Titel: Neuere Tisch-Hobelmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291 (S. 86–90)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/ar291025

Neuere Tisch-Hobelmaschinen.

Mit Abbildungen.

G. A. Gray's Hobelmaschine.

Bei den neueren Hobelmaschinen von G. A. Gray in Cincinnati, Ohio, ist nach American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 6 * S. 1 (Fig. 1) die Tischbewegung mittels schräg liegender Schnecke in die Zahnstange des Hobeltisches wie bei W. Sellers durchgeführt, nur findet hier die Umkehrung der Tischbewegung durch Riemenverlegung statt.

Ueber die aus Fest- und Losscheibe zusammengesetzten Riemenscheibenpaare, wobei das grössere a b (Fig. 2 bis 4) für den Arbeitsgang und das kleinere a1 b1 für den Tischrücklauf vorgesehen sind, führt sich in einem Gabelrahmen die Ausrückschiene d, in deren abgekröpften Schlitz die Hebelzapfen für die Riemenösen c c1 einsetzen.

Jeder dieser zwei selbständigen Riemenhebel schwingt um einen festen Zapfen des Gabelrahmens und besitzt am langen Hebelende eine geschlossene Oese für das anlaufende Riemenstück, während am kurzen Winkelhebel der in die obere Schlitzschiene d einsetzende Zapfen sitzt.

In Folge der mittleren Abkröpfung des Schienenschlitzes erfolgt die Verdrehung der einzelnen Riemenhebel bezieh. die Verlegung der beiden Riemen niemals gleichzeitig, sondern nur auf einander folgend statt, so dass ein gleichzeitiges, wenn auch theilweises Auflaufen der beiden Riemen auf Festscheiben vermieden wird.

Diese Verschiebung der Schlitzschiene wird selbstverständlich von der Tischbewegung durch zwei stellbare Anschläge i k abgeleitet, welche abwechselnd auf das obere Ende eines um einen festen Zapfen schwingenden Doppelhebels h wirken, an welchem die lange Verbindungsstange g angelenkt ist.

Textabbildung Bd. 291, S. 86
Erst durch die Vermittelung des rechtsseitigen Hebelwerkes e f findet die Verstellung der oberen Schlitzschiene in der Weise statt, dass bei deren Linksstellung ein Riemen auf die lose Rücklaufscheibe b1 und der andere Riemen auf die Festscheibe a für den Arbeitsgang verlegt ist.

Da aber diese Hebellage dem Arbeitsgange, also der rechts gerichteten Tischbewegung entspricht, so wird gegen Endendes Tischhubes die linke Anschlagknagge i die Umsteuerung besorgen und die Hebelwerke von der Lage Fig. 2 bis 4 durch die Mittelstellung Fig. 1 in die Gegenlage bringen, in welcher der rechts liegende Riemenhebel c1 über die innere Rücklaufscheibe a1 gestellt ist, während die Riemenöse c über die grosse Losscheibe b gestellt bleibt.

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Weil nun im Arbeitsgange die Schneckenspindel rechts umläuft, so muss bei Einschaltung eines einzigen Winkelradpaares die grosse Betriebsscheibe a links umkreisen.

Textabbildung Bd. 291, S. 87
Von der Nabe der grossen Losscheibe b in Fig. 1 wird mittels Stirnräder, und in der davon abweichenden Ausführung Fig. 2 bis 4 mittels Winkelräder eine Welle und damit eine Reibungsscheibe l bethätigt, mit welcher eine Kurbelscheibe geht, sobald ein darin eingreifender Hemmungsriegel ausgehoben wird.

Textabbildung Bd. 291, S. 87
Da nun dieser Hemmungsriegel bei Beginn des Rechtsschubes der Schlitzschiene d vermöge eines daran gelenkten Hebels m ausgehoben wird, und diese Bewegung mit dem Hubende des Hobeltisches im Arbeitsgange zusammenfällt, so wird kurz vor erfolgter Umkehrung der Hauptbewegung für den Tischrücklauf die Steuerung dadurch in Betrieb gesetzt, dass diese Kurbelscheibe eine volle Umdrehung ausführt und dadurch eine Doppelschwingung des Zahnbogenhebels n veranlasst, mit welcher die stehende Zahnstange o in Verbindung steht.

Durch einen an der Kurbelscheibe befindlichen Anschlagdaumen wird der unter Federwirkung stehende Hemmungsriegel vom Hebel m frei gemacht, so dass derselbe in die einzige Zahnlücke der Kurbelscheibe einfällt und diese festhält, während gleichzeitig die fortkreisende Reibungsscheibe damit aus dem Eingriff mit der Kurbelscheibe gebracht werden kann. So kann unter allen Umständen die Einleitung der Schaltbewegung nur in der Todtpunktstellung des Hobeltisches nach beendetem Arbeitsgange sich abwickeln.

