Titel: Die Feinmessung im Maschinenwesen und ihre Hilfsmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 34–42)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292010

Die Feinmessung im Maschinenwesen und ihre Hilfsmittel.

(Fortsetzung des Berichtes S. 1 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die Endflächenmessung.

Watt und Boulton gründeten im J. 1773 in Soho bei Birmingham die erste Maschinenfabrik der Welt, woselbst bereits 1776 Dampfmaschinen mit 1270 bis 1473 mm Cylinderdurchmesser gebaut wurden.

Wie gross die zu überwindenden Schwierigkeiten des Gusses und der Bearbeitung gewesen sein mochten, lässt sich leicht denken, da Watt im J. 1769 an einen Freund erfreut schrieb, dass es ihm nunmehr gelungen wäre, Dampfcylinder so genau auszubohren, dass es nicht mehr möglich sei, zwischen Kolben und Cylinderwand eine Münze (half crown) von der Grösse eines Zehnmarkstückes durchzuschieben.

Weil nun die Maschinenglieder nebst einer kreisenden auch eine geradlinig hin und her gehende Bewegung ausführen, welche Bahn und Schlitten bedingen, so waren auch diese Bahnen in der Erstzeit ebenfalls als cylindrische Rundstäbe ausgebildet, wenn man nicht dieselben durch |35| Lenkerhebelwerke (Geradführungen) womöglich ganz umging. Beiden Bewegungsarten könnte nur ein Körper, welcher vollkommener Kreiscylinder ist, genügen, während die Ausgestaltung der ebenen Fläche als Gleitfläche, weil schwer ausführbar, beschränkt oder vermieden wurde.

So lange es sich nun um die Herstellung eines einzelnen Gegenstandes handelt, ist die Maassgrösse ziemlich gleichgültig, weil der zweite Theil des Elementenpaares (Kolben) dem ersten (Cylinder) angepasst werden kann, die Genauigkeit der Ausführung aber von der genauen Durchführung der geometrischen Aufgabe abhängt. Wenn aber eine Vielzahl ähnlicher Elementpaare hergestellt wird, welche gegenseitig vertauschbar, also alle von gleicher Grösse und Form sein sollen, so genügt nicht mehr die Erfüllung der geometrischen Form, es muss auch das absolute Maass derselben eingehalten werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 35
Als Grundlage für Körpermessungen sind daher die vollkommene Ebene und der vollkommene gerade Kreiscylinder unentbehrlich geworden, womit die Endflächenmessung begründet ist. Wie eine durch Hobeln und Fräsen hergestellte körperliche Ebene aus dem Grunde nicht genau eben wird, weil die wechselnde Spannung im Werkstück und in der Werkzeugmaschine, sowie die Abnutzung des Werkzeuges Lagenänderungen veranlasst, und wie man ferner durch Schaben die Genauigkeit der ebenen Fläche erhöht und eine genaue Ebene anstrebt, wobei eine zweite Prüfplatte (Richt- oder Touchirplatte) zur Anzeige gebraucht wird, ist allgemein bekannt. Ebenso bekannt dürfte es sein, dass Whitworth einer der ersten war, welcher die Genauigkeit der Richtplatte bis zur grössten Vollendung brachte. Mit Hilfe von Richtplatten ist es mit unsäglicher Mühe und Aufwand von Fleiss möglich geworden, Theilung des Grundmaasses in der Weise herzustellen, dass drei Stäbe von genauem Endflächenmaass an einander gereiht dem Normal-Yard glichen, so dass ein Stab gleich 1 Fuss Länge hatte.

Eine weitere Untertheilung ergab den Normal-Zoll, welcher das Grundmaass für die weiterzuführenden Feinmessungen liefert. Das Herstellungsverfahren eines Prismas mit genauem Geviertquerschnitt und achsenrechten Endflächen mit Hilfe eines Grundkörpers b und einer Richtplatte c ist in den Fig. 3 und 4 angedeutet, wobei durch Umlegen des Körpers a vorerst zwei parallele Prismaflächen, alsdann winkelrecht dazu die anderen Prismaflächen, sowie die Stirnendflächen geregelt werden können.

