Titel: Neuere Maschinenelemente.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 127–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292039

Neuere Maschinenelemente.

(Fortsetzung des Berichtes S. 107 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

2) Röhren und Röhrenverbindungen.

Schutz der Röhren gegen Rost. Röhren sind bekanntlich in vielen Fabrikbetrieben verderblichen chemischen Einflüssen ausgesetzt, die vom Betriebe nicht wohl zu trennen sind. Einer der gefährlichsten Feinde ist die Asche des Brennmaterials, die meistens als Ausfüllmaterial verwendet wird und fast in jedem Betriebe ihre verderbliche Wirkung ausübt. Das Theeren der Röhren und das vielfach angewandte Einschlagen in fetten Lehm ist nicht immer von Erfolg begleitet. Bei der Wichtigkeit der angeregten Frage lassen wir im Nachstehenden einen Vortrag folgen, den Prof. Weber im Märkischen Verein von Gas- und Wasserfachmännern über die Einwirkung der Bodenbeschaffenheit auf eiserne Röhren gehalten hat, und von dem Stahl und Eisen nachstehenden kurzen Auszug gibt:1)

„Sehr heftig corrodirend wirkt Schwefelwasserstoff unter Mitwirkung von Luft, indem das leicht sich bildende Schwefeleisen von dem Sauerstoffe in Metalloxyd umgewandelt wird.

Interessante Beobachtungen an einer Rohrleitung für schwefelhaltiges Mineralwasser beschrieb Prinotznik. Es hatten sich Schichten gebildet, von denen die innere im Wesentlichen aus braunrothem Oxyd bestand, das von einer Schwefeleisen einschliessenden Schicht umschlossen war.

Die Verrostung sehr befördernd wirken Salzlösungen, selbst in verdünntem Zustande. Namentlich besitzen die leicht löslichen Chlorsalze der Alkalien und Erden (Kochsalz, Chlormagnesium, Chlorkalium) diese Eigenschaft in hohem Grade. Der Zutritt reichlicher Mengen Luft beschleunigt dabei wesentlich den Oxydationsvorgang. Aber selbst bei geringem Luftwechsel tritt eine Oxydbildung ein. So erwähnt Berzelius, dass eiserne Geschützrohre, welche bei Carlscrona während 50 Jahren im Meer versunken gewesen, zu ⅓ ihrer Masse in einen grauen, graphitähnlichen Körper verwandelt waren.

Höchst energisch oxydirend wirken auf das Gusseisen Wässer ein, welche Salpeter- und salpetrigsaure Salze enthalten und von Ammoniaksalzen begleitet zu sein pflegen. Der Vortragende bezieht sich auf zwei ihm bekannt gewordene Fälle.

1) An den Eisentheilen eines zum Betrieb einer Heisswasserheizung dienenden, mit Brunnenwasser gespeisten Ofens war nach kurzer Zeit eine auffallend heftige Oxydationswirkung eingetreten. Als später der Heizofen mit Wasserleitungswasser gespeist wurde, war der vordem beobachtete Angriff des Eisens nicht mehr bemerkbar.

2) Bei dem Röhrennetz eines Gas- und Wasserwerkes hatte sich gezeigt, dass gusseiserne Rohre an mehreren Stellen in mangelhaftem Zustand waren. Es ergaben sich bei näherer Untersuchung in Reihen auftretende Durchlöcherungen, die eigenthümlicher Weise sich nur an den nach oben gekehrten Flächen der Röhren zeigten. Die meisten in der Richtung der Röhren gestreckten Oeffnungen waren verschieden gross: es zeigten sich mehrere bis 10 Zoll Länge. Eigenartig waren die Randtheile dieser Oeffnungen beschaffen, denn das Eisen war daselbst in eine graubraune Substanz, aus hydratischem Eisenoxyd bestehend, übergegangen, die beim Schneiden einen metallischen Glanz annahm.

