Titel: Ueber die Herstellung von Garnen, Bindfäden, Schnuren, Litzen, Seilen u.s.w.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 222–228)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292061

Ueber die Herstellung von Garnen, Bindfäden, Schnuren, Litzen, Seilen u.s.w.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

(Fortsetzung des Berichtes S. 193 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 292, S. 222
Eine senkrechte Zurichtmaschine, bei welcher die fertigen Seile nicht aufgewickelt werden, sondern in einen Behälter einlaufen, und bei welcher der elastische Theil der Litzendrehung vor der Ablieferung des Seiles dadurch entfernt wird, dass man dem Seil nach dem Durchlaufen des ersten Drehkopfes eine entsprechende Wiederaufdrehung mittels eines zweiten Drehkopfes zu Theil werden lässt, ist in den Fig. 52 und 53 veranschaulicht. Die Maschine rührt von Thomas Brown Dooley in Boston her, ist Gegenstand des amerikanischen Patents Nr. 373800 und hat folgende Einrichtung:

Die Antriebswelle B mit Riemenscheibe C ist in dem Hauptgestell A der Seilmaschine gelagert und treibt mittels der Winkelräderpaare DE und LM die senkrechten Wellen F bezieh. N. Die Welle F bewegt mittels eines Triebes G und des Zahnrades H eine dritte senkrechte Welle I und mittels des Zahnrades I1 |223| eine Trommel K, welche zur Aufnahme des fertigen Seiles bestimmt ist. – Die Spindelantriebswelle F läuft durch das ganze Maschinengestell und trägt an ihrem dem Antrieb E entgegengesetzten freien Ende einen Zahntrieb O, der mit dem Trieb P auf der kurzen Welle Q in Eingriff steht, welche wiederum durch einen zweiten Zahntrieb R die auf den Flügelspindeln T sitzenden Getriebe S und somit die Flügel a selbst in Umdrehung versetzt. Die letzteren sind mit schlitzförmigen Aussparungen a1 versehen, in welche die die Spulen e tragenden Achsen b eingeführt werden.

Die Spulenachsen b werden von Metallhülsen umgeben, deren eine Kante auf die Spulenachse derart aufgeschraubt ist, dass sie das Bestreben haben, sich von den Achsen zu entfernen. Ueber jede Hülse wird, nachdem dieselbe zusammengedrückt ist, eine mit Nase ausgestattete zweite, aber geschlossene Hülse geschoben und durch die Federkraft der erstgenannten Metallhülsen auf denselben gehalten. Die Nase der geschlossenen Hülse kommt beim Aufschieben der Spulen e auf dieselbe in die Aussparung derselben, so dass, um eine Spule e drehen zu können, die Reibung der geschlossenen Hülse auf der federnden Metallhülse überwunden werden muss. Ringe verhindern ein Verschieben der Hülsen.

Textabbildung Bd. 292, S. 223
Aus Vorstehendem ergibt sich somit, dass die einzelnen Duchten von ihren Spulen unter Spannung abgezogen werden. Diese Spannung wird aber mit dem abnehmenden Durchmesser der Spulen e auch zunehmen und muss deshalb diese Zunahme wieder ausgeglichen werden. Dieser Ausgleich erfolgt nun durch die auf den Spulen e aufruhenden Sättel f (Fig. 52). Jede einen Sattel f tragende Stange f1 ist durch die hohle Flügelwelle T geführt und wird von einer Spiralfeder f4 beeinflusst, die zwischen einem auf der Stange f1 sitzenden Stift f2 und einer über dieselbe geschobenen Mutter T1 eingeschlossen ist. Jeder Sattel wird in Folge dessen beständig gegen seine Spule gepresst und es wird die Spannung der sie beeinflussenden Feder f4 in dem Maasse abnehmen, wie der Durchmesser der Spule e abnimmt, d.h. es wird die Feder f4 anfänglich, wenn in Folge des grossen Spulendurchmessers die Kraft zum Abwickeln nur gering zu sein braucht, dieser Kraft ein grösseres Hinderniss in den Weg setzen als später, wo der Durchmesser der Spulen abnimmt, und somit wird ein gleichmässiges Abziehen der Duchten möglich sein.

