Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 145–148)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292044

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von diplom. Ingenieur Alfred Haussner.

(Fortsetzung des Berichtes S. 121 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Ganz auf ähnlicher Grundlage ruht das Verfahren von Adolf Suelzer in Monfaurat nach D. R. P. Nr. 71048. Auch hier wird die in den Abgasen eines fertigen Kochers vorhandene Schwefligsäure und auch deren Wärme dadurch ausgenutzt, dass die Abgase nach beendeter Kochung in einem Kocher in einen zweiten, allenfalls dritten Kocher einer Batterie abgelassen werden, in welchen sich noch schwächere Lauge befindet, mit der zu kochen begonnen wird. Ueberdies sind Ober- und Unterseite der stehenden Kocher durch eine mit geeigneten Ventilen ausgestattete Rohrleitung so verbunden, dass durch eine zur Anlage gehörige Pumpe eine Laugencirculation eingeleitet werden kann, derart, dass die Lauge unten abgesaugt und oben im Kocher wieder durch eine Brause aufgeschüttet wird. Alles in allem mag diese Anordnung als eine Vervollkommnung der eben vorerwähnten bezeichnet werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 145
Nach dem Verfahren von Joshua Norton in Chatam (Amerikanisches Patent Nr. 496275) sollen Säge- und Hobelspäne gut verarbeitet werden. Die Ursache des bisherigen Misslingens derartiger Kochungen sucht Norton darin, dass hauptsächlich in der Mitte des Kochers die Späne sich zusammenballen und derart der Einwirkung der Laugen widerstehen. Dem soll nun in einem Drehkocher (Fig. 30) mit Mannloch P und Ventil f durch die rinnenförmig gestaltete, nach einem Durchmesser gelegte Platte c, sowie durch ein fast bis in die Mitte des Kochers gehendes Dampfrohr d mit Brause d1 abgeholfen werden. In der That kann sehr wohl angenommen werden, dass der durch d1 einströmende Heizdampf selbst die Masse um den Mittelpunkt gut durchdringt und dadurch voraussichtlich auch der Lauge den Weg einigermaassen eröffnet, weil eben die Masse mehr aufgelockert ist. Dagegen mag es wohl fraglich sein, ob die Platte c in dem gefüllten Kocher mehr nützt, als gerade dem Ende des Heizrohres eine Stütze zu bieten. Gute Cellulose aus Sägespänen herzustellen, dürfte aber auch nach diesem Verfahren nicht gelingen, einfach deshalb, weil dieselben die Holzfaser schon zu weit zerkleinert enthalten. Eher wird dies begreiflicher Weise noch mit den Hobelspänen gehen.

Dämpfen des Holzes, bevor es der eigentlichen Kochung unterworfen wird, ist als wesentlich bei zwei Verfahren hingestellt; dass dies eine Neuheit sei, darf allerdings nicht behauptet werden. Nach amerikanischem Patent Nr. 474944 an Norman H. Brokaw in Kaukanna soll durch Dämpfen während 3 bis 4 Stunden bei 138° C. auch sehr harzhaltiges Holz so vorbereitet werden, um nach dem Sulfitverfahren in Zellstoff gut verwandelt werden zu können, während sonst die erwähnte Holzgattung immerhin Schwierigkeiten verursacht. – Nach dem D. R. P. Nr. 62376 von Oskar Schmidt in Berlin wird durch das Dämpfen hauptsächlich das Austreiben der Luft aus den Poren erstrebt, was noch durch eine Luftpumpe, welche im Kocher ein Vacuum erzielt, unterstützt werden soll. Dann erhofft der Erfinder schon von kalter Sulfitlauge eine wesentliche Einwirkung auf das Holz. Diese soll in die feinsten Haarröhrchen dadurch getrieben werden, dass ein ziemlich bedeutender specifischer Druck stossweise sich ändert, indem Sulfitlösung in das geschlossene Gefäss so lange eingepumpt wird, bis der Druck z.B. auf 20 at gestiegen ist und diese Pressung dann plötzlich, etwa durch Eröffnung eines Ventils, auf die Hälfte herabgebracht wird, wodurch auch die letzten Luftbläschen entfernt und das Holz vollständig mit Sulfitlösung imprägnirt werden soll. Der Erfinder scheint jedoch selbst noch einige Zweifel in die besonderen Vortheile seines Verfahrens zu setzen, indem derselbe an die vorerwähnte Behandlung des Holzes doch noch eine ziemliche Kochdauer bei einer Temperatur bis gegen 150° C. anschliesst, was derart geschieht, dass eintretender Dampf die Lauge aus dem Kocher verdrängt und das imprägnirte Holz unmittelbar aus der dasselbe umhüllenden Lauge in den Dampf geräth.

