Titel: Neuere Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291 (S. 270–276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/ar291075

Neuere Dampfkessel.

(Schluss des Berichtes S. 241 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die E. Völcker'sche Halbgasfeuerung wird neuerdings von der Firma Keilmann und Völcker in Bernburg nach der Abbildung Fig. 105 ausgeführt.

Die Feuerung, die sich in erster Reihe für Braunkohle eignet, ist in zwei Abtheilungen getheilt, wobei der obere Theil mittels des schrägen Registerrostes und des verstellbaren, geschlitzten Wehres die Schwelabtheilung bildet. In dieser Abtheilung wird die Kohle vorgearbeitet, tritt von hier aus auf den unteren Treppenrost, wo die vollständige Verbrennung derselben erfolgt. Aus beiden Abtheilungen treten die Gase in die über dem Treppenroste liegende Verbrennungskammer. Die in der oberen Abtheilung entwickelten Schwälgase mischen sich auf diesem Wege zwischen den beiden geschlitzten Wehren innig mit vorgewärmter Luft, so dass in der erwähnten Verbrennungskammer |271| die sämmtlichen von beiden Rosten erzielten Grase zur vollkommensten Verbrennung gelangen. Von grossem Werthe ist es, dass sowohl die Roste, als auch das Kohlenwehr verstellbar sind, wodurch eine immer gleichmässige Beschickung der Feuerung möglich und somit auch ein stets gleichmässiger Gasstrom erzielt wird. Bei richtiger Einstellung der erforderlichen Luftmengen soll die Verbrennung rauchfrei, auch ein Mitreissen von Flugasche bei richtigem Betriebe ausgeschlossen sein. Eine vor dem Roste angebrachte Thür gestattet, die erforderlichen Rostluftmengen genau zu regeln.

Textabbildung Bd. 291, S. 271
Die Feuerung kann, je nach der Zugstärke, sowohl für hohe als auch für geringe Dampfentnahme eingestellt werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 271
Das D. R. P. von C. Reich in Hannover (Nr. 62043 vom 20. Juni 1891) zeigt eine Halbgasfeuerung. – Zur Fortführung der im Schwelraum A (Fig. 106) von dem Fülltrichter F aus eingebrachten Kohlen sich entwickelnden Gase dient der Kanal X, welcher so angeordnet ist, dass er die Oxydationskammer B umschliesst. In Folge dessen werden die Gase stark erhitzt in die Misch- und Verbrennungsdüse R eingeführt, wo sie durch die schräg angeordneten Schlitze O aus dem Kanal C stark erhitzte Luft erhalten. Durch die schräge Anordnung der Heissluftschlitze wird ein inniges Mischen der Verbrennungsluft mit den Gasen bewirkt.

Textabbildung Bd. 291, S. 271
Bei der Feuerung von Wilhelm Samuel Dobbs in Wien (D. R. P. Nr. 69036 vom 7. October 1892) besteht der Hauptrost aus dem festen Staffelrost a (Fig. 107) zwischen dessen schrägen Theilen der in den Führungsschienen d eingehängte und mittels Kurbelachse i bezieh. Schneckenrad j bewegliche Schieberrost b hin und her bewegt wird. Durch diese Bewegung wird die bei l eingebrachte Kohle vorgeschoben, der Rost gereinigt und Schlacken, Asche u.s.w. über den Rost hinausgeschoben.

In der Patentschrift findet sich noch ein eben solcher Rost, mit Wasserkühlung versehen, beschrieben.

Textabbildung Bd. 291, S. 271
Die Feuerungsanlage von E. W. Jones in Portland, Oregon (D. R. P. Nr. 68626 vom 2. März 1892), Fig. 108, arbeitet mit unterer Brennmaterialzuführung. Auf der oberen Flansche des Brennmaterialbehälters b ist ein den Herd ganz umziehendes Windrohr i vorgesehen, welches mit Oeffnungen l zum Einblasen der Luft versehen ist. In der oberen, der Hitze am meisten ausgesetzten Wandung des Windrohres sind Wasserkanäle h vorgesehen. An den beiden Seiten des Behälters b befinden sich Schlackenbrecher, bestehend aus senkrecht auf und ab beweglichen Platten p mit angeschraubten Zahnstangen und den Zahngetrieben a. Letztere werden bei Bewegung des Stössels h mittels der Stangen r und der Arme s in Drehung versetzt. Der das Brennmaterial einführende und unmittelbar von der Kolbenstange einer Dampfmaschine bewegte Stössel h hat veränderlichen Hub und zwar derart, dass bei jedem Hubende die Dampfsteuerung in die Mittelstellung kommt und Dampf vor bezieh. hinter den Kolben treten kann.