Die Beschädigungen des Eisenmaterials waren sowohl bei Gasleitungsröhren von 5 bis 6 mm Wanddicke, als auch bei Wasserröhren von 10 mm Dicke bei 0,12 m Durchmesser vorhanden. Erstere Röhren waren vor 10, letztere vor 15 Jahren verlegt worden. Die Erscheinung erklärt sich lediglich aus der Beschaffenheit des Terrains bezieh. des Grundwassers. Die Durchrostung der nach oben gewendeten Rohrflächen lässt darauf schliessen, dass das von oben kommende unreine Wasser, dessen Gehalt an Schwefelsäure zu 0,748 g und an Salzsäure zu 0,668 g auf 1 l (neben Salzen der Alkalien) angegeben wird, die in Rede stehende Wirkung ausgeübt hat.

Auf die Mittel zur Verhütung der Corrosion eingehend, hebt Redner hervor, dass die Umkleidung der Rohre mit einer dichten Thonschicht guten Erfolg verspricht. Auch ein Asphaltanstrich sei günstig; Cementumkleidungen stellen weniger Erfolg in Aussicht. Das sicherste Mittel wäre die Umgebung der eisernen Röhren an solchen Stellen mit Thonröhren.“

In der auf den Vortrag folgenden Besprechung erwähnte ein Herr die schädliche Einwirkung der Schlackenwolle auf schmiedeeiserne Röhren. Die Zerstörung beruhe hier hauptsächlich auf dem Vorhandensein von Chlorcalcium. In betreff des Schutzes gegen Rost empfiehlt derselbe einen Graphitanstrich der Rohre, und noch bessere Ergebnisse habe er mit einem Anstrich von in Firniss aufgelöstem Mangankitt gemacht.

Fast noch verderblicher sind den Rohrleitungen und insbesondere den leichter rostenden Verbindungsschrauben, die ja in den meisten Fällen aus Schmiedeeisen hergestellt sind, manche Grubenwässer oder auch das Seewasser. Will man in solchen Fällen nicht zu anderem Material übergehen, wie es uns in gewissen Legirungen geboten ist, so ist es unumgänglich nothwendig, ein Schutzmittel zu gebrauchen. In solchen Fällen, in denen ein rasches Lösen der betreffenden Theile erforderlich werden kann, haben wir halbfeste Fette mit Graphit gemischt bewährt gefunden, jedoch verlangt dieses Mittel eine vollständig trockene Oberfläche während des Aufstreichens. Versuche mit Mannocitin haben gute Ergebnisse geliefert und würden sich eingehendere Versuche mit demselben empfehlen.

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Rohrverbindungen. Fast jeder Monat bringt neue Anmeldungen und Berichte von Patenten, die sich auf Rohrverbindungen beziehen. Wir werden nur die uns wichtiger erscheinenden aus der grossen Menge herausgreifen.

Der Civilingenieur H. Marini bringt in Le Génie Civil eine ihm vor längerer Zeit patentirte Rohrverbindung in Erinnerung, da sich dieselbe gut bewährt habe. Nach Fig. 17 besteht die Verbindung aus einem über die glatten Rohrenden geschobenen Rohrstück A, an dessen beiden Enden Kautschukringe B gelegt sind. Diese Theile werden von zwei Flanschenscheiben C mittels der Schrauben D zusammengepresst und so ein dichter Schluss bewirkt.

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Die unter D. R. P. Nr. 64013 vom 30. December 1891 an E. Schwoerer in Colmar, Elsass, patentirte Flanschendichtung mit Kitt und eingelegtem Metallring (Fig. 18) wird durch einen zwischen die Flanschen geklemmten Ring mit rauten- oder linsenförmigem Querschnitt C bewirkt. Die erforderlichenfalls gespaltenen Schneiden desselben legen sich in Ringnuthen der Flanschen ein. Der zwischen den Flanschen vorhandene Raum wird mit Kitt gefüllt, dessen Einpressen in das Rohrinnere durch einen zweiten in Ausdrehungen der Flanschen gelegten Ring d oder durch eine dünne rohrförmige Verlängerung des einen Rohres, welche in eine entsprechende Erweiterung des anderen Rohres passt, verhindert wird.

