Titel: Wasserglasanstrich eiserner Oefen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291/Miszelle 4 (S. 23–24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/mi291mi01_4

Wasserglasanstrich eiserner Oefen.

Von der Voraussetzung ausgehend, dass schwarze eiserne Oefen sich nicht für hübsch tapezierte oder gemalte Zimmer eignen, hat man versucht, eiserne Oefen mit Wasserglasfarben anzustreichen, zu bronziren und zu vergolden. Viele derartige Versuche missglückten, da man die Natur des Wasserglases nicht eingehender studirt hatte. – Director Krätzer, Chemiker in Leipzig, hat neuerdings nach dieser Richtung hin Versuche angestellt, die zu günstigen Ergebnissen geführt haben und die nun durch das Gewerbeblatt aus Württemberg veröffentlicht werden. Als Farben kann man nehmen für Weiss: Bleiweiss, schwefelsauren Baryt, Zinkweiss; für Gelb: chromsauren Baryt, Ocker, Uranoxyd; für Grün: grünes Chromoxyd, Kobaltgrün, grünes Ultramarin; für Blau: Ultramarinblau; für Gelbbraun: Cadmiumoxyd; für Braun: Englisch Roth (Caput mortuum), braunes Manganoxyd, gebrannte Terra di Siena; für Roth: die rothen Eisenfarben und Chromroth. Alle diese Farben müssen feucht mit warmem weichem Wasser (am besten destillirtem Wasser oder reinem Regenwasser) und verdünntem 33gradigen, schwefelfreiem Wasserglase vermengt werden. Zweckmässig ist es, auf 1 Th. Natronwasserglas 2 Th. warmes weiches Wasser zu verwenden. Um die Farben zu heben, kann man 5 g Bronzepulver |24| auf ¼ l Wasserglas, mit weichem Wasser verdünnt, nehmen. – Sollen grobe Erdfarben Benutzung finden, so bearbeitet man sie in einem Geschirre mit einem Stück Holz und rührt sie in möglichst wenig weichem Wasser ab, damit sich die Farbe durch und durch anfeuchtet. Je besser die Farbe durchgearbeitet ist, ohne jedoch flüssig zu sein, desto besser vermischt sie sich mit Wasserglas und man ist dem Gerinnen derselben nicht ausgesetzt. Stets ist es anzuempfehlen, Farbe und Wasserglas abzuwägen, um das richtige Verhältniss zu ermitteln; auch bereite man nie mehr Farbe, als innerhalb 2 bis 3 bis 4 Stunden verarbeitet werden soll. Zum Gelingen der Arbeit ist es Bedingung, dass kein Fett und keine Rostflecken an den eisernen Oefen haften. Um anhaftendes Fett zu entfernen, muss man die Oefen tüchtig heizen und mittels einer Metallkratzbürste alle Rostflecken beseitigen. Nunmehr streicht man die Oefen mit der erforderlichen Wasserglasfarbe an; ist der erste Anstrich nach 12 Stunden trocken, so lässt man einen zweiten Anstrich folgen. Will man noch mehr Glanz erreichen, so kann man einen dritten Anstrich folgen lassen. – Nicht nur auf porösem Eisenguss, sondern auch auf glatt gewalztem Eisenblech sollen diese Wasserglasfarben, welche der Roth- und Weissglühhitze widerstehen, jahrelang halten.

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