Titel: Selbsthätige und elektrische Gaszünder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291 (S. 291–296)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/ar291080

Selbsthätige und elektrische Gaszünder.

Mit Abbildungen.

In dem Budget eines jeden Gasanstaltsbetriebes stehen die Kosten für das Anzünden und Auslöschen öffentlicher Beleuchtungskörper zumeist mit sehr hohen Zahlen zu Buch. Ist auch die Besoldung der oft ansehnlichen Anzahl von Laternenansteckern schwerlich als übermässig hoch zu bezeichnen, so spielt der durch unnöthig verbranntes Gas hervorgerufene Verlust, welcher in der Natur der jeweilig herrschenden Vorschriften über die Beleuchtung von Strassen u. dgl., sowie in derjenigen des Entzünde- und Auslöschsystems seine Begründung findet, eine wesentliche Rolle. Was Wunder, dass deshalb viele Vorschläge gemacht worden sind und noch gemacht werden, um die Leuchtflammen zu festgesetzter Zeit entweder selbsthätig oder gemeinsam von einer Centralstelle aus in und ausser Wirkung zu versetzen, zum mindesten aber die zum Anzünden nöthige Zeit möglichst abzukürzen. Von den neueren derartigen Apparaten erscheinen die nachfolgenden bemerkenswerth.

Die Vorrichtung zum selbsthätigen Anzünden und Auslöschen von Gaslampen (D. R. P. Nr. 64818) von Percival Everitt in London zeigt ein Gehäuse a (Fig. 1), welches ein Uhrwerk einschliesst und mit der Platte b fest verbunden ist. Durch die letztere tritt die Achse d des Stundenrades, welche in einem an b festen Lagerstück e drehbar ist. Das Gasleitungsrohr f (Fig. 2) ist mit dem Leuchtflammenbrenner g und dem Zündflammenbrenner h versehen. Zur Regelung des Gaszuflusses dient Hahn i mit Hahnkegel j, an welch letzterem eine mit Stiften l versehene Scheibe k fest ist. Zum Einstellen des Hahnkegels j dient Gewichtshebel m, welcher bei m1 mit der Platte b drehbar verbunden ist und den auf die Stifte l einwirkenden Schalthaken n trägt.

Auf Achse d sitzen das den Tagesstunden entsprechend in 24 Theile eingetheilte Zifferblatt o und Curvenscheiben p p1, welche unabhängig von einander nach der Zeit, zu welcher das Anzünden bezieh. Auslöschen der Gasleuchtflamme erfolgen soll, eingestellt werden können. Zu diesem Zwecke führt durch Bogenschütze dieser Curvenscheiben eine Schraube q, mittels welcher die letzteren gegen das Zifferblatt o festgeklemmt werden können. Nach Fig. 1 ist z.B. die Zeit zum Anzünden des Gases auf 6 Uhr Nachmittags und diejenige zum Auslöschen desselben auf 4 Uhr 15 Minuten Morgens angesetzt.

Textabbildung Bd. 291, S. 291
Der Gewichtshebel m ruht nun mittels des Führungsstückes r auf der Peripherie einer der Curvenscheiben, in Fig. 1 auf derjenigen von p. Dreht sich nun die Achse d in Richtung des Pfeiles, so wird Gewichtshebel m gehoben, ein an demselben drehbarer Sperrhaken n wird durch den Hebel s zum Eingriff in einen Stift l veranlasst, bis hinter dem höchsten Punkte der Curve p ein Abgleiten der Führung r und somit ein Fallen des Hebels m und eine Drehung des Hahnkükens j erfolgt. Letzteres geschieht jedesmal um 90° und in einer Drehrichtung, was durch die Sperrfeder t gewährleistet wird. Der Sperrhaken n ist so gestaltet, dass seine Spitze sich nach erfolgter Drehung |292| der Scheibe k gegen den nächsten Stift l legt und dadurch eine Art Fallbegrenzung für den Hebel m abgibt.

