Titel: Die Feinmessung im Maschinenwesen und ihre Hilfsmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 79–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292023

Die Feinmessung im Maschinenwesen und ihre Hilfsmittel.

(Schluss des Berichtes S. 57 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Cylinderstichmaasse und Tiefenmaasse.

Mikrometerschraublehren zum Messen von Bohrungen, sogen. Cylinderstichmaasse, haben gegenüber den festen Stichmaassen unbestrittene Vortheile voraus. – Das in Fig. 109 bis 111 dargestellte Cylinderstichmaass von Sautter und Messner in Aschaffenburg besteht aus dem hohlen Hauptkörper a mit Muttergewinde für die Messchraube b, welche in der Trommelbüchse c festgeschraubt ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 79

An der Erweiterung des Hauptkörpers ist ein Klemmklötzchen d bis zur Messchraube durchgeführt, welches in einem Ringstück e mit länglicher Oeffnung schwalbenschwanzförmig eingesetzt ist, das mittels einer Blattfeder f aus dem Eingriff gerückt wird. Wenn aber die Schraube g nieder gestellt und die Feder f gespannt wird, so bremst das Klötzchen d die Messchraube und stellt dieselbe fest. Abgerundete, gehärtete Kegelspitzen i und k bilden die Fühlflachen des Cylinderstichmaasses, dabei bildet die Schraube i den Anschlag für die Messchraube in der Nullstellung (200 mm in Fig. 110) des Cylinderstichmaasses. Diese Stichmaasse werden in Staffeln von 50 mm bis zu 500 mm grösste Abmessung und 1/100 mm Ablesung ausgeführt. Grössere Cylinderstichmaasse für Abmessungen bis zu 2500 mm erhalten einen Einsatzschieberstab mit Theilung und eine kürzere Mikrometerschraube, in Folge dessen die Abstufungen grösser gemacht werden können.

Textabbildung Bd. 292, S. 79
Das in Fig. 112 bis 115 gezeichnete Stichmaass, System Sautter und Messner, besteht aus dem rohrförmigen Hauptkörper a mit Verstärkungsbunden und einer Fensteröffnung b, in welchem mittels Längskeil der Stabschieber c geführt und durch Klemmschrauben d gehalten ist. An diesem Stabschieber c ist die Längstheilung aufgetragen, während an der Fensterkante b der Nullstrich bezieh. die Noniustheilung steht.

Textabbildung Bd. 292, S. 79
Im geschlitzten Theile des Stabes c greift die Mikrometerschraube f mit Kegelkopf g ein, an welcher die Trommel h fest aufgeschraubt und dessen abgeschärfter Rand in 100 getheilt ist, während die zugehörige auf dem Stabende aufgetragene Zeigerleiter 15 bis 30 mm Länge erhält. Die Spitzschraube i dient als Anschlag für die Nullstellung des Stabschiebers c.

Ein Cylindermaass, welches auch als Tiefenmaass gebraucht werden kann, ist nach American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 30 * S. 3, in Fig. 116 vorgeführt. Dieses von J. T. Slocomb und Co, in Providence, R. I., gefertigte Messwerkzeug besteht aus dem Hauptkörper a, welcher an beiden Enden mit Gewinde versehen und längsseits aufgeschlitzt ist, während am mittleren cylindrischen glatten Stück die Zeigerleiter sich befindet. Dieser Hauptkörper erhält eine Längsbohrung, durch welche der Stab b geführt wird, der mittels einer Griffmutter c durch das obere grobe Trapezgewinde in a festgeklemmt werden kann. Dafür wird das Trommelstück d sich an der geschlitzten Messchraube des Hauptkörpers a verlegen lassen. Da aber in diesem Trommelstück d entweder der Querbügel e oder beim Cylinderstichmaasse |80| eine Kegelspitze eingeschraubt wird, so ist die Verwendungsfähigkeit dieses Messwerkzeuges für diesen Doppelzweck als Tiefen- oder Cylinderstichmaass verständlich. Einsatzstäbchen b von verschiedener Länge machen auch dieses Werkzeug für allgemeinen Gebrauch geeignet.1)

Textabbildung Bd. 292, S. 80
Nur als Tiefenmaass ist das von C. W. Malmquist in New Haven, Conn., in Fig. 117 bis 119 nach dem American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 51 * S. 4, abgebildete Messwerkzeug ausgeführt. An dem mit Anschlagbügel a versehenen Hauptkörper ist Aussengewinde b, ein Kegel c und eine Führungshülse d angedreht, ausserdem ist durch Längsschlitze im Kegeltheil d eine Federung hervorgerufen. Weil nun in diesem Kegeltheil c Muttergewinde für die Messchraube f eingeschnitten ist, so kann vermöge der Ueberwurfmutter e eine Bremsung der Messchraube f hervorgerufen werden. Diese Messchraube f wird durch den Griffknopf g bethätigt und durch die Führungsbüchse d im oberen Theil und durch die eingeschraubte Kegelbüchse i im unteren Theil geführt. Ausserdem ist an der Kegelfläche von i die Umfangstheilung und am Stabende h der Messchraube f die Zeigerleiter angebracht.

