Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 97–102)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292030

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

Mit Abbildungen.

Rohmaterialien.

a) Lumpen.

Mehr und mehr werden die Hadern von ihrer vormaligen Alleinherrschaft für die Papierherstellung durch die neueren Surrogate, den Zellstoff insbesondere, verdrängt bezieh. auf jene feinsten Sorten von Papier beschränkt, für welche die Cellulose derzeit kein geeignetes Ersatzmaterial ist. Nicht zu wundern ist daher das Sinken der Lumpenpreise bei uns, was dadurch noch gefördert wird, dass die Vereinigten Staaten von Nordamerika, wohin ein guter Theil insbesondere deutscher Strazzen exportirt worden ist, sich mit Rücksicht auf die Seuchengefahr dem Eintritte fremder Hadern gegenüber nahezu verschliessen.

Es spielt eben hierbei die unerbittlich geforderte Entseuchung der Lumpen mit, welche unseres Erachtens nur gebilligt werden kann, obwohl bei den niedrigen Lumpenpreisen dadurch das Geschäft in diesem Handelszweige fast lahm gelegt wird. Häufig genug wird von sehr nahe Betheiligten durch geschickt gruppirtes Zahlenmaterial darauf hingewiesen, dass z.B. Cholera durch Lumpen nicht übertragen werde. Bei Richtigkeit dieser Behauptung müssten allerdings viele jener Errungenschaften bezweifelt werden, welche die neuere Forschung zu Tage gefördert hat, und das geht denn doch nicht an.

Es bleibt beklagenswerth, wenn ein alter Handelszweig solcherart zu welken beginnt. Das Gemeinwohl steht aber doch höher. Man muss sich eben darauf beschränken, die Lumpen für die feinsten Papiere, welche die Kosten zu tragen vermögen, für welche also auch entseuchte Lumpen noch verarbeitet werden können, zu verwenden und die so viel reinlicheren übrigen Rohmaterialien, die Surrogate, zu den übrigen Sorten von Papieren zu gebrauchen suchen, bezieh. die Fabrikation dieser Surrogate noch so weit von Unvollkommenheiten befreien, dass die Mängel verschwinden, welche noch häufig den aus Zellstoffen allein angefertigten Papieren anhaften. Auf die möglichst vollkommene Herstellung von Zellstoff wird aber so kräftig hingearbeitet, dass die Sachlage kaum jemals mehr in dieser Richtung für den Lumpenhandel eine günstige Wendung wird nehmen können. Auch Vereinigungen u. dgl. der dabei interessirten Kreise werden diese Wandlung, wenigstens was die Lumpen für die Papierfabrikation betrifft, auf die Dauer schwerlich zu hindern vermögen.

Wesentlich gemindert wird die Gefahr in gesundheitlicher Beziehung, wenn die Lumpen derart entstäubt werden, etwa durch mechanische Bearbeitung irgend einer Art, Reiben, Dreschen u. dgl., dass der Staub gelockert und durch einen Luftstrom entführt werde. Jedoch ist begreiflicher Weise nur dann hiervon Erfolg zu erwarten, wenn die Verbreitung des Staub es in den Arbeitsräumen verhindert wird. Dies erfordert aber sehr kräftige Sauger und ein möglichst zusammenhängendes Kanalnetz, welches die einzelnen Arbeitsstellen verbindet, um den Staub an einen gemeinsamen Ablagerungsort bringen zu können. Daraus folgt aber wieder eine Einrichtung, welche nur dann ertragbare Kosten verursacht, wenn der Betrieb im Grossen geschieht. Kleinere Unternehmen sind dann nicht mehr concurrenzfähig, wie es aus den neuerlich gelegentlich einer einschlägigen Verfügung der badischen Gewerbeinspectoren erhobenen Klagen ersichtlich ist. Aehnlich liegt es aber leider mit anderen Methoden, welche wohl als um so kostspieliger, theilweise auch wegen der dadurch bedingten Faserverluste bezeichnet werden dürfen, je vollständiger dieselben den angestrebten Zweck, alle Krankheitskeime unschädlich zu machen, erreichen. Und doch werden, möchten wir meinen, menschliche Rücksichten es erzwingen, dass, bevor an das Sortiren gegangen wird, jener Zustand bereits erreicht worden ist. Dann bleiben doch nur verhältnissmässig sehr wenige Personen, deren unmittelbare Berührung mit schmutzigen Hadern nicht zu umgehen ist.

