Titel: Neuerungen auf dem Gebiete der Eis- und Kühlmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 202–207)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292057

Neuerungen auf dem Gebiete der Eis- und Kühlmaschinen.

Von Prof. Alois Schwarz in Mährisch-Ostrau.

(Fortsetzung des Berichtes S. 184 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

II. Kaltluftmaschinen.

Die Kaltluft- oder Luftexpansionsmaschinen sind in letzter Zeit fast ganz ausser Gebrauch gekommen und sind deshalb auf diesem Gebiete der Kühlmaschinen nur wenige Neuerungen zu verzeichnen.

Ingenieur Victor Popp in Paris hat ein neues Verfahren nebst Einrichtungen erfunden (D. R. P. Nr. 51740), die dazu bestimmt sind, ohne besondere Aufstellung von Apparaten Triebkraftluft zur Kälteerzeugung zu benutzen. Das Verfahren besteht darin, dass die einer Hauptleitung entnommene comprimirte Luft zunächst in dem Cylinder einer Maschine als Triebkraft dient, dass die Maschine die Luft dann in einen Kühlbehälter ausströmen lässt und dass dann die Luft durch dieselbe Maschine wieder angesaugt wird, um von Neuem comprimirt und behufs weiterer Benutzung in die Hauptleitung zurückgeführt zu werden. Fig. 8 zeigt eine schematische Darstellung der Einrichtung.

Textabbildung Bd. 292, S. 202
Die comprimirte Luft, welche aus der Hauptleitung L in den Treibcylinder a der Maschine eingelassen ist, gibt zunächst Triebkraft an die Maschinenwelle ab und comprimirt in einem zweiten Cylinder b die kalte Luft, welche dieser Cylinder aus dem Kühlbehälter B ansaugt, während die in dem Cylinder a expandirte Luft in den Kühlbehälter B ausströmt.

Textabbildung Bd. 292, S. 202
Die aus dem Kühlbehälter B angesaugte und comprimirte Luft strömt in die Hauptleitung L zurück. Durch das Ansaugen der Luft aus dem Kühlbehälter B trägt der Compressor auch dazu bei, die Temperatur im Kühlbehälter noch weiter zu erniedrigen. Ausser durch Undichtigkeiten geht von der in Benutzung stehenden Luft nichts verloren, denn diese macht einen vollständigen Kreisprocess durch.

Eine Vorrichtung zur Abkühlung der Luft während der Compression an Stelle der bisher gebräuchlichen Arten der Wassereinspritzung wurde Karl Müller in Freiburg i. B. patentirt (D. R. P. Nr. 52528). Die einseitigen Cylinder a (Fig. 9) eines Compressors haben Oeffnungen b für die Lufteinsaugung in den Deckeln der Cylinder. Die Kolben c sind hohl und mit einer Druckwasserleitung d so verbunden, dass jeweilig während der Compression das Druckwasser in den Kolben eintritt, der die Arbeit verrichtet. Dieses Wasser spritzt in der vorderen Kolbenfläche aus feinen Oeffnungen aus und bestreicht den ganzen Cylinderraum, wodurch die Abkühlung vollkommen erfolgt.

Textabbildung Bd. 292, S. 202
Eine für H. Fr. Wallmann in Chicago unter Nr. 56130 patentirte Kaltluftmaschine ist in Fig. 10 perspectivisch dargestellt, so dass die Cylinder C, C1, die Plungerkolben P, P1 (unter 90° gegen einander versetzt), die Pleuel c, c1 die Kurbeln s, s1 zu ersehen sind. Die Kurbelwelle S ist in irgend einer Weise betrieben. Die beiden Cylinder stehen mittels Röhren i, i1 und J mit einander in Verbindung. C, C1 und die Röhren i und i1 sind zum Theil mit einer nur bei sehr niedriger Temperatur gefrierenden Flüssigkeit gefüllt. Der leer bleibende Raum ist mit Luft oder irgend einem Gase angefüllt. Die Röhren i sind entweder mit Luft oder einer Flüssigkeit umgeben, welche abgekühlt oder zum Gefrieren gebracht werden soll. Dia Röhren i1 |203| werden durch stets frisch zufliessendes Wasser abgekühlt. d ist ein Rückschlagventil, welches den Eintritt von Luft oder Gas in die Maschine gestattet. a, a1 und a2 sind Hähne, um die Maschine mit irgend einer der oben angeführten Flüssigkeiten zu füllen.