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Die Röhrenverbindung von John Mc Intyre in Jersey City (Amerikanisches Patent Nr. 503432 vom 15. October 1882), Fig. 19, hat an den Enden der Röhren aussen Schraubengewinde und ringförmige Vertiefungen, die zusammen mit den Aushöhlungen e der auf die Rohrenden aa1 aufgeschraubten Muttern bcc1 einen ringförmigen Raum bilden, der mit Dichtungsmaterial angefüllt ist. Die aufgeschraubte Mutter b dient ausserdem zum Zusammendrücken des Dichtungsmaterials, damit eine möglichst dichte Verbindung entstehe. Die beiden Röhren sind mittels der Mutter d gekuppelt, welche sich beim Aufschrauben auf die Mutter c1 gegen einen Vorsprung der Mutter c legt und dadurch beide Muttern fest mit einander verbindet.

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Bei der Rohrverbindung von Ferdinand Weipert in Heilbronn (D. R. P. Nr. 68496 vom 4. October 1892), Fig. 20, erhält das eine Rohr a an der Verbindungsstelle eine innen ringsum laufende rinnenförmige Aussparung, welche nach dem Zusammenschrauben beider Rohre mit Weichmetall ausgegossen wird, worauf der so gebildete Weichmetallring a1 durch Schrauben d angepresst wird.

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Bei einer Dückeranlage durch die Yssel bei Zwolle ist nach Le Génie Civil eine Sicherheitsmuffe zur Verwendung gekommen, deren Einrichtung aus Fig. 21 erhellt. Die Rohrleitung hat einen lichten Durchmesser von 305 mm. (Vgl. Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung, 36. Jahrg. S. 347.)

Die biegsame Rohrverbindung von J. G. Falcon in Evansville, Ill. (Fig. 22), ist so angeordnet, dass sie in keiner üblichen Stellung die Durchflussöffnung verengt und ausserdem eine grosse Dichtungsfläche besitzt. Sie erträgt nach Engineering and Mining Journal vom 1. Juli 1893 über 14 at Druck. (Vgl. 1893 287 * 12 und * 38.)

Eine wegen der bedeutenden lichten Weite von 1372 mm bemerkenswerthe bewegliche Rohrverbindung ist nach Eng. News von R. Hill bei dem Bau des Wasserwerkes in Syrakuse (Nordamerika) zur Anwendung gekommen.

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Es handelte sich dabei um die bewegliche Verbindung genieteter Stahlrohre, bei einer Gesammtlänge der Leitung von 1952 m. Die von Carnegie, Phipps und Co. in Homstead gelieferten Platten waren 89 mm dick, 1830 mm lang und so breit, dass man bei 63,5 mm Ueberlappung den gewünschten Rohrdurchmesser erhalten konnte. Die Anfertigung der Rohre wurde von der Croton Bridge and Manufacturing Co. in Croton, N. Y., in der Weise ausgeführt, dass fünf von den oben beschriebenen Stahlplatten teleskopartig verbunden und zu Rohrstücken von 8896 mm Länge zusammengenietet wurden. Diese einzelnen Längen wurden verstemmt, untersucht, mit Asphalt angestrichen und an den Bestimmungsort, das Ufer des Skaneateles-Sees, verfrachtet, woselbst je vier Längen zu einem Stück von etwa 35,38 m Länge vereinigt wurden. An einem Ende dieses Stückes (Fig. 23) wurde ein stählerner Ring A von 66,6 × 19 mm angenietet, während man das andere Ende mit einem gusseisernen Ring H versah. Neben dem angenieteten Ring befand sich noch ein beweglicher schmiedeeiserner Reifen B von 25,4 × 22,2 mm; der Raum zwischen Ring und Reifen wurde durch ein weiches Bleirohr K ausgefüllt (Fig. 24). Der gusseiserne Ring H hatte 20 stählerne Hakenschrauben J, die nach erfolgtem Ineinanderstecken der entsprechenden Rohrenden mittels Muttern N angezogen wurden. Die Haken J drückten dabei gegen den Reifen und dieser seinerseits gegen das Bleirohr |129| K, auf diese Art eine einfache und sichere Dichtung zwischen L und M bildend.