Die Hilfsmittel zur Endflächenmessung.

Wenn bei der Strichmessung in der Hauptsache die Vergleichung der Uebereinstimmung durch das Auge ohne mechanische Einwirkung die Grundlage des Messens bildet, so ist das Abstechen der Maasslänge mittels eines Schenkelzirkels durchaus kein Strichmessen, sondern ein sehr ungenaues Endflächenmessen mittels des Gefühles. Genauer wird die Uebertragung der Maasslänge von einem Strichmaasstabe mittels des unbequemeren Stangenzirkels, dessen Spitzen (Fühlflächen) wenigstens in paralleler Richtung, wenn auch nicht mit gleicher Stärke, in die Fläche des Maasstabes eindringen. Sofern aber mittels eines in der winkelrechten Hauptebene genau geführten Fühlzirkels die Abmessung des Werkstückes abgegriffen und dabei, mit entsprechender Rücksicht auf die Federkraft, die Vergleichung dieser Abmessung mit derjenigen eines Maasskörpers vorgenommen wird, werden ungleich genauere Ergebnisse erhalten. Werden ferner parallele Schieberflächen als Fühler gebraucht, so kann man damit neben einer Vergleichung durch Gefühl noch eine Maasstabablesung verbinden. Wenn aber die Fühlerflächen eines übersetzenden Hebelwerkes in Verwendung kommen, so werden diese Fühlwerke durch Zeigerwerke diese Abweichungen in sichtbarer Grösse anzeigen.

Wenn nun beim Handwerkzeug die Kraft, der Druck oder der Widerstand des Messens durch das Gefühl der Hand begrenzt wird, so ist man bei stark übersetzenden, zum Messen bestimmten Maschinen genöthigt, ein Maass für diese Kraft aufzustellen, nicht nur um die Messgrösse gleichwerthig zu machen, sondern auch um Verbiegungen zu vermeiden. Hierzu wurden von Whitworth Fühlplatten, von Repsold Gewichthebel, von Reinecker Dosenfederplatten mit Haarröhrchen, von Scholl-Kaller ein Fühlhebelwerk, von Sautter-Messner eine Fühlschraube mit Gummiunterlage u.s.w. angewendet.

Die Richtplatte und das Richtscheit.

Eine ebene Fläche könnte durch wiederholtes Anlegen eines Lineals und Beseitigung der hervorragenden Flächentheile erzielt werden. Hierbei ist aber der mögliche Fall der wahrscheinlichere, dass durch dieses Prüfungsverfahren eine windschiefe Fläche statt einer geradebenen entstünde, weil bei der Richtigstellung immer nur eine schmale Flächenreihe in Betracht kommt. Viel sicherer und rascher ist diese Regelung durch Anlegen einer körperlichen Ebene, einer Anzeigeplatte von möglichst genau ebener Form, durchführbar. Um dieses Verfahren in Anwendung bringen zu können, muss man im Besitz einer solchen Anzeigeplatte sein.

Textabbildung Bd. 292, S. 35

Es wird daher die Erstherstellung der Urplatte die gleichzeitige Schaffung dreier Plattenebenen voraussetzen, welche durch gegenseitige Prüfung Gewähr für ihre Richtigkeit geben, denn die vollkommene Uebereinstimmung bloss zweier Urplatten könnte ebenso gut eine Kugelzone ergeben. Wenn aber die hohlkugelige Platte mit einer dritten Prüfplatte in Uebereinstimmung gebracht wäre, so würde doch die zweite vollkugelige Platte mit der Prüfplatte den Fehler sofort anzeigen, |36| weil eine Uebereinstimmung undenkbar ist. Es wird ferner jedes Schneid- und Schleifwerkzeug die Oberflächentheile einer Platte mehr oder weniger angreifen, ritzen und verlegen. Selbst mit den feinsten Schleifmitteln ist man nicht im Stande, die Spuren der Schneidwerkzeuge an ebenen metallischen Flächen wegzubringen, um dieselben als Vollendungsarbeit ansehen zu können. Nur mittels Schaben wird die Vollendung ebener Flächen regelrecht durchgeführt, wobei für die Arbeitsstücke Schabwerkzeuge (Fig. 5) mit scharfem a, winkelrechtem b und stumpfem Schneidwinkel c in Anwendung gelangen. Mit diesen Werkzeugen werden die durch Farbe von der Anzeigeplatte (Touchirplatte) angegebenen Erhöhungen der körperlichen Ebene entfernt und durch die Wiederholung auch die Spuren der Schneidwerkzeuge beseitigt.