Textabbildung Bd. 292, S. 203
Die Maschine arbeitet auf folgende Weise: Die Abbildung zeigt die Stellung der Kolben, wenn die Luft oder das Gas innerhalb der Röhren i, i1 und J am meisten ausgedehnt ist. Durch die Bewegung der Kolben P, P1 steigt die Flüssigkeit innerhalb der Röhren i und fällt innerhalb der Röhren i1, da der Kolben P demjenigen von P1 vorauseilt. Hierdurch wird die eingeschlossene Luft in die Röhren i1 gedrängt, also die Temperatur erhöht. Diese comprimirte Luft von höherer Temperatur wird durch das, die Röhren i1 umspülende Kühlwasser und durch die innerhalb des Cylinders C1 und der Röhren i1 befindliche Flüssigkeit wieder auf eine niedrige Temperatur gebracht.

Auf ein Pressluftableitungsrohr (Fig. 11) an Kaltluftmaschinen haben P. R. Schünemann und C. G. Hildebrandt in Berlin das D. R. P. Nr. 60894 erhalten. Statt eines Expansionsschiebers kommt ein sich stetig verjüngendes Rohr F zur Anwendung. Dasselbe wird in einem Bade G gekühlt und mündet schliesslich in einen mit einer Salzlösung gefüllten Behälter H, welcher eine Beschickungsöffnung S, sowie einen Ablass M für die sich stetig verdünnende Salzlösung bezieh. Kältemischung besitzt. Die Pressluft expandirt in der Salzlösung und steigt zu dem Helme N auf, um bei Q abzuziehen.

III. Compressionsmaschinen.

Die grösste Zahl von Neuerungen haben die Compressionsmaschinen aufzuweisen, welche die meisten anderen Systeme überflügelt haben; alle neueren Kühlanlagen sind nach diesem Systeme gebaut, und beziehen sich die Neuerungen vorwiegend auf die Construction der Stopfbüchse. Als kälteerzeugendes Medium wird bei den meisten dieser Maschinen Ammoniak und auch Kohlensäure, seltener schweflige Säure benutzt.

Die Kühlmaschine nach System Neubecker ist eine Compressionsmaschine unter Verwendung von Ammoniak. Nach Fig. 12 besteht dieselbe aus dem Compressor C, dem Condensator D und dem Verdampfer B. Die Verbesserung dieser beiden letzten Apparate beruht auf der strengen Durchführung des Gegenstromprincips. Jeder der beiden Apparate besteht aus einem rechteckigen Kasten, der durch keilförmige Zwischenböden (6) in einzelne rechteckige Kanäle getrennt ist, die über einander liegen und den äusseren Flüssigkeiten einen langen Zickzackweg von unten nach oben anweisen. In diesen Kanälen liegen die geraden Theile der Schlangenrohre, und zwar geneigt, so dass keine Flüssigkeits- oder Oelsammlungen in ihnen stattfinden können. Sowohl das verflüssigte oder gasförmige Ammoniak, als auch das bei der Condensation benutzte Kühlwasser und die abzukühlende Salzlösung gleichen hierbei ihre Temperaturdifferenzen möglichst aus.

Der Compressor C ist als doppeltwirkende Zwillingssaug- und -Druckpumpe construirt; die Stopfbüchse (16) arbeitet ohne Sperrflüssigkeit, da in derselben bloss eine mit Gas gefüllte Kammer (17) eingelegt ist. Diese Gaskammer steht in Verbindung mit dem Ausgleichsgefässe F. Aus diesem Gefässe saugt eine Hilfspumpe E, unter Vermittelung des Ausgleichsventils 20, und drückt das aufgefangene Gas durch das Rohr 22 in den Condensator zurück. Das Saugrohr der Hilfspumpe saugt die Ammoniakdämpfe, welche durch die hintere, dem Compressor zunächst liegende Stopfbüchse entweichen, und den zwischen dieser und der vorderen Stopfbüchse liegenden Hohlraum derartig ab, dass in diesem Raum zwischen beiden Packungen stets annähernd Atmosphärendruck hergestellt wird und auf diese Weise die vordere Stopfbüchse keinen weiteren Ammoniakdruck auszuhalten hat. Alle Ammoniakdämpfe, welche durch die hintere Stopfbüchse in diesen hohlen Raum eintreten, werden durch die kleine Pumpe wieder in die Druckrohre eingepumpt und dem Kreislaufe zugeführt. Um auch dem Gasverluste durch Diffusion zu begegnen, ist die Stopfbüchsenhülse mit einer Aussparung versehen, welche von der Schmiervase (23) mit Oel beschickt wird. Dieser Oelraum dient auch zur Schmierung der Kolbenstange. Die Gashähne sind für Selbstdichtung eingerichtet, auch erfolgt die Rectification des Schmieröles, welches sich im Sammeltopfe A absondert, von dem aufgenommenen Ammoniak in dem Ausgleichsgefässe F unter Atmosphärenspannung.