In die ganze Leitung wurden sieben bewegliche Verbindungsstücke eingeschaltet, die, wie Fig. 23 zeigt, aus Blechen F, - und Winkeleisen D hergestellt waren. Die Beweglichkeit wurde in der Weise erreicht, dass eine mit Blei ausgefüllte Pfanne D auf einer abgedrehten gusseisernen Kugelzone C glitt und eine Biegung von 12° nach jeder Richtung hin gestattete. Die erforderlichen Bleche waren Flusseisenbleche von 38,7 bis 45,7 k/qmm Festigkeit.

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Die von Wirtz und Co. in Schalke, Westfalen (D. R. P. Nr. 72679), angegebene Wetterluttenverbindung (Fig. 25) lässt die beiden Luttenenden stumpf vor einander stossen und verbindet sie mit einem federnden, innen mit einer Dichtung versehenen Klemmbande mit einander. Das Klemmband wird mittels eines Keiles fest angezogen. Die Verbindung ist einfach und bequem, erschwert nicht das Auswechseln einzelner Luttentheile und ist dichter und glatter als die Verbindung der Luttenenden durch Ineinanderschieben.

Eine Kuppelung für ein bewegliches Rohr ist J. Thompson in London durch das englische Patent Nr. 20868 vom 17. November 1892 patentirt worden. Von den zugehörigen Fig. 26 bis 28 ist Fig. 26 Längsansicht und Längsschnitt zur Verbindung zweier Rohrenden, Fig. 28 ist die Ansicht des dreitheiligen Stückes B, während Fig. 27 die Verbindung eines Schlauches mit einem festen Rohre darstellt. Die Mutter A fasst mit ihrem konischen Ende C über die entsprechende Verdickung des dreitheiligen Stückes B, zieht dasselbe fest und presst damit das Rohr E fest auf das feste Einlagerohr F. Zum Anziehen dient die Sechskante G des Mittelstückes in Verbindung mit Mutter A. Die an dem festen Rohr angewandte Verbindung (Fig. 27) ist der beschriebenen ganz ähnlich und ohne weiteres verständlich.

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Es sei an dieser Stelle das D. R. P. Nr. 63341 vom 25. October 1891 erwähnt, das von W. Daehr in Berlin angegeben ist und zum Antreiben der Bleidichtung bei Muffenrohrleitungen durch Pressen und zugehöriges Werkzeug dient. – Das Zusammenpressen der Bleidichtung b (Fig. 29) bei eisernen Muffenrohrleitungen geschieht mittels einer Hebelvorrichtung. Es kann dazu ein einarmiger Hebel A mit besonderem Stempel B verwendet werden, um durch den Druck der Hand einen im Verhältniss der Hebellänge vergrösserten Druck auszuüben.

Zum Centriren von Flanschendichtungen benutzt J. Roller in Frankfurt a. M. eine Vorrichtung (D. R. P. Nr. 65507), bei der die Dichtung in einen dünnen Kupferring gefasst ist, der mittels schmaler Blechstreifen bezieh. mittels eines Drahtreifens von der Aussenseite der Flansche anstellbar ist, so dass die Flanschendichtung genau in die Mitte der Rohrleitung fällt. Die Ringe werden für eine lichte Weite von 25 bis 200 mm mit 5 mm, von 200 bis 500 mm mit 10 mm steigend geliefert.