Textabbildung Bd. 291, S. 292
Wird der Apparat in wagerechter Lage verwandt, so wird der Gewichtshebel m durch eine Feder ersetzt. Dieser Ersatz ist übrigens auch in der in Fig. 3 gezeichneten Ausführung für Strassenlaternen und bei senkrechter Stellung der Vorrichtung durchgeführt, welche in einer Kapsel w eingeschlossen ist. Hier ist übrigens auch eine die Leuchtflamme mit der Gasleitung direct verbindende Nebenleitung x eingeschaltet, dessen Hahn y im Bedarfsfalle ohne Rücksicht auf die mechanisch wirkende Schaltvorrichtung von Hand geöffnet werden kann.

Das Wesen der eben geschilderten Vorrichtung wird im folgenden Anspruch gekennzeichnet:

Patentanspruch: Eine Vorrichtung zum selbsthätigen Anzünden und Auslöschen von Gaslampen bezieh. zum Oeffnen und Schliessen des Gaszutrittes zum Brenner g in bestimmten Zeitpunkten, dadurch gekennzeichnet, dass zwei durch ein Uhrwerk gedrehte Curvenscheiben p p1 derart auf einen Hebel m einwirken, dass die mit dem Hahnkegel j bezieh. Ventil verbundene Scheibe h mittels eines am Hebel m sitzenden Schalthakens n gedreht wird, wobei die Einrichtung so getroffen werden kann, dass beim Oeffnen des Hahnes bezieh. Ventils das Gas selbsthätig entzündet wird.

Eines Uhrwerkes bedient sich auch H. L. Müller in Birmingham (England) in seiner Vorrichtung zum Anzünden und Auslöschen von Gaslaternen (D. R. P. Nr. 72562). Es sei vorausgeschickt, dass der Constructeur zum Entzünden des Gases sich des elektrischen Funkens bedient und zu diesem Zweck die in Fig. 4 veranschaulichte Anordnung eines Trockenelementes E trifft. Der Stromschluss erfolgt bei Drehung des auf den Gashahn H einwirkenden Hebels A durch die beiden Contacte v und a (Fig. 5 und 6).

Der Hebel A ist an dem Gehäuse G um den Zapfen A0 drehbar und öffnet bezieh. schliesst den Gashahn H mittels des Bolzens A1 und des geschlitzten Hebels H1. Andererseits trägt aber A einen Stift A2, welcher sich in der sternförmigen Nuth einer Scheibe S (Fig. 5) führt und bei Drehung der letzteren den Hebel A zu der Pendelbewegung um A0 zwingt. Die Scheibe S erhält ihre Bewegung um die Achse P (Fig. 6) von einer Feder D (Fig. 5), welche durch die Zahnräder c1 c2 auf S einwirkt. Die Feder D trägt zu bekannten Zwecken das Gesperre c3 c4 c5 und das Vierkant c.

Textabbildung Bd. 291, S. 292
Um diese Drehung von S und damit das Oeffnen und Schliessen des Hahnes H periodisch und zwar zu vorher festzusetzenden Zeiten vor sich gehen zu lassen, ist die folgende Einrichtung vorgesehen. Die als Ring g ausgebildete Gaszuleitung hält ein Gehäuse G, in welches ein Uhrwerk W eingesetzt ist. Dieses veranlasst durch das Rädchen w0 das Rad R innerhalb 24 Stunden zu einer vollen Umdrehung. Die Achse P des Rades R tritt durch den Gehäuseboden nach aussen und trägt sowohl das Zahnrad T mit der daran befestigten Furchen- oder Sternnuthenscheibe S, als auch die beiden gleichen und über einander liegenden Zahnräder Q und Z, jedes mit 96 Zähnen, wovon das oberste als Zifferblatt dienende Rad Z mit zweimal den Zahlen 1 bis 12 versehen ist. Da T sammt S und Z lose, Q dagegen fest auf P sitzen, wird nur Q direct vom Uhrwerk beeinflusst. Auf P lose drehbar sind auch die Zeiger L O, welche nach Verstellung von Z in die der Zeichnung entsprechende Lage (Fig. 5) so eingestellt werden, dass ihre Stifte in dem Zeitpunkte des Anzündens bezieh. Löschens entsprechende Zähne von Z fassen. Da der Stift von O lang genug ist, um auch in die Verzahnung von Q zu greifen, so findet durch diesen Stift eine Kuppelung von Z mit Q statt und es werden nun Q Z und die beiden Zeiger O L gemeinschaftlich in 24 Stunden einmal herum gedreht, während die Furchenscheibe S nicht bewegt wird. Die letztere trägt übrigens ausser den 6 Furchenzacken noch 12 Zähne S1.