Die von den Spulen e abgezogenen Duchten sind je einmal um die Leitrollen g geschlungen, welche in dem unteren Theil der Flügelarme a drehbar sind; sie gehen dann durch den hohlen, in den Lagerschalen V sich drehenden Flügelzapfen nach den Leitrollen g1, um die sie, so oft wie nöthig ist, geschlungen sind. Die Leitrollen g1 sitzen fest auf der Welle g2, die auf einem Ende das von der Schnecke X auf der Welle I getriebene Schneckenrad W trägt.

Von der Welle F aus werden die Flügel a mit grosser Geschwindigkeit in Umdrehung versetzt und die einzelnen durch die Rollen g1 langsam abgezogenen Duchten erhalten hierdurch die nöthige Drehung, um durch die Seilspule h zusammengedreht zu werden.

Die Spule h sitzt fest auf der Achse h1, die in Lagern h2 läuft. Letztere ruhen auf Armen h3, welche von der Nabe i1 des Zahnrades i ausgehen. Dieses Rad i wird von der in der Mitte der Maschine befindlichen und im Gestell A gelagerten kurzen, hohlen Welle j getragen, auf welcher es drehbar ist. Das Zahnrad i wird von einem anderen Zahnrad k auf der Welle N angetrieben.

Auf der Nabe i1 des Rades j läuft das Zahnrad l, welches einen oder einige Zähne weniger als das Rad i hat. Das Zahnrad l wird von dem auf der Welle N sitzenden Zahnrad m angetrieben, welches wieder einen oder einige Zähne mehr als das Rad h hat. Oberhalb des Rades l und auf dessen Nabe befestigt ist ein Winkelrad l1, im Eingriff mit dem Rad l2 auf der Achse h1, welche an ihrem entgegengesetzten Ende ein Schwungrad l3 trägt.

In ganz ähnlicher Weise ist das Zahnrad n, dessen Nabe n1 mit den Armen n2 versehen ist, angeordnet. Diese Arme tragen das Lager n3 für die Achse n4 mit der Abzugsrolle n5 und das Winkelrad o2. Auf der Nabe n1 dreht sich das Zahnrad O und das mit diesem fest verbundene Winkelrad o1, welches in das Rad o2 eingreift.

Auf der Welle N sitzen ferner die Zahnräder p und p1, welche mit den Rädern n bezieh. o auf der hohlen Welle j in Eingriff stehen. Das Zahnrad n hat ebenfalls einen Zahn mehr als das treibende Rad p und das Zahnrad o hat einen Zahn weniger als p1.

Auf dem anderen, dem konischen Rade o2 entgegengesetzten Ende trägt die Welle n4 ein Zahnrad q, das mit einem gleichen Rade q1 in Eingriff steht; dieses sitzt fest auf dem einen Ende der Achse q2, die in einer Verlängerung q3 des einen Armes n2 gelagert ist. Auf dem anderen Ende der Achse q2 sitzt eine am Umfang mit einer Nuth versehene Leit- oder Zugrolle q4. Der Arm q3 ist ausserdem mit einer seitlichen Abzweigung versehen, in welcher die Achse einer zweiten, mit q4 in gleicher Ebene rotirenden gleichgeformten Rolle q5 lagert (Fig. 53). Die Kanten dieser beiden Zugrollen berühren sich, während das fertige Seil von denselben abgezogen und in den Seilbehälter K geleitet wird.

Die Wirkungsweise der Maschine ist also folgende:

Die einzelnen von den Spulen kommenden Duchten werden durch die Rollen g1 abgezogen, um von dem Drehkopf, in welchem die Seilspule h lagert, zu einem Seil gedreht und weitergeführt zu werden. Das Seil geht dann durch die hohle Welle j nach der Spannrolle n5, um die es, wie um die Rolle b, ein oder mehrere Male gewickelt ist und welche sich mit gleicher Geschwindigkeit wie die Rolle h dreht. Das Seil wird dann zwischen die Zugrollen q4 und q5 (Fig. 53) geführt, die es in den Seilbehälter K legen.

Wenn die gesammte Drehung, welche dem Seil durch den Drehkopf der Abzugsrolle h ertheilt wird, in demselben bleiben würde, würde es in dem Seilbehälter „kinken“ oder sich verwickeln. Um dieses zu verhindern, erhält das Zahnrad p, welches den Drehkopf der Spannrolle n5 bewegt, eine geringere Anzahl Zähne als das Zahnrad k, welches den Kopf der Spannrolle h dreht.