Es ist eben vielfach nur ein Herumtasten bei den „neuen Verfahren“, indem man wohl weiss, dass die schweflige Säure die gewünschte Reaction gibt, aber deren Wirkungsweise, „die Chemie des Sulfitverfahrens“, noch immer nicht sicher kennt. Galt es doch lange Zeit fast allgemein als das Wahrscheinlichste, die Bildung von Schwefelsäure aus der Schwefligsäure durch Aufnahme von Sauerstoff aus den sogen. Inkrusten vorauszusetzen. Und noch neuestens ist Dr. Harpf in Veröffentlichungen in der Papier-Zeitung, gestützt auf eigene Beobachtungen und Versuche in einer Mitscherlich-Cellulosefabrik, dafür eingetreten, nicht sowohl einen Reductions-, als vielmehr eine Art Oxydationsprocess in dem Sinne als wahrscheinlich anzunehmen, dass sich unter Mitbildung organischer Zersetzungsproducte hydroschweflige, dithionige oder eine ähnliche Säure bilde. Zu dieser Vermuthung leitete ihn der Umstand, dass die Inkrusten des Holzes stark reducirende Mittel sind, so dass sogar bekanntlich eine quantitative Bestimmung des Holzschliffes im Papier mittels Goldlösung darauf zu gründen versucht wird, und die schweflige Säure |146| bei Gegenwart von kräftig reducirenden Mitteln, wie z.B. Eisen oder Zink, in hydroschweflige Säure verwandelt wird.

Sicheren Aufschluss dürften wir eben nur allmählich zu erwarten haben, indem die Arbeiten Vieler und durch längere Zeit nothwendig sein dürften, bis endlich, auf sicheren Ergebnissen fussend und sie zusammenfassend, das Richtige gefunden wird. Aber nur gewissenhafte, genaue chemische Untersuchungen (so z.B. auch nicht das blosse „Abwägen“ der Laugen mit dem Aräometer) unter Berücksichtigung aller einschlägigen Umstände, Temperaturen u. dgl. können zum Ziele führen.

Für diejenigen Kocher zum Sulfitverfahren, welche nicht von aussen geheizt werden, wo also das so einfache und auch bewährte Salomon-Brüngger'sche Verfahren (vgl. 1892 285 150), die Kocher mit einer aus der Kocherlauge sich erneuernden Schutzkruste auszukleiden (neuerlich sind dafür die drei amerikanischen Patente Nr. 483826 bis Nr. 483828 verliehen worden), nicht anwendbar ist, sucht man noch immer nach einem vollständig befriedigenden Schutz für die Eisenblechwände. Das Wenzel'sche Verfahren (1892 285 150) ist allerdings jetzt etwas vereinfacht worden, indem aus der dabei benutzten Auskleidungsmasse mittels Holzschablonen Formsteine gebildet und diese dann in dem Kocher versetzt werden. Der derzeitige Inhaber dieses Verfahrens, C. Schlimp in Wien, gibt an, dass dadurch die Ausführungszeit auf 6 Tage herabgesetzt wird. Doch stört immerhin die bedeutende Menge des Schutzmaterials. Viele von den Fabriken, in welchen dieser Schutz angewendet worden ist, erklären sich allerdings für sehr befriedigt.