Obwohl die Reibungsscheibe l niemals während des Arbeitsganges des Hobeltisches bethätigt werden kann, so ist dennoch eine Wiederholung der Kurbelscheibenumdrehung nicht ausgeschlossen, was eine fehlerhafte Schaltung zur Folge haben müsste.

Inwieweit Sicherheitsvorkehrungen gegen eine Wiederholung dieser Drehung bezieh. gegen ein Versagen der Hemmung getroffen sind, kann aus der Quelle (American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 41 * S. 1) nicht beurtheilt werden. Zudem sind auf dem anderen Tischrand auch Stellknaggen wie i und k vorgesehen, welche auf einen Hebel schlagen, der vermöge einer durchgehenden Querwelle auf dem Hebel p und damit auf den Doppelhebel h einwirkt.

Putnam's Hobelmaschine.

Die Putnam Machine Company in Fitchburg, Massachusetts, hat eine bemerkenswerthe Tisch-Hobelmaschine von 2580 und 3000 mm lichter Breite und Höhe gebaut, deren Eigenthümlichkeiten nach Iron, 1892 Bd. 39 * S. 310, in Fig. 5 bis 8 dargestellt sind.

Textabbildung Bd. 291, S. 87
Drei entsprechend verrippte Keilbahnen sind am Bett a (Fig. 5 und 6) vorgesehen, auf welchem der 2133 mm breite Tisch b vermöge zweier Zahnstangen c durch einen doppelten, aus je drei Räderpaaren zusammengesetzten Rädersatz d bethätigt wird. Während diese Räder d |88| gerade Zähne besitzen, erhält das erste gemeinschaftliche Triebräderpaar e f einfache Schrägzähne, welche einen Steigungswinkel gegen die Achsenebenen von 18° besitzen.

Das dazu gehörige, in Fig. 7 gezeichnete Getriebe f ist auf eine Hülse g aufgekeilt, welche vermöge eines Halsringes h eine kleine axiale Verschiebung auf der Welle e erhalten kann.

Textabbildung Bd. 291, S. 88
Dieser Halsring h sitzt auf einer Querstange i, die ihre entsprechende axiale Verschiebung von einem durch die Anschlagknaggen des Hobeltisches bewegten Hebelwerke erhält, durch welches die Umkehrung der Triebwerksbewegung durchgeführt wird. Zu diesem Behufe sind auf der hohlen Antriebwelle e zwei lose Riemenschwungscheiben k und l (Fig. 6 und 8) vorgesehen, von welchen die mit gekreuzten Riemen bethätigte Arbeitsscheibe k einen Durchmesser von 914 mm und jene für den Tischrücklauf gegensätzlich kreisende Schwungscheibe l 610 mm Durchmesser bei einer gleichen Breite von 146 mm haben.

Diese beiden Riemenschwungscheiben k und l sind durch einen 50 mm starken Rundstab m durch Ringe n (Fig. 8) derart verbunden, dass immer nur eine dieser beiden Schwungscheiben mit der entsprechenden Reibungsscheibe o, welche auf der Welle e aufgekeilt ist, in Berührung stehen.

Da nun dieser axiale Rundstab m durch die Rohr welle e geschoben und vermöge eines durch Langschlitze der Rohrwelle e gehenden Querkeiles p (Fig. 7) mit der Hülse g verbunden ist, so wird eine axiale, durch die Stange i bedingte Verschiebung zugleich die Schwungscheiben k oder l mit den zugehörigen Reibungsscheiben o in Berührung bringen und den Betrieb einleiten.

Textabbildung Bd. 291, S. 88
Ist die rechts umlaufende Arbeitsscheibe k gekuppelt, so wird sich das Getriebe f (Fig. 7) unter dem Einflüsse der axial gerichteten Componente des Zahndruckes mit einer Kraftstärke nach links schieben, welche der tangentialen Triebkraft verhältnissmässig sein wird.

Dadurch wird mit steigendem Schnittwiderstand die Verkuppelung der Riemenschwungscheibe k mit der Reibungsscheibe o auch stetig sich steigern.

Lodge-Davis' Tisch-Hobelmaschine.

Die in Fig. 9 dargestellte Hobelmaschine von 775 mm Arbeitsbreite wird nach American Machinist, 1893 Bd. 16 Nr. 15 * S. 1, mit zwei Riemen von einer mit 290 minutlichen Drehungen umlaufenden Decken welle bethätigt, deren Hauptantriebsscheibe 305 mm Durchmesser besitzt, was einer Riemengeschwindigkeit von 4,63 m/Sec. entsprechen würde. Da aber der 90 mm breite Antriebriemen vom Deckenvorgelege zur Hobelmaschine nur mit annähernd 4,2 m/Sec. läuft, so würde bei einer Gesammtübersetzung von 60 der Hobeltisch im Arbeitsgang sich mit 70 mm/Sec. bewegen, während der Rücklauf desselben mit vierfacher Arbeitsgeschwindigkeit, also mit 280 mm/Sec. erfolgt.