Whitworth's Messmaschine.

Gerechtfertigt dürfte es sein, die Beschreibung einzelner Endflächen-Längenmaassmaschinen mit der Mikrometermaschine (Millionth Measuring Machine) von J. Whitworth zu beginnen (vgl, M. Schröter bezieh. Goodeve, Shelley, Messmaschine).

Textabbildung Bd. 292, S. 80
Auf der Londoner Ausstellung 1851 wurde eine Mikrometermaschine für ein Normalyard Länge ausgezeichnet. Eine kleinere Messmaschine für einen Normalzoll Länge ist in Fig. 120 bis 122 dargestellt. Zwei Prismaschlitten c und d quadratischen Querschnittes gleiten hochkantig in einem Führungsbett a mit Deckel b, in dessen Stirnwänden die Schraubenspindeln e und f lagern, die vermöge quergetheilter Muttern die Schlittenprismen bethätigen, in welche 7,6 mm grosse Fühlzapfen g und h eingeschraubt sind. Jede dieser Schraubenspindeln hat 20 Gänge auf einen Zoll engl. Die linksseitige Spindel c trägt ein in 250 getheiltes Messrad i für grobe Einstellungen, dagegen wird die rechtsliegende Schraubenspindel d durch ein 200zähniges Schneckenrad k bethätigt, an deren Schneckenspindel l ein in 250 getheiltes Messrad m sich befindet, so dass die feinen Einstellungen mit einer Uebersetzung von 20 . 200 . 250 = 1000000, d. i. mit Einmillionstel-Zoll bewerkstelligt werden können. Um bei dieser grossen Uebersetzung den Druck zwischen den Fühlzapfen beständig gleich zu machen, hat Whitworth die Fühlplatte p (Fig. 123) zwischen dem Messtück und den Fühlzapfen in der Weise eingelegt, dass der kurze Hebel a seinen Stützpunkt an der Seitenleiste o (Fig. 122) findet, während der lange Hebel r mit dem Zeigefinger schwebend erhalten bezieh. die Fühlplatte p in senkrechter Ebene zwischen Fühlzapfen und Messkörper frei durchgleiten kann. Dies setzt nicht nur eine genaue Parallelität zwischen diesen vier Stirnflächen, sondern noch die Winkelrichtigkeit zur Gleitbahn bezieh. zur geometrischen Achse der beiden Fühlzapfen voraus.

Textabbildung Bd. 292, S. 80
Textabbildung Bd. 292, S. 80

Whitworth's Werkstattmessmaschine.

Textabbildung Bd. 292, S. 80
Für die Zwecke des täglichen Werkstattbetriebes ist die in Fig. 124 und 125 dargestellte Maschine für Messlängen bis zu 305 mm gebaut worden, wobei der zu messende Körper unmittelbar zwischen den Fühlflächen durchgezogen wird. Um diese Maschine vielseitiger zu machen, ist der Spindelstock e vermöge einer doppelgängigen Schraubenspindel b von 12,7 mm Steigung auf der Wange a rasch verstellbar, und während die grobe Einstellung des Fühlbolzens g durch eine Mikrometerschraube mit 20 Gängen auf 1 Zoll engl. durch das kleinere, in 250 getheilte Messrad c (von 75 mm Durchmesser) durchgeführt wird, finden |81| die feinen Einstellungen des Fühlbolzens h durch die 300 mm grosse, in 500 getheilte Messcheibe d statt, die auf einer Mikrometerschraube (20 Gänge auf 1 Zoll) sitzt, Welche im Spindelstock f sich führt, der in fester Lage auf der Wange angebracht ist. Weil nun bei dieser Umfangstheilung (π . 300 : 500 = 1,88 mm) von annähernd 1,9 mm ein Nonius noch ganz gut anwendbar ist, und da ferner die Mikrometerschraube 25,4 : 20 = 1,27 mm Steigung besitzt, so entspricht diese Einrichtung einer Vergrösserung von π . 300 : 1,27 = 741.