Textabbildung Bd. 292, S. 36
Whitworth hat den Touchirplatten (Fig. 6 bis 8) Polygonform gegeben und vermöge eines freiliegenden Dreiarmes die Stützung und Aufhebung derselben mittelbar besorgt und dadurch die Platten von einseitigen Belastungskräften und Wärmeeinflüssen befreit. Zur Prüfplatte a ist b die Gegen- oder Controlplatte. Die Erweiterung einer solchen Prüfplatte zu einem Balken von möglichst gleicher Festigkeit (Fig. 9 und 10) führt zu einem Richtscheit.

Textabbildung Bd. 292, S. 36
In neuerer Zeit verfertigen Sautter und Messner in Aschaffenburg Normal-Richtplatten aus Gusstahl gehärtet und nach dem Härten durch eigenartige Einrichtungen mit aller Genauigkeit fertiggestellt und abtouchirt. Wenn nun diese Prüfplatten nur zur unmittelbaren Anzeige durch Berührung dienen, so sind die gewöhnlichen Richtplatten für Bleche, Winkeleisen u. dgl. Werkmittel den thätlichen Angriffen durch Hämmer ausgesetzt.1) Dagegen bildet die Anreissplatte oder der Anzeigetisch die Grundebene für die körperliche Maassbegrenzung und Achsenbestimmung der Maschinentheile, welche nach diesen Rissen der Bearbeitung unterworfen werden. Hilfsmittel zur Maassbegrenzung sind das Winkellineal und die Parallelreisser, mit welchen durch Einschlagen von Grübchen, sogen. Körner, die Ebenen und Achsen festgelegt werden.

Scholl-Kaller bezieh. Hommel's Winkellineale.

Winkel, bei denen ein oder beide Schenkel in L-, T-, Z- und U-Querschnitt aus einem Stück gebildet werden (Fig. 11 bis 13), haben den Vortheil, bei gleicher Abmessung eine grössere Leichtigkeit und Steifigkeit zu besitzen. Es können daher solche Winkel aus dünnem Stahlblech geschnitten und mit abgebogenen Randleisten versehen, oder auch aus Eisen, Stahl u.s.w. gegossen werden. Selbstverständlich gewähren die vorgesehenen Querleisten einen vortheilhaften Anschlag. Zudem sollen solche Blechwinkel mit Quersteifungsrippen im Ganzen sich billiger herstellen lassen. (D. G. M. Nr. 203 vom 24. Mai 1893.)

Textabbildung Bd. 292, S. 36

Die Reissnadel im Parallelwerkzeug, sogen. Reisstöcke.

Soll ein rohes Werkstück allseitig bearbeitet werden, so muss auch an allen Stellen desselben genügendes Material für die Bearbeitung vorhanden sein, damit das Werkstück nach der Vollendung tadelfrei sei. Wird aber diese Bearbeitung zwar regelrecht, aber ohne Vorprüfung durchgeführt; so kann der Fall eintreten, dass, veranlasst durch irgend eine vorherige Schräglage der Hauptachse oder eine Parallelverschiebung der Hauptebene, ein Ausschusstück entsteht, was leicht hätte vermieden werden können. Es ist daher eine vorläufige Untersuchung des Werkstückes durch Umschreibung oder Auftragung der Hauptebenen und Achsen vortheilhaft. Dazu dient in vorzüglichster Weise die wagerecht liegende Anreissplatte mit Parallelreisser und Winkellinealen. In der Hauptsache besteht ein Parallelreisser aus einer Grundplatte oder Fusscheibe, in der ein Stab befestigt ist, an dem ein Kreuzkopf stellbar gleitet, in welchem die Reissnadel festgeklemmt wird.

