Titel: Die Beziehung des Reibungscoëfficienten zur Geschwindigkeit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 291/Miszelle 5 (S. 215–216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj291/mi291mi09_5
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Die Beziehung des Reibungscoëfficienten zur Geschwindigkeit.

Nach den Untersuchungen über die Reibung von Morin, Coulomb, Warburg und v. Babo wäre die Reibung von der Geschwindigkeit unabhängig, während andere Versuche ein wechselndes Verhältniss von Reibung und Geschwindigkeit ergaben. Aus diesen Ergebnissen lässt sich mit Sicherheit folgern, dass die Geschwindigkeitsänderung nur einen geringen Einfluss auf den Reibungscoefficienten ausübt.

Andererseits lässt sich aus den Erscheinungen, die bei den Bremsdynamometern auftreten, schliessen, dass Reibungswiderstand und Geschwindigkeit in einem festen Verhältniss stehen, denn bei Prony's Bremszaum wird das Gewicht am Hebelarm nur bei einer ganz bestimmten Geschwindigkeit in der wagerechten Gleichgewichtslage erhalten. Um diese Abhängigkeit der Reibung von der Geschwindigkeit zu ermitteln, stellte ich folgenden Versuch an:

Ueber einen Cylinder mit wagerecht liegender Achse führt ein Faden, dessen Enden verschieden belastet sind. Bei einer bestimmten Ueberbelastung auf der einen Seite gleitet der Faden mit zunehmender Geschwindigkeit über den Cylinder, bis eine gleichförmige Bewegung dadurch eintritt, dass der Reibungswiderstand dem Uebergewicht gleich geworden ist. Vergrössert man das Uebergewicht, so wächst die Geschwindigkeit der gleichförmigen Bewegung.

Aus den Versuchswerthen ermittelte ich die gesuchte Beziehung nach der Formel

avx = p,

in welcher a eine Constante bedeutet, allein abhängig vom reibenden Material und dem Normaldruck, v die Geschwindigkeit, x den gesuchten Exponenten und p das Uebergewicht. Es ergab sich für einen Wollenfaden, der auf Eisen glitt:

a v in cm n p in g
147,5 1,07 0,222 150
136,6 3,9 0,284 200
151,4 8,57 0,230 250
138,8 13,64 0,245 266,7
–––––––––––––––––––––––––––––
im Durchschnitt 143,6 0,245

Für einen anderen Faden auf einer Messingtrommel bei geringerer Belastung fand ich:

a v n p
69,9 3,02 0,251 80
74,8 3,82 0,213 85
64,0 5,0 0,283 90
–––––––––––––––––––––––
im Durchschnitt 69,4 0,249

Die Werthe für n : 0,245 und 0,249 nähern sich 0,25. Demnach gibt die Formel

Die Reibung ist der vierten Wurzel aus der Geschwindigkeit proportional.

Wie gering diese Abhängigkeit der Reibung von der Geschwindigkeit auch ist, so treten doch bei grossen Geschwindigkeitsdifferenzen Werthe auf, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Bei einer genauen Angabe des Reibungscoefficienten eines Materials ist deshalb die Mittheilung der Geschwindigkeit erforderlich, bei der der Versuch stattfand.

F. Gessert.

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