Textabbildung Bd. 292, S. 81
Die Einstellung des beweglichen Spindelstockkörpers e wird durch Maasstriche angezeigt, welche an der Wangenkante a eingeritzt sind. Sofern die Werkstücke nur durch Vergleichung mit anderen Messkörpern gemessen werden, genügt diese Einrichtung mit Maasstrichen auf der Wange, sobald aber das absolute Längenmaass mit dieser Maschine angegeben werden soll, so sind diese Vorkehrungen unzulänglich. Diesem Uebelstande kann dadurch abgeholfen werden, dass in die innere Wangenkante an Stelle der Theilstriche (Zoll, Centimeter) Kegellöcher oder Zahneinschnitte vorgesehen werden, in welche ein im beweglichen Spindelstock vorhandener Passtift oder Riegel passend einsetzt. In derselben Weise könnte die Untertheilung dieses Maasses durch Anschlag der Mikrometerschraube von g im beweglichen Spindelstocke e und daher die Nullstellung festgelegt werden, so dass auf den Fühlbolzen h im festen Spindelstock f nur die Bruchtheile der vorhergehenden Maassuntertheilung entfallen.

Der bekannte Werkzeugfabrikant J. E. Reinecker in Chemnitz-Gablenz spricht sich über die Erfahrungen mit der Whitworth'schen Messmaschine auf * S. 99 seines Preisbuches wie folgt aus: „Nachdem ich viele Jahre vergeblich nach geeigneten Messwerkzeugen geforscht hatte, glaubte ich Ende der 70er Jahre in der Whitworth'schen Messmaschine ein geeignetes Hilfsmittel zur sicheren Prüfung der Lehren gefunden zu haben. Da ich jedoch mit dieser Maschine befriedigende Resultate nicht zu erzielen vermochte, vielmehr stetig auf Differenzen stiess, trat ich mit der kaiserl. deutschen Normalaichungs-Commission in Verbindung, um ein genaues Urmaass zu erlangen.

Es ergab sich aber auch weiter die Unzulänglichkeit der Whitworth'schen Messmaschine, welche, trotzdem dass die Messungen nur durch langjährig geübte Leute vorgenommen wurden, nur geringe Genauigkeit ermöglichte.“

Bett's Messmaschine.

Bei der Messmaschine der Bett's Machine Company in Wilmington, Dei., ist ein auf der Wange a (Fig. 126 bis 128) verschiebbarer, durch eine Schlitzkopfschraube b festzulegender Kopf c vorgesehen, in welchem ein Prismastück d mittels einer Schraubenspindel e mit 100theiliger Scheibe f durch ein besonderes Griffrädchen g Einstellung erhält. In einem an die Wange angegossenen Spindelkopf h führt sich ein längeres Prisma i, welches vermöge einer Schraubenspindel k mit 10 Gewindegängen auf 1 Zoll engl. bis zu 4 Zoll Hub bethätigt, indem dieselbe durch ein besonderes Handrädchen gedreht wird. Diese Schraubenspindel k wird durch einen Kammzapfen mit scharfen Ringen im Spindelkopf gehalten und trägt eine 1000theilige Scheibe m, welche an einen Noniusschieber n spielt, der an einem Arm sitzt, der am Lagerhals festgeklemmt ist. Um nun eine Regelung der Nullstrichstellung mit Rücksicht auf die Gangfehler der Schraubenspindel k zu ermöglichen, ist noch ein zweiter, am Spindelstock festgestellter Zeigerbogen o (Fig. 127) vorhanden, an welchem die verschiedenen Nullstriche für die einzelnen Längentheile der Mikrometerspindel angegeben sind. In die Gleitprismen sind die Fühlstifte p und a eingeschraubt, welche nach Belieben mit flachen oder abgerundeten Fühlflächen versehen sind. Besondere Vorsorge für die Begrenzung der Fühlkraft scheint nicht vorgesehen zu sein. Jeder Maschine sind stählerne Prüfstäbe (Fig. 128) von 4, 6, 18 und 24 Zoll engl. Länge beigegeben. Sie bestehen aus einem prismatischen Mittelstück (Fig. 128) mit angedrehten Endzapfen, durch welche Stahlschrauben s eingezogen sind, die in entsprechende Aussparungen des Prismatheiles auslaufen, von wo diese Schrauben angestellt werden können. Zum Schutz werden diese Endzapfen mit den Endflächenschrauben durch Aufsteckhülsen t bedeckt.