Textabbildung Bd. 292, S. 129
In Nr. 11 des 36. Jahrganges des Journals für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung macht G. Oesten in Berlin einige bemerkenswerthe Mittheilungen über Rohrverbindungen, wie sie seit längerer Zeit bei den städtischen Wasserwerken in Berlin sich bewährt haben, und über deren Herstellung. Wir entnehmen aus seinen Mittheilungen Nachstehendes:

Zunächst erwähnt sei eine Verbindung stumpf an einander stossen der Enden von Gusseisenrohren, denen aber ein gewisser Spielraum gegeben ist und an welche die besondere Anforderung gestellt wird, dass sie eine leichte Auswechslung der eingebundenen Leitungstheile als Wassermesser, Rückschlagventile u.s.w. gestatte, dass sie also leicht lösbar und leicht wiederherstellbar sei. Der wesentliche Theil dieser Verbindung ist ein Bleiring, der sich über die zu schliessende Rohrfuge schieben lässt und aus einem Ende gewöhnlichen Bleirohres von 25 bis 40 mm lichtem Durchmesser hergestellt ist. Das Bleirohrende ist platt gedrückt, so dass die inneren Wandflächen an einander liegen, ringförmig zusammengebogen und an der Stossfuge zusammengelöthet. In dieselbe ist als Nabelrohr ein kleines Zinnrohr eingelöthet. Presst man in das letztere mittels einer kleinen hydraulischen Schraubenpresse Wasser in den doppelwandigen Bleiring hinein, so wird derselbe dadurch aufgetrieben werden. Der Bleiring ist durch eine zweitheilige gusseiserne Schelle gefasst, deren Höhlung er ausfüllt; mit seiner inneren Fläche dagegen wird er auf die zu schliessende Fuge und in dieselbe, sowie in die in beide Rohrenden eingedrehte oder eingegossene Nuthe hineingepresst (Fig. 30). Um etwaige Unebenheiten auf den Rohrenden hierbei leichter auszugleichen, wird die Dichtfläche mit etwas Mennigekitt bestrichen. Der erforderliche Druck beträgt 50 bis 100 at. Nach erfolgter Pressung wird das Nabelrohr durch eine Schraubenzwinge zusammengedrückt und dadurch geschlossen. Die Verbindung wird gelöst, indem man die Schelle abnimmt und den Bleiring durchschneidet. Sie wird bei den städtischen Wasserwerken für Rohrdurchmesser von 50 bis 150 mm angewendet und entspricht allen Anforderungen.

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Der von allen Seiten gleichmässig auf den verbindenden und dichtenden Körper wirkende hydraulische Druck wird |130| auch zur Verbindung von Bleiröhren mit Messingrohrstücken, sowie von Messingröhren unter einander nutzbar gemacht und eignet sich besonders zur Verbindung schwachwandiger Röhren aller Art.

Textabbildung Bd. 292, S. 130
Bevor ich auf diese Rohrverbindungen eingehe, möchte ich eine brauchbare Bleirohrverbindung beschreiben, welche von Smith and Cooper in Manchester herrührt und hier angewendet ist. Dieselbe besteht aus einer Bleimuffe (Fig. 31) mit Rechtsund Linksmuttergewinde, in deren Mitte eine Lederscheibe liegt. Durch das Aufschrauben der Mutter werden die vorher gerade und glatt geschnittenen Enden gegen einander gepresst, indem sie die abdichtende Lederscheibe zwischen sich nehmen. An Bleirohrenden kann man auf der Baustelle das erforderliche Gewinde in bekannter Weise erzeugen.