Am Lappen G1 des Gehäuses G ist der Hebel K drehbar angebracht, welcher durch die ebenfalls auf G liegende Blattfeder F mit seinem vorderen Stifte k an die Peripherie |293| der Furchenscheibe S gedrückt wird, sich dadurch hinter einen der 12 Zähne S1 am Umfange von S legt und letztere festhält. Die Lösung des Stiftes k erfolgt durch die Abschrägungen an den beiden Zeigern O und L. Da die Räder Q und Z je 96 Zähne haben und ihre Umdrehung in 24 Stunden erfolgt, so entspricht der Abstand zweier Zähnchen dem Zeitraume von ¼ Stunde. Stellt man nun den Zeiger O z.B. auf 5¾ und L auf die dahinter liegende 31/2 ein, so wird die Abschrägung vorn an O den Stift k mehr und mehr zurückdrücken und ihn um 5¾ Uhr über S1 hinausgeschoben haben, so dass nun S durch die Spiralfeder D gedreht wird und die Oeffnung des Hahnes H erfolgt. Da sich aber der Stift k1 an die Scheibe S, und zwar zwischen zwei Zähne S1 derselben legt, so verhindert er die weitere Drehung der Furchenscheibe S so lange, bis k wieder hinter den nächsten Zahn S1 gekommen ist. Auf diese Weise kann sich S nur um 1/12 drehen. Bei der dadurch erfolgten Drehung des Ankers A von links nach rechts tritt zwischen den auf dem Anker A und der Gasleitung V isolirt befestigten Contacten a und v eine Berührung und damit der Stromschluss bezieh. das Ueberspringen des Funkens und die Entzündung des Gases ein. Das Brennen desselben dauert so lange, bis durch die Abschrägung am vorderen Ende des Zeigers L der Stift k wieder zurückgedrängt, dadurch die Scheibe S gelöst, durch die Feder D um 1/12 gedreht, der Anker oben nach links geschoben und der Hahn geschlossen wird.

Textabbildung Bd. 291, S. 293
Als Erfindung bezeichnen die Ansprüche Folgendes:

Patentansprüche: 1) Eine Vorrichtung zum Anzünden und Auslöschen von Gaslaternen, dadurch gekennzeichnet, dass die durch die Spiralfeder D bethätigte und durch den Stift k des federnden Hebels K an ihren Zähnen S1 gehemmte Scheibe S im Augenblicke des Anzündens und Erlöschens von durch ein im Gehäuse G befindliches Gangwerk W getriebenen Zeigern O und L ausgelöst wird, wodurch dem Anker A mittels der in der Scheibe S befindlichen Sternnuth, in welcher der Zapfen A2 des Ankers gleitet, eine Schwingung um seinen Drehpunkt A0 nach rechts oder links ertheilt wird, die, mittels Zapfens A1 auf H1 übertragen, ein Oeffnen oder Schliessen des Hahnes H bewirkt, wobei im ersteren Falle durch Berührung der am Anker A und der Gasleitung angebrachten Contacte a und v der durch ein galvanisches Element erzeugte Strom zu den am Brennerhahn befindlichen Spitzen geführt und dadurch das ausströmende Gas entzündet wird, während im zweiten Falle durch das Schliessen des Hahnes ein Erlöschen der Flamme stattfindet.

2) An der durch Anspruch 1 gekennzeichneten Vorrichtung das für sich zu dem Betriebsrade R auf seinem Zapfen P verstellbare Zifferblatt Z, welches mit dem Zeiger L durch einen am letzteren befindlichen Zahn und durch den in die Zähne des Zifferblattes Z und des Rades Q eingreifenden Zahn des Zeigers O mit dem Rade Q derart verkuppelt ist, dass es mit den beiden Zeigern L und O die Drehung des Rades Q, welche letzterem vom Getriebe R aus ertheilt wird, mitmacht.

3) An der durch Anspruch 1 gekennzeichneten Einrichtung ein über das Gasrohr geschobenes ringförmiges Trockenelement E zur Erzeugung des zündenden Funkens.

