Titel: Ueber die Herstellung von Schnuren, Litzen, Seilen u. dgl.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1894, Band 291 (S. 81–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/ar291024

Ueber die Herstellung von Schnuren, Litzen, Seilen u. dgl.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 58 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Zur Herstellung von Seilen, die sich bei gleicher Elasticität, wie sie anderen Seilen eigenthümlich ist, besonders durch grosse Feuersicherheit auszeichnen, haben William James Crowe, Herbert Thomas Philipps und William John Betts in London im englischen Patent Nr. 19642 A. D. 1890 ein Verfahren angegeben, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Litzen in folgender Weise gebildet werden.

Aus Asbest werden zunächst eine Anzahl Garne gesponnen und diese zu einer Seele b zusammengedreht (Fig. 32, 33). Ist dies geschehen, so wickelt man um die gedrehte Seele Draht c und sichert so die Lage der Garne in der Seele. Ueber die Drahtwindungen c endlich bringt man eine Lage von Garnen d, welche aus Hanf hergestellt sind, der durch Imprägniren feuersicher gemacht ist.

Seile, welche nach diesem Verfahren hergestellt sind, werden, sobald sie dem Feuer ausgesetzt werden, höchstens kohlen, die Seelen aber, welche durch die Drahtwindungen gehalten werden, werden ihren Zusammenhang nicht verlieren, und es können deshalb die Seile besonders für Theaterzwecke, Rettungs- und Hausleitern, sowie Aufzüge u.s.w. Verwendung finden.

In Fällen, wo die Unverbrennbarkeit nicht erforderlich ist, kann man die Asbestseelen durch Kautschuk ersetzen.

Textabbildung Bd. 291, S. 81
Trossen, Leinen u.s.w., welche sich auf dem Wasser treibend erhalten, sind bereits im J. 1877 von A. D. Leday in San Francisco in dem amerikanischen Patent Nr. 198031 in Vorschlag gebracht und dieser Vorschlag ist in neuester Zeit von Joh. T. Haase in Deichshausen, Oldenburg, wieder aufgenommen worden. Letzterer stellt schwimmende Trossen, Leinen u.s.w. in gleicher Weise wie der erstgenannte Erfinder, und zwar folgendermaassen her: Die Litzen werden aus Garnen b gebildet, welche um eine Seele gruppirt sind, die aus einem mit Korkpulver gefüllten Schlauch a (Fig. 34) aus Hanf oder Baumwolle hergestellt ist. Sollen mehrere Litzen zu einem Seil geschlagen werden, so empfangen nicht nur die Litzen eine Seele der vorbezeichneten Art, sondern auch für das Seil selbst ist eine solche vorgesehen, wie Fig. 35 erkennen lässt. Werden die Seile durch Flechten und nicht durch Drehung gewonnen, so wird in gleicher Weise verfahren (Fig. 36); bei ganz dünnen Leinen jedoch fällt die Seele fort und es werden die |82| Zwischenräume zwischen den einzelnen Garnen mit Kork angefüllt (Fig. 37).

Textabbildung Bd. 291, S. 82
Die in der einen oder anderen Weise gewonnenen Leinen, Trossen, Seile u.s.w. sinken nicht auf den Grund, kommen somit nicht in den Schlamm, können leicht eingeholt werden und trocknen leicht; eignen sich also besonders für Schiffsbedarf, Pioniere u.s.w.

Textabbildung Bd. 291, S. 82
Textabbildung Bd. 291, S. 82
Ein Seil, dessen Widerstandsfähigkeit gegen schnelle Aenderungen der Zugspannungen dadurch erhöht ist, dass an geeigneten Stellen durch Einbinden eines vollkommen elastischen Körpers, z.B. eines Stranges von vulkanisirtem Kautschuk, eine elastisch dehnbare Seele gebildet ist, veranschaulichen die Fig. 38 und 39. Dasselbe rührt von Frederick Ayckbourn in London England, her und ist Gegenstand des englischen Patentes, Nr. 10892 A. D. 1890. Derartige Seile sind besonders zum Treideln von Schiffen oder Schleppen von Booten u.s.w. geeignet.

