Titel: Schneiden von flachgängigen Schrauben von genauer Länge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291/Miszelle 5 (S. 71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/mi291mi03_5

Schneiden von flachgängigen Schrauben von genauer Länge.

Von praktischer Seite geht uns nachstehende Mittheilung zu:

Ein in der Praxis des Mechanikers sich oft unliebsam bemerkbar machender Uebelstand veranlagst mich, meine dahin gemachten Erfahrungen bekannt zu geben.

Das Schneiden von Muttern mit scharfem Gewinde war schon längst bekannt, als man darauf kam, auch flachgängiges Gewinde mittels Gewindebohrer zu schneiden. Dies ging auch bei beiden Arten, so weit nicht absolute Genauigkeit der Ganghöhe nöthig war, schnell von statten. Anders war es bei langen oder ganz genaue Ganghöhe erforderlichen Muttern. Hier konnte nur auf Kosten der Genauigkeit des Gewindes mittels Gewindebohrer geschnitten werden.

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass bei dem Aufpassen einer solchen Mutter auf die zugehörige Spindel stets nur die ersten Gänge passten, trotzdem der Gewindezahn bei dem Schneiden der Spindel die richtige Breite hatte. Um nun die Mutter gänzlich auf die Spindel zu bringen, musste man das Gewinde der Spindel mittels eines breiteren Gewindezahns nachschneiden. Bei einer auf der Drehbank geschnittenen Mutter war dies nicht nöthig. Woran lag dies? Man weiss, dass der Werkzeugstahl nach dem Anwärmen bezieh. Härten insofern sich verändert, als er mehr oder weniger in seiner Länge schwindet, kürzer wird. Habe ich z.B. einen Gewindebohrer mit 10 Gang auf 1 Zoll engl. geschnitten, so wird derselbe nach dem Härten und Anlassen nicht mehr mit der Leitspindelsteigung übereinstimmen, er ist kürzer geworden. Ich suchte mir dadurch zu helfen, dass ich gleich von vornherein den Gewindebohrer einen Bruch theil des Ganges länger schnitt, d.h. mehr Steigung gab. Der Bohrer that mir aber nicht den Gefallen, bei dem Härten sich genau um das Gewünschte zusammen zu ziehen. Ein Versuch mit verschiedenen Stahlsorten hatte auch nicht den gewünschten Erfolg, bei vielen war ein zweimaliges Härten in Folge des unverhältnissmässigen Schwindens ganz ausgeschlossen.

Als ich gelegentlich einen Schneidbohrer zu liefern hatte, der auf die Länge von etwa 500 mm in der Ganghöhe ganz genau sein musste, wurde ich von befreundeter Seite auf den „Universalstahl“, Schutzmarke eine Brille, von Jonas und Colver in Sheffield, aufmerksam gemacht, ein Versuch damit übertraf alle Erwartungen. Ein Vorversuch an einem Probestück ergab selbst nach viermaligem Härten keine Veränderung in der Längsrichtung. Ich wärmte vorstehenden langen Gewindebohrer in offenem Holzkohlenfeuer an, kühlte denselben in temperirtem Wasser ab und hatte einen in Bezug auf Ganghöhe und Härte tadellosen Gewindebohrer. Es ist rathsam, das Abkühlen dieses Stahls zu obigem Zweck in solch warmem Wasser vorzunehmen, dass ein Nachlassen überflüssig ist. Durch eine kleine Probe kann man bald den richtigen Wärmegrad des Wassers ermitteln.

Eine Niederlage dieses Stahles befindet sich in Berlin C. bei Mansfeld und Co.

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