vorgarnes zwischen Nitschelzeug und Vorgarnspule eintritt, welche natürlich auf eine Ungleichmässigkeit der aus dem Vorgarn erhaltenen Garnfäden hinwirken muss.

Textabbildung Bd. 291, S. 10
Es ist zwar vorgeschlagen worden1), zwischen Nitschelzeug und Aufwickeltrommel ein um letztere mitgeführtes endloses Tuch einzuschalten, wie dies in Fig. 2 skizzirt ist, um den freien Lauf der Vorgarnfäden zu vermeiden, doch wird damit der vorher erwähnte Uebelstand nicht aufgehoben, denn auf dem Tuche selbst kann doch noch ein Verziehen der Vorgarnfäden stattfinden, wenn auch das Durchhängen derselben mit dem Tragtuch verhindert wird. Auch hierbei wird immer noch, wie bei der allgemeinen Anordnung, die Spule F mit zunehmendem Durchmesser immer straffer und fester gewickelt werden, was die Ungleichheit des Garnes bedingt.

Als Ursache dieser Ungleichheit ist der mit zunehmendem Durchmesser der Vorgarnspule wachsende Andruck derselben an die Aufwickeltrommel anzusehen. Der Andruck bedingt die Reibung zwischen Trommel und Spule, und da die Reibung mit dem Druck, mit welchem die aneinander liegenden Flächen zusammengepresst werden, steigt, wird bei grösserem Spulendurchmesser die Reibung grösser und daher die Mitnahme der Spule durch die Trommel leichter. Um diese Mitnahme der Spule bei jedem Durchmesser derselben gleich zu machen und folglich einen ständig gleichmässigen Vorgarnabzug zu erzielen, hat man deshalb Einrichtungen zu treffen, welche einen gleichbleibenden Andruck der Spule an die Trommel während des Aufwickelns vermitteln. Hierfür sind nun neuerdings einige Einrichtungen angegeben worden, doch sollen, ehe auf dieselben näher eingegangen wird, erst die Kraftverhältnisse beim Wickeln der Vorgarnspulen betrachtet werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 10
Hierzu diene Fig. 3, in welcher α den Winkel bezeichnet, unter welchen die Spulenhalter zur Senkrechten O Y durch die Achse der Trommel t eingestellt sind. Von dem veränderlichen Gewicht der Vorgarnspule V kommt die gegen den Mittelpunkt O der Trommel gerichtete Seitenkraft für den Andruck der Spule an die Trommel in Betracht, während die andere Seitenkraft senkrecht gegen den Spulenhalter wirkt. Bei der unbewickelten Walze w, also dem kleinsten Spulendurchmesser, ergibt sich die Kraft d für den Andruck zu d = g cos α, worin g das Gewicht der Walze w bezeichnet. Allgemein ist der Andruck bei irgend einem Gewicht G der bewickelten Walze w D = G cos α, wenn die Richtung des geraden Spulenhalters durch die Trommelachse O geht. G ist nun abhängig von dem Radius R der Vorgarnspule, und wenn man den Radius der Walze w mit w bezeichnet, so ist

G = π (R2w2) c + g,

worin c das Gewicht der Körpereinheit des Vorgarnhohlcylinders bedeutet. Es ist

G = π R2 c + (gπ w2 c) = C R2 + C1,

|11|

worin C und C1 zwei constante bestimmte Grössen sind. Die Veränderlichkeit von G ist daher durch den Radius R bestimmt und es steigt C also im quadratischen Verhältnisse mit dem Wachsen des Durchmessers der Spule, und daraus erhellt auch die grosse Ungleichheit des Vorgarnabzuges, wenn man die Vorgarnspulen sehr gross im Durchmesser werden lässt. Letzteres ist aber in Hinsicht auf die Vermeidung des in zu kurzen Zwischenräumen, also zu oft, erfolgenden Einlegens neuer Walzen w geboten, und deshalb erheischt die Nothwendigkeit eine mögliche Beseitigung oder doch eine Verminderung der Ungleichheit des Spulenandruckes.

Der Forderung, dass der Spulenandruck stets derselbe bleibe, kann nun sehr einfach dadurch entsprochen werden, dass der Winkel, unter welchen die Seitenkraft des Spulengewichtes gegen die Senkrechte wirkt, veränderlich gemacht wird. Da d = g cos α und D = G cos α, so wird man, um d = D = constant zu erhalten, mit dem wachsenden Spulengewicht den Winkel α vergrössern müssen, da damit cos α kleiner wird.