Die Feuerungsanlage mit Rauchverzehrung von Joseph |272| Hinstin in Paris (D. R. P. Nr. 63565 vom 2. Juni 1891) setzt sich aus drei Theilen zusammen, der Vorfeuerung a (Fig. 109), der Hauptfeuerung b und der hinteren Feuerung c. Das durch Fülltrichter w eingebrachte Brennmaterial wird zunächst zwischen dem Luft einlassenden Rost g und dem Gegenrost k vergast. Nötigenfalls werden zwischen a und k Luft- und Gaskanäle j angebracht, welche durch Träger u gehalten werden und dazu bestimmt sind, dem Brennstoff diejenige Luftmenge zuzuführen, die zur Vermengung mit den Gasen und zu deren Verbrennung erforderlich ist. In der Hauptfeuerung b wird die Destillation der Gase fortgesetzt und vollendet, gleichzeitig findet die Verbrennung des aus der Vorfeuerung kommenden Gemisches von Luft und Gas statt. Das Brennmaterial liegt auf einem nach hinten geneigten Hauptrost e, welcher von Querbalken getragen wird; den Luftzutritt unter die Hauptfeuerung vermittelt der Regulirungsschieber r. Die hintere Feuerung, welche an die Hauptfeuerung anstösst, besteht aus dem Eintrittskanal m für die Gase der Vorfeuerung, einem mittels Hebel p beweglichen Rost f, einer Feuerbrücke n und einem Gewölbe t. In der Feuerbrücke befindet sich ein Kanal o, welcher mit dem hinter dem Kanal m gelegenen Luftsammler l in Verbindung steht und warme Luft direct unter den Rost f leitet.

Textabbildung Bd. 291, S. 272
Textabbildung Bd. 291, S. 272
Von der automatisch arbeitenden Rostanlage der Wilkinson Manuf. Co. in Philadelphia, Pa., gibt Uhland's Maschinenconstructeur folgende Beschreibung (Fig. 110): Die Roststäbe c sind als Hohlkörper ausgeführt und besitzen auf der der Feuerbrücke zugewendeten Seite eine Anzahl Treppen. In den Steg jeder Stufe mündet aus dem Hohlraum von c eine Bohrung. Diese Stäbe können von der Welle e aus mittels Excenters d so bewegt werden, dass je zwei neben einander liegende Stäbe die entgegengesetzte Schwingung um ihre untere Auflagestelle ausführen. In die Stäbe wird durch Düsen f Dampf eingeblasen, welcher dann durch die Bohrungen der Stäbe aus und zwischen das Brennmaterial tritt. Beim Austritte mischt er sich mit der Luft und trägt dadurch zur Verbesserung der Verbrennung bei. Zugleich schützt der Dampf die Stäbe c vor dem Verbrennen.

Ueber den Roststäben liegt eine sechsrillige Zufuhrwalze g. Letztere schliesst zusammen mit der Klappe i den Einwurftrichter h ab und wird von einer Transmission aus in langsame Umdrehung versetzt. Je zwei ihrer Rillen erfassen ein bestimmtes Quantum Klarkohle und führen es der ganzen Rostbreite gleichmässig zu. Da alle sechs Rillen gleich gross sind und die Rolle sich gleichmässig dreht, so ist, vorausgesetzt, dass die Klarkohle keine grösseren Stücke enthält, die Kohlenzufuhr auf den Rost eine ziemlich gleichmässige. Die Auflage a für den Rost ist hohl und wird von Luft durchstrichen. Der Aschenkanal b kann mittels regulirbaren Schiebers k verschlossen werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 272
Das D. R. P. Nr. 69083 vom 10. August 1892 von A. Wilkinson in Bridgeport, Pennsylvanien, unterscheidet sich von der vorhergehenden Einrichtung hauptsächlich dadurch, dass zwischen der Feuerbrücke und dem Rostträger zwar ebenfalls Pressluft eingeführt wird, dass jedoch zwischen dem Rost und der Feuerbrücke ein drehbarer Aschen ab führ er angebracht ist. Dieser besteht aus einer Reihe von Scheiben, die an einer Hohlwelle befestigt sind. Die Scheiben sind mit Ansätzen versehen, damit sie in der gewünschten Entfernung von einander gehalten werden. Die Bewegung dieses Aschenabführers wird von der Excenterwelle d aus bewirkt.