Noch ein anderer Umstand spricht dafür, dass man die Hadern möglichst kurze Zeit im schmutzigen Zustande belässt. Die Gefahr des Faulens und auch der Selbstentzündung. Wenn letztere glücklicher Weise selten vorkommt, so geschieht doch hier und da ein durch dieselbe veranlasstes Brandunglück, wie vor kurzem in der grossen Papierfabrik der Gebrüder Palm in Neukochen, wo wahrscheinlich Manillataue, welche beim Brennen wenig Geruch verbreiten, die Ursache waren, dass ganz plötzlich das Rohstoffmagazinsgebäude in hellen Flammen stand, ohne dass kurz vorher ein brenzlicher Geruch verspürt worden wäre.

Je mehr man sich der so wünschenswerthen Reinheit der Lumpen nähert, desto weniger gesundheitsschädlich werden dann alle mit denselben vorzunehmenden Operationen, und die sogenannte, dem Milzbrande ähnliche „Hadernkrankheit“ wird verschwinden. Es wird sich dann auch beim Hadernschneiden nicht jener, zum mindesten höchst lästige Staub entwickeln, der uns zwingt, auch diese Arbeit, selbst wenn die Maschine ganz einfach ist, im Gegensatze zu der für diesen Zweck höchst verwickelten Maschine von E. S. Hidden in Milburn (D. R. P. Nr. 69514), welche mit zwei Messersätzen für Längs- und Querschneiden versehen ist, als ungesund zu bezeichnen.

b) Altes Papier.

Bekannt ist, dass altes Papier für Druckpapiere ein ganz geeignetes Rohmaterial ist. Schon bedrucktes Papier verursacht aber bei der Wiederverarbeitung aus dem Grunde |98| viele Umstände, weil die Druckerschwärze beim Auflösen des Papiers dasselbe schmutzig färbt. Dies zu vermeiden, schlägt L. Horst in Linz a. Rh. nach D. R. P. Nr. 71012 folgenden Weg ein: Die Druckmaculatur wird mit Erdöl getränkt, wodurch die Druckerschwärze derart aufgeweicht wird, dass das Fett derselben beim Kochen mit Soda u. dgl. leicht verseift und hierauf ausgewaschen werden kann, wodurch weisse Maculatur erhalten wird. Man erkennt, dass das Verfahren viel Aehnlichkeit mit der „Oelbleiche“ hat, auf welche schon 1890 277 120 aufmerksam gemacht worden ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 98
Wenn auch altes Papier selten derartig beschmutzt ist, wie es bei manchen Lumpensorten vorkommt, so sollte doch wenigstens die Anfangsvorrichtung möglichst der Maschine überwiesen werden. Derartige Einrichtungen sind nach der Papierzeitung, 1892, in Amerika in Gebrauch gekommen und ist ein von S. S. Stevens angegebenes Verfahren in Fig. 1 versinnlicht. Ein Transportband nimmt bei a das alte Papier auf und führt es in den sogen. Eisenbahnstäuber A, von welchem es selbsthätig in den Förderkanal b geworfen wird. Dieser leert das ausgeklopfte Papier in den Trichter b2, wo es mit heissem Wasser aus Rohr b3 und heisser Natronlauge aus Rohr b4 und Bottich b1 zusammenkommt und dann in den Quetschapparat B gelangt. Dieser hat die äussere Gestalt einer Kegelmühle. Die Trommel im Innern hat jedoch keine Messer, sondern Quetschdaumen, welche, in Reihen angeordnet, zwischen ähnlichen Vorragungen des äusseren Mantels bei der Drehung passiren können. Da die Kegeltrommel 275 Umdrehungen in der Minute macht, so wird bei genügend enger Stellung der festen und beweglichen Daumen das durch die heissen Flüssigkeiten mürbe gemachte Papier schon in diesem Apparate recht gut aufgelockert bezieh. aufgelöst. Es gelangt mehr oder weniger breiig gegen das Ende der Quetschmühle, wo es durch das Rohr C abwärts in Waschbütten D, welche abwechselnd benutzt werden können, gelangt. Dort erhalten Rührer r die festen Theile schwebend und Waschtrommeln d besorgen die Entfernung des suspendirten Schmutzes sowohl, wie auch der durch die Natronlauge verseiften fettigen Bestandtheile, welche sämmtlich durch Rohre d1 oben abgeleitet werden, während am Boden der Bottiche durch Rohre d4 aus einem entsprechend grossen Gefässe d2 mit Ueberfall d3 frisches, reines Wasser eintritt. Nachdem genügend gewaschen worden ist, kann der Inhalt der Bottiche D durch Rohre f in geeignete Holländer oder andere Stoffmühlen abgelassen werden, welche das alte Papier vollständig zerfasern.

