Titel: Neuere Regulirvorrichtungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 3–9)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292002

Neuere Regulirvorrichtungen an Dampfmaschinen.

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 292, S. 3
Der Regulator von W. Hornsby und R. Edwards in Grantham besteht nach den Industries entnommenen Abbildungen (Fig. 1 bis 3) aus einer Spindel A, die sich in dem Regulatorständer B führt. Unmittelbar über der oberen Führungsbüchse ist ein gabelförmiger Träger C auf der Spindel befestigt, dessen Enden mit Winkelhebeln D verbolzt sind; die abwärts gerichteten Arme der letzteren tragen Kugeln E, während ihre aufwärts gerichteten Arme kleine Rollen F aufnehmen. Um die Spindel A legt sich eine Spiralfeder G, deren unteres Ende gegen den Träger C, das obere Ende gegen eine auf die umschliessende Hülse I geschraubte Kappe H drückt. Die Hülse I trägt an ihrem unteren Ende einen tellerförmigen Ansatz I1, welcher zur Auflage der Rollen F der Winkelhebel D dient, und steht durch nach unten gehende Verlängerungen mit einem Muff K in Verbindung, über welchen behufs Uebertragung der Regulatorbewegung auf die bezüglichen Organe der Maschine ein gegabelter Hebel greift.

Bei dieser Anordnung bleiben Träger C, sowie die Kugeln E stets in unmittelbarer Nähe der oberen Führungsbüchse der Spindel und entfernen sich weit weniger von dieser, als wie es bei einem gewöhnlichen Regulator der Fall ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 3
G. Sellers in Wakefield ist unter Nr. 10943 vom 9. Juni 1892 in England eine Auslösvorrichtung an Hahn- bezieh. Ventilsteuerungen patentirt worden, welche entweder mit dem Regulator combinirt zur Ausführung kommt, oder auch mit einem Regulator irgend welcher Construction verkuppelt werden kann, so dass die Beschaffungskosten für einen neuen Regulator fortfallen.

Die Vorrichtung ist in drei verschiedenen Abänderungen durch die ebenfalls Industries entnommenen Abbildungen (Fig. 4 bis 6) veranschaulicht. In Fig. 4 ist auf die Schieberspindel A eine Scheibe B gekeilt, welche einen aus Stahl gefertigten Anschlag C trägt, der mit zwei auf den kürzeren Armen eines dreiarmigen Hebels E drehbar befestigten Stahldaumen D in Berührung kommt. Der längere Arm des Hebels E ist mit einem Schlitz F versehen und durch eine Stange G mit irgend einem bewegten Theil der Maschine verkuppelt, so dass er eine hin und her gehende Bewegung annimmt und die Schieberspindel sich abwechselnd in dem einen oder dem anderen Sinne dreht.

Damit die Daumen D bei anwachsender Geschwindigkeit der Maschine ausser Berührung mit dem Anschlage C bleiben, sind scherenartig wirkende Hebel H angeordnet, welche durch eine Stange I vom Regulator eingestellt werden und derart wirken, dass, wenn die Stange I in Folge anwachsender Geschwindigkeit des Regulators sich nach unten bewegt, ihre vorstehenden Theile mit den hin und her schwingenden Daumen eher in Berührung kommen, als bis diese ihre bezüglichen Endstellungen erreicht haben. Sobald dieses Auslösen der Daumen erfolgt ist, gelangt der Schieber durch eine Feder, einen Luftbuffer oder ein Gewicht in seine Schlusstellung.

Fig. 5 zeigt eine ähnliche Einrichtung, nur sind die |4| scherenartig wirkenden Hebel hier durch eine Schraube I1 mit Links- und Rechtsgewinde ersetzt, über welches Muttern K greifen, die in gegabelten Hebeln gelagert sind und sich mittels Rad und Zahnstange L nach aussen bewegen, wenn die Geschwindigkeit der Maschine das zulässige Maass überschreitet. Stifte M auf den Muttern K wirken dann auf die Daumen D in derselben Weise, wie vordem angegeben.

Fig. 6 zeigt eine Anordnung bei Ventilmaschinen. Die Regulatorspindel bethätigt in diesem Falle zwei senkrechte Gleitschuhe N, welche sich, sobald die Maschine ihre normale Tourenzahl überschritten hat, nach abwärts bewegen und die Knaggen C ausser Eingriff mit dem Kreuzkopf P bringen, so dass das Ventil auf seinen Sitz zurückfällt. Die Schuhe stehen durch Stangen und Hebel mit dem Luftbuffer Q in Verbindung.