Textabbildung Bd. 292, S. 81

J. E. Reinecker's Messmaschine mit Dosenfühlplatte und Standrohr.

Auf einer stark verrippten Wange a (Fig. 129 bis 131) sind ein fester Spindelstock b mit Theilscheibe c und ein durch eine Handspindel d verstellbarer Spindelstock e vorgesehen. Durch eine eingeschlossene Schraubenfeder f wird der im Spindelstock e axial frei verschiebbare Fühlbolzen g nach rechts gedrückt und in der Rechtslage durch aufgeschraubte Ringmuttern begrenzt. Um nun den Druck zwischen diesem und dem zweiten durch eine Mikrometerschraube h gegensätzlich vorgestellten Fühlbolzen i auf |82| dem zwischengelegten Messkörper sichtbar zu begrenzen und zu bestimmen, bringen J. E. Reinecker in Chemnitz-Gablenz (vgl. D. p. J. 1892 286 * 275) das Rückenende dieses axial beweglichen Fühlbolzens g an eine federnde Metallscheibe k zur Anlage, welche den Abschluss einer Dose l bildet, die auf dem Spindelstock e feststeht und von der ein Standrohr m nach oben frei ausmündet. Da nun die Seele dieses gläsernen Standrohres m kalibrirt ist, und ferner der federnde Dosendeckel k unmittelbar auf die eingeschlossene Flüssigkeit drückt, so ist einleuchtend, dass die Steighöhe dieser Flüssigkeitssäule um so grösser wird, je kleiner die Seele dieses Standrohres ist, was bei den sogen. Haarröhrchen der Fall ist. Da ferner die Raumverkleinerung bei einer federnden Dosenscheibe ⅔ von jener ist, welche durch einen verschiebbaren Kolben hervorgerufen würde, und weil ferner der mittlere Flächendruck auf den Dosendeckel gleich dem Gewichte dieser Flüssigkeitssäule ist, so entsteht zwar auf den Fühlbolzen eine Druckäusserung von wechselnder, durch den Höhenstand der Flüssigkeitssäule bedingter Stärke, welche aber als Zusatz zur Kraft der vorerwähnten Schraubenfeder verschwindend klein wird, so dass dessen Einwirkung auf den Fühldruck verschwindet.

Es sei z.B.

die Gesammtfläche der federnden Dosenscheibe und (⅔ F) = F1 = 29,3 qc die Fläche des dem entsprechenden beweglichen Kolbens, so wäre die durch Kolbenverschiebung entstehende Raumverkleinerung bei s = 0,0001 mm Ausschlag F1 . s= 2930 . 0,0001 = 0,293 cbmm. Damit nun bei 1/10000 mm Kolbenverschiebung der Flüssigkeitsspiegel im Standrohr nur h = 1 mm steige, muss das Volumen der steigenden Flüssigkeitssäule ebenfalls F1 s = 0,293 = fh cbmm sein. Da nun für h = 1 mm angenommen worden ist, so folgt für die Querschnittsfläche die Grösse f= 0,293 qmm, demgemäss die Seelenweite des Haarröhrchens d = 0,61 mm.

Es werden daher bei Messunterschieden von 1/500 mm = 0,002 mm Spiegelschwankungen von 20 mm Höhe eintreten können. Da nun 10 m Flüssigkeitssäule die Spannung von 1 k/qc hervorrufen, so wird die Schwankung bei 2 cm = 0,02 m Höhe, entsprechend 0,002 k/qc, betragen.

Wird nun die Fläche des beweglichen Kolbens mit 29,3 qc angenommen, so würde hierbei ein fühlbarer Druckunterschied auf die Fühlflächen der Bolzen von 0,002 . 29,3 0,0586 k oder 58,6 g sich herausstellen. Da bei 0,293 qmm Querschnittsfläche des Glasrohres eine Haarröhrchenwirkung angenommen werden muss, so folgt eine augenblickliche und um so grössere Druckentlastung, je kleiner die Seelenweite des Haarröhrchens ist.