Textabbildung Bd. 292, S. 98

c) Holzschliff.

Bekanntlich ist es nothwendig, das Holz, welches entweder zu Holzschliff oder zu Zellstoff weiter verarbeitet werden soll, zu entrinden, weil die Rinde für den vorliegenden Zweck nicht bloss unbrauchbar, sondern sogar schädlich ist. Vielfach wird behauptet, dass das Rindenschälen besser von Hand geschehe. In der That kann man sich bei der Arbeit mit dem Schälmesser besser den Unregelmässigkeiten der Stamm Oberfläche anpassen, so dass bei dem Schälen von Hand weniger brauchbares Holz in den Abfall kommt, der doch nicht gut anders als zum Heizen verwendet werden kann. Das Maschinenschälen erstrebt sozusagen einen vollständig runden Körper, so dass alles Vorragende abgeschnitten wird. Begreiflich ist es daher, wenn der Abfall hierbei etwa doppelt so gross werden kann, als beim Handschälen.

Textabbildung Bd. 292, S. 98
Bei dem Schälen mit Messern darf auch keineswegs behauptet werden, dass das Maschinenschälen weniger gefährlich sei. Verletzungen kommen hierbei leider häufig genug vor, weil der Arbeiter meist den Klotz an die Messer drückt und auch dreht. Deutlich lässt sich dies an der Maschine Fig. 2 erkennen, welche in ähnlichen Systemen bereits bekannt ist, neuerer Zeit jedoch von der Sundwiger Eisenhütte in hübschen kräftigen Formen gebaut wird (s. Papierzeitung, 1892). Wir bemerken, dass Holzklötze h auf Tischen t an kräftige Messerscheiben s mit vier nur wenig vorstehenden Messern m gedrückt werden können. Die Scheiben erhalten rasche Drehbewegung von der Riemenscheibe r. Hierbei können bei nur geringfügiger Unachtsamkeit |99| die Hände des Arbeiters, während derselbe den Klotz andrückt und dreht, beschädigt werden. Doch ist es hier nicht gefährlicher als bei den meisten anderen Systemen auch.

Solches mag auch von einer neuen Rindenschälmaschine (D. R. P. Nr. 67791) von Albert Schmiedel in Hirschstein gesagt werden. Bei dieser Maschine wird das Hobelmesser durch eine Schubstangenkurbelbewegung wagerecht hin und her gezogen. Wenn der Arbeiter den auf einem Tische liegenden Holzklotz andrückt, wird die Rinde abgehobelt.