In Fig. 3 ist bei A eine solche Lage der Vorgarnspule angenommen und es ist in dem rechtwinkeligen Dreiecke A B O A B = A O cos x, oder die wechselnde Höhe h des Mittelpunktes der Vorgarnspule über der Wagerechten O X durch die Trommelachse

h = (R + r) cos x,

worin r den Radius der Aufwickeltrommel bezeichnet.

Da nun D1 = G cos x und d = g cos α und D1 = d ist, also G cos x = g cos α, so ist

,

und daher mit Einfügung dieses Werthes in die obige Gleichung

,

oder mit Einfügung des oben angegebenen Werthes für G = C R2 + C1

Da der erste Bruch dieses Productes ein gleich bleibender, bestimmter Factor ist, was ebenso für den Bruch zutrifft, so kann die vorige Gleichung auch geschrieben werden

Hiernach muss also die Fläche des Spulenhalters gekrümmt sein, und es lässt sich für bestimmte Verhältnisse aus der vorher entwickelten Gleichung leicht der Verlauf der Krümmungscurve berechnen und aufzeichnen, wie dies in Fig. 4 für einen bestimmten Fall gemacht worden ist.

Die Curve A B geht im Anfange steil in die Höhe, wird dann flacher und senkt sich schliesslich wieder. Von der Curve ist natürlich bloss der erste Theil, etwa bis C, als Form der Auflagefläche an den Spulenhaltern zu benutzen, da bei Weiterführung der Curvenform an den Spulenhaltern die Spulen eine unsichere Lage an den Trommeln erhalten und schliesslich von denselben abfallen würden. Dem zu wickelnden Spulendurchmesser ist daher eine Grenze gesetzt, doch ist der damit erreichbare Spulendurchmesser vollkommen zulangend.

Man wird nun der sicheren Spulenlage halber trachten müssen, die Curve A B in dem zu benutzenden Theil möglichst steil aufsteigend zu erhalten. Da man ohne Verwendung von Gabelspulenhaltern den Winkel α nicht zu klein machen darf, um eine sichere Spulenlage zu erhalten, so wird man mit Bezug auf die gegebenen Formeln zur Erlangung eines steileren Curvenanfanges die Aufwickeltrommel von nicht zu kleinem Durchmesser und die Spule oder Walze w nicht zu schwach und zu leicht nehmen dürfen. Diese beiden Maassnahmen sind aber schon mit Rücksicht auf ein gutes Aufwickeln am Anfange von selbst zu treffen und man befolgt dieselben auch fast allgemein in der Praxis.

Textabbildung Bd. 291, S. 11
Durch die gekrümmte Form der Anlagsfläche der Spulenhalter kann man also der Forderung eines gleichbleibenden Andruckes der wachsenden Vorgarnspule an die Aufwickeltrommel entsprechen. Zu bemerken bleibt bloss der eine Umstand, dass die Anlagestelle der Spule an der Trommel sich ändert, also der Aufwickelpunkt sich verlegt und dadurch die Vorgarnstrecke vom Nitschelzeug bis zu diesem Punkte sich allmählich verlängert. Dies ist aber geringfügig und die etwa dadurch zunehmende Dehnung der Vorgarnfäden ganz ausser Acht zu lassen, so dass darin ein Uebelstand nicht zu erblicken ist. Ein Uebelstand könnte in der schwer herstellbaren genauen Curvenform und der nöthigen genauen Einstellung der Spulenhalter gefunden werden. Die durch eine geringe Abweichung von der mathematisch genauen Form herbeigeführten Unregelmässigkeiten werden aber kaum zu sehen sein, und man kann annehmen, dass schon durch eine ausserhalb der centralen zur Aufwickeltrommel liegende gerade Form der Spulenhalter der praktisch nöthigen Forderung für einen möglichst gleichbleibenden Spulenandruck entsprochen wird. Wenn man nach Fig. 4 die geraden Spulenhalter nach der Linie A D einstellt, so wird durch diese an die Curve angenäherte Gerade der Zweck der Curvenform zum grösseren Theile erreicht. Dies wird auch in richtiger Würdigung der Umstände bei Einstellung der Spulenhalter befolgt werden.