Mag nun die Wirkung der Kapillarität wie immer sich äussern, so bleibt dieselbe für jede Messmaschine dadurch doch leicht bestimmbar, dass die Zeigerleiter am Standrohr durch die an der Mikrometerschraube befindliche 1000theilige Messcheibe versuchsweise abgeleitet wird, was bei Anwendung eines Nonius eine sichere Ablesung von 1/10000 mm Verstellung der Fühlbolzen gestattet. – Uebrigens wird durch Vergleichung mittels eines vorbestimmten Messkörpers gemessen, welcher, zwischen die Fühlbolzen der Messmaschine gebracht, bei einer bestimmten Stellung der Theilscheibe einen bestimmten Flüssigkeitsspiegel im Standrohr und dadurch eine gewisse fühlbare Pressung am Messkörper bedingt. Wird nun an Stelle des Messkörpers das Werkstück zwischen die Fühlflächen eingeführt, so wird bei genauer Gleichheit desselben der frühere Flüssigkeitsspiegel im Standrohr bei unveränderter Theilscheibe sich einstellen. – Weicht aber das zu messende Werkstück vom Messkörper ab, so muss das Theilrad so lange nachgestellt werden, bis der Flüssigkeitsspiegel im Standrohr die vorbezeichnete Stellung eingenommen hat, was wieder der früheren Pressung an den Fühlflächen entsprechend wäre. Daher gibt die Verdrehung der Theilscheibe den Maassunterschied in Anzahl Zehntausendstel-Millimeter an. Weil dieses Messverfahren nur ganz geringe Verdrehungen der Theilscheibe voraussetzt, so ist an dieser Maschine eine sehr hübsche Einrichtung in der Weise getroffen, dass ein kurzes Bogenstück n eines Schneckenrades in einem vollkommenen Ringschlitz der Theilradscheibe c festgeklemmt werden kann, wodurch mittels der Schnecke O die Drehung der Theilscheibe durch ein Griffrädchen p bewerkstelligt werden kann. Ein Nonius q gestattet Ablesungen bis 1/10000 Umdrehung der Theilscheibe c oder 0,0001 mm der Spindelsteigung. Obwohl die Messungen mittels Messkörper von 25 mm Abstufung durchgeführt werden können, so gewinnt die Messung doch sehr an Genauigkeit, wenn man Messkörper von bloss 5 mm Abstufung benutzt. Allerdings kostet ein solcher Satz Cylindermesskörper von 5 bis 100 mm Durchmesser bei 5 mm Abstufung und für eine Genauigkeit von 0,0002 bei + 14° C. 1500 M.

Bei dieser Gelegenheit sei dem Referenten gestattet, eine von Prof. Hermann im Aachener Bezirksverein deutscher Ingenieure am 8. November 1893 gemachte Mittheilung über die in Chicago ausgestellt gewesenen Messmaschinen kurz wiederzugeben.

Ausgestellt hatten Brown und Sharp in Providence, R. I., Pratt und Whitney in Hartford, Conn., und J. E. Reinecker in Chemnitz-Gablenz.

Während bei den beiden amerikanischen Messmaschinen Fühlkörper zur Anwendung kommen und der Druck zwischen den Fühlflächen ausschliesslich durch das Verhalten dieser Fühlkörper beurtheilt werden muss, genügt bei der deutschen Maschine die Beobachtung des Flüssigkeitsstandes im Standrohr.

Prof. Hermann sprach sich weiter darüber aus, wie folgt:

„Ich habe nicht nöthig darzulegen, welche der beiden Vorrichtungen die grössere Gewähr für die Erzielung einer möglichst grossen Genauigkeit der vorgenommenen Messung bietet, und in Betreff der Vorzüglichkeit der Reinecker'schen Einrichtung bin ich in der Lage, mich auf das Urtheil beziehen zu können, das Herr Geheimrath Reuleaux selbst in einem Vortrage abgegeben hat, den derselbe schon am 2. Februar 1885 im Verein zur Beförderung des Gewerbefleisses zu Berlin gehalten hat, und welches wörtlich lautet: Wir haben die Freude, den neuesten soeben geschilderten Fortschritt diesmal auf deutschem Boden gemacht zu sehen.“ 2)

Scholl und Kaller's Messmaschine.

Vortheilhaft unterscheidet sich diese von Scholl und Kaller in Oberhausen in der Anlage und in der Theilausführung |83| wesentlich abweichend construirte Messmaschine von jenen nach Whitworth-System gebauten.

Zwei im geschlossenen Rahmengestell a (Fig. 132 bis 139) achsenrichtig stehende Augen werden durch eine massive Bohrstange ausgebohrt und durch einen Dorn genau ausgeschliffen, so dass dadurch die Genauigkeit übereinstimmender Achslage gesichert ist. In jedes dieser Augen werden zwei passende Bordbüchsen b und c endseitig eingeschoben, welche mit ihrem inneren Gewinde sich auf dem mittleren Gewindetheil einer Führungsbüchse d (Fig. 138) aufschrauben, wodurch diese Büchse achsenrichtig festgehalten wird. Nun sind die Endtheile dieser Führungsbüchsen d auf je ein Drittel der Gesammtlänge geschlitzt, so dass diese Endtheile vermöge kegelförmiger Ueberwurfmuttern e an die Dornbüchse f geklemmt werden, wodurch diese wieder an Ort gehalten werden. Die rechtsseitige Dornbüchse trägt das Fühlhebelwerk, die linksseitige Büchse trägt an dem Arm ein besonderes Theilwerk. In der rechten Büchse ist unter der Einwirkung einer schwachen Schraubenfeder g ein langer Fühlbolzen h verschiebbar, an dessen Ende zwei Doppelringmuttern i aufgeschraubt sind, zwischen denen der erste Fühlhebel liegt. Mittels eines Handgriffrades k werden die in der linken Dornbüchse f lagernden, mit 1 mm Gewinde versehenen Fühlbolzen l eingeschraubt, damit aber zugleich die 100-theilige Theilscheibe m mitgedreht, durch welches sowohl die Verdrehungen als auch die axiale Verschiebung an der Zeigerleiter n abgelesen werden kann. Um Unterabtheilungen dieser Scheibentheilung ohne Zuhilfenahme eines Nonius zu bestimmen, ist eine zweite, zur Theilscheibe radial stehende Messchraube o vorgesehen, die sich im Bügel q einschraubt.