Ein neues Princip für den hier verfolgten Zweck haben sich C. Bache-Wiig und E. Morterud in Böhnsdalen durch D. R. P. Nr. 66375 und Nr. 67020 patentiren lassen. Hierbei kommen keine Messer vor; dagegen sind allerdings, wie aus Fig. 3 bis 5 ersehen werden kann, die Einrichtungen nicht sehr einfach, und mag auch die Entrindung etwas lange dauern; doch arbeitet der Apparat derart schonend, dass wohl auf keine andere Weise ein so geringer Abfall erzielbar ist. Wir sehen bei der älteren Ausführung (Fig. 3 und 4) eine Trommel A mit Thür E, gebildet aus Holzstäben e, welche durch geeignete Gusseisentheile a zusammengehalten werden. In diese Trommel wird hinreichend Flüssigkeit und etwa bis zur halben Höhe Holz in Klötzen gegeben. Wird die Trommel gedreht, so kollern die Klötze über einander und durch einander, wodurch die durch die Flüssigkeit bereits erweichte Rinde abgestossen wird. Als Flüssigkeit kann Wasser oder, weil gelinde Wärme vortheilhaft wirkt, die Ablauge von Zellstoffabriken benutzt werden. Begreiflicher Weise ist nicht zu erwarten, dass die Rinde wirklich vollkommen durch diesen Arbeitsvorgang abgelöst wird, weshalb die Erfinder vorschlagen, die bereits stark entrindeten Hölzer mit kräftigen Bürsten (etwa Stahldrahtbürsten) zu behandeln. Auf den letzteren Umstand wird im zweiten oben genannten Patente das meiste Gewicht gelegt. Wir haben dementsprechend in Fig. 5 den Holzstamm H zwischen Spitzen eingespannt zu denken, während er durch die Bürsten f im Umfange, durch i der Länge nach bearbeitet wird. Hierfür wird der im Arme g gelagerten Bürste f die Drehbewegung durch eine Rädertransmission von der Welle d aus ertheilt, während ein genügend grosses Gegengewicht die Bürste f fortwährend an das Holz H andrückt. Die Bürste i bekommt durch die Kegelräder m, n drehende und ausserdem noch fortschreitende Bewegung. Letztere wird durch eine geeignete Verbindung der Wellen k und h erzielt, indem h gedichtet aus dem Bottich a tritt und eine an ihrem Ende befindliche Schnecke in eine festliegende Zahnstange greift, so dass dann, wenn die Welle h sich dreht, sie sich auch an der Zahnstange fortzieht. Weil die Welle h abwechselnd durch offenen und gekreuzten Riemen bewegt werden kann, ist es möglich, die Welle h und, weil nach dem Früheren auch k sammt der Bürste i mit ihr verbunden ist, auch diese längs des Holzes hin und her zu bewegen. Um die Arbeit flinker zu machen, sind drei Arme c mit Körnerspitzen und Einstellhandrädern an einer Achse b vorhanden, so dass, während ein Klotz H in der Flüssigkeit gebürstet wird, ein zweiter von den Spitzen abgenommen und ein dritter zwischen die Spitzen gegeben werden kann.

Von Holzschleifern wird neuestens nach Berichten in der Papierzeitung, 1893, ein Flachschleifer von J. E. Christoph gern benutzt. Diese hübsche Ausführung vereint (Fig. 6 und 7) einige Neuheiten, auf welche auch schon 1892 285 146 ff. hingewiesen worden ist. Die ungünstige Beanspruchung, welche das Steinmaterial eines Flachschleifers gewöhnlicher Anordnung erfährt, sehen wir hier vermieden, indem ein Steinring A in einem gusseisernen Teller B befestigt ist, derart, dass der Stein in der ganzen Unterfläche vollkommen unterstützt ist. Die Presskästen Q befinden sich im Gehäusedeckel excentrisch (vgl. 1892 285 147) auf den Stellscheiben q, welche in jeder Lage durch Klemmschrauben festgehalten werden können und gestatten, die ganze Breite des Steinringes allmählich zum Schleifen zu benutzen, obwohl die Presskasten eine wesentlich kleinere Abmessung als jener besitzen. Das nothwendige Schleifwasser wird hier durch Rohr r, Ringrohr r1 und die radialen Rohre t mit entsprechenden Löchern geliefert.