Ersterer dreht sich hierdurch mit geringerer Geschwindigkeit als letzterer, und es wird somit dem zwischen diesen beiden Hollen durchgehenden Seil etwas von seinem Drall genommen, bevor es in die Trommel K gelangt.

Bei guten, nur einmal gedrehten Seilen sind 1¼ m |224| Duchtenlänge erforderlich; um 1 m Seil herzustellen, und müssen dementsprechend die Geschwindigkeiten der einzelnen Organe berechnet werden.

Für dünne Seile zieht man den senkrechten Zurichtmaschinen die wagerechten vor, weil sie rascher laufen und leichter aufgestellt und übersehen werden können. Wenn kugelweise geschlagene Seile, d.h. solche aus vier Litzen, hergestellt werden sollen, ist jede Maschine neben den vier die vier Litzenspulen tragenden Rahmen mit einer besonders grossen Herzspule versehen, von welcher die die Seele des Seiles bildende Litze abgezogen wird.

Die Drahtseilzurichtmaschinen sind gewöhnlich solche senkrechter Construction und immer in solcher Weise construirt, dass sie in beiden Richtungen umlaufen, also rechts und links gewundene Seile herstellen können. Ein Satz von Wechselrädern für den Abziehapparat ermöglicht ferner die Herstellung von Seilen mit verschiedener Drehung. Die Spulenflügel rotiren nicht nur um die Achse der Maschine, sondern auch mit bestimmter Geschwindigkeit um ihre eigenen Achsen, um den Litzen die erforderliche Drehung zu ertheilen. Das Herzstück läuft, wenn ein solches zur Verwendung kommt, durch ein Centralrohr, oder ist in einem Rahmen in der Mitte der Maschine befestigt. Nahe der oberen Theile der Maschine wird gewöhnlich eine sogen. Bühne errichtet, auf welcher der Arbeiter Platz nehmen kann, um die wichtigsten Theile der Maschine und das Zusammenlaufen der Litzen verfolgen zu können. Die Trommel des Haspels, welcher von der Zurichtmaschine aus durch einen Riemen angetrieben wird, ist sowohl in der Breite als auch im Durchmesser verstellbar und kann auch leicht und schnell in Stücke zerlegt werden, um die Abnahme des fertigen und aufgewickelten Seiles zu gestatten.

Zu den Seilmaschinen, welche gleichzeitig auch die zum Schlagen des Seiles erforderlichen Litzen bilden und dabei diese Arbeiten in getrennten Arbeitsprocessen vornehmen, gehören in erster Linie diejenigen, welche eine Seilerbahn voraussetzen, also die Geschirre, und die, welche aus Vorspinnmaschine und Läufer bestehen. Diese Art der Seilschlägerei ist die älteste und selbst bis zur jetzigen Zeit bekannteste Methode. Keine andere war bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts bekannt, als die Arbeit und das Talent anderer Erfinder andere Maschinen für das Schlagen der Seile einführten. Trotzdem sind die Geschirre sowohl, als auch die aus Vorspinnmaschine und Läufer bestehenden Maschinen bis auf den heutigen Tag vervollkommnet worden.

Fig. 54 und 55 veranschaulichen eine Seilschlagmaschine bezieh. ein Kammgeschirr von Bernh. C. Reutlinger in Frankfurt a. M., bei welcher die einzelnen Litzen vor ihrer Vereinigung dadurch auf gleiche Länge gebracht werden können, dass die dieselben haltenden Haken lösbar mit ihren Spindeln verbunden sind, daher jede einzelne Litze von der Auf- oder Zudrehung der übrigen ausschliessbar ist.

Zwischen zwei starken, schmiedeeisernen Platten in Doppel--Eisenrahmen, welche durch Stehbolzen mit Schrauben unter einander verbunden sind, ist die Mittelradwelle m mit dem Zahnrad z gelagert, und im Umkreis um dieses Rad sind die einzelnen Hakenwellen t1t2t3 mit ihren Hakentrieben angeordnet. Die Anzahl dieser Hakenwellen richtet sich nach der Zahl der Litzen, welche das Seil erhalten soll, und gewöhnlich sind vier bis acht Hakenwellen um ein entsprechend grosses Mittelrad gelagert.