Textabbildung Bd. 292, S. 83
Weil nun das untere gehärtete Ende dieser Schraube kegelförmig abgedreht ist und da ferner dieser Kegel zum Anschlag an einen Querbolzen o gebracht wird, der in einem seitlichen Ringschlitz der grossen Theilscheibe m eingestellt werden kann, so ist ohne weiteres erklärlich, dass die Höhenlage dieser kleinen Messchraube p bezieh. ihres Kegelrades Theile der Bogeneinheit angibt, die an der Zeigerleiter r abzulesen sind. Hierbei ist noch ermöglicht, Theile einer vollen Umdrehung dieser Messchraube abzusehen. Weil nun die Kegelform dieser Messchraube so beschaffen ist, dass 10 Umdrehungen dieser Messchraube p erforderlich sind, um zwei Bogentheilen der in 100 getheilten grossen Scheibe m zu entsprechen, so wird der Unterschied der Kegelhalbmesser nur die Hälfte dieses Maasses, also eines Bogentheiles, betragen, so dass für eine Umdrehung der Messchraube für die Fühlschraube folgt. Da der Kopf dieser Messchraube noch als Theiltrommel s ausgebildet ist, so können mit dieser Messvorrichtung leicht und kleinere Werthe abgelesen werden.

An der rechten Dornbüchse ist zwischen Ringmutter und Bord ein Arm t eingeklemmt, der an einem Schlitten u fest aufgeschraubt ist, dem man mittels der Handradspindel v ohne weiteres Verstellung geben kann, wodurch die Dornbüchse f2 mitbewegt wird. Da an diesem Arm t oben ein Hebellager w für den ersten Fühlhebel x mit der Uebersetzung (10 : 250) und am unteren Theil ein zweites Zapfenlager y für den zweiten Fühlhebelzeiger z vorgesehen ist, der an einem Gradbogen spielt, so wird, weil die Uebersetzung dieses Zeigerhebels (8 : 800) ist und dieser mit dem ersten vom Fühlbolzen bethätigten Fühlhebel in Verbindung steht, eine Gesammtübersetzung von vorhanden sein, so dass ein Zeigerausschlag von 2,5 mm am Gradbogen einer axialen Verschiebung des Fühlbolzens von 0,001 mm entspricht. Um das Messungsergebniss von dem todten Gang und der Zusammendrückung der Fühlflächen zu befreien, wird auch selbst bei Messungen von 0,001 mm Unterschied dem Fühlbolzen eine Verschiebung von mindestens 0,5 mm gegeben. Für grössere Kaliberbolzen und schwere Gegenstände ist ausserdem eine auf die Rahmenplatte geschraubte Stütz Vorrichtung A vorgesehen, welche aus Klemmbackenschlitten und Stellschieber auf stehender Säule besteht. Mit dieser Vorrichtung wird der eingespannte Gegenstand durch die Fühlflächen geführt und in dieser Weise jedes Ecken, sowie jede ungleichmässige Erwärmung vermieden.

Die Kreistheilwerke im Maschinenwesen.

Wenn auch die Kreistheilscheiben der Winkelmessinstrumente in erster Reihe für wissenschaftliche Zwecke eine bedeutungsvolle Rolle spielen, so ist doch auch den Kreistheilwerken im Maschinenwesen, den Räderfräse- und Räderformmaschinen verhältnissmässig eine grosse Wichtigkeit beizumessen. – Es werden sich naturgemäss die Fehler eines mangelhaften Theilrades auf alle Werkstücke in gesteigerten Verhältnissen übertragen, und da das Theilrad der Haupttheil der Maschine ist, so sind sowohl die Verfahren zur Herstellung eines Rades mit Originaltheilung als auch jene zur Regelung und Berichtigung |84| von Theilrädern, die nur mit fehlerhaften Hilfsmaschinen herzustellen waren, bemerkenswerth.