Textabbildung Bd. 292, S. 4
Iron vom 21. October 1892 bringt S. 359 die Abbildung des von Messrs. Whitley Partners in Leeds erbauten Allen-Regulators.

A (Fig. 7 und 8) ist eine cylindrische Trommel, welche auf ihrer inneren Umfläche mit einer Anzahl gleich weit von einander entfernt liegender Rippen a versehen ist und sich auf einer Spindel b bewegt, während eine andere Spindel c mit dem Deckel e der Trommel fest verschraubt ist. Auf dem Theile der Spindel b, welcher innerhalb der Trommel A liegt, sind Schaufeln g befestigt. Beide Spindeln führen sich in Lagern h eines Rahmens B, der mit dem Deckel eines Ventilgehäuses C zusammengegossen ist. Auf der Spindel c ist ein Rohrstück befestigt, welches am Ende ein Getriebe n bildet und nach seiner Mitte zu eine Scheibe mit radialem Schlitz trägt, durch welchen ein Bolzen geht, der zum Befestigen einer Messingrolle dient. Der radiale Schlitz gestattet, die Rolle der Arbeitsweise der Maschine anzupassen, indem der Aufhängepunkt in beliebiger Entfernung von der Scheibenmitte gewählt werden kann, was auf das mehr oder weniger schnelle Schliessen des Ventils von Einfluss ist. Abnehmbare Gewichtsscheiben l hängen an der Rolle mittels einer Kette, die sich aufwickelt, wenn die Gewichte steigen. Ein Zahnsegment m steht mit dem Getriebe n in Eingriff und ist auf die Ventilspindel aufgekeilt, so dass das Ventil direct bethätigt wird.

Bei Regulatoren für Ventile von 65 mm Durchmesser und darüber ist das Zahnsegment nicht auf der Ventilspindel aufgekeilt, sondern dreht sich frei um dieselbe und wirkt in diesem Falle mittels eines Bolzens, der durch das Segment und den auf der Ventilspindel aufgekeilten Zwischenhebel G geht, auf das Ventil. Sobald die Gewichtsscheiben in ihre tiefste Lage kommen, schlagen sie eine Stütze nach unten, welche den Bolzen frei gibt, so dass dieser durch eine Feder H zurückgezogen wird und das Ventil in Folge Eigengewichtes auf seinen Sitz fällt. Der Dampf wird demnach sofort abgeschnitten, wenn ein Abrutschen oder Reissen des Regulatortreibriemens stattfindet.

Erwin Zimmic in Wiener-Neustadt construirte einen hydraulischen, vollkommen astatischen Regulator, der, für jede beliebige Normalgeschwindigkeit einstellbar, genau die Dampfzufuhr bis zur gänzlichen Absperrung regelt.

Der Regulator dürfte sich besonders für Betriebe, welche eine grosse Gleichförmigkeit in der Tourenzahl der Maschine erfordern, eignen, und ist auch für Schiffsmaschinen empfehlenswerth, da er deren Durchgehen bei eintretenden Havarien, verhindert.

Der Regulator besteht nach den dem Oesterreichisch-Ungarischen Patentblatt vom 15. Juni 1893 S. 162 entnommenen Abbildungen (Fig. 9 bis 11) aus einem unteren schalenförmigen Behälter A, auf welchen ein glockenförmiges Aussengefäss C gestellt ist. Zwischen beiden Gefässen liegt eine Platte f, auf welcher die innere Glocke B concentrisch zu A und C ruht. Ein Oberdeckel P der Aussenglocke C schliesst das Regulatorgehäuse nach aussen ab.

Textabbildung Bd. 292, S. 4
Im Halse der Innenglocke B findet der durchbohrte Kolben d, welcher durch die Zugstange t mit dem Dampfabsperrventil in Verbindung steht, oder auf den Expansionsschieber der Maschine unmittelbar einwirkt, seine Führung. Der Hub des Kolbens ist unten durch den Anschlagring o, oben durch den Deckel P begrenzt, und seine Drehung wird dadurch verhindert, dass eine durch Säulchen mit ihm fest verbundene polygonale Platte sich zwischen unten am Deckel P angegossene Rippen p auf- und abwärts bewegt. Die polygonale Platte bildet gleichzeitig die Schraubenmutter der den Konus q tragenden Spindelstange q1, welche, oben von viereckigem Querschnitt, im Deckel P in einer mit dem Handrade H in fester Verbindung stehenden Hülse geführt ist. Der steigende Schwimmerkolben d bewirkt demnach eine gleichzeitige Hebung der Spindel q1 mit Konus q, das Drehen des Handrades H dagegen ein Annähern oder Entfernen des Konus q an die oder von der Ausflussöffnung des Schwimmerkolbens.