Auf dem feststehenden Bolzen s dreht sich ein Schwungrad mit zwei auf seiner Nabe sitzenden Zahnrädern. Der Bolzen s ist von der Hakenwelle t1 und der Mittelrad welle m gleich weit entfernt, so dass man mit Hilfe von Wechselrädern w1w2, welche entweder auf die Mittelradwelle m oder auf die Hakenwelle t1 aufgesteckt werden können, verschiedene Geschwindigkeiten der Hakenwellen bei einer Schwungradumdrehung erzielen kann, wie dies bei der Herstellung verschieden dicker Seile nothwendig ist. Das Kurbelheft am Schwungrad kann zum leichteren Arbeiten in seinem Hub dreimal verstellt werden.

In Fig. 55 ist an der Hakenwelle t2 veranschaulicht, wie die Hakenkörper h, welche zum Anhängen der einzelnen Seillitzen bestimmt sind, unmittelbar von den Hakenwellen getragen werden. Der Hakenkörper h ist entweder auf der Hakenwelle t2 drehbar und kann mit der Stellschraube b mit dieser Welle verkuppelt werden, wobei die Schraube e mit ihrer Unterlegscheibe das Herunterziehen des Hakenkörpers verhindert, wenn derselbe losgekuppelt ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 224
Die Ausführung kann aber auch so erfolgen, dass sämmtliche Hakenwellen – wie Hakenwelle t1 zeigt – hinten in Haken endigen. Der Hakenkörper h ist dann auf einer Welle a drehbar und wird der ringförmige Theil der Welle a (Fig. 55) in die Haken der Hakenwellen eingehängt.

Die Herstellungsart eines Seiles ist folgende:

Nachdem die Seillitzen ausgezogen sind, werden dieselben an die Hakenkörper h der Seilschlagmaschine oder des Kammgeschirres gehängt und durch Drehen am Schwungrad auf „Härte“ zusammengedreht. Haben die Seillitzen ihre „Härte“ erhalten, dann werden dieselben vor dem Zusammenschlagen zu einem Seil in ihrer Länge ausgeglichen. Zu diesem Zwecke schraubt man den Bolzen c mit Handgriff in die Oeffnung d desjenigen Hakens ein, |225| an welchem die kürzeste oder längste Seillitze hängt, und löst mittels eines Schraubenschlüssels die Schraube b, so dass der Haken frei auf der Welle sich drehen kann. Nun wird das Schwungrad so lange vor- bezieh. rückwärts gedreht, bis diese Seillitze dieselbe Länge als die anderen Litzen hat, worauf die Schraube b wieder angezogen und der Bolzen c mit Handgriff entfernt wird.

Auf diese Art werden alle Seillitzen ausgeglichen und dann zu einem Seil zusammengeschlagen.

Textabbildung Bd. 292, S. 225
In den Fig. 56 und 57 ist eine aus Vorspinnmaschine und Läufer bestehende, mit den neuesten Verbesserungen versehene Maschine von Barraclough und Co. in Manchester veranschaulicht. Der Arbeitsprocess dieser Maschine ist folgender: Ein oder mehrere Gestelle, welche in einiger Entfernung hinter der Vorspinnmaschine (Fig. 56) aufgestellt sind, tragen die Spulen mit den Garnen für das Seil und stehen mit dem Scheitel des V's, welches seine Wandungen bilden, der Vorspinnmaschine am nächsten. Nachdem die Garne das Gestell verlassen haben, gehen sie durch das Register, welches gewöhnlich aus einem hölzernen oder eisernen Rahmen besteht, der durch runde Eisenstangen in verschiedene Quadrate getheilt ist. Jedes Garn geht durch das ihm zubestimmte Quadrat und es hat das Register den Zweck, dass alle Garne von der Spulbank nach der Kranzplatte eine Richtung annehmen. Die Kranzplatte ist aus Gusseisen hergestellt und in bekannter Weise mit so viel Löchern versehen, als Garne vorhanden sind. Diese Löcher sind in concentrischen Kreisen angeordnet und es muss der Durchmesser eines jeden Kreises ein solcher sein, dass die verschiedenen Systeme von Garnen sich unter bestimmten Winkeln gruppiren. Je nach der Grösse der Maschine stellt dieselbe nur eine Litze oder deren eine grössere Zahl gleichzeitig her und ist demgemäss auch mit einer Kranzplatte mit nur einer Serie von Lochkreisen oder deren mehreren ausgestattet. Nachdem die Fäden für jede Litze durch die Kranzplatte geführt worden sind, werden sie in einer cylindrischen Röhre vereinigt, durch dieselbe hindurchgezogen und alsdann an einem Haken des Läufers befestigt. Die besten und geeignetsten Röhren sind aus Eisen hergestellt, genau und ein wenig konisch ausgebohrt und an beiden Enden ein wenig erweitert. In den nach den neuesten Erfahrungen ausgerüsteten Seilschlägereien werden diese Röhren in einen senkrechten Dampf kästen wagerecht eingelegt. Dieses Verfahren ist von besonderem Vortheil, da die meisten Seile aus getheerten Fäden hergestellt werden, welche, wenn sie, ohne erwärmt zu werden, in den Röhren liegen bleiben, steif und hart werden, so dass sie ausgeschnitten werden müssen.