Textabbildung Bd. 291, S. 82
Für die Herstellung von Strängen haben Aug. Ernst Rohringer und Clemens Schöps in Leipzig in der Patentschrift Nr. 64712 ein Verfahren angegeben, welches das zeitraubende, bei jedem der einzelnen Fäden des Stranges sich wiederholende ablaufende Ausspinnen beseitigt und zu den an ihren Enden spitz zulaufenden Strängen gewöhnlichen, in gleichmässiger Stärke verlaufenden Seilfaden verwendet. Dieses besondere Verfahren ist durch die Fig. 40 bis 43 veranschaulicht und wird in folgender Weise durchgeführt.

Textabbildung Bd. 291, S. 82
Auf einer geeigneten Bahn bezieh. einem Brett oder Balken sind in geeigneten, verschieden zu einander bemessenen Entfernungen Stifte bezieh. Haken I, II u.s.w. eingeschlagen. Die Zahl derselben, wie auch der Haken S, welche benutzt wird, richtet sich nach der Zahl der Fäden, die zu einem Strange erforderlich sind. Der vom Haspel sich abwickelnde Faden F wird am Stifte I1 befestigt (Fig. 40) und über den Stift S1 weg nach IV1 gezogen und von da zurück über S2 nach III1 bezieh. S3 nach II1. Dieses Ueberziehen wird fortgesetzt, bis etwa bei I4 Schluss gemacht und das Anknüpfen des hier von dem Haspelfaden abgerissenen Endes geschieht. Auf diese Weise hat man vier verschieden lange Partien von je vier Fäden erlangt. Bei den Stiften S geschieht nun die Gruppirung von je verschieden langen Fäden durch Anhängen auf je einen der Stifte. An dem entgegengesetzten Ende werden die Fäden zerrissen und man erhält etwa die durch Fig. 41 gezeigte Zusammenstellung der Fäden. Also wären z.B. zusammen an je einem Stifte S angehängt: 1) I1 IV1 und II1 III2;, 2) I2 IV2 und II2 III1; 3) I3 IV3 und II3 III4 und 4) I4 IV4 und II4 III3. Damit ist die Vorbereitung der Fäden zur Herstellung der Litzen L beendet und es geschieht nach dem Anhängen mit dem geschlossenen Ende an den Spindelhaken deren durch Fig. 42 dargestelltes Zusammenspinnen. Hierbei wird, weil die Fäden unter einander ungleich lang sind und das beim Zerreissen in ungleicher Länge geschehende Ausziehen der Hanffasern ein schwächeres Verlaufen bedingt, die Stranglitze die geforderte, sonst nur durch mühsames Spinnen zu erlangende |83| verlaufende Dicke haben. Derartige Litzen, zu einem Strang vereint zusammengeseilt, werden denselben in der gehörigen Form erscheinen lassen, wie sie eben nur durch zeitraubendes Abspinnen bisher zu erzeugen möglich war.

Ein Verfahren, Treibschnuren, deren beide Enden zu Schlingenösen ausgebildet sind und die keine Knotenstellen und heraushängende Litzen aufweisen; herzustellen, hat Fr. Graf in Gantzsch bei Leipzig angegeben. Dieses Verfahren wird durch folgende Vorgänge gekennzeichnet:

Textabbildung Bd. 291, S. 83
Die zur Schnur umzubildenden einzelnen Litzenfäden werden als ein einziges Stück über verschiedene Haltestifte gelegt, so zwar, dass schliesslich das eine Ende des Einheitsfadens an einem auf einer Drehachse befindlichen Stift festgeschlungen oder -geklemmt wird, während das andere Ende des Einheitsfadens auf einen zweiten, ebenfalls auf einer Drehachse sitzenden Stift geschlungen wird. (Fig. 44 bis 46.)