Ganz naturgemäss hat für die sogen. Fernzünder der elektrische Strom fast alleinige Verwendung gefunden. Die Möglichkeit, durch Stromschluss in beliebiger Weise Elektromagnete bilden, durch Stromunterbrechung jedoch die magnetische Wirkung wieder aufheben zu können, gibt ja zweifellos ein bequemes Mittel an die Hand, Gasabschlussorgane von beliebigen Stellen aus je nach Bedarf zu öffnen oder zu schliessen. Der Gasanzünder (D. R. P. Nr. 66732) von Gustav Görldt in Kitzingen a. M. zeigt eine Verwendungsweise der Elektromagnete zu dem angedeuteten Zweck (Fig. 7 bis 9). Die Drahtspulen D stehen durch die Klemmen h i, die Drahtspule C dagegen steht durch die Klemmen g i mit der elektrischen Stromleitung in Verbindung. Erfolgt der Stromschluss in der Weise, dass der Strom durch D geht, so wird der für gewöhnlich durch die Feder f hochgedrückte Anker e angezogen, welcher unter die Nase b des Ankers a schnappt und die in Quecksilber eintauchende Glocke F sammt Ventil E niederdrückt, so dass Gas nach q und durch den hohlen Bügel H zum Brenner O gelangen kann. Soll ein Schluss des Ventils E erfolgen, so wird der Strom durch die Spule C geleitet; Anker a wird in Folge dessen angezogen und gibt Anker e frei, welcher durch f hochgedrückt wird, so dass die Feder d das Ventil E zu schliessen vermag.

Zur Zündung selbst lässt sich entweder eine Gaszündflamme verwenden oder es werden Drähte m l angeordnet, welche durch Säulen K L, Drähte und Klemmen k i mit der elektrischen Leitung verbunden sind, so dass ein Stromschluss eine Funkenbildung zwischen m und l und somit die Entzündung des Gases verursacht.

Textabbildung Bd. 291, S. 293
Um die einzelnen Manipulationen, das Oeffnen und Schliessen des Gashahns, und das Entzünden des Gases vornehmen zu können, ist die in Fig. 9 veranschaulichte Anordnung vorgeschlagen worden. Darin bezeichnen C und D die Elektromagnete, h i g k die Klemmen, S die Batterie, N einen Funkeninductor. Durch Drehen der Kurbel n auf die Sectoren I, II oder III lässt sich der Stromschluss entweder für C oder für den primären Stromkreis des Inductors N oder aber für die Elektromagnete D herstellen. Der sich bildende secundäre Strom des Funkeninductors wird durch die entsprechende Leitung zur Klemme k |294| geleitet. Das Charakteristische des Patentes fasst folgender Anspruch zusammen:

Patentanspruch: Eine elektrische Anzünde- und Löschvorrichtung für Gasbrenner, gekennzeichnet durch eine Batterieleitung, in welche gleichzeitig parallel eingeschaltet sind, aber mittels eines Umschalters nur getrennt betrieben werden können:

a) ein Elektromagnet D, bei dessen Bethätigung der Anker e das Gasventil, dessen mit Sperrflüssigkeit abgedichtete Führung durch Federkraft in der Verschlusstellung gehalten wird, öffnet und sich dabei behufs Erhaltung der geöffneten Stellung unter der Einfallnase b eines Hebels a fängt;

b) ein Elektromagnet C, welcher in solcher Stellung zu dem ersten Elektromagneten D angeordnet ist, dass der mit Einfallnase versehene Hebel gleichzeitig seinen Anker bildet, durch dessen Anziehung der erste Anker im gewünschten Augenblick behufs Absperrung des Gases freigegeben wird;

c) ein Funkeninductor, dessen Secundärstrom unmittelbar über der Gasaustrittsöffnung das Gas durch einen Inductionsfunken entzündet.