Die Platte f trägt eine Anzahl (zwei, vier oder mehr) |5| Pumpen i (Fig. 10), durch deren Thätigkeit die Flüssigkeit, welche aus der Durchbohrung des Kolbenschwimmers oben in die Aussenglocke C abfliesst und aus dieser durch die Durchlochungen e der Flansche, der Innenglocke B und der Platte f in die Unterschale A einströmt, wieder in die Innenglocke B hinaufgedrückt wird. Das Maass der Pumpenthätigkeit hängt von der Geschwindigkeit der Maschine ab, von welcher mittels Riemenscheibe R das auf derselben Achse m1 sitzende Kegelrad m angetrieben wird; dieses greift in das wagerechte Kegelrad n, welches, frei um die Zugstange t rotirend, mit zwei angegossenen, sich je beiderseits abflachenden Hubnasen n1 und n2 versehen ist. Bei der Drehung des Rades n gelangen diese Hubnasen abwechselnd unter die unteren Ansätzen der Pumpenkolben und heben sie. Die Wiedersenkung derselben wird von den Spiralfedern g bewirkt, welche, um das Pumpengehäuse gewickelt, oben gegen die Platte f, unten gegen seitlich vorspringende Ansätze g1 des Pumpenkolbens drücken und bei jedem Pumpenhub zusammengepresst werden. Die Aufwärtsbewegung des Pumpenausströmungsventils i1 ist durch im Innern der den Schwimmer d enthaltenden Glocke B angebrachte Nasen b1 begrenzt.

Bei normaler Geschwindigkeit der Maschine fördern die Pumpen i genau so viel Flüssigkeit aus der Schale A in die Innenglocke B, als durch die Durchbohrung des Schwimmers d in die Aussenglocke C gelangt, um von hier wieder in die Schale A zurückzufliessen.

Läuft die Maschine zu schnell, so wird die Thätigkeit der Pumpen erhöht und es gelangt mehr Flüssigkeit in die Innenglocke B, als aus ihr durch den Schwimmer d abfliessen kann. In Folge dessen wird der Schwimmer gehoben und nimmt die Zugstange t mit, wodurch ein Drosselorgan verstellt bezieh. eine Aenderung der Füllung durch den Expansionsschieber erreicht wird. Die verminderte Pumpengeschwindigkeit bewirkt dagegen auch eine Verminderung der in die Innenglocke B aufzupumpenden Flüssigkeitsmenge, was ein Sinken des Kolbens d und damit wieder eine entsprechende Einstellung des Drosselorgans bezieh. des Expansionsschiebers zur Folge hat.

Damit der Kolben nicht durch sein Eigengewicht das Senken der Zugstange t beschleunigt, ist ein verschiebbares Gewicht Q an dem Hebel y angebracht, der die Zugstange umfasst und mit ihr gehoben und gesenkt wird.

Durch ein Höher- oder Tiefereinstellen des konischen Zapfens q lässt sich die Ausströmöffnung im Kolben D nach Belieben ändern, so dass ein und derselbe Regulator bei den verschiedensten Geschwindigkeiten der Maschine zur Verwendung kommen kann.

Das bei den Centrifugalregulatoren in Folge des Beharrungsvermögens der kreisenden Kugeln auftretende Klemmen in den Pendelachsen ist durch die Anordnung der Zugstange t in der Achse des Schwimmers gänzlich beseitigt.

Als Füllungsflüssigkeit für den Regulator empfiehlt sich Mineralöl oder ein Gemisch von solchem mit Wasser. Alle beweglichen Theile befinden sich dann innerhalb der auch als Schmiermittel wirkenden Flüssigkeit, wodurch ein leichter und gleichmässiger Gang derselben erreicht wird.

J. und A. Prentice in Thankerton, Lanarks, wurde unter Nr. 1620 vom 25. Januar 1893 in England ebenfalls ein hydraulischer, nur mit Wasser gefüllter Regulator patentirt, über dessen Construction Engineering vom 3. März 1893 einige Angaben enthält.