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Interessant ist die Aufgabe gelöst, bei unveränderter Stellung der Pressen die Höhenlage des Steines entsprechend der unvermeidlichen Abnutzung zu regeln. Der Steinteller ruht nämlich auf einem Flansch b1 der Hülse D1, welche durch einen Querkeil im Längsschlitze d der Antriebswelle D drehend mitgenommen wird. Diese Hülse D1 geht nun durch das obere Halslager E mit Keilstellung und enthält die Schraubenspindel G, welche sich auf das obere Ende der Welle D stützt und mittels Gegenmutter g festgestellt werden kann. Durch entsprechende Bethätigung der Spindel G kann der Teller B und der Stein A gehoben werden, ohne dass eine weitere Vorkehrung zu treffen ist, damit derselbe in der neuen Lage gedreht werden kann. Diese Stellbarkeit des Steines bietet im Verein mit der Fassung desselben durch den Teller den Vortheil, dass der Stein bis auf eine geringe Dicke abgearbeitet werden kann. Den Uebergang zur Haupttransmission finden wir, wie so häufig, durch Kegelräder ausgeführt. Dabei ist das Kegelrad L, welches D zur Achse hat, mit ihr nicht unmittelbar, sondern durch einen konisch abgedrehten Mitnehmer verbunden. Durch Schraube O, Hebel N und Halsschelle M kann das Rad L rasch angehoben und dadurch die Verbindung mit der Haupttransmission unterbrochen werden. – Für das zeitweilige Nachschärfen ist die Schärfrolle bei S zu benutzen.

Für eine dieser Anordnung ähnliche (Fig. 8) hat Friedrich André in Hildesheim das D. R. P. Nr. 59989 erhalten, jedoch ist derjenige Patentanspruch, welcher die Stellung des Steines durch die Schraube G betrifft, auf |100| eine Klage von Christoph für nichtig erklärt worden. Indess verbleibt dem Patente die wichtige Neuerung, dass hier vollständig unter Wasser gemahlen wird, so dass anzunehmen ist, dass die abgeschliffenen Fasern theilweise im Wasser schwimmend aufsteigen und nicht unter folgende Pressen gelangen werden, wo sie todtgemahlen werden würden. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass ein, wenn auch vielleicht kleiner Theil des Schliffes ziemlich fest in den Vertiefungen des Steines haftet und energischer losgelöst werden muss. Zu diesem Zwecke mögen die gewöhnlichen Spritzrohre C vorgesehen sein, welche zeitweise wirken können. Für gewöhnlich tritt jedoch Wasser durch die Rohre R und R1 fortwährend am Boden des abgedichteten Kastens P1 zu, während der Schliff bei f oben abgeleitet wird.

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Das Todtmahlen des Schliffes zu verhindern, bezweckt nach amerikanischem Patent Nr. 469812 Clark Cornwell in Ypsilanti. Doch ist zu bezweifeln, ob die Abstreichleisten, welche er zwischen je zwei Pressen anwendet, dieses Ziel wirklich erreichen lassen. Werden sie nur etwas von der Schleiffläche entfernt gehalten, so nützen sie sicher nichts, liegen sie aber vollständig an, dann werden sie selbst geschliffen und nützen den Stein ungemein ab, ohne doch zu verhindern, dass der in den Steinvertiefungen befindliche Stoff todt gemahlen werde.

Textabbildung Bd. 292, S. 100
Einzelne Neuerungen betreffen Besonderheiten bei den Pressen. So wollen C. G. Nitzsche und Sohn in Schmiedeberg durch eine allerdings einfache Einrichtung der Presskästen ein Mittelding zwischen Längsschliff und Querschliff, nämlich Diagonalschliff erzeugen. Dies soll so erzielt werden, dass durch geeignete Leisten in den Presskästen oder auch durch entsprechend zugeschnittene Holzklötze, welche an den Wandungen der Presskästen liegen, die Hölzer mit ihrer Faserrichtung schief gegen die Drehungsebene zu liegen kommen (Fig. 9). Dies wird auch erreicht. Doch mag auf das hingewiesen werden, was schon 1890 275 531 über den vergleichsweisen Werth von Längs- und Querschliff gesagt worden ist. Deshalb mag auch der eben beschriebenen Einrichtung um so mehr nur ein fraglicher Werth zuerkannt werden, weil durch andere Einrichtungen, unter anderen auch durch den Schleifer von Christoph, dasselbe leicht erreicht werden kann.