Der Läufer besteht im Wesentlichen aus einem kräftigen, eisernen Gestell, in welchem eine Serie schmiedeeiserner Haken (Fig. 57) angebracht ist, die an den Enden stählerner Spindeln befestigt sind, welche durch geeigneten Antrieb mit bestimmter Geschwindigkeit in Umlauf gesetzt werden. Mittels ein- und ausrückbarer Kuppelungen kann diese Umdrehung nach Belieben in eine rechts oder links gerichtete verwandelt werden. Der Läufer erhält seine Bewegung durch ein endloses Treibseil, welches von einem Ende der Seilerbahn bis zum anderen reicht und sich um eine grosse Seilscheibe des Läufers (Fig. 56) legt. Von der durch diese Seilscheibe angetriebenen Hauptwelle empfangen mittels Räderwerk die Haken und eine zweite Welle ihren Antrieb; diese zweite Welle ist am Wagen befestigt und trägt eine Scheibe, um welche sich eine Kette legt, die an der Vorspinnmaschine befestigt ist und sich bis zum anderen Ende der Seilerstätte erstreckt. Der gesammte Mechanismus des Läufers wird von einem starken Wagen oder Gestell getragen, dessen Räder, mit kräftigen Bremsen ausgerüstet, auf eisernen Schienen laufen.

Die Vorspinnmaschine besteht aus einem massiven eisernen Gestell, in welchem eine Anzahl Haken in gleicher Weise wie im Läufer in Umlauf gesetzt werden können. Die Vorspinnmaschine ist noch mit einer Windevorrichtung zum Strammhalten des Grundseils versehen und wird von dem endlosen Seil, das oben erwähnt, mittels einer Seilscheibe (Fig. 56) in Betrieb gesetzt, die durch eine Frictionskuppelung mit ihrer Welle verbunden ist.

Damit dem Treibseil für Läufer und Vorspinnmaschine stets dieselbe Spannung gewahrt bleibt, geht dasselbe über eine belastete Spannrolle, die sogen. Guillotine.