Die beiden Stiftachsen werden in Drehung versetzt, so dass zunächst sich zwei Hauptschnurlitzen bilden, die, wenn genügend Drehkraft entwickelt wird, sich zu einer Schnur zusammendrehen.

Ist letzteres nahezu vollendet, so findet das Einarbeiten der Einheitsfadenenden statt, was in der Hauptsache dadurch geschieht, dass die auf beiden Haltestiften sitzenden Schlingen auf einem einzigen Haltestift vereinigt werden, in welcher Lage die Endfäden mit den noch nicht völlig zusammengedrehten Hauptlitzen verflochten und schliesslich die Fertigstellung der Schnur zur Durchführung gebracht werden.

Der Vorgang bei der Durchführung des Verfahrens ist folgender (vgl. Fig. 47 bis 59):

Von einer Spule oder Weife wird der Einheitsfaden i abgenommen und das eine Ende e1 mit dem Haltestift d1 auf Drehstück A lösbar verschlungen. Der Faden i wird dann abwechselnd über den Stift c am Gegentheil C und über die beiden Stifte a und b an den Drehstücken A B geschlungen, und zwar so oft, als dies die Stärke der zu fertigenden Schnur bedingt. Das letzte Ende e2 des Einheitsfadens i wird schliesslich am Stift d2 auf Drehstück B endgültig angeschlungen oder eingeklemmt (vgl. Fig. 47).

Die jeweilige Gesammtlänge einer einzelnen zu fertigenden Treibschnur wird von vornherein bestimmt durch die Entfernung des Gegentheiles C von den Drehstücken A B (Fig. 45).

Textabbildung Bd. 291, S. 83
Die aufgeschlungenen Fäden i werden nunmehr zu zwei Hauptlitzen i1 und i2 (vgl. Fig. 48) zusammengedreht, was mittels der Räder R, R1 und R2 (vgl. Fig. 45) geschieht.

Sind die Hauptlitzen i1 i2 fest genug gedreht, so üben sie auf den Gegentheil C einen gewissen Zug aus, der durch ein Schnurgewicht g regelbar eingestellt werden kann (Fig. 44, 45). Der Gegentheil C wird durch die Litzen i1 i2 um ein gewisses Stück (vgl. Fig. 44, punktirte Stellung) verschoben, bis er von dem einstellbaren Haltearm D gehalten wird (vgl. Fig. 44 und 45). Nach erfolgtem Stillstande des Gegentheiles C wird ein Hemmtheil E (vgl. Fig. 49) zwischen die Litzen i1 i2 eingeklemmt, damit die nunmehr beginnende Verdrehung der Hauptlitzen sich möglichst fest gestaltet (vgl. Fig. 50). Ist die Verdrehung der beiden Hauptlitzen nahezu vollendet, so erfolgt die Einarbeitung der Enden des Einheitsfadens i, und zwar das Ende e1 nach dem Drehstücke B herüber, während umgekehrt Ende e2 nach dem Drehstücke A |84| hinüber in die Litzenschlingen h1 h2 auf Stifte a b eingefädelt wird (vgl. Fig. 51 und 52).

Textabbildung Bd. 291, S. 84
Hierauf werden die beiden Litzenschlingen h1 h2 auf einem Stift, nämlich a, vereinigt (vgl. Fig. 52 und 53) und die überhängenden Einheitsfadenenden e1 e2 an die Litzen i1 i2 angedrückt und etwas mit letzteren verschlungen (vgl. Fig. 53). Ist dies geschehen, so hängt man die Litzenschlingen h1 h2, welche ihre Verbindung unter einander durch Fadenenden e1 e2 erhalten haben, von Stift a ab, während die Endschlinge x auf letzteren, also auf a, gehängt wird (vgl. Fig. 53 und 54), und vollendet die Fertigdrehung der Schnur, indem man die Drehstücke A B bei Einsteckung des Hemmkeiles E in entgegengesetzter Richtung (vgl. Pfeile Fig. 54) bewegt.