In mancher Beziehung ähnelt demselben das Verfahren von Karl Kellner in Hallein nach D. R. P. Nr. 68168 (Zusatzpatent zu D. R. P. Nr. 56973). Nach dem Hauptpatente werden Glasplatten, welche an ihrer Unterseite dadurch rauh gemacht sind, dass sie in noch heissem Zustande an grobkörnige kieselsaure Thonerde gepresst werden, in einen an den Kocherwänden ausgebreiteten Kitt gedrückt, der aus nahezu gleichen Theilen kieselsaurer Thonerde und Wasserglas mit so viel Romancement besteht, dass eben ein zäher Brei gebildet wird. Bevor die Glasplatten jedoch versetzt werden, ist es sehr empfehlenswerth, die Kittoberfläche und die damit in Berührung tretende, gerauhte Glasfläche mit einem dünnen Anstrich von kieselsaurer Thonerde und Wasserglas zu versehen. Dann werden die sehr feinen Stossfugen auch noch vollständig von dem säurebeständigen Kitt ausgefüllt. Nun zeigte sich, dass die verwendete Masse auf die Dauer deshalb nicht genügt, weil sie im erstarrten Zustande so porös ist, dass sie doch der Säure den Durchtritt bis zu den Eisenwandungen gestattet. Selbst wenn dadurch nur einzelne Löcher in die Kocherwände gefressen würden, könnte man das Verfahren keineswegs als glücklich bezeichnen. Um dem abzuhelfen, soll nun der erwähnte säurebeständige Ueberzug in zwei abgesonderten Schichten hergestellt werden, welche durch ein dünnes Bleiblech so getrennt sind, dass Säure, falls sie durch die Poren der ersten Schicht gedrungen ist, durch das Bleiblech an weiterem Fortschreiten gehindert ist. Wenn auch hier das Bleiblech nicht unmittelbar die Aufgabe hat, das Eisen vor den Säureangriffen zu schützen, so hat sich doch dessen Anwendung wieder als nothwendig herausgestellt, wobei allerdings der Bleimantel, welcher durch Wasser-, Dampf- oder Luftdruck fest an die erste Schutzschicht gepresst wird, sich nicht leicht – weil eingeschlossen, zwischen den beiden dicken Schichten aus säurebeständigem Materiale – rühren kann, also auch alle jene Unannehmlichkeiten wegfallen, welche sich bei directer Bekleidung der Kocherwände mit Blei wegen der verschiedenen Ausdehnungscoëfficienten ergeben.

Im Wesen mit dieser Schutzeinrichtung übereinstimmend, ist das Verfahren zur Auskleidung von Sulfitkochapparaten des Oesterreichischen Vereins für Cellulosefabrikation in Wien nach dem österreichischen Privilegium vom 29. Februar 1892.

Textabbildung Bd. 292, S. 146
Eine reine Bleiauskleidung ist jene von Rudolf Wagner in Gotha nach D. R. P. Nr. 62129. Das Eisen- oder Stahlblech a (Fig. 31) wird durch die anzulegende Bleischicht b geschützt. Damit dieselbe sich gegen das Eisenblech nicht verschieben kann, wird sie durch eine Anzahl Kopfschrauben c an das Eisenblech gepresst. Damit weiter die Säure nicht zwischen dem verbleiten Kopf der Schraube und dem Bleibelag in die Löcher für die Bolzen und damit auch an das Eisen gelangen kann, wird als Unterlagsplatte zwischen Kopf und Blei b eine Scheibe e aus Weichblei eingelegt. Von deren Anwendung wird erwartet, dass beim Anziehen der Schraube e an b und an den Schraubenkopf so fest zum Anliegen gezwungen wird, dass keine Spur von Säure an die bezeichnete gefährliche Stelle gelangen kann.