Die Füllflüssigkeit befindet sich, wie Fig. 12 und 13 erkennen lassen, in einem grossen Behälter A, auf welchen auch der ganze Apparat montirt ist und welcher durch seitliche Oeffnungen a mit der Atmosphäre in Verbindung steht. Auf dem Deckel A1 des Behälters sind vier Pumpencylinder B, B1, C, G1 befestigt, von denen die beiden letzteren den Druckkessel D tragen, welcher mit einem aufgeschraubten Cylinder E in Verbindung steht. Vom oberen Theile des Kessels D führt ein mit eingeschaltetem Regulirhahn G versehenes Rohr F nach dem Wasserbehälter A, während die seitlich in den Druckkessel einmündenden Rohre H, H1 bezieh. I, I1 mit den Pumpen B, B1 bezieh. C, C1 in Verbindung stehen. Die Pumpen B, B1 sind durch Rohre I2, I3, die Pumpen C, C1 ebenfalls durch derartige Rohre, welche bis nahe auf den Boden des Behälters A heruntergehen, mit einander verbunden. Die Plungerkolben der Pumpen werden durch Kurbelschleifen betrieben, welche über Zapfen der auf die Welle R aufgekeilten Kurbeln Q, Q1 greifen. Die auf der Welle R befestigte Riemenscheibe wird mittels Riemen von der Maschine aus betrieben. Die Steuerung der Pumpen erfolgt durch in den Gehäusen d derselben liegende Kugelventile c. Ein im Cylinder E geführter Kolben ist nun derart mit dem Absperrventil der Dampfmaschine verbunden, dass die Zuströmung frischen Dampfes nach der Maschine aufhört, wenn er sich nach aussen bewegt und bei seiner Innenbewegung ein Oeffnen des Absperrventils stattfindet. Der Kolben ist derart belastet, dass er stets das Bestreben zeigt, in den Cylinder hineinzutreten.

Textabbildung Bd. 292, S. 5
Um einen möglichst gleichförmigen Gang solcher Dampfmaschinen, welche zum Betriebe von Dynamos dienen, zu erzielen, construirte F. S. Burrell, St. Nicholas Works in Thetford (England), einen Differentialregulator, der im Uebrigen auch zur Regulirung der Geschwindigkeit einer grossen Dampfmaschine oder zur Beherrschung des Dampfzulasses für eine Reihe kleinerer Dampfmaschinen Verwendung finden kann. Eine kleine schnell laufende Dampfmaschine oder ein kleiner Elektromotor werden fortwährend mit gleichförmiger Geschwindigkeit im Gange erhalten und zur Beeinflussung des Differentialregulators herangezogen.

In Fig. 14 ist die eine Ausführungsform des Regulators nach der The Engineer entnommenen Abbildung |6| des Praktischen Maschinenconstructeurs, 1893 S. 56, wiedergegeben.

Am oberen Ende der Regulatorspindel a, die von der zu regelnden Dampfmaschine betrieben wird, sind zwei Kugelarme f aufgehängt, die sich bei wachsender Tourenzahl der Spindel heben und unter Ueberwindung der Spannung der Spiralfeder e dem Belastungsgewichte d sammt der Büchse b eine Aufwärtsbewegung ertheilen; letztere ist am unteren Ende mit einem festen Anlaufe und aussen mit einem Schraubengewinde versehen, über welches eine als Muffe dienende Mutter c greift, die durch Hebel n und Stange o auf das Steuerungsorgan der Dampfmaschine einwirkt. Das mit der Mutter c verbundene Stirnrad steht mit dem breiten Getriebe g in Eingriff und wird von der kleinen Dampfmaschine oder dem Elektromotor durch die Wellen m und h, sowie die Kegelräder k, l bei eingerückter Kuppelung i bewegt, sobald die Geschwindigkeit der Dampfmaschine wechselt. Bei zunehmender Geschwindigkeit wird die Mutter c in der einen Richtung auf der Schraube b gedreht und steigt in Folge dessen, so dass das Stellzeug n, o durch die vereinigte Wirkung des Regulators und der Mutter c bedeutend schneller in Thätigkeit gesetzt wird, als wenn dies vom Regulator allein geschehen würde und wenn eine Abnahme der Geschwindigkeit der Dampfmaschine stattfindet, wird die Mutter in der entgegengesetzten Richtung auf der Schraube b bewegt, so dass sie niederwärts geht und das Stellzeug ebenfalls schnell verstellt. Solange die zu regelnde Dampfmaschine mit einer normalen Geschwindigkeit läuft, dreht sich die Mutter c mit der Schraube b, sowie der Regulatorwelle zu gleicher Zeit um, ohne ihre Lage gegen die erstere zu ändern.