Textabbildung Bd. 291, S. 84
Durch Entfernung des Hemmkeiles E ist die Schnur fertig, sie hat zwei Endschlingen x x (Fig. 46) und weist keine verdickte Bindestelle auf. Ebenso wenig sind Fadenenden sichtbar und aus diesem Grunde ist die solcher Art gefertigte Schnur viel vortheilhafter als die nach anderen Methoden hergestellte.

In den Fig. 55 bis 59 ist eine andere Ausführungsform der Drehstücke A und B dargestellt, indem dieselbe mit einer beliebigen Anzahl Haltestifte a b versehen sind, welche die Bildung einer grösseren Zahl Litzenschlingen h1 h2 ermöglichen. Im Uebrigen befindet sich auch in diesem Falle zur endgültigen Verdrehung die Endschlinge x der Schnur auf einem der Stifte a.

In Fig. 60 und 61 ist eine Vorrichtung gezeigt, um die Schlingen h2 von einem Drehstück nach dem anderen übertragen zu können.

Um Leinen herzustellen, welche weder Schleifen werfen, noch sich jemals aufdrehen können, wickelt Gust. Thiele in Hirschberg, Schlesien, nach Seilerart gearbeitete Leinen auf eine Winde, steckt einen Bolzen hindurch und legt die Winde in wagerechter Lage auf Böcke, um ein leichtes Abwickeln der Leine herbeizuführen. Sodann näht er mittels einer starken Nähmaschine die Leine der Länge nach in der Mitte durch.

Durch dieses Verfahren wird eine grössere Festigkeit und längere Haltbarkeit der Leine erreicht. Auch können sich die einzelnen Strähnen oder Litzen weder verschieben noch aufdrehen, da sie durch die Naht fest zusammengehalten werden. Selbst bei Anwendung von Gewalt wird sich die Leine stets in die ursprüngliche Lage zurückbegeben und dies sogar, wenn die Naht auch nur in weiten Stichen ausgeführt ist.

Eine so hergestellte Leine wird auch viel handlicher, bandähnlicher und ist dadurch der geklöppelten bedeutend vorzuziehen, weil diese steif sind und sich somit für verschiedene Zwecke nicht eignen.

Zur Anfertigung von Drahtseilen bezieh. Drahtseilbändern, welche ihrer ganzen Länge nach mit einer bezieh. einer ganzen Anzahl Abflachungen versehen sind, die das Aufliegen einer grösseren Zahl von Drähten und demgemäss eine grössere Reibung verursachen sollen, als runde Drahtseile, haben A. Latch und Cl. Batchelor in der englischen Patentschrift Nr. 12285 A. D. 1888 ein Verfahren angegeben, welches aus folgenden Arbeitsprocessen zusammengesetzt ist.

Um einen oder mehrere Kerndrähte A (Fig. 62 bis 67) von flachem, dreieckigem oder anderem Querschnitt werden runde Drähte B gewunden und auf diese Weise Litzen hergestellt, welche zwei oder mehr Abflachungen zeigen. Eine Anzahl solcherart angefertigter Litzen schlägt man um eine Seele und erhält so ein Seil, das ebenfalls auf seiner Aussenseite Abflachungen darbietet, wie es die Querschnitte Fig. 68 und 69 erkennen lassen, deren erster durch ein Seil geführt ist, was sechs Litzen enthält, die nach der in Fig. 62 veranschaulichten Weise angefertigt sind, während der zweite von einem Seile mit sechs Litzen der in Fig. 66 dargestellten Art entnommen ist.

Anstatt Kerndrähte von unrundem Querschnitt zu nehmen, kann man dieselben auch aus zwei oder mehr runden Drähten zusammensetzen und dann diese mit einem System von runden Drähten umwinden, wie es die Fig. 70 und 71 erkennen lassen.