Wenheim's Kreistheiler.

Der Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1893 Bd. 13 * S. 363, ist ein von Dr. Schröder in London mitgetheiltes Verfahren entnommen, welches darin besteht, einen Kreis mittels genau gleicher Cylinder einzutheilen.

Textabbildung Bd. 292, S. 84
Auf den Umfang eines mit zwei niedrigen Seitenborden versehenen Cylinderfutters a (Fig. 140) werden Stückcylinder c gelegt, welche durch die Bordleisten des Futters einestheils und vermöge eines schmäleren Bandes d anderentheils gehalten werden. Ein zurückbleibender Zwischenraum wird ausgemessen und auf den Durchmesser des Futters a berechnet, dementsprechend dasselbe nachgedreht wird. Wenn hierauf vermöge der Bandschraube e der letzte Cylinder eingestellt wird, so ist die Eintheilung fertig. Mittels einer Stellfeder fg, welche in die freien, neben dem Schliessband d verbleibenden Cylinderräume einsetzt, kann die Einleitung des Werkstückes durchgeführt werden.

C. Reichel's Kreistheiler.

Derselben Quelle ist das Reichel'sche Verfahren zur Herstellung einer Originaltheilung entliehen: Eine beliebige Anzahl gleich grosser Cylinder (Fig. 141) mit senkrechten, etwas abgesetzten Endflächen werden achsenrichtig auf eine Planscheibe angeordnet und diese mittels Wood'schem Metall aufgelöthet. Hierauf wird diese Planscheibe auf die Spindel der Fräse- oder Theilmaschine aufgesteckt und wie folgt verfahren: Mittels einer Wasserwage werden die Cylinder 1 und 2 in die Wagerechte eingestellt, worauf die Arbeitsspindel versichert und die Arbeitsstellung vorbezeichnet wird. Hierauf wird die gelüftete Planscheibe vorgedreht, so dass die berührende Ebene der Cylinder 1 und 6 in die lothrechte Ebene gelangt, was durch eine Winkelwage untersucht wird. – Genau so, wie in diesem Fall eine ⅙-Theilung entsteht, kann man jede beliebige Planscheibenverdrehung ausmitteln. Der Vortheil dieses Verfahrens besteht darin, dass die eingetragene Theilung unbedingt centrisch wird, während fast jede Copirung einer vorhandenen Theilung mit Excentricitätsfehlern behaftet ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 84

Pratt-Whitney's Theilwerk.

Auf die Hauptspindel einer Räderfräsemaschine wird das zu theilende Rad a (Fig. 142 bis 145) frei drehbar aufgespannt, daneben aber der Arm b ebenfalls frei drehbar aufgesetzt. Ein Stück des Radumfanges stützt sich auf einen festen Winkelbogen c und kann vermöge Backen d daran festgeklemmt werden. Nun kann aber auch der Arm b an dem Radkranz a durch eine Backenschraube e gekuppelt werden, so dass bei gelüfteten Klemmbacken d der Hebel b den Radkranz a mitnehmen kann, was auch thatsächlich durch den kleinen Handhebel f durchgeführt wird. Dadurch aber, dass das freie Hebelende von b zwischen Stellschrauben g spielt, wird der Ausschlagbogen desselben begrenzt. Weil nun am Schwingungshebel b ein Schlitten h mit Reisswerk i angebracht ist, dessen Werkzeug durch ein Fenster bis an den Radkranz a reicht, so wird bei niedergedrückter Spannfeder das Reisswerk wirksam sein können. Gearbeitet wird in der Art, dass nach erfolgter Schwingung des Hebels b mit angekuppeltem Rad a die Lösung dieser Verbindung und darauf die Festklemmung des Rades durch die Backen d an die feste Winkelstütze folgt. Hierauf wird der freie Hebel b nach rechts an die Stellschraube g gelegt, der Radkranz a mit Hebel b gekuppelt, alsdann die Backen d gelöst und die Verbindung an die linke Stellschraube g gestellt. Zur Prüfung der richtig verlaufenden Theilarbeit wird an den festen Winkelbogen die Prüfungsplatte k mit Originaltheilung angeschraubt.