Die von dem Spulengestell ablaufenden Garne gehen, nachdem sie durch die erwähnten Röhren geführt worden sind, nach den Haken des Läufers. Wird also z.B. ein trossenweise geschlagenes Seil hergestellt, so werden drei Sätze Garne, nachdem sie das Register, die drei Reihen Löcher in der Kranzplatte und die drei Röhren passirt haben, an drei Haken des Läufers befestigt, welche durch das endlose Seil und passende Uebertragungen in Umdrehung gesetzt werden. Gleichzeitig bewegt das endlose Seil den Läufer der Seilerstätte entlang, wodurch die Fäden von den Spulen abgewickelt und durch die Röhren gezogen werden, so dass sie drei Litzen bilden, welche |226| gleichzeitig durch die Drehung der Haken, an welchen sie befestigt sind, gedreht werden. Die Wirkung der Röhren in dem Dampfkasten ist somit leicht ersichtlich. Die Litzen sind glatt und vollkommen rund polirt. Um aus drei Litzen ein Seil zu bilden, werden ihre Enden nahe an der Vorspinnmaschine abgeschnitten und an drei Haken dieser Maschine befestigt, welche mit den Haken des Läufers correspondiren; diese letzteren werden in Drehung versetzt, um den Litzen die genaue nothwendige Drehung zu geben. Die anderen Enden der drei Litzen werden dann von den drei Haken des Läufers los gemacht und an einem Haken desselben, gewöhnlich dem mittleren, befestigt; dieser Haken wird alsdann in der Richtung, entgegengesetzt derjenigen, in welcher die Litzen gedreht sind, bewegt. Bevor diese Arbeit jedoch ausgeführt wird, setzt man die Kappe zwischen die drei Litzen. Die Rotation des mittleren oder Schlaghakens dreht die drei Litzen um sich selbst, und die Vorspinnhaken, an welchen die anderen Enden befestigt sind, setzen ihre Drehung fort, um die Litzen genau um so viel zu drehen, als sie durch ihre Drehung um sich selbst in der entgegengesetzten Richtung durch die Drehung des Schlaghakens des Läufers aufgedreht werden. Es ist somit ersichtlich, dass die Litzen sich auf einer Seite der Kappe zu einem Seile vereinigen, während sie auf der anderen Seite aus einander gehalten werden. In dem Maasse, wie durch das Zusammendrehen der Litzen die Kappe vorwärts geschoben wird, bewegt sich der sie tragende Wagen der Seilerbahn entlang, und ebenso kommt der stark gebremste Wagen oder Läufer auf die Vorspinnmaschine zu, bis die Drehung des Seiles beendet ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 226
Einen ähnlichen Arbeitsgang, wie die aus Läufer und Vorspinnmaschine bestehenden Maschinen zur Herstellung von Leinen, Seilen u.s.w. zeigt die in den Fig. 58 bis 62 Veranschaulichte Maschine zur Anfertigung von Treibschnuren, welche Gegenstand des D. R. P. Kl. 73 Nr. 53940 vom 4. März 1890 ist. Die Maschine rührt von William H. Naglor in Philadelphia her. Bei ihr arbeitet eine ein- und ausfahrende Hakenspindel p mit zwei am Ort verbleibenden Hakenspindeln kk und einer solchen y abwechselnd in folgender Weise zusammen. Zunächst rotiren nur die Spindeln kk, um jede Einzellitze für sich zu spinnen und durch die Fadenverkürzung die Spindel p einzufahren, sowie zugleich mit dem Antriebsmechanismus zu verkuppeln (Fig. 58 a und b); dies hat zur Folge, dass die beiden Litzen nunmehr verzwirnt werden (Fig. 59). Nach Einhängen der beiden Enden der Litzen in die Hakenspindel y und Einschieben der Nadel R (Fig. 61) wirkt die nunmehr mit entgegengesetzter Drehrichtung eine kurze Strecke ausfahrende und dann stillstehende Spindel p vor der Nadel R aufdrehend, dagegen die mit p in gleichem Sinne und nach dem Stillstand von p noch weiter rotirende Spindel y hinter der Nadel R unter Herausschieben derselben fest zudrehend (Fig. 62).

Von denjenigen Maschinen, welche eine Seilerbahn nicht voraussetzen, also das fertiggestellte Product gleichzeitig aufwinden, ist zunächst eine aus der Klasse derjenigen zu erwähnen, welche zwar die Litzen herstellen und diese wieder zusammenschlagen, diese Arbeiten aber in zwei getrennten Arbeitsvorgängen gleichzeitig ausführen. Diese von Barraclough und Co. herrührende Maschine ist in Fig. 63 wiedergegeben und dient zur Herstellung von Spindelschnuren.

Textabbildung Bd. 292, S. 226
Die Kötzer, welche die Garne liefern, werden auf den Pflockplatten AAA angebracht, und die Garne vereinigen sich und bilden drei Litzen. Diese Litzen werden, nachdem sie die Ziehwalzen passirt haben, gezwirnt und mittels der Spindeln BBB auf drei Spulen gewunden. Diese Spulen werden, wenn sie voll sind, auf die an der Hinterseite der Maschine befindlichen Spindeln CCC gebracht. Während die Litzen eine weitere Drehung bekommen, werden sie mittels der Ziehwalzen vorwärts gezogen, zusammengeschlagen und auf die Spulen der vorderen Spindeln DDD gewunden. Die Maschine kann sowohl zwei- als dreilitzige Schnüre herstellen. Sie ist in einem starken Gestell montirt und die Vorder- und Hinterspindeln sind aus Stahl. Alle in dieser Maschine angewendeten Spulen sind von derselben Grösse, nämlich 153 mm lang mit 138 mm grossen Flanschen. Die Maschine |227| verfertigt 14 bis 20 k Spindelschnüre täglich und ist in allen Spinnereien unschätzbar, da sie ermöglicht, Baumwollschnüre aus nicht guten oder verdorbenen Kötzern herzustellen, welche sonst Abfall geworden wären.