Textabbildung Bd. 291, S. 84
Endlich aber kann man auch die Kerndrähte A durch Litzen ersetzen und erhält so einfache Seile und Kabel, welche Abflachungen zeigen. Die Fig. 72 und 73 zeigen z.B. Querschnitt und Ansicht eines Seiles, das aus zwei neben einander gelegten Litzen A und um dieselbe gewundenen Drähten B besteht. In den Fig. 74, 75 und 78 sind Querschnitte von Kabeln gezeigt, bei denen die einzelnen Seile ähnlich dem in Fig. 72 veranschaulichten angefertigt sind. In Fig. 74 ist jede Litze A aus sechs Drähten von |85| gleicher Stärke angefertigt, nach Fig. 78 dagegen sind die Litzen A der Seele von verschiedener Stärke. Fig. 79 veranschaulicht ein Kabel, dessen Seile je eine Seele aus drei in der Form eines Dreieckes zusammengesetzten Litzen enthalten.

Die sich zwischen den einzelnen Litzen bildenden Zwischenräume E sind nach Bedarf mit Hanf ausgefüllt, um einen festeren Schluss des Seiles bezieh. Kabels herbeizuführen. Anstatt die einzelnen Litzen mit Drähten zu umhüllen, können dieselben endlich auch wieder mit Litzen umwickelt werden, und es können die Drähte jeden Querschnitt haben.

Textabbildung Bd. 291, S. 85
Die Firma Felten und Guilleaume in Karlswerke (vgl. S. 90 d. Heftes) bei Mühlheim a. R. stellt nach dem Inhalte der Patentschrift Nr. 65108 Drahtseile bezieh. Kabel der vorbezeichneten Art nicht in der Weise her, dass sie den abgeflachten Kern oder die Seele mit Deckdrähten umwickelt und dann die so erhaltenen Litzen bezieh. die Seile mit Hilfe einer Seilmaschine zusammendreht, welche, im Gegensatz zu den sonst bei der Drahtseilerei üblichen, mit Excentern versehenen sogen. Planetensystemmaschinen, keine Excenter zur Festhaltung der Abwickelhaspel besitzt, sondern die Firma verdreht die abgeflachten Litzen vor dem Zusammendrehen zum Seil spiralig in sich selber, und zwar mit derselben Steigung, die das herzustellende Seil besitzen soll, und erhält so Seile, die das Bestreben, sich aufzudrehen, nicht zeigen. Die genannte Verdrehung der Litzen bewirkt die Firma dabei zugleich mit dem Umwinden bezieh. Umspinnen des Kernes mit den Deckdrähten. Die spiralförmig in sich verdrehten abgeflachten Litzen werden dann auf einer gewöhnlichen Excenterseilmaschine zusammengedreht, wobei die vorhandene Drehung der Litzen durch den dem Seile gegebenen Drall aufgenommen wird, so dass im fertigen Seil dieselbe flache Aussenseite jeder Litze ununterbrochen auf der Aussenseite des Seiles verläuft.

Die zur Herstellung der spiralig in sich verdrehten abgeflachten Kernlitze dienende Maschine ist in den beistehenden Fig. 80 bis 83 wiedergegeben. Der mit seinen Drehzapfen k1 in Böcken l l1 gelagerte Rahmen K1, in welchem die den abgeflachten Kerndraht K enthaltende Spule k senkrecht zur Rahmendrehachse gelagert ist, steht durch Kuppelung k3 in Verbindung mit einer hohlen, in den Böcken l2 l3 Lagerung findenden Welle, auf welcher hinter dem Bocke l3 eine Düse K2 sitzt. Der Kerndraht K wird von seiner Spule k durch den hinteren hohlen Drehzapfen k2, die hohle Welle k1, die Düse K2, deren Austrittsloch dem Kerndrahtquerschnitte entspricht, und durch ein Klemmwalzenpaar S S1 nach dem Auszugshaspel A gezogen. Die Klemmwalzen haben ihre Lager in Armen s s einer im Gestelle l4 conaxial mit Welle k1 gelagerten Welle s1, welche zum Durchlass des Kernes (bezieh. Litze) hohl ist.