Bei dem amerikanischen Patent Nr. 483458 von Alfred H. Lefebre in New York wirkt bei Wasserdruckpressen (Fig. 10) dann, wenn Druck gegeben werden soll, das Druckwasser auf den Kolben F, unter welchem eine Feder G angebracht ist, so dass diese mit dem Fortschreiten des Tellers A, unter welchem die Hölzer befindlich sind, zusammengedrückt wird. Soll die Presse neu beschickt werden, so wird mittels des Hahnes J die Druckwasserzuleitung unterbrochen, dagegen der Austritt des ober dem Kolben F befindlichen Wassers ermöglicht, die Feder G kann sich wieder ausdehnen und der Teller A wird so weit zurückgezogen, dass in die Presse neuerlich Holz einzulegen möglich ist. Die Länge der Feder G darf allerdings für die gangbaren Verhältnisse bezüglich Kolbenvorschub nicht unbedeutend sein.

Kaum glücklich kann der Gedanke im amerikanischen Patent Nr. 481174 von John T. Horton in Lowoille genannt werden. Hiernach soll der Vorschub des Tellers in der Presse durch Wasser von geeignetem Drucke, der Rückgang ebenfalls durch Wasser, jedoch von geringerem Drucke erzielt werden, so dass also zwei Accumulatoren nothwendig wären, was um so weniger angebracht ist, als der Druck für den Vorschub specifisch kaum grösser als etwa 0,5 at (bei den gangbaren Verhältnissen) sein müsste.

Textabbildung Bd. 292, S. 100
Die Beschickung der Pressen während des Ganges, ohne irgend eine Presse ausrücken zu müssen, erstrebt C. F. L. Fritzsch in Neuhammer nach D. R. P. Nr. 59477. Es sollen hierbei in den oben offenen Presskästen je zwei Riffelwalzen angebracht sein, welche das Holz erfassen und gegen den Stein drücken. Doch mag aus dem Grunde, wenigstens vorläufig, von einem näheren Eingehen abgesehen werden, weil nach den vorliegenden Erläuterungen nicht anzunehmen ist, dass wirklich in dieser Weise die Lösung der erwähnten Aufgabe, so wünschenswerth dies auch wäre, gelungen ist.

Eine Schaltung des Presskolbens mittels Excenter, welche auf der Schleifwelle sitzen, und Schalträdern finden wir im D. R. P. Nr. 70478 an Adolf Frederik Unger in Henriksholm. Wesentlich Neues bietet diese Construction nicht.

Eine Einrichtung, welche an den seinerzeit beschriebenen Holzschleifer von Schmidt (1890 275 530) erinnert, bietet D. R. P. Nr. 59619 von J. Rosenhauer in Schwarzenberg i. S. Es erhalten nämlich auch hier die Presskästen eine hin und her gehende Bewegung, und zwar hier senkrecht gegen die Drehungsebene des Steines. Im Uebrigen liegen die Pressen nicht radial, sondern etwas gegen den bezüglichen Halbmesser geneigt. Ob dadurch wirklich besserer Schliff erzielt wird, mag als fraglich hingestellt werden. Sicher scheint die schwierigere Montirung. Auch wird durch das Hin- und Hergehen der Presskasten der Schleifer nothwendiger Weise verwickelt, wie derjenige von Schmidt.

|101|

Als Schärfrädchen für die Steine werden neuestens gern solche benutzt, bei denen die Reihen der Zähne nicht parallel zu den Cylindererzeugenden, sondern schief gegen dieselben liegen, und zwar bei einem Rädchen gegen rechts, bei dem anderen gegen links abweichend. Der Zweck ist leicht einzusehen. Wird der Stein durch ein bestimmtes Rädchen beständig nachgeschärft, so springen die Schärfzähne erfahrungsgemäss immer wieder in die alten vorhandenen Vertiefungen. Benutzt man jedoch abwechselnd die eben erwähnten zwei Rädchen, so ist das nicht möglich und die Steinoberfläche wird besser ausgenutzt, weil dieselbe an der ganzen Fläche gleichmässig nachgeschärft wird. Zum besseren Verständniss sei eine Schärfeinrichtung mit Rädchen a bei einem wagerechten Schleifer der Maschinenfabrik Golzern (vgl. 1890 275 532) hier in Fig. 11 wiederholt, und Fig. 12 und 13 sollen einen Theil von Schärfrädchen der oben erwähnten Anordnung darstellen, wobei die Zahnreihen nach ab in Fig. 12 und nach a1b1 in Fig. 13 laufen.