Textabbildung Bd. 292, S. 84

R. Hoe's Grundtheilrad.

R. Hoe und Co. in New York City erzeugen ihre Theilräder mittels eines Hauptrades mit Originaleintheilung. Dieses Hauptrad a von 1524 mm Durchmesser (Fig. 146 bis 148) wird an der Stirnseite abgesetzt und daran 180 Stück Plättchen b angebracht, die nach einer Schablone d (Fig. 148) mit 2° genauer Keilform gefertigt sind. Um das Einpassen zu erleichtern, ist die Fussleiste des Plättchens b ausgespart, sonst aber mit einem Schraubenloch versehen. Wenn nun diese 180 Stück Plättchen, an den Radkranz angelegt, nicht den gehörigen Schluss ergeben, so muss der Ansatz des Radkranzes dem vorhandenen Spielraum entsprechend nachgedreht werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 84
Ist der Schluss und Anschlag sämmtlicher Plättchen erreicht, so werden diese mittels der Stirnschraube angezogen und durch Bügelschrauben c festgekeilt. Nach erfolgter Fertigstellung wird dieses Grundtheilrad auf die Fräsemaschinenspindel gebracht und als Theilrad in folgender |85| Weise verwendet: Eines der Plättchen wird abgehoben, in den entstehenden freien Raum dafür ein am Maschinengestell festgeführter Schieber eingesetzt, wodurch das Theilrad und damit die Spindel mit dem Werkstück gehalten wird. In dieser Lage wird die erste Zahnlücke im Werkstückrade ausgefräst, daraufhin das Theilrad um 180° gedreht, so dass mit dem Fräsen der gegenüberliegenden Lücke vorgegangen werden kann. Selbstverständlich wird das erste Theilplättchen an den früheren Ort gebracht, dafür aber das gegenüberstehende abgehoben und die neue Lücke gebildet.

A. H. Lefebvre's Theilscheibe.

Um Cylindertrommeln mit Originallochtheilungen zu versehen, soll nach American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 39 * S. 6, ein bereits früher ausführlich (vgl. D. p. J. 1893 287 * 256) beschriebenes Verfahren noch als Ergänzung angeführt sein.

Textabbildung Bd. 292, S. 85
Am Trommelumfang S (Fig. 149 bis 153) spielt zwischen den Klemmbacken B und C der Klemmschieber A. Da nun die Klemmbacken B und C durch eine Schiene K verkuppelt sind, so kann bei festgestelltem Schieber A dieses Backenpaar nach links gestellt und hierauf festgeklemmt werden. Wenn nun daraufhin der Mittelschieber A nach links geschoben wird und nach Festlegung desselben wieder das Backenpaar nachfolgt, erhält man die Eintheilung. Bequemer ist es unter Umständen, statt der Backen A, B, C die Scheibe S zwischen den Backen zu verdrehen. Lässt sich nach erfolgter Ausprobung ein Passtift ohne Zwang in das erste Anfangsloch der Trommel einsetzen, so ist die Eintheilung richtig, wobei die am Backen A oder B angeschraubte Büchse H zur Führung des Bohrers verwendet wird.

Regelbares Theilrad.

Für den Entwickelungsgang im Maschinenwesen ist die Herstellung eines genauen Theilrades mittels eines fehlerhaft befundenen Theilrades höchst bemerkenswerth. – Auf einer genau abgedrehten Scheibe mit -förmigem Kranz (Fig. 154 bis 158) wird ein gusseiserner Ring aufgezogen und, nachdem derselbe in Verbindung mit der Spindel abgedreht ist, werden in dem Umfang des Ringes schwalbenschwanzförmige Schrägnuthen in der verlangten Theilung auf einer bereits vorhandenen Räderfräsmaschine eingefräst. In diese werden ebenso viel gefräste Zähne mit schrägstehender Fussleiste (Fig. 157) eingepasst, die vermöge entsprechender Fräser (Fig. 158) erzeugt worden sind. Weil nun die ursprüngliche Eintheilung des Zahnringes als ungenau vorausgesetzt und als solche auch befunden worden ist, so beginnt die Regelung der Theilung dadurch, dass diese eingeschobenen Zähne vermöge eines leichten Hammers parallel verlegt werden, so dass die genaue Controllehre über alle Zähne passt. Ist dies durch wiederholte Prüfung nachgewiesen, so werden die Fussleisten der einzelnen Zähne angebohrt und mittels Einsteckstifte in ihrer richtigen Lage versichert. (Industries, 1886 Bd. 1 * S. 682.)

Textabbildung Bd. 292, S. 85
|80|

Ueber Esser's Stichmaass vgl. D. R. P. Nr. 60558 vom 22. April 1891 bezieh. D. p. J. 1893 289 51.

|82|

Vgl. Stahl und Eisen, 1893 Bd. 13 Nr. 24 * S. 1070 bis 1071.

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