Titel: Gewinnung und Verbrauch von Platin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 2 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi03_2

Gewinnung und Verbrauch von Platin.

Nach der Erfindung der elektrischen Glühlampe im J. 1880 hat sich der Platinverbrauch in Europa und Amerika rasch gesteigert, obgleich die für jede Lampe nöthige Platinmenge nach und nach bedeutend verringert wurde. Die ersten Edison-Lampen enthielten 53 mg Platin, die ersten Sawyer-Mann-Lampen über 100 mg. Jene enthalten jetzt kaum 8 mg und diese gar kein Platin; ebenso haben Siemens und Halske die Menge möglichst ermässigt. Trotzdem ist der Platinverbrauch zu Glühlampen seit 1880 auf 1705 k im J. 1892 gestiegen. Sollte die Sawyer-Mann-Lampe Erfolg haben, was man übrigens noch nicht weiss, so könnte das Platin für diesen Zweck vielleicht ganz überflüssig werden. Andererseits aber kann man einwenden, dass grosse auf die Platinbenutzung begründete Lampenfabriken so wenig davon verwenden, dass dessen Werth nur 5 Proc. desjenigen der Lampe beträgt. Deshalb wird der Bedarf dieser Industrie wahrscheinlich eher wachsen als sinken.

Ausserdem gibt es noch zwei wichtige Verwendungen des Platins, zu den Concentrationsapparaten für Schwefelsäure und zur Zahntechnik. In den letzten Jahren wurden hierfür 2480 k berechnet. Die Säurefabrikation scheint sich zu vergrössern, und wenn auch Glas zum Theil Platin zu ersetzen beginnt, so ist die Annahme doch berechtigt, dass man immer mehr Platin nöthig haben wird. Die Zahnärzte werden dieses Metall wahrscheinlich immer anwenden, weil es das einzige ist, welches Schwerschmelzbarkeit, Geschmeidigkeit und. Stärke mit einander verbindet. Allein in England und Amerika verbraucht man |72| 1860 k, und diese Menge erhöht sich jährlich wahrscheinlich um 2 bis 3 Proc.

Zu anderen Zwecken, chemischen Tiegeln u.s.w., hat man jährlich ungefähr 620 k nöthig. Alles in Allem werden also 6680 k erforderlich sein; diesen Bedarf deckt altes Platin mit 30 bis 40 Proc. so dass 4000 bis 4700 k zu gewinnen bleiben. Viele Jahre hat der Ural den grössten Theil (92 Proc.) dieses Bedarfes geliefert, aber wie lange wird das dauern? – Nach der amtlichen Statistik hat die russische Platinproduction im J. 1887 ihren Höhepunkt erreicht; dann fiel sie auf 2700 k und verblieb auf dieser Höhe bis 1891 unverändert, in welchem Jahre sie zufolge des abnorm hohen Metallpreises auf 4226 k stieg. Aber viele der alten Uralgruben sind jetzt erschöpft, und man glaubt, dass der Höhenpunkt der russischen Platingewinnung bereits überschritten ist. Man muss sich deshalb nach neuen Bezugsquellen umsehen, und solche sind Columbien, Britisch-Columbien und die Vereinigten Staaten. Gegenwärtig gewinnt man in Columbien jährlich 125 k und zwar nur durch Waschen.

Das platinführende Gebiet ist sehr ausgedehnt, wenn verhältnissmässig auch arm, und eignet sich zum Wäschereibetriebe theilweise ganz gut. Ein nicht unbedeutendes amerikanisches Kapital ist dort schon angelegt, und man kann wohl annehmen, dass Columbia ein wichtiges Productionsgebiet werden wird. Das einzige, einigermaassen bedeutende Fundgebiet Britisch-Columbiens bildet der Talameefluss. Eine Gesellschaft für Platingewinnung hat sich bereits gebildet, aber der Erfolg ist noch ein geringer und bestand in etwa 65 k Metall. In den Vereinigten Staaten hat man viele Versuche gemacht, Platin zu finden, aber ohne besonderen Erfolg. In den Wäschen Californiens und Oregons hat man Platin als zufällige Beimengung angetroffen. Vielleicht könnte man in Californien Platin gewinnen, wenn die dortige Gesetzgebung das Auswaschen nicht verhinderte. (Teknisk Tidskrift nach Eisenzeitung.)

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