Die mit den Deckdrähten D versehenen Spulen d sitzen concentrisch um die Welle k1, aber rechtwinkelig zu derselben in einem Rahmen D1, dessen zu einer hohlen Welle d1 ausgebildete Nabe auf die Welle k1 geschoben und ebenfalls in den Böcken 12 l3 gelagert ist. Das hintere Rahmenende stützt sich auf Rollen d6. Die Deckdrähte werden von ihren Spulen d, die in bekannter Weise durch Ring d8 und Kurbeln d7 Drehbewegung um ihre Achsen erhalten, mittels der Führung D2 in die Klemm walzen S S1 geleitet und weiterhin durch deren hohle Welle nach dem Auszugshaspel geführt. Die Führung D2 setzt sich zusammen aus einer vorderen, auf der Welle d1 befestigten Scheibe d2 mit concentrisch zur Welle k1 angeordneten Leitlöchern d4 und einer damit conaxial durch Säulchen d9 verbundenen hinteren Lochscheibe d3, deren Löcher d5 übereinstimmend mit denjenigen d4, aber auf einem entsprechend engeren Kreise, angeordnet sind. In ihrer Mitte hat die Scheibe d3 ein Loch d10 zum freien Durchlass des Mundes der Düse K2.

Textabbildung Bd. 291, S. 85
Der Antrieb der Maschine erfolgt mittels der auf die Deckdrahtrahmen welle d1 gesetzten Scheibe T; Welle d1 theilt die Bewegung durch Stufenscheiben t1 t2 und Kette einer liegenden Welle t mit, die einerseits durch Kettenscheiben t3 t4 mit dem hinteren Drehzapfen k2 und andererseits durch Kettenscheiben t5 t6 mit der Welle s1 verbunden ist.

Wird nun Bewegung in die Maschine geleitet, so werden der Kerndraht und die Deck drahte unter dem Zuge des Auszugshaspels A, dessen Drehgeschwindigkeit in bekannter Weise im Verhältniss zu der der Maschine geregelt wird, durch die Klemmwalzen durchgezogen und einerseits D1 D2, andererseits K1 K2 S S1 in Drehung versetzt mit der Wirkung, dass die Deckdrähte auf den Kern gelegt bezieh. gewunden werden und zugleich der Kerndraht |86| zwischen den Klemm walzen und dem Abzugshaspel spiralig in sich verdreht wird, so dass die auf letzteren sich aufwickelnde Litze L die in Fig. 83 dargestellte Bildung aufweist. In dieser Figur ist ein Theil der Deckdrähte D weggenommen gedacht, um die Verdrehung des abgeflachten Kernes K zu zeigen.

Das Eigenartige an der beschriebenen Maschine besteht in:

1) der Unabhängigkeit der Drehbewegung der Düse K2 von der Drehbewegung der Deckdrahtführung D2;

2) der Regelbarkeit der Umdrehungsgeschwindigkeiten dieser Theile zu einander, sowie zu der des Auszugshaspels durch entsprechendes Auswechseln der betreffenden Antriebsscheiben, wobei bedingt wird:

a) die Länge der Steigung, welche die Umwindungen der Deckdrähte erhalten: durch das Verhältniss der Umdrehungsgeschwindigkeiten des Deckdrahtspulenrahmens D1 bezieh. der Führung D2 zu der des Auszugshaspels;

b) die Länge der Steigung, mit welcher der abgeflachte Litzenkern in sich verdreht wird: durch das Verhältniss der Umdrehungsgeschwindigkeit der Düse K2 zu der des Auszugshaspels;

c) die Länge der Steigung, welche die Deckdrahtumwindungen im Verhältniss zur Steigung der Verdrehungen des Kerndrahtes erhalten: durch das Verhältniss der Umdrehungsgeschwindigkeit der Düse K2 zu der der Führung D2.

Anstatt des beschriebenen Kettenantriebes kann auch jede andere Art des Antriebes angewendet werden, welche eine leichte und sichere Regelung der in Rede stehenden Umdrehungsgeschwindigkeiten gestattet.

(Fortsetzung folgt.)

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