Textabbildung Bd. 292, S. 203
Eine eigenartige Neuerung bildet der Verdampfer der Kühlmaschine von L. Seyboth in München, welcher eine directe Luftkühlung durch das verdampfende Ammoniak anstrebt und dieselbe nicht erst durch Uebertragung der Verdampfungskälte auf eine Salzlösung bewirken will (D. R. P. Nr. 49562).

|204|

Bei einem solchen Rohr (Fig. 13) ist a ein starkes geschweisstes schmiedeeisernes Verdampferrohr, das auf der einen Seite das flüssige Ammoniak durch das Röhrchen c vom Condensator empfängt, während es auf der anderen Seite mit dem Compressor durch die Saugleitung desselben in Verbindung steht und durch ein Abschlussventil gegen dieselben abgesperrt werden kann. Beide Ventile befinden sich ausserhalb des abzukühlenden Raumes, das Rohr a hat an seinen Enden konisch gedrehte, aufgeschweisste Ringe, b ist die weitere Röhre, die entweder glatt oder mit Kühlrippen versehen sein kann und an ihren Enden Flanschen besitzt; e ist ein Führungskonus, f und g sind die Verpackungen der inneren und äusseren Röhre; h ist ein durch den Flansch des weiteren Rohres gebohrter Kanal, welcher mit einer eingedrehten Nuth in Verbindung steht, die die Bestimmung hat, bei Undichtheiten des Rohres a dessen Inhalt aufzunehmen und mittels des damit in Verbindung stehenden Kanales h in das Innere des äusseren Rohres b zu führen; i ist ein Druckröhrchen, das beliebig angebracht werden kann und in das Maschinenhaus oder eine sonstige Centralstelle führt und dort mit einem elektrischen Läutewerk und einer optischen Signalvorrichtung in Verbindung steht. Das innere Rohr a und die weitere Röhre b werden durch die Flanschverschraubung unter Mithilfe des Führungskonus e gemeinschaftlich gedichtet und die weitere Röhre b mit einer schwer gefrierbaren Flüssigkeit angefüllt. Werden nun Regulirventil und Abschlussventil, während der Compressor in Gang gebracht wird, entsprechend geöffnet, so vollzieht sich derselbe Vorgang innerhalb der Kühlleitung, der sonst im Generator oder Refrigerator vor sich geht.

Textabbildung Bd. 292, S. 204
Das verdampfende, flüssige Ammoniak im Rohre a entzieht der dasselbe umgebenden Flüssigkeit im Rohre b Wärme, wogegen die das Rohr b umgebende Luftschicht entsprechend abgekühlt wird.

Wird das Rohr a undicht, so kann sich der Druck nur auf die in der weiteren Röhre b befindliche Flüssigkeit fortpflanzen, d.h. es wird Gas durch die Nuth und den Kanal h in das Innere der Röhre b und die Flüssigkeit derselben durch das Druckröhrchen i zum Maschinenhaus oder zu einer sonstigen Centralstelle getrieben, was durch das elektrische Läutewerk und die optische Signalvorrichtung sofort angezeigt wird, so dass man mit aller Bestimmtheit weiss, welche Abtheilung nicht in Ordnung ist.

Auch bei den meisten in Amerika ausgeführten Kühlanlagen ist die directe Kühlung der Räume durch verdampfendes Ammoniak mit Erfolg angewendet.

