Titel: Dill's Gewichtsausgleicher für die Vorgarnspulen an Spinnmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 9–10)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292003

Dill's Gewichtsausgleicher für die Vorgarnspulen an Spinnmaschinen.

Mit Abbildungen.

Am Schlusse meines Berichtes über die zur Vergleichmässigung des Aufwickelns der Vorgarnspulen bei Vorspinnkrempeln getroffenen Einrichtungen1) habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass dieselben Umstände, welche die Ungleichmässigkeit beim Aufwickeln bedingen, auch wieder beim Abwickeln der Vorgarnspulen auf den Spinnmaschinen auftreten, und erscheinen daher zur Erzielung einer vollkommen gleich massigen Abwickelung auch an diesen Maschinen besondere Einrichtungen nöthig. Es ist erklärlich, dass eine stärker bewickelte Vorgarnspule von der Abtreibtrommel leichter mitgenommen wird, als eine schwächer bewickelte Spule, und daher ändert sich die Sicherheit der Mitnahme der Vorgarnspule durch die Abtreibtrommel mit abnehmendem Spulendurchmesser in abnehmender Weise. Da der Vorgarncylinder an den Spinnmaschinen aber mit gleichbleibender Geschwindigkeit läuft, so wird also das Vorgarn zwischen Spule und Cylinder mit abnehmendem Spulendurchmesser durch die unsicher werdende Mitnahme der Spule von der Abtreibtrommel immer mehr und mehr gestreckt und dadurch die Gleichmässigkeit des Gespinnstes beeinträchtigt. Um diesen Uebelstand zu beseitigen; muss der Andruck der Vorgarnspule an die Abtreibtrommel zu einem gleichbleibenden gemacht werden, das Gewicht der Vorgarnspule, welches bei grösserem Spulendurchmesser grösser ist, muss also abnehmend theilweise ausgeglichen werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 9
Eine Einrichtung hierzu, welche von der T. C. Dill Machine Company in Philadelphia herrührt, findet sich in amerikanischen Fachblättern empfohlen und ist dieselbe in Fig. 1 und 2 in den beiden, dem grössten und kleinsten Spulendurchmesser entsprechenden Stellungen gezeichnet. Die auf der Abtreibtrommel T liegende Vorgarnspule V, welche sich mit ihren Zapfen an die Halter h legt, kommt mit diesen Zapfen auch auf den langen Arm von Doppelhebeln b zu liegen, welche um die Zapfen c drehbar sind und an deren kürzeren Arm die Stange s angreift. Die Stange s führt sich in dem verstellbaren Arm t und unter der Führung ist auf die Stange s eine Feder f aufgeschoben, welche mit einer Mutter angespannt werden kann. Der Drehzapfen c des Hebels b sitzt an der senkrechten verstellbaren Strebe d, an welcher auch der Arm t befestigt wird, und dadurch wirkt die Feder f so auf den Hebel b, dass der lange Arm desselben hochgezogen wird und die Feder eine Ausgleichung für das Gewicht der Vorgarnspule bildet. Die Form des Hebels b und der Anhängepunkt der Stange s an denselben ist so gewählt, dass der Hebelarm l des Zuges der Feder f in Bezug auf den Drehpunkt des Hebels b, wie sich aus Vergleichung der beiden Figuren ergibt, mit abnehmendem Spulendurchmesser kleiner wird, also das Kraftmoment abnimmt, wie es das abnehmende Gewicht der Vorgarnspule verlangt.

Textabbildung Bd. 292, S. 9
Damit die Hebel b beim Abnehmen der Vorgarnspulen nicht in die Höhe schnellen, trifft bei der dem grössten |10| Vorgarnspulendurchmesser entsprechenden Stellung der kurze Arm der Hebel auf das Ende der Arme t und wird durch den Zug der Feder f in richtiger, dem bequemen Auflegen der vollen Vorgarnspulen entsprechender Stellung erhalten.

Die Einrichtung mag wohl ihrem Zwecke entsprechen, erscheint aber mit Rücksicht darauf, dass diesem Zwecke durch eine andere Formgebung der Spulenhalter, wie in dem eingangs erwähnten Berichte näher erläutert ist, genügt werden kann, doch etwas umständlich. Es ist überhaupt darauf hinzuweisen, dass der Werth aller dieser Ausgleich Vorrichtungen sowohl an den Vorspinnkrempeln, als an den Spinnmaschinen immerhin etwas fraglich ist. Beim Aufwickeln wird das Vorgarn mit wachsendem Spulendurchmesser mehr und mehr gestreckt, beim Abwickeln steigert sich die Verstreckung mit abnehmendem Spulendurchmesser. Wenn nun auch zugegeben werden kann, dass diese Steigerung der Verstreckung nicht beidemal in genau demselben Verhältnisse stattfindet, die entgegengesetzt beim Auf- und Abwickeln zunehmende Verstreckung wird sich stets etwas aufheben, so dass die möglichen Fehler in der Gleichmässigkeit der Gespinnste doch nur geringe sein können. Diesen Fehlern ist aber schon durch eine entsprechende Gestaltung der Spulenhalter oder eine entsprechende Stellung derselben beizukommen.

G. Rohn.

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Vgl. D. p. J. 1894 291 13.

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