Die bisher bei den Berliner Wasserwerken fast ausschliesslich zur Anwendung gekommene Bleirohr Verbindung, die sogen. Lappenlöthung, welche bekanntlich entsteht, indem man das eine Ende Bleirohr etwas auftreibt, das zu verbindende andere Rohrstück hineinsteckt, alsdann beides mit dem flüssigen Loth mittels einer Kelle übergiesst und, indem das Löthmetall erkaltet und breiartig wird, dieses mit dem Lappen in die Fuge streicht und um dieselbe zu einem Wulst formt, ist in mancher Beziehung mangelhaft. Einmal fliesst das Loth leicht durch die Fuge in das Rohr und verengt den Querschnitt desselben, indem es darin erstarrt. Einzelne Lothtropfen werden durch den Wasserstrom fortgeführt und bringen Störungen in den Ventilen der Leitung hervor. Die Verbindung besitzt geringe Festigkeit in der Längsrichtung, wird beim Biegen des Rohres leicht undicht und die Löthmasse ist zuweilen porös. Auch sind zur Ausführung der Verbindung viele Geräthe und Materialien erforderlich.

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Einfacher, mit geringem Aufwand an Material und Geräth herzustellen, dabei fester und zuverlässiger in der Dichtung, erweisen sich die mittels hydraulischen Druckes hergestellten Verbindungen (Fig. 32a, b, c). Bei denselben haben alle Messingzapfen einen vorstehenden scharfen Rand, der übrigens auch für die Herstellung von Lappen- und Kelchlöthungen nützlich ist. Die Löthzapfen sind mit einem leichtflüssigen Loth (8 Th. Wismuth, 5 Th. Blei, 3 Th. Zinn, Schmelzpunkt 95°) dünn verzinnt. Es wird nun nur das Bleirohrende mit dem Auftreiber aufgetrieben, auf den mit Rand versehenen verzinnten Löthzapfen aufgeschoben (Fig. 32c), mittels der Wasserdruckzange fest auf denselben aufgepresst (Fig. 32a und b) und die Verbindung mittels einer Löthlampe auf etwa 100° C. angewärmt.

Die Wasserdruckzange (Fig. 33 und 34) besteht im Wesentlichen aus zwei doppelwandigen Gummibacken a und b, welche je einen kurzen Nabel mit der Eingangsöffnung in den Innenraum besitzen. Die Gummibacken sind in Metallbacken, welche durch ein Scharnier verbunden sind, eingepasst und nach Bestreichen ihrer Aussenfläche mit einer Kautschuklösung lose in dieselben eingesetzt. Die Nabelöffnungen passen auf die Kanäle in den Backen, deren eine die zugleich als Handgriff dienende cylindrische Verlängerung mit der hydraulischen Schrauben presse trägt. An der dem Scharnier entgegengesetzten Seite sind beide Backen durch die an der einen derselben, um einen Zapfen drehbar, befestigte eiserne Schraubzwinge verbunden. Beim Gebrauch des Werkzeuges wird die Schraubzwinge gelöst; die geöffneten Backen umfassen die Verbindungsstelle und werden durch Umlegen und Anziehen der Schraubzwinge auf derselben in der beabsichtigten Stellung festgehalten. Es wird dann der Presskolben in den Cylinder hineingeschraubt. Die in letzterem enthaltene Flüssigkeit tritt durch die Kanäle in die Gummibacken und überträgt mittels derselben den erhaltenen Druck gleichmässig von allen Seiten auf das Bleirohr, welches dadurch fest auf das zu verbindende Rohrstück aufgepresst wird. Hierbei drückt sich der an dem Rohrzapfen, Hahn u.s.w. befindliche scharfe Rand in das Bleirohr gleichmässig ein. Die freigelegte Verbindungsstelle wird nun mit der Löthlampe bis 100° bezieh. 116° C. angewärmt. Auf diese Weise wird eine feste und dichte Verlöthung und eine dünne Fuge erzielt, und die so hergestellte Bleirohrverbindung übertrifft alle bisher bekannten an Festigkeit und Dichtheit, sowie an Einfachheit und Billigkeit.