Textabbildung Bd. 291, S. 294
Die Regulirung der Gasflamme bezieh. das Auslöschen derselben von einer beliebig weit entfernten Stelle aus bezweckt die Vorrichtung zum selbsthätigen Oeffnen und Schliessen eines Gashahns (D. R. P. Nr. 67591) von Dr. Carl Gassner jr. in Mainz, welche sich durch besondere Einfachheit in Construction und Handhabung auszeichnet. Es spielen hier wieder der Elektromagnet und der Anker eine Rolle, indem letzterer bald von dem einen, bald von dem anderen zweier Elektromagnete angezogen und dadurch zur Verdrehung eines Gasregelungshahns veranlasst wird. In der Nähe des Brenners (Fig. 10) befindet sich der Hahn &, durch dessen Verstellen der Flamme mehr oder weniger Gas zugeführt werden, oder, bei Vorhandensein einer Zündflamme, Anzünden bezieh. Auslöschen erfolgen soll. Mit Hahn k ist direct oder durch Hebel i der zweiarmige Anker h verbunden, dessen Arme abwechselnd von den beiden, in den beständigen Stahlmagneten d e mit den Polen N 8 angeordneten Elektromagneten f g beeinflusst werden.

Die Drahtspulen a b sitzen auf dem schmiedeeisernen Verbindungsstück c, weshalb die Eisenkerne f g durch die Südpole S stets südmagnetisch polarisirt werden, während der Eisenanker h von den Nordpolen N nordmagnetisch polarisirt wird. Die Wickelungen der Spulen a b sind derart, dass der durch die ersteren gehende Strom stets den einen Kern nordmagnetisch, den anderen südmagnetisch macht. Der Kohlenpol einer Batterie, welche den Strom liefern soll, steht nun mit einer Stahlschiene p, der Zinkpol mit einer Stahlschiene o in Verbindung. Wird nun z.B. Taste n niedergedrückt, so dass die Feder r2 mit o in Berührung kommt und der Strom durch r2 b a r1 geht, so wird der Eisenkern g ein Südpol, f ein Nordpol; es wird demnach der Anker h vom Magnet g angezogen und der Hahn k dementsprechend verdreht. Der umgekehrte Vorgang vollzieht sich, wenn die Feder r1 zur Anlage an der Stahlschiene o gebracht wird.

Ein Gashahn l ermöglicht die Regelung des Gasdurchflusses von Hand.

Patentanspruch: Eine elektromagnetische Vorrichtung, welche das selbsthätige Oeffnen und Schliessen eines Gashahns oder Ventils in der Art bewirkt, dass ein von einem Elektromagnetsystem bewegter polarisirter Anker h seine Bewegung entweder direct oder mittels eines Hebels i auf den Gashahn oder das Gasventil überträgt.

Eine andere Verwendungsweise des Elektromagneten für Gasfernzünder zeigt die elektrische Zünd- und Löschvorrichtung für Gasbrenner der Actiebolaget Hermes in Stockholm (D. R. P. Nr. 71530). Diese Ausführung ist insofern eine selbständige, als beim Oeffnen des Gashahns durch die Wirkung eines Elektromagneten durch einen gleichzeitig gebildeten elektrischen Funken das ausströmende Gas entzündet wird. Dagegen soll eine auch beim Schluss des Hahns erfolgende Funkenbildung, wie es bei anderen gleichartigen Apparaten geschieht, vermieden werden.

Textabbildung Bd. 291, S. 294
Der unterhalb des Brenners angeordnete Elektromagnet a (Fig. 11) vermag bei Stromschluss den um c drehbaren Anker b anzuziehen, welcher seinerseits durch eine Sperrklinke l das Sperrad f verstellt. Letzteres ist mit dem Vierweghahnküken derart verbunden, dass seine tiefen Zahnlücken den Hahnkükenbohrungen, die flachen dagegen dem Fleisch des Kükens entsprechen. Wird Anker b vom Magnete angezogen, wenn seine Klinke l in eine tiefe Zahnlücke fasst, also näher dem Drehungsmittelpunkt der Sperrscheibe ist, so vermag er einen ganzen Hub auszuführen und den Stift h von dem Contact k abzuheben, so dass mit der Hahnöffnung eine Entzündung des ausströmenden Gases erfolgt. Greift jedoch die Klinke l in eine flache Zahnlücke, wenn der Magnet a wirkt, so kann Klinke l wegen ihrer entfernteren Lage vom Drehungsmittelpunkt den Hub nur so weit ausführen, als es der Anschlag e gestattet. In diesem Falle wird zwar der Hahn geschlossen, der Stift h dagegen vom Contact k nicht abgehoben; es findet also bei Hahnschluss keine Funkenbildung statt.