Textabbildung Bd. 292, S. 146
Ohne Schutzschicht geht es eben, wie die Erfahrung zeigt, bei keinem Eisen- oder Metallgefäss, in welchem schweflige Säure längere Zeit, insbesondere in warmem Zustande, sich aufhält. Furchtbare Unglücksfälle haben dies in letzterer Zeit erhärtet. So explodirte in der Zellstoffabrik Oberleschen ein aus geschweissten Eisenblechen gebildeter Ballon, in welchem flüssige schweflige Säure transportirt wurde; so platzten Kocher aus Bronze und aus der im Berichte 1892 285 151 erwähnten „desoxydized bronce“ in Amerika. Es zeigte sich überall das Metall durch die Säure ganz bedeutend angegriffen. Als neuer Versuch zur Lösung dieser Frage gilt das D. R. P. Nr. 70243 von Nathaniel Morrison Jones und Thomas Bailey Draper in Bangor, das einen Metallkocher mit einer Schutzschicht betrifft. Wir erkennen in Fig. 32 in a die Kocherwand, welche durch eine Schicht b, aus Asbest und Cement zusammengeknetet, |147| unmittelbar geschützt ist. In b werden dann Cementplatten, wie z.B. Gruppe 8 8, eingebettet und bilden im Ganzen die Schicht c. Die Platten übergreifen sich allseits, wie auch aus der in Fig. 33 herausgezeichneten ersehen werden kann, und werden in geeigneten Formen unter starkem Drucke gepresst. Nicht übel ist der Mannlochauschluss, ein immerhin heikles Detail. Wir sehen ein Rohr f angenietet, welches auch vorerst durch die ununterbrochen fortlaufende Schicht b, weiterhin aber durch ein aus säurebeständigem Metalle bestehendes engeres Rohr g geschützt ist. Damit der Raum zwischen g und f ordentlich von b ausgefüllt werde und diese Schutzschicht dort fest sitzen bleibt, sehen wir Rohr g aussen ziemlich gerauht. Rohr g wird durch den aussen liegenden Flansch festgehalten, der sich an den Flansch des Rohres f schliesst, andererseits durch einen Ring i aus säurebeständigem Metall, der sich an die bereits hergestellte Kocherauskleidung legt und in den das Rohr g eingeschraubt wird. – In die Cementplattenauskleidung allein scheint man auch hier kein übermässiges Vertrauen zu setzen, denn in demselben Patente ist eine Ausführung (Fig. 34) angegeben, wonach die Cementplatten auf der gegen das Kocherinnere gerichteten Seite mit Blei k bekleidet sind, welches ganz zweckmässig und fest durch Schwalbenschwänze k3 mit den Cementplatten verbunden ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 147
Nach beendetem Kochprocesse macht die Sulfitablauge viel zu schaffen und nicht selten hängt die Concessionirung neuer und die Erlaubniss zum Weiterbetrieb schon bestehender Sulfitanlagen von einer glücklichen Lösung der Frage ab, was mit den Ablaugen und Abgasen geschehen solle. Für letztere fanden wir schon weiter oben einige nicht schlechte Vorschläge, weil sie ebenso wohl eine günstige Einwirkung auf die Betriebsökonomie erwarten lassen, als auch die Belästigung des Thier- und Pflanzenreichs hintanhalten werden. Viel schlimmer, weil nicht so einfach und auch nicht allgemein lösbar, steht es mit der Weiterbehandlung der Ablaugen. Scheinbar am einfachsten und gründlichsten gelöst sieht die Frage aus, wenn man einfach die Weiterverarbeitung der Ablauge ins Auge fasst. Es wäre auch so, wenn man schon ein befriedigendes Verfahren kennen würde. Einige hierher gehörige sind ja in den früheren Berichten genannt worden, von einigen neueren mag hier Erwähnung gethan werden.