Textabbildung Bd. 292, S. 130
Die Verbindung schwachwandiger Messingröhren, ebenso Kupfer- und Stahlröhren unter einander und mit anderen Rohrstücken wird nach dem vor beschriebenen Verfahren mittels der Wasserdruckzange sehr einfach und befriedigend durch Anpressen und Verlöthen einer Bleimuffe bewirkt.

Ueber einen neuen Bremsschlauch von Volpi und Schlüter finden sich in Glaser's Annalen vom 1. März 1893 einige bemerkenswerthe Mittheilungen. Bekanntlich werden an Gummischläuche für Eisenbahnbremsanlagen hohe Ansprüche bezüglich ihrer Haltbarkeit gegen Druck gestellt, da aber weder in der Verarbeitung, noch in der Güte des Gummis |131| Fortschritte von Belang gemacht worden sind, auch noch kein wirksamer Schutz gegen die schädliche Wirkung des Fettes auf Gummifabrikate aufgefunden ist, so sind die Vorschläge der angeführten Firma der Beachtung werth.

Der in Rede stehende Schlauch ist mit einer Innenseele aus Leder und einer Spiralfedereinlage, welche die Mitbiegung des Lederrohres bezweckt, hergestellt, im Uebrigen aber nach Art der bis jetzt am meisten gebräuchlichen Gummischläuche gefertigt. Um Schläuche zu bilden, werden Gummiplatten um einen Dorn gerollt, die mit Gummilösung getränkte Leinwand wird ebenfalls umgerollt, bis der Schlauch die gewünschte Wandstärke besitzt. Durch das Vulkanisiren wird dann das Ganze zu einer festen Masse vereinigt. Das Lederrohr, mit einer von innen her verdeckten Naht hergestellt, wird durch Oel nicht angegriffen, da das Leder alles Fett aufsaugt und durch dasselbe erst recht geschmeidig erhalten wird. In wie weit das Fett durch das Leder hindurch auf den Gummi einwirken wird, muss der Versuch noch ergeben.

Jedenfalls ist anzunehmen, dass geringe Fettmengen von dem Leder aufgenommen werden, also nicht in dem Maasse schädlich wirken können, als wenn sie unmittelbar den Gummi treffen. Ferner lässt sich erwarten, dass ein lappenartiges Loslösen der innersten Schicht nicht eintreten kann, da das Leder sich nicht spaltet. Wenn also im Innern des Rohres eine Spiralfeder dafür sorgt, dass der Schlauch offen gehalten wird, so dürfte die grösstmögliche Sicherheit gegen Verstopfung erreicht sein. Derartige Schläuche sind mit 20 at Druck geprüft, ohne dass sie Veränderungen erlitten hätten. Es wäre damit die vierfache Betriebssicherheit erreicht, wenn man annimmt, dass bei der Einkammerbremse der Luftdruck bis zu 5 at steigen kann. Die Spiralfeder ist mit Spannung in das Lederrohr eingebracht, so dass sie sich ohne Gewalt nicht verschieben lässt; es wird jedoch von der Fabrik empfohlen, diese Schläuche erst dann auf ihre Biegsamkeit zu prüfen, nachdem die Kuppelungsstücke an beiden Enden eingesteckt und mit gut abgerundeten Schellen befestigt sind. Sobald die Anschlusstutzen angebracht sind, ist eine Verschiebung der Feder ausgeschlossen. Mit Wasserdruck sollen die Schläuche nicht geprüft werden, da das Leder durch das Nasswerden leidet. Bei mehreren Eisenbahn Verwaltungen sind solche Schläuche probeweise in Benutzung genommen, und man wird abwarten müssen, wie sich dieselben bewähren, da in diesem Falle alles auf das Ergebniss einer längeren Benutzung im Betriebe ankommt.

(Fortsetzung folgt.)

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Näheres im Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung, 1893 S. 552.

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