Trotzdem man damit ein einfaches Mittel an der Hand hat, den ungleichen Wirkungen beim Aufwickeln des Vorgarnes zu begegnen, sind doch mehrere Einrichtungen angegeben worden, denselben Zweck mit anderen, nicht immer einfachen Mitteln zu erreichen. In erster Linie sind hier anzuführen die im D. R. P. Nr. 60905 geschützten beweglichen Spulenhalter von Ed. Bastin in Verviers, Belgien. Die Zapfen der um die Walze w gewickelten Vorgarnspule V liegen hierbei, wie aus den beiden, die Stellung am Anfange und Ende der Spule wiedergebenden Fig. 5 und 6 hervorgeht, in dem gegabelten Ende von Armen s, welche fest auf der drehbaren Stange i sitzen. Die Spule wird dadurch bei ihrem Wachsen in einem Kreisbogen geführt, |12| und es ist dies nichts weiter, als eine Annäherung der vorhin erläuterten Nothwendigkeit, diese Führung in einer Curve zu bewerkstelligen. Die Beigabe des in der Patentschrift angegebenen Gewichtes e an den Armen s erscheint aber nach dem vorher Erläuterten eigentlich zwecklos, denn dasselbe vergrössert nur das Gewicht der Vorgarnspule am Anfang des Aufwickelns und ändert die Wirkung dieses Gewichtes bei zunehmender Spule, wodurch aber nach den obigen Ausführungen die Form der Führungscurve geändert wird. Die drehbaren Spulenhalter allein, ohne besondere Beschwerungsgewichte, können also der Forderung nach gleichmässiger Wickelung der Spulen schon genügen, wenn die Lage des Drehpunktes, die Lage der Stange i, so gewählt wird, dass der Bogen der construirten Führungscurve durch den Kreisbogen möglichst gedeckt wird.

Textabbildung Bd. 291, S. 12
Die besondere Beschwerung der drehbaren Spulenhalter bewirkt aber eine Steigerung der ausgleichenden Wirkung der Spulenführung, da diese Beschwerung in zwei nach den Mittelachsen der Aufwickeltrommel t und der Stange i gerichteten Seitenkräften wirkt. Beim Beginn des Aufwickelns wird die Seitenkraft nach der Trommel grösser als die andere Seitenkraft sein, und mit zunehmendem Aufwickeldurchmesser wächst die Seiten kraft nach der Stange i, so dass dadurch bei einer das Gewicht des Vorgarnes auf der Spule übertreffenden Grösse der Gewichte e der Andruck der Vorgarnspule an die Aufwickeltrommel sich sogar vermindert. Es ist wohl deshalb, um einer solchen unter Umständen wieder zu einer umgekehrten Ungleichheit beim Aufwickeln Veranlassung gebenden Wirkung begegnen zu können, bei der Ausführung, wie Fig. 6 zeigt, das Gewicht e besonders und verstellbar an den Spulenhalter zum Anschrauben eingerichtet. Gleichzeitig ist an dem Spulenhalter ein Gewichtsarm angebracht, welcher bei zunehmender Spule als Gegengewicht für das stellbare Gewicht e wirkt, dessen Wirkung also aufheben kann.

Textabbildung Bd. 291, S. 12
Auch bei diesen beweglichen Spulenhaltern ändert sich die Lage des Berührungspunktes der Spule mit der Trommel, wie aus Fig. 6 hervorgeht. Dies vermeidet die von Joseph Jeukens in Eupen im D. R. P. Nr. 63819 angegebene und in Fig. 7 und 8 dargestellte Einrichtung.

Die Spule wird dabei an den gerade geformten und radial zur Aufwickeltrommel t stehenden Haltern s geführt, aber an ihren Zapfen von einem mit wachsender Spule abnehmenden Druck belastet. Der Spulenhalter s ist geschlitzt und führt sich in dem Schlitze ein Arm d, welcher sich auf den Spulen zapfen legt und an dessen ausragendem Ende eine Stange c gelenkig angeschlossen ist, die wieder das verstellbare Gewicht e trägt. Die Stange legt sich auf das Ende des Spulenhalters und verschiebt sich mit wachsender Spule auf diesem, so dass das Gewicht mit seiner Schwere immer weniger den Spulenzapfen belastet.