Eine neue Compressionskältemaschine zur gleichzeitigen Erzeugung von Betriebskraft und Kälte ist Franz Windhausen in Berlin patentirt worden. Bei der neuen Maschine soll in demselben Compressionscylinder sowohl die Compression, als auch die dazu nöthige Betriebskraft mit Dämpfen von derselben Kälteflüssigkeit ohne Anwendung von Absorptionsflüssigkeit im Kreislaufe bewirkt werden. Die bezüglichen Maschinen und Apparate bestehen im Wesentlichen (Fig. 14) aus vier Haupttheilen: dem Röhrendampfkessel A, dem selbstwirkenden Compressor B, dem Condensator C, dem Refrigerator D.

In dem Dampfkessel A wird die kälteerzeugende Flüssigkeit, deren Siedepunkt bei Atmosphärenspannung unter 0° liegt, bei entsprechender hoher Spannung und Temperatur verdampft. Die Dämpfe strömen nach Pfeil 1 in den durch äussere Steuerung bewegten Expansionsschieber a in den Cylinder B, in welchem sie oberhalb des Kolbens expandirend wirken und dabei die unter diesem Kolben durch das Rohr 2 angesaugten Gase comprimiren. Diese strömen bei weiterem Niedergange des Kolbens durch das an diesem Kolben befindliche Ventil e und werden darauf mit expandirten Gasen beim Rückgange des Kolbens durch den Auslasschieber b und das Rohr 3 in den Condensator C verdrängt. Von diesem gelangen die condensirten Gase in den Sammeltopf C1. Aus diesem geht ein Theil der Flüssigkeit durch das Rohr 4 und den Regulator r zur Kälteerzeugung in den Refrigerator D; ein anderer Theil der Flüssigkeit wird durch das Rohr 5 von einer Speisepumpe oder einem Injector angesaugt und durch das Rohr 6 in den Verdampfer A gefördert. In diesem wird die Flüssigkeit durch Dampf oder warmes Wasser erhitzt und verdampft, so dass die normale Spannung der Dämpfe mindestens so gross ist, um expandirend im Cylinder B die Compressionsarbeit in demselben zu verrichten.

Textabbildung Bd. 292, S. 204
Der Verdampfer A besteht aus einer oder mehreren spiralförmig gebogenen starken Röhren, welche in einem mit Wasser gefüllten und mit senkrechten Heizröhren durchzogenen Kessel gelagert sind. Die Erwärmung des Wasserbades und damit indirect der Verdampfflüssigkeit geschieht entweder durch Verbrennungsgase, welche die Heizröhren durchströmen, oder durch heisses Wasser oder Dämpfe, welche durch die Hähne m1, m2 zu- und abströmen. Die oberen und unteren Enden der Dampfröhren münden in einen ausserhalb des Kessels befindlichen starken Behälter A3. In den unteren Theil dieses Behälters gelangt zunächst die Verdampfflüssigkeit, während der obere Theil als Dampfraum dient, aus welchem die Dämpfe zum Compressionscylinder abströmen.

Der Behälter A3 hat die Bestimmung, die Verdampfflüssigkeit aufzunehmen und je nach der gewünschten Spannung immer nur so viel Flüssigkeit in die Heizschlange abzugeben, als zur Verdampfung und zur Erhaltung der nöthigen Spannung erforderlich ist. Zu dem Zwecke befindet sich im Innern dieses Behälters ein |205| Druckregulator. Durch diese Einrichtung wird der Zufluss zu den Heizröhren abgeschlossen, sobald die Spannung in demselben grösser als die normale wird, und wieder geöffnet, sobald die Spannung sinkt. Zur grösseren Sicherheit ist in dem Verdampfer A ein Sicherheitsventil angebracht.

Zur Erkennung des Flüssigkeitsstandes in dem Sammelbehälter A3 ist ein kleineres Rohr A4, an einer Feder wage hängend, angeordnet. Dieses Rohr communicirt oben und unten durch zwei dünne, durch ihre Länge biegsame Rohre mit dem Behälter A3, wodurch sich in beiden Röhren ein gleicher Niveaustand einstellt und durch die Federwage das Flüssigkeitsgewicht im Rohr A4 und damit mittelbar der Niveaustand im Verdampfer A3 angezeigt wird.

Der Compressor besteht aus dem Cylinder B mit Ueberströmventil e, dem Expansionsschieber a, dem Auslasschieber b und dem Einlasschieber c. Die Bewegung dieser Schieber geschieht ähnlich wie bei Dampfmaschinen.