Der Rauchverzehrungsapparat von Mörath und Schulz v. Straznicki in Wien (Oesterreichisches Privilegium vom 6. August 1891), Fig. 111 und 112, wirkt unter dem Roste automatisch und besteht aus zwei unzertrennlichen Theilen, nämlich aus einem aushängbaren Hebel A und den Heiz- und Aschenthüren a und b, die so mit einander verbunden sind, dass, wenn die Feuerthüre geöffnet wird, der Hebel die Aschenthüre schliesst. Fig. 112 zeigt die geöffnete Feuer- und geschlossene Aschenthüre, während in Fig. 111 die Feuerthüre geschlossen und die Aschenthüre offen angezeigt ist. Es kann somit während der Beschickung der |273| Feuer keine kalte Zugluft unter den Rost dringen und das Feuer abkühlen.

Weiter befindet sich am hinteren Ende des Aschenfalles ein Luftinjector B, der mit einem oder mehreren Regulirungshähnen versehen ist. Das Reguliren dieses Apparates geschieht bei Dampfkesselfeuerungsanlagen mittels eines Hahnes am Wasserzuleitungsrohre C, der die beliebige Befeuchtung der herabfallenden Asche erlaubt; überdies ist ein mit einem Hahne versehenes Dampfzuleitungsrohr D angebracht, das in das im Injector B befindliche Querrohr E einmündet, um dem Feuer die nöthige warmfeuchte Luft einzupressen, ohne einen Luftüberschuss zu bekommen.

Textabbildung Bd. 291, S. 273
Bei den Feuerherden, wo kein Dampf zur Verfügung steht, wird entweder bloss das Wasserrohr C in Anwendung gebracht, welches in Verbindung mit einem im Kaminmantel eingesetzten Wasservorwärmer in Verbindung steht, oder es wird Luft eingepresst, um die nöthige Sauerstoffmenge dem Feuer zuzuführen, wozu das Dampfzuleitungsrohr D geeignet ist.

Die durch die Wirkung dieses Apparates am hinteren Theile des Rostes erzeugte hohe Temperatur, über den die vorn entwickelten Kohlenoxydgase streichen müssen, verzehrt alle Kohlentheilchen, verhindert daher die Russbildung (mit Ausnahme der Anheizzeit, wo der Apparat noch nicht wirken kann).

Textabbildung Bd. 291, S. 273
Die Feuerungsanlage von J. Lutton und J. W. Buckley in Formby, Lancaster (D. R. P. Nr. 69088 vom 30. November 1892), Fig. 113, hat einen plattenförmigen mit Oeffnungen f versehenen Rost; unter den Oeffnungen sind Dampfrohre h in der Art angeordnet, dass der aus ihnen austretende Dampf durch die Oeffnungen des Rostes in das Brennmaterial tritt und hier den Zug verstärkt.

Die Thompson Smokeless Fire Company in Pittsburg fertigt eine rauchlose Feuerung nach Fig. 114 an (Engineering and Mining Journal vom 22. Juli 1893). Am Ende des Rostes ist eine gleichsam umgekehrte Feuerbrücke angebracht; vor derselben befindet sich ein besonderer Rost, der das Herausnehmen der Asche erleichtert und gleichzeitig die vollständige Verbrennung der Heizgase befördert. Eine Aufbrechvorrichtung im Vergasungsraum ist vom Stande des Kesselwärters aus in Thätigkeit zu setzen. Die Feuerung soll sich gut bewähren.

Eine Vorrichtung zur Verzehrung des Rauches der Kesselfeuerung einer elektrischen Centralanlage beschreibt Revue industrielle vom 18. März 1893. Die Anlage ist mit Unterwind versehen, hat Perret'sche eingetauchte Roststäbe, Green'schen Vorwärmer. Die Rauchgase streichen über Wasser und werden durch eine Waschvorrichtung, die genässte Koksstücke enthält, hindurchgepresst. Die ganze Vorrichtung soll sich so sehr bewährt haben, dass alle früheren Beschwerden verstummt sind. Die Anlage ist von Moët und Chandon unter Leitung des Ingenieurs Lebègue erbaut worden. Zeichnungen, Angaben über Leistung und Brennmaterialbedarf, sowie auch über die Abmessungen finden sich a. a. O.