Auch bei dieser Einrichtung tritt der Umstand auf, dass bei grossem Spulendurchmesser das Gewicht e gar keine Belastung der Spule mehr hervorbringt, und der Andruck der Spule an die Trommel daher nicht gleich bleibt, sondern zu viel abnehmen kann. Durch die gewählte Gelenkverbindung ist auch ein Klemmen des Armes d in dem Führungsschlitze nicht ausgeschlossen und für die freie Auflage von c auf s, welche leicht gestört werden kann, sollte doch lieber eine zwangsläufige Führung angeordnet werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 12
B. König in Zintenhof, Russland, ordnet bei seiner Garnwickelvorrichtung (D. R. P. Nr. 71194) eine die Vorgarnspule bei ihrem Wachsen verschieden belastende Druckwalze an. Nach Fig. 9 sind senkrecht über der Aufwickeltrommelachse Gabelführungen k angeordnet, in denen die Zapfenlager einer Walze e gleiten. Diese Walze, welche in ihrer tiefsten Stellung, um das Einlegen einer leeren Walze w zu ermöglichen, von der Walze l gestützt wird, wirkt einseitig drückend auf die Vorgarnspule V, so dass, wie in der Patentschrift gesagt ist, ein immer grösser werdender Abschub der Vorgarnspule von der Trommel gegen die Halter auftritt und daher ein schädliches Eindrücken (der grösser werdenden Spule) an der Trommel nicht stattfindet.

Es ist hierzu zunächst zu bemerken, dass eine solche Wirkung bei dieser Einrichtung nur unter besonderen Verhältnissen stattfinden kann. Wenn die Spulenhalter in einer solchen Neigung stehen und die Führung der Druckwalze senkrecht erfolgt, wie in Fig. 9 gezeichnet (welche Anordnung der Patentschrift entnommen ist), dann tritt überhaupt keine Aenderung in der Wirkung des Walzendruckes auf die Vorgarnspule ein, denn die in Betracht kommende Seitenkraft des Gewichtes der Walze e, welche nach der Achse der Vorgarnspule zu wirkt, bleibt stets gleich, da der Winkel dieser Seitenkraft stets der gleiche bleibt. Diese Seitenkraft wirkt nur wenig auf eine Andruckvermehrung der Spule und gar nicht dem Andruck der Spule an die Trommel t entgegen, was doch beabsichtigt ist. Erst bei Verhältnissen, wie in dem Kräfteplane Fig. 10 gewählt, tritt diese Wirkung ein, weil sich mit dem Heben der Walze e der Winkel, mit welchen das Gewicht der Walze e auf den Spulenhalter wirkt, von einem spitzen in einen stumpfen übergeht, so dass die in der Richtung des Spulenhalters wirkende Seitenkraft p schliesslich von der Trommel t nach aussen gerichtet ist.

Alle die beschriebenen Einrichtungen zur Erreichung |13| eines gleichbleibenden und abnehmenden Andruckes der Vorgarnspule an die Aufwickeltrommel erleichtern das Einlegen der Walzen und Herausnehmen der vollen Vorgarnspulen keineswegs, sie bilden hierbei nur gewissermaassen Hindernisse, und die Anwendung solcher Einrichtungen wird nur dort, wo an die Gleichmässigkeit des fertigen Gespinnstes und daher auch an die des Vorgarnes hohe Anforderungen gestellt werden, sich rechtfertigen. Die Einrichtungen haben aber das Gute, dass man mit ihrer Hilfe den Spulenandruck abnehmend machen kann, was nicht ohne Bedeutung ist.

Textabbildung Bd. 291, S. 13
Die Reibung, welche die Mitnahme der Spule durch die Oberfläche der Trommel bedingt, hängt nicht allein von dem Andruck der Spule an die Trommel, sondern auch von der Grösse der Anlagefläche zwischen Trommel und Spule ab. Obwohl mathematisch genommen diese Fläche nur in einer gleichbleibenden Linie zu suchen ist, so verhält sich dies in Wirklichkeit doch anders, da sich die elastische Spule mit ihrem Grösserwerden, da die elastische Schicht stärker wird, an der Anlegestelle mehr und mehr platt drückt. Also wird auch bei gleichbleibendem Andruck die Mitnahme der Spule bei wachsendem Durchmesser unter Umständen leichter erfolgen und der Abzug des Vorgarnes von den Nitschelzeugen immer noch etwas straffer vor sich gehen. Deshalb ist es für den vollkommen gleichmässigen Abzug gut, dass bei dem grösseren Spulendurchmesser (bei leichterer Mitnahme) der Andruck der Spule an die Trommel etwas geringer wird.

Dieser Forderung kann aber auch in einfachster Weise durch eine entsprechende Form der Spulenhalter entsprochen werden. Die Curve A C in Fig. 4 lässt sich auch so construiren, dass bei grösserem Spulendurchmesser die nach der Mittelachse der Trommel gerichtete Seitenkraft des Spulengewichtes mehr und mehr abnimmt.