Textabbildung Bd. 292, S. 6
Fig. 15 zeigt eine andere Ausführung des Regulators, welche in Anwendung kommt, wenn die regelnde Hilfsmaschine ein Elektromotor ist.

Der Regulator wird in diesem Falle wieder von der zu regelnden Dampfmaschine durch eine Spindel a mit Hilfe der Kegelräder b, c umgetrieben, und die Muffe des Belastungsgewichtes e beeinflusst durch den Hebel f die Stange gi, sowie den Hebel k des Steuerorganes in der gewöhnlichen Weise. Das untere Ende der Welle d ist zu einer Schraube l erweitert, welche oben und unten durch feste Bunde begrenzt wird. Auf der Schraube l befindet sich die Mutter m mit einem Stirnrade, welches in ähnlicher Weise wie oben von dem Elektromotor aus durch die Welle t, die Kegelräder s, r und das lange Getriebe q beeinflusst wird. Wenn bei abnehmender oder wachsender Geschwindigkeit der zu regelnden Dampfmaschine die Mutter m ihre Stellung zur Schraube ändert, verschiebt ihre Nuth durch Hebel n und Stange o den Hebel p. Derselbe ist in einem Auge der Stange g drehbar gelagert und mit einem Excenter h starr verbunden. Wäre der Regulator allein und ohne die Schraube l vorhanden, so würde seine Muffe beim Steigen der Kugeln die Stange g i mit dem Hebel k abwärts ziehen und das Steuerorgan derart verstellen, dass weniger Dampf in den betreffenden Cylinder eintritt, damit die Maschine wieder die richtige Geschwindigkeit annimmt. Hierzu ist selbstverständlich eine gewisse Zeit erforderlich, während welcher die Maschine mit unregelmässiger Geschwindigkeit arbeitet. Nun vermag jedoch die Mutter m ebenfalls das Steuerorgan zu beeinflussen, indem sie den Hebel p so verstellt, dass die Stange gi mit dem Hebel k noch weiter niederwärts geht. Durch die vereinigte Wirkung der Regulatormuffe und der Mutter m wird demnach das Steuerorgan schon bei einer viel geringeren Geschwindigkeitsänderung verstellt, um den Gang der Dampfmaschine gleichförmig zu erhalten. Man kann den Regulator so bemessen und die Steigung der Schraube l so hoch machen, dass eine sehr geringe Geschwindigkeitsänderung der Dampfmaschine sofort durch die Verstellung des Steuerorganes ausgeglichen wird.

Burrell hat an dieser Ausführungsform seines Regulators noch eine bemerkenswerthe Einrichtung getroffen, welche sich auf den als Hilfsmaschine dienenden Elektromotor bezieht. Sobald nämlich kein elektrischer Strom denselben treibt, geht die Mutter m so weit nieder, dass sie gegen den Bund stösst. Alsdann erhält die Dampfmaschine bei unveränderter Geschwindigkeit die geringste zum Leergange erforderliche Dampfmenge und treibt gleichzeitig durch die Uebersetzung auf die Welle t den Anker des Elektromotors leer um. Sobald der Elektromotor wieder seinen elektrischen Strom empfängt, gewinnt er an Geschwindigkeit und treibt die Mutter m so weit herauf, dass die Dampfmaschine wieder die volle Dampfmenge zum Betriebe der Dynamomaschinen erhält.

Der Regulator von G. P. Vasey in London besteht nach der Engineering vom 17. März 1893 S. 333 entnommenen Abbildung (Fig. 16) aus einem von der zu regelnden Dampfmaschine betriebenen Kammrad, welches mit einer wagerecht geführten Schnecke in Eingriff steht, die zum Zwecke der Regelung der Dampfzufuhr mit dem Absperrventil der Maschine verbunden ist. Die Schnecke bewegt sich längs einer Welle und wird sammt dieser von einer Hilfsdampfmaschine in Umdrehung versetzt. Zufolge der Wirkung des Kammrades wird die Schnecke längs der Welle bewegt und damit die Dampfzufuhr nach der Hauptmaschine regulirt. Dieser Längsbewegung wirkt die Drehbewegung der Schnecke entgegen. Besitzen Haupt- und Hilfsmaschine gleiche bezügliche Geschwindigkeiten, so bleibt die Schnecke in einer gewissen normalen Lage und das Absperrventil der Hauptmaschine geöffnet; findet jedoch |7| ein Anwachsen der Geschwindigkeit der letzteren statt, so bewegt sich die Schnecke entsprechend auf der Welle und es beginnt das Schliessen des Absperrventils. Hierdurch verringert sich die Geschwindigkeit der Hauptmaschine und demzufolge auch diejenige des Kammrades, so dass die Schnecke in ihre ursprüngliche Lage zurückkehrt, was ein Wiederöffnen des Ventils zur Folge hat.