Eine vielseitige Ausbildung haben diejenigen Seilereimaschinen erfahren, bei welchen der zur Herstellung der Litzen und Verzwirnung derselben erforderliche Arbeitsprocess ein ununterbrochener ist. Die nachstehend besprochenen Beispiele liefern hierfür einen deutlichen Beweis und lassen erkennen, dass diese Maschinen sowohl liegend als auch stehend ausgeführt werden.

Textabbildung Bd. 292, S. 227
Eine Maschine zur Herstellung von Treibschnuren mit gestreckt liegendem Kernfaden, in welcher die gruppenweise Verzwirnung der Einzelfäden zu Litzen mittels Spinnröhrchen und zugleich die Vereinigung der Litzen mit dem Kernfaden durch eine Haspel erfolgt, der während des Aufwickelns der fertigen Schnur auch um eine zu seiner geometrischen Achse quer stehende Achse rotirt, ist in den Fig. 64 und 65 wiedergegeben und rührt von Alexander Wagner in Neu-Paulsdorf bei Reichenberg (Böhmen) her.

Mit der Maschine werden um einen Hanfkern A mehrere Baumwollitzen B zu einer Schnur C gesponnen und diese wird auf eine Stiftentrommel D aufgewickelt.

Die Litzen B können aus einer beliebigen Anzahl Fäden hergestellt werden, welche von den unten aufgestellten Kötzern E entnommen, von unten durch die Spinnröhrchen F und deren seitliches Loch G durchgezogen, dann durch das Loch H der Schnurrolle I (Fig. 64 und 65) und das seitliche Loch K durch die Spinnröhrchen F nach dem an dem Bügel L1 befestigten Konus L geführt und auf diesem Wege durch die Drehung der Spinnröhrchen F verzwirnt werden. Die so erhaltenen Litzen laufen durch eine Oeffnung in den feststehenden Konus L1 um um den rotirenden Hanfkern A gewickelt zu werden, welcher, von unten kommend, durch die senkrechte Bohrung des Konus L und die darüber befindliche Schnurrolle M hindurchgeht und an einem Stift N des Haspels befestigt ist.

Der Hanfkern kann aus einer beliebigen Anzahl gesponnener Hanffäden gebildet werden, die, auf Spulen Y befindlich, von unten durch die Mitte der Maschine gezogen, durch die Drehung derselben gezwirnt werden und damit ihren Draht erhalten. Je stärker die Schnur werden soll, desto mehr Hanffäden wird man für den gestreckten Kern nehmen.

Die Schnurrolle M wird von der grossen Schnurrolle O angetrieben und ist mit dem unten in der Querleiste P und oben in der Querleiste R gelagerten Bügel Q fest verbunden, welcher an dem Bolzen S das Schneckenrad D trägt, das von der auf der Achse T sitzenden Schnecke U in Bewegung gesetzt wird. Die Lager T1 der Achse T sind unten mit dem Bügel Q verbunden, und auf dem einen Ende der Achse T ist eine Rolle V befestigt, welche auf dem an der Querleiste P angebrachten Ring W läuft und durch Reibung gedreht wird, während die am anderen Ende der Achse T sitzende kleinere Rolle V1 den Ring W nicht berührt und nur als Schwungrad dient. Die um die Rolle O gelegte Schnur ohne Ende läuft, wie die Pfeile angeben, um die Rolle M über die Führungsrollen XX1, um die vier (oder mehr) Spinnröhrchen I herum nach der Rolle O zurück. Während bei der Schnurrolle M der Apparat angetrieben und der Bügel Q gedreht wird, läuft die Rolle V auf dem Kranz W, dreht dadurch die Schnecke U und das Schneckenrad D, welches, mit Stiften N versehen, die Schnur C anzieht, aufwickelt und zugleich dreht, so dass dadurch nicht allein die von den Spulen Y kommenden, den Kern bildenden gesponnenen Hanffäden einen Drehungsgrad erhalten, welcher sich so lange verstärkt, bis die Schnur sich auf die Trommel aufwickelt, sondern auch die von den Spinnröhrchen F gezwirnten Litzen B um den Kern gesponnen werden, indem dieselben, durch Oeffnungen des feststehenden Konus L geleitet, sich daselbst auf den fortschreitend drehenden Hanfkern aufwickeln.

Die mit der Maschine gefertigte Schnur C besitzt die für ihre Bestimmung vorzügliche Eigenschaft, nicht dehnbar zu sein.

Textabbildung Bd. 292, S. 227
Fig. 66 zeigt eine wagerechte 24garnige Seilschlagmaschine der Firma Barraclough und Co. in Manchester. Die Maschine ist zur Herstellung dreischäftiger Seile bestimmt und besteht demgemäss aus drei Flügeln A, deren jeder acht mit Seilgarn versehene Spulen trägt, welche in einem besonderen Rahmen lagern. Die Garne laufen von diesen Spulen durch einen der hohlen Zapfen der Flügel, dann an einer Seite derselben bei B entlang und weiter durch den anderen hohlen Zapfen jedes Flügels nach den drei Kopfstücken C. Durch die Drehbewegung der drei Flügel wird das Garn in drei Schäfte gedreht, welche die drei Kopfstücke vermöge ihrer Bewegung an sich ziehen. Die bezeichneten Kopfstücke drehen sich zu diesem Zwecke mit den Flügeln und sind mit Rollen ausgerüstet, welche |228| auf ihrer Oberfläche Rillen haben. Uni diese Rollen, welche durch Räderwerk in Umlauf gesetzt werden, werden die Schäfte oder Litzen drei- oder viermal geführt und vereinigen sich sodann bei D. Die Aufwickeltrommel E, welche in der den Flügeln entgegengesetzten Richtung umläuft und somit die drei Schäfte zu einem Seil zusammendreht, dient zur Aufnahme des letzteren und ist mit einer geeigneten Vorrichtung versehen, um das aufzuwickelnde Seil über die ganze Länge der Trommel zu führen und somit eine gleichmässige Aufwickelung zu erzielen. Durch die Aufnahme des Seiles wächst der Durchmesser der Trommel, doch verringert sich auch zu gleicher Zeit die Rotationsgeschwindigkeit, so dass dadurch ein gleichmässiges Anlaufen der Schäfte und eine Gleichmässigkeit in der Herstellung des Seiles bedingt werden. Sobald die Trommel voll ist, wird die Maschine angehalten und das Seil nach dem Zusammenklappen der Trommel von dieser abgenommen. Die Maschine kann mit grosser Geschwindigkeit arbeiten und producirt nach Angabe der Fabrikanten 1800 bis 3000 m Seil im Tag, je nach Grösse und Anzahl der Drehungen, Die Maschinen werden in vier Grössen angefertigt und zwar für 12garnige Seile (4 Garne in jeder Litze); für 18garnige Seile (6 Garne in jeder Litze); für 24garnige Seile (8 Garne in jeder Litze); für 36garnige Seile (12 Garne in jeder Litze).

Textabbildung Bd. 292, S. 228
Für grössere Seile, bis zu 60 Garnen zum Beispiel, erhält die Maschine die aus Fig. 67 ersichtliche Gestalt. Der Aufwindemechanismus rotirt bei dieser Ausführungsform nicht mit. Die 60 die Garne tragenden Spulen werden in drei Flügeln placirt, diese Flügel haben eine doppelte Bewegung, indem sie um die mittlere Achse rotiren und sich auch gleichzeitig um ihre eigene Achse drehen. Die letztere Bewegung dreht mittels der drei Kopfstücke mit Ziehrollen die 60 Garne in drei Litzen, während die erstere diese Litzen als fertiges Seil an der rechten Seite der Maschine um zwei durch Räderwerk getriebene Rollen führt, welche ein regelmässiges Ablaufen des Seiles bewerkstelligen und eine gleichmässige Aufwickelung auf den durch einen Riemen angetriebenen Haspel ermöglichen.

(Schluss folgt.)

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