Gegenüber diesem einfachen, die Bedienung des Flortheilers beim Spulen-Ein- und Auslegen nicht verändernden und hindernden Mittel zur Erreichung der gegebenen Forderung, erscheinen zusammengesetzte Antriebsvorrichtungen, wie die von C. Diedrich in Cottbus im D. R. P. Nr. 64657 angegebene für eine allgemeinere Einführung in die Praxis kaum geeignet. Bei dieser Einrichtung soll der ungleiche Abzug mit wachsender Vorgarnspule dadurch beseitigt werden, dass man der Aufwickeltrommel eine abnehmende Geschwindigkeit gibt. In die Antriebsvorrichtung der Aufwickeltrommeln ist ein Riemenkegelpaar eingeschaltet, dessen Riemen dem Wachsen der Spule entsprechend verschoben wird, so dass sich das Uebersetzungsverhältniss ändert. Die dadurch herbeigeführte abnehmende Geschwindigkeit wird durch einen gemeinschaftlichen Riemen allen Aufwickeltrommeln gleichzeitig und gleichmässig mitgetheilt.

Die Einrichtung bedingt, dass zur Vermeidung von Ungleichheiten alle Spulen gleichzeitig abgenommen werden, und da der erwähnte Antriebsriemen dann jedesmal in die Anfangsstellung zurückgeschoben werden muss, so erfordert die Einrichtung eine peinliche Aufmerksamkeit. Es muss zwar anerkannt werden, dass die mit dieser Einrichtung mögliche Erhaltung von gleichen Vorgarnspulen viele Vorzüge für sich hat, doch wird die verlangte Aufmerksamkeit, welche für die Sicherung der guten Gleichmässigkeit Bedingung ist, der allgemeineren Anwendung der Einrichtung hinderlich sein.

Ein gleichbleibender Abzug des Vorgarnes, also eine gleichmässige Aufwickelung desselben kann auch erreicht werden, wenn man, nach dem Vorschlage von J. S. Bolette in Spaa, Belgien, statt einer grösseren zwei kleinere Aufwickeltrommeln anordnet und nach Fig. 11 die Walze w in die Mitte zwischen die beiden Trommeln legt und senkrecht führt. Wie aus dem Kräfteplane Fig. 12 ersichtlich ist, bleiben die von dem Gewicht g der Walze w und dem Gewicht G der Vorgarnspule nach den Achsen der beiden Trommeln t wirkenden Seitenkräfte d und D, welche den Andruck der Spule an die Trommel hervorbringen, stets ziemlich gleich. Die Einrichtung ist übrigens in der Spinnereitechnik bereits verschiedentlich angewandt, z.B. bei den Aufwickelvorrichtungen der Schlagmaschinen. Es verändern sich dabei zwar die Anlagestellen der Spule beim Wachsen derselben an den Trommeln, welcher Umstand aber nicht viel auf sich hat.

Textabbildung Bd. 291, S. 13
Textabbildung Bd. 291, S. 13
Eine gleichmässige Mitnahme der Spule durch die zwei Aufwickeltrommeln soll nach einem zweiten Vorschlage des Genannten dadurch erzielt werden, dass man nach Fig. 13 um die Trommeln t ein endloses Tuch u legt. Da die Anlage des Tuches an den Trommeln bei grosser oder kleiner Spule stets annähernd die gleiche ist, das Tuch also stets mit derselben Geschwindigkeit durch die Trommeln bewegt wird, so wird auch die Spule mit Rücksicht darauf, dass dasselbe wegen seiner Rauheit die Spule leichter mitnimmt und die Anlagefläche fast stets gleich bleibt, die Mitnahme der Spul$ gleichmässig erfolgen und die Vorgarnfäden gleichmässig abgezogen werden.

Bezüglich dieser beiden letzten Einrichtungen ist zu bemerken, dass dabei die Spulenzapfen in Gabeln laufen müssen, wodurch das Einlegen der Walzen bei Beginn neuer Spulen etwas erschwert ist. Eine einseitige Führung entgegen der Drehungsrichtung zur Vermeidung dieses Uebelstandes dürfte doch zu wenig Sicherheit für die richtige Lage der Spule geben.

Es sei hier schliesslich noch darauf hingewiesen, dass die beschriebenen Verhältnisse in der umgekehrten Weise beim Wiederabwickeln der Spulen auf den Spinnmaschinen auftreten. Man wird also auch dort, um einen gleichmässigen Vorgarnabzug zu erhalten, die Spulenhalter entsprechend einzurichten haben. Vorschläge hierzu sind bereits gemacht.

|10|

Vgl. D. R. P. Nr. 5133 von G. Wilhelm in Crimmitschau.

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