Titel: Ueber Schiffsmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291/Miszelle 4 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/mi291mi02_4

Ueber Schiffsmaschinen.

Der Wilhelmshavener Zeitung vom 7. December 1893 entnehmen wir nachstehende Mittheilung:

Die kaiserlich österreichische Marine ist in ähnlicher Weise wie die deutsche bemüht, ihr älteres Flottenmaterial durch Umbau der noch brauchbaren Schiffe auf der Höhe der Zeit zu halten. Sie beschränkt sich hierbei nicht nur auf die Artillerie, sondern versieht auch ihre Schiffe mit den neuesten Maschinen und sucht dadurch ihre Geschwindigkeit zu steigern.

Ein hervorragendes Beispiel dieser Bestrebungen ist das Panzer-Kasemattschiff Admiral Tegetthoff von 7300 t Deplacement, welches bereits im J. 1878 auf der Werft von St. Roko gebaut wurde. Der Tegetthoff, welcher früher eine einfache Condensationsmaschine von 7200 hatte, ist jetzt mit einer Schichau'schen dreifachen Expansionsmaschine von 10000 und entsprechenden Kesseln ausgerüstet worden, welche in der Schichau'schen Fabrik in Elbing erbaut und in Pola kürzlich montirt und erprobt worden sind.

Dieser Umbau der Maschinenanlage des Panzerschiffes Tegetthoff ist gleichzeitig ein schlagendes Beispiel für den Fortschritt des Schiffsmaschinenbaues in den letzten 10 bis 20 Jahren. Während die früheren Maschinen des Tegetthoff einschliesslich der mit Wasser gefüllten Kessel 1085 t wogen und nur etwa 7000 entwickelten, wiegen die gesammten neuen Maschinenanlagen einschliesslich der mit Wasser gefüllten Kessel und allem Zubehör nur 870 t; trotzdem wurde bei den Probefahrten eine Mehrleistung von 700 über die vertragsmässig vereinbarte erzielt. Der Geschwindigkeitsgewinn auf Grund der neuen Maschinen beträgt bis zu 2 Knoten bei voll ausgerüstetem Schiffe während der 6stündigen forcirten Probefahrt.

Abgesehen von dieser Mehrleistung wird durch die Gewichtsersparung, bei bedeutend geringerem Kohlenverbrauch, die Möglichkeit gegeben, noch etwa 200 t Kohlen mehr an Bord zu nehmen, so dass der Actionsradius des Schiffes ganz wesentlich erhöht worden ist. Während die Maschinen mit voller Kraft vorwärts arbeiteten, wurden sie wiederholt auf volle Kraft rückwärts umgesteuert und hierdurch das 7400 t schwere Schiff auf seiner eigenen Länge zum Stehen und Rückwärtsgang gebracht. Die Maschinen arbeiteten bei diesen schweren Manövern in jeder Beziehung vorzüglich und tadellos und wurden von der k. k. Abnahmecommission anstandslos abgenommen.

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