Nach D. R. P. Nr. 67038 von Guido Pousar in Voitsberg werden die Ablaugen in ein unterirdisch gelegtes, hinreichend grosses Reservoir und aus diesem durch ein hinreichend hoch angebrachtes Rohr die Abgase, so lange sich eben solche aus der Lauge entwickeln, in Wasser zur Condensation geleitet, um dieselben unschädlich zu machen und Schwefligsäure gleichzeitig wieder zu gewinnen. All das, was dann noch in der Ablauge bleibt, soll aber versickern. Einfach ist das Verfahren wohl, ob es aber wegen der Schädlichkeit der Ablauge in vielen Fällen möglich ist, das ist eine andere Frage. – Viggo Beutner Drewsen behandelt nach D. R. P. Nr. 67889 die Ablauge bei höherer Temperatur und unter Anwendung von Druck, also wenigstens zum Theil in geschlossenen Gefässen, mit kaustischem Kalk. Vermöge der erwähnten besonderen Umstände sollen durch den Kalk die in der Ablauge befindlichen organischen Verbindungen zersetzt, dadurch wohl unschädlich gemacht und der Schwefel, theilweise wenigstens, zurückgewonnen werden. Zurückhaltung dürfte diesem Verfahren gegenüber um so mehr geboten sein, weil es mit ausserordentlich sorgfältigen Versuchen, von welchen weiter unten berichtet werden soll, in Widerspruch zu stehen scheint, insbesondere was die Zersetzung der organischen Substanzen betrifft. – Auch auf eine Abstumpfung der Säuren in der Ablauge durch kaustischen Kalk bezieht sich eine Einrichtung, welche von der Maschinenfabrik Golzern durchgebildet ist; dabei kann immerhin ein gut Theil der schwefligen Säure zurückgewonnen werden. Nach einer Veröffentlichung in der Papier-Zeitung, 1893, ist Fig. 35 wiedergegeben. Wir bemerken, dass die Ablauge mittels Hahn a und Rohr b in den Mischkasten B gelassen werden kann, wo sie sich mit Kalkmilch vereinigt, welche aus dem mit Rührer ausgestatteten Bottich D durch die Röhren l zufliesst. Durch eine Schraubenpumpe f wird nun die Mischung, ordentlich gequirlt, aufwärts, den Dreiwegehahn i passirend, in die Rinne g geschafft, von welcher das Gemenge, Calciummonosulfit enthaltend, das sich aus Kalkmilch und der in der Ablauge enthaltenen freien schwefligen Säure gebildet hat, in den Absatzkasten C abfliesst. Das unlösliche Calciummonosulfit setzt sich am Boden ab, während die Flüssigkeit durch das Ueberlaufrohr k abgeleitet wird. Um das Calciummonosulfit für die weitere Verwendung möglichst rein zu bekommen, wird dasselbe im Kasten C gewissermaassen gewaschen, indem man aus Rohr G frisches Wasser in die Rinne g und aus dieser in den Kasten C fliessen lässt, die Verbindung e zwischen Bottich B und Kasten C öffnet und durch die Pumpe f den Schlamm mit Wasser absaugt, auf die Rinne g und dann nach C zurückschafft. So unterhält man den Kreislauf einige Zeit, bis der beabsichtigte Zweck erreicht ist. Das überschüssige Waschwasser kann fortwährend durch k abfliessen. Hat man dergestalt das Calciummonosulfit rein genug, so pumpt man dasselbe nach entsprechender Stellung des Hahnes i durch Rohr h in die grosse Doppelbütte F mit Rührer n. In F leitet man die in der Kühlschlange E aus einer früheren Kochung herrührende und aus dem Abdampfe condensirte Schwefligsäure mittels der Röhrchen m1 ein |148| zur Lösung des Calciummonosulfits. Der Abdampf aus dem Kocher A kann nämlich durch Hahn c und Rohre d, m in die Kühlschlange E im oberen Theile des Bottichs F gelangen, in welchen auch aus Rohr G Kühlwasser eintritt. Das erwärmte Wasser fliesst dann oben durch Rohr o in den Kalkbottich ab, aus welchem die Luft durch Röhrchen q abgeleitet wird. So stellt man also in F die Ursprungslauge wieder her. Sollte hier die Lösung zu hoch steigen, so fliesst der Ueberschuss durch Rohr p auch in den Kalkbottich D ab. Die Anlage ist für den vorliegenden Zweck recht einfach, der Antrieb der zu bewegenden Theile wird durch Riemen von H aus besorgt. Die Schwefelersparniss soll ungefähr 30 bis 40 Proc. betragen. Was durch Kalkzusatz zu erreichen möglich ist, dürfte hier auch wirklich erreicht werden. Allerdings die organischen Verbindungen gehen auch hier durch Ueberfallrohr k mit der geklärten Flüssigkeit ungenützt und möglicher Weise Schaden stiftend fort.

Den organischen Verbindungen will nun Dr. A. Mitscherlich nach D. R. P. Nr. 72161 durch Osmose der Ablauge entweder nach erfolgtem Kalkzusatze, wie es z.B. eben vorhin geschildert worden ist, oder auch unmittelbar beikommen. Er gründet das Verfahren darauf, dass ein Theil der organischen Stoffe Wasser stark anzieht, während andere weniger hygroskopisch sind. Der Erfinder will durch Osmose erhalten: a) einen Klebstoff als Ersatz für das arabische Gummi, b) ein Gerbmaterial, c) einen gährungsfähigen Körper, d) schweflige Säure, e) Gyps und andere Substanzen. Es wäre nur zu wünschen, dass dieser Vorschlag endlich Erfolg habe, denn viele Anstände, oftmals berechtigte, oftmals auch nicht berechtigte, hat man mit diesen bösen Ablaugen.