Textabbildung Bd. 292, S. 36
Nun wird die Spitze der Reissnadel entweder durch Verlegung des Kreuzkopfes oder durch Drehung des Klemmauges in die vorgeschriebene Lage gebracht. Um aber diese Einstellungen mit Sorgfalt und Sicherheit auszuführen, sind Schrauben als Stellwerke angewendet, die unter Umständen sogar als Mikrometerschrauben ausgebildet sind.. Damit ferner die Lage beherrscht werde, ist die Grundplatte scheibenartig, in selteneren Fällen mit Führungskanten versehen. Weil ferner die Höhenlage der Rissebene über die Ebene der Anreissplatte durch Maasstabübertragung erfolgt, so sind manchmal die Führungsstäbe des Parallelwerkes mit Maasstrichen versehen. Hauptbedingung für die Richtigkeit eines Parallelreissers ist die winkelrechte Lage der Stabachse zur Fläche der Fusscheibe.

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Bei dem in Fig. 14 und 15 dargestellten Parallelreisser wird der Schieber c auf den Stab b, welcher in der Fusscheibe a eingeschraubt ist, durch die Schraube d festgestellt. Ueber diesen Schiebern gleitet der die Reissnadel f tragende Kreuzkopf e mittels einer Ueberwurfmutter g, die sich auf den Schieber c aufschraubt, während die Ueberwurfmutter g durch Ringnuthschrauben h an den Kreuzkopf frei drehbar gekuppelt ist. In Fig. 16 ist ein Reisstock mit Maasstabstange a, Klemmschieber b und einem durch Mikrometerschraube c mit Noniustheilung versehenen Stellschieber d von Sautter und Messner in Aschaffenburg vorgeführt, während bei dem in Fig. 17 von derselben Firma erzeugten Reisstock der Rundstab c durch eine zwischen dem Führungsbügel b und der Grundscheibe a eingeschaltete Mutter d Höhenverstellung erhält, wobei aber die Reissnadelspitze f um die Achse der Klemmschraube e Bogenverstellungen machen kann.

Textabbildung Bd. 292, S. 37
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In Fig. 18 ist ein einfacher Kreuzkopf mit drehbarer Nadelscheibe von Ch. Beach (Am. Mach., 1891 Bd. 14 Nr. 15 * S. 7), in Fig. 19 ein Reisstock von E. G. Smith in Columbia, Pa., für auswechselbaren Stab, in Fig. 20 ein Reisstock von Fr. A. Welles in Milwaukee, Wisc., nach Am. Mach., 1892 Bd. 15 Nr. 6 * S. 5, dargestellt, bei welchem der Stab vermöge einer drehbaren Klemmscheibe Schräglagen gegen die Ebene der Fussplatte einnehmen kann; dabei ist über den Stab ein Hülsenrohr verschiebbar, welches der Träger für den Nadelschlitten ist. Um auch Feineinstellungen vorzunehmen, ist die Reissnadel in die Nabe eines Hebels eingesetzt, welcher mittels einer Mikrometerschraube kleine Schwingungen gegeben werden können. Zu dem Zwecke, der Reissnadelspitze eine allgemeine Beweglichkeit zu ertheilen, hat E. Walker Tool Co. in Erie, Pa., nach Am. Mach., 1888 Bd. 11 Nr. 6 * S. 7, die in den Fig. 21 bis 23 gezeigten Einrichtungen gegeben, deren Reisstöcke eine eckige Fussplatte, daran verschiebbaren Stab und gelenkige Schlittenköpfe für die Reissnadel besitzen.

Textabbildung Bd. 292, S. 37
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Noch ist das Reisswerkzeug (Fig. 24) von Richard-Moldenke in New York zu erwähnen, bei welchem die Fusscheibe ein mit Winkelnuthen versehenes Klötzchen ist, in welchem statt des üblichen Stabes eine Schlitzlehre eingesetzt, in der der Nadelkopf dreh- und hoch verstellbar ist. (Am. Mach. vom 1. August 1889 Bd. 12.)

Loth- und Wasserwage.

