Titel: Ueber die Herstellung von Garnen, Bindfäden, Schnuren, Litzen, Seilen u.s.w.
Autor: Glafey, H.
Fundstelle: 1894, Band 292 (S. 270–275)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/ar292074

Ueber die Herstellung von Garnen, Bindfäden, Schnuren, Litzen, Seilen u.s.w.

Von H. Glafey, Ingenieur in Berlin.

(Schluss des Berichtes S. 248 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Textabbildung Bd. 292, S. 270
Die in Fig. 81 dargestellte wagerechte Seilschlagmaschine rührt von Walter T. Glover und Co. in Salford her und arbeitet mit 18 Spulen, von denen nach der Deutschen Seilerzeitung eine jede mit einer besonderen Bremsvorrichtung ausgestattet ist, die derart eingestellt werden können, dass sämmtliche, von den 18 Spulen ablaufenden Fäden eine gleiche Spannung haben, was für Seilspinnmaschinen von grosser Wichtigkeit ist. Je sechs solcher Spulen sind auf einer Scheibe angeordnet, und zwar liegen, wie die Figur erkennen lässt, drei derselben auf der Vorder-, die drei anderen auf der hinteren Seite einer jeden Scheibe. Die drei die 18 Spulen tragenden Scheiben sitzen mit Hilfe geeignet angeordneter Achsen zwischen zwei auf der wagerechten Achse der Maschine angebrachten parallelen Scheiben derart drehbar, dass sich bei ihrer Drehung immer sechs Garne zu einer Litze vereinigen. Hervorgebracht wird die hierzu erforderliche Drehung der Spulenscheiben dadurch, dass von der Vorgelegewelle aus zunächst die Hauptwelle mit den die Spulen tragenden Scheiben in Umdrehung versetzt wird, was zur Folge hat, dass sich die Spulen mit ihren Scheiben um die Hauptachse in der einen Richtung drehen. Während dieser Drehung erfahren aber die Spulen mit ihren Trägern gleichzeitig noch eine Rotation |271| nach der entgegengesetzten Seite mittels des geeignet angeordneten Rädervorgeleges, dessen Einrichtung sich aus der Figur ergibt. Die drei auf diese Weise gebildeten Litzen werden dann nach einer dritten Scheibe geführt, durch deren Vermittelung sie zum Seil geschlagen werden, welches durch die mit zwei Abzugstrommeln ausgestattete, von der Vorgelegewelle angetriebene Abzugsvorrichtung einem Haspel zugeführt wird.

Durch Auswechseln der zum Antriebe der Spulenscheiben verwendeten Zahngetriebe können fest oder lose geschlagene Seile erzielt werden.

Eine Ausrückvorrichtung setzt die Spinnmaschine und die Abzugs Vorrichtung still, sobald eine Litze reisst.

Bei der in den Fig. 82 und 83 veranschaulichten wagerechten Seilschlagmaschine von W. P. Glover und R. Guiltnane in Salford sind die die Garne tragenden Spulen auf Spulenträgern angeordnet, welche auf in einem Kegelmantel liegenden Achsen sitzen, deren Spitze ein wenig vor dem Drehkopfe für die Litzen liegt, so dass die letzteren bis zu ihrem Vereinigungspunkt in einer geraden und nicht gebrochenen Linie verlaufen, wie bisher. Jede Achse eines Spulenträgers ist mit einem Planetenrad ausgestattet, die sämmtlich mit einem auf der Mittelachse der Maschine lose drehbar angebrachten Zahnrad in Eingriff stehen, dessen Umdrehungsgeschwindigkeit mit Hilfe von Wechselrädern nach Bedarf geändert werden kann.

Textabbildung Bd. 292, S. 271
Die Hauptachse a der Maschine ist einerseits in dem Lagerbocke d gelagert und trägt andererseits die Führungsscheibe e für die Litzen, welche auf Rollen in dem Lagerständer d1 ruht. Zwischen den beiden genannten Stützpunkten dd1 sitzen fest auf Achse a die beiden Scheiben ii1, während die Zahnräder nl lose drehbar mit ihr durch Naben verbunden sind. In den Scheiben ii1 ruhen die Achsen b, deren jede, wie bereits erwähnt, ein Planetenrad b1 und einen Spulenträger c trägt. Die letzteren tragen auf beiden Seiten in Armen o1 die die Garne haltenden Spulen o, während die Räder b1 mit dem genannten Rad l in Eingriff stehen, das durch die Räder nn1n2 von der Vorgelege welle g aus in Umdrehung versetzt wird. Das Rad n1 sitzt auf einem in einem Schlitz (Fig. 83) verstellbar angeordneten Bolzen n3 und kann ausgewechselt werden, falls für das Rad l eine andere Umdrehungszahl gewünscht wird. Die Hauptwelle a wird von der erwähnten Vorgelegewelle g aus, die mit Fest- und Losscheibe ausgestattet ist, durch das Rädergetriebe f2f1f aus angetrieben. Sobald dies erfolgt, drehen sich auch die Scheiben ii1 mit den Spulenträgern und Spulen o mit und hierbei wälzen sich die Planetenräder b1 auf dem Rade l, welches ebenfalls eine Drehbewegung ausführt, ab und erhalten je nach der Grösse des Wechselrades n1 eine mehr oder weniger rasche Umdrehung im Sinne der Pfeile (Fig. 83), also entgegen den Scheiben ii1. Eine derartige Bewegung der Mechanismen hat zur Folge, dass die durch je eine Scheibe k geführten Garne eines Spulenträgers c in dem einstellbaren Drehkopf zusammengedreht und die solcherart gebildeten Litzen p in einem nicht zur Darstellung gebrachten gemeinsamen Drehkopf zum Seil geschlagen werden. Die Abführung des Seiles erfolgt mit Hilfe geeigneter Abzugstrommeln, welche von der Vorgelegewelle g aus durch die Räder s und Triebwelle r ihre Bewegung erhalten.

Eine Seilschlagmaschine, welche mit hoher Arbeitsgeschwindigkeit betrieben werden kann, ist die in den Fig. 84 bis 91 veranschaulichte. Diese Maschine rührt von W. H. Harrison Sisum in Belleville, New Jersey, Nordamerika, her und wird dadurch gekennzeichnet, dass die längs einer Mittelachse gelagerten Spulenträger käfigartig von einem Trag- oder Drehgestell gehalten werden, welches einerseits aus der Länge nach durchgehenden Haltestangen, andererseits aus ebenfalls der Länge nach angeordneten Zwischenwellen besteht, wobei letztere eine gegenläufige Bewegung der Spulenträger in Beziehung zu der langsameren conaxialen Drehung des Traggestelles zu veranlassen im Stande sind, um eine unabhängige Zwirnung der Fäden oder Litzen vor dem Zusammendrehen herbeizuführen. Diese neue Anordnung des Traggestelles bezieh. der Spulenträger, in denen ferner die Spulen quer eingelagert sind, um den axialen Fadenabzug zu ermöglichen, bedingt einen vollständigen Gewichtsausgleich der umlaufenden Constructionstheile, so dass mit der neuen Maschine eine bedeutend höhere Betriebsgeschwindigkeit erzielbar ist, als mit den bekannten Maschinen derselben Art.

Die in Fig. 84 und 85 veranschaulichte Ausführungsform der Maschine kennzeichnet sich durch eine Reihe in einer Richtung angeordneter Spulenträger oder Rahmen 1 mit um eine Querachse drehbaren Spulen 18. Es werden zweckmässig sieben solcher Spulen angeordnet. Auf die Spulen wirken Bremsen 2 zu dem Zwecke, um allzu schnelles Abwickeln der Fäden zu verhindern.

Die Rahmen 1 sind mit den Zapfen oder Spindeln 3, die zweckmässig in einem Stück mit ihnen hergestellt sind, in Lagerbüchsen 21 von hinter einander angeordneten Scheiben 5 frei drehbar eingefügt und tragen beim Zapfenanschluss die Zahnräder 4. Die zu einem gemeinsamen Drehgestell vereinigten Tragscheiben 5 nehmen die durchgehenden Wellen 6 auf, und zur Versteifung abwechselnd aufeinander folgender Scheiben 5 dienen die ebenfalls durchgehenden Ankerstangen 8; einige der Scheiben 5 bilden, |272| indem sie von Bügellagern 7 des Gestelles umschlossen werden, die Drehzapfen des Drehgestelles, wie aus Fig. 85 ersichtlich. Die Anordnung der Wellen 6 und Ankerstangen 8 ist so, dass sich dieselben je in einer Durchmesserrichtung gegenüberliegen. Diese Anordnung ist deshalb vortheilhaft, weil sie einen vollkommeneren Massenausgleich des Drehgestelles bedingt, welches durch die Verbindung der Wellen, Ankerstangen und Tragplatten gebildet wird. Die ringförmigen Lager 7 sind bei den Wangen eines Gestelles 9 festgelegt, welches als Tischgestell mit Beinen ausgeführt sein kann, und bestehen ferner aus zwei trennbaren Bügelhälften, so dass die mit Einpassflansch versehenen Scheiben leicht bei den entsprechend ausgedrehten Lagerflächen eingeführt werden können. Die Ankerstangen 8 sollen sich nicht bei ihren Durchführungsstellen in den Scheiben 5 drehen, sondern fest mit denselben verbunden sein. Zu diesem Zwecke werden auf die Stangen rohrförmige Hülsen aufgesteckt; deren Länge den Abständen der einzelnen Scheiben 5 entspricht und welche mit den gegenüberstehenden Enden die Scheiben zwischen sich festhalten oder festklemmen, wenn die an den überstehenden Aussenenden der Ankerstange 8 vorgesehenen Schraubenmuttern festgespannt sind. In der vorliegenden Anordnung sind die Stangen 8 zugleich als Befestigungsmittel für eine Riemen- oder Antriebscheibe 20 benutzt, welche die Drehung auf das ganze, aus Stangen 8, Scheiben 5 und Zubehör bestehende Drehgestell überträgt. Die Befestigung ist dadurch erreicht, dass auf je eine Endverlängerung der Stangen 8 diesseits der Endscheiben 5 eine Hülse 11 aufgesteckt und vor denselben die mit Anschlagflächen versehene Riemenscheibe 20 aufgesetzt wird, bei welcher an der anderen Seite die die Klemmverbindung einrichtenden Schraubenmuttern auf den durchgehenden Stangenenden festzuschrauben sind.

Textabbildung Bd. 292, S. 272
Die Achsenrichtung der Riemenscheibe 20, wie sie von den Stangen 8 gehalten wird, stimmt überein mit der Achsenrichtung des Drehgestelles, bestehend aus den Stangentragscheiben und Zubehör. Wenn daher Drehbewegung auf die Riemenscheibe übertragen wird, so wird das gesammte Drehgestell um die Längsachse in Drehung versetzt.

Diejenige Scheibe 5, welche der Riemenscheibe 20 am nächsten gelegen ist, steht mit einem Zapfen in fester Verbindung, der durch die Scheibe 20 hindurchreicht. Dieser Zapfen, dessen Anschluss an die Nabe der Scheibe 5 durch ein rohrförmiges Stück mit Schraubengewinde in Eingriff mit dem Aussengewinde eines mittleren Nabenfortsatzes bewirkt ist, reicht ferner durch eine fest gelagerte Muffe 13 an einer mit dem Gestell 0 verbundenen Lagerstütze hindurch und trägt an seinem Aussenende ein Zahnrad 14, dessen Zweck später erläutert wird. Das innere Ende der Muffe 13 trägt ein Zahnrad 15 und im Eingriff mit diesem stehen Zahnräder 16, welche den beiden Wellen 6 am Drehgestell zugehören. Wenn somit dieses Drehgestell um seine Achse gedreht wird, laufen die letztgenannten Räder 16 um das feststehende Rad 15 und nehmen von diesem eine auf die Wellen 6 übertragene Drehung auf.

Der Rahmen 1 jeder Spule 18 ist in der Mitte des nach vorn gerichteten Bügels mit einem Führungsauge 26 versehen, durch welches das Garn einer jeden Spule nach Maassgabe der Abwickelung hindurchgeht. Das Garn der vordersten Spule 18 läuft von dem Auge seines Spulenrahmens nach einem Paar Rollen oder Ablaufscheiben 27, die an aufrecht stehenden, beim Gestell 9 angebrachten Zapfen drehbar sind und gleichzeitig auch die durch die Registerscheibe geführten Garne der übrigen Scheiben aufnehmen, um sie als Litze den Abzugsscheiben 30, 31 zuzuleiten, welche ihren Antrieb von Rad 14 aus mittels des Räderwerks 37, 36, 35 bis 32 empfangen.

Die in den Fig. 86 und 87 dargestellte modificirte Ausführungsform der Maschine unterscheidet sich nicht von der beschriebenen bezüglich der wesentlichen Einrichtung der hinter einander in einem Drehgestell vereinigten Spulenträger mit Spulen. Dagegen werden statt zweier vier Ankerstangen zur Stützung der Scheiben 5 vorgesehen und es bilden diese Scheiben 5 nicht selbst mit Ringumfassungen 7 die Lagerungsstellen für das Drehgestell. Vielmehr ist das Drehgestell an einem Ende durch eine Welle oder den Zapfen 12, der von einer Endscheibe 5 vorspringt, getragen und am anderen Ende mittels eines Zapfens gelagert, der von dem anderen Ende des Zapfens 41 ausgeht und von der anderen Endspule 5 vorspringt. Die zugehörigen Lager 13 und 42 bilden Theile des Gestells 9. Der Zapfen 41 ist ein Hohlzapfen und umschliesst einen Stöpsel 43, der zweckmässig aus gehärtetem Stahl |273| besteht. Mittels einer Klemmschraube 44, die durch die Hohlzapfenwandung hindurchgeht, wird der Stöpsel in seiner Lage gesichert. Dieser Stöpsel hat eine axiale Bohrung in der Mitte und ferner an seinem Umfang eine Anzahl von Längsnuthen, die Führungen für die übrigen Garne bilden; während das Garn der ersten Spule durch jene mittlere Bohrung abgezogen wird. Jenseits des Stöpsels laufen alle Garne zwischen Rollen oder Druckscheiben zusammen. Die an der Welle 12 vorgesehene Riemenscheibe 20 dient zum Antrieb des Drehgestells im Ganzen. Von einem feststehenden Rad 15 werden die Räder 16 der Wellen 6 in Folge des Umlaufes des Drehgestells angetrieben und die Räder 17 der Wellen 6 stehen in Eingriff mit den Rädern 4 der Spulenrahmen 1. In der dargestellten Einrichtung sind diese Spulenrahmen auf beiden Enden an Tragscheiben 5 gelagert, und von den Tragscheiben 5 sind die, das hintere Stützlager bildenden, mit abnehmbaren Füllungstheilen oder Nebenstücken 45 derart versehen, dass eine leichte Auswechselung der Spulenrahmen möglich ist.

Textabbildung Bd. 292, S. 273
In der Maschine nach Fig. 88 sind mehrere Spulen tragende Drehgestelle, welche im Wesentlichen die Einrichtung der Fig. 86 und 87 haben, zusammengebaut, und zwar so, dass sie zwischen zwei grösseren Endscheiben 46, die durch Ankerstangen 47 verbunden sind, in Kreisanordnung eingefügt werden und mit diesen Endscheiben ein einziges Drehungssystem bilden. Eine der Endscheiben 46 ruht in einem Gestellauflager 50; die andere Endscheibe 46 stützt sich auf Laufrollen 51, die an dem festen Gestell 50 angebracht sind. Diese Laufrollen nehmen bei ihren mit einer Spurrinne versehenen Umfangen den Rand der Scheibe 46 auf.

Der Hohlzapfen 48 nimmt eine nach aussen durchgehende Welle 52 auf, die durch ein Lager 53 am Gestell 50 gestützt wird und eine Antriebscheibe 54, ein Triebrad 68, sowie am Ende ein Zahnrad 55 trägt. Der von der Scheibe 54 ausgehende Antrieb dient zunächst unter Vermittelung des Rades 68 zur Drehung des mit der Zwischenwelle 70 verbundenen Zahnrades 69. Das Rad 71 derselben Zwischenwelle 70 steht in Eingriff mit dem Rad 72 an dem Hohlzapfen 48, so dass mittels des beschriebenen Vorgeleges das ganze Scheibengestell mit den eingebauten Drehgestellen in Drehung versetzt wird. Das Rad 55 erfüllt den mit Bezug auf Fig. 84 und 85 beschriebenen Zweck, Bewegung auf Abzugwalzen 30, 31 zu übertragen. Am inneren Ende der Welle 52 ist ein Zahnrad 56 aufgesteckt, welches in Eingriff mit Zahnrädern 57, die den einzelnen Drehgestellen zugehören, derart steht, dass letztere bei dem Antrieb gedreht werden. Die Wellen 6 der Drehgestelle werden wiederum unabhängig mittels der mit den Zahnrädern 15 in Eingriff stehenden Räder 16 gedreht, wobei die den Zahnrädern 15 zugehörigen Wellen 58 durch hohle Naben 59 hindurchgeführt sind, die von einer der Scheiben 46 vorspringen und zugleich das Auflager für die äusseren Lagermuffen 60 der Drehgestelle bilden. Dieser Lagerung der Drehgestelle auf der einen Seite entspricht die folgendermaassen eingerichtete auf der anderen Seite. Die das Ende der Gestelle bildenden Tragscheiben 5 haben hier eine Nabe mit Bohrung; in welche ein bei der Scheibe 46 eingefügter hohler Drehzapfen 61 hineinpasst. Die nach innen reichenden Drehzapfen 61 dienen mittels der Längsdurchbohrung zugleich als Führungsaugen für die Litzen oder Schnüre, die von jedem einzelnen der Drehgestelle abgeliefert werden. Diese Stränge oder Schnüre sind nun um einen Mittelstrang oder Kern zusammenzudrehen, wenn ein Seil hergestellt werden soll. Der Mittelstrang, den man gewöhnlich aus Hanf oder ähnlichem weichen Material bestehen lässt, wird auf eine Trommel diesseits der Maschine aufgewickelt und von dieser zuerst durch die längs durchbohrte Welle 52 und alsdann durch ein Rohr 62 hindurchgeleitet, welches in der anderen, vorn gelegenen Scheibe 46 anschliesst. Dieses Rohr 62 führt dicht an Laufscheiben oder Druckrollen 63 heran, welche in ihrer Anordnung auf dem festen Gestell 50 und ihrem Zwecke nach den bereits beschriebenen Druckrollen 27 entsprechen. Da das Rohr 62 bis nahe an die Druckrollen 63 heranreicht, so wird die gehörige Gleichmässigkeit im Abstande der Stränge von einander und vom Mittelstrang gesichert.

Die Wellen 58, welche durch Zahnräder 15 mit den Wellen 6 der einzelnen Drehgestelle in Verbindung stehen, tragen an ihren Aussenenden herabhängende Kurbelarme 64, deren Zapfen in Löcher eines Ringes 65 eingreifen. Der so an den Kurbelzapfen aufgehängte Ring 65 wird durch seitliche Laufrollen 66, die um Zapfen an den Lagerständern 67 des Gestelles 50 laufen, derart gestützt, dass eine Ausweichbewegung nach einer Seite unmöglich gemacht ist.

Beim Betrieb der beschriebenen Maschine rotirt sowohl das ganze durch die beiden Seitenscheiben 46 bezeichnete Gestell, als auch jedes der eingebauten Drehgestelle, während der Ring 65, insofern er in seiner Lage festgehalten wird, die Drehung der Wellen 58 verhindert. Die durch Abwälzen der Räder 16 an den Rädern 15 erzeugte Drehbewegung der Wellen 6 hat unter Voraussetzung gleicher Durchmesser bei den Rädern 17 und 4 zur Folge, dass die Spulenrahmen 1 keine wirksame Drehung um ihre Achse erfahren.

Nach Fig. 89 und 90, welche eine abgeänderte Einrichtung der Drehgestelle veranschaulichen, wird der Drehungsantrieb der Maschine durch eine Riemenscheibe 70 bewirkt, die fest mit den Ankerstangen 8 verbunden ist. Der Zapfen 71 dieser Riemenscheibe und somit zugleich |274| des Drehgestelles geht durch ein Lager in einem hinteren Lagerständer 72 hindurch.

Textabbildung Bd. 292, S. 274
Diese Maschine soll insbesondere zur Herstellung von Faserstoffseilen, Hanfseilen, dienen, bei denen vor der Vereinigung der Stränge eine Einzeldrehung derselben, und zwar in entgegengesetzter Richtung zur Drehgestellbewegung, erforderlich ist. Zu diesem Zwecke ist ein Räderwerk vorgesehen, bestehend aus dem Zahnrad 73 an dem Zapfen 71, welches durch das Zwischenrad 74 dem Rad 75 Drehung mittheilt, ferner aus dem Zahnrad 77 an der zum Rad 75 gehörigen und im Ständer 72 gelagerten Welle 76 und aus dem Treibrad 78 in Verbindung mit einer Muffe 79, die lose auf dem Zapfen 71 drehbar ist und sich zwischen Riemenscheibe 70 und Endlager 72 befindet. Diese Muffe 79 trägt das Zahnrad 80 (welches ähnlich wie in dem früheren Beispiel das Zahnrad 15) mit Zahnrädern 16 der Wellen 6 in Eingriff steht. Die Drehungsübertragung auf die Spulenrahmen wird unter Vermittelung der Wellen 6, die in Lagern 81 am Drehgestell gelagert sind, durch den Eingriff von Rädern 17 mit Rädern 4 in der früher beschriebenen Weise erzielt.

Textabbildung Bd. 292, S. 274
Behufs Einschaltung verschiedener Radgrössen ist das Zahnrad 74 mit einem in einem Schlitz zu befestigenden Drehzapfen an einer Stellplatte 82 angeordnet. Somit können die Räder 73, 74 zum Zweck der Einrichtung eines anderen Uebertragungsverhältnisses leicht ausgewechselt werden, während auch das Rad 75 verschieden gross gewählt werden kann.

In Fig. 91 ist gezeigt, wie eine Anzahl von Spulen 18 in einen Spulenrahmen oder Spulenträger 1 einzubauen ist. Dieser Rahmen ist dabei länger, um die Spulen hinter einander aufnehmen zu können. Mit Hilfe der Einrichtung ist man im Stande, mehrere Faser- oder Garnsorten, indem sie aus einem einzelnen Rahmen austreten, zu einem Strang zu vereinigen, während, wenn mehrere solcher Spulenrahmen vorhanden sind, alle einzelnen Stränge zu einem einfachen Seil oder Kabel zusammengedreht werden können.

Anstatt Garne durch Drehung zu Schnuren, Litzen u.s.w. und Litzen zu Seilen zu schlagen, kann man bei der Verarbeitung der Garne und Litzen auch den Flechtprocess zu Hilfe nehmen. Die hierbei in Betracht kommenden Hilfsmittel finden nur geringe Anwendung im Seilergewerbe, bieten im Allgemeinen auch nichts Neues. Der Vollständigkeit halber sei aber das Nachstehende noch angefügt.

Textabbildung Bd. 292, S. 274
Johann H. Bek und Jakob H. Bek in Schaffhausen (Schweiz) haben in Patentschrift Nr. 67635, Kl. 25, eine Flechtmaschine zur Herstellung geflochtener vierkantiger Seile in Vorschlag gebracht, bei welcher die die Litzen tragenden Klöppel bei jedem Umlauf eine das Auf- und Zudrehen der Litzen ausgleichende Rückdrehung um 360° ausführen und so die Herstellung gleichmässig dichter Seile ermöglichen.

Die Klöppel werden bei dieser Maschine durch Armkreuze A (Fig. 92 und 93) geführt, die durch vier in einander greifende Zahnräder Z (Fig. 92 und 94) gedreht werden. Eine Verdoppelung der Armkreuze ist vorgesehen, um den Klöppeln eine sichere Führung zu geben.

Behufs Aufnahme der Klöppel endigen die Armkreuze in halbkreisförmige Pfannen P, in welche sich die Büchsen, in denen sich die Klöppel drehen, einlegen. Damit diese während der Bewegung in ihrer Lage erhalten bleiben, greifen zwei auf den Arm kreuzen gelagerte Klinkhebel k mit ihren hakenförmigen Enden über den vorstehenden Rand der Büchsen, wobei die Lage der Hebel |275| durch eine am anderen Ende wirkende Spiralfeder S gesichert wird.

Die senkrecht über einander stehenden Klinkhebel sind durch Stangen g verbunden, an deren Enden Laufrollen g1 angeordnet sind, welche in Verbindung mit festen, schiefen Ebenen als Steuerorgane wirken.

Von den acht Klöppeln, welche der Reihe nach mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 bezeichnet sind, bewegen sich die ungeraden Nummern 1, 3, 5, 7 auf der in Fig. 95 mit xx bezeichneten Klöppelbahn, die geraden Nummern 2, 4, 6, 8 auf der Bahn yy.

Um an den Kreuzungsstellen den Klöppel aus dem einen Armkreuz in das andere übergehen zu lassen, ist die Verbindung der Büchse mit dem ersten Klinkhebel zu lösen und mit dem Klinkhebel des zweiten Armsystems herzustellen. Zu dem Zwecke sind nahe den Uebergangsstellen der Klöppel auf einem in die Maschine eingebauten festen Rahmen kreisbogenförmig gestaltete Steuerleisten s1s2s3... t1t2t3... angeordnet, deren Enden als schiefe Ebenen s0 und s01 gestaltet sind.

Die eingangs erwähnte Theilung der Klöppel in zwei Gruppen erfordert auch eine Zweitheilung der Steuerorgane, welche durch die verschiedenen radialen Abstände der als solche wirkenden Leisten s1s2s3... t1t2t3... erzielt wird.

Nähert sich beispielsweise der Klöppel 1, welcher der Bahn xx angehört, der Kreuzungsstelle, so werden durch Auflaufen der Rolle g1 auf die Schiefebene s0 der Steuerleiste s1 die betreffenden Klinken des Armkreuzes I ausgelöst. Die zum Erfassen des Klöppels bestimmten Klinkhebel des Armkreuzes II sind bereits vorher durch die Leiste s2 unter Vermittelung der betreffenden Rolle g1 angehoben und fallen in dem Augenblick nieder, wo der Klöppel sich in der Mittellage befindet. Der weitere Lauf des Klöppels wird durch die Steuerleisten s3s4 u.s.w. in gleicher Weise geregelt.

Nähert sich der Klöppel 2, welcher der Bahn yy angehört, der Uebergangsstelle, so wird der ihn haltende Klinkhebel durch die Steuerleiste t2 ausgelöst, während durch Vermittelung der Steuerleiste t3 der Hebel des anderen Armkreuzes einklinkt.

Die Länge der Steuerleisten ist so gewählt, dass der auslösende Hebel beim Niedergang den Rand der Büchse des weitergeführten Klöppels nicht wieder erfassen kann.

Um den Klöppeln die im Vorangegangenen erwähnte Rückwärtsdrehung um 360° zu geben, ist jeder Klöppel mit einem Zahnrad z versehen, welches bei einem Umlauf des Klöppels mit zwei an der Klöppelbahn einander gegenüber angebrachten Zahnsegmenten z1 in Eingriff kommt und hierbei jedesmal um 180° gedreht wird.

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