Patentanspruch: An elektrischen Zünd- und Löschapparaten für Gasbrenner, bei denen das Zünden und Löschen durch einen Elektromagneten erfolgt, der gleichzeitig die Drehung des Hahnkükens und die Bildung des zündenden Funkenstromes veranlasst, die Anordnung von den Bohrungen des Hahnkükens in ihrer Lage entsprechenden tieferen oder flacheren Zahnlücken im Sperrad f und die Anordnung eines als Hubbegrenzung für die Transportklinke dienenden Anschlages e in der Weise, dass die Transportklinke beim Eingreifen in eine tiefe Zahnlücke an dem Anschlage sich vorbei bewegt, einen vollen Hub ausführt und gleichzeitig das Oeffnen des Gashahns und die Bethätigung der Contactvorrichtung veranlasst, beim. Eingreifen in eine flache Zahnlücke hingegen von dem Anschlage e nach einem Theil ihres Hubes festgehalten wird |295| und nur das Hahnküken behufs Abschlusses der Gasleitung dreht.

Die elektrische Zünd- und Löschvorrichtung für Gaslampen der Firma Actiebolaget Hermes in Stockholm (D. R. P. Nr. 72775) hat einen ähnlichen, durch den elektrischen Strom beeinflussten Apparat zum Gegenstande, wenn auch hierbei als neu der Gedanke auftritt, die bei jeder Drehung des Regelungshahns stattfindende präcise Einstellung desselben für die Offen- bezieh. Schlusstellung durch eine passende Arretirung des Sperrades zu veranlassen. Die Einrichtung ist folgendermaassen getroffen.

Textabbildung Bd. 291, S. 295
Ein am Brennerrohr drehbarer, im Ruhezustand wegen seines Eigengewichtes nach abwärts gerichteter Anker A (Fig. 12) wird bei Stromschluss vom Elektromagneten B angezogen. Ein Arm des Ankers trägt nun eine Klinke D, welche durch Einwirkung auf die Zähne des Sperrrades C das letztere und somit auch den Gashahn verstellt; hierbei wird D von der Feder F in die Verzahnung von C gedrückt. Die Bohrungen des Gashahns und die Zähne des Sperrades C sind in der bekannten Weise derart zu einander gestellt, dass bei jeder durch die Klinke D erfolgenden Verstellung von C abwechselnd eine Offen- und eine Schlusstellung des Gashahns hergestellt wird. Bei seiner Aufwärtsbewegung hebt Anker A ausserdem den Stift a vom Contact b, so dass die Zündfunkenbildung vor sich geht.

Damit das Gashahnküken nicht weiter bewegt werde, als es jeweilig gewünscht wird, ist am Anker die aus dem Arm E (Fig. 12 und 13) bestehende Hemmvorrichtung angebracht. Bei der Aufwärtsbewegung des Ankers greift das hakenförmig nach dem Brennerrohr zu gebogene Ende dieses Armes E über einen der Zähne des Sperrades C. Dadurch wird das Rad C und folglich auch das Gashahnküken von dem Arm E gesperrt. Die Zähne von C sind zwecks genauen Eingriffs mit E nach Kreisbögen gestaltet, welche den Abstand des abgebogenen Theiles des Armes E vom Ankerdrehpunkt zum Radius haben. Auf diese Hemmvorrichtung beschränkt sich folgender

Textabbildung Bd. 291, S. 295
Patentanspruch: Bei elektrischen Zünd- und Löschvorrichtungen für Gas- und Gasglühlichtlampen, bei denen durch Elektromagnetwirkung gleichzeitig der Zündcontact Gaszünder der bethätigt und das Gashahnküken geöffnet bezieh. geschlossen wird, die Anordnung einer Hemmvorrichtung E F, welche das mit dem Hahnküken verbundene Transportrad nach beiden Richtungen hin sperrt, und eines mit dem Anker sich bewegenden Armes E, der im Verein mit einer auf dem Transportrad des Hahnkükens schleifenden Feder F dieses Transportrad nach jedesmaligem Vorschub nach beiden Richtungen hin sperrt, zum Zweck, eine fehlerhafte Einstellung des Hahnkükens zu vermeiden.