Zur Bestimmung der Lage gebraucht der Maschinenbauer das Senkloth und die Wasserwage, das Winkellineal, den beweglichen Winkelmesser und die feste Lehre. Das Senkloth soll bei geringer körperlicher Ausdehnung ein bedeutendes Gewicht und eine niedere Schwerpunktslage besitzen, damit es bei axialer Aufhängung schnell zur Ruhe komme, damit also die Verbindungslinie des Aufhängepunktes und die Senklothspitze in eine Lothrechte hineinfallen.

Textabbildung Bd. 292, S. 37
In Fig. 25 ist ein Senkloth aus Rothguss mit eingeschraubter Stahlspitze und aufgeschraubtem Deckelstück gezeigt, in Fig. 26 ein Senkloth aus Stahlrohr mit eingeschraubter Stahlspitze, Verschlussdeckel und Quecksilberfüllung, in Fig. 27 das einfachste Loth mit Querloch und Prismakörper, welcher gegen das Rollen sichert.

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Bemerkenswerth dürfte die Verwendung von Senklothen bei Bestimmung der durch Belastungen hervorgerufenen Trägerdurchbiegungen sein, sofern die Träger in grosser Höhe und unzugänglich sind, wie es bei Laufkrahnen oft der Fall ist. Nachdem der Laufkrahnwagen auf den Längsbahnen von den Tragsäulen gleichständig angeordnet ist, werden sowohl an den beiderseitigen Längsbahnen, sowie an den Laufkrahnträgern (Fig. 28) verschiedene Senklothe gleichzeitig angehangen, die bis in die Nähe des Fussbodens reichen. Unter jedem Loth wird eine gehobelte Platte in wagerechter Lage festgestellt, so dass beispielsweise die einzelnen Lothspitzen 30 bis 50 mm abstehen. Werden nun bei unbelasteten Krahnträgern die genau gemessenen Abstände der einzelnen Senklothspitzen aufgeschrieben, so wird während der Belastung der Unterschied dieser Abstände die Senkung und nach Wegziehen der Last die bleibende Durchbiegung der Laufkrahnträger durch die Prüfungsbelastung angeben.

Textabbildung Bd. 292, S. 38
Sowie das Senkloth in Verbindung mit einem gleichschenkeligen Dreiecke zur Bestimmung der Wagerechten herangezogen werden kann, ebenso kann das vorzüglichste Werkzeug zur Anzeige der Wagerechten, die Wasserwage, in Verbindung mit einem Rechtwinkel benutzt werden. Je weiter die Stützpunkte abliegen, je genauer das Rohr ist, je flacher die Rohrkrümmung, je genauer die Symmetrie dieser Krümmung, je dünner die Glaswand und je durchsichtiger das Glas sind und endlich je leichtflüssiger die Füllung ist, desto empfindlicher ist die Wasserwage und desto genauer die Einstellung der Luftblase. Aber der Ueberfluss dieser guten Eigenschaften könnte unter Umständen den Gebrauchs werth der Wasserwage herabsetzen. Es wird daher von Fall zu Fall der Empfindlichkeitsstand der Wasserwage zu beschränken sein.

Textabbildung Bd. 292, S. 38
Bekanntlich besteht die Wasserwage aus dem Glasrohr, der Hülse, dem Grundlineal und der Einstellvorrichtung für die Lage und die Luftblase.

Fig. 29 zeigt eine Wasserwage von A. T. Koopman in Chicago, Ill., bei welcher (nach Am. Mach., 1889 Bd. 12 Nr. 16 * S. 6) zwei abgeknöpfte Stahllineale mittels Zwischenstege parallel verbunden sind. Am mittleren Bogentheil ist die Wasserwage angeordnet, während eine Reissnadel excentrisch in einem Knopf steckt und damit eine feine Einstellung erhalten kann. Diese Wasserwage wird zur Untersuchung der Gleitbahnen an Locomotiven bei wagerecht liegenden Rahmenkanten benutzt.

Die Winkelmessvorrichtungen.

Mittels Wasserwage und Loth können unmittelbar Winkelrechte, mittels Wasserwage und Winkellineal mittelbar rechte Winkel mit lothrecht stehender Seite angegeben werden. Die Wasserwage bildet ferner einen Hauptbestandtheil des Fernrohrnivellirinstrumentes, mit welchem die wagerechte Achslage langer Wellenleitungen bequem bestimmt werden kann (vgl. Bauer 1888 268 * 398).