Die Industries and Iron vom 20. October 1893 S. 606 entnommenen Abbildungen (Fig. 17 bis 19) veranschaulichen die verbesserte Construction eines J. Richardson and J. Buck in Lincoln unter Nr. 17481 vom 30. September 1892 in England patentirten Achsenregulators in zwei verschiedenen Ausführungen.

Textabbildung Bd. 292, S. 7
Bei der ersten Ausführung (Fig. 17) ist die excentrische, mit Führungsschlitzen A versehene Scheibe B mit einer runden, auf der Kurbelwelle D aufgekeilten Platte C verschraubt und wird mittels Zapfen E derart verstellt, dass sich beim Anwachsen der Geschwindigkeit oder der Widerstände der Maschine der Füllungsgrad des Cylinders entsprechend ändert. Dies wird wie folgt erreicht: Auf Führungen G der Scheibe C gleiten Stücke F mit entgegengesetzt gerichteten Schlitzen H, in denen Bolzen I des Excenters liegen. Die Gleitstücke F werden durch die Centrifugalkraft von Schwunggewichten I1 nach aussen getrieben, so dass sich bei anwachsender Geschwindigkeit die Excenterscheibe in einer geraden Linie rechtwinkelig zur Kurbel verschiebt und in Folge Aenderung ihrer Excentricität auch der Schieberhub entsprechend ausfällt. Die Gewichte I1 werden durch kräftige Spiralfedern K, welche auf die Enden der Gewichtshebel wirken, in ihrer normalen Stellung gehalten.

Textabbildung Bd. 292, S. 7
In der Fig. 18 und 19 angegebenen Abänderung sind die in Folge der Centrifugalkraft auf und ab bewegten Stücke F durch einen drehbaren Bügel ersetzt, der zum Zwecke der Stellungsänderung des Excenters wieder mittels entgegengesetzt gerichteter Schlitze H auf Bolzen I des ersteren wirkt.

Die anderen Theile des Regulators und deren Wirkungsweise sind ähnlich wie vordem beschrieben.

Der Achsenregulator von J. T. Marshall and R. Wigram in Leeds dient ebenfalls zur Veränderung des Hubes eines gewöhnlichen Schiebers, kann indess auch mit einem zweiten Regulator combinirt ausgeführt werden, welcher den Hub des den Expansionsschieber vom Hochdruckcylinder einer Verbundmaschine betätigenden Excenters verstellt.

Die Industries vom 2. Juni 1893 entnommenen Abbildungen (Fig. 20 und 21) veranschaulichen den einfachen Regulator.