In enger Beziehung zu der Anlage der Kesselfeuerungen stehen die Vorrichtungen zur mechanischen Beschickung des Rostes mit Brennmaterial. Ueber diese Anlagen hat der Oberingenieur C. Schneider in dem Organ des Vereins für Kesselüberwachung, 1892 Nr. 4, eine Abhandlung veröffentlicht, deren wesentlichen Inhalt wir nachstehend folgen lassen.

„Die meisten Einrichtungen dieser Art verfolgen das Princip, den frischen Brennstoff gleichmässig und regelmässig über die ganze Rostfläche hinwegzustreuen, und es bedarf keiner weiteren Erörterung; dass man durch eine praktische Verwirklichung dieses Principes den für eine vollkommene Verbrennung maassgebenden Grundbedingungen ausserordentlich nahe zu kommen vermag. Dass die mechanischen Rostbeschicker bei uns bisher so wenig Verbreitung gefunden haben, dürfte in erster Linie dem Umstände zuzuschreiben sein, dass die meisten dieser Apparate den gehegten Erwartungen nicht entsprochen haben, indem sie nicht im Stande waren, das Brennmaterial gleichmässig genug über die Rostfläche hinwegzustreuen; es entstanden auf diese Weise freie Stellen auf dem Roste, durch welche die Luft ungehindert in grossen Mengen hindurchstreichen konnte, wodurch der Wirkungsgrad der Feuerung sehr geschmälert werden musste.

Nicht unbedeutend fällt ferner ins Gewicht, dass diese Apparate zu viele bewegliche Theile besitzen, wodurch sie leicht versagen können.

Immerhin verdienen dieselben, dass ihnen auch bei uns ein grösseres Interesse entgegengebracht werde, und wir bezweifeln nicht, dass sie über kurz oder lang weitere Verbreitung im Dampfkesselbetriebe finden werden.

Wir glauben daher im Interesse der Leser dieses Blattes zu handeln, wenn wir einen Apparat dieser Art einer näheren Erörterung unterziehen und die Versuchsergebnisse mittheilen, welche von uns und von anderer berufener Seite an einigen damit ausgerüsteten Dampfkesselanlagen erzielt worden sind.

Es ist dieses der mechanische Rostbeschicker, welcher von der Firma Münchner und Co. in Bautzen i. S. ausgeführt wird.

Der Apparat wird an der Stirnwand des Kessel- oder Feuerraumes befestigt und besteht im Wesentlichen aus einer Schaufel, welche, durch eine Feder in Bewegung gesetzt, die Kohle auf den Rost wirft.

Die Kohle wird in den darüber befindlichen Rumpf geworfen, von wo sie zunächst in den Vertheilungskasten gelangt. Die Vertheilung wird durch ein Rührwerk bewirkt, |274| welches abwechselnd rechts und links jedesmal eine gewisse Menge Kohlen auf die darunter liegende Platte fallen lässt, über welche die Schaufel hinwegstreicht.

Die Anspannung der Feder, welche die Schaufel vorschnellt, wird durch eine mit Knaggen versehene Scheibe bewirkt, welche durch eine Zahnradübersetzung von der Antriebwelle aus in Umdrehung versetzt wird. Die Feder schnellt die Schaufel nach dem Passiren der einzelnen Knaggenpunkte in die senkrechte Stellung zurück, wobei die auf der Platte befindliche Kohle auf den Rost geworfen wird.

Durch die verschieden hohen Knaggen, mit denen die Scheibe versehen ist, wird die Feder bald schwächer, bald stärker angespannt; dadurch wird die Wurfweite veränderlich gemacht, was erforderlich ist, um den ganzen Rost gleichmässig mit Kohle bewerfen zu können. In der Regel ist die Scheibe mit drei verschieden hohen Knaggen versehen, welche nach einander zur Wirkung gelangen. Die Feder befindet sich ausserhalb des Kastens und kann durch eine Flügelmutter nach Bedarf angespannt werden.

Die Ingangsetzung der beweglichen Theile des Apparates geschieht durch eine unmittelbar davor gelagerte kleine Antriebswelle, welche von irgend einer Stelle aus in Bewegung gesetzt werden kann.

Um den Apparat bei wechselnder Dampferzeugung bald schneller, bald langsamer laufen lassen zu können, ist die Antriebswelle mit einer Stufenscheibe versehen; durch ein einfaches Verschieben des Riemens oder der Schnur kann somit die beabsichtigte Geschwindigkeitsänderung bequem erreicht werden.