Beim Zeichnen werden meistens die Dreiecke mit 45,60 und 30° Eckwinkel gebraucht.

Textabbildung Bd. 292, S. 38
D. J. Kelsey's Zeichendreieck aus Celluloid mit abgeschrägten Kanten und von unten durchscheinender Maasstheilung (Fig. 30) enthält folgende feste Winkel: an den Kanten B 15°, zwischen B und C wieder 15°, daher insgesammt 30°, ferner 60, 90 und 45°. Ein Griffknopf D erleichtert die Handhabung desselben. (Am. Mach., 1893 Bd. 16 Nr. 32 * S. 4.)

Um Zwischenwinkel aufzutragen, bedient man sich statt des gewöhnlichen Gradbogens (Fig. 31 bis 33) mit Vortheil eines um den Kreismittelpunkt als Zapfen schwingenden Lineals F, während das zweite Richtungslineal E mittels eines Einsteckstiftes genau auf den Nullpunkt eingestellt werden kann. BD sind die Linealgelenke, C eine Zwischenlage und A die Verbindungsbüchse.

Keilwinkel werden durch einen schwingenden Bogen a (Fig. 34), der seinen Drehpunkt auf einem Lineal b findet, vermöge eines darauf gleitenden Schiebers c bestimmt. Dieser von Oluf Tyberg erdachte Winkelmesser wird von der Morgan Machine Co. in Cleveland, Ohio, erzeugt. (Am. Mach., 1893 Bd. 16 Nr. 32 * S. 6.)

Textabbildung Bd. 292, S. 38
Zur Bestimmung der Anstellungswinkel an Schneidstählen c hat Nasmyth den in Fig. 35 dargestellten, auf einer Tischplatte a aufgesetzten Richtkegel b angewendet. (Gh. Holtzapfel, Turning London, 1846 Bd. 2 * S. 534.)

Klinometer oder Neigungswagen sind Vorrichtungen, welche unter Umständen die Wasserwage mit Keilunterlage ersetzen können. Eine von der Melik Klinometer Go. in St. Louis, Mo., nach Am. Mach, in Fig. 36 dargestellte Wage dient den Zwecken des Maschinenbauers. Soweit

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Textabbildung Bd. 292, S. 39
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erkennbar; ist mit der Zeigerspindel eine einseitige Gewichtsscheibe verbunden, dessen Schwerpunkt sich beständig lothrecht unter die Unterstützungsverticale einstellt und dadurch die Lothrechte festlegt.

Textabbildung Bd. 292, S. 40

Die Maasstäbe und die Mittel zum Messen der Unterabtheilungen.

Obwohl der stählerne Meterstab als Grundmaass durch kein anderes Messgeräth, Messband oder Gelenkstab an Genauigkeit zu ersetzen ist, so bleibt doch ein handlicher Gelenkstab für Betriebszwecke ein unentbehrliches Werkzeug. Es ist daher die kräftige, genaue und dauerhafte Ausbildung eines solchen eine durchaus nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Textabbildung Bd. 292, S. 40
In Fig. 37 und 38 ist ein in England und Westdeutschland gebräuchlicher Gelenkstab aus Buchsbaumholz von T. Bradburn in Birmingham von 2 Fuss engl. Gesammtlänge mit Rothgussgelenken und Stahlplattenzwischenlagen, sowie Stahlschuhen an den Enden vorgeführt. Während auf den Breitseiten der Zoll in ⅛ und 1/16 getheilt ist, enthält an den Schmalseiten der Zoll Decimaltheilung. Auf der Rückseite sind ein Rechenschieber und die Fixpunkte für die logarithmische Rechnung und besondere Werthe aufgedrückt. Es werden auch diese Maasstäbe in Fusslänge nur mit einem Kopfgelenk hergestellt, alsdann sind diese Maasstäbe genauer, aber für die Werkstätte weniger handlich.

Eine beachtenswerthe Einrichtung am Rechenschieber hat E. Müller in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1891 Bd. 35 Nr. 34 * S. 975, angegeben, die in Fig. 39 kurz erläutert werden soll.