Das in dem Kolben angebrachte Ventil e hat den Zweck, die unter dem Kolben comprimirten Gase über denselben strömen zu lassen, sobald der Druck der expandirten Gase kleiner geworden ist als der der comprimirten Gase, wodurch ein Wärmeausgleich im Cylinder stattfindet. Hinter dem Auslasschieber ist ein Rückschlagventil angebracht, welches sich beim Aufgange des Kolbens dann öffnet, wenn die Spannung der Dämpfe gleich oder weniger grösser als der Druck im Condensator ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 205
Der Condensator C besteht, wie bei allen Compressionskältemaschinen, aus dem von einem Kessel umschlossenen Röhrennetz, in welches oben die Gase aus dem Cylinder B einströmen, um in den Röhren gekühlt und verflüssigt zu werden; aus dem unteren Ende dieser Röhren strömen die flüssig gewordenen Gase in einen hoch gelegenen Sammelbehälter C1 aus, von wo sie zur Speisung des Verdampfers A und des Refrigerators D entnommen werden. Das Kühlwasser für den Condensator strömt zunächst durch Rohr 8 um den Sammelbehälter C1, dann durch Rohr 9 nach dem Condensator C und durch Rohr 10 ins Freie ab.

Der Refrigerator D zur Kälteerzeugung, Abkühlung von Räumen, Gefrieren von Wasser bietet gegenüber dem bekannten nichts Neues. Es ist nur zu erwähnen, dass das Saugrohr 2 mit einem Rohr 11 und Absperrventil t in Verbindung steht. Dieses Rohr 11 dient dazu, um aus einem Entwickelungsapparat bei geschlossenem Regulirventil r die Gase anzusaugen und in der Maschine in beschriebener Weise zu comprimiren und zu verflüssigen.

Eine Kälteerzeugungsmaschine (D. R. P. Nr. 52825) von C. Kortüm zeigt das ähnliche Princip in der Weise, dass die Dämpfe durch Expansion verflüssigt, die entstandene Flüssigkeit aber unter Compression wieder verdampft werden.

Eine Reihe von Neuerungen zeigen die Ammoniak-Compressionsmaschinen System Fixary, und zwar sowohl bezüglich der Compressionspumpen, als auch der Nebenapparate (vgl. 1893 287 * 121).

Es wurde seitens der Erfinder dieser Kühlmaschine noch ein anderes System der Raumkühlung vorgeschlagen, welches darauf beruht, dass die zu kühlende Luft in geschlossenen Kammern direct an den Verdampferrohren abgekühlt wird; es sollen hierbei vier neben und über einander liegende Kammern verwendet werden, und wird in der ersten Kammer zunächst die Luft von dem stets in ihr enthaltenen Wasserdampf befreit, der an den Verdampferröhren anfriert, in der nächsten Kammer wird die getrocknete Luft abgekühlt, die beiden anderen dienen als Reserve für den continuirlichen Betrieb. Es wird sodann der an dem ersten Röhrensystem niedergeschlagene Reif zum Abthauen gebracht, um dessen Kälte auszunützen. Die Circulation der Luft wird durch einen Exhaustor unterhalten, welcher die erwärmte Luft aus den zu kühlenden Räumen (Kellern u.s.w.) absaugt, durch die Kühlkammern treibt und wieder den Räumen zuführt. Man arbeitet für gewöhnlich mit denselben Luftmengen, doch ist auch für theilweisen oder vollständigen Luftwechsel Vorsorge getroffen.

Eine Neuerung an Compressionskälteerzeugungsmaschinen ist Paul Beck in Augsburg unter D. R. P. Nr. 54600 patentirt. Am Compressorcylinder (Fig. 15) ist ein Ventil mit einem Flüssigkeitsabscheider angebracht und in die vom Condensator nach dem Verdampferführende Speiseleitung eingeschaltet. Das Ventil wird von der Betriebswelle h des Compressors, eventuell von einer besonderen Steuerwelle oder auch vom Kreuzkopf aus in irgend einer Weise gesteuert.