Unterhalb der zur Aufnahme der Kohle dienenden Platte befindet sich eine für gewöhnlich durch eine Klappe geschlossen gehaltene Oeffnung von ausreichender Grösse, durch welche die Entfernung der Schlacke vom Rost ermöglicht wird, zugleich aber auch die Rostbeschickung mit der Hand bewirkt werden kann, wenn der Apparat einmal versagen sollte.

Schliesslich erübrigt noch zu bemerken, dass der Vertheilungskasten, sowie die Kohlenplatte durch Klappen zugänglich gemacht sind, so dass etwaige Verstopfungen während des Betriebes gleich beseitigt werden können.

Die Versuche, welche an einer mit diesem Apparate ausgerüsteten Kesselanlage gemacht worden sind, haben Folgendes ergeben:

Der Versuchskessel ist ein Zweiflammrohrkessel mit Quersiedern, er hat Planrostinnenfeuerung und folgende Hauptabmessungen:

Länge des Kessels 9,100 m
Durchmesser des Kesselmantels 2,300 m
der Flammrohre 0,900 m

Die Flammrohre sind mit je fünf Quersiedern versehen Und verengen sich im letzten Schusse auf 0,760 m Weite.

Es beträgt die Heizfläche des Kessels 96,76 qm
Rostfläche 3,30 qm

Er dient im Verein mit einem daneben liegenden Zweiflammrohrkessel von annähernd gleicher Grösse zum Betriebe einer 400pferdigen Verbundmaschine mit Condensation.

Beide Kessel waren einige Tage vor den Versuchen innen wie aussen gründlich gereinigt worden. Das Speisewasser durchlief vor seinem Eintritt in den Versuchskessel einen Vorwärmer, welcher in dem gemeinschaftlichen Fuchs aufgestellt ist. Als Brennmaterial diente bei allen Versuchen oberschlesische Kleinkohle. Kohle und Wasser wurden gewogen und alle Beobachtungen in wiederkehrenden kurzen Zwischenräumen aufnotirt. Die Ergebnisse dieser Ermittelungen sind in nachstehender Zusammenstellung enthalten.

An den beiden ersten Versuchstagen wurde der Versuchskessel massig stark betrieben, und zwar erfolgte am ersten Versuchstage die Beschickung des Rostes durch den Apparat, am zweiten dagegen durch den Oberheizer der Fabrik.

Ein Vergleich der Ergebnisse dieser beiden ersten Versuchstage zeigt, dass bei fast gleicher Beanspruchung des Kessels die Verdampfung für 1 k Kohle nur sehr wenig verschieden ist. Die Verbrennung der Kohle an sich war an beiden Tagen sehr günstig und die Verdampfung ging über das normale Maass hinaus. Der geringe Unterschied in der Verdampfung bei Anwendung des Apparates gegenüber der Handbeschickung wird erklärlich, wenn man berücksichtigt, dass die Bedienung des Rostes durch einen älteren, erfahrenen Heizer mit Aufwendung grösster Aufmerksamkeit erfolgte, ein Umstand, der für gewöhnlich nicht zutrifft.

Um die Leistungsfähigkeit des Apparates bei stärkster Beanspruchung des Kessels beurtheilen zu können, wurde am dritten Versuchstage die 400pferdige Maschine durch den mit dem Apparate versehenen Versuchskessel allein betrieben. Die Leistung des Kessels stieg auf 34,75 k Dampf in der Stunde für 1 qm Heizfläche, wobei auf 1 qm Rostfläche in der Stunde 116 k Kohle verbrannt wurde. Trotz dieser hohen Beanspruchung verdampfte 1 k Kohle noch 8,78 k Wasser, was als ein recht günstiges Ergebniss bezeichnet werden muss; der Dampfdruck konnte dabei ohne Mühe auf normaler Höhe erhalten werden, und haben wir die Ueberzeugung gewonnen, dass die Grenze der Leistungsfähigkeit des Apparates noch nicht erreicht worden ist.

Zusammenstellung der Versuchsergebnisse.