Im Grundstabe a ist der logarithmische Schieber b und über beide der Merkschieber s mit der Marke o für die Logarithmen und der Marke p für die normale Millimetertheilung an der Schrägfläche des Grundstabes a vorgesehen. Ist nun die Länge des Logarithmus von 10 = 125 mm, so bestimmt die Marke p die absolute Länge für jeden Zwischenlogarithmus. Man hat dann nur die Länge des Logarithmus von 10 (also 125 mm) mit den Exponenten der Potenzgrösse zu multipliciren, um die Länge des Zwischenlogarithmus zu erhalten.

Zeiger p Zeiger o
102 = 100 2 = log 100 250 mm 100
101 = 10 1 = log 10 125 mm 10
62,5 mm 3,16
41,7 mm 2,15

Zum Beispiel es ist 32,5 = ? zu bestimmen.

Bekanntlich ist der Logarithmus einer Potenzgrösse gleich dem Logarithmus der Grundzahl multiplicirt mit dem Potenzexponenten. Die Zahl 3 am logarithmischen Grundstabe a entspricht der absoluten Länge 59,6 mm am Seitenstab m.

59,6 . 2,5 = 149 mm

(Multiplication mit dem Rechenschieber ausgeführt.)

Textabbildung Bd. 292, S. 40

Dieser Länge (149 mm) auf Marke p entspricht die Marke o, welche 15,6 auf Grundstab a angibt, daher ist

32,5 = 15,6.

Ist kein getheilter Seitenstab m vorhanden, so misst man die absolute Länge des log 10 an einem Millimeterstabe und verfährt in gleicher Weise mit dem Millimeterstabe.

Zum Messen von Unterabtheilungen wird der von Hommel im 16. Jahrhundert erfundene Transversal- oder Gittermaasstab |41| (Fig. 40) gebraucht, aus welchem man nebst den Einheiten noch die durch eine Diagonale bc in den Theilparallelen gebildeten Untertheilungen abstechen kann. Bei vier Parallelen erhält man daher Viertel der Einheit, so ist

Ebenso wie sich der Gittermaasstab zum Abtragen vorzüglich eignet, ebenso ist der Nonius oder Vernier zum Ablesen der Untertheilungen ein geradezu unentbehrliches Hilfsmittel.

Werden (n + 1) des Grundstabes A (Fig. 41) in n Theile des Noniusschiebers B getheilt, so erhält man einen vortragenden Nonius.

Die Uebereinstimmung zweier Striche an diesen beiden (Stab und Schieber) gibt die Anzahl Schiebertheilungen, welche zum x zuzuzählen sind, z.B. (Fig. 42).

Werden dagegen (n – 1) Theile des Grundstabes A (Fig. 43) in n Theile des Schiebers B getheilt, so erhält man einen nachtragenden Nonius. So liegt z.B. in Fig. 44 die Uebereinstimmung in , die gemessene Länge ist daher oder .

Die Reihenfolge der Schieberzeichen ist beim nachtragenden Nonius mit dem Grundstab übereinstimmend.

Zirkel und Taster.

Von den zum Zeichnen benützten Zirkeln mögen hier nur zwei von Kern und Co. in Aarau herrührende Verhältnisszirkel angeführt sein.

Beim Verhältnisszirkel Fig. 45 und 46 erfolgt die Einstellung des Zapfenkreuzkopfes vermöge eines Zahnstangengetriebes, dahingegen erfolgt die Einstellung der beiden Zirkelschenkel am Zirkel Fig. 47 und 48 vermöge eines Querstabes a, der vermöge einer Mikrometerschraube b feine und durch eine Stellschraube c robe Einstellung im schwingenden Schieber d erhält.

Textabbildung Bd. 292, S. 41
Ein Federtaster von Sautter und Messner in Aschaffenburg ist in Fig. 49 dargestellt, mit dem von 0,1 zu 0,1 mm steigend bis zu 14 mm Weite gemessen werden kann, und zwar erhalten die Taster zum Messen von Draht und Blech flache Zangen, diejenigen für Wandstärken bei Röhren abgerundete Zungen fühl flächen. Auf der Rückseite des Zeigerbogens ist entweder die deutsche Blechlehre von Nr. 1 bis 26 oder die englische Stubbslehre von Nr. 1 bis 24 angebracht.