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Für das Weiterverarbeiten des Schliffes empfiehlt sich erfahrungsgemäss der alte Kollergang. Seine gerade für diesen Zweck wohlangebrachte Arbeitsweise, das Zerquetschen, Zertheilen der Faserbündel, so dass dieselben hauptsächlich in ihrer Längsrichtung zerfallen, lässt es begreiflich erscheinen, dass man diesen Apparat gern dazu benutzt, um sehr grob gewordenen, z.B. Abfallschliff, der im Holländer schlecht gemahlen wird, zu verfeinern bezieh. gut mischbar mit anderen Faserstoffen zu machen.

Textabbildung Bd. 292, S. 101
Einen ähnlichen Zweck, zu grob gerathenen Schliff zu verfeinern, erfüllen die Raffineure. Ein solcher, der in seinem Bau dem bekannten Centrifugalholländer ungemein ähnelt, ist an E. Nacke in Kötitz mit D. R. P. Nr. 69077 patentirt worden. Wir erkennen in Fig. 14 als unmittelbar arbeitende Organe den festen Bodenstein d im Deckel f eines gusseisernen Gehäuses e und den mit der Welle a durch einen Teller b verbundenen drehbaren Läufer c. Für den vorliegenden Zweck ist der richtige Steinabstand, sowie eine gewisse Nachgiebigkeit für den Fall, dass verhältnissmässig grosse Stücke zwischen die Steine gerathen, wesentlich. Dies ist hier dadurch erreicht, dass die Welle a in ihrer Längsrichtung durch die Schrauben v und w verstellbar ist. Während aber v, einmal eingestellt, nicht weiter nachgibt, stützt sich die Schraube w durch die Mutter o und den im Gestelle geführten Teller q an die Feder k, welche sich ihrerseits an einen Gestelltheil l lehnt. Hat man die Steine richtig eingestellt und kommt nun eine gröbere Partie aus dem Einlaufe bei h zwischen dieselben, so wird der Läufer c gegen links gedrückt, weil die Feder k das Nachgeben gestattet. Dabei halten die Theile m und n die Schrauben in der Nähe der Stirnflächen der Welle, um zu verhüten, dass die Spurzapfentheile etwa verbogen oder verklemmt werden. In der Figur nicht angedeutete Stellschrauben ermöglichen es, mit m und n in dem Maasse nachzurücken, als es durch die Abnutzung der Steinoberflächen bezieh. durch das Nachschrauben von v und w nothwendig gemacht wird. Der raffinirte Stoff fliesst endlich gegen den Auslauf g.

An Sortirapparaten, welche besonders für Holzschliff gebaut sind, ist kaum etwas zu erwähnen. Es sei diesbezüglich auf die Apparate zum Sichten von Zellstoff und auf Knotenfänger verwiesen, welche ja in vieler Beziehung eine ähnliche Einrichtung besitzen.