Textabbildung Bd. 291, S. 88
Dies bedingt aber auch eine viermal so grosse minutliche Umlaufszahl des ersten Zahnradgetriebes für den Tischrücklauf.

Da nun für den Arbeitsgang zwischen Riemen- und Tischgeschwindigkeit eine 60fache Uebersetzung vorgesehen ist und die Uebersetzung in den zwei ersten Fig. 9. Räderpaaren 9 bis höchstens 12 beträgt, so muss zwischen dem ersten Zahnradgetriebe |89| und der grossen Antriebscheibe eine Uebersetzung von 6,66 bis 5 bestehen.

Erhält diese Arbeitsscheibe einen Durchmesser von 600 mm und die an der Deckenwelle zugehörige Riemenscheibe 300 mm, so folgt eine minutliche Umlaufszahl der ersten Antriebwelle von 290 : 2 = 145.

Textabbildung Bd. 291, S. 89
Daher wird dieselbe für den Tischrücklauf 4.145 = 2.290 = 580 Umdrehungen in einer Minute machen, was einer zweifachen Uebersetzung zwischen der Riemenscheibe an der Deckenwelle und der Rücklaufscheibe an der Hobelmaschine entspricht.

Bekanntlich wird bei diesen Hobelmaschinen mit Zweiriemenantrieb zwischen Zahnstange und letztem Getrieb ein grösseres Rad eingeschaltet.

Die Umkehrung der Hauptbewegung erfolgt durch Riemenverlegung, wobei die als Winkelhebel ausgebildeten Riemenösen nicht gleichzeitig, sondern auf einander folgend ausschwingen, so dass die beiden Riemen niemals zugleich auf Festscheiben anlaufen. Gebaut werden diese Hobelmaschinen von der Lodge and Davis Machine Tool Company in Cincinnati, Ohio.

J. Archdale's Hobelmaschine.

Bei den Hobelmaschinen von J. Archdale und Co. in Birmingham findet nach Engineering, 1892 Bd. 53 * S. 718, die Verlegung der Riemen in der Weise statt, dass vermöge eines Anschlaghebels (Fig. 10) eine Trommel in Schwingung versetzt wird, in deren Umfang zwei Schrägnuthen eingefräst sind, die nicht nur gegensätzlich gestellt, sondern auch noch auf entgegengesetzten Seiten der Trommel angeordnet sind.

In diese Nuthen setzen zwei unabhängige Hebel ein, die am oberen Ende je eine Riemengabelschiene führen. Da nun die beiden Schrägnuthen in der Trommel zu einander so gestellt sind, dass immer nur ein Hebel in Schwingung versetzt wird, so folgt daraus ohne weiteres die auf einander folgende Verlegung der beiden Antriebriemen von ihrer entsprechenden Los- auf die Festscheibe. Bei den kleineren Maschinen erhalten Bahn- und Schlittentisch Schrägprismaleisten, bei den grösseren erhält der Tisch die üblichen Keilbahnen.

J. Bertram's Hobelmaschine.

J. Bertram und Sohn in Montreal, Canada, bauen nach Engineering, 1891 Bd. 52 * S. 413, die in Fig. 11 abgebildete Hobelmaschine, welche mittels eines 90 mm breiten gekreuzten, auf eine 915 mm grosse Scheibe auflaufenden Riemens im Arbeitsgange betrieben wird, während der offene Rücklaufriemen 115 mm Breite besitzt.

Von den Riemenscheiben wird durch eine Schneckenradwelle ein Zahnradgetriebe und damit ein grosses Zwischenrad bethätigt, welches in die Zahnstange des Hobeltisches eingreift.

Am äusseren Ende der Schneckenradwelle ist ferner ein Sperrad mit einem umschliessenden Gehäuse aufgeschoben.

Am Umfang dieses Gehäuses ist eine Sperrklinke vorhanden, welche nach beiden Drehrichtungen des Sperrades einklinkt, wodurch dieses Gehäuse vom Sperrad mitgedreht wird.

Textabbildung Bd. 291, S. 89
Nun ist an der Rückwand dieses Gehäuses |90| ein Zahnkranzgetriebe angebracht, welches in einem Zahnbogen eingreift, welcher mit dem Hebelwerk für die schwingende Zahnstange in Verbindung steht.

Indem nun dieses drehbare Gehäuse durch stellbare Knaggen, welche in einer Kreisnuth des feststehenden Schneckenradgehäuses verlegt werden, durch Aushebung der Sperrklinke aus dem Eingriff mit dem Sperrade ausgelöst und ausserdem zurückgehalten wird, kann die Schaltung der Stahlhaltersupporte von 0 bis 25 mm beliebig eingestellt werden.

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