An dieser Stelle mögen auch ein paar andere Gaszündvorrichtungen skizzirt werden, welche sich gleichfalls der Elektricität bedienen; zwar bezwecken sie weder eine selbsthätig zu vorausbestimmter Zeit erfolgende, noch eine von einem beliebigen Ort aus zu bewirkende Zündung, wohl aber erscheinen sie geeignet, wegen ihrer einfachen Handhabung die zum Anstecken einer jeden Lampe erforderliche Zeit erheblich abzukürzen.

Es ist zunächst die als Zusatz zu Patent Nr. 56403 geschützte Vorrichtung zum Anzünden und Auslöschen von Gasflammen mittels Elektricität von Albert Silbermann in Berlin (D. R. P. Nr. 67172) erwähnenswerth, welche folgendermaassen wirkt:

An dem Brennkörper B (Fig. 14) ist ein winkelartiges Metallstück b befestigt, welches eine dem Schlitten d als Führung dienende Schiene D trägt. An dem Schlitten d ist ein Doppeldraht E fest, welcher einerseits zwecks Befestigung von Zugschnüren in zwei Oesen endigt, andererseits aber mit dem Hebelarm G des Gashahns F verbunden ist. Unterhalb der Schiene D sitzen ferner auf einem Isolirstück l zwei Messingwinkel g g1 von denen der Contact g mit einem durch den Metallkörper b zwar gehaltenen, von diesem jedoch isolirten Draht c in Verbindung steht, während der Contact g1 den gleichfalls von b gehaltenen und mit diesem Träger leitend verbundenen Draht c1 aufnimmt. Wird nun der Schlitten d und mit ihm Arm E nach links bewegt, so öffnet Hebel G den Gashahn F; eine an dem Hahnküken sitzende Hartgumminase i drückt bei der Drehung die Feder h an das Messingstück g1, so dass der Strom durch die Contacte g g1, Drähte c c1 und den die letzteren verbindenden Platindraht e circuliren kann. Beim Anfang des Gasausflusses beginnt auch der Platindraht e zu glühen; die Entzündung ist erfolgt und der Strom unterbrochen, wenn der Gashahn ganz geöffnet ist.

Textabbildung Bd. 291, S. 295
Patentanspruch: Eine Abänderung der im Hauptpatent Nr. 56403 geschützten Vorrichtung zum Anzünden und Auslöschen von Gasflammen, darin bestehend; dass an Stelle des Schlagfeuerzeuges ein elektrischer Contact Verwendung findet, der bei der das Oeffnen und Schliessen des Gashahns F bewirkenden Bewegung des in der Gradführung D laufenden Schlittens d ebenfalls geschlossen wird und durch Glühdraht oder Funken die Anzündung des Gases bewirkt.

In der elektrischen Gasanzündevorrichtung von Johann Stegmeier und Adolf Geyer in Schwab. Gmünd (D. R. P. Nr. 72746) ist es beabsichtigt, die elektrischen Contacte möglichst vor dem zerstörenden Einfluss der Leuchtflamme zu schützen, insbesondere aber auch eine geeignete Zündvorrichtung für Gasglühlichtbrenner zu liefern. Die Zündung erfolgt deshalb nicht direct durch den elektrischen Funken, sondern es wird ein kleineres Quantum Gas entzündet, welches die Zündung dann weiter vollführt.