Textabbildung Bd. 292, S. 7
Auf der Kurbelwelle A bewegt sich frei ein Gehäuse mit schwerem Umfangskranz B, an welchem bei B1B1 Gewichtsarme C drehbar befestigt sind, deren Centrifugalkraft durch am freien Ende angreifende Spiralfedern D Gleichgewicht gehalten wird; die anderen Enden der Federn sind am Gehäuse B angeschlossen. Jeder Arm C ist durch eine Gelenkstange E3 mit dem Excenter E verbunden, welches sich frei auf der Kurbelwelle A dreht und auf der letzteren noch eine Scheibe F befestigt, welche einen Winkelhebel trägt, dessen Arme durch Stangen GG2 bezieh. G1H2 mit dem Ringe B bezieh. einem zweiten Excenter H gelenkig verbunden sind. Die auf der Welle A befestigte Scheibe F steht durch Stangen F1 mit den Gewichtsarmen C in Verbindung, so dass, da diese am Umfangskranz B befestigt sind, letzterer die Drehbewegung mitzumachen gezwungen ist. Wenn die Geschwindigkeit der Welle A anwächst, wird der schwere Kranz B zufolge seiner Trägheit die frühere Geschwindigkeit noch beibehalten und den anderen in Bewegung befindlichen Theilen gegenüber etwas zurückbleiben, so dass der Winkelhebel seine Lage ändert und das Excenter H in der einen Richtung entsprechend verdreht, während die Gewichtsarme in Folge der Centrifugalkraft nach aussen schwingen und das Excenter E in der entgegengesetzten Richtung zu drehen suchen. Durch diese Relativbewegung der beiden Excenter verringert sich die Excentricität des äusseren Excenters H, welches in der gewöhnlichen Weise mit dem Vertheilungsschieber der Maschine verbunden ist, und demzufolge auch der Schieberhub. Bei abnehmender Geschwindigkeit der Maschine findet die entgegengesetzte Wirkung statt, d.h. der Schieberhub wird grösser. Soll ein Expansionsschieber vom Regulator eingestellt werden, so erhält derselbe die in Fig. 22 und 23 ersichtliche Gestalt. Im Inneren eines Gehäuses schwingen wieder am Umfangskranz B desselben drehbar befestigte Gewichtsarme C1, welche durch Federn D1 nach innen gezogen werden und einem auf der Welle A |8| frei beweglichen Ring E1, mit welchem sie durch Lenkstangen E2E3 verbunden sind, eine Drehbewegung in dem einen oder anderen Sinne ertheilen. Ueber den Ring E1 greift das Excenter H1 für den Expansionsschieber mit einer mittleren Aussparung, so dass es sich auf dem Ringe E1 mit grösserer oder geringerer Excentricität frei einstellen kann. Auf einer kurzen Strecke der Aussparung sitzen Zähne, welche mit Zähnen des Ringes E1 in Eingriff stehen. Bewegen die Gewichtsarme den Ring E1 nach der einen oder anderen Richtung, je nach der Geschwindigkeit der Maschine, so wirken dessen Zähne auf diejenigen des Excenters H1 und dieses nimmt eine solche Lage ein, dass der mit ihm verbundene Schieber eine geringere oder grössere Füllung im Cylinder zulässt.

In dem Nachstehenden soll noch eine Vorrichtung zum Ingangbringen, sowie eine solche zum selbsthätigen Anhalten von Dampfmaschinen besprochen werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 8
Der von der Société anonyme des anciens établissements Cail in Paris erbaute Apparat „Assan“ dient zum Ingangbringen von Dampfmaschinen, deren Steuerung mittels vier an den Enden jedes Cylinders liegender schwingender Schieber (System Corliss) erfolgt, welche von Klinken, die unter Beeinflussung des Regulators stehen, ausgelöst werden; letzterer regelt, wie bekannt, die Stellung der Klinken derart, dass, wenn er sich in seiner tiefsten Lage befindet, diese eine der Maximalfüllung des Cylinders entsprechende Stellung einnehmen. Wenn die Maschine dann in Gang gebracht werden soll, ist es nothwendig, nach dem Oeffnen des Einlassventils den Regulator um einen gewissen Betrag anzuheben, damit die Klinken in eine solche Lage kommen, dass die Schieber nur eine geringe Dampfmenge in den Cylinder eintreten lassen. Das Ingangbringen ist hiernach mittels zweier Vorrichtungen zu bewirken, von denen die eine zum Oeffnen des Einlassventils, die andere zum Anheben des Regulators dient. Die vorliegende Einrichtung bezweckt, beide Bewegungen zu vereinigen, und findet sich in den Revue industrielle vom 21. Mai 1892, S. 205, entnommenen Abbildungen (Fig. 24 und 25) veranschaulicht.

Die mit dem Dampfeinlassventil A verbundene Spindel besteht aus zwei Theilen; der Theil a derselben trägt ein Schraubengewinde b zum Verstellen des Ventils und auf dem anderen Theil c befindet sich ein Getriebe d und Handrad e. Die Trennstelle der Spindel liegt in einer langen Büchse h und der Theil c derselben führt sich in einer cylindrischen Bohrung im Support B. Auf dem letzteren ist ein Lager D befestigt, welches zur Führung zweier Bolzen dient; der eine derselben trägt einen Sector f mit innerer Verzahnung, der in der in Fig. 24 ersichtlichen Weise mit dem Regulator in Verbindung steht. Befindet sich die Maschine ausser Thätigkeit, so greifen die beiden blattförmigen Enden der Stangen a und c über einander und es genügt eine Drehung des Handrades e, um das Ventil A zu öffnen. Nachdem dies bewirkt ist, zieht man das Handrad so weit an sich heran, dass die Stange c aus der Führungsbüchse h herauskommt und nun ausser Verbindung mit a steht; hierbei gelangt das auf der Stange c sitzende Getriebe d mit dem Zahnsector f in Eingriff und man kann durch abermalige entsprechende Drehung des Handrades unter Vermittelung von d, f und g den Regulator mit Leichtigkeit in jede beliebige Höhenlage bringen. Sobald die Maschine eine gewisse Geschwindigkeit erreicht hat, stösst man das Handrad wieder zurück, so dass das Getriebe d ausser Eingriff mit f kommt und die Theile in ihre frühere Stellung zurück gelangen. Die beiden Spindelhälften a und c treffen dann wieder auf einander und es lässt sich das Ventil A sofort schliessen, wenn die Maschine zum Stillstand kommen soll.

