Titel: A. J. Wurts' Blitzableiter für elektrische Licht- und Kraftanlagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291/Miszelle 3 (S. 144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/mi291mi06_3

A. J. Wurts' Blitzableiter für elektrische Licht- und Kraftanlagen.

Textabbildung Bd. 291, S. 144
Die Westinghouse Company in Pittsburg bevorzugt auf Grund umfänglicher Versuche für elektrische Licht- und Kraftanlagen den Blitzableiter, welchen Alexander J. Wurts unter Verwendung der von ihm aufgefundenen nicht-Lichtbogenbildenden Metalle (vgl. 1892 285 144) hergestellt hat. Diese Blitzableiter enthalten keinerlei Drahtrollen, welche die rasche Entladung zu verzögern scheinen, sie stellen vielmehr einen einfachen und unmittelbaren Weg zur Erde her. Der in Fig. 1 abgebildete Blitzableiter enthält nach dem Engineering, 1893 Bd. 56 * S. 279 (vgl. auch Transactions of the American Institute of Electrical Engineers, 1892 Bd. 9 * S. 119), sieben in geringen Entfernungen von einander aufrecht stehende, aus Wurts' Legirung hergestellte Cylinder, die also sechs Luftzwischenräume bilden; diese Cylinder sind gewöhnlich 25 mm dick, 75 mm lang, die Abstände betragen 0,8 mm, die Zahl der Cylinder richtet sich nach der Beschaffenheit des Stromkreises. Bei Benutzung dieses Blitzableiters werden die beiden Klemmschrauben a und b mit den beiden von der Dynamo ausgehenden Leitungen verbunden und letztere dadurch mit den beiden äussersten Cylindern in Verbindung gesetzt, während der mittlere Cylinder mit Hilfe der Klemme e an Erde gelegt wird. Wenn die Leitung geladen wird, überspringen Funken die Luftzwischenräume nach dem mittleren Cylinder, von welchem aus die Entladung harmlos nach der Erde erfolgt. Die Cylinder sind so stark, dass ihr Verbrennen nicht zu befürchten ist, und da überdies die zu ihnen verwendete Legirung keinen Lichtbogen erhält, so kann der in der Leitung vorhandene oder auftretende kräftige Strom nicht auf dem Wege der Entladung folgen, und deshalb kann sich die Dynamo nicht auf merkbare Zeit kurz schliessen. Die Oberflächen der Cylinder sind rauh gemacht, daher stehen sich Hunderte von Spitzen gegenüber und erleichtern das Entladen.

In den Vereinigten Staaten waren 1892 über 2000 solcher Blitzableiter in Gebrauch und befriedigten vollständig. Bei einem Versuche wurde ein solcher in den Stromkreis einer Dynamo eingeschaltet, über sechs Luftzwischenräume ein dünner Zinnstreifen gelegt und der Ausschalter rasch geschlossen; da sah man oft nur einen einzigen hellen Funken, die Streifen aber blieben unversehrt, ein Beweis, wie rasch der Kurzschluss unterbrochen wurde. Da aber bei ausnahmsweise starken Entladungen ein Theil derselben durch die Dynamo ging, so schloss man, dass lange Leitungen noch ihre besonderen Ableiter erhalten müssten, damit der Stationsableiter, die Dynamo und die Stromumsetzer keine starken Beschädigungen erfahren könnten.

Textabbildung Bd. 291, S. 144
Für elektrische Eisenbahnen wird der in Fig. 2 abgebildete Schlusstein-Blitzableiter (keystone arrester) verwendet, bei welchem die Klemme c mit dem Stromzuleiter, die Klemme d hingegen mit der Erde verbunden wird; derselbe wird nach Befinden (vgl. Transactions of the Institute, 1892 Bd. 9 * S. 107) noch in einer ganz geschlossenen, mit Asbest belegten eisernen Kammer untergebracht. Wenn die Entladung aus dem Leiter zur Erde den Luftzwischenraum überspringt, erhitzt sie die Luft im Innern des Blitzableiters so stark, dass die beiden Kohlenstäbe, welche durch die Marmorseitenwände eintreten, scharf nach aussen geworfen werden; beim Weggehen der Stäbe von den Kohlenblöcken, an die sie sich leicht anpressen, springen zwei neue Funken über und bringen die Stäbe bis in die punktirt angegebene Lage, in welcher sie an ein wagerechtes Querstück antreffen und sich dann wieder in ihre normale Lage herabbewegen. Der Ableiter wirkt wie ein Pistolschuss; die Dauer der Entladung lässt sich nicht abschätzen.

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