Die Abbildung Fig. 15 zeigt eine Ausführung für Gasglühlichtbrenner a, um welchen eine Hülse b mit Hilfe des Griffes b2 um etwa ⅕ seines Umfangs drehbar ist. Die Zeichnung zeigt die Hülse in der Mittelstellung, in welcher Gas aus dem Brenner a in eine an der Hülse b angeordnete Kammer b1 gelangen kann. Bei Drehung der Hülse streift nun diese Kammer b1 an einem Contact c vorbei, so dass der sich bildende Funke – eine elektrische Leitung ist einerseits mit c, andererseits mit dem Brenner verbunden – die in b1 befindliche Gasmenge entzündet |296| und die Flamme sich nach a überträgt; bei weiterer Drehung von b wird die Verbindung von b1 und a wieder aufgehoben. Für Strassenlaternen ist die Einrichtung in der Weise getroffen, dass ein durch Gewicht p nach unten gehaltener Hebel l an dem einen Arm ein Zahnsegment m trägt, welches in das an Hülse b feste Segment n eingreift. Im Boden der Laterne ist ein Metallstück k isolirt eingesetzt und mit diesem durch Draht o der Contact c verbunden. Der Laternenanstecker trägt nun eine Batterie bei sich, von welcher der eine Leitungsdraht d zum mittleren Metallstift g des Zündstockes f, der andere Draht e dagegen zur Metallhülse h führt. Nach Oeffnung des Gashahns, was mit Hilfe des Hakens q des Zündstocks geschehen kann, wird der Zündstock f derart in den Laternenboden eingeführt, dass die Hülse h am Metallstück k gleitet, während der Stift g den Hebel l hochdrückt und dadurch die Brennerhülse b dreht. Die Funkenbildung in b1 wird dadurch erzeugt, dass der Strom einerseits durch d g l m n b b1, andererseits durch e h k o c läuft. Den Arbeitsvorgang schildern auch die folgenden Patentansprüche:

1) Elektrische Gasanzündevorrichtung, gekennzeichnet durch einen Contactschieber b b1 der auf seinem Wege an einer Contactbürste c Funken erzeugt und für diesen Moment einen Kanal frei gibt, durch welchen das Gas dem Contact zuströmt, sich hier entzündet und eine bis zur Brennermündung sich erstreckende Zündflamme bildet.

Textabbildung Bd. 291, S. 296
2) Zur Bethätigung der unter 1 gekennzeichneten Einrichtung ein mit dem Stromgeber durch Leitungsschnüre verbundener Zündstock f, dessen Kern g durch Vermittelung der beweglichen Theile l m n dem Contactschieber b b1 Strom und Bewegung ertheilt, während die Hülse des Zündstocks h als Führung innerhalb des Mundstücks k dient und Strom zur Contactbürste c sendet.

Als letzte in der Reihe erscheint uns die elektrische Zündvorrichtung für Gasintensivlampen von Albert Friedländer in Berlin (D. R. P. Nr. 72941) erwähnenswerth, welche, wie es schon ihre Bezeichnung zum Ausdruck bringt, besonders für Regenerativ- bezieh. Intensivgaslampen Verwendung finden soll. Zur Benutzung gelangt hierbei ein nach Clark's System eingerichteter Gasanzünder a (Fig. 16), welcher in dem hohlen Ebonitgriff a2 eine Influenzelektrisirmaschine enthält, die durch Druck auf den von einer Feder nach aussen gehaltenen Knopf a1 in Drehung versetzt wird. Die zu entzündende Lampe besitzt nun den Hauptgashahn A und den Zündflammengashahn B, an welchem einerseits der Zünder e, andererseits in einer Hülse p isolirt der Hebel b angebracht ist. Der Lampenschirm (Fig. 17) selbst trägt mittels Isolirstückes q die vor die Ausströmungsöffnung des Zündrohres e führenden Leitungsdrähte c d. Wird nun der Hebel b mit dem gekrümmten Ende des Anzünders a erfasst und in die punktirte Stellung (Fig. 17) gebracht, so dass b den Theil c berührt, gleichzeitig aber Knopf a1 niedergedrückt, so wird Zündflammenhahn B geöffnet und das ausströmende Gas durch den zwischen d und e sich bildenden elektrischen Funken entzündet, da eine Zuleitung von a über c nach d, eine Rückleitung aber durch e B zur Erde stattfindet. Die zwar einfache, aber praktische Vorrichtung wird durch folgenden Patentanspruch geschützt:

Textabbildung Bd. 291, S. 296
Patentanspruch: Elektrische Zündvorrichtung für Gasintensivlampen, gekennzeichnet durch eine am Lampengehäuse isolirt angebrachte Contactfeder c in Verbindung mit der Leitung d, von welcher der Funkenstrom zur Zündung der Stichflamme (bei e) überspringt, wenn der vom Lampengestell isolirte Stellarm b des Hilfshahnes B mittels des gleichzeitig bethätigten elektrischen Anzünders a zur Berührung mit jener Contactfeder c zeitweise herabgesenkt wird.

Wilh. Gentsch.

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