Textabbildung Bd. 292, S. 8
Zum selbsthätigen Anhalten von Dampfmaschinen hat die Société des établissements Weyher et Richemond in Pantin nach Mittheilungen in Revue industrielle vom 16. September 1893, S. 361, nachstehend beschriebene Einrichtung getroffen:

Mit der Klinke c (Fig. 26 und 27) ist eine hohle Stange e gelenkig verbunden, deren freies Ende eine Gabel f trägt, welche mit ihren beiden Zinken in steter Berührung mit den senkrechten Armen g eines Kreuzstückes h, welches am Ende einer festen Welle j (Fig. 27) drehbar befestigt ist, bleibt. Zu diesem Zwecke befindet sich in der Höhlung der Stange e eine Spiralfeder i, welche einerseits gegen ein festgenietetes Widerlager, andererseits gegen einen |9| frei beweglichen Stöpsel drückt, der auf die Nabe des Kreuzstückes h wirkt. In Folge dieser Einrichtung drückt auch die Feder i die Klinke c gegen den Gewichtshebel d, der auf der Spindel einer Drosselklappe a befestigt ist. Der dritte Arm des Kreuzstückes h ist mit einer senkrechten Stange k gelenkig verbunden, auf welcher zwei Stossscheiben m und l sitzen und sich ferner ein fest mit dem Regulatorgestänge verbundener Anschlag n frei führt. Bei normaler Tourenzahl liegt der Anschlag zwischen den Scheiben m und l, wenn jedoch die Geschwindigkeit der Maschine eine gewisse Grenze überschreitet oder auch unter einen bestimmten Betrag sinkt, kommt der Anschlag mit der Scheibe l oder m in Berührung, was eine Drehung des Kreuzstückes h um die Welle j in dem einen oder anderen Sinne, je nachdem der Regulator steigt oder fällt, zur Folge hat; hierdurch wird die Feder i veranlasst, sich in Richtung des in Fig. 26 ersichtlichen Pfeiles zu bewegen, und es findet ein Ausklinken des Hebels d statt, der nun unter der Wirkung des Gewichtes b die Drosselklappe schliesst und damit die Dampfzufuhr nach der Maschine absperrt (Fig. 28).

Wie aus dem Gesagten hervorgeht, kann die Drosselklappe nur zwei Stellungen, entweder eine solche, in welcher die Durchgangsöffnung vollständig geöffnet oder aber vollständig geschlossen ist, einnehmen; irgend welche Drosselung des Einströmdampfes in Folge nur theilweiser Verengung des Durchgangsquerschnittes kann sonach nicht stattfinden.

Um die Maschine nach erfolgtem Stillstand bequem wieder in Gang bringen zu können, trägt die Klinke c noch einen Haken p, der nach Oeffnen der Drosselklappe von Hand den Hebel d in der in Fig. 29 angegebenen Lage hält, so dass sich Haken und Klinke einander gegenüberstehen. Hat die Maschine ihre normale Geschwindigkeit wieder erreicht, so drückt die Feder i von Neuem auf die Klinke c und diese kommt, nachdem sie den Haken p vom Anschlag des Hebels d entfernt hat, wieder über denselben zu liegen. Um hierbei sicher zu gehen, ist die Klinke c etwas länger als der Haken p gehalten.

Sehr oft ist bei Abstellvorrichtungen beobachtet worden, dass dieselben im Augenblicke der Gefahr ihre Dienste versagten oder aber unbeabsichtigt in Wirkung traten. Derartigen Uebelständen dürfte durch den vorliegenden Apparat vorgebeugt sein, dessen Mechanismus täglich beim Abstellen der Maschine, wenn der Regulator in seine unterste Endstellung gelangt, erprobt werden kann und aus diesem Grunde genügende Sicherheit bietet, dass er im Augenblicke des Bedarfes auch wirklich arbeitet.

Fr. Freytag.

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