Bei geschlossenen Ventilen s und s1 und geöffnetem Ventil s2 functionirt die Maschine wie jede Compressionskälteerzeugungsmaschine, indem niedrig gespannter Dampf durch Rohrleitung e aus den Verdampferrohren vom Compressor angesaugt, comprimirt und durch Rohr d in die Condensatorrohre geschoben wird. Die im unteren Theil der Rohre sich ansammelnde Flüssigkeit tritt durch Rohr h nach dem Regulirventil s2 und von da durch Rohr l nach den Verdampferrohren. Durch Zuführung der an diese Rohre aus dem sie umgebenden abzukühlenden Medium abgegebenen Wärme verdampft die Flüssigkeit, und wird der Dampf wiederum durch den Condensator angesaugt, um wieder comprimirt zu werden und den Kreislauf von Neuem zu beginnen. Die Einschaltung des Ventiles mit Abscheider in die Flüssigkeitsleitung bezweckt bei geschlossenem Regulirventil s2 und geöffneten Ventilen s und s1 die Entfernung und Umwandlung der aus dem Condensator nach dem Verdampfer übertretenden schädlichen Wärme (Flüssigkeitswärme des Kühlmediums) in Arbeit, welche sich von der Compressorarbeit abzieht, wobei das durch den Abscheider vom Dampf getrennte flüssige, zur Speisung des Verdampfers dienende Kühlmedium nahezu auf die Verdampfertemperatur abgekühlt wird.

|206|

Die Wirkungsweise des Ventils im Zusammenhange mit dem Abscheider ist folgende: Bei Beginn des Kolbenrückganges wird durch die Steuerung das Ventil geöffnet und während einer bestimmten, durch Hebel p regulirbaren Admissionsperiode offen gehalten. Die während dieser Zeit einströmende, durch Rohr h1 vom Condensator kommende Flüssigkeit entwickelt zunächst Dampf von Condensatorspannung, indem sie sich selbst die zur Verdampfung nöthige Wärme entzieht. In Folge dessen öffnet sich ein zweites Ventil, so dass der entwickelte Dampf in den Compressorcylinder eintreten und treibend auf den Kolben wirken kann. Während der nun folgenden Expansionsperiode findet so lange ein Nachverdampfen und damit eine weitere Abkühlung der Flüssigkeit statt, bis die Verdampferspannung und damit die Abkühlung der noch übrigen Flüssigkeit auf die Verdampfertemperatur erreicht ist. Dann öffnet sich ein weiteres Ventil, und nun erst beginnt die eigentliche Saugperiode. Der aus der Speiseflüssigkeit entwickelte Dampf wird darauf gleichzeitig mit dem aus dem Verdampfer angesaugten comprimirt und durch Rohr d in den Condensator geschoben, während die durch den Abscheider vom Dampf getrennte Flüssigkeit durch Rohr l1 in den Verdampfer gelangt. Ventil s1 wird so eingestellt, dass während der Ueberdruckperiode im Abscheider das eben abgeschiedene Flüssigkeitsquantum überströmen kann. Rückschlagventil r verhindert während der Saugperiode ein Zurücktreten der Flüssigkeit aus dem Verdampfer in den Abscheider.

Textabbildung Bd. 292, S. 206
Eine neue Compressoreismaschine von Stephen Wells Wood in New York, unter Nr. 58915 im Deutschen Reiche patentirt (ist bereits gelöscht. D. R.), zeigt nachstehende Einrichtung (Fig. 16):

In dem geschlossenen Saugraume A sind zwei Pumpen angeordnet, welche, durch Balancier I angetrieben, das aus den Gefrierrohren in die Saugkammer A übertretende Ammoniak in das Schlangenrohr S des Condensators Y drücken, wodurch bei gleichzeitiger Anwendung von Kühlwasser das Gas verflüssigt wird. Von hier aus tritt letzteres, durch den Eigendruck fortbewegt, in die Gefrierrohre, aus welchen es durch die Pumpwirkung aufs Neue in Saugkammer A angesaugt wird.

Bezüglich der hierher gehörenden Zenker'schen Eis- und Kältemaschine sei auf 1893 287 * 147 verwiesen.

Ein neuer Verdampfer für Kältemaschinen ist von A. Römpler in Berlin construirt und auf Grund des erhaltenen Patentes (D. R. P. Nr. 55276) durch die Firma Jul. Schlesinger und Co. in Berlin mehrfach zur Ausführung gebracht worden.