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Zur Entwässerung, die bekanntlich gern für den Holzschliff mechanisch auf Cylindersiebmaschinen vorgenommen wird, welche denselben in einer Art Pappe abliefern, sei ein amerikanisches Patent Nr. 483847 von Gustav L. Jäger in New York hervorgehoben. Der bezügliche Apparat gibt den entwässerten Papierstoff in Strangform. Wir bemerken in Fig. 15 im Troge T mit Papierstoff eine Pumpe P, welche denselben mit dem Verdünnungswasser ansaugt und in ein Siebrohr A drückt. Dieses muss offenbar derart fein sein, dass es wohl das Wasser, jedoch nicht den Stoff austreten lässt. Denken wir uns nun den Hals des Siebrohres oben bei C geschlossen, während die Pumpe Stoff liefert, so wird Wasser durch die Sieböffnungen gepresst, während der wasserarme Stoff gegen C gedrängt wird. Eröffnen wir nun bei C, indem wir die Rohrwandtheile durch ein elastisches Band bei C zusammenhalten, so schiebt die nachgepumpte Masse den schon ziemlich entwässerten Stoff in einem Strange d hinaus. Weil dieser dabei einen Widerstand äussert, so soll dadurch genügend Gegendruck entstehen, damit continuirlich das Wasser durch die Sieböffnung, der entwässerte Stoff bei C auszutreten gezwungen wird. Der Apparat hat manche Aehnlichkeit in seiner Wirkungsweise mit den 1892 286 154 beschriebenen Maschinen zur Herstellung gepresster Gegenstände aus Papierstoff. Ob jedoch dieser Apparat und die Form, in welcher er den entwässerten Papierstoff liefert, im Stande sind, den oben erwähnten Siebcylinder- oder auch Langsiebmaschinen und ihren Producten von für den Versandt wesentlich günstigerer Gestalt den Rang abzulaufen, ist sehr fraglich.

Was die Anlage von Holzschleifereien anbelangt, so sollte man meinen, dass durch die Nothwendigkeit der einzelnen Apparate und des möglichst einfachen Transportes des Stoffes die Einrichtung kaum Aenderungen zulässt. |102| Und doch kommen so viel verschiedene Arten von Holzschleifereien vor, die sich allerdings oft nur durch Einzelheiten, wie sie die verschiedenen Systeme der angewendeten Maschinen bedingen, unterscheiden. Darin ist auch hauptsächlich der Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Anlagen zu suchen. Letztere sind aber doch meistens einfacher. Das rührt daher, dass verwickeltere Sortirapparate und Raffineure, welche in Europa vielfach als nothwendig angesehen werden, in Amerika häufig weggelassen werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 102

Es wird dort von der Erwägung ausgegangen, dass Holzschliff ohnehin nur zu sehr minderwerthigen Papieren tauglich ist, so dass es gar nicht darauf ankommt, ob derselbe feiner oder gröber, gleichmässig oder ungleichmässig ist. Das hat gewiss manches für sich und erlaubt bei der Anlage an Platz und Kosten merklich zu sparen. Eine solche Anlage ist in ihrer Einrichtung in den Fig. 16, 17 und 18 nach einer Veröffentlichung in der Papierzeitung, 1892, im Maasstabe 1 : 445 wiedergegeben. Im Raume A sind die Vorbereitungsmaschinen, wie Sägen, Rindenschäler, Bohrer u. dgl. befindlich. Die vorbereiteten Hölzer werden im Raume B verschliffen. Die Schleifer besitzen eine gemeinsame Welle, welche durch die Turbine bei K mittels Kegelradübersetzung gedreht wird. Der Schliff sammelt sich in der Cementrinne C, indem er vorerst auf ein Sieb auffliesst, welches etwa 10 cm über dem Rinnenboden angebracht ist und die Splitter u. dgl. zurückhält, so dass dieselben nicht mit dem brauchbaren Stoffe in die Rührbütte D gelangen können. Aus dieser schafft die Pumpe E den Stoff durch den Vertheilungskasten F, wo derselbe durch das zugepumpte Abwasser der Entwässerungsmaschine H verdünnt wird, auf diese, von welcher der Stoff in Pappenform abgenommen wird. Bemerkt sei noch, dass von der Schleiferwelle durch Riemen die Transmissionswelle L angetrieben wird. Von dieser wird die Kraft für die noch weiter zu bewegenden Apparate, die Entwässerungsmaschine H, die Pumpe J, welche das nothwendige Schleifwasser in einen Accumulator schafft, u. dgl. abgeleitet. Bei der beschriebenen Anlage wird eine Rohrturbine von 300 effectiven benutzt. Hiervon beanspruchen die drei Schleifer für eine tägliche Production von 4 t lufttrockenen Stoffes 280 , während die Hilfsapparate 20 brauchen.

(Fortsetzung folgt.)

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