Aufklärend in dieser Richtung ist ein gründliches; durch selbständige Versuche und Benutzung von bereits vorliegenden zuverlässigen Thatsachen gestütztes Gutachten, welches vom Vorstande des Hygienischen Instituts der Universität Würzburg, Prof. Dr. K. B. Lehmann, gelegentlich der Projectirung einer zweiten Sulfitcelluloseanlage bei Aschaffenburg erstattet worden ist, vgl. Papier-Zeitung, 1893. Wenn wir uns nur auf die Hauptsache der interessanten Abhandlung beschränken, so entnehmen wir Folgendes: Bei sorgfältiger Handhabung ist eine über den Umkreis der Fabrik reichende Schädigung der Vegetation ebenso wenig wie der Menschen und Thiere von Seiten der Abgase zu fürchten. Zeigten sich doch die Arbeiter des Etablissements trotz mehrjähriger Beschäftigung in stark mit Schwefligsäure geschwängerten Räumen von einem sehr befriedigenden Gesundheitszustande. Was die Abwässer anbetrifft, so wurde gefunden, dass es sich sehr empfiehlt, die organischen Substanzen zurückzuhalten, dass aber, sobald eine etwa tausendfache Verdünnung erreicht ist, sogar sehr empfindliche Fische sich in derartigen Flüssigkeiten anscheinend auf längere Zeit ganz wohl befinden.

Das Zurückhalten von organischen Substanzen ebenso wohl wie das Binden aller schwefligen Säure an den Ablaugen zugesetzten Kalk, ein Hauptpunkt des Frank'schen Verfahrens (1890 276 58) und auch einiger diesmal erwähnter Processe, ist nach den Untersuchungen Lehmann's nicht in wünschenswerter Weise möglich. Auch der Nährwerth (Viehfutter) der organischen Substanzen ist nach vorgenommenen Untersuchungen von Cremer in München und Ebstein in Göttingen sehr gering. Es bleibt also nichts übrig, als die Abwässer wegzuleiten. Sind nun vielleicht nur kleine Gerinne unmittelbar benachbart, während ein grösseres Gerinne, ein Fluss, weiter, jedoch nicht zu entfernt vorhanden ist, so empfiehlt sich die getrennte Wegleitung der Ablaugen und der eigentlichen Abwässer, d.h. Waschwässer u. dgl. Die letzteren, als relativ nicht besonders unrein, können meist unbedenklich auch in kleinere Wasserläufe geführt werden, während die Ablaugen entweder durch eine besondere Rohrleitung, oder, weil dies meist sehr kostspielig wird, mit Benutzung von häufig bereits vorhandenen Kanälen für Unrath in den nicht zu weit entfernten grösseren Wasserlauf geleitet werden. Dort muss dann aber so viel Wasser, selbst bei Niederwasser, vorhanden sein, dass zum mindesten die oben angegebene Verdünnung erreicht werden kann. – Was die ausführliche Begründung, insbesondere mit Bezug auf den oben erwähnten Specialfall, betrifft, sei auf die bereits genannte Quelle verwiesen.

Wo sich eine solche Wegleitung der Ablaugen, wie oben besprochen wurde, nicht durchführen lässt und wegen der Oertlichkeit die Versickerung oder unmittelbare Einleitung insbesondere der Ablaugen in fliessendes Gewässer nicht angeht, bleibt auch beim Sulfitverfahren nichts anderes übrig, als die organischen Substanzen durch Eindampfen der Ablaugen und nachheriges Glühen bezieh. Verbrennen zu vernichten. Derartige Einrichtungen wurden z.B. bei Sulfitzellstoffabriken im Regierungsbezirke Breslau eingeführt bezieh. vom Gewerberathe vorgeschrieben.

Dies ist gewiss eine grosse Belastung der davon betroffenen Industrie, aber kaum zu umgehen, wenn es nicht doch gelingt, die organischen Bestandtheile geeignet, etwa in Flockenform, auszuscheiden und dann abzufiltriren. Wir sahen, mit Kalkzusatz geht es nicht befriedigend, und der sonst häufig gute Erfolge nach sich ziehende Kieserit nutzt auch nichts. Es ist eben die Zusammensetzung der gelösten organischen Verbindungen zu wenig bekannt.

(Schluss folgt.)

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