Zur Erreichung einer lebhaften Circulation der Kälteflüssigkeit in den Verdampfschlangen wird das senkrechte, mit dem Sammelrohre verbundene Ende der Schlange gegen Wärmeaufnahme mit einer Schutzmasse umgeben und eine Verbindung unterhalb des Niveaus der Flüssigkeit hergestellt.

Um den einzelnen, neben einander liegenden Schlangen in gleichem Maasse Kälteflüssigkeit wieder zuzuführen, ist ein konisch verlaufendes Füllrohr angeordnet, das mit einer den Schlangen entsprechenden Anzahl Tüllen versehen ist.

Eine beachtenswerthe Neuerung zum Comprimiren von mit Flüssigkeit gemischten gasförmigen Körpern hat Lucius Block in New York für das Deutsche Reich patentirt erhalten (D. R. P. Nr. 48620).

Dieselbe bezweckt speciell, die im Compressor mit Gas gemischten Flüssigkeiten (Oel, Wasser u.s.w.) zu entfernen und die Flüssigkeit zu kühlen, ehe sie nach dem Compressor zurückgeleitet wird.

Textabbildung Bd. 292, S. 206
Der Apparat dient vorzugsweise zum Comprimiren von Ammoniakgas, und als Flüssigkeit kommt zweckmässig ein aus Erdöl gewonnenes Oel zur Anwendung.

Der Compressor (Fig. 17 und 18) ist an seinem oberen Ende mit einem oder mehreren Auslassventilen C und mit wenigstens zwei Einlassventilen A und B versehen, von denen eines an jedem Ende liegt. Das Ventil C ruht auf |207| einem Sitz unten in einem domartigen Aufsatz, der mit dem Auslassrohre EH1 in Verbindung steht. Dieses führt nach dem unteren Ende des Compressors und besitzt die Auslassventile D1 und D2. Der Kolben G besteht aus zwei durch die Kolbenstange getrennt gehaltenen Theilen, welche eine nach den Wandungen des Cylinders hin offene Kammer einschliessen. In dem unteren Theil des Kolbens sind Ventilsitze angeordnet, von denen jeder mit einem sich nach oben öffnenden Ventil M und mit einer das Ventil her abdrückenden Feder versehen ist, so dass beim Niedergange des Kolbens und bei eventuellem Abschluss des unteren der beiden über einander liegenden Ventile D2 bezieh. D1 das obere Ventil durch die mittels des Ueberdruckes gehobenen Kolbenventile mit der sich unter dem Kolben befindenden Flüssigkeit bezieh. Oel in Verbindung gebracht wird, zum Zweck, einen ungehinderten Abschluss der Flüssigkeit zu ermöglichen.

Das Gemisch von Oel und Gas wird von dem Auslassrohre H4 des Compressors nach dem Gefässe I (Fig. 18) geführt, wo das heisse Oel von dem comprimirten Gas sich mechanisch trennt. Das in den Expansionsschlangen expandirte Gas wird, anstatt es zwecks wiederholter Verdichtung, wie üblich, direct dem Compressor zuzuführen, ganz oder theilweise durch das Ventil J3 aufwärts durch die Röhren ii bezieh. durch Ventil J2 und Rohr J1 und nunmehr erst durch Rohr P zum Compressor geleitet, nachdem es durch Wärmeaufnahme aus dem Oele dasselbe abgekühlt hat.

Textabbildung Bd. 292, S. 207
Die von der Halleschen Maschinenbauanstalt vormals Vaass und Littmann gebaute Kohlensäure-Compressionskühlmaschine (Fig. 19) zeichnet sich durch Einfachheit aus. Die Anordnung der Ventile ermöglicht es, die schädlichen Räume auf die geringe Grösse von 2,5 Proc. zu bringen.

Die Stopfbüchse ist so construirt, dass dieselbe nur unter dem jeweiligen Saugdruck steht; jeder Fehler in der Dichtung der Stopfbüchse macht sich durch das Entweichen des Gases bemerkbar und kann sofort beseitigt werden. Die Saugkanäle sind sehr breit gehalten, um den Compressor durch die kalten Gase stets zu kühlen.

Bei diesem Compressor ist als weitere Neuerung auch ein selbsthätiges Einspritzventil (D. R. P. Nr. 56907) zur Anwendung gebracht, das in Fig. 20 dargestellt erscheint und wohl keiner weiteren Erklärung bedarf.

(Fortsetzung folgt.)

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