In Fig. 50 und 51 ist ferner ein Federlochtaster von der Standard Tool Co. in Athol, Mass., vorgeführt, deren Einrichtung keiner Beschreibung bedarf.

Ebenso leicht verständlich sind die Taster Fig. 52 und 53 mit Schieber und Nonius, welche die gemessene Sehnenlänge sowohl bei Hohl-, als auch bei Dickenmessung angeben.

Weil die Mikrometerschraube an den Tasterschenkeln sitzt, so können diese Schenkel nicht überkreuzt werden, wie es bei Taster Fig. 54 der Fall ist, dessen Fühlflächen sowohl zum Dicken- und Hohlmessen benutzt werden können. Die Anzeige erfolgt an einem Zeigerbogen, so dass Sehnen in Bogenmaasse ausgedrückt erscheinen.

Diese drei Taster (Fig. 52 bis 54) rühren von der Werkzeug- und Maasstabfabrik von Sautter und Messner in Aschaffenburg her.

Textabbildung Bd. 292, S. 41
Textabbildung Bd. 292, S. 41
Bei grossen Greifzirkeln ist es mitunter schwierig, den gehörigen Druck an den Fühlflächen durch Schenkelverdrehung hervorzubringen. Um die Handhabung zu erleichtern, ohne zu Schraubenspindeln greifen zu müssen, hat J. C. Larson die in Fig. 55 gezeigte Einrichtung getroffen. Vermöge eines Griffhebels B wird ein Zapfen c gedreht, an welchem excentrisch die Schlitzschiene A sitzt, welche durch die Klemmschraube D den zweiten Zirkelschenkel fasst. Bei gelüfteter Klemmschraube D erfolgt die grobe Einstellung und nachdem diese Klemmschraube festgestellt ist, kann vermöge des Hebels B die Feineinstellung nach Gefühl durchgeführt werden (Am. Mach., 1891 Bd. 14 Nr. 52 * S. 7). Sollen hohle einspringende Rillen oder verdeckte Wandstärken abgegriffen bezieh. gemessen werden und kann dieses nicht am Werkstück selbst verglichen werden, so wird ein Schenkelstück gelenkig gemacht, wie dies am Greifzirkel Fig. 56 und 57 von J. H. Culver in San Francisco, Cal., der Fall ist (Amerikanisches Patent Nr. 371489 vom 9. März 1887). Durch solche Nebeneinrichtungen werden selbstverständlich die Fehlerquellen vermehrt und die Genauigkeit der Messung herabgesetzt.

Textabbildung Bd. 292, S. 41
Ein Taster mit übersetzenden Hebelschenkeln, Mikrometerschraube und Theilscheibe von Scholl-Kaller bezieh. H. Hommel in Mainz ist in Fig. 58 dargestellt. Eine Schraubenspindel a mit Rechts- und Linksgewinde und einer darauf befestigten Theilscheibe b verbindet mittels Gelenkmuttern c die beiden kurzen Schenkel d eines Greif- oder Tastzirkels e. Am Zirkelzapfen f ist eine Zunge g fest, an der ein Theilwerk h für die vollen Spindelumdrehungen und eine Zunge i für die Theilscheibe zur Anzeige der Bruchtheile einer Spindelumdrehung vorgesehen sind. Griffknöpfe k dienen zur Bethätigung der Mikrometerspindel a. Um den todten Gang an den Spindeln zu beseitigen, |42| sind die Zapfenmuttern geschlitzt, so dass durch Anzug der entsprechenden Zapfenschrauben durch die Gabeln der kurzen Zirkelschenkel ein Ansitzen des Muttergewindes erreichbar wird. (D. G. M. Nr. 149 vom 28. April 1893.)

(Fortsetzung folgt.)

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Ausführliches über Richtplatten von C. Pfaff in Eisen-Zeitung, Berlin, 1889 Bd. 10 Nr. 1, u.a.

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