I
27. 1. 92
mit
Apparat
II
28. 1. 92
ohne
Apparat
III
29. 1. 92
mit
Apparat
Dauer des Versuches in Stunden 7 7 7
Kohlenverbrauch im Ganzen in
Kilo

1790

1730

2680
Kohlenverbrauch in 1 Stunde
und 1 qm Rostfläche in Kilo

77,5

74,9

116
Speisewasserverbrauch im Gan-
zen in Kilo

15360

14730

23540
Speisewasserverbrauch in 1 Std.
und 1 qm Heizfläche in Kilo

22,68

21,73

34,75
Temperatur
des Speise
wassers in
Grad C.

im Maassgefäss
hint. Ekonomiser

2
85

2
82

1,5
82
Dampfspannung im Kessel in
Atmosphären

5,8

5,8

5,7
Verdampfung auf 1 k Kohle in
Kilo

8,58

8,51

8,78
Desgl. auf Speisewasser von
0° C. und Dampf von 100° C.
berechnet in Kilo


7,7


7,68


7,92
Heizgase, Gehalt an Kohlen-
säure in Vol.-Proc.

9,3

8,3

9,00
Heizgase, Temperatur im Fuchs
in Grad C.

220

237

252
Zugstärke am Rauchschieber
gemessen in Millimetern
Wassersäule


5


3


10
Rückstände an Schlacken und
Asche in Kilo



248
Desgl. in Procent des Kohlen-
verbrauches



9,25
|275|

Zum Vergleiche mit den in vorstehender Zusammenstellung enthaltenen Werthen theilen wir in Nachstehendem noch die Ergebnisse von Versuchen an einem mit diesem Apparate versehenen Fairbairn-Kessel mit, welche von dem Kesselinspector F. Tacheci und Prof. C. Schedlbauer in Reichenberg ausgeführt wurden. Der Versuchskessel hat folgende Hauptabmessungen:

Durchmesser Länge
Mantel 2,00 m 6,85 m
Flammrohre 0,70 m 2,70 m
104 Stück Heizröhren 70 mm 3,15 m

Seine Heizfläche betrug 112 qm, seine Rostfläche 2,52 qm entsprechend 1/44 der ersteren. Der Schornstein hat 55 m Höhe und 1,1 m Mündungsweite.

Die angestellten Versuche lieferten folgende Ergebnisse:

25. 1. 88
ohne
Apparat
25. 6. 91
mit
Apparat
Dauer des Versuches in Stunden 11 9,5
Betriebsdauer seit der Reinigung (Wochen) 6 7,5
Brennmaterial, oberschles. Steinkohle Nuss II Nuss II
Heizwerth in Wärmeeinheiten 6663 6316
Beanspruchung der Rostfläche für 1 Stunde
und 1 qm. Kilo Kohle

48,1

70,7
Desgl. der Heizfläche, Kilo Wasser 8,58 12,55
Verdampfung für 1 k Kohle 7,91 7,885
Temperatur des Speisewassers in Grad C. 58,80 37,50
„ der Heizgase im Fuchs 240 271,7
Kohlensäuregehalt der Heizgase in Vol.-
Proc.

7,95

10,0
Nutzeffect in Proc. 71,1 77,4

Die Versuchsergebnisse zeigen deutlich, dass die mechanische Rostbeschickung mancherlei Vortheile bietet. Der Hauptwerth der mechanischen Beschickung beruht, wie schon eingangs erwähnt, auf der Möglichkeit der fortwährenden gleichmässigen Kohlenzufuhr über die ganze Rostfläche hinweg, wodurch die weitere Möglichkeit gewährt wird, das Brennmaterial rauchfrei mit dem geringsten Luftüberschuss zu verbrennen.

Während der Versuche wurde beobachtet, dass das Brennmaterial auf dem Roste stets in einer gleichmässig starken Schicht ausgebreitet war, es zeigten sich keine freien Roststellen, durch welche die Luft ungehindert hätte eintreten können. Des Weiteren fallen die Abkühlungsverluste weg, welche beim gewöhnlichen Heizen mit der Hand mit dem Oeffnen der Feuerthüren verknüpft sind.

Gegen die Leistungsfähigkeit des Apparates dürften nach den vorliegenden Ergebnissen ebenso wenig Bedenken erhoben werden können, als gegen seine Verwendung bei wechselndem Dampfverbrauche, zumal auch durch die im Vertheilungskasten befindlichen Schieber je nach Bedarf eine geringere oder stärkere Kohlenzufuhr bewirkt werden kann.

Ein bei Anwendung dieses Apparates nicht zu umgehender Nachtheil besteht in dem Transmissionsantriebe. In den meisten Kesselhäusern befinden sich keinerlei Kraftleitungen und bei grösseren Kesselanlagen wird man eigens dazu eine kleine Dampfmaschine beschaffen müssen, wenn die erforderlichen Kraftübertragungen von der Dampfmaschine oder Transmission aus schlecht bewirkt werden können. In solchen Fällen kann auch eine etwa im Kesselhause vorhandene Dampfpumpe für den Antrieb des Rostbeschickers benützt werden.

Sodann tritt die Frage auf, wie sich der Apparat in der stauberfüllten Luft des Kesselhauses auf die Dauer bewähren wird; vortheilhaft für denselben ist jedenfalls der Umstand, dass die Antriebswelle keine grössere Geschwindigkeit besitzt, als wir sie bei jeder landläufigen Dampfmaschine gewohnt sind, während im Gegensatze hierzu andere ähnliche Rostbeschicker 500 bis 600 Umdrehungen in der Minute machen, wobei eine schnelle Abnutzung der beweglichen Theile unausbleiblich ist.

Das günstige Ergebniss der Versuche, die vorher erwähnten Vortheile des Apparates gegenüber der Handbeschickung, seine verhältnissmässig einfache Construction und einfache Bedienung, sowie der Umstand, dass keiner seiner beweglichen Theile im Feuer liegt, und nicht zum geringsten Theile sein sicheres Arbeiten dürften demselben eine weitere Verbreitung sichern.“

In derselben Zeitschrift, und zwar 1893 Nr. 5, wird die Frage der mechanischen Beschickung durch Ingenieur C. Haage des Sächsischen Vereins weiter besprochen. (Bezüglich der zunächst erwähnten Feuerung nach dem Leach'schen System verweisen wir auf 1891 280 * 153, wo eine solche selbsthätige Beschickung ausführlich beschrieben ist.) Die Ausführungen des Verfassers über den Ruppert'schen Feuerungsapparat lassen wir hier folgen:

Textabbildung Bd. 291, S. 275
Bei dieser Feuerung wird die Kohle mittels einer rotirenden Schaufel auf die Rostfläche geworfen und durch die eigenartige Bewegung dieser Schaufel gleichmässig vertheilt. Aus Fig. 115 wird das Princip dieser Feuerung ersichtlich. Es sind a und b zwei sich gegenüber liegende Scheiben mit gesonderter Lagerung, a wird durch einen Riemen von oben angetrieben und trägt einen Kurbelzapfen c. Die Scheibe b besitzt eine Coulisse, in deren verschiebbarem Stein d der Kurbelzapfen c von Scheibe a gelagert ist. In Folge dieser Verbindung ist die Scheibe b gezwungen, der Bewegung der Scheibe a zu folgen. Liegen die Mittellinien der Scheibenachsen nicht in einer Linie, sondern gegen einander verschoben, wie in der Figur angenommen, so muss bei einer Bewegung der Scheibe a der Coulissenstein d sich verschieben und bei einer vollen Umdrehung einen Kreis beschreiben, welcher zur Achsenmitte von b excentrisch liegt, um die Grösse der Achsenentfernung. Hat der Kurbelzapfen c eine gleichmässige Geschwindigkeit, so muss der Stein d dieselbe ebenfalls annehmen. Da dieser Stein aber bei der Bewegung seine Entfernung von der Achsenmitte von b stetig ändert, so muss bei einer Umdrehung von a die Scheibe b, sowie die auf deren Achse befestigte Schaufel i eine zu- und abnehmende Geschwindigkeit erhalten, welche am kleinsten ist bei der äussersten Stellung des Coulissensteins in e und am grössten bei der innersten Stellung in f. Die Zu- und Abnahme der Schaufelgeschwindigkeit gibt die Möglichkeit, diese Schaufelbewegung zum Werfen von Kohle zu benutzen, da die letztere die Schaufel verlassen muss, nachdem die grösste Geschwindigkeit erreicht ist und eine Verlangsamung der Bewegung eintritt.

Der Unterschied zwischen der grössten und kleinsten Geschwindigkeit während einer Umdrehung ist abhängig von der Entfernung der Achsen a und b. Um diesen Geschwindigkeitsunterschied, |276| durch welchen die Wurf kraft der Schaufel bestimmt ist, zu verändern, ist daher nur nöthig, die Achsenentfernung grösser oder kleiner zu machen. Zu diesem Zwecke ist die Scheibe a in einem Hebel g h gelagert, der in g aufgehängt ist und durch eine in h angreifende Stange eine schwingende Bewegung erhält, so dass sich die Achsen a und b einander nähern und wieder entfernen. Der Geschwindigkeitsunterschied der Schaufel i bei einer Umdrehung wird dementsprechend in den auf einander folgenden Umdrehungen ab- und zunehmen, in gleichem Sinne also auch die Wurf kraft der Schaufel. Da alle Bewegungen aber stetig erfolgen, so können alle Punkte einer Fläche durch diese Bewegung der Schaufel mit Kohle beworfen werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 276
Fig. 116 gibt ein Bild von der Anordnung des Schaufelapparates an einem Kessel. Vor der Schaufel ist eine kreuzförmige Walze gelagert, durch deren Drehung der ersteren Kohle zugeführt wird. Die Bewegung dieser Walze erfolgt mittels Sperrrades und kann durch Verstellung einer Schraube vergrössert oder vermindert werden, so dass die Menge der Kohle, welche durch die Schaufel auf den Rost geworfen wird, dem Dampfverbrauche genau angepasst werden kann.

Textabbildung Bd. 291, S. 276
Um den Rost auch mit der Hand bedienen bezieh. abschlacken zu können, ist die vordere Wand des Fülltrichters zum Umklappen eingerichtet.

Der Apparat, welcher sich an die gewöhnliche Feuerungsthüröffnung des Kessels anschliesst und bei jedem Kesselsystem Verwendung finden kann, steht auf Rädern, so dass derselbe, wenn erforderlich, bei Seite geschoben werden kann.

Dieser Feuerungsapparat der Maschinenfabrik Otto Ruppert in Chemnitz ist bis jetzt an zwei Anlagen zur Anwendung gekommen. An einer derselben hat der Berichterstatter Untersuchungen anstellen können und eine gute Verbrennung bei hohem Kohlensäuregehalt (12 Proc.) in den Gasen gefunden.

Bei der automatischen Beschickungsvorrichtung für Feuerroste von Carl Tauer in Warnsdorf, Böhmen (D. R. P. Nr. 69356), Fig. 117, gelangt das Brennmaterial aus dem Einwurftrichter in den Behälter c, in welchem sich die auf der Welle d befestigten Schaufeln e drehen. Diese erfassen das in c fallende Brennmaterial und werfen es durch die Oeffnung i1 auf den Rost. Die verstellbare Klappe q regulirt die Wurfweite. Eine der drei Schaufeln ist so gebogen, dass sie das Brennmaterial in gerader Richtung fortschleudert, d.h. auf die Mitte des Rostes. Schaufel e ist an ihrem Ende so gewunden, dass das von ihr fortgeschleuderte Brennmaterial die linke Seite des Rostes beschickt, und Schaufel f wirft die Kohle auf die rechte Rostseite.

Wir geben nachstehend noch einige Mittheilungen und Angaben der Quelle von bemerkenswerthen Kesselfeuerungen:

1) Die Acme, rauch verzehren de Feuerung, Beschreibung und Zeichnung in Industries vom 11. November 1892.

2) Englisches Patent Nr. 15 204 vom 24. August 1892, rauchverzehrende Feuerung von Boyes, Heaton und Consorten.

3) Hutchinson's Dampfgebläse zur Verhinderung des Rauches bei Locomotiven, Zeichnung und Beschreibung in Engineering News vom 4. April 1891.

4) Oelfeuerung für unterseeische Schiffe von Fraissinet et Cie. in Marseilles, Zeichnung und Beschreibung in Industries vom 3. April 1891.

5) Lancashire-Kessel mit Feuerung von Beesley and Wright in Liverpool, Zeichnung und Beschreibung in Industries and Iron vom 17. November 1893, ebenso in Engineer vom 10. November 1893.

6) Mittheilungen über Marinekessel enthält auch der Jahrgang 1893 von Industries and Iron in den August- und September-Nummern, jedoch sind diese Kessel ihrem Wesen nach in unserem Journale bereits besprochen.

7) Ausführliche Zeichnung und Beschreibung einer Kesselfeuerung nach Dulac, und zwar in zwei Ausführungen, für die unmittelbare Feuerung eines Engröhrenkessels und als Vorfeuerung eines Grosswasserraumkessels mit Feuerrohr; enthält Revue industrielle vom 15. Juli 1893.

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