Titel: Verminderung des Rauches.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1894, Band 292/Miszelle 2 (S. 119–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj292/mi292mi05_2

Verminderung des Rauches.

Mit Recht ist mehrfach auf den entscheidenden Einfluss des Heizers auf die Kesselfeuerung und insbesondere auf die Beseitigung des Rauches hingewiesen worden. Die Schwierigkeit lag bisher darin, schreibt die Eisenzeitung, den einzelnen Heizer zu veranlassen, dass er stets bemüht ist, rauchfrei zu feuern. Diese Sachlage ist von der Polytechnischen Gesellschaft in Leipzig in Rücksicht gezogen worden und hat zu folgendem einfachen System geführt:

Die Heizer werden bei ihrer Heizerthätigkeit das ganze Jahr hindurch beobachtet, und zwar wird in kurzen Zwischenräumen festgestellt, welche Art Rauch der oberen Schornsteinmündung entsteigt. Die Raucharten, nämlich sehr leichter, heller, dünner, dunkler, dickwolkiger Rauch werden mit Zahlen 1, 2, 3, 4 bezeichnet, bei jeder Beobachtung aufgeschrieben und von Zeit zu Zeit die Zahlen zusammengestellt, um schliesslich durch eine Hauptmittelzahl für ein Beobachtungsjahr das Gesammtbild der einzelnen Heizerleistungen zu gewinnen.

Um jedoch den Heizern aufzugeben, auf welche Weise rauchfreies Heizen herbeizuführen ist, enthält jeder derselben, sofern der betreffende Schornstein durch den Fabrikbesitzer zur Beobachtung angemeldet und eingeschrieben wurde, einfache, leicht verständliche und leicht zu befolgende Heiz Vorschriften.

Am Ende des Jahres werden die Beobachtungsergebnisse zusammengestellt, um hierdurch die Reihenfolge der beobachteten Heizer nach Güte ihrer Heizarbeit zu ordnen und alsdann die Belohnung der Jahresheizarbeit ins Werk zu setzen. Es werden für beste Leistungen Diplome nebst 25 M., für gute Leistungen Zeugnisse mit 20 M., für anerkennenswerthe Leistungen ebenfalls Zeugnisse mit 15 M. und für beachtenswerthe Fortschritte Bescheinigungen mit 10 M. gegeben.

Die Beiträge für die Belohnungen werden erhalten durch Anmeldegebühren, welche jeder Schornsteinbesitzer in Höhe von 20 M. fürs Jahr zu zahlen hat. Diese geringe Gebühr wird durch das sorgfältigere Heizen und die hierdurch herbeigeführte wesentliche Kohlenersparniss reichlich aufgewogen.

Schon im ersten Versuchsjahr stellte sich heraus, dass der schlechteste Heizer der beobachteten Schornsteine noch besser war als der beste Heizer derjenigen Schornsteine, die zwar beobachtet wurden, aber nicht zur Beobachtung eingeschrieben waren; in Folge dessen wurden schon im ersten Jahre sämmtliche |120| eingeschriebene Heizer als belohnungswürdig erkannt. Während im ersten Jahre schon günstige Ergebnisse erzielt wurden, haben sich diese im zweiten Jahre noch ganz erheblich verbessert.

Im ersten Jahre war die schlechteste Mittelzahl 2,73, im zweiten fiel sie trotz schärferer Beobachtung auf 2,162. Im ersten Jahre gab es vier Heizer mit Mittelzahlen über 2,00, im zweiten Jahre deren nur zwei; für die Behauptung, dass die Rostconstruction wenig Einfluss auf die Rauchbildung hat, spricht der Umstand, dass bei 15 Planrosten, welche sich unter Beobachtung befanden, unter diesen sowohl die schlechteste als auch die beste Mittelzahl sich vorfand.

Das System beruht, ganz allgemein gesagt, darauf, dass der Heizer während des ganzen Jahres bei seiner Heizerthätigkeit beobachtet wird, dass ihm durch Heizvorschriften Anleitung zum rauchfreien Feuern gegeben ist, und dass ihm am Schluss eines Jahres mit Hilfe der vom Schornsteinbesitzer gegebenen Einschreibegebühr von Seiten einer unparteiischen Körperschaft Belohnungen in Gestalt von Diplomen und Geldbeträgen zu Theil werden.

Die zweijährige Durchführung des genannten Systems hat die Nützlichkeit desselben auf das schlagendste erwiesen, und ist nur zu wünschen, dass dieselbe in recht vielen Städten des Deutschen Reiches ebenfalls zur Einführung gebracht wird, zumal dies ohne nennenswerthe Kosten mit geringer Mühe ins Werk gesetzt werden kann.

Die Polytechnische Gesellschaft, Gewerbeverein für Leipzig, ist gern bereit, die zur Durchführung erforderliche genaue Anleitung nebst dazu gehörigen Unterlagen gegen Einsendung von 00 Pf. an Behörden oder Vereine postfrei zu übermitteln. (Zum fleissigen Gebrauche dieser Anerbietung möchten